Pilzanbau/ Grundlagen des Pilzanbaus

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Pilzanbau im Haus - eine Einführung[Bearbeiten]

Um Pilze im Hause zu kultivieren, werden zunächst Sporen gekeimt. Diese wachsen zu dikariotem Pilzmyzel heran und bilden den eigentlichen Fruchtkörper des Pilzes. Myzelkulturen werden üblicherweise in Petrischalen mit einem auf Agar-Agar-basiertem Nährmedium angelegt.

Unkontaminiertes Myzel (d.h. ohne Fremdkeime) kann danach auf größere Mengen Nährsubstrat (z.B. Getreide) übertragen werden, in welchem sich der Pilz in Form eines Myzelgeflechts ausbreitet. Ist das Substrat vollständig besiedelt, so spricht man von Brut beziehungsweise Getreidebrut. Diese Brut kann nun entweder zum Beimpfen von noch mehr Nährsubstrat verwendet werden (Strohballen / Pilzbeete mit Holz) oder zur Bildung von Fruchtkörpern (umgangssprachlich Pilze) angeregt werden. Dazu wird die Getreidebrut meist in einem geeigneten Gefäß mit Erde abgedeckt. Wenn das Pilzmyzel die Deckerde durchwachsen hat, bildet es am Licht bei passender Wärme und Luftfeuchtigkeit Fruchtkörper aus, um zum Zwecke des Fortbestands ihrer Art Sporen abzugeben.

Sauberes Arbeiten[Bearbeiten]

Bei der Besiedelung eines neuen Substrats haben die wenigsten Edelpilze eine Chance gegen allgegenwärtige Bakterien, Hefen und Schimmelpilzsporen. Aus diesem Grund ist es bei der Pilzzucht notwendig, sauber, d.h. keimfrei, zu arbeiten. Um die Werkzeuge und Substrate keimfrei zu machen, bieten sich dem Hobbymykologen verschiedene Möglichkeiten an, die im Folgenden beschrieben werden.

Sterilisieren im Dampfdruckkochtopf / Schnellkochtopf[Bearbeiten]

Krankenhäuser und Labore verfügen über Autoklaven, spezielle Druckkessel, in denen der Inhalt mittels Hitze und Druck sterilisiert wird. Dieser industrielle Standard ist für Hobbyzüchter oft nicht verfügbar, jedoch kann ein Dampfdruckkochtopf oder Schnellkochtopf genauso zum Sterilisieren verwendet werden.

Ein Dampfdruckkochtopf kann für weit unter 100 € erstanden werden. Oft werden gebrauchte Schnellkochtöpfe für um die 20 € angeboten. Ein Dampfdruckkochtopf aus einer billigen Legierung funktioniert dabei genauso wie einer aus glänzendem Edelstahl. Besonders mit Substrat gefüllte Schraubgläser gehen gerne zu Bruch, wenn sie direkten Kontakt zum Boden haben und deswegen stärkeren Temperaturschwankungen ausgesetzt sind; ein Einsatz aus Blech, um das zu sterilisierende Gut vom extrem heißen Topfboden zu isolieren, ist deshalb von Vorteil. Ein alter Baumwolllappen kann auch als Isolierung herhalten.

Verwendung eines Dampfdruckkochtopfes:

  • Immer die Gebrauchsanweisungen des benutzten Dampfdruckkochtopfes beachten
  • Dampfdruckkochtopf auf die Herdplatte setzen.
  • Einen halben bis einen Liter Wasser in denDampfdruckkochtopf füllen. Das Wasser kann vorher mit einem Wasserkocher auf Temperatur gebracht werden.
  • Boden mittels Blecheinsatz oder Lappen vom zu sterilisierenden Inhalt isolieren.
  • Topf befüllen mit dem, was man sterilisieren will: Substratgläser (nicht luftdicht verschlossen!), Petrischalen, Spritzen, Werkzeuge.
  • Deckel, Gummi und Ventile überprüfen und bei problemloser Funktion mit dem Deckel den Topf verschließen.
  • Herdplatte einschalten (höchste Stufe).
  • Nachdem der Druck aufgebaut ist und das Überdruckventil den Überdruck ablässt, kann die Energiezufuhr auf 5/6 gedrosselt werden. Die Wasserkochstufe (4/6) reicht nicht aus, um den Druck aufrecht zu erhalten.
  • Jetzt wird die Zeit genommen. Substratgläser brauchen etwa 45 Minuten, Petrischalen nur 10-20 Minuten.
  • Nachdem die entsprechende Zeit abgelaufen ist, wird die Energiezufuhr eingestellt (Herdplatte abstellen). Der Topf bleibt unangetastet auf der Herdplatte, bis er nicht mehr warm ist.

Schritte des Pilzanbaus[Bearbeiten]

  • Sporen keimen (Agar)
  • Stamm selektieren (Agar → Agar)
  • Myzel vermehren (Agar → Agar)
    • bzw. Impfspritze herstellen (Agar → Flüssigmedium)
  • Substrat beimpfen (Agar → Substrat oder Flüssigmedium → Substrat)
  • eventuell bulken (Substrat → Bulkmedium)
  • Fruchtung und Ernte
  • Sporen sammeln

Kontaminationen[Bearbeiten]

Unter Kontamination versteht man im Pilzanbau die Besiedlung des Substrats mit unerwünschten Organismen. Darunter fallen neben Bakterien vor allem niedere Pilze wie Schimmelpilze und Hefen. Kontaminationen sind der ewige Gegenspieler eines Hobby-Pilzanbauers, da sie den Nährboden meist schneller besiedeln als höhere Kulturpilze. Kontaminierte Pilzkulturen werden sofort entsorgt, da sie mit ihren unzähligen Sporen (Schimmelpilze) andere Kulturen sowie die Raumluft verunreinigen können.

Farbige Veränderungen lassen fast immer auf Schimmelpilzbefall schließen. Eine Ausnahme bildet ein leichter Gelbstich, der in der Regel aufgrund eines normalen Stoffwechselproduktes des Myzels entsteht. Dieses ist in kleinen Mengen jedoch nicht gefährlich für das Substrat (bildet aber einen guten Nährboden für Bakterien). Andere Arten von Kontamination sind vor allem für Anfänger weitaus schwieriger zu erkennen. Hier ist z.B. eine vorsichtige Riechprobe angeraten - ein kontaminiertes Substrat verströmt bei mancherlei Befall einen äußerst unangenehmen Geruch. Sollte das Substrat jedoch neutral riechen, so ist dies andererseits noch keine Garantie für ein gesundes Substrat.

Ein vollständig besiedeltes Substrat ist relativ unempfindlich gegenüber Kontaminationen. Auch spielen Pilzart und -stamm eine wichtige Rolle, da diese den Nährboden unterschiedlich schnell besiedeln und so den Antagonisten (Bakterien, Schimmelpilze, Hefen) ggf. zuvorkommen können.

Der Ort der Kontamination lässt häufig auf den Fehler bei der Sterilisation schließen. Ist etwa der gesamte Nährboden infiziert, so war in der Regel der Sterilisationsprozess zu kurz. Ist nur die Lage in Filternähe befallen, so sollte das Filtersystem überdacht werden, und ist ggf. die Einstichstelle kontaminiert, so war die Impfspritze nicht ausreichend steril.


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