Pilzanbau/ Anhang

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Pilztabelle[Bearbeiten]

Name Agar-Rezept Substrat
Agaricus bisporus (Champignon) Hundefutter-Agar Pferdemist-Kompost
Hericium erinaceus (Igelstachelbart) Agar => Flüssigkultur Holz
Ganoderma lucidum (Reishi,Glänzender Lackporling) Agar Eiche, Ahorn, Ulme, Birke, Erle, Esche
Lentinula edodes (Shiitake) Hundefutter-Agar Hartholz/Weichholz (kein Nadelholz)
Psilocybe cubensis, früher: Stropharia cubensis (Kubanischer Träuschling) Hundefutter-Agar, Malzextrakt-Agar, Kartoffel-Agar Getreide (Roggen, Hirse, Reis), Stroh-Dung-Mischungen, Stroh (mit minderem Erfolg)
Pleurotus ostreatus (Austernseitling) Hundefutter-Agar Stroh / Holz
Psilocybe tampanensis (Philosopher Stones) Malzextraktagar Getreide = Sklerotien Grassamen = Fruchtkörper
Psilocybe azurescens (Stattlicher Kahlkopf) Malzextraktagar / Sägespäne-Agar Vogelfutter / Hartholzschnipsel
Psilocybe cyanescens (Blauender Kahlkopf) Malzextraktagar / Sägespäne-Agar Vogelfutter / Hartholzschnipsel / Roggen / Pappe & Zeitungspapier
Panaeolus cyanescens (Blauender Düngerling) Malzextraktagar, Kartoffel-Dextrose-Agar Stroh / Dung
Name Fruchtungsmethode Temperatur
Agaricus bisporus (Champignon) Torfdeckschicht (englisch casing) 13° C – 18° C
Hericium erinaceus (Igelstachelbart) Kein Abdecken Primordien: 10° C – 15° C

Fruchtung: 18° C – 24° C

Ganoderma lucidum (Reishi,Glänzender Lackporling) direkt, Abdecken mit Erde möglich Wachstum: 10° C–25° C

Fruchtung: 18° C–24° C

Lentinula edodes (Shiitake) direkt Wachstum: 20° C–25° C

Fruchtung: 10° C–25° C

Pleurotus ostreatus (Austernseitling) direkt 10° C – 28° C
Psilocybe cubensis (veraltet: Stropharia cubensis) (Kubanischer Träuschling) Abdeckung / PF-Tek Wachstum: 20° C – 27° C (es werden Temperaturen bis 30° C empfohlen)

Fruchtung: 19° C – 23° C

Psilocybe tampanensis (Philosopher Stones) Trüffelbildner Wachstum: etwa 25° C

Fruchtung: etwa 22° C bis 23° C

Psilocybe azurescens (Stattlicher Kahlkopf) Draußen: im Herbst Wachstum: 18° C - 22° C

Fruchtung: 10° C - 15° C

Psilocybe cyanescens (Blauender Kahlkopf) Draußen: im Herbst Wachstum: 21° C - 25° C

Fruchtung: 10° C - 15° C (tagsüber) und 5° C - 10°C (nachts)

Panaeolus cyanescens (Blauender Düngerling) Bitte ergänzen! Bitte ergänzen!

Werkzeuge und Hilfsmittel[Bearbeiten]

  • Dampfdruckkochtopf / Autoklav
  • Petrischalen
  • Sturzgläser (konisch geformte Einmachgläser)
  • Impfnadel
  • Impföse
  • Pinzette
  • Skalpell
  • lanzettförmige Präpariernadel
  • Brenner
  • Mundschutz
  • Impfbox: günstig; Reinbank (Arbeitsbank mit HEPA-Filter): teuer
  • Schutzhandschuhe beim Umgang mit Wasserstoffperoxid!!!
  • dünne Gummihandschuhe für steriles Arbeiten

Obwohl auch ohne diese Geräte erfolgreich Pilze angebaut werden können, lohnt sich selbst für den Heimzanbauer die Anschaffung und Verwendung von Thermo- und Hygrometer zur Kontrolle der Wachstumsbedingungen, da eine optimale Temperatur dem Myzel besonders wichtig ist.

Steriles Arbeiten[Bearbeiten]

Hepafilter[Bearbeiten]

Ein Hepafilter (High-Efficiency-Particulate-Air-Filter) ist ein Luftfilter, meist mit Gebläse, der einen sauberen Luftstrom produziert, in welchem man ohne Sorgen beimpfen kann, da bis zu 99 % der in der Raumluft enthaltenen Schwebeteilchen (Milbenkot, Sporen usw.) herausgefiltert wurden. Für Hobbymykologen eventuell zu teuer (zur Zeit – 2006 – etwa 300 Euro), aber von enormem Wert für sauberes Arbeiten.

Ein Ulpafilter (Ultra-Low-Penetration-Air-Filter) ist ein Luftfilter, der eine Mindesteffizienz von 99,999 % bei einer gewissen Durchlaufgeschwindigkeit besitzen muss. Es gibt außerdem noch Sulpafilter mit einer Mindesteffizienz von 99,9999 %. Diese Luftfilter werden besonders in S1-Labors und sonstigen wichtigen Reinräumen verwendet.

Desinfektion[Bearbeiten]

70-prozentiger Alkohol (Spiritus) oder auch Isopropyl-Alkohol desinfiziert unsere Werkzeuge besser als in 100-prozentiger Konzentration, da 100% Alkohol die Zellwände versiegelt und so das Aufplatzen der Zellen und damit einhergehende Desinfektion verhindert. Wer mit Erfolg Pilze anbauen will, sollte sich auch eingehend mit Desinfektionsmethoden befassen, denn jede Oberfläche, jeder Arbeitsraum und jede Umgebung bedarf einer unterschiedlichen Sterilisation. Richtiges Sterilisieren will gelernt sein und ist fast schon eine Wissenschaft für sich. Beispielsweise ist es ratsam, eine Arbeitsplatte steril abzuwischen, anstatt wild drauf loszusprühen.

Kleine Räume lassen sich leichter keimfrei halten und desinfizieren als große. Für Aktionen wie das Beimpfen, Selektieren oder sonstige sterile Arbeiten sollte der Heimanbauer z.B. ein kleines Badezimmer in Betracht ziehen. Hier ist auch ratsam, alle unnötigen Gegenstände (z.B. Toilettenpapier, Klobürste, Zahnputzbecher, usw.) vorher zu entfernen. Der Raum sollte mit "Sagrotan" oder ähnlichen Sprays behandelt werden, um Bakterien und Sporen in der Luft zu minimieren. Alle Flächen sollten mit Desinfektionsmitteln gründlich abgewischt werden. Der so sterile Raum sollte nun für einige Zeit verlassen werden. Anschließend kann die Arbeit beginnen.

H2O2 – Wasserstoffperoxid[Bearbeiten]

Wasserstoffperoxid ist in verschiedenen Konzentrationen erhältlich. In Apotheken und noch billiger bei Frisören, erhält man eine dreiprozentige Lösung; 19-prozentig gibt es den als Oxydator-Lösung im Zoohandel. H2O2 tötet Sporen, schadet verdünnt dem Myzel jedoch nicht so sehr.

Um die Brut mit H2O2 zu reinigen, reicht eine Mischung von 6 ml 3 % H2O2 auf einen Liter Wasser (ergibt 0,018 %).

Substrat wie Stroh oder Holzschnipsel kann man durch Einweichen mit 0,15 %-H2O2-Lösung für ein bis zwei Tage ausreichend sauber bekommen.

Wasserstoffperoxidlösungen enthalten oft Stabilisatoren wie Phosphorsäure. Dies ist allerdings unbedenklich und hat keinerlei bekannte Auswirkungen auf die Entwicklung von Pilzen.

Achtung!!! H2O2 ist in höheren Konzentrationen stark ätzend! Schutzkleidung ist hier unerlässlich.

  • Schutzbrille
  • Schutzhandschuhe
  • lange Ärmel

Weitere Agarrezepte[Bearbeiten]

Maismehl-Agar[Bearbeiten]

Zutaten:

  • 30 g Maismehl
  • 20 g Agar-Agar
  • 1000 ml Wasser

Zubereitung

  1. 1000 ml Wasser mit 30 Gramm Maismehl in einem Gefäß zum Sieden erhitzen
  2. Eine Stunde kochen lassen (ab und zu umrühren)
  3. Agar mit Wasser etwa fünf Minuten waschen, danach das Wasser abgießen
  4. Maismehlbrei durch ein Tuch filtern
  5. Danach das Agar dem Filtrat beimengen
  6. Im Wasserbad erwärmen bis sich das Agar löst

Bier- oder Malzbier-Agar[Bearbeiten]

Zutaten:

  • 500 ml Bier (Alkoholfrei geht auch (oder sogar besser?)) oder Malzbier
  • 2 gehäufte Teelöffel Agar (oder 7,5 Gramm)

Zubereitung:

  1. Bier in einem Topf langsam zum Kochen bringen, damit der Alkohol verdampft. (Auf den Alkohol braucht man bei alkoholfreiem Bier und Malzbier natürlich nicht zu achten.)
  2. Topf von der Kochstelle nehmen, einen Teil des eingedampften Biers abnehmen und 2 gehäufte Teelöffel Agar unter ständigem Rühren lösen.
  3. Agarlösung nun unter ständigem Rühren in den Topf geben und einige Minuten kochen lassen.

Malzbieragar kann gut bei Shiitake, Shimeji und Austernpilz angewendet werden.

Fleischsud-Agar[Bearbeiten]

Es gibt auch noch die Möglichkeit, einen Nährboden aus Rindfleischsud herzustellen. Dazu einfach 100 g Rindfleisch mit 100 ml Wasser etwa eine Stunde lang auskochen, filtrieren und den Sud mit 1,5 Gramm Agar-Agar wie gewohnt gelieren und zu Platten weiterverarbeiten. (Das ausgekochte Fleisch lässt sich übrigens noch essen, und mit etwas Salz, Ei und Zwiebel in der Pfanne angebraten schmeckt es auch recht lecker.) Diesen Nährboden kann man als Ersatz für den Hundefutter-Agar verwenden.

Bezugsquellen[Bearbeiten]

  • Autoklavierbare Beutel (aus PE-HD oder PP): Drogerie, Discounter (z.B. bei "Aldi" als Bratschlauch, zum Gebrauch mit Kabelbinder verschließen)
  • Agar Agar: Reformhaus (50 g) oder, meist wesentlich billiger, aus dem "Asia Markt" (neigt u.U. zu Trübungen).
  • Buchenholzhackschnitzel: Kleine Mengen (5 kg) in der Zoohandlung, größere Mengen (25 kg) beim Fleischereibedarfshandel (Räuchereibedarf). Produkte von JRS oder Goldspan
  • Malzextrakt (auch Malz-Sirup): Reformhaus
  • Petrischalen, Präpariernadel, Impföse: Biologiebedarf Thorns (Versand), Laborbedarf Kohl (Versand)
  • Weizenkleie: In größeren Mengen beim Pferdezulieferer oder bei Raiffeisen
  • Kokohum (Humus aus Kokosnuss-Fasern): Im Tierhandel (Einstreu für Terrarien) oder im Gartenbedarf (Bodenverbesserer). Meist in Ziegelform gepresst.
  • Perlit: Speziell zur Substratverbesserung als "KNAUF Perligran", oder unter dem Markennamen "KNAUF Isoself" als Schüttdämmstoff (hier bitte auf das Fehlen von Zusatzstoffen, z.B. Bitumen, achten).
  • Vermiculit: Zur Brutpflege im Tierhandel.
  • Roggen: Ungemahlene Roggenkörner gibt es z.B. im Reformhaus oder direkt bei einer Mühle in der Nähe.
  • MRCA Mushroom Research Centre [1] - der erste Pilzzucht-Versandhandel, der mit dem Euro-Label Gütezeichen ausgezeichnet wurde.

Weblinks und Diskussionsforen zum Pilzanbau[Bearbeiten]

Foren[Bearbeiten]

Informative Seiten[Bearbeiten]

Rechtliches[Bearbeiten]

Achtung: Das Sammeln und Anbauen psilocybinhaltiger Pilze ist in Deutschland und manchen anderen Ländern illegal. Siehe rechtliche Aspekte bei Zauberpilzen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dagmar Stein: Pilze anbauen. Die besten Arten. Anziehen und genießen (2005)
  • Walter Luthardt: Holzbewohnende Pilze. Anzucht und Holzmykologie (2005)
  • Jolanda Englbrecht: Pilzanbau in Haus und Garten (2004)
  • Nicola Krämer Shiitake und Austernpilze. Anbau im eigenen Garten, vegetarische Gerichte (2002)
  • Werner Dittmer: Frische Pilze (2002)
  • Paul Stamets: Growing Gourmet and Medicinal Mushrooms (2000)
  • Bert M. Schuldes, Sam Lanceata: Das Pilz-Zuchtbuch, (1999), Edition RauschKunde, Löhrbach, ISBN 978-3-930442-38-6

Glossar[Bearbeiten]

bulken
Brut mit weiterem Substrat vermischen
casen
Die Brut mit einer Deckschicht abdecken
Degeneration
rückläufige Wachstums- und Fruchtungsfreude, wenn die Brut über längerem Zeitraum mit demselben Subtrat weitervermehrt wurde.
inkubieren
Die Brut mithilfe von Wärme anbauen bzw. durchwachsen lassen
Konifere
Nadelbaum
Mykorrhiza
Symbiose von Pilzen und Pflanzenwurzeln
overlay
Vollständig bewachsene Abdeckschicht; reduziert Fruchtungsneigung
Saprophyt, Saprotroph
Von totem organischem Material lebender Organismus


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