Kleiner Führer zu Burgen, Schlössern und Rittersitzen: Zwischen Kleve und Hünxe: Haus Schmithausen

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Nuvola apps bookcase.svg Kleiner Führer zu Burgen, Schlössern und Rittersitzen Nuvola apps bookcase 1.svg Zwischen Kleve und Hünxe Gnome-mime-application-x-dvi.svg TourstationenGnome-mime-application-x-dvi.svg Haus Schmithausen


Haus Schmithausen, ehemalige Gartenseite

Auf einen Blick
Adresse: Emmericher Straße 24,
47533 Kleve-Kellen
Verwendung: Büros
Bauherr(en): Hans Christian von der Meyen
Bauzeit: um 1770
Architekturstil: Rokoko, niederländischer Klassizismus
Geokoordinate: 51° 48′ 9″ N, 6° 10′ 28″ O
Bildergalerie: Wikimedia Commons

Überblick[Bearbeiten]

Das Haus Schmithausen ist ein Rokoko-Schlösschen an der Bundesstraße 220 im Klever Stadtteil Kellen. Es geht auf eine mittelalterliche Wasserburg zurück, die im 18. Jahrhundert durch den heutigen Schlossbau ersetzt wurde. Mittlerweile ist Haus Schmithausen Eigentum des Kreises Kleve und seit 1993 Sitz der Euregio Rhein-Waal.

Beschreibung[Bearbeiten]

Das Haus Schmithausen ist ein als Landsitz erbautes kleines Schloss in der Formensprache des niederländischen Klassizismus. Es besteht aus einem zweigeschossigen Mittelpavillon, dessen glockenförmig geschwungenes Dach von einem Aussichtsbalkon, einem sogenannten Belvedere, abgeschlossen wird. Zu beiden Seiten des Mittelbaus schließen sich kurze, eingeschossige Seitenflügel mit Mansarddächern an. Der gesamte Bau wird durch große Rechteckfenster erhellt.

Die einstige Gartenseite – heute der Straße zugewandt – besitzt ein flaches Mittelrisalit, der von einem Dreiecksgiebel bekrönt ist. Im Obergeschoss findet sich ein kleiner Balkon aus dem 19. Jahrhundert. Die hofseitige Fassade des Mittelpavillons ist durch drei steile Blendnischen gegliedert, wovon die mittlere das schlichte Portal und das darüber liegende Treppenhausfenster umrahmt.

Im Inneren des Schlösschens sind noch das Treppenhaus und der sogenannte Gartensaal im Erdgeschoss in ihren ursprünglichen Rokoko-Formen erhalten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Wurzeln des heutigen Schlossbaus liegen in einer zweiteiligen Wasserburg an gleicher Stelle, die 1442 (siehe Geschichte des Hauses auf heimat-kleve.de, Stand: 22.05.2005) anlässlich einer Erbteilung erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die Burg besaß ihren Namen von dem etwa 400 Meter entfernten Flecken „Smithuysen“, der schon im 11. Jahrhundert als Zollstation ein wichtiger Handelsplatz am heutigen Altrhein war. Er verlor jedoch seine handelstechnische Bedeutung, als der Rheinarm zwischen 1289 und 1300 versandete und der Rheinzoll infolge dessen 1318 nach Emmerich verlegt wurde.

Die Wasserburg des 15. Jahrhunderts war eine zweiteilige Anlage. Eine Holzbrücke führte über den Wassergraben zu einem Torturm, der gemeinsam mit anderen Gebäuden einen Burghof umschloss. Die Anlage wurde von den Klever Herzögen und ihren Nachfolgern, den Kurfürsten von Brandenburg, im Laufe der Jahrhunderte als Lehen an verschiedene Landadlige vergeben. Ein Stich von Jan de Beijer zeigt die Burg, wie sie im Jahr 1744 ausgesehen hat.

Bauherr des um 1770 (siehe [Deh1967], S. 275) errichteten heutigen Gebäudes war der Direktor der preußischen Kriegs- und Domänenkammer, Hans Christian von der Meyen. Der Architekt ist bis heute unbekannt, stammte aber wahrscheinlich aus den Niederlanden. Von der Meyen verkaufte das Schlösschen noch vor Bauende an den klevischen Geheimen Rat Casimir Bilgen, der wahrscheinlich den Gartensaal ausmalen ließ.

Ab dem Jahre 1935 diente Haus Schmithausen als Landwirtschaftsschule, zu Beginn des Zweiten Weltkriegs dann kurzzeitig als Grundschule. Seit 1975 beherbergte es das Medienzentrum des Kreises Kleve. Nach umfangreicher Renovierung ist Haus Schmithausen seit 1993 Sitz der Euregio Rhein-Waal, ein Verband zur Förderung deutsch-niederländischer Zusammenarbeit. Auf dem Grundstück des Schlosses wurde dazu ab September 2004 ein moderner Sitzungssaal für Konferenzen errichtet.

Zwischen 2003 und 2006 ließ der Kreis Kleve erneut umfangreiche Sanierungsmaßnahmen am Gebäude vornehmen, um unter anderem die teilweise abgesackten Fundamente zu stabilisieren und das Auseinanderbrechen des unter Denkmalschutz stehenden Hauses zu verhindern.


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