Klettern/ Abseilen

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Abseilen mit dem Abseilachter[Bearbeiten]

Abseilachter mit eingelegtem Seil und Karabiner

Das Abseilen mit einem Abseilachter sollte man unbedingt unter fachmännischer Anleitung mehrmals üben, bevor man es alleine versucht. Allerdings wird dies in den meisten Grund-kletterkursen gelehrt.

Abseilen ist am Einfach- und am Doppelstrang möglich. Beim Klettern wird üblicherweise am Doppelstrang abgeseilt, da das Seil nach dem Abseilen abgezogen werden muss.

Zum Einlegen in den Abseilachter wird das Kletterseil doppelt genommen, durch den größeren Ring gezogen und um die Verjüngung in der Mitte des Abseilachters gelegt. Das Seil wird im Abseilachter durch Reibung gebremst. Die Abseilgeschwindigkeit lässt sich durch den Zug am nach unten führenden Seil (Bremsseil) regulieren.Bei Belastung des Abseilachters ist darauf zu achten, dass die in den Karabiner gelegte (kleine) Öse des Achters nicht die Verschlußhülse des Karabiners aufstanzt und so den Achter ungewollt aushängt. Brechen kann der Karabiner auch durch eine Hebelwirkung des Abseilachters auf den Schnapper. Dabei wirkt der Achter als Hebel, indem er sich einerseits am Karabiner abstützt und gleichzeitig auf den Schnapper drückt. Diese Schnapperbelastung kann sehr leicht auftreten, wenn ein Karabiner mit dem Schnapper auf einer Hakenöse, dem Achter oder einem anderen Karabiner aufliegt und unkontrolliert belastet wird. Bei einem Normalkarabiner öffnet sich dann schon bei einer geringen Belastung, z.B. durch Handkraft der Schnapper und der Karabiner hängt sich einfach aus. Wenn der Achter als Hebel so auf den Schnapper einwirkt, halten die heutigen Schraub-, Twistlock-, oder sonstigen Verschlüsse gerade einmal 1KN, also ca. 100kg Gewicht aus. Und auch wenn man weniger wiegt ist dieser Wert durch einen Ruck leicht zu überschreiten. Das Ergebnis: der Schnapper stanzt sich durch die Verschlußhülse, der Schnapper geht auf und der Achter hängt sich aus.


Querverweise: Siehe auch Sicherungs- und Abseilgeräte (Materialinformationen Abseilachter); Sicherungstechnik (Sichern mit dem Abseilachter)


Hintersicherung[Bearbeiten]

Hintersicherung eines Abseilachter durch Prusik unterhalb

Wenn man das Bremsseil loslässt (aus Versehen, oder weil man durch Steinschlag ohnmächtig wird), verliert der Abseilachter seine Bremskraft. Deshalb sollte man grundsätzlich mit Hintersicherung abseilen.

Die Hintersicherung kann z.B. durch eine Prusikschlinge erfolgen, die am Doppelstrang des Kletterseils geknüpft und an den Beinschlaufen des Klettergurtes mittels Verschlusskarabiner fixiert wird. Es gibt auch spezielle Hintersicherungsgeräte die dann ansprechen, wenn das Sicherungsgerät losgelassen wird, z.B. der "Shunt" von Petzl.

Denkbar ist auch eine Zugsicherung von unten. Wird das Seil oder der Doppelstrang an dem abgeseilt wird belastet, bleibt der Abseilende "stehen".

Bei der Hintersicherung am losen Seilende des Doppelstrangs unterhalb des Abseilachters ist darauf zu achten, dass die Hintersicherung so kurz gewählt wird, dass diese nicht in den Abseilachter gezogen werden kann. Seilt man mithilfe eines Tuber (z.B: Reverso), anstatt eines Achters ab, gilt für die Hintersicherung das selbige wie beim Achter. Ist die Hintersicherung (z.B.Prusikschlinge) zu lang, wird diese vom Tuber mitgeschoben (nicht wie beim Achter hineingezogen) und wird wirkungslos !ABSTURZGEFAHR! Um die Gefahr der zu langen Prusikschlinge (kurz: 'Prusik') noch weiter zu minimieren, kann man das Abseilgerät (Achter,Tuber) mit einer Bandschlinge, die als Verlängerung zwischen Gurt und Abseilgerät dient, nach 'oben' verlängern! Dadurch wird die Distanz zwischen Abseilgerät und Prusik größer. Achtung bei Kleidungsstücken oder Haaren, einmal in den Achter (Tuber) gezogen, sind sie nur noch schwer, durch Entlastung des Sicherungsgerätes, wieder zu entfernen.

Bei Hintersicherung im gespannten Doppelstrang oberhalb des Abseilachters entsteht der Nachteil, dass die Bremshand unterhalb des Abseilachters nicht gleichzeitig zum Offenhalten der Prusik verwendet werden kann. Somit werden beide Hände benötigt.

Abseilen mit der HMS[Bearbeiten]

Mit dem Halbmastwurf kann man sehr gut sichern, er neigt aber beim Abseilen zur Krangelbildung (das Seil verdreht sich beim Durchlaufen in sich selbst), wenn nicht beide Seilstränge beim Abseilen parallel gehalten werden.

Abseilen mit anderen Geräten[Bearbeiten]

Weitere Themen[Bearbeiten]

  • Dülfern
  • Schulter-, Hüft-, Oberschenkelsicherung
  • freies Abseilen am zwei Einzelsträngen, uneingebunden; hochgefährlich, wenn ungeübt!
  • Sicherung für Ungeübte beim Abseilen: jemand steht unten und zieht notfalls am Seil
  • Am Doppelstrang abseilen
  • Am Einzelstrang abseilen
  • Abziehen des Einfachseiles
  • Abziehen des Zwillings-/Doppelseiles

Mehr Text[Bearbeiten]

Abseilen mit dem Achter. Nicht sichtbar: Prusik-Schlinge ist in der re. Hand, Seil ist unter dem Fels durch einen Ring gefädelt.

Mehr zu diesem Thema befindet sich im Kapitel Abseilen.

In diesem Abschnitt wird das Abseilen an beiden Seilenden als Rückzugsmethode beschrieben. Es besteht aber auch die Möglichkeit sich an einem einzelnen Seilende (z.B. Fixseil) mit passendem Gerät abzuseilen.

  • Abseilen wird mit oder ohne Partnersicherung gemacht. Es seilt sich immer nur eine Person auf einmal ab. Der Partner wartet derweil an einem sicheren Standplatz.
  • Voraussetzung ist ein verlässlicher Ring oder Haken, durch den sich das Seil fädeln lässt. Genaueres zum Ablauf des Seil-durchfädelns und die dabei auftretenden Gefahren finden sich im Absatz Seil durch Haken fädeln
  • Durch den Ring wird das Seil nun durchgezogen, bis die Mitte des Seiles auf Höhe des Ringes ist, also zwei gleichlange Enden herabhängen. In jedes Seilende sollte ein Knoten gebunden sein (z.B. einfacher Achterknoten), damit das Sicherungsgerät nicht über das Seil laufen kann.
  • In beide Enden wird nun das Sicherungsgerät (z.B. Achter) eingelegt. Um einen fast ungebremsten Sturz beim Loslassen das Seiles (z.b. bei Bewusstseinsverlust durch Steinschlag o.ä.) unterhalb des Sicherungsgerätes (Achter, Tuber, u.ä.) zu verhindern sollte eine Sicherung eingebaut werden. Diese besteht meistens aus einem Kurzprusik (Repschnur mit Ankerstich zu einer ca. 30cm langen Schlaufe knoten. Mit einem Prusik mit dem Abseilseil verbinden und mit einem Karabiner am tiefsten Punkt des Gurtes (z.b. Beinschlaufe) befestigen, welcher beim Abseilen mitgeschoben wird. Wenn sich bereits ein Kletterpartner abgeseilt hat, kann auch dieser die Sicherung übernehmen indem er das Seil belastet um den Abseilenden zu bremsen (Zug nach unten bremst über das Sicherungsgerät).
  • Nun kann der Standplatz abgebaut werden und man sich selbst am Seil ablassen.
  • Ist man am nächsten Standplatz angekommen (dieser sollte zweckmäßigerweise vor dem Seilende kommen und wieder mit einem passenden Ring/Haken versehen sein), hängt man sich dort ein und löst das Sicherungsgerät. Nun kann das Seil abgezogen werden, damit man es am neuen Standplatz erneut durchfädeln kann. Dabei ist zu beachten:
    • Vor dem Abziehen den Knoten im Seilende lösen
    • Ev. vorhandene andere Personen deutlich warnen! Ein aus 30m fallendes Seil kann zu Verletzungen führen oder jemand aus der Wand werfen. Auch können sich beim Herabrutschen Steine und loses Geröll lösen. (Insbesondere wenn das Seil durch einen Riss rutscht, wird dieser vom Seil ausgeputzt.)
    • Befindet man sich beim Abziehen noch an einem Standplatz, sollte das zweite Ende zuvor irgendwo festgebunden werden. Man kann es auch gleich durch den nächsten Ring/Haken fädeln. Sonst kann man es beim Herabfallen u.U. nicht festhalten und es fällt die komplette Wand hinab und man schaut ziemlich dumm aus der Wäsche. Befindet man sich bereits am Boden, ist es zweckmässiger, mehrere Schritte zur Seite zu gehen.

Querverweise: Siehe auch Abseilen