Latein/ Fachbegriffe/ grammatisches und natürliches Geschlecht

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Es ist zwischen dem natürlichen Geschlecht, dem Sexus, und dem grammatische Geschlecht, dem Genus, zu unterscheiden. Das natürliche Geschlecht haftet einem Begriff von Natur aus an; so ist ein Mann männlich, eine Frau weiblich und ein Tisch weder das eine noch das andere. Dennoch ist das Wort „Tisch“ in unserem Sprachgebrauch männlich, dies ist sein grammatisches Geschlecht. Wenn der Sexus Maskulinum oder Femininum vorgibt, so wird dadurch auch das Genus festgelegt: Das Wort „Mann“ ist männlich, das Wort „Frau“ ist weiblich. Ist der Sexus unbestimmt, wird das Genus per Konvention festgelegt („der Tisch“) und kann sich im Laufe der Zeit sogar ändern. So war „das Sofa“ früher einmal maskulin.

Im Lateinischen wird das grammatische Geschlecht eines Wortes für gewöhnlich durch seine Deklination festgelegt. Dabei sind Wörter aus der a- und e-Deklination weiblich, die aus der u-Deklination männlich und die aus der o-Deklination männlich oder sächlich. Allerdings gilt auch hier, dass der Sexus, sofern vorhanden, das Genus festlegt. So ist poeta („der Dichter“) zwar ein Wort der a-Deklination, aber trotzdem ein Maskulinum. Will man ihm nun ein Adjektiv beistellen, muss dieses in der männlichen Form passieren: Der „hervorragende Dichter“ ist poeta egregius und nicht poeta egregia. Zudem gibt es einige Wörter, die zwar keinen Sexus haben, aber trotzdem vom Standard abweichen: manus („Hand“) ist ein Substantiv der u-Deklination, aber trotzdem feminin.

Einige Gruppen von Wörtern haben ein bestimmtes Genus, unabhängig von ihrer Deklination:

  • Flüsse, Winde, Völker und Monatsnamen sind meistens männlich,
  • Städte, Länder, Inseln und Bäume sind meistens weiblich.

Dies kommt dadurch zustande, dass beispielsweise Flüsse mit (männlichen) Göttern und Bäume mit Nymphen in Verbindung gebracht wurden oder bestimmte Konzepte, wie populus („Volk“, maskulin) oder terra („Land“, feminin) dahinter standen.