Religionskritik: Definition

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Was ist eine Religion ? Wie sind Religionen entstanden und haben sich weiter entwickelt ?


Ägyptischer Sonnengott Ra

Inhaltsverzeichnis

Einleitung[Bearbeiten]

Wenn man Religionen kritisieren will, muß man erst einmal wissen, was eine Religion ist.

Um das Wort Religion zu erklären, werden zunächst in einer kurzen Übersicht wichtige Eigenschaften einer Religion zusammengestellt. Diese Sätze bieten eine schnelle Übersicht, treffen aber nicht immer in allen Punkten für jede Religion zu. Umfassender wird der Begriff  Religion dann in einer teilweise verkürzten, veränderten und kommentierten Version des deutschen Wikipediaartikels über die Religion erklärt.

Was ist eine Religion ? Die wichtigsten Punkte[Bearbeiten]

  • Eine Religion ist eine Weltanschauung, die sich zumindest in einigen Punkten auf etwas Überirdisches bezieht. Diese übernatürliche Vorstellung wird dann oft als Gott, etwas Heiliges, etwas Transzendentes, etwas Absolutes oder Allumfassendes bezeichnet.
  • Diese übernatürliche Vorstellung ist nach Ansicht der Gläubigen wertvoll und verehrungswürdig.
  • Eine Religion besteht aus einer Gruppe von mehr oder minder gleichgesinnten Menschen, die wichtige Punkte ihrer Weltanschauung teilen.
  • Oft werden zur Verkündigung, Verbreitung, Auslegung, Erhaltung und Weiterentwicklung der Weltanschauung spezielle Gruppenmitglieder bestimmt, erwählt oder ernannt.
  • Viele Religionen haben Verhaltensregeln, an die sich die Gruppenmitglieder halten sollten.
Buddhistische Tempel- und Klosterlage Samye in Tibet
  • Viele Religionen haben charakteristische Symbole und Rituale, die sie kennzeichnen.
  • Viele Religionen haben bestimmte Orte, an denen regelmäßige Zusammenkünfte der Religionsmitglieder stattfinden und an denen die Rituale und Traditionen gepflegt werden.
  • Viele Religionen haben Formen der Überlieferung beispielsweise in Form von Schriften und Bildern entwickelt, in der Kernpunkte ihrer Weltanschauung weitergereicht werden.
  • Viele Religionen glauben nicht an die Endgültigkeit des menschlichen Lebens, sondern an ein geistiges oder körperliches Weiterleben nach dem Tode.

siehe auch Mindmap Religion

Was ist eine Religion ? Ausführlicher Teil[Bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten]

Als Religion bezeichnet man eine Vielzahl unterschiedlicher kultureller Phänomene, die menschliches Verhalten, Denkweisen und Wertvorstellungen beeinflussen. Religiöse Sinngebungssysteme gehen über naturalistische-wissenschaftliche Welterklärungen hinaus, indem sie sinnlichen Erfahrungen  transzendente oder auch  immanente Ursachen zuschreiben. Eine einheitliche wissenschaftliche Definition des Begriffs existiert nicht und gilt aufgrund der Wertungsproblematik unter Wissenschaftlern auch nicht als erstrebenswert. Fast alle Religionen weisen jedoch gemeinsame Elemente wie die Kommunikation mit überirdischen, transzendenten Wesen im Rahmen von Heilslehren, Symbolsysteme und Rituale auf. Entsprechend werden heute zahlreiche Religionsbegriffe als Beschreibungen verwendet, abhängig von den Akteuren und den zu lösenden Fragestellungen.

Religiöse Symbole

Als die weltweit größten Religionen gelten, nach Anhängerzahl: Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus, Shinto, Daoismus, Sikhismus, Judentum, Konfuzianismus und Bahai.

Die Religionen schriftloser Kulturen werden häufig als Naturreligionen bzw. indigene Religionen und spätere Formen als Animismus bezeichnet. Auch sie unterliegen einem historischem Wandel.

Mit der wissenschaftlichen Erforschung von Religionen befassen sich insbesondere die Religionswissenschaft, die Religionsgeschichte, die Religionssoziologie, die Religionsethnologie, die Religionsphänomenologie und die Religionsphilosophie.

Nachdem ältere Theorien wie die eines hominiden Bärenkultes heute als widerlegt gelten, umgekehrt aber die lange bezweifelten Datierungen  jungpaläolithischer Höhlenmalereien und Musikinstrumente wesentlich erweitert und bestätigt wurden, hat sich ein wissenschaftlicher Konsens über den Beginn menschlicher Religionsgeschichte herausgebildet. Demnach werden Bestattungen und (später) Grabbeigaben als frühe Zeichen religiösen Ausdrucks anerkannt, die sich bisher ab etwa 120.000 Jahren v.u.Z. im Mittelpaläolithikum sowohl bei Homo sapiens wie Homo neanderthalensis nachweisen lassen, bei Homo sapiens jedoch bald komplexere Formen annehmen.

Woher stammt der Begriff Religion ?[Bearbeiten]

Das Wort religio stammt aus dem Lateinischen. Es hatte die unterschiedlichsten Bedeutungen: "Gottesfurcht", "Frömmigkeit", "Heiligkeit", aber auch "Rücksicht", "Bedenken", "Skrupel", "Pflicht", "Gewissenhaftigkeit" oder "Aberglaube". Die weitere Herkunft des Begriffs ist nicht mit Sicherheit geklärt. Religio ist kein Terminus altrömischer Religion. Die frühesten Belege für die Verwendung dieses Ausdrucks finden sich vielmehr erst in den Komödien des Plautus (ca. 250-184 v. Chr.) und in den politischen Reden des Cato (234-149 v. Chr.).

Buddhafigur in Japan - viele Religionen kennen die verehrende Verwendung religionsspezifischer Gegenstände

Nach Cicero (De Natura Deorum 2, 72; 1. Jh. v. Chr.) geht religio zurück auf relegere, was wörtlich "wieder auflesen, wieder aufsammeln, wieder aufwickeln", im übertragenen Sinn "bedenken, Acht geben" bedeutet. Cicero dachte dabei an den Tempelkult, den es sorgsam zu beachten galt.

Dabei steht religio als gewissenhafte Beachtung überlieferter Regeln im Gegensatz zu superstitio als freier, ekstatischer Spiritualität. Auch bei der Entlehnung ins Deutsche im 16. Jahrhundert wird Religion zunächst in diesem Sinne verwandt: In Abgrenzung amtskirchentreuer Bibelauslegung und Kultpraxis gegenüber sogenanntem Aberglauben.

Etwa 350 Jahre nach Cicero führt der christliche Lactantius (Divinae Institutiones 4, 28) das Wort religio dagegen zurück auf religare: "an-, zurückbinden". Mögliche ursprüngliche Bedeutungen von "Religion" sind demnach "frommes Bedenken" oder die "Rückbindung" an einen von Gläubigen an- bzw. wahrgenommenen universellen göttlichen Ursprung oder an sonstige Auffassungen von Transzendenz.

Religion und Religiosität[Bearbeiten]

Religio bzw. religiosus wurde im Mittelalter vor allem für den Ordensstand benutzt. Diese Bedeutung hat der Begriff bis heute im römisch-katholischen Kirchenrecht. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit waren für das Wort "Religion" die Bezeichnungen fides (Glaube), lex (Gesetz) und secta (Richtung, Partei) gebräuchlich. Die heutige Verwendung wurde erst nach der Reformation eingeführt. Unter "Religion" verstand man zunächst Lehren, die je nach Auffassung, entweder richtig oder falsch sein sollten. In der Aufklärung entwickelte sich dann ein abstrakterer Religionsbegriff, auf den die gegenwärtigen Definitionsansätze zurückgehen.

Im Deutschen sind die Begriffe Religion und Religiosität zu unterscheiden. Der Ausdruck Religion ist erst seit Ende des 18. Jh. gebräuchlich.

Religion bezeichnet demgemäß ein System - also das Äußerliche, Strukturelle, Gemeinschaftliche -, während Religiosität auf das Subjektiv-Individuelle bezogen ist, insbesondere auf das Erleben des Einzelnen.

Der Begriff Religion verschiebt sich hin zur Religiosität. Vor allem in der Romantik wird die innere Haltung des frommen Individuums betont. Der Theologe Friedrich Schleiermacher schrieb in seinem Buch Über die Religion (1799): Religion ist nicht Metaphysik und Moral, sondern Anschauen und Gefühl. Religiöse Aktivitäten, wie Gebet oder Meditation aber auch die Sinneseindrücke und Symbolik von religiösen Zeremonien, können zu spirituellen Erfahrungen verhelfen.

Glauben[Bearbeiten]

Die in sehr langen Traditionen entstandenen  Welterklärungen und Anleitungen zur Lebensbewältigung werden in der westlichen Welt vor allem aufgrund christlicher, islamischer und humanistischer Traditionen häufig alternativ oder gar synonym mit der Kurzformel „Glaube“ zusammengefasst. Hierbei handelt es sich um den Glauben an eine oder mehrere persönliche oder auch unpersönliche überirdische Wesen (z. B. Gottheiten, Geister und Ahnen) oder auch Wesenheiten wie z.B. das Göttliche, das All-Eine oder die Allseele) und/oder Prinzipien (z. B. Dao, Dharma) und/oder andere Vorstellungen, wie z. B. Nirvana und Jenseits.

Allerdings erfasst auch dieser Ansatz einer Definition mit Hilfe des Begriffs „Glaube“ nicht alle Religionen, da dieser Terminus in einigen Religionen nicht oder kaum existiert und damit nicht das eigentliche Merkmal dieser Religionen sein kann. So sucht mancher Buddhist Erleuchtung auf Basis eigener Erfahrung und Einsicht gerade in der Überwindung unprüfbarer Annahmen, und im Judentum wird die halachische, religiös verdienstvolle Tat über die Bejahung bestimmter Glaubenssätze gestellt.

Begriffliche Problematik in Wissenschaft, Recht und Politik[Bearbeiten]

Wichtig bei der Betrachtung der Herkunft der Begriffe Religion und Glauben ist die kritische Beobachtung einer möglicherweise ideologischen Verwendung . Es gibt Unsicherheiten, die sich aus der Herkunft der Begriffe ergeben. Es gibt aber auch Schwierigkeiten mit den Begriffen selbst. Mit der europäischen "Entdeckung" bisher in der so genannten Alten Welt unbekannter Kulturen wurden europäische Begriffe auf Sachverhalte angewendet, die zwar Ähnlichkeiten mit dem christlichen Religions- und Glaubenskonzept haben (zum Beispiel die rituelle Gottesverehrung), in mancher Hinsicht aber auch sehr gegensätzlich sein können (zum Beispiel im missionarischen Ausschließlichkeitsanspruch). Die meisten Sprachen kennen ursprünglich keine genauen Übersetzungen des Wortes Religion, häufig wird es in mehreren Begriffen umschrieben oder wurde neu geprägt, darunter auch ganze Eigenbezeichnungen wie z.B. die Religion Hinduismus.

Eine Folge ist, dass heute zwar viele verschiedene Religionen und Religionsformen bekannt und erforscht sind, jedoch eine umfassend anerkannte Definition schwierig ist.

Ein beispielhaftes Problem im juristischen und politischen Rahmen stellt die Definition einer Gemeinschaft als anerkannte Religion bzw.  Religionsgemeinschaft dar. Einige Religionen beruhen auf philosophischen Systemen, bei anderen ist die politische oder wirtschaftliche Orientierung oder die Spiritualität, verstanden als Zugang zu lehrmäßig kaum ausdrückbaren Erfahrungen, sehr ausgeprägt und wieder andere beanspruchen keine Exklusivität, sondern erlauben Mehrfachmitgliedschaften und Vermischungen. Eine klare Abgrenzung etwa auf dogmatischer Basis ist daher nicht immer möglich, Überschneidungen finden sich in nahezu allen Religionen und insbesondere bei der Rezeption durch einzelne Menschen und Staaten.

Während in einigen Staaten, wie Saudi-Arabien und Nord-Korea keine Religionsfreiheit existiert, haben die meisten Länder ein unterschiedliches Maß an Handlungsspielraum für religiös praktizierende Individuen und Gemeinschaften, die sich selbst als Religionsgemeinschaften verstehen. So spricht z.B. der Iran den Bahai den Status einer Religion ab. In Indien wehren sich Sikhs gegen die gesellschaftliche und auch rechtliche Vereinnahmung als Hindus. Die Türkei betrachtet den Alevismus nicht als eigenständige islamische Gemeinschaft, unabhängigkg vom sunnitischen Islam der großen Mehrheit der Bevölkerung. In Deutschland ist Scientology bisher juristisch nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt und politisch sehr umstritten, während in den USA praktisch jede Gemeinschaft, die sich selbst als religiös bezeichnet - einschließlich aller genannten - als religious community mit entsprechenden Rechten gilt.

Wissenschaftliche Ansätze zur Definition von Religion[Bearbeiten]

Die  Religionswissenschaft, die sich in eine Vielzahl von Disziplinen wie

untersucht auf empirischer und theoretischer Grundlage Religionen als gesellschaftliche Phänomene. Religionswissenschaftliche Theorien müssen unabhängig von Glaubensannahmen nachvollziehbar und falszifizierbar sein. Seit etwa 100 Jahren ist die Religionswissenschaft als eigenständige Disziplin etabliert. Sie geht auf Vorläufer sowohl innerhalb Europas wie auch darüber hinaus auf religionsvergleichende Studien in China und der islamischen Welt zurück. In Abgrenzung zur  Theologie gehört dabei zur Religionswissenschaft neben die Möglichkeit des Dialoges auch die Option der umfassenden Religionskritik.

Immanuel Kant formuliert 1793 in seiner religionsphilosophischen Schrift  Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft seine Auffassung über eine  Vernunftreligion. Er entwickelt eine philosophische Religionslehre, die das Prinzip des Bösen postuliert. Das Böse sei dem menschlichen Wesen innewohnend. Er geht von der Existenz Gottes und von der Unsterblichkeit der Seele aus. Gott lasse sich allerdings nicht beweisen. Konsequentes moralisches Handeln ist nicht möglich ohne den Glauben an die Freiheit, die Unsterblichkeit der Seele und Gott. Daher ist die Moral das Ursprüngliche. Die Religion indes erklärt die moralischen Pflichten als göttliche Gebote. Also folgte die Religion dem bereits vorhandenen Moralgesetz. Um die eigentlichen menschlichen Pflichten zu finden, muss man das Richtige aus den verschiedenen Religionslehren herausfiltern. Rituelle Praktiken der Religionen lehnt Kant als "Pfaffentum" ab.

Ludwig Feuerbach erklärt 1841 Religion als „das erste und zwar indirekte Selbstbewußtsein des Menschen. Der Mensch vergegenständlicht in der Religion sein eignes geheimes Wesen. Demnach betrachtet der religiöse Mensch alles, was er für wahr, richtig und gut hält, als selbständige Erscheinungen außerhalb seiner selbst. Diese selbständigen Erscheinungen kann sich der Mensch als Person in Einzahl oder Mehrzahl mit begrenztem oder unbegrenztem Wirkungsbereich vorstellen und demzufolge seine Begriffe vom Wahren, Richtigen und Guten als Bereichsgötter oder einzigen Gott benennen oder ohne Personifikation als Kräfte, Mächte, Wirkungen, gesetzmäßige Abläufe oder ähnlich bestimmen. Wie er das tut, richtet sich nach regionaler Entwicklung und Überlieferung. Folgerichtig anerkennt Feuerbach Religion nicht mehr als Welt deutendes, vielleicht alle Menschen verpflichtendes System, sondern als völkerkundliches Forschungsgebiet.

Karl Marx bezeichnet 1844 in seiner Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie Religion als „das Opium des Volkes“, ein Ausspruch der zum Geflügelten Wort geworden ist. Nach Marx wird Religion als ein verkehrtes Weltbewußtsein von Staat und Gesellschaft produziert, weil in ihnen der Mensch von sich selbst  entfremdet ist. „Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes“ ist für ihn daher „die Forderung seines wirklichen Glücks“.

Sigmund Freud erklärt Religion als  Zwangsneurose. Er definiert sie als infantiles Abwehrverhalten. Der Urmensch habe die Naturkräfte personalisiert und zu schützenden Mächten erhoben. Somit helfen sie ihm in seiner Hilflosigkeit. Das zugrundeliegende Verhaltensmuster knüpft demnach an die frühkindliche Erfahrung des schützenden aber auch strafenden Vaters an. Das daraus resultierende zwiespältige Verhältnis zum Vater setze sich im Erwachsenenalter im Glauben fort. Der Mensch fürchte die Gottheiten und suche gleichzeitig ihren Schutz. Im Anschluss an Charles Darwin sieht Freud die Urhorde mit einem despotischen Stammesvater als Anführer, der über alle Frauen verfügen kann. Seine Söhne verehren ihn, fürchten ihn aber auch. Aus Eifersucht bringen sie gemeinsam den Urvater um. Daraus sei der  Ödipuskomplex hervorgegangen. Das Schuldbewusstsein der gesamten Menschheit („Erbsünde“) sei somit der kulturbewahrende Anfang sozialer Organisation, der Religion sowie - damit zusammenhängend - sexueller Einschränkung.

 Erich Fromm bildet eine weite, sozialpsychologische Definition von Religion als jedes von einer Gruppe geteilte System des Denkens und Handelns, das dem einzelnen einen Rahmen der Orientierung und ein Objekt der Hingabe bietet.

Der zeitgenössische deutsche Philosoph  Peter Sloterdijk schreibt der Religion die Wirkung eines psychosemantischen Immunsystems zu. Im Zuge der kulturellen Entwicklung sei der Mensch offener aber auch verletzbarer geworden. Religion befähige den Menschen „Verletzungen, Invasionen und Kränkungen“ selbst zu heilen. Sloterdijk bezeichnet nicht Gott, sondern „das Wissen um Heilung als Realität, von der biologischen bis zu einer spirituellen Stufe“ als die Perle in der Muschel der Theologie. (ref Peter Sloterdijk:Rede beim Sprengelkonvent, St. Petri Dom Schleswig, 29. Mai 2006.)

In jüngster Zeit entwickelt sich ein Dialog zwischen einigen Hirnforschern und Religionswissenschaftlern sowie Theologen, der mitunter als Neurotheologie bezeichnet wird und sich zunehmend auch mit der Suche von Biologen nach einer schlüssigen Theorie zur Evolution der Religion verschränkt.

Religionssoziologische Ansätze[Bearbeiten]

Nach  Émile Durkheim, einem der Begründer der Soziologie, trägt Religion zur Festigung sozialer Strukturen, aber auch zur Stabilisierung des Einzelnen bei. Sein Religionsbegriff ist somit ein funktionalistischer. Er will wissen was die Religion rein praktisch für die Gesellschaft und den Einzelnen leistet.

Gemäß Durkheim ist die Religion ein solidarisches System, das sich auf Überzeugungen und Praktiken bezieht, die heilige Dinge beinhalten und in einer moralischen Gemeinschaft wie beispielsweise der Kirche, alle vereinen, die dieser angehören.

Daraus ergeben sich drei Aspekte von Religion,

  • die Glaubensüberzeugungen (Mythen),
  • die Praktiken (Riten) und
  • die Gemeinschaft, auf die diese bezogen sind.

Durkheim bezeichnet unter anderen Faktoren den Glauben als ein Element der Macht, die die Gesellschaft über ihre Mitglieder ausübt.

Zu den bemerkenswerten Aspekten des Durkheimschen Religionsbegriffs gehört auch die Unterscheidung zwischen dem Heiligen und dem Profanen, die es erlaubt, Religion ohne den Bezug auf Gott, Götter oder übernatürliche Wesenheiten zu definieren. Sie wird auch außerhalb der Soziologie verwendet, etwa von Mircea Eliade (Das Heilige und das Profane, 1957), und liegt auch dem Begriff säkulare Religion (bei Max Weber: Diesseitigkeitsreligion) zugrunde, mit dem Weltanschauungen bezeichnet werden, die diesseitige Phänomene wie z. B. den Staat, eine Partei oder einen politischen Führer zum Gegenstand einer religionsähnlichen Verehrung machen.

 Ferdinand Tönnies unterscheidet Ende des 19. Jh. zwischen 'Gesellschaft' und 'Gemeinschaft'. Er betont die sinnstiftende Funktion von Religion als typisch "gemeinschaftlich" und erforscht ihre Symbolsysteme. Religiöse Gemeinschaften - wie andere traditionelle Gemeinschaften - dienen demnach der kulturellen Bindung des Individuums. Sie verlieren zugunsten der Prägung durch die Gesellschaft in der Moderne an Bedeutung für den Einzelnen. Als Kirche, das heißt als Institution, behalten sie jedoch hohen gesellschaftlichen Einfluss. Laut Tönnies ("Geist der Neuzeit") folgt gegenwärtig einem Zeitalter der Gemeinschaft ein Zeitalter der Gesellschaft. Die Funktion der Religion im ersteren werde nunmehr von der öffentlichen Meinung mehr und mehr übernommen.

 Max Weber, der sich Anfang des 20. Jahrhunderts ausführlich mit dem Phänomen "Religion" aus soziologischer Sicht befasste, unterscheidet zwischen Religion und Magie.

Unter Religion versteht er ein dauerhaftes, ethisch fundiertes System mit hauptamtlichen Funktionären, die eine geregelte Lehre vertreten, einer organisierten Gemeinschaft vorstehen und gesellschaftlichen Einfluss anstreben.

Magie dagegen ist nach Weber lediglich kurzfristig wirksam, gebunden an einzelne Magier oder Zauberer, die als charismatische Persönlichkeiten vermeintlich Naturgewalten bezwingen und eigene moralische Vorstellungen entwickeln. Diese Abgrenzung versteht Weber als idealtypisch. Reinformen sind selten, Überschneidungen und Übergänge werden konstatiert.[1]

Weber erarbeitete umfangreiche theoretische Abhandlungen über die verschiedenen Religionen, insbesondere über die protestantische Ethik und führte empirische Studien zu der unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklung in protestantischen und katholischen Ländern durch.

Religionswissenschaftliche Ansätze[Bearbeiten]

Nach  Clifford Geertz (1973) ist Religion ein kulturell-geschaffenes Symbolsystem, das versucht, dauerhafte Stimmungen und Motivationen im Menschen zu schaffen, indem es eine allgemeine Seinsordnung formuliert. Diese geschaffenen Vorstellungen werden mit einer solch überzeugenden Wirkung (Aura von Faktizität) umgeben, dass diese Stimmungen und Motivationen real erscheinen. Solche "heiligen" Symbolsysteme haben die Funktion, das Ethos - das heißt das moralische Selbstbewusstsein einer Kultur - mit dem Bild, das diese Kultur von der Realität hat, mit ihren Ordnungsvorstellungen zu verbinden.

Die Vorstellung von der Welt wird zum Abbild der tatsächlichen Gegebenheiten einer Lebensform. Die religiösen Symbolsysteme bewirken eine Übereinstimmung zwischen einem bestimmten Lebensstil und einer bestimmten Metaphysik, die einander stützen. Religion stimmt demnach menschliche Handlungen auf eine vorgestellte kosmische Ordnung ab. Die ethischen und ästhetischen Präferenzen der Kultur erscheinen als Notwendigkeit, die von einer bestimmten Struktur der Welt erzeugt wird. Die Glaubensvorstellungen der Religionen bleiben demgemäß nicht auf ihre metaphysischen Zusammenhänge beschränkt, sondern erzeugen Systeme allgemeiner Ideen, mit denen intellektuelle, emotionale oder moralische Erfahrungen sinnvoll ausgedrückt werden können. Da somit eine Übertragbarkeit von Symbolsystem und Kulturprozess vorliegt, bieten Religionen nicht nur Welterklärungsmodelle, sondern gestalten auch soziale und psychologische Prozesse .

Durch die unterschiedlichen Religionen wird eine Vielfalt unterschiedlicher Stimmungen und Motivationen erzeugt, sodass es nicht möglich ist, die Bedeutsamkeit von Religion in ethischer oder funktionaler Hinsicht festzulegen. (ref Clifford Geertz: Dichte Beschreibung. Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme. Suhrkamp,Frankfurt/M. 1987 (Nachdruck 2002))

 Jacques Waardenburg bezeichnet die Definition von Religion als 'Glauben' als ein Produkt westlicher Tradition. Dieser Begriff treffe daher nicht auf die Vorstellungen anderer Kulturen zu und sei für die Beschreibung von Religionen eher ungeeignet. Religionen können nach seiner Auffassung als Bedeutungsgefüge mit darunterliegenden Grundintentionen für Menschen angesehen werden. (ref Jacques Waardenburg: Religionen und Religion 1986 (Neuauflage de Gruyter; Berlin, New York 1996))

Der irisch-britische Religionswissenschaftler  Ninian Smart entwirft ein multidimensionales Modell von Religion und unterscheidet dabei sieben Dimensionen:

  • 1. die praktische und rituelle,
  • 2. die erfahrungsmäßige und emotionale,
  • 3. die narrative oder mythische,
  • 4. die doktrinale und philosophische,
  • 5. die ethische und rechtliche,
  • 6. die soziale und institutionale und
  • 7. die materielle Dimension (z. B. sakrale Bauwerke).

Naturwissenschaftliche Ansätze[Bearbeiten]

Der Biologe  Richard Dawkins sucht 1991 im Rahmen der evolutionswissenschaftlichen Theorie der  Meme eine Erklärung für das Phänomen Religion. Meme sind - in Anlehnung an den Begriff Gene - kulturelle Ideen, die sich im Laufe der Zeit anpassen und ändern. Er analysiert eine Religion als Gruppe von Ideen und Denkmustern, die sich gegenseitig bestärken und gemeinsam auf ihre Verbreitung hinwirken. Grundlage dieser Einordnung bildet dabei die Beobachtung, dass durch Religionen Handlungen und Überzeugungen erfolgreich verbreitet werden können, die außerhalb ihres religiösen Kontexts sinnlos scheinen oder im Gegensatz zur objektiven Realität stehen. Voraussetzung zur Verbreitung von religiösen Gedanken sind laut Dawkins die Bereitschaft zur wörtlichen Weitergabe von Glaubenssätzen und zur Befolgung der in ihnen kodierten Anweisungen. Er sieht hier eine Ähnlichkeit zu den Mechanismen, mit welchen Viren einen befallenen Organismus zur Weiterverbreitung ihres eigenen Erbguts anregen. In Analogie zu Computerviren spricht er auch von Viren des Geistes. Seine Theorie wird von zahlreichen Wissenschaftlern abgelehnt. Als Kritikpunkte nennen diese unter anderem den Mangel an empirischen Belegen und seine durch moralische Überlegungen geprägte Klassifikation religiöser Ideen als schädlich. Nochmals polarisierender und popularisierender ist Dawkins Darstellung in dem Ende 2006 erschienenen Werk  Der Gotteswahn. Eine in der moralischen Beurteilung von Religion etwas gemäßigtere Theorie erarbeitet  Daniel Dennett.

Verschiedene Hirnforscher suchen seit 1970 nach neurologischen Erklärungen für verschiedene Typen religiöser Erfahrungen. Entsprechende Studien wurden etwa publiziert von David M. Wulff, Eugene d'Aquili, C. Daniel Batson, Patricia Schoenrade, W. Larry Ventis, Michael A. Persinger, K. Dewhurst, A. W. Beard, James J. Austin und Andrew Newberg. Newberg ist ein Pionier auf dem Gebiet der  Neurotheologie und Universitätsdozent für Religionswissenschaften.

Phänomene und religionsspezifische Begrifflichkeit[Bearbeiten]

Um Religionen zu beschreiben, wurden eine Reihe von Kriterien und Begriffe für religiöse Phänomene geschaffen. Viele dieser Begriffe sind selbst Produkte religiöser Sichtweisen und damit problematisch für eine Beschreibung auf wissenschaftlicher Grundlage, da sie oftmals religiöse Interpretationen des jeweiligen Objektes sind und höchstens einen Ausschnitt des eigentlichen Phänomens zeigen können. So ist z. B. der Begriff "Gebet" ein christlicher und beschreibt eine christliche Praktik, die nicht direkt auf Dinge wie  Meditation oder  Versenkung angewandt werden kann. Dennoch gibt es in vielen Religionen ähnliche Konzepte, die miteinander verglichen und einander gegenüber gestellt werden können, wodurch ein Ordnen und Beschreiben von Religionen erst möglich wird.

Theismus und Atheismus[Bearbeiten]

hinduistische Darstellung des Göttlichen in seiner Form als  Ganesha

Religionen, deren Anhänger an die Existenz eines einzelnen Gottes glauben, werden als  monotheistisch bezeichnet, Religionen, die die Existenz mehrerer Götter annehmen, als  polytheistisch; Religionen, die das Göttliche in allen Dingen dieser Welt sehen, als  pantheistisch, Religionen die sich nicht auf ein oder mehrere transzendente Wesen beziehen als  atheistisch. Beim Atheismus stößt man an die Grenze des Religionsbegriffes, weil eine Religion ohne Gott im allgemeinen nicht als Religion betrachtet wird. Dennoch gibt es atheistische Religionen wie z. B. den  Theravada-Buddhismus oder den  Jainismus.

Auch einige nichtreligiöse atheistische Weltanschauungen haben an religiöse Rituale erinnernde ideologisch geprägte Formen. Man denke z. B. an die Aufmärsche und Feiern kommunistischer Staaten oder an  freireligiöse,  freidenkerische oder sozialistische  Jugendweihen. Der Faschismus bzw. Nationalsozialismus trägt ebenfalls die Züge eines extremistischen religiösen Systems. Ein Beispiel ist die Quasi-Göttlichen-Verehrung des Führers. Neuere Forschungen zur Entstehung des Nationalsozialismus widmen dieser Thematik besondere Aufmerksamkeit.

Schöpfungsmythen und Kosmologie[Bearbeiten]

Häufig vermitteln Religionen eine Vorstellung, wie die Welt entstanden ist, eine Schöpfungsgeschichte und ein Bild der letzten Dinge, eine  Eschatologie. Dazu gehören auch Antworten auf die Hauptfrage, was mit dem Menschen nach dem Tod geschieht. Zahlreiche Religionen postulieren ein  Dasein nach dem Tod und machen Aussagen über die Zukunft der Welt. Themen wie Reinkarnation, Nirvana, Ewigkeit, Jenseits, Himmel oder Hölle, und was letztlich mit der Welt geschehen wird (Weltuntergang, Apokalypse, Ragnarök, Reich Gottes), sind in vielen Religionen zentral.

Religiöse Spezialisten[Bearbeiten]

Die meisten Religionen kennen Seher oder Propheten, Priester, Prediger, Geistliche, Mönche, Nonnen, Zauberer, Druiden, Medizinmänner oder Schamanen, die die Religion überliefern, lehren, ihre Rituale ausführen und zwischen Mensch und Gottheit vermitteln. Manche Religionen sprechen einzelnen dieser Menschen übernatürliche Eigenschaften zu. In vielen Religionen sind diese Personen innerhalb einer formellen Organisation tätig, in anderen unabhängig. Sie werden bezahlt oder üben ihre Tätigkeit unentgeltlich aus. In einigen Religionen werden die religiösen Rituale vom Familienoberhaupt durchgeführt oder geleitet. Es existieren auch Religionen, in denen es keinen autorisierten Vermittler zwischen dem Übernatürlichen und dem Menschen gibt.

Spiritualität und Rituale[Bearbeiten]

Häufig pflegen Religionen und Konfessionen eine eigene Art von  Spiritualität. Spiritualität - insbesondere im Christentum - ist das geistliche Erleben, im Gegensatz zur  Dogmatik, welche die festgesetzte Lehre einer Religion darstellt. Das  Ritual hingegen ist durch die Religion formalisierte Spiritualität. Im heutigen westlichen Sprachgebrauch wird Spiritualität als seelische Suche nach Gott oder einem anderen transzendenten Bezug bezeichnet, ob im Rahmen von spezifischen Religionen oder jenseits davon. In einigen Religionen finden sich Strömungen, deren Anhänger die Begegnung mit der  Transzendenz oder dem Göttlichen in  mystischen Erfahrungen finden.

Zu religiösen Riten gehören unter anderem Gebet, Meditation, Gottesdienst, religiöse Ekstase, religiöse Opfer, Liturgie, Prozessionen und Wallfahrten. Daneben gibt es im Alltag gelebte Frömmigkeit wie Almosen geben, Barmherzigkeit oder Askese.

Schismen und Synkretismen[Bearbeiten]

Aufgrund ihrer  ideologischen Momente haben Religionen die Neigung sich aufzuspalten. Subreligionen sind oft durch die Abtrennung einer Gruppe aus der ursprünglichen Religionsgemeinschaft entstanden.

Der Begriff  Synkretismus beschreibt das gleichzeitige Ausüben von Praktiken verschiedener Religionen. Im klassischen Sinne ist er der Versuch, ähnliche Religionen (wieder) zu vereinen oder die Schaffung einer neuen Religion aus unterschiedlichen Vorgängern zu initiieren.

Seit der Aufklärung wird – vor allem im westlichen Kulturkreis – zwischen institutionalisierter Religion und persönlicher Haltung zum Transzendenten unterschieden.

Hinzu kommen seit den 1980er Jahren postmoderne Ansätze, nach denen Gruppen oder Individuen Ideen, Rituale usw. aus Religionen und anderen Weltanschauungen neu zusammenstellen und auf ihre Bedürfnisse zuschneiden. Dieses  eklektizistische Vorgehen wird von Vertretern traditioneller Religionen zuweilen „Patchwork-Religion“ oder „Supermarkt der Weltanschauungen“ genannt.

Religionen in Zahlen[Bearbeiten]

Zitat:

  • Die_Mär_von_der_Wiederkehr_des_Glaubens


Die insgesamt gemäßigte Religiosität in Deutschland drückt sich auch darin aus, 
dass die  Religion im Leben generell eine vergleichsweise geringe Rolle spielt: 
Wesentlich höhere Relevanz als Gott und dem Glauben weisen die Bürger etwa ihren 
Lebenspartnern und der Familie, ihrer Arbeit und sogar der Politik zu. 

Bei der Religionszugehörigkeit ist zu beachten, dass die Daten teilweise nicht den wirklichen Stand darstellen können, da z.B. die Datenerhebung (Kirchensteuerzahler oder Befragungen) eine hohe Streubreite aufweist. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass auch Kinder in Kirchen durch ihre Eltern registriert sind, jedoch sich selbst nicht unbedingt dieser Religion angehörig fühlen. Darüber hinaus gibt es auch sehr unterschiedliche Ausprägungen der Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft, wodurch die Einordnung schwierig wird und oft nicht eindeutig ist.

Die aktuelle 15. Shell Jugendstudie gibt für die Jugend in Deutschland (Alter: 12-25 Jahre)

  • 30% an, die an einen persönlichen Gott sowie
  • 19%, die an eine überirdische Macht glauben.
  • 23% der Jugendlichen wissen nicht so richtig, ob und woran sie glauben sollen,
  • 28% glauben weder an einen Gott noch eine höhere Macht.
Die Welt: vorherrschende Religionen nach Staaten

Thomas Gensicke: Jugend und Religiosität.

  • In: Deutsche Shell (Hrsg.) Jugend 2006.
  • Die 15. Shell Jugendstudie.
  • Fischer Taschenbuch Verlag 2006.

Weltweite Statistik[Bearbeiten]

Statistik A - Religionen der Welt - Zugehörige (Quelle: David B. Barrett)

  • Islam (1,313 Milliarden)
  • Römisch-Katholische Kirche (1,119 Milliarden)
  • Hinduismus (870 Millionen)
  • Nichtreligiös (769 Millionen)
  • Unabhängige Christliche Kirchen (427 Millionen)
  • Traditionelle Chinesische Religionen (405 Millionen)
  • Protestantische Kirchen (376 Millionen)
  • Orthodoxe Kirchen (220 Millionen)
  • Anglikanische Christen (80 Millionen)
  • Buddhismus (379 Millionen)
  • Sikhismus (25 Millionen)
  • Judentum (15 Millionen)
  • Ethnoreligionen (256 Millionen)
  • Atheismus (152 Millionen)
  • Afrikanische Religionen (100 Millionen)
  • Neue Religionen (108 Millionen)

Stand Mitte 2005, Weltbevölkerung: 6,454 Milliarden.

Statistik B - Religionen der Welt - Zugehörige (Quelle: adherents.com)

Christentum                                          2,1 Milliarden
Islam                                                1,3 Milliarden
Säkularismus, Nichtreligiöse, Agnostiker, Atheisten  1,1 Milliarden
Hinduismus                                           0,9 Milliarden
Traditionelle Chinesische Religionen                 0,4 Milliarden
Buddhismus                                           0,4 Milliarden
Nichtafrikanische Indigene Religionen                0,3 Milliarden
Traditionell Afrikanische Religionen                 0,1 Milliarden
Sikhismus                                            23 Millionen
Judentum                                             15 Millionen
Spiritismus                                          15 Millionen
Bahai                                                 7 Millionen
Jainismus                                             4 Millionen

Religionszugehörigkeit in Deutschland[Bearbeiten]

Statistik C - Religionen in Deutschland - Zugehörige (Quelle: REMID) und EKD und DBK )

Konfessionslos, ohne Angabe 27,8 Millionen           Stand: 12/2004
Römisch-Katholische Kirche  23,3 Millionen           Stand: 12/2017
Evangelische Landeskirchen  21,5 Millionen           Stand: 12/2017
Islam                        3,3 Millionen           Stand: 12/2004
Neuapostolische Kirche       0,4 Millionen           Stand: 12/2004
Judentum                     0,2 Millionen           Stand: 12/2004
Buddhismus                   0,2 Millionen           Stand: 12/2004
Jehovas Zeugen               0,2 Millionen           Stand     2005
Hinduismus                   0,1 Millionen           Stand: 12/2004

Wieviel Moslems gibt es eigentlich in Deutschland ? siehe dazu http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/deutsche-islamkonferenz-hoert-auf-mich-zu-islamisieren-kolumne-a-1241327.html

Kirchenaustritte Deutschland[Bearbeiten]

Statistik 2015 Deutschland (Quelle Die ZEIT Juli 2016 Kirchen verlieren mehr als eine halbe Million Mitglieder) und Quelle Süddeutsche Zeitung 20.7.2017 und Quelle Spiegel 20.7.2019

                 Katholiken                 Protestanten
--------------------------------------------------------
2015 Bestand     23,76 Millionen            22,27 Millionen 
2015 Austritte      182000                     210000
2016 Austritte      162000                     190000
2017 Austritte      167000                     200000
2018 Austritte      216000                     220000     


Auffällig sind erhebliche Differenzen in den Zahlen je nach Quelle.

Zitat: Kirchenaustritte sind kein Naturphänomen, sondern Ausdruck einer Entfremdung der Gläubigen von der Kirche und einer Glaubwürdigkeitskrise der Kirche selbst. von Kirchenrechtsexperte Thomas Schüller

Religiöse Kindergärten, Schulen und Universitäten[Bearbeiten]

In Deutschland gibt es rund 900 katholische Schulen mit knapp 360.000 Schülern.

Literatur[Bearbeiten]

  • What the World Believes
    • Herausgeber: Bertelsmann Stiftung
      • Verlag: Bertelsmann Stiftung 751 Seiten Sprache: Englisch

Links[Bearbeiten]

Religion und Ethik[Bearbeiten]

Bibel aus dem 16. Jhd. - viele Religionen kennen Heilige Schriften, in welchen ethisches Verhalten festgelegt und über die Schrift weitergegeben wird.

Zahlreiche alte Religionen hatten den Anspruch, menschliches Zusammenleben durch Gesetze zu regeln. Die meisten Religionen der Gegenwart haben ein ethisches Wertesystem, dessen Einhaltung sie fordern. Dieses System umfasst Vorstellungen darüber, was richtig und falsch und was gut und böse ist, wie ein Angehöriger der jeweiligen Religion zu handeln und teilweise zu denken hat. Obgleich sich diese Vorstellungen historisch wandeln, stehen hinter solchen religiösen Pflichten in fast allen Religionen ähnliche ethische Prinzipien. Diese sollen das konfliktarme Miteinander der Mitglieder der Religionsgemeinschaft regeln, sollen Gesellschaft und zum Teil Politik positiv beeinflussen und die Menschen individuell dem jeweiligen religiösen Ziel näher bringen. Zum Teil bieten sie für den Einzelnen einen moralischen Rahmen, der ihn psychisch und physisch stabilisieren kann, zu individueller und kollektiver Hilfsbereitschaft anhalten oder sogar zu gesellschaftlichen Verbesserungen beitragen kann. Alle Weltreligionen und darüber hinaus die meisten kleineren Religionen, fordern Barmherzigkeit von ihren Mitgliedern. So ist im Islam z. B. vorgeschrieben, dass jeder einen festen Anteil seines Einkommens für soziale Zwecke spenden soll. Im christlich geprägten Mittelalter hat die Kirche Universitäten und Schulen gegründet, Hospitäler und Waisenhäuser unterhalten und für die Armenspeisung gesorgt. Ein Aspekt von Religion kann der Frieden stiftende sein, der in den meisten Religionen durch besondere Vorschriften über Mitgefühl, Vergebung oder sogar Feindesliebe Ausdruck findet.

In einigen Religionen sollen diese moralischen Gesetze der jeweiligen Überlieferung nach direkt dem Religionsstifter von der entsprechenden Gottheit überbracht worden sein und somit höchste Autorität besitzen. Nach dieser Vorstellung müssen sich auch weltliche Herrscher diesen ethischen Anforderungen beugen. Gehorsam wird teilweise unter Androhung von diesseitigen oder jenseitigen Strafen gefordert oder als einziger Weg zum Heil dargestellt.

Häufig existieren noch weitere Regeln, die nicht direkt vom Stifter der Religion stammen, sondern aus den heiligen Schriften und anderen Tradierungen der jeweiligen Religion abgeleitet werden. Einige dieser Normen verloren im Laufe der historischen Entwicklung für viele Gläubige ihren Sinn und wurden in einigen Fällen den sehr unterschiedlichen Wertesystemen der entsprechenden Zeit angepasst.

Wie in allen  Weltanschauungen, gibt es auch in den Religionen einen Widerspruch zwischen theoretischem Anspruch und praktischer Umsetzung. Während Machtmissbrauch und andere Missstände im Mittelalter und der frühen Neuzeit häufig zu religiösen Erneuerungsbewegungen führten, haben sie gegenwärtig teilweise eine Abkehr von der Religion zur Folge. Parallel zu Reformbestrebungen, kommt es aber auch zu  fundamentalistischen religiösen Interpretationen und Praktiken, die bis hin zu terroristischen Aktivitäten mit pseudoreligiöser Begründung reichen können.

Die stärkste Form des Versagens ethischer religiöser Normen stellen Religionskriege und andere Gewalttaten dar, die mit religiösen Auffassungen begründet werden. Dies werten Gläubige zumeist als Missbrauch ihrer Religion, während Religionskritiker von einer allen Religionen immanenten Tendenz zu "Fanatismus und Grausamkeit" ausgehen. Überdies ist umstritten, ob diese Geschehnisse notwendige Folge von Religionen sind.

Goya: das Tribunal

Die römisch-katholische Kirche war für die  Inquisition verantwortlich. Andere Verbrechen im Namen der christlichen Religion waren

oder aus religiös vebrämten politischen Gründen, wie die Tötung zahlreicher so genannter Indios, Angehöriger Indigener Völker Südamerikas während der Eroberung und in der Neuzeit teilweise die Unterstützung von Diktaturen und die ambivalente Rolle der Kirchen im Nationalsozialismus. Der Kirchen- und Religionskritiker  Karlheinz Deschner hat in seinem auf zehn Bände angelegten Werk  Kriminalgeschichte des Christentums eine Fülle historischen Materials zu diesem Thema ausgewertet und kommentiert.

Auch in jüngerer Zeit sind grobe Verstöße gegen die eigenen ethischen Prinzipien von Religionen zu verzeichnen:

  • Seit der islamistischen Revolution von 1979 werden in Iran tausende von Menschen wegen sogenannter Verbrechen gegen die Religion inhaftiert, gefoltert und oft sogar ermordet. Frauen werden systematisch benachteiligt und schon wegen einer Nichteinhaltung von Bekleidungsvorschriften bestraft. Wegen so genannter moralischer Verfehlungen können sie legal öffentlich gesteinigt werden. Homosexualität gilt als Verbrechen, was mit Hinrichtung bestrafft wird. Religiöse Minderheiten wie die  Bahai und politische Dissidenten werden strafrechtlich und von den sogenannten Religionswächtern verfolgt.
  • Im christlichen  Namibia kam es in den 1990er Jahren zu Gewalttätigkeiten gegenüber Homosexuellen, die von religiösen Autoritäten aber teilweise auch von der Regierung für eine langdauernde Dürre verantwortlich gemacht wurden.
  • In Indien gibt es von Zeit zu Zeit Ausschreitungen von Hindus vor allem gegenüber Muslimen und von Muslimen gegenüber Hindus.

Ethik im Judentum und Christentum[Bearbeiten]

Die gelebte Ethik von Judentum und Christentum unterscheidet sich unter anderem dadurch, ob die jeweilige Religion mit einem weiten individuellem Denk- und Handlungsspielraum, traditionell oder fundamentalistisch ausgelegt wird. Auch innerhalb der einzelnen Religionen gibt es häufig unterschiedliche Schulen, welche die jeweilige Morallehre verschieden auslegen und anwenden. So gab es z. B. im Christentum Strömungen, die das Alte Testament aufgrund der darin sehr gewalttätig wirkenden Gottheit "verbannen" wollten.

Judentum und Christentum verbindet in ihren ethischen Systemen beispielsweise der Gedanke an eine Endzeit. Dieses lineare Verständnis von Zeit bedeutet, dass die Gläubigen im  Diesseits nach den von ihrer Gottheit geforderten Regeln leben, um den Lohn dafür in einer späteren Zeit zu erhalten; obgleich die Gottheit auch im Diesseits schon wirken kann. Allerdings wird im Protestantismus ebenso oftmals die göttliche Gnade für ausschlaggebend gehalten, auch teilweise unabhängig von der Befolgung moralischer Postulate. Das Judentum ist weniger jenseitsbezogen jedoch gebotreicher als das Christentum, was sich u. a. im hebräischen Wort für Religion, nämlich  Torah (Gesetz), widerspiegelt. Ähnlich wie im Hinduismus gibt es genaue Anweisungen, wie die Handlungsweisen des Mitglieds in der Gruppe sein sollen. In den christlichen Religionen sind durch die Relativierungen ihres Stifters und die  neuplatonischen Einflüsse weit weniger Richtlinien vorgegeben - beispielsweise die aus dem alttestamentlich-jüdischen Glauben übernommenen  Zehn Gebote.

Ethik im Islam[Bearbeiten]

Die Ethik im Islam ist ähnlich wie im Judentum sehr stark an Gebote für einzelne Situationen gebunden. Der  Koran gibt genaue Anweisungen für die Handlungen des Einzelnen in der Gruppe. Wichtig für den Islam ist eine kollektive Verantwortung für Gut und Böse. Dies wird beispielsweise in der Anweisung Al-amr bi'l ma'ruf wa n-nahy 'an al-munkar|al-amr bil ma'ruf wa n-nahi an al-munkar (das Gute befehlen und das Schlechte verbieten) deutlich. In Folge besteht die Gefahr einer unumschränkten Befehlsgewalt der Gemeinschaft. Der Islam geht in seinen Hauptrichtungen Sunna und Schia von der  Prädestination (Vorherbestimmung) aus, die dem Individuum nur begrenzten Handlungsspielraum zugesteht. In fundamentalistisch ausgerichteten Staaten (islamische Gottesstaaten) hat die  Scharia als islamisches Recht eine wesentliche Bedeutung.

Ethik bei den "östlichen Religionen"[Bearbeiten]

Religionen wie der Buddhismus, der Hinduismus oder auch der Daoismus stellen ebenso ethische Anforderungen, wie unter anderem

  • die Überwindung von
    • Hass,
    • Habgier,
    • Lüge sowie
  • besonders  Gewaltlosigkeit.

Dabei werden die Regeln an einer angenommen kosmischen Gesetzmäßigkeit bzw. einem Weltprinzip ausgerichtet (z. B.  Dharma im Hinduismus und im Buddhismus,  Dao im Daoismus). Dieses kosmische Weltprinzip beinhaltet ethische Vorgaben für jedes Individuum. Von den Anhängern wird erwartet, die Gesetzmäßigkeiten des Daseins zu erkennen und entsprechend zu handeln. So existieren z. B. Tötungsverbote, die sich teilweise auch auf Tiere beziehen.

Abweichendes Verhalten wird in solchen Religionen weniger von der Religionsgemeinschaft sanktioniert, sondern soll vor allem negative Konsequenzen für das Individuum z. B. in einer der nächsten Existenzen nach sich ziehen (im Hinduismus, Buddhismus, Jainismus innerhalb der Vorstellung von  Karma und Wiedergeburt,  Samsara); im Daoismus und chinesischen Buddhismus äußern sich diese Konsequenzen z. B. innerhalb der daoistischen bzw. buddhistischen "Hölle", wo grausame Strafen auf Missetäter warten. Die populäre Annahme, dass "östliche Religionen" bedingt durch deren Ethik weniger zu Gewalt neigen, kann wissenschaftlich nicht bestätigt werden, da Gewalt eher von den jeweiligen Machthabern, als von den religiösen Autoritäten selbst ausgeht. Aber, religiös motivierte Gewalt, wie wir sie aus der Kreuzzugs-, Conquista-, Missionierungs-Historie im christlichen Kulturkreis oder auch im Rahmen der islamischen Expansion kennen, tritt im Kulturkreis östlicher Religionen deutlich seltener auf.

Ethik bei indigenen Kulturen ( Indios , Indianer, Eskimos etc)[Bearbeiten]

Indigene Kulturen, die oftmals auch mit den problematischen Begriffen "Naturvölker" oder "Stammeskulturen" bezeichnet werden, weisen häufig Moralsysteme auf, welche die Gemeinschaft schützen sollen. Da nur durch ein funktionierendes Sozialbewusstsein das Überleben der Gruppe gesichert werden kann, steht ein prosoziales Verhalten im Mittelpunkt der mündlich weitergegebenen Verhaltensweisen. Diese " Naturreligionen" umfassen weiterhin Rituale zur Beeinflussung ihrer Götter bzw. Naturgewalten.

Religion in der Neuzeit[Bearbeiten]

Moderne Kirche

Seit dem Beginn der Neuzeit beanspruchen die Natur- und Geisteswissenschaften verbunden mit der Idee eines natürlichen Grundrechts Autorität in Fragen zu Evolution oder Ethik/Recht – Bereiche, die zuvor der Religion unterstanden. Diese Entwicklung wird als  Säkularisierung bezeichnet. Erklärungsversuche für dieses Phänomen beziehen sich oft auf die Industrielle Revolution, die allmähliche Überwindung des Ständestaates und den damit verbundenen ökonomischen, sozialen, kulturellen und rechtlichen Wandel.

Seitdem ist – im Gegensatz zu den vormodernen christlichen Gesellschaften, in denen alle Bereiche menschlichen Lebens unter der Autorität der Religion standen – eine Tendenz bemerkbar, die zunehmend Bereiche der Gesellschaft aus dem vormaligen Herrschaftsbereich der Religion ausgliedert.

Diese Entwicklung, die der Philosoph  Friedrich Nietzsche 1882 mit den Worten „Gott ist tot“ kommentierte, wurde und wird von religiösen Denkern als bedenklich angesehen. Sie argumentieren, durch das Schwinden des Einflusses der Religion würden ethische Standards in der Praxis stark reduziert und der Mensch zum Maß aller Dinge gemacht. Außerdem könne eine solche Auffassung zu  nihilistischen bzw. destrukiven Handlungen führen unter der Devise: „Ohne Gott ist alles erlaubt“. Für das Eintreffen dieser Folgen in der Praxis gibt es allerdings keine eindeutigen Hinweise.

In Europa verlor das Christentum im späten 19. Jahrhundert und im gesamten 20. Jahrhundert hinsichtlich seiner Reputation, seines gesellschaftlichen und politischen Einflusses und seiner Verbreitung an Bedeutung. Einige traditionell christliche westliche Länder verzeichnen sinkenden Klerikernachwuchs, Verkleinerung der Klöster und ein Anwachsen von Kirchenaustritten oder andere Formen von Distanzierung.

Besonders in Frankreich, wo Napoleon die Schließung und Enteignung von Klöstern angeordnet hatte und Anfang des 20. Jahrhunderts eine strikte  Trennung von Kirche und Staat durchgesetzt wurde, ging der gesellschaftliche Einfluss der Kirchen zurück. In den ehemaligen sozialistischen Staaten ist eine ambivalente Entwicklung festzustellen. Während in den neuen Bundesländern die organisierte Religion nur eine marginale Rolle spielt, ist sie beispielsweise in Polen tief verwurzelt. Studien belegen rückläufige Besucherzahlen in Kirchen, Synagogen und anderen religiösen Einrichtungen, z.B. in Großbritannien, Deutschland und Frankreich, obwohl die Kirchen hier Umfragen zufolge weiterhin zu den anerkannten öffentlichen Einrichtungen zählen. In den meisten europäischen Staaten waren 2005 jedoch noch mehr als 50 % der Einwohner Mitglieder einer christlichen Kirche, in Polen, Irland, Spanien und Italien gilt die katholische Kirche, der jeweils mehr als 80 % der Bewohner angehören, als einflussreich.

In den meisten europäischen Ländern wurde früher oder später das Recht auf  Religionsfreiheit gesetzlich verankert. Davor waren auch nichtreligiöse Menschen in aller Regel in religiöse Organisationen eingebunden, da eine demonstrative Abwendung von der Religion zu Diskriminierungen führen konnte. Diese Gruppe sieht derzeit weniger Gründe, sich einer Religionsgemeinschaft anzuschließen. Stark säkularisierte individuelle oder kollektive Formen von Religion üben nur wenig Einfluss auf das Alltagsleben derjenigen Individuen aus, die scheinbar nur zu bestimmten Gelegenheiten, wie Eheschließung oder Bestattung, religiöse 'Dienstleistungen' in Anspruch nehmen.

Bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion konnte in den meisten so genannten Ostblockstaaten eine religiöse Betätigung zu gesellschaftlichen Benachteiligungen, aber auch Einschränkungen im Privatleben führen. Daher war der Anteil der sichtlich praktizierenden Mitglieder von Religionsgemeinschaften sehr gering. In vielen europäischen Ländern ist es nach wie vor üblich, zumindest formell, einer Religion anzugehören.

Parallel zur Säkularisierung kam es sowohl im evangelischen als auch im katholischen Raum zu einer vertieften und bewussteren Teilnahme am kirchlichen Leben von Seiten einer Minderheit von engagierten und häufig kritischen Laien. Auch junge Menschen wenden sich bei ihrer Suche nach dem  Sinn des Lebens seit Ende des vorigen Jahrtausends häufiger wieder religiösen Traditionen oder neuen religiösen Entwicklungen zu.

Im Gegenzug zur Säkularisierung in Europa gewinnt die Religion in der übrigen Welt partiell an Bedeutung. In den USA und Lateinamerika beispielsweise stellt die Religion nach wie vor einen wichtigen Faktor dar. Im 20. Jahrhundert ist in Afrika der Einfluss des Christentums und des Islam erheblich gewachsen. In der arabischen Welt ist der Islam nach wie vor das prägende Element der Gesellschaft. Auch in China zählen, trotz jahrzehntelangem staatlich verordnetem Atheismus, die Weltreligionen wieder ca. 100 Millionen Anhänger.

Neuere Forschungen verweisen darauf, dass in zeitgenössischen Gesellschaften statistisch nachweisbar ein Zusammenhang zwischen Demografie und Religion besteht. Die Kinderzahl in religiösen Gemeinschaften ist zum Teil erheblich höher als die in der eher säkular geprägten Gesellschaften. Beispiele hierfür sind die Geburtenraten der türkischstämmigen Familien in Deutschland, die zum allergrößten Teil dem Islam angehören, freikirchlich-christliche Gruppen in den USA und zunehmend auch Europa und diejenigen der orthodoxen Juden in Israel. Umgekehrt ist bisher keine säkulare und freiheitliche Gesellschaft bekannt, die nicht aufgrund geringer Geburtenrate zu schrumpfen begonnen hätte (z.B. auch antikes Griechenland, Rom oder aktuell die postkommunistischen Staaten, alle westlichen Demokratien mit Ausnahme der sehr religiösen USA usw.). Dieses Phänomen wird gegenwärtig auf dem Hintergrund der Probleme einer wachsenden Weltbevölkerung nicht nur positiv, sondern auch negativ gewertet.

Empirische Untersuchungen von  Abraham Maslow nach dem Zweiten Weltkrieg wiesen darauf hin, dass die Überlebenden des  Holocaust oft diejenigen mit starken religiösen Überzeugungen waren. Maslows Ergebnisse haben sich in anderen Zusammenhängen nicht als wiederholbar erwiesen. Der besondere Umstand, dass Maslow ausschließlich Überlebende des Holocaust befragt hatte, und dass Religion das primäre Auswahlkriterium für die Forschungssubjekte war, könnte zu einer Verzerrung der Ergebnisse geführt haben, da gerade die - in Konzentrationslagern übliche - permanente Bedrohung des eigenen Lebens eine stärkere Hinwendung zur Religion wahrscheinlich erscheinen lässt.

Vertreter der humanistischen Psychologie untersuchten später, ob allgemein eine Korrelation zwischen Religion und Gesundheit bzw. Lebensdauer eines Individuums besteht. Forschungen in den USA belegen diese These, während europäische Studien eine solche Verknüpfung nicht bestätigen.

Quellen und Zitate[Bearbeiten]

 Friedrich Schleiermacher definiert Religion als etwas, was den Menschen im Innersten bewegt, was ihn zutiefst angeht, was ihm wesentlich ist.

 Arthur Drews meint, das Religion nicht an eine bestimmte Lehre oder Offenbarung, an heilige Bücher oder Religionsstifter gebunden ist, sondern sich im Einzelnen selbst ereignet als das Innerlichste, was sich denken läßt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Religion (Grundthemen Philosophie)
    • Hans Julius Schneider
      • Taschenbuch Preis: EUR 19,95
        • Gute Einführung
  • Cancik, Hubert (Hrsg.): Die Religionen der Menschheit, 36 Bd.e, Kohlhammer-Verlag, Stuttgart, wird seit 1979 fortlaufend überarbeitet.
  • Clas, Detlef u. Paál, Gábor (Hrsg.): Gottes Bilder - Warum wir glauben, Filderstadt (Markstein) 2006
  • Drehsen, Volker; Gräb, Wilhelm; Weyel, Birgit (Hrsg.): Kompendium Religionstheorie, Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht / UTB) 2005.
  • Mircea Eliade: Geschichte der religiösen Ideen, 4 Bd.e., Freiburg (Herder) 2002
  • Fahlbusch, Erwin (Hrsg.): Taschenlexikon Religion und Theologie, 5 Bd.e, Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 1983
  • Feil, Ernst u.a., Artikel Religion, in: Betz, H. D. u. a. (Hg.): Religion in Geschichte und Gegenwart : Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, 4., völlig neu bearb. Auflage, Bd. 7, Tübingen 2004, 263-304
  • Haußig, Hans-Michael: Der Religionsbegriff in den Religionen, Studien zum Selbst- und Religionsverständis in Hinduismus, Buddhismus, Judentum und Islam, Berlin (Philo) 1999
  • Klöcker, Michael und Tworuschka, Udo (Hg.): Ethik der Weltreligionen. Ein Handbuch, Darmstadt 2004
  • Klöcker, Michael und Tworuschka, Udo: Handbuch der Religionen, Olzog Verlag, 1997 ff. (Loseblattwerk mit jährlich 3 Ergänzungslieferungen)
  • Meth, Wulf (Hrsg.): Handbuch Weltreligionen: eine umfassende Einführung in Gedanken und Riten der Weltreligionen, R. Brockhaus, 2003
  • Tworuschka, Monika und Tworuschka, Udo: Die Welt der Religionen, München (Gütersloh) 2006.
  • Wagner, Falk: Was ist Religion?, München (Gütersloh) 1991
  • Weber, Hartwig: Lexikon Religion, Reinbek, 2001
  • Ina Wunn et al.: Die Religionen in vorgeschichtlicher Zeit, Kohlhammer 2005
  • Rudi Rembold: das ende aller illusionen: evolution · religion · naturzerstörung, rationalVerlag 2010

Weblinks[Bearbeiten]

Weitere Links zum Thema „Religion und Spiritualität“ im  Open Directory Project


Religionsgeschichte[Bearbeiten]

 Max Weber
„So war es für die Formung der Inhalte der Heilsziele und Heilsgüter entscheidend, ob Bürger, Bauern oder adelige Kriegerschichten Träger der religiösen Idee waren. Deshalb gilt generell, daß die Erlösungsreligionen sämtlich historische Individuen höchst komplexer Art sind.“
Quelle: Unbekannt
Die Pyramiden: Verbindung zwischen Totenkult und Religion

Als Religionsgeschichte bezeichnet man zum einen die Entwicklung der religiösen Anschauungen und Praktiken der Menschheit. Sie ist in der Frühzeit vor allem an Grabstellen und Grabbeigaben ablesbar, später am gesamten schriftlichen, künstlerischen und architektonischen Überlieferungsbestand von Kulturen. Zum anderen gibt es das universitäre Fach Religionsgeschichte, das sich mit historischer und gegenwärtiger Religionsgeschichte befasst.

Aus religionskritischer Sicht ist die Religionsgeschichte in zweifacher Hinsicht interessant.

  • Sie liefert Hinweise, wie Religionen überhaupt entstanden sind und wie sie sich verändert haben.
  • Der oft zu findende Widerstand etablierter Religionen gegen religionsgeschichtliche Betrachtungen zeigt ein häufiges Phänomen: Die Vertreter einer Religion wollen es nicht wahrhaben, daß es eine Zeit vor ihrer Religion gab. Es gab für alle heute existierenden Religionen Vorläufer aus denen sie sich zu ihrer heutigen Form entwickelte haben. Es gab Veränderungen, Vermischungen und es gab Religionen, die mittlerweile längst ausgestorben sind.


Stammbaum der Buchreligionen Abrahams
-------------------------------------
Vorjüdische Religionen 
            |
            |-------------------> Judentum
            |
            |-------------------> Christentum
            |
            |-------------------> Islam
 Albert Schweitzer
„Dem Christentum wird durch das Ergebnis der historischen Forschung über Jesus, das Urchristentum und die Entstehung der Dogmen das Schwere zugemutet, sich von seiner Entstehung Rechenschaft zu geben und sich einzugestehen, dass es , so wie es jetzt ist, das Ergebnis einer Entwicklung ist, die es durchgemacht hat. 1950“
Quelle: Unbekannt

Grundlinien[Bearbeiten]

 Borobudur auf  Java stellt eine reiche religionsgeschichtliche Quelle dar.

Aus der unüberschaubaren Komplexität der Religionsgeschichte lassen sich einige grundlegende Entwicklungsrichtungen herausgreifen. Das archäologisch belegbare Frühstadium lässt  Animismus erkennen.

Die agrarischen Kulturen entwickelten ein  Pantheon von Gottheiten mit Mythen, Tempeln und Abbildern.

Aus der nomadischen Lebensform (überliefert wurde die Israels) entsprang die geschichtswirksamste Gestalt eines abbildlosen bzw. abbildarmen  Monotheismus, der sich in Ägypten ( Echnaton) angekündigt hatte später in der Philosophie des antiken Griechenlands und im Christentum und Islam mit unterschiedlichen Ausprägungen nahezu weltweite Verbreitung erfuhr. Die Globalisierung der letzten Jahrhunderte, in der Moderne durch Medien und Mobilität intensiviert, scheint eine Krise aller traditionalen Kulturen und Religionen mit sich zu bringen. Die Krise allerdings kann auch als eine "Verwandlung" von Religion aufgefasst werden, was durch den Begriff  invisible religion umschrieben wird.

Religionsgeschichte wurde früher oft evolutionistisch interpretiert, was z.B. die Entwicklung von einem Polytheismus zu einem Monotheismus zum Inhalt hat. Später hat sich eine mehr phänomenologische Betrachtungsweise innerhalb der wissenschaftlichen Disziplin herausgebildet. Andere geben zu bedenken, dass bei Verzicht auf den Versuch, Entwicklungen nachzuzeichnen und das Spätere aus seinem Verhältnis zum Vorausgehenden zu begreifen, der Begriff Geschichte seinen Inhalt verliert.

Stichworte der frühen Religionsgeschichte[Bearbeiten]

sehr früher Kultplatz in Gobekli Tepe

Stichworte zur Weiterentwicklung etablierter Kirchen[Bearbeiten]

Katholische links - Evangelische rechts

Religionsgeschichte als Wissenschaft[Bearbeiten]

Religionsgeschichte heißt außerdem die Wissenschaft, die sich mit den Religionen der Geschichte und Gegenwart hinsichtlich ihrer jeweiligen Entwicklung im historischen Kontext befasst. Hierbei untersucht die Religionsgeschichte die entsprechende Religion zunächst in der ihr eigenen Geschichte und Tradition, um diese Religion später z.B. anhand funktionaler oder typologischer Kriterien einzuordnen und zu klassifizieren. So entsteht eine Basis, die für das glaubensunabhängige Vergleichen verschiedener Religionen (komparative Religionswissenschaft) essentiell ist. In der Praxis ist der Übergang zu dem eigenständigen Fach  Religionswissenschaft fließend.

Im Gegensatz hierzu steht die phänomenologische Strömung innerhalb der Religionsgeschichte, welche den Begriff 'Religion' als Abstractum begreift, und daher vergleichende oder geschichts-chronologisch einordnende Methoden zurückweist, da diese der Einzigartigkeit der verschiedenen religiösen Vorstellungen nicht gerecht werden können.

Entwicklung der Wissenschaft Religionsgeschichte in Deutschland[Bearbeiten]

Der erste Lehrstuhl für Religionsgeschichte wurde 1912 für den schwedischen  Religionsphänomenologen  Nathan Söderblom in Leipzig eingerichtet. Dies geschah, obwohl die Kirchen eher an einer konfessionell gebundenen Theologie als an der damals wenig beliebten Religionsgeschichte interessiert waren, und bedeutete eine grundlegend neue Entwicklung hinsichtlich der wissenschaftlichen Erforschung von Religionen. Die historisch bedingte Entwicklung der Religionsgeschichte aus den christlichen Theologien hatte zur Folge, dass dieses Fach in den theologischen Fakultäten ansässig war - was auch heute noch zu beobachten ist. Aus der Religionsgeschichte entwickelte sich später die Religionswissenschaft.

Religionsgeschichte und Religionswissenschaft[Bearbeiten]

Obgleich die praxisrelevanten Unterschiede zwischen Religionsgeschichte und Religionswissenschaft gering sein mögen, gibt es Stimmen, die den Fächern abgrenzende Eigenheiten zuweisen. So gibt es das Argument, dass die Religionsgeschichte als historische Wissenschaft die Religionen "in der Tiefe" untersucht, die Religionswissenschaft Religionen dagegen "in der Breite" gegenüberstellt und vergleicht. D.h. die Methodik der beiden Fächer unterscheidet sich in diesen Punkten. Grundsätzlich ist hierbei zu sagen, dass die Religionsgeschichte die Grundlagen für eine systematische Religionswissenschaft bereitstellt. Diese wichtige Verknüpfung der beiden Fächer ist es, welche die Religionsgeschichte im Gegensatz zu anderen Disziplinen wie die  Religionssoziologie oder auch  Religionspsychologie am engsten mit der Religionswissenschaft verbindet. Dies drückt sich u.a. auch in der Namensgebung der größten religionswissenschaftlichen Vereinigung in Deutschland, der Deutschen Vereinigung für Religionsgeschichte aus, obgleich es Universitäten gibt, an welchen man sowohl Religionswissenschaft, als auch Religionsgeschichte studieren kann. Es gibt auch Religionslehrer die so etwas unterrichten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Antes: Grundriss der Religionsgeschichte. (= Theologische Wissenschaft; Bd. 17). Kohlhammer, Stuttgart 2006
  • Jes Peter Asmussen (Hrsg.): Handbuch der Religionsgeschichte. 3 Bände. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1971–1975
  • Günter Lanczkowski: Einführung in die Religionsgeschichte. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1983
  • Handbuch der Religionsgeschichte im deutschsprachigen Raum. Schöningh, Paderborn u. a. 2000–. Bisherige Bände:
    • Band 2: Peter Dinzelbacher: Hoch- und Spätmittelalter. 2000
    • Band 5: Peter Dinzelbacher, Michael Pammer (Hrsg.): 1750 bis 1900. 2006
  • Religionsgeschichte der Neuzeit. Profile und Perspektiven. Themenheft der Zeitschrift zeitenblicke, 5. Jg. 2006, Nr. 1 (alle Artikel im Volltext)
  • Monika Tworuschka und Udo Tworuschka: Die Welt der Religionen, Wissen Media, Gütersloh 2006
  • What the World Believes Herausgeber: Bertelsmann Stiftung
    • 751 Seiten Sprache: Englisch
  • Walter Burkert Kulte des Altertums: Biologische Grundlagen der Religion
    • Gebundene Ausgabe: 279 Seiten Verlag: C.H.Beck; Auflage: 1 (Februar 1998)
  • Martin Kuckenburg Kultstätten und Opferplätze in Deutschland: Von der Steinzeit bis zum Mittelalter, Verlag: Theiss (28. September 2007)
  • Krenn Elisabeth: Heilige Haine im griechischen Altertum – Ursprung, Bedeutung und Funktion. Diplomarbeit Graz 1993
  • Verena Eggmann, Bernd Steiner: Baumzeit - Magien, Mythen und Mirakel. Neue Einsichten in Europas Baum- und Waldgeschichte, 1995
  • Elmar Woelm: Mythologie, Bedeutung und Wesen unserer Bäume, 2007, Monsenstein & Vannerdat
  • Walter Baetke: Die Germanische Religion in ihren Quellenzeugnisen Frankfurt/MainJahr=1945
  • Jan de Vries Altgermanische Religionsgeschichte de Gruyter Berlin 1970
  • Uta Kron: Heilige Steine. In: Heide Froning (Hrsg.): Kotinos. Festschrift für Erika Simon. von Zabern, Mainz 1992, S. 56–70.
  • Matthias Bärmann (Hrsg.): Das Buch vom Stein - Texte aus 5 Jahrtausenden. Jung & Jung, Salzburg und Wien 2005, S. 7–58 (insbesondere Kap. I–IV).
  • Giovanni Lilliu/Hermanfrid Schubart: Frühe Randkulturen des Mittelmeerraumes. Korsika, Sardinien, Balearen, Iberische Halbinsel. Holle, Baden-Baden 1979
  • Jürgen E. Walkowitz: Das Megalithsyndrom - europäische Kultplätze der Steinzeit. Beier und Beran, Langenweißbach 2003

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Max Weber: Aus Die Entstehung der Religionen(1922). In: Aus den Schriften zur Religionssoziologie. Verlag Georg Kurt Schauer, Frankfurt a.M. 1948, S. 170ff.

Weblinks[Bearbeiten]