Reisen in das Alte Dresden/ Das Augusteische Dresden/ 1721

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22. Oktober: Zinzendorf in Dresden[Bearbeiten]

Am 22. Oktober 1721 kam Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf nach Dresden und trat das Amt eines Hof- und Justizrates an.

Er wurde am Mittwoch, den 26. Mai 1700 Abends gegen sechs Uhr als Sohn des damals 38jährigen kursächsischen Cabinetsministers Georg Ludwig Graf von Zinzendorf und Pottendorf und der damals 25jährigen Charlotte Justine geb. von Gersdorff in Dresden geboren.

Taufpaten von Nikolaus Ludwig von Zinzendorf waren die Kurfürstinnen von Sachsen und von der Pfalz sowie der Begründer des Pietismus, Philipp Jacob Spener. Hierdurch war allerdings zumindest der geistige Same dafür gelegt, dass sich Nikolaus Ludwig von Zinzendorf einmal zu einem bedeutenden Geistlichen entwickeln werden könne.

Auch noch neun Jahre nach seinem Wegzug aus Dresden pflegte Philipp Jacob Spener freundschaftliche Beziehungen zu den dortigen Gleichgesinnten. Zu ihnen gehörte die damals 52jährige Henriette Catharina von Gersdorff], die Großmutter mütterlicherseits von Nikolaus Ludwig von Zinzendorf. Henriette Catharina von Gersdorff wohnte mit ihrem Mann Nicolaus Freiherrn von Gersdorff kaiserlicher Rat überwiegend in Dresden und gewann durch die Stellung ihres Mannes als Gesandter der Kurfürsten und Landvogt der Oberlausitz auf die Staats- und Kirchenangelegenheiten einen nicht unbedeutenden Einfluß. In der Auseinandersetzung der kirchlichen Orthodoxie mit den Pietisten stand sie stets auf der Seite der Letzteren, weil sie zu einem philadelphischen Christentum gefunden hatte. So förderte sie beispielsweise mit ihrem Vermögen die von Spener angeregte Übersetzung der Bibel ins Sorbische. Sie verfasste auch zu ihrer Zeit viel beachtete deutsche wie auch lateinische Gedichte. Henriette Catharina und Nicolaus Freiherr von Gersdorff besuchten nicht nur Speners Gottesdienste und Katechismusunterweisungen, sondern unterstützten auch nachhaltig die pietistische Reformbewegung, so dass sie zum engeren Kreis um Philipp Jakob Spener gerechnet werden können. Spener ließ sich deswegen von Henriette Catharina von Gersdorff als Taufpate ihres Enkels Nikolaus Ludwig von Zinzendorf gewinnen.


Fünfzig Jahre der Missionsthätigkeit im Königreiche Sachsen, Dresden 1869, Justus Naumann's Buchhandlung (Heinrich Naumann), S. 5:

Die Brüdergemeinde zählte in Dresden seit etwa 1721 eine nicht kleine Anzahl von Mitgliedern. Am 22. October 1721 kam der Graf v. Zinzendorf nach Dresden und trat das Amt eines Hof= und Justizrathes an. Nach seinem eignen Bekenntniß hatte er sich vorgenommen, seine Amtsgeschäfte in Dresden gleichsam hintan zu setzen, und seine Zeit in Dresden darauf zu verwenden, seinen Collegen, Freunden, Verwandten und Jedermann, welche ihn anhören wollten, Geistlichen und Weltlichen, ja gar den Gichtelianern und Separatisten das Verdienst seines lieben Heilandes und die Seligkeit Seiner Liebe schmackhaft zu machen. Ohne Widerspruch der geistlichen und weltlichen Oberen hielt der Graf nun bei offenen Thüren alle Sonntage von 3–7 Uhr öffentliche Versammlung für Jedermann. Es wurde ein Lied gesungen, man betete und unterhielt sich freundschaftlich über Stellen der heiligen Schrift, oder es wurden sonstige erbauliche Unterredungen gepflogen. Der Graf schreibt davon: „Wir sind [6] vergnügt im Herrn und so herzvertraulich wie die Kinder, jung und alt beisammen“. Aus Gehorsam gegen seine Aeltern bekleidete der Graf ein öffentliches Amt und mußte nach damaliger Sitte einen Degen tragen; doch lebte er ganz der Verkündigung des Evangeliums. Er unterhielt Umgang mit einer Gesellschaft von solchen, welche sich nicht zur Kirche hielten, auch sonst wunderliche Ideen hegten und seine Arbeit an ihnen war eine so gesegnete, daß viele wieder zur Kirche kamen und von ihren Verirrungen abließen. Natürlich konnte es an mancherlei Täuschungen nicht fehlen und es mußte eine größere Vorsicht beim Halten der Versammlungen, Beschränkung der Theilnehmerzahl stattfinden, damit nicht unredliche Menschen sich hinzudrängten. Auch später nach des Grafen Wegzug blieben die Versammlungen der Brüdergemeinde. Während die Gichtelianer und Separatisten in Dresden sich von der Kirche lossagten und ihr Abendmahl unter sich feierten, hielt die Brüdergemeinde ihre Versammlungen nach dem Grundsatze, daß dieselben keinerlei Unordnungen erzeugen dürften, vielmehr den öffentlichen Gottesdiensten förderlich sein müßten. Die Mitglieder der Privaterbauungsstunden sollen mit göttlichem Leben und Wandel als treue, fleißige, religiöse Leute hervorleuchten. Nach dem Bombardement Dresdens 1760 zogen die meisten Glieder der Gemeinde nach Herrnhut, Berthelsdorf und anderen Orten und allmählich erst fand sich die Brüdergemeinde wieder zusammen. In ihr sammelten sich die stillen, redlichen Seelen. Mancherlei innere, wie äußere Kämpfe waren zu bestehen, zur Rechten und Linken hatten sie Gegner. Für die einen waren sie die Frommen, die Pietisten; die Andern streng Confessionellen hatten ihre Bedenken gegen manche Abweichungen von der Kirchenlehre und äußerten dies zuweilen in allzu schroffer, liebloser Weise.

Altendresden[Bearbeiten]

  • 6. August 1685 im Wohnhaus des Kunsttischlers Tobias Edler in der Meißner Gasse bricht Feuer aus (seine Kinder kommen darin um) --> ein Stadtbrand, der fast das gesamte Altendresden zerstörte
    • 336 Häuser fielen den Flammen zum Opfer, auch die alte Dreikönigskirche brennt ab
    • verschont blieben einige Wohnhäuser, der Jägerhof und das Rathaus
  • Neuaufbau unter Kurfürst Johann Georg III. nach Plänen des Oberlandbaumeisters Wolf Caspar von Klengel
  • von Friedrich August I. weiter vorangetrieben
  • Ein kurfürstliches Patent aus dem Jahr 1732: „Neue Stadt bey Dresden“ --> „Neustadt“

Preußische Gesandte im Kurfürstentum Sachsen[Bearbeiten]

  • 1721 Kurt Christoph von Schwerin (* 26. Oktober 1684 in Löwitz bei Anklam; † 6. Mai 1757 bei Prag, gefallen)
    • 1720 in die Dienste des preußischen Königs Friedrich Wilhelms I.
    • 1721 Gesandter im Kurfürstentum Sachsen und 1722 im Königreich Polen
    • 1722 oder 1723 Inhaber des Regiments zu Fuß Schwendy
  • 1721–1726: Franz Wilhelm von Happe (1687–1760)[1] (* 4. September 1687 in Berlin; † 1. Juli 1760 in Berlin)
    • 1715 Landrat und Kammerherr
    • 1716 als Envoyé nach Dänemark entsandt
    • 1718 Geheimer Kriegsrat beim General-Kriegs-Kommissariat
    • 1721 Gesandter am Hof in Dresden
    • ab 1722 Mitglied des Provinzialkommissariats und bald dessen Direktor
    • 1. Mai 1726 als Envoyé nach Stockholm entsandt
    • ab 31. Juli 1727 Finanzrat im II. Departement und Präsident der kurmärkischen Kriegs- und Domänenkammer mit dem Charakter eines Ministers
    • am 21. Juni 1731 wirklicher Minister im Generaldirektorium

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740–1806/15. In: Historische Kommission zu Berlin (Hrsg.): Einzelveröffentlichungen. 85. K. G. Saur Verlag, München 2009, ISBN 978-3-598-23229-9.