Lichtmikroskopie: Anfertigung von mikroskopierbaren Präparaten

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Vorausgehend sei gesagt, dass es für die Präparation von Objekten für ein Lichtmikroskop keinen allgemeinen, immer gültigen Arbeitsweg gibt. Vielmehr sollte man immer mehrere Möglichkeiten im Hinterkopf haben, um dann die Präparationsmethode, die auf die Situation und die Umstände am besten angepasst ist, auswählen. So ist es beispielsweise nicht angebracht zu versuchen Bakterien mit einem Skalpell zu zerteilen, was aber zum Beispiel bei der Betrachtung eines Blattes hilfreich sein kann (Blattquerschnitt).

Häufige Arbeitsschritte[Bearbeiten]

  • Zuerst wird das Objekt auf den Objektträger gelegt, und dann ein Tropfen Wasser darauf gegeben.
  • Folgend legt man ein Deckglas darüber, wobei möglichst darauf geachtet werden sollte, dass kein Lufteinschluss entsteht.

Methoden[Bearbeiten]

Nährböden[Bearbeiten]

Wenn man Nährböden mit Bakterienbewuchs beobachtet ist es oft der Fall, dass man diese nicht weiter präpariert, sondern direkt unter einem Mikroskop mit geringer Vergrößerung und unter Verwendung eines Schwanenhals-Lichtleiters beobachtet.

Abdrücke herstellen[Bearbeiten]

Um eine Kopie einer Pflanzenoberfläche herzustellen um nicht das ganze Blatt unters Mikroskop zu legen kann die Epidermis abgezogen werden. Dies ist meist schwierig. Die bewährte Metode ist mit schnell trocknendem Nagellack zu arbeiten, der nicht zu flüssig ist. Besonders gut geht es mit Blättern, die eine feste Oberfläche besitzen und unbehaart sind. Gutes Beispiel sind hier Rosenblätter. Der Nagellack wird dick aufgetragen. Dann antrocknen lassen bis er fest genug ist um ihn ohne Dehnung mit einer Pinzette abziehen zu können. Danach mit der glatten Rückseite auf ein Objektträger legen. Dadurch wird die Struktur nicht deformiert. Dies ergibt glasklare Kopien und eignet sich gut zum Zählen oder Vermessen von Stomatas. Wenn möglich sollte die Kopie danach vollständig aushärten. Dann Wassertropfen drauf und Deckgläschen auflegen. Mit Hilfe eines Skalpells lässt sich der Deckel besonders sorgfältig und vorsichtig auflegen, dadurch wird das Präparat geschont. Diese Methode braucht etwas Zeit liefert aber Abdrücke mit hoher Qualität. Die Kopie kann fast unbegrenzt aufbewahrt werden.[1]

Kleinstteile absammeln[Bearbeiten]

Möchte man Sporen oder Weichhautmilben von der Pflanzenoberfläche abnehmen kann das mit dem Skalpell oder Rasierklinge geschehen. Dabei wird aber oft das Material zusammengeschoben und damit ist es nicht mehr gut unterm Mikroskop zu betrachten. Zur schnellen Abnahme dient glasklare Klebefolie oder Klebefilm, der sanft auf das Blatt gedrückt wird. Danach abziehen und mit der klebenden Seite den Klebefilm vorsichtig aber gespannt auf den Objektträger legen. Mit dieser Technik werden zwar Sporen deformiert aber sie sind auf gut fokusierbarer Ebene vorhanden. Zum zählen eine schnelle Methode. Die Dicke des Ausgangsmaterials spielt keine Rolle. Das Präparat ist in wenigen Minuten vorbereitet und lange haltbar. Deckgläschen ist nicht nötig. Bei weniger druckempfindlichen Gegenständen kann mit dieser Methode auch ein Abdruck der Oberfläche gewonnen werden. In diesem Fall ein beidseitig klebenden Film verwenden.[2]

Kleininsekten betrachten[Bearbeiten]

Es sollen aus in einem Glas oder Petrischale aus Puppen geschlüpfte Minierfliegen betrachtet werden. Zuerst stellt man eine wässrige Mischung aus Alkohol und etwas Spülmittel her. Von dieser gibt man etwas auf ein Objektträger mit Vertiefungen. Dann nimmt man einen Pinsel und feuchtet ihn ebenfalls in der vorgenannten Lösung an. Mit dem Pinsel berührt man die Fliege. Sie bleibt am Pinsel hängen. Die Fliege wird jetzt mit dem Pinsel auf die Vertiefung des Objektträgers abgesetzt und mit einem Deckglas belegt. Das Tier ertrinkt dabei sofort und ist so bewegungslos was ein leichtes Beobachten ermöglicht.

Zellen betrachten[Bearbeiten]

Kontrastarme Zellen und Gewebeschnitte auf Objektträgern sind mit einem Lichtmikroskop oft schlecht zu erkennen. Daher ist eine Färbung zu empfehlen. Vor dem Färben müssen die Zellen auf dem Objektträger fixiert werden, zum Beispiel mit einer 4%-Paraformaldehydlösung (giftig!). Nach der Färbung wird das Präparat mit einem Deckgläschen eingedeckelt und kann mikroskopiert werden.
Weitverbreitet ist die Hämatoxylin-Eosin-Färbung. Diese Färbung wird vor allem in der Histologie und medizinischen Histopathologie zur Färbung von Gewebeschnitten eingesetzt. Dabei werden die Zellkerne durch Hämalaun blau, und das Zellplasma durch Eosin rot gefärbt sichtbar.

Materialien[Bearbeiten]

  • Einfache Objektträger kann man günstig im Fachhandel erwerben. Teurere Objektträger aus reinweisem Glas sind auch für die Fluoreszenzmikroskopie geeignet, haben zur Reduzierung der Schnittgefahr geschliffene Kanten und sind zur Verbesserung der Hafteigenschaften beschichtet. Sie haben meistens seitlich eine angeraute weisse Fläche, die sich gut mit Bleistift beschriften lässt.
  • Deckgläschen sind als runde oder quadratische Glasplättchen verfügbar. Wie bei Objektträgern sind nur solche aus reinweissem Glas auch für die Fluoreszenzmikroskopie geeignet, für die Lichtmikroskopie sind nur einfache Deckgläschen notwendig.
  • Präparate auf Objektträgern lassen sich in Schnittboxen aus Plastik und Schnittmappen aus Pappe gut aufbewahren.
  • Skalpelle mit Wechselklingen oder feine Rasierklingen eignen sich besonders gut, um dünne Schnitte von Blättern, Stengeln und ähnlichem Material anzufertigen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. M.S. McDonald: Preparation of stomatal impressions from leaf epidermis using a cellusolse acetate "Peel" technic, in: Laboratory practice, Vol. 9, Band 26, 1977, S. 691.
  2. J.S. Rice, E.M. G. Glenn und V.L. Quisenberry: A rapid method for obtaining leaf impressions in grasses, in: Agronomy Journal, Vol. 71, Sept.-Okt., 1979, S. 894-896.