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Kleiner Führer zu Burgen, Schlössern und Rittersitzen: Zwischen Kleve und Hünxe: Schloss Kalbeck

Aus Wikibooks


Schloss Kalbeck von Südwesten gesehen (2004)
Auf einen Blick
Adresse: Kalbeck 5, 47652 Weeze
Verwendung: priv. Wohnung, Büroräume
Bauherr(en): Familie von Vittinghoff-Schell
Familie von Elverfeldt-Ulm
Bauzeit: 1906 bis 1910
Architekturstil: Historismus
Geokoordinate: 51° 40' 29" N, 6° 12' 23" O
Website: schloss-kalbeck.de
Bildergalerie: Wikimedia Commons

Überblick

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Das Schloss Kalbeck befindet sich in der niederrheinischen Stadt Weeze. Die heutige Anlage geht wohl auf eine Hofstelle zurück, die zu einer Wasserburg ausgebaut und im 14. Jahrhundert erstmals urkundlich unter dem Namen Calbeck erwähnt wurde. Die heutige Schreibweise Kalbeck kam erst ab 1929 in Gebrauch.

Nachdem die Burg durch Brand zerstört worden war, ließ die damalige Eigentümerin, die Familie von Vittinghoff-Schell, etwa einen Kilometer vom ursprünglichen Ort entfernt ab 1906 ein neues Schloss erbauen. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Gebäude stark zerstört, aber bis in die heutige Zeit nach und nach wiederaufgebaut.

Beschreibung

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Die heutige Schlossanlage besteht aus dem nördlich gelegenen Herrenhaus, dem sich westlich ein viereckiger Turm mit Glockenhaube anschließt. Er stellt den Rest des ehemaligen Wohnflügels im Westen dar.

Südlich des Herrenhauses steht ein zweiflügeliger Gebäudekomplex, der einst die Ökonomiegebäude des Schlosses beherbergte. Von seinem Westflügel führt eine lange Bogenbrücke in den restaurierten Barockgarten nach französischem Vorbild. Dort umfassen vier symmetrisch angelegte Beete ein kreisrundes Wasserbassin in ihrer Mitte.

Geschichte

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Bewohner und Besitzer

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Die erste urkundliche Erwähnung Kalbecks fand 1326 statt, als Graf Rainald II. von Geldern „den hoff te Calbeke“ an Dirk Loef III. von Kleve zu Lehen gab. Die Lehnsherrschaft über Kalbeck wechselte später wiederholt zwischen dem Herzogtum Geldern und dem Herzogtum Kleve, sodass dort entsprechend verschiedene Lehnsmänner zu finden waren.

1647, als die Familie Morrien über die Burg und die umliegenden Höfe gebot, wurde Kalbeck durch den Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg in den Rang einer eigenständigen Herrschaft erhoben, die im Jahr 1722 187 Einwohner zählte und erst 1928 mit der Eingemeindung nach Weeze ihre Selbständigkeit verlor. Die Morriens stammten aus Westfalen und wurden 1670 in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Sie besaßen im Münsterland unter anderem die Herrschaft Nordkirchen und waren auch die Herren von Lüdinghausen.

Die Erbin und Herrin zu Kalbeck heiratete 1838 Friedrich von Vittinghoff-Schell, dessen Familie seit 1452 auf Schloss Schellenberg in Essen wohnte, und brachte das Schloss mit in die Ehe. Nachdem Ende des 19. Jahrhunderts in geringer Entfernung des Essener Schlosses ein Kohleförderschacht niedergebracht worden war und eine Seilbahn zur Beförderung der Kohle nur 100 Meter vom Schloss entfernt verlief, machte die Familie Vittinghoff-Schell Kalbeck zu ihrem Hauptwohnsitz.

Durch Heirat von M. J. Freiin von Vittinghof-Schell, der Nichte des Weezer Bürgermeisters Felix Freiherr von Vittinghoff-Schell, kam Schloss Kalbeck an die Familie Spies von Büllesheim. Seit Mitte 2001 wird die Anlage nun von Antoinette Freifrau von Elverfeldt-Ulm, geb. Spies von Büllesheim, und ihrer Familie bewohnt.

Baugeschichte

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Das 1326 urkundlich erwähnte Calbeck war wohl zunächst eine Hofstelle und wurde erst im 14. Jahrhundert zu einer Wasserburg ausgebaut. Es befand sich gegenüber dem heutigen Gasthaus „Jan an de Fähr“, wo die Kalbecker Ley in die Niers mündet.

Ein großer Brand in der Silvesternacht 1799/1800 beschädigte die Anlage schwer, und die Besitzer mussten fortan in der Vorburg wohnen. Erhaltene Zeichnungen von Cornelis Pronk und seines Schülers Jan de Beijer von 1731 bzw. 1743 zeigen noch den alten Baubestand vor seiner Zerstörung.

Als die Familie von Vittinghoff-Schell zu Beginn des 20. Jahrhundert den Entschluss gefasst hatte, ihren Wohnsitz nach Kalbeck zu verlegen, wollte sie nicht mehr die ruinöse alte Anlage nutzen und ließ in der Zeit von 1906 bis 1910 einen Kilometer davon entfernt im Wald ein neues Schloss im Stil des Historismus errichten. Die Pläne dazu fertigte der Architekt Hermann Schaedtler, dem das im 17. Jahrhundert erbaute Schloss Oberwerries in Hamm als Vorbild diente. Der Neubau bestand aus zwei zweiflügeligen Gebäudeeinheiten, dem Herrenhaus mit Wohn- und Repräsentationsräumen und der Vorburg als Wirtschaftstrakt. Die Westflügel der beiden Gebäude waren nur durch die heutige Hofzufahrt getrennt, sodass die Anordnung der Bauten den Eindruck einer dreiflügeligen Gesamtanlage vermittelten.

Durch Kriegseinwirkungen brannte im Februar 1945 der größte Teil des Schlosses aus, wobei der südliche Herrenhausflügel am stärksten in Mitleidenschaft gezogen und in der Nachkriegszeit nur zur Hälfte wiederaufgebaut wurde. Das erste Geschoss mit der Schlosskapelle und der Bibliothek blieb erhalten, während der Rest zu einer großen, nach oben offenen Halle umgestaltet wurde. Der westliche Flügel wurde gemäß heutigen Wohnbedürfnissen instand gesetzt, doch von der ursprünglichen Ausstattung des Gebäudes ist nichts mehr erhalten.

Im Zuge des Wiederaufbaus wurde auch der etwa vier Hektar große Schlosspark 1950 neu gestaltet. Auf der sich westlich des Hauses befindlichen Gartenfläche wurde eine Rosenbeetanlage nach barocken Vorbildern geschaffen und 1965 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ihre symmetrisch angelegten Beete werden von niedrigen Buchsbaumhecken umrahmt. Bis 1997 fand dort jedes Jahr am ersten und zweiten Sonntag im Juli die „Kalbecker Rosenschau“ statt, die aber mit zunehmender Alterung und Absterben eines Großteils der Rosen eingestellt werden musste. Die Einnahmen dienten der Krankenbruderschaft Rhein-Maas für die Betreuung der Kranken und Behinderten auf Pilgerfahrten vor allem nach Lourdes.

Seit 2001 werden die Schlossgebäude nach und nach renoviert und wiederaufgebaut. Nach Abschluss der Arbeiten sollen sie einer Mietnutzung zugeführt werden.


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