Ratgeber für Hobbyfilmer: Schnitt

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Dieses Kapitel bzw. dieser Abschnitt wird durch intensive Zusammenarbeit sicher schnell besser. Der Hauptautor freut sich über jeden, der mitmacht. Versucht dich vielleicht nur an den schon vorgegebenen Inhalt und an die Form (bei Listen z.B.) anzupassen. Aber wenn etwas nicht passt, rührt sich der Hauptautor bestimmt. Kaputtmachen kannst du nicht viel – also sei mutig. Danke.

Nahezu kein Film wird dem Zuschauer so gezeigt, wie er gefilmt wurde – Spielfilme ohnehin nicht, da sie einem konkreten Drehbuch bzw. shooting script folgen. Aber selbst das simpelste Party- oder Urlaubsvideo profitiert maßgeblich von einem nachträglichen Schnitt. Dabei werden nicht nur technisch unzureichende Szenen (verwackelt, schlecht belichtet, unscharf etc.) entfernt, sondern belanglose Stellen entfernt und ggf. die Reihenfolge anderer Szenen verändert, um die Aussage des Films zu unterstreichen oder überhaupt erst erkennbar zu machen.

Schnitt als Korrektur[Bearbeiten]

Diese Art des Schnitts betrifft zu allererst misslungene Einstellungen (outtakes), langweilige Bilder und Vor-/Nachläufe. Alles, was nicht sehenswert ist, weil es die Gesamtaussage des Films nicht fördert, sollte zunächst entfernt werden. Dies ist noch relativ leicht herauszufinden. Was übrigbleibt, bildet die Basis für den zweiten Schritt.

Schnitt als gestaltende Maßnahme[Bearbeiten]

Änderung der Szenenreihenfolge[Bearbeiten]

Aus den verbliebenen, technisch einwandfreien Aufnahmen wird typischerweise eine Anordnung hergestellt, welche die Handlung (die meist in der Art eines chronologischen Ablaufs vorliegt) oder auch eine künstlerische Idee so deutlich wie möglich macht. Beispiele:

  • im Urlaubsfilm wird die Aufnahme eines Ortsschildes, welche erst recht spät aufgenommen wurde, an den Anfang verlegt, um dem Zuschauer frühzeitig zu zeigen, wo der Film spielt
  • im Spielfilm wird eine Szene, die früh gedreht wurde, nach hinten verlegt, weil sie laut Drehbuch eben erst im dritten Akt stattfinden soll
  • in einem Videoclip soll ein chronologischer Ablauf einer Außenszene immer wieder von Nahaufnahmen der Band, die im Studio entstanden sind, unterbrochen werden
  • Außenaufnahmen vom zweiten Drehtag sollen vor Innenaufnahmen vom ersten Drehtag geschnitten werden, um den Handlungsort besser zu etablieren

Je nach Film und Intention kann es also vorkommen, daß gravierende Abweichungen von der Originalreihenfolge entstehen, aber durch sie wird der Film entweder verständlicher oder entsteht überhaupt erst. Dieser zweite Schritt hat um so mehr Bedeutung, je komplexer der Film inszeniert ist. Für einen kurzen Videoclip von einer Party mag es reichen, nur den ersten Schritt, die Bereinigung um mißlungene Aufnahmen, vorzunehmen; bei längeren Dokumentar- oder Spielfilmen kommt man ohne eine entsprechende Gestaltung nicht aus.

Änderung der Handlungsgeschwindigkeit[Bearbeiten]

Schnitt kann dazu verwendet werden, eine Szene zeitlich zu verkürzen. Auch wenn eine Szene z. B. ursprünglich komplett zeigt, wie jemand von der Haustür zum Auto geht, genügt es meist, den Mittelteil zu entfernen und zwei Szenen daraus zu machen:

  1. die Person entfernt sich von der Haustür
  2. die Person erreicht das Auto

Wenn auf dem Weg zum Auto nichts “Erwähnenswertes” passiert ist, kann in der Regel darauf verzichtet werden. Auf diese Weise gewinnt der Film mehr an Tempo — oder wird zumindest weniger langweilig.

Schnitttempo[Bearbeiten]

Mit Schnitttempo wird die “Geschwindigkeit” bezeichnet, mit welcher eine Aufnahme (Einstellung) der nächsten folgt. Gibt es alle paar Sekunden eine neue Einstellung, liegt ein hohes Tempo vor. Das Tempo sollte mit der Handlung korrelieren; Actionszenen werden üblicherweise mit schnellen Schnitten, Dialog- und Übersichtsszenen merklich langsamer dargestellt.

Ob man sehr kurze Szenen mit harten Schnitten (wie bei vielen Musikvideos) oder lange Szenen mit Überblendungen (wie bei manchen stimmungsbetonten Dokumentarfilmen) verwendet, ist natürlich ebenfalls eine künstlerische Frage, und diese beiden Varianten stellen lediglich die äußeren Extreme dar. Dazwischen gibt es eine Unzahl von Möglichkeiten.

Darüber hinaus haben sich die Sehgewohnheiten der letzten Jahrzehnte durch Kino und Fernsehen verändert, und zwar zugunsten von tendenziell kürzeren Szenen.

Allgemeine Tipps[Bearbeiten]

Es gibt verschiedene Strategien, wie du an das vorliegende Filmmaterial herangehen kannst. Mit der Zeit wirst du deinen eigenen Arbeitsstil entwickeln, der dir am besten liegt.

Hier einige Tipps:

  • In der Regel solltest du versuchen, die Schnitte harmonisch zu gestalten, dass der Zuschauer sie nicht bewusst wahrnimmt und sich mehr auf die Motive als auf den Motivwechsel konzentriert. Techniken hierzu sind:
    • Mache einen Schnitt, bei dem die Kamerabewegung der ersten Aufnahme an die der zweiten harmonisch anknüpft. Wenn es sich um schnelle Schwenks handelt, kann es sogar gelingen, dass die beiden zusammengeschnittenen Aufnahmen wie eine einzige Kamerabewegung wirken.
    • Meistens wirkt es seltsam zwei gegensätzliche Begegungen direkt an einander zu reihen. Z. B.: Schwenk nach links gefolgt von Schwenk nach rechts.
    • Gerade bei Innenaufnahmen hast du mit deiner Kamera oft ein eingeschränktes Sichtfeld. Achte beim Schnitt darauf, dass der Zuschauer sich den Raum vorstellen kann.
    • Schnitt kommt von schneiden. Also geize nicht mit Schnitten, wenn du sie brauchst.
  • In der Endphase deines Schnitts kann es sinnvoll sein jemanden hinzuzuziehen, der dir eine konstruktive Kritik geben kann und auch kein Blatt vor den Mund nimmt, um dir zu sagen, an welchen Teilen du noch feilen musst. Eine unvoreingenommene, außenstehende Person hat oft einen ganz anderen Blick als du selbst auf dein Werk.
  • Jeden dieser Tipps kannst du ebenfalls bewusst nicht befolgen, um eine andere Wirkung zu bekommen. Denn die Hauptsache ist, der Film wirkt am Ende, wie du es dir vorgestellt hast.
  • Lasse bevor und nach der Szene noch in etwa zwei Sekunden “Fleisch”. Evtl. kannst du sie im Schnitt noch brauchen.