Multimedia im Überblick/ Anwendung/ Audio und Video/ Videosoftware und Schnittprogramme

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Nonlinearer Videoschnitt[Bearbeiten]

Unter „nonlinearer Videoschnitt“ (engl. non-linear editing, NLE) versteht man Videoschnittlösungen, die mit Computerunterstützung arbeiten. Dabei wird das Quellmaterial, d.h. alle Bild- und Tondateien, aus denen der Film zusammen geschnitten werden soll, auf die Fest-platten des Computers gespeichert. Die gespeicherten Dateien können nun im nonlinearen Videoschnittsystem importiert und bearbeitet werden, so dass nach und nach der fertige Film entsteht. Die Videobearbeitung erfolgt non-destruktiv, da es lediglich virtuell geschnitten wird und sich am Quellmaterial nichts ändert. Alle Änderungen, die am Originalmaterial vorgenommen werden, sind sofort nach dem Schnitt sichtbar, leicht abänderbar und jederzeit widerrufbar. Dabei spielt die zeitliche Reihenfolge der Bearbeitungsvorgänge keine Rolle. Deswegen werden diese Videoschnittsysteme als nonlinear bezeichnet.

Erforderliche Hardware[Bearbeiten]

Das Schneiden und Bearbeiten von Videodaten ist eine leistungshungrige Angelegenheit. Dafür wird ein Rechner benötigt, der gewisse Anforderungen erfüllt.

Prozessor, Hauptspeicher, Festplatte[Bearbeiten]

Je schneller der Prozessor, desto schneller laufen viele Operationen beim Videoschnitt ab, wie z.B. eine Vorschau von Effekten. Obwohl fast jeder Computer ab 800MHz grundsätzlich für den Videoschnitt geeignet ist, würde erst eine Taktfrequenz ab etwa 1.8GHz die Berechnungszeiten (von Effekten, Überblendungen etc.) verkürzen und somit die Videobearbeitung angenehmer gestalten. Beim Hauptspeicher gilt „je mehr desto besser“, so dass mind. 512MB RAM erforderlich sind. Die Festplatte sollte über ausreichend freien Speicherplatz verfügen (mind. 40GB) und im NTFS-Format (Windows 2000/Windows XP/Vista) formatiert sein. Nur dann kann Windows Dateien verarbeiten, die größer als 2GB sind. Das ältere FAT-32-Dateisystem eignet sich nicht bzw. schlecht für die Bearbeitung von Videos.

Videoschnittstellen[Bearbeiten]

Um die Videoaufnahmen von der Kamera auf dem Computer überspielen zu können, sollte dieser über eine geeignete Schnittstelle verfügen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Firewireschnittstelle ( Firewire, IEEE 1394, i-Link)

Dieser Schnittstellentyp wird auch beim digitalen Video (DV-Formate) verwendet. Die Übertragung erfolgt digital, daher verlustfrei. Die Videokompression beträgt 5:1 und geschieht bereits im Camcorder. Das DV-Format wird 1:1 übernommen. Die Übertragungsrate liegt zwischen 12.5 und 50 MByte/s und kann Video, Audio und Timecode gleichzeitig übertragen, d.h. nur ein Kabel wird dafür benötigt. Das Firewirekabel gibt es als 6-polige Ausführung (mit Stromversorgung) und in einer kleinen 4-poligen Ausführung (ohne Stromversorgung).

  • SDI (Serial Digital Interface)

Diese ist eine serielle, digitale Schnittstelle zur Übertragung von unkomprimierten Videodaten. Dabei kann es auch Audio- und Timecodedaten transportieren und wird damit bei professionellen digitalen Formaten (Digibeta, HD) eingesetzt. Der Anschluss erfolgt über ein Koaxialkabel mit BNC-Anschluss.

  • STDI

Ist die Erweiterung des SDI Standards und wird in Zukunft eine große Rolle spielen, da es ermöglicht, eine Stundenkassette in 15min zu digitalisieren.

  • „Schnittkarte“ mit notwendigen Video-Ein-/Ausgänge (SVHS/Hi8-Karte)

Diese übernimmt bei analogen Zuspielern die Arbeit des Digitalisierens sowie die Kompression und Weiterleitung an die Festplatten. Nach dem Videoschnitt kann der digital vorliegende Film in der Schnittkarte wieder „analogisiert“ und erneut auf Videoband auf-genommen werden.

Datenkompression[Bearbeiten]

Das digitale Video bringt eine enorme Datenflut mit sich, z.B. eine Aufzeichnung im PAL-System mit 25 Bildern/s und einem Bildformat von 768x576 Pixeln erzeugt einen Datenstrom von 31.5 MB/s. Diese Rate ist zu groß, um sie mit herkömmlichen Computern weiterverarbeiten zu können. Deshalb wurde eine Lösung gesucht, bei der eine Datenreduzierung möglich ist und worunter die Bildqualität nicht leidet bzw. reduziert wird. Kompression heißt die Lösung und erst dadurch wird digitales Video überhaupt möglich. Um den Datensatz und somit den benötigten Speicherplatz einer Videoaufzeichnung zu reduzieren, wird versucht, möglichst viele Bereiche in einem Bild, die eine ähnliche Farbe und Helligkeit aufweisen, in kleinen Flächen von mehreren Bildpunkten zusammenzufassen.

Dazu werden wesentlich weniger Daten benötigt als beim Definieren jedes einzelnen Bildpunktes. Kompressionsschwierigkeiten entstehen dann, wenn eine Szene schnelle Bewegungen (Schwenks) oder viele Details (Totalen) enthält. Die Folgen sind Rückende Bilder oder Bildaussetzer welche meistens mit der Wahl einer stärkeren Kompression behoben werden können.

Kompressionsverfahren[Bearbeiten]

Die meist verwendeten Verfahren heutzutage, um Videomaterial zu komprimieren, sind: DV-Codec, MJPEG (Motion-JPEG), MPEG und AVCHD-Codec. Dabei handelt es sich ausschließlich um Editing-Codecs, d.h. Codecs, die bei der Videobearbeitung eingesetzt werden.

  • DV-Codec und MJPEG (Kompressionsrate: 1:5 und 1:7)

Mit diesen Verfahren werden Einzelbilder komprimiert. Zusammengefasst wird nur das, was innerhalb eines Bildes gleich ist. Irgendwelche Beziehungen oder Informationen zu benachbarten Bildern sind nicht notwendig. Die Vorteile dieses Verfahrens sind eine sichere Handhabung und eine relativ geringer technischer Aufwand. Dieses Verfahren wird hauptsächlich im Amateurbereich (MJPEG → SVHS/Hi8, DV-Codec → miniDV/DVCam) eingesetzt.

  • MPEG (Kompressionsrate: MPEG-2 1:11)

Bei diesem Verfahren wird die Ähnlichkeit zwischen aufeinander folgenden Bildern verglichen und nur die Änderungen zu einem Referenzbild (I-Frame) werden abgespeichert. Die Dekompression benötigt jedoch zwangsläufig auch die Information der vorhergegangenen Bilder, um ein Bild voll aufzubauen. Mit dieser Methode wird eine höhere Kompressionsrate erreicht. Es wird bei HDV (High Definition Video) eingesetzt.

  • AVCHD (Advanced Video Codec High Definition)

Basiert auf dem MPEG-4 Standard. Zurzeit ist eine nonlineare Videobearbeitung mit AVCHD problematisch, da es selbst bei Computern mit 3GHz Dual Prozessor und 2GB Arbeitsspeicher zu Berechnungszeiten kommen kann.

Videosoftware[Bearbeiten]

Die Digitalisierung hat die Postproduction, also die Nachbearbeitung und den Schnitt von Videomaterial extrem vereinfacht. Es ist kein langes Überspielen des analogen Filmmaterials mehr notwendig und die Gefahr, dass ein Filmstreifen reißt oder beschädigt wird ist auch nicht mehr gegeben.

Einsteiger Software[Bearbeiten]

Apple bietet mit iMovie[1] eine Software an, die für Einsteiger zu empfehlen ist. Per Drag& Drop können Videos geschnitten werden und durch animierte Titel und Karten für Reiseberichte lassen sich ansehnliche Videos gestalten. Das Pendant dazu von Windows ist der Movie Maker [2](aktuelle Version: 2.6), der kostenlos heruntergeladen werden kann. Er verfügt über die sogenannte „Auto Film“-Funktion, die automatisch aus dem gefilmten Material ein einfaches Video mit Titel, Abspann und Übergängen kreiert. Beide Programme verfügen über eine übersichtliche Benutzeroberfläche (Archiv, Vorschauleiste und Zeitleiste) und erzielen gute Ergebnisse für den Hobbyfilmer.

Profi-Software[Bearbeiten]

Wer allerdings auf mehr Funktionen zurückgreifen will sollte in die Liga der Profi-Software einsteigen. Am gebräuchlichsten sind Adobe Premiere [3](aktuelle Version: Pro CS4) und Apple Final Cut[4] (aktuelle Version: Pro 6). Pinnacle Studio [5](aktuelle Version: 12) nimmt dabei eher eine Zwischenrolle ein, so befindet sich diese Software meiner Meinung nach zwischen der Einsteiger und der Profi-Liga. Viele Vorlagen ermöglichen es dem ambitionierten Hobbyfilmer ein gutes Resultat zu erzielen und durch integriertes Web-Publishing und Brennen wird die Veröffentlichung des Werkes zusätzlich vereinfacht.

Adobe Premiere und Apple Final Cut stehen in direkter Konkurrenz. Wohingegen Adobe derzeit damit wirbt, durch schnellen Import, erweiterten Bearbeitungsfunktionen, neue Tastenkombinationen, Sprachsuche (die Dialoge in durchsuchbaren Text umwandelt) einen Zeitvorteil zu gewährleisten, setzt Apple mehr auf die künstlerischen Möglichkeiten die in ihrem Produkt stecken: 150 Filter und Effekte in Echtzeit, umfassende Schnittwerkzeuge und Audio-Mischen mit bis zu 24 Kanälen. Beide Hersteller setzten auf die Unterstützung für Formate aller Art. Eine Wahl zwischen beiden Programmen ist also unter Umständen nicht einfach.

Darüber hinaus wird Adobe After Effects (aktuelle Version: CS4) oft für Grafikanimationen und Spezialeffekte eingesetzt.

Typische Handlungsabfolge[Bearbeiten]

Bei der Postproduction wird meist nach einer bestimmten Handlungsabfolge vorgegangen, welche die Nachbearbeitung und den Schnitt charakterisiert.

Logging[Bearbeiten]

Beim „Logging“, wird das Rohmaterial gesichtet. Aus dem gefilmten Material werden die Szenen ausgesucht, die man verwenden will. Man markiert einzelne Clips, indem man einen In- und einen Out-Punkt setzt und so die Länge des einzelnen Clips bestimmt. Allerdings sollte man dabei etwas Spielraum lassen, da man zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, ob man für den Übergang zum nächsten Clip beim Schneiden nicht vielleicht noch etwas Raum braucht.

Capturing[Bearbeiten]

Der nächste Schritt ist dass man die ausgewählten Videodateien auf die Festplatte überspielt, das sogenannte „Capturen“. Dabei überspielt man diese Dateien üblicherweise in komprimierter Form als Proxy-Dateien. Dies hat den Vorteil, dass zum Einen das Originalmaterial unberührt bleibt und zum Anderen bringt es eine Beschleunigung bei der Bearbeitung mit sich. Nach dem Sichten des Materials und dem Übertragen auf die Festplatte hat man bereits einen Rohschnitt vorgenommen. Danach geht es zum eigentlichen Schnitt.

Schnitt & Effekte[Bearbeiten]

Beim Schnitt werden immer Vier Punkte definiert: der In- und Out-Punkt des Clips der eingesetzt wird und der In-und Out-Punkt in der Filmsequenz, die gerade entsteht. Man spricht nun vom sog. „Assemble Schnitt“. In diesem Arbeitsschritt wird die Reihenfolge der Clips und deren Feinabstimmung untereinander durch Übergänge bestimmt. Man sollte dabei immer den Handlungsablauf und die Gesamtlänge im Blick haben. Darüber hinaus sollte das fertige Video eine gewisse Kontinuität haben und in Tempo und Rhythmus stimmig sein um den Zuseher nicht zu verwirren.

Als erstes wird der Clip, der in die Filmsequenz eingesetzt wird geschnitten. Es gibt drei Methoden: beim „Trimming“ wird eine Bildsequenz am Anfang oder Ende des Clips entfernt, wohingegen beim „Cropping“ nur die Mitte des Clips erhalten bleibt. Beim „Splitting“ wird der Clip in zwei Teile geteilt. Der beschnittene Clip kann nun durch zwei Techniken in die Gesamtsequenz eingefügt werden. Entweder man fügt die Szene einfach ein, wobei sich die Gesamtlänge um genau diese Sequenz verlängert (Insert-Schnitt) oder man ersetzt eine Szene der Gesamtsequenz, wobei die Gesamtlänge gleich bleibt (Overwrite-Schnitt). Anschließend versucht man die Szenenwechsel sanfter zu gestalten und einen harten Schnitt zwischen den Clips zu vermeiden indem man Übergänge setzt. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Abblende/ Aufblende: das erste Bild wird langsam abgeblendet, während das nächste aufgeblendet wird, kurzzeitig ist ein schwarzes Bild zu sehen
  • Überblende: das erste Bild wird immer transparenter, das zweite überblendet demnach langsam das erste
  • Weißabblende: im Vergleich zur Ab- bzw. Aufblende wird hierbei ein weißes Bild eingeschoben
  • Wischblende: das erste Bild wird langsam weggewischt, z.B. in dem es im Uhrzeigersinn weggeschnitten wird, das zweite Bild ist somit immer mehr zu sehen
  • Verkleinern: das Bild wird mehr und mehr verkleinert bis es im Hintergrund verschwindet.

Nach dem Schnitt besteht die Möglichkeit Effekte in das Video einzubauen. Als erstes sollte man Bildkorrekturen vornehmen, falls dies notwendig ist. Dabei kann die Farbe, Helligkeit und Kontrast abgestimmt werden. Darüber hinaus sollte man überlegen ob Retuschen am Bild sinnvoll sind. Auch die Bildstabilisation kann man nachträglich versuchen etwas zu verbessern. Es besteht aber auch die Möglichkeit Partikel, wie Regen, Staub oder Blitze einzufügen, Dinge zu verformen (sog. Warping) oder die Zeit durch Zeitraffer oder Zeitlupen zu manipulieren. Gängige Videosoftware verfügt normalerweise über ein Paket verschiedener Übergänge und Effekte. Man kann diese allerdings durch Zusatzmodule (Plug-Ins) erweitern.

Eine weitere künstlerische Technik ist das „Compositing“. Dabei können Textelemente, grafische Animationen, 3D-Objekte und Realaufnahmen miteinander kombiniert werden (zB. In Adobe After Effects). Hierbei werden die einzelnen Elemente (sog. Layer) in der Software in vertikalen und horizontalen Ebenen überlagert. Vorab ist es oftmals notwendig, Teile oder Objekte freizustellen, das sogenannte „keyen“. Dies ist möglich indem man eine gewisse Farbe herausfiltert, somit das Objekt freistellt und es auf einen anderen Hintergrund setzten kann. Vereinfacht wird dies durch die „Bluebox“, die auch im Fernsehen, z.B. in Nachrichtensendungen oft zum Einsatz kommt.

Titel & Abspann[Bearbeiten]

Um dem Video einen Rahmen zu geben, sollte man nicht auf Titel und Abspann verzichten. Man sollte überlegen, wie man den Text am besten präsentiert, was gestalterische Fragen des Grafikdesigns aufkommen lässt.

Soundtrack[Bearbeiten]

Beim Ton sollte man sich ganz zu Anfang fragen, ob die Verwendung eines separaten Mikrofons nicht sinnvoll wäre, da dadurch die Tonqualität erheblich verbessert werden kann. Die Regelung der Lautstärke erfolgt auf der Zeitleiste. Dabei können bis zu 24 Tonspuren eingelesen werden, die durch Ein- und Ausblendungen aufeinander abgestimmt werden können. Man sollte dabei auch in Erwägung ziehen eventuell ein Backtiming (Musikunterlegung) oder eine Off-Stimme (Hintergrundkommentar) mit einzubauen.

Rendern[Bearbeiten]

Der letzte Schritt zum fertigen Video ist das Rendern. Dabei entsteht aus allen Schnittanweisungen, Übergängen und Effekten der fertige Film, der dann auf DVDs (im MPEG2-Format) gebrannt oder ins Internet gestellt werden kann. Dabei sollte man die Datenmenge die gestreamt werden muss und die Bandbreite der Internetverbindung der Nutzer (etwa 128-256Kb/s) beachten.

Videos abspielen[Bearbeiten]

Die gängigsten Programme zum Abspielen des fertigen Videos sind:

  • der Windows Media Player[6] (aktuelle Version: 10),
  • sein Pendant für Apple der Quick-Time Player [7] (aktuelle Version: 7),
  • der Real Player [8] (aktuelle Version: 11)
  • der Adobe Flash-Player [9] (aktuelle Version: 10).

Quellen[Bearbeiten]