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Karl Marx und die Kritik der politischen Ökonomie/ Geschichtstheorie

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Der "Historische Materialismus" begreift sich selbst als eine kritische Theorie der Gesellschaft, als radikale Geschichtsschreibung, als revolutionäre Soziologie. Behandelt der so genannte "Dialektische Materialismus" [1] im wesentlichen allgemeine philosophische (sprich: ahistorische) Kategorien (z.B. Raum, Zeit, Materie, Bewegung, Alt, Neu, Negation, Affirmation etc.), also die Grundlagen marxistischer Terminologie, beschäftigt sich die marxistische Geschichts- und Gesellschaftstheorie vorwiegen mit historischen Kategorien. Die wichtigsten sind in der Folge dargestellt:

Determinismus

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Nach marxistischer Auffassung bestimmen nicht Götter, Schicksalsschläge und Prophezeiungen, oder Könige und große Köpfe den Verlauf der Geschichte, sondern alle Menschen schreiben ihre Geschichte selbst – unter bestimmten Voraussetzungen und Bedingungen. Diese Auffassung wird häufig als historischer oder ökonomischer Determinismus bezeichnet.

"Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen."

Karl Marx: Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte. 1852, MEW 8, S. 115 [2]

(Vgl. Karl Marx: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung. Paris 1843 [3] & [4])

Gesellschaftsstruktur

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Produktion

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Produktivkräfte

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Produktionsverhältnisse

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Privateigentum

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Produktionsweise

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Basis und Überbau

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„Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewusstseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozess überhaupt. Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.“

Karl Marx: Zur Kritik der politischen Ökonomie (1859), Vorwort, in: MEW 13, S. 8 f.

Achtung: Da es sich hierbei bloß um eine Stelle aus dem Vorwort einer Vorarbeit zum „Kapital“ handelt, ist bei der Verallgemeinerung dieser und ähnlicher Passagen Vorsicht angebracht.

Klassenkämpfe

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Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen. Freier und Sklave, Patrizier und Plebejer, Baron und Leibeigener, Zunftbürger und Gesell, kurz, Unterdrücker und Unterdrückte standen in stetem Gegensatz zueinander, führten einen ununterbrochenen, bald versteckten, bald offenen Kampf, einen Kampf, der jedesmal mit einer revolutionären Umgestaltung der ganzen Gesellschaft endete oder mit dem gemeinsamen Untergang der kämpfenden Klassen.“

Karl Marx: Manifest der kommunistischen Partei (1847), in MEW 4, S. 462.

Die ökonomischen Verhältnisse haben zuerst die Masse der Bevölkerung in Arbeiter verwandelt. Die Herrschaft des Kapitals hat für diese Masse eine gemeinsame Situation, gemeinsame Interessen geschaffen. So ist diese Masse bereits eine Klasse gegenüber dem Kapital, aber noch nicht für sich selbst. In dem Kampf, den wir nur in einigen Phasen gekennzeichnet haben, findet sich diese Masse zusammen, konstituiert sie sich als Klasse für sich selbst. Die Interessen, welche sie verteidigt, werden Klasseninteressen. Aber der Kampf von Klasse gegen Klasse ist ein politischer Kampf.“

Karl Marx: Das Elend der Philosophie (1847), in MEW 4, 180 f.

Marx entwichelt hier die Unterscheidung von Klasse an sich und Klasse für sich. Erstere definiert sich durch die ökonomische Stellung in der Produktion, sprich: die gesellschaftlichen Besitzverhältnisse, während es sich bei letzterer um eine bewusstere Stufe handelt. Lenin führt dieses Schema in seiner Schrift Was tun? (1902) bei seiner Rede vom ökonomischen Bewusstsein weiter. Darunter versteht Lenin die Stufe gewerkschaftlicher Kämpfe. Im Zuge politischer Auseinandersetzungen kommt es zur Herausbildung eines antikapitalistischen, revolutionären Bewusstseins. Lenin sprich hier noch vom sozialdemokratischen (oder sozialistischen) Bewusstsein.

Klassenlose Gesellschaft

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In einer höheren Phase der kommunistischen Gesellschaft, nachdem die knechtende Unterordnung der Individuen unter die Teilung der Arbeit, damit auch der Gegensatz geistiger und körperlicher Arbeit verschwunden ist; nachdem die Arbeit nicht nur Mittel zum Leben, sondern selbst das erste Lebensbedürfnis geworden; nachdem mit der allseitigen Entwicklung der Individuen auch ihre Produktivkräfte gewachsen und alle Springquellen des genossenschaftlichen Reichtums voller fließen – erst dann kann der enge bürgerliche Rechtshorizont ganz überschritten werden und die Gesellschaft auf ihre Fahne schreiben: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“

Karl Marx: Kritik des Gothaer Programms (1875), in: MEW 19, S. 21.

Hier knüpft Marx an Hegels System an. Die Produktivkräfte sind bei Hegel der Weltgeist und statt von Kapitalisten und Proletariern spricht er von „Herr und Knecht“. Auch die Bewusstseinsstufen beim Übergang von der Klasse an sich zur Klase für sich erinnern stark an Hegels Dialektik.

Einzelnachweise

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