Quellen zu den Tschechen

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Seitentitel: Reisen in das Alte Dresden/ Die Nisaner – Dresdens verschwundenes Volk/ Quellen zu den Tschechen

Cosmas von Prag[Bearbeiten]

Cosmas decanus

Geschichtsquellen

Cosmas

S. VII.:

Cosmas, Dekan der Prager Kirche, Verfasser der "Chronik der Böhmen"

  • gest. 21. Oktober im Jahr der Inthronisierung von Herzog Sobieslaus [1125] - lt. Cosmas III, 60 am 16. April - III, 61: 20. Mai, Mittwoch der heiligen Pfingstwoche
  • 59. Kap. III. Buch [1125]: mihi iam octogenario - Selbstbezeichnung als achtzigjähriger Greis -> geb. 1045 [1044]

S. VIII.:

  • an der Schule der Prager St. Veitskirche (Kathedralschule) - hatte in der Krypta der heiligen Cosmas und Damian in der Veitskirche beim Hersagen der Psalmen eine wundersame Erscheinung II, 34 [Zuordnung zu 1074 wird in Frage gestellt]

[Katedrála svatého Víta, Václava a Vojtěcha]

Veitsdom
  • 925/930 [926 bis 929[1]] (unter dem hl. Wenzel) Veits-Rotunde (=Hofkirche) aus gehauenem Plänerstein - Reliquie (Arm) des Hl. Vitus - Christianisierung: Entfaltung des Bildungsgrades, Steigerung des Prestige des Landes - Mauerwerk der nördlichen Apsis erhalten - besser erhalten Teile der südlichen Apsis mit dem Wenzel-Grab
  • 1039: Reliquien des Hl. Adalbert und der fünf heiligen Ordensmärtyrer aus Gnesen[2] ** ursprüngliche Weihe um die Heiligen Wenzel und Adalbert erweitert[3]
    • Vorbild: doppelchorige deutsche Großkirchen (vgl. romanischer Dom in Augsburg)[4] - St. Michael (Hildesheim)[5] - Speyerer Dom[6]
  • 1060: Spytihnev II. erhielt im letzten Jahr seiner Herrschaft das Privileg, den Bischofs-Mitra zu tragen, vermutlich als Entschädigung für den königlichen Titel, den die römischen Kaiser verzögerten - wegen zu großer Pilgerscharen am Jahrestag des Todes des Hl. Wenzel -> Grundsteinlegung unter Spytihněv II. [gest. 1061] für die dreischiffige romanische Basilika aus gehauenem Plänerstein ohne Emporen über den Seitenschiffen mit zwei Chören im Osten und im Westen - 70m lang, 24,5m breit und 36,5m Querschifflänge - Langhaus wahrscheinlich mit flacher Balkendecke, die Seitenschiffe vermutlich gewölbt[7] - Monumentalbau entsprechend der Bedeutung die bischöfliche und fürstliche Macht[8]
    • Krypten unter beiden Chören (Säulen mit Bandornamenten) - im Osten Krypta der Heiligen Kosmas und Damian (mit der kleineren Krypta des Hl. Gaudentius), Hauptapsis und östlicher Teil des Nordschiffes mit Apsis erhalten - im Westen Krypta des Hl. Martin (fünfschiffig)
    • Abschluss durch drei Apsiden im Osten - Integration der Südapsis der ehemaligen Rotunde mit dem Grab des Hl. Wenzel im südlichen Seitenschiff -> Unregelmäßigkeit[9]
    • Querhaus im Westen (mit zwei Türmen in den Ecken des Querschiffs zum Langhaus = Westwerk[10])
  • 1085: Krönungsort für Vratislav II. (unter der Schutzherrschaft des Erzbischofs von Trier)
  • 1096: Weihe unter Vratislav II. - Teile der Rotunde mit den Gräbern der Heiligen wurden in den Neubau integriert - zB die Südapsis mit dem Wenzelsgrab (aus Pietätsgründen unberührt -> Südschiff etwas unsymmetrisch[11]) in das östliche Transept [Querschiff oder Querhaus]
  • im Süden der neuen Kirche wurde ein Bischofspalast erbaut
  • im Norden stand der Sitz des St.-Veits-Kapitels (Kloster der Prager Kirche) - Südmauer seines Kreuzganges grenzt an die königliche Gruft
  • zwischen St. Veitsdom und Alter Propstei: bischöfliche St.- Moritz-Kapelle aus dem 11. Jahrhundert
    • in den Kellerräumen der Kathedrale: Teile des Mauerwerks der südlichen und nördlichen Apsiden der Sankt-Veit-Rotunde von 925/30 sowie Überreste der östlichen Gruft der Heiligen Kosmas und Damian aus dem 11. Jahrhundert

S. IX:

Kathedralschule nur eine Art Vorschule

eigentliche Ausbildung nach III, 59: in Lüttich unter Magister Franco (Scholastiker) Grammatik und Dialektik geübt

S. X.:

  • in Lüttich um 1065 [dies hieße, die Krypta der hl. Kosmas und Damian hätte nach der Grundsteinlegung 1060 schon bis um 1064 benutzbar sein müssen - widerpricht zudem der Zuordnung des Schulerlebnisses in Prag zu 1074 - evtl. Ansatz von Palacky richtig, der Cosmas 1125 für 71 hält - jetzt im 8. Jahrzehnt - demzufolge um 1154 geb. - 1174 noch Prager Schüler, um 1175 in Lüttich - die Erwähnung von Magister Franco zu 1047 (als Lehrer?) bedenken]
  • geistliche Laufbahn unter dem Prager Bischof Gebhard
  • begleitete den Bischof zur großen Reichssynode Anfang Mai 1085 in Mainz
    • wichtiges Privileg für die Prager Kirche mit Datum vom 29. April 1086

[Jaromír-Gebehard][12], vierte Sohn des Herzogs Břetislav I.; * um 1040; † 26. Juni 1090 in Gran (Ungarn)

  • 30. Juni 1068 von Heinrich IV. zum Bischof von Prag ernannt
  • 6. Juli 1068: Bischofsweihe durch Erzbischof Siegfried I. von Mainz (Zuname Gebehard)
  • entschiedener Gegner des ersten Olmützer Bischofs Johann I. von Breunau[13] (seit 1063) - 1070 Besetzung der Höfe der Diözese, 1071? Gefangennahme des Johann - (nach) 1071 - Flucht Jaromirs ins Ausland - (nach) 1073: Wieder-Einsetzung durch den neuen Papst Gregor VII. (Hildebrand, 22. April 1073 bis 1085 Papst)
  • 11. Juni 1077 zum Reichskanzler ernannt

S. XI.:

  • II, 37: Cosmas habe mit eigenen Augen gesehen, daß der Kaiser die Urkundeeigenhändig unterzeichnet habe

[1085]: Reichsversammlung Mainz - Krönung von Herzog Vratislav zum König von Böhmen, Auflösung des Bistums Mähren

[1088]: König Vratislav veranlasst eine erneute Aufteilung des Bistums Prag - . Jaromír-Gebehard wandte sich aus Protest nach Rom, starb aber unterwegs am Hofe des Königs Ladislaus I. in Ungarn

  • II, 50: Ende 1091 begleitet Cosmas im Gefolge die beiden neugewählten Bischöfe Cosmas von Prag und Andreas von Olmütz zum Regalien-Empfang nach Mantua (Belehnung der Bischöfe mit Ring und Stab am 4. Januar 1092; königliche Investitur) - Stellung Cosmas unerwähnt, Rückreise mit den Bischöfen unsicher
  • III, 2,3: zweite Reise von Cosmas nach Mainz, begleitet im Gefolge die beiden Bischöfe erneut (zu ihrer Ordinierung durch Erzbischof Ruthard am 12. März 1094) - Rückreise über Amber und Kager
  • III, 9: vierte Reise des Cosmas unter der Regierung Bretislaw II - dieser traf sich bald nach Pfingsten (29. Mai) 1099 auf den Lutzker Feldern mit Koloman von Ungarn, S. XII in dessen Gefolge sich der Erzbischof Seraphim von Gran befand - am 11. Juni 1099 wurde der am 28. Februar 1099 zum Bischof von Prag gewählte Diakon Hermann durch Seraphim zum Presbyter ordiniert - evtl. wurde Cosmas ebenfalls Diakon (oder erst [spätestens] 1110)

S. XII

  • III, 33: Mission im Auftrag der Prager Domherren zum Herzog Otto II. von Olmütz nach Elbteinitz zur Rückerlangung des Marktrechtes von Sekirkostel (Mähren)

S. XIII

  • III, 43: 23. Februar 1117 - Tod seiner Frau
  • III, 51: 1123 - Erwähnung seines Sohnes Heinrich, beim Tode des Jerusalempilgers Bertold, der cliens meines Sohnes Heinrich - andere Jerusalempilger: Graf Dlugomil, Gumprecht, Gilbert, Heinrich genannt Zdik

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Otto von Simson, Propyläen Kunstgeschichte, Bd. 6, Das Mittelalter II, 1972, S. 214.
  2. Ivan Muchka: St.-Veits-Dom Prag, Regensburg 1994, S. 2.
  3. Jiri Burian: Der Veitsdom, Prag 1980, S. XIII.
  4. Hans Werner Hegemann: Der Veitsdom in Prag, Königstein im Taunus 1954, S. 3.
  5. Vgl. St. Michael (Hildesheim).
  6. Vgl. Speyerer Dom.
  7. Jakub Pavel: Der St.-Veits-Dom in Prag, Prag 1968, S. 12.
  8. Ivan Muchka: St.-Veits-Dom Prag, Regensburg 1994, S. 6.
  9. Jakub Pavel: Der St.-Veits-Dom in Prag, Prag 1968, S. 12.
  10. Ivan Muchka: St.-Veits-Dom Prag, Regensburg 1994, S. 6.
  11. Ivan Muchka: St.-Veits-Dom Prag, Regensburg 1994, S. 5.
  12. Vgl. Jaromír-Gebehard.
  13. Vgl. Johann I. von Breunau.