Radioonkologie (PORT)/ Diagnosen/ gutartige/ heterotope Ossifikation

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Übersicht[Bearbeiten]

Ausgang nimmt die heterotope Ossifikation von pluripotenten Mesenchymzellen, aus denen sich osteoblastische Stammzellen entwickeln kann. Auslöser ist eine schwere Verletzung. Bei etwa einem Drittel der Patienten, die eine Hüft-TEP erhalten kommt es zu einer heterotopen Ossifikation, bei jedem zehnten Patient wird sie klinisch relevant (Brooker III und IV). Pro Jahr werden in Deutschland etwa 70.000 Hüft-TEPs implantiert.

Prädisponierend: Trauma, Koma, Paresen

Diagnostik[Bearbeiten]

Schmerzen wenige Tage postoperativ, nach 3-6 Wochen kalkdichte unscharfe Strukturen im Röntgenbild.

Standarduntersuchung: konventionelle Röntgenuntersuchung der Hüfte ap und nach Lauenstein.

Histologie[Bearbeiten]

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Lokalisation[Bearbeiten]

periartikuläre Weichteile

Ausbreitung[Bearbeiten]

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Stadieneinteilung[Bearbeiten]

Brooker (1973, siehe Sauer 2003)

Grad 0: radiologisch keine Knocheninseln

Grad I: sichtbare Knocheninseln in den periartikulären Weichteilen

Grad II: Knochensporne am Becken und proximalen Femur, mindestens 1 cm Zwischenraum

Grad III: Knochensporne am Becken und proximalen Femur, unter 1 cm Zwischenraum

Grad IV: Ankylosierung durch Knochenspange (n)

Therapieprinzipien[Bearbeiten]

Bei Patienten mit einem erhöhten Risiko für eine heterotope Ossifikation sollten eine Prophylaxe erhalten.

Risikofaktoren sind

  • mittelgradige oder ausgeprägte Osteophyten an Femurkopf oder Gelenkpfanne.
  • nach Acetabulumfraktur: 50% entwickeln eine heterotope Ossifikation Brooker III / IV
  • Zweiteingriff an der Hüfte
  • männliches Geschlecht
  • M. Bechterew
  • ideopathische Hyperostose
  • lange Dauer der OP
  • postoperative Infektionen
  • postoperative ausgedehnte Hämatome

Als Hochrisikopatienten gelten die mit einer ipsilateral oder kontralateral bestehenden heterotopen Ossifikation.

Medikamentös

Indomethacin (Ammuno) ab OP für 3 bis 6 Wochen ist sehr  effektiv. Kontraindikation ist allerdings eine Ulcusanamnese.

Ibuprofen senkt die ausgeprägten Ossifikationen (Brooker III/ IV) um über die Hälfte, die Ergebnisse sind aber schlechter als nach einer RT.

Strahlentherapie

Die postoperative Strahlentherapie senkt in der Hochrisikogruppe das Risiko für funktionell einschränkende Ossifikationen auf etwa 4%. Das Intervall zwischen primärer OP und Revision soll mindestens ein halbes Jahr betragen. Bei Brooker III und IV Befunden (ipsi- oder kontralateral) ist eine post- einer präoperativen RT überlegen. Je früher sie erfolgt, ums günstiger, innerhalb von drei Tagen soll sie durchgeführt werden. Die Ergebnisse bis zum 1. postoperativen Tag sind besser, als wenn zwischen dem 2. und 5. Tag postoperativ bestrahlt wurde. Übereinstimmend hiermit erreicht im Tiermodell die Differenzierung von der mesenchymalen Stammzelle zur osteoblastischen Stammzelle nach 32 Stunden ihr Maximum.

Eine präoperative Radiatio ist nur bei Brooker I und II zur postoperativen ebenbürtig. Sie muss dann innerhalb 4 Stunden vor OP erfolgen.

Indikation RT[Bearbeiten]

Bei Risikofaktoren besteht zumindest die relative Indikation zur RT.

Risikofaktoren sind

  • mittelgradige oder ausgeprägte Osteophyten an Femurkopf oder Gelenkpfanne.
  • nach Acetabulumfraktur: 50% entwickeln eine heterotope Ossifikation Brooker III / IV
  • Zweiteingriff an der Hüfte
  • M. Bechterew
  • ideopathische Hyperostose
  • lange Dauer der OP
  • postoperative Infektionen
  • postoperative ausgedehnte Hämatome

Die Indikation besteht immer bei bereits symptomatische Ossifikationen, die zur Revision anstehen.

Zielvolumen[Bearbeiten]

Datei:Het-oss.jpg
mögliches RT- Feld von 0°

Bei der Hüft TEP

3 cm oberhalb Acetabulum, 2/3 des Implantatschaftes

Typische Feldgrössen: 14x14, 16x13

Dosis RT[Bearbeiten]

präoperativ: 1 x 7 Gy

postoperativ: 1 x 7 Gy oder 5 x 3,5 Gy. Nach Sauer ist 5 x 3,5 Gy effektiver als 5 x 2 Gy.

Nebenwirkungen[Bearbeiten]

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Prognose[Bearbeiten]

Der Erfolg kann nach 6 Monaten beurteilt werden. Therapieversagen in nur 4% nach Radiatio.

Nachsorge[Bearbeiten]

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Literatur[Bearbeiten]


  • Sauer R. Strahlentherapie und Onkologie für Technische Assistenten in der Medizin. Und andere an der Radioonkologie Interessierte. 4. Aufl. Elsevier, München; 2003. ISBN 3437475002.
  • Bamberg M, Molls M, Sack H. Radioonkologie. Band 1: Grundlagen. Band 2: Klinik: Radioonkologie 1/2. Grundlagen / Klinik: 2 Bde. 1. Aufl. Zuckschwerdt; 2003. ISBN 3886038246.