Latein/ Fachbegriffe/ sonstige

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reflexiv und nicht-reflexiv; innerlich abhängiger Nebensatz[Bearbeiten]

Herkunft des Wortes

reflectere = rückwärts biegen

Bedeutung des Wortes

Ein Wort wird reflexiv oder rückbezüglich genannt, wenn es sich auf das Subjekt desselben Satzes bezieht. Ist eine andere Sache oder Person (in einem anderen Kasus o.a.) gemeint, so ist das Wort nicht-reflexiv. Üblicher Weise wird nur bei Personal- und Possessivpronomen zwischen reflexiv oder nicht-reflexiv unterschieden. In Nebensätzen oder Partizipialkonstruktionen sind Pronomina reflexiv, wenn sie sich auf das Subjekt des übergeordneten Satzes oder auf dessen Gedanken (nicht die des Sprechers!) beziehen. Reflexive Pronomen werden auch in sog. innerlich abhängigen Nebensätzen benutzt, wenn man sich auf das logische und nicht das grammatisch richtige Subjekt beziehen will.

Weitere Erläuterungen und Beispiele findet man unter „Pronomina - Personalpronomen“.


transitiv und intransitiv; persönliches und unpersönliches Passiv[Bearbeiten]

Herkunft des Wortes

transire = übergehen (d.h. die Wirkung der Tätigkeit ist auf ein Objekt übergegangen)


Bedeutung des Wortes Ein Verb ist transitiv, wenn es ein Objekt im Akkusativ besitzen kann (muss es aber nicht unbedingt); alle anderen Verben sind intransitiv (auch wenn sie ein Objekt z.B. im Dativ besitzen). Bsp.e:

  • do = „ich gebe“ (dies ist ein unvollständiger Satz: zum Verständnis benötigt das transitive Verb dare noch ein Objekt)
  • tibi do = „ich gebe dir“ (jetzt besitzt das Verb zwar ein Objekt, doch mit dem Dativobjekt kennt man nur den Empfänger: der Satz ist immer noch unvollständig!)
  • librum tibi do = „ich gebe dir das Buch“ (jetzt kann man den Satz verstehen: die Wirkung von dare ist auf das Objekt librum übergegangen (transitiv, s.o. „Herkunft des Wortes“)
  • librum tibi do = „ich gebe dir das Buch“
  • venio = „ich komme“ (für dieses Verb wird kein Akkusativobjekt benötigt: es ist intransitiv)
  • venio obviam = „ich komme entgegen“ (man kann aber dieses Verb anders ergänzen: hier ist es ein Adverb)
  • video = „ich sehe“ (dieses Verb muss nicht transitiv benutzt werden: „ich sehe“ bedeutet lediglich, dass man ganz allgemein etwas sehen kann, aber nicht sagt, was man sieht)
  • oppidum video = „ich sehe die Stadt“ (hier wird video transitiv benutzt: man will erläutern, was man sieht)


Werden intransitive Verben im Lateinischen mit dem Passiv formuliert, dann stehen sie in der 3. Person (der Perfektstamm ist dann ein Neutrum): diese Formulierung nennt man unpersönlich. Bei diesem unpersönlichen Passiv wird der Urheber der Tätigkeit nicht genannt: im Deutschen formuliert man oft mit „es wird/wurde usw.“. Wer von der Wirkung betroffen ist, wird im Dativ genannt (Dativ des entfernteren Objekts). Ein persönliches Passiv können dagegen nur transitive Verben bilden. Bsp.e:

  • nemini parcetur = „niemand wird verschont“ (parcere ist intransitiv, verlangt aber ein Dativobjekt. Sinngemäß heißt es: „es wird niemandem Schonung gewährt“)
  • mihi persuasum est = „ich bin überredet/überzeugt (worden)“ (im Deutschen kann persönlich mit „ich“ formuliert werden)
  • mihi persuasi (gleichbedeutend zum vorherigen Satz) = „ich bin überredet worden/ich bin überzeugt“ (wörtlich: „ich habe mich (selbst) überredet/überzeugt (von einer Sache)“)
  • amor = „ich werde geliebt“ (amare ist transitiv: hier können die Passivformen auch in den anderen als nur in der 3. Person stehen)

Zwischen dem Lateinischen und dem Deutschen kann es Abweichungen zwischen transitiven und intransitiven Verben geben: eine Hand voll Verben, die im Lateinischen transitiv sind, werden im Deutschen intransitiv übersetzt. Und umgekehrt gibt es einige lateinische Verben, die mit dem Dativ formuliert werden, aber in der deutschen Übersetzung wird ein transitives Verb benutzt!