SHK-Handwerke in Sachsen: Vom Meisterverein zum Fachverband: Nach der Wende

Aus Wikibooks
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Wikibooks-logo.svg Geschichte der SHK-Handwerke in Sachsen

Wikibook.svg Vom Meisterverein zum Fachverband
Wikibooks-nav-zurueck.png Nachkriegszeit und DDR
Wikibooks buchseite.svg Nach der Wende

Die Wiederbelebung der Selbstverwaltung des SHK-Handwerks in Sachsen seit dem Herbst 1989[Bearbeiten]

„Ein offenes Land mit freien Menschen" - unter dieser Idee tauchten die ersten Transparente auf der Montagsdemonstration vom 4. September 1989 auf. Diese Forderung begleitete symbolisch die weiteren Demonstrationen des Herbstes 1989 als ein Grundanliegen der Bürger der DDR, die für demokratische Veränderungen eintraten. Unter der stetig anwachsenden Bewegung auf der Straße befanden sich auch große Teile der Handwerkerschaft, die für die Überwindung gesellschaftlicher Defizite, von Willkür und ideologischen Barrieren sowie für den damit verbundenen Zugewinn an individueller Freiheit stritten. Der offensichtliche Wahlbetrug bei den Kommunalwahlen im Mai 1989, die Begrüßung der blutigen Niederschlagung des Pekinger Studentenprotestes durch die DDR-Regierung, vor allem aber auch die Massenflucht von DDR-Bürgern über die ungarisch-österreichische Grenze und in die westdeutschen Botschaften in Budapest, Warschau, Prag und Sofia offenbarten die Agonie des DDR-Staates und die Politikunfähigkeit seiner Repräsentanten. Die Ereignisse des Herbstes 1989 wurden deshalb zu einer deutlichen Zäsur in der jüngsten deutschen Geschichte. Was als Reformversuch in der DDR begann, führte schließlich zu ihrer friedlichen Überwindung.

Mit den stürmischen Herbsttagen des Jahres 1989 begann auch das Nachdenken über eine Neuorganisation des Handwerks im Zusammenhang mit den sich abzeichnenden gesellschaftlichen Veränderungen. Anfang November trafen sich deshalb Handwerksmeister der ELGs[1] aus Sachsen und Thüringen zu einer als Betriebsausflug deklarierten Zusammenkunft im vogtländischen Stangengrün in der Nähe von Reichenbach. Mit der Öffnung der Mauer in Berlin am 9. November 1989 wurde bereits im Verlaufe des Novembers der Kontakt zu Handwerksorganisationen im anderen Teil Deutschlands gesucht. Dabei wollte man sich Unterstützung und Anregungen für den Neuaufbau eines selbstverwalteten Handwerks holen. So schrieb der Leipziger Obermeister Rolf Freiberger einen Brief an das Rathaus der Partnerstadt Hannover. Da die Antwort auf sich warten ließ, fuhren der Geschäftsführer der ELG Leipzig, Mahncke, der Obermeister Rolf Freiberger und der Klempnermeister Bruno Schliefke nach Hannover ins Rathaus. Dort konnte über die Handwerkskammer der Kontakt zum Obermeister Heimann, der die Hannoveraner Innung führte, hergestellt werden. Er hatte bereits Kenntnis von dem Schreiben aus Leipzig. Vereinbart wurde neben der fachlichen Unterstützung beim Aufbau des Innungswesens auch eine materielle Hilfestellung über Sachspenden der Innungsbetriebe aus dem niedersächsischen Raum. Die Resonanz bei den Handwerksbetrieben um Hannover auf dieses Hilfeersuchen führte schon kurze Zeit später dazu, daß ein LKW-Konvoi in Richtung Grenze starten konnte. Obwohl es keine Papiere über die geladene Ware gab, die die Einfuhrerlaubnis beim DDR-Zoll dokumentieren, kam es in diesen Tagen zu keinen Behinderungen. Die geladenen technischen Geräte und Ausrüstungen wurden in der ELG abgeladen, mit Losen versehen und an die Leipziger Klempner- und Installationsbetriebe verkauft. Der Erlös wurde für den Aufbau und die Ausstattung der Innung genutzt. Wie überall in der DDR begannen in jenen Wochen auch die Handwerker, Umstrukturierungen vorzunehmen und ihre Organisation von den Fesseln, Hemmnissen und Reglementierungen der letzten Jahrzehnte zu befreien.

Dies bedeutete einen Bruch mit den staatlich dominierten Strukturen im Handwerk. Die Handwerker wollten sich wieder in den in der Geschichte bewährten traditionellen Organisationsformen zusammenfinden, um dort mit Initiative, Fleiß, Kreativität und unternehmerischem Geschick ihre ureigensten Angelegenheiten selbst verhandeln und entscheiden zu können. Dafür mußten Gremien geschaffen werden, die sich als wirksame Interessenvertretungen für jeden Handwerker seines Gewer-kes erwiesen und ihnen halfen, einen ihrer Leistungskraft entsprechenden Platz in der sich neu formierenden Wirtschaft zu finden. „Schnell reifte die Erkenntnis, daß nur ein flächendeckendes Netz von Innungen in der Lage war, die Interessen der Branchen im Sinne ihrer Existenzerhaltung und Förderung wirksam zu vertreten."[2] Da die gesellschaftlichen Veränderungen rasant voranschritten und die Wiedervereinigung Deutschlands zunehmend in das Blickfeld der öffentlichen Diskussion rückte, war eine rasche und mit Konsequenz geführte Neuorganisation des Handwerks schon bald eine Notwendigkeit geworden.

Diese Neugestaltung erfolgte unter anderem auch mit der Hilfe und Unterstützung westdeutscher Berufskollegen. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang, daß das SHK-Handwerk (als Gemeinschaftswerk Ost-West) an vorderer Stelle für das Zusammenwachsen des gesamten Handwerks in Deutschland eintrat. Die Schaffung ihrer Interessenvertretungen wie dem Fachverband Sanitär- Heizung-Klima in Sachsen ging auf eine Vielzahl basisdemokratischer Initiativen zurück. So 'trafen sich beispielsweise Vertreter der Einkaufs- und Liefergenossenschaften aus dem sächsischen und thüringischen Raum zu ersten Diskussionen über die Zukunft des Handwerks. Bei der Suche nach Neuorientierung kam ihnen der über vierzig Jahre bestehende Kontakt zwisrhen den ELGs zu Gute.

Am 18. Dezember 1989 wurde der erste Kontakt über Herrn Ruckeishausen zu dem in St. Augustin ansässigen Zentralverband des SHK-Handwerks aufgenommen. Herr Ruckeishausen war mit einer ganz anderen Absicht nach Böhlitz-Ehrenberg in diesen Vorweihnachtstagen gekommen. Er suchte einen alten Kriegskameraden und nahm dabei Kontakt zur ELG in der Berliner Straße auf. Und so erfolgte kurz vor Weihnachten über ein am 20. Dezember 1989 abgesetztes Fernschreiben bereits zwei Tage später ein erstes Zusammentreffen. Vertreter der ELG aus Gera (Hans Pötschner mit Ehefrau und dessen Bruder Manfred) und aus Leipzig (Bruno Schliefke und Herr Mahncke) nahmen an diesem Treffen teil. Im Mittelpunkt der Zusammenkunft standen die Erfahrungen der westdeutschen Kollegen im Umgang mit ihren Selbstverwaltungen, wie den Innungen und Fachverbänden. Eine besondere Zusammenarbeit und Partnerschaft entwickelte sich durch dieses Treffen mit dem Präsidenten des Zentralverbandes, Paul Schneider, und den Fachverbänden aus Hessen und Baden-Württemberg. Ein erster Versuch der Gründung eines Unternehmerverbandes wurde von der Leipziger Handwerkskammer abgelehnt. Wesentlich war aber in diesen Tagen, ein Netzwerk der Kontakte zu anderen Handwerksbetrieben in der DDR herzustellen. So suchte das Ehepaar Schliefke auf der Leipziger Hauptpost in mühseliger Kleinarbeit die Adressen und Telefonnummern der anderen in der DDR existierenden ELGs heraus. Mit Handwerksbetrieben im Berliner Raum konnten schon bald erste Kontakte aufgenommen werden. Herr Ruckeishausen und Bruno Schliefke bereisten die DDR, um Innungsgründungen auch in anderen Orten voranzutreiben. In Leipzig wurde die SHK-Innung am 23. Januar 1990 im Tageskino „Casino" am Neumarkt gegründet. Die Leipziger Volkszeitung berichtete am folgenden Tag ausführlich über die Innungsgründung. In diesen Wochen war das Betriebsbüro von Bruno Schliefke die Kontaktadresse, von der aus die Strukturveränderungen im SHK-Handwerk in der DDR initiiert wurden. Die neugegründete Innung und der später gegründete Fachverband Sanitär— Heizung-Klima Sachsen fanden in Leipzig in der Charlottenstraße 6 ihre erste Unterkunft.

Zu einer weiteren Zäsur kam es auf einem Treffen von regionalen Handwerksinitiativen am 16. Januar 1990 in Gera. Die bisherigen Kontakte zwischen den einzelnen ELGs waren hierbei von besonderer Bedeutung, da bereits in der zurückliegenden Zeit vertrauensvoll zusammengearbeitet worden war. Im Ergebnis der Beratung wurde spontan die Bildung von zwei SHK-Fachverbänden als Vereine für den thüringischen und den sächsischen Raum angestoßen. Beide, zu diesem Zeitpunkt noch provisorisch agierende Vereinigungen, wurden Anfang Februar offiziell vom Vorstand des SHK-Zentralvorstandes als assoziierte Mitgliederverbände aufgenommen. Damit war ein weiterer wesentlicher Schritt bei der Verbandsgründung getan. Jene sächsischen Innungsbetriebe, die sich zu einer Mitgliedschaft in dieser neuen Interessenvertretung entschlossen, gehörten nunmehr der Bundesvereinigung der Fachverbände des Deutschen Handwerks aber auch der internationalen Vereinigung des SHK-Handwerks, der Union Internationale de la Couvertur mit Sitz in Paris, an. Dieser Prozeß fand seinen formalen Abschluß mit einer Mitgliederversammlung im April 1990, auf der der Fachverband als Verein gegründet wurde. Mit der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 war auch der Fachverband in Sachsen an die Handwerksordnung[3] gebunden und erhielt den Status als Körperschaft des privaten Rechts.

Einer der Initiatoren, die die Entwicklung der Berufsorganisation des SHK-Handwerks in Sachsen vorantrieben - Sachsen bildete sich am 3. Oktober 1990 als Freistaat entsprechend dem Landeseinführungsgesetz vom 22. Juni 1990 wieder -, war Bruno Schliefke. Der damalige Vorsitzende der Einkaufs- und Liefergenossenschaft Leipzig lud gemeinsam mit dem Obermeister Rolf Freiberger Handwerkskollegen aus allen Regionen der DDR zu einem Treffen am 1. März 1990 nach Leipzig ein, um eine Bestandsaufnahme zur Neuorganisation des SHK-Handwerks in der DDR vorzunehmen. Hierzu wurden über 400 Briefe versandt, um die Zusammenkunft in Leipzig-Grünau (im Restaurant „Alte Salzstraße") vorzubereiten. In ihnen wurde der bisherige Stand der Umstrukturierung des Handwerks kurz skizziert und eine Position zur weiteren Entwicklungsrichtung bezogen: „Wir sind der Meinung, daß diese neu gegründeten Landesverbände Thüringen und Sachsen die Berufskollegen in den drei übrigen Ländern der DDR auf diese Richtung bringen sollten. Die Bildung eines Dachverbandes innerhalb der DDR erscheint mir persönlich nicht als zweckmäßig. Als richtig betrachte ich den Weg, den unsere Innungen beschritten haben, eine assoziierte Mitgliedschaft im ZVSHK [4]. Der Vorteil liegt auf Hand, wir sind so in den Informationsapparat unserer bundesdeutschen Kollegen eingebunden und haben durch angebotene Seminare die Möglichkeit, die Markt- und Wettbewerbssituation in der BRD als Modell für eigene Initiativen kennenzulernen. Der Weg, den einige Handwerkskollegen der verschiedenen Gewerke beschritten haben, dem neu gegründeten Unternehmerverband der DDR beizutreten, halte ich für nicht richtig. Sicher ist es erforderlich mit diesem Verband, dessen Struktur sich künftig in Richtung Industrieproduktion entwickeln wird, gute Kontakte zu pflegen, jedoch sollte das Handwerk in seiner Verbandsbildung den Weg der Innungen gehen." [5] Mit dieser Einladung war zu einem noch strittigen Problem eindeutig Position bezogen worden: Der Herstellung der Einheit des Handwerks in Deutschland! Diese Grundposition setzte sich auch bei der Beratung am 1. März 1990 in Leipzig durch und Tendenzen, welche die Eigenständigkeit des Handwerks der DDR zum Ziel hatten, verloren an Gewicht. Von den Improvisationen jener Tage zeugt auch ein Weinkarton, der auf dieser Tagung als Rednerpult dienen mußte.

Diese Veranstaltung war durch die geführte Grundsatzdiskussion richtungsweisend für die weitere Entwicklung des SHK-Handwerks in den fünf neuen Bundesländern. Dem Beispiel Sachsens und Thüringens folgend, bildeten die Handwerker aus Sachsen-Anhalt und Brandenburg spontan in Leipzig ihre Landesverbände.

Am 7. und 8. Februar 1990 wurde der Antrag um Aufnahme der im Osten Deutschlands gegründeten Fachverbände in einer dreistündigen Diskussion im ZVSHK erörtert, in der auch Ressentiments zur Aufnahme der ostdeutschen Verbände geäußert wurden. Auch auf der am 19. und 20. Februar 1990 stattfindenden Delegiertenversammlung, auf der über den Beitritt zum ZVSHK abzustimmen war, konnte die Aufnahme des thüringischen und sächsischen Verbandes aufgrund sehr nachdenklicher Stimmen einiger Delegierter noch nicht stattfinden. Neben der Schaffung einer angemessenen Organisation beschäftigten sich in jenen Tagen die Betriebe auch mit ganz praktische Fragen. So erarbeitete Ehrenobermeister Heinz Zaspel einen Steuererklärungsentwurf, der nach der Wende den neuen Gegebenheiten Rechnung tragen sollte. Der Sächsische Landesverband konstituierte sich nach seiner formellen Gründung in Gera am 10. April 1990 in Leipzig als Sächsischer Fachverband durch die Annahme der Satzung und der Wahl seines Vorstandes. Delegierte aus 20 neu gegründeten Innungen wählten den Klempner- und Installateurmeister Bruno Schliefke zum ersten Landesinnungsmeister Sachsens sowie die Meister Herbert Reischl aus Zwi-ckau und Dieter Sträube aus Chemnitz zu seinen Stellvertretern. Als Vorschlag zur Struktur des Fachverbandes SHK Sachsen wurde das auf Seite 161 abgebildete Schema der Mitgliederversammlung zur Beratung und Bestätigung vorgelegt. Am 14. Mai 1990 erfolgte schließlich die Eintragung ins Vereinsregister Leipzig-Südost. Die umfangreichen Aufgaben des neuen Verbandes erforderten die Einrichtung einer Geschäftsführerstelle. Auch genügten bereits die Räumlichkeiten in der Charlottenstraße nicht mehr den Anforderungen. Obwohl die Finanzierung nicht abgesichert war, mußte ein Geschäftsführer eingestellt und neue Räumlichkeiten für eine Geschäftsstelle angemietet werden, die zudem auch technisch auszustatten war. Im Verwaltungsgebäude des Sportvereins Markkleeberg (Städteiner Straße) wurden die entsprechenden Räume für die Geschäftsführung angemietet. Die Geschäftsadresse - „im Sport- und Erholungsstättenbetrieb" Markkleeberg -, wie sie auf dem Geschäftsstempel aus dieser Zeit fixiert war, widerspiegelt auch den Pioniergeist jener Tage. Zwischenzeitlich mietete sich der Fachverband von November 1993 bis Januar 1994 in einem Gebäude auf dem Gelände der Landwirtschaftsausstellung Agra in Leipzig-Markkleeberg ein, bevor der Umzug in das eigene Gebäude in der Friedrich-Ebert-Straße 19b in Markkleeberg erfolgen konnte. Seit Januar 1994 ist der Fachverband dort geschäftsansässig. Am 1. September 1990 konnte Rudolf Appelt als Geschäftsführer des neu gegründeten Fachverbandes SHK Sachsen verpflichtet werden. Er verstarb am 9. März 1991 infolge eines Herzversagens. Im September 1991 übernahm daraufhin Dr. Bernd Aris die Geschäftsführung des Verbandes.

Beinahe zeitgleich vollzogen sich auch im Ofenbauerhandwerk seit dem Herbst 1989 strukturelle Veränderungen in seiner Organisation. In den drei sächsischen Bezirken Dresden, Karl-Marx-Stadt und Leipzig gründeten sich auch die Ofenbauerinnungen neu. In Görlitz beispielsweise fand der Gründungsakt am 19. Februar 1990 statt. Etwa 16 Ofenbauer - so die Bezeichnung dieses Gewerkes in der DDR - aus den Landkreisen Görlitz und Niesky sowie Görlitz-Stadt waren der Einladung des Obermeisters Wolfgang Werner gefolgt. Im Bericht befaßte sich der Obermeister mit Problemen der unzureichenden Versorgung mit Material und mit der Frage der staatlich vorgeschriebenen Endpreise sowie mit aktuellen Entwicklungstendenzen im Handwerk mit der Blickrichtung auf eine demokratische Selbstverwaltung. Bisher waren die Ofenbauer, gleichgültig ob sie in PGHs[6] zusammengeschlossen oder selbständig waren, vollkommen abhängig von den zentralen planwirtschaftlichen Vorgaben. Diese Vorgaben ermöglichten keine kostendeckenden Preise. Der Unmut darüber wurde in der anschließenden Diskussion deutlich, aber auch die Zuversicht und Hoffnung auf eine bessere wirtschaftliche Zukunft - vor allem, da sich eine schnelle politische Vereinigung der beiden Teile Deutschlands abzeichnete. Gewählt wurde bereits nach einer neuen Wahlordnung, die sich eng an die Deutsche Handwerksordnung anlehnte. So hatten die PGHs nur noch eine Stimme und wurden etwa wie eine GmbH in den alten Bundesländern betrachtet.[7] Zu dieser Gründungsversammlung war auch der Obermeister und Landesfachgruppenleiter Hessens, Otto Lieberwirth aus Frankfurt a.M. anwesend, der im Vorfeld der Innungsgründung beratend zur Seite gestanden hatte. Er wurde vom Ofenbaumeister Ulrich Kahle begleitet, der aus Görlitz stammt und dort einen Ofenbauerbetrieb führte, 1979 jedoch die DDR verließ.

Im Mai 1990 waren die Umstrukturierungen des Kachelofen-Luftheizungsbauer- und Fliesenleger-Handwerks bereits soweit fortgeschritten, daß die Gründung einer Landesinnung der Kachelofenbauer, Luftheizungsbauer und Fliesenleger in Angriff genommen werden konnte. Die Wachbergbaude Saupsdorf, ein beliebtes Ausflugsziel in Sachsen, war vom siebenköpfigen Gründungskomitee, das sich aus Handwerksmeistern der drei sächsischen Bezirke zusammensetzte, zur Tagungsstätte gewählt worden. Die Tagung war auf den 21. Mai 1990 festgesetzt. Aus den drei Bezirken - Dresden, Karl-Marx-Stadt, Leipzig - waren je Bezirk neun Wahlmänner entsandt, die in geheimer Wahl den Vorstand der Innung, den Landesinnungsobermeister, seine Stellvertreter und den Schatzmeister nebst Stellvertreter wählten. Da sich die Delegierten bereits über lange Jahre durch ihre Berufsgruppenarbeit kannten, konnte auf eine Vorstellung verzichtet werden. Bevor der Wahlakt vollzogen wurde, begrüßte der Versammlungsleiter Frank-Volker Müller die zahlreichen Gäste aus der damaligen DDR, der Bundesrepublik sowie der Schweiz: Dr. Norbert Weigang, Geschäftsführer des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima (ZVSHK); Rudolf Eckert, Innungsobermeister Oberfranken; Otto Lieberwirth, Obermeister und Landesfachgruppenleiter der Innung des Kachelofen- und Luftheizungs'bauer-Handwerks Hessen und der eidgenössisch-diplomierte Hafner- und Plattenlegemeister Klotsche. Vertreter der Handwerkskammern Leipzig und Dresden, des Fachausschusses Raumheizung der Kammer der Technik (KdT), des Schornsteinfegerhandwerks aus Sachsen und Thüringen, der Plattenwerke Meißen, der Eisenhütten Ortrand und der Baustoffwerke Radeburg waren ebenso unter den Gästen wie'die Ehrenobermeister Heinz Jentzsch aus Dresden, Herbert Rölke aus Bautzen, Rolf Kaiser aus Leipzig, Herbert Oelmann aus Zwickau und Rudolf Münzner aus Chemnitz, als letzter Landesinnungsobermeister vor der Zerschlagung der Länder und Einführung von Bezirken in der DDR. Die freie und geheime Wahl brachte folgende Ergebnisse: Als Landesinnungsobermeister wurde Klaus Keller aus Dresden, als erster Stellvertreter des Landesinnungsmeisters Wolfgang Parnow aus Leipzig, als zweiter Steilvertreter Wolfgang Jacob aus Glauchau (Chemnitz), als Schatzmeister Joachim Künzel aus Chemnitz und als Stellvertreter des Schatzmeisters Roland Schmidt aus Dresden gewählt. Der neue Vorstand setzte sich aus folgenden Handwerksmeistern zusammen: Werner Sommer aus Grimma, Wolfgang Werner aus Görlitz, Wolfgang Schlenkrich aus Chemnitz, Hans Kratz aus Zwenkau, Wolfgang Friedrich aus Freital, Siegfried Popp aus Plau-en, Gerd Maaßdorf aus Würzen, Arthur Duchaczek aus Dresden und Rainer Heibig aus Freiberg.

In der sich anschließenden Diskussion, die sich unter anderem mit den Ergebnissen der Umstrukturierung des Handwerks in den zurückliegenden Monaten beschäftigte, wurden auch Orientierungen für die Überarbeitung der in der DDR gültigen TGL-Normen [8] und deren schrittweise Anpassung an die DIN gegeben. Von den Gästen schlug Dr. Weigang vom Zentralverband SHK der neugegründeten Landesinnung vor, sich seinem Verband anzuschließen. Schließlich wurde auf dieser Tagung die Satzung der Landesinnung einstimmig angenommen.[9]

Am 13. August 1990 wurde bei der Handwerkskammer Dresden die Registrierung der Landesinnung beantragt. Ihr gehörten Anfang August bereits 400 Betriebe mit 1200 Mitgliedern an. Als Beitrittsbetrag wurden 250,- Mark der DDR pro Betrieb und 50,- Mark für jeden Beschäftigten festgelegt.[10] Zu diesem Zeitpunkt arbeitete die Innung noch ohne eine Geschäftsstelle. Inzwischen waren die Verantwortlichen der Landesinnung dazu übergegangen, die Orientierungen der Gründungsversammlung in der Praxis umzusetzen. Dies gilt besonders für die Vereinigung mit dem SHK-Fachver-band. Welche Probleme dabei auftraten, schilderte Landesobermeister Klaus Keller in einem Schreiben an den Bundesfachgruppenleiter: „Auf Grund der momentanen Lage der Betriebe, die sich wöchentlich verschlechtert, ist es sehr schwer, das Innungsleben anzukurbeln. Wir haben alle zu wenig Aufträge, um ordentlich arbeiten zu können. Durch laufende Auftragsstornierungen ist die Verunsicherung enorm hoch und trotzdem arbeitet unsere Innung auch ohne Geschäftsstelle mit wenig Personen und viel Idealismus. Am 26. 7. 1990 wurde mir beim ersten Zusammentreffen mit dem SHK-Verband Sachsen von Herrn Schliefke in Leipzig mitgeteilt, daß der jährliche Beitrittsbetrag zum Fachverband Sachsen bei 490,- DM liegen wird (400,- DM an den Fachverband Sachsen und 90,- DM an den ZVSHK). Bei diesen Beitragssätzen ist es für die meisten unserer Betriebe nicht möglich dem Zentralverband beizutreten." [11] Die hier geschilderten Sorgen und Nöte waren in den nachfolgenden Wochen Gegenstand der Erörterung, um das angestrebte Zusammengehen zu verwirklichen.

Im Rückblick auf die über 70jährige Verbandsarbeit in Sachsen zeigen sich auch Anfang der neunziger Jahre des ausgehenden 20. Jahrhunderts die altbekannten Probleme wie die Beitrittsfinanzierung und die Suche nach Wegen, den Zusammenschluß zu gestalten. Im Herbst 1990 entwickelte sich eine intensive Korrespondenz zwischen dem Fachverband Sanitär-Heizung-Klima Sachsen, dem ZVSHK, der Bundesfachgruppe Kachelofen- und Luftheizungsbau und der Landesinnung Sachsen der Kachelofen-, Luftheizungsbauer und Fliesenleger zur Überwindung der Hindernisse beim geplanten Zusammenschluß. Am 14. Januar 1991 fand in der Geschäftsstelle des ZVSHK in Potsdam ein Treffen der Landesobermeister der neuen Bundesländer mit dem Bundesfachgruppenleiter des Kachelofen- und Luftheizungshandwerks (KL), Keßler, dem Hauptgeschäftsführer des ZVSHK, von Bock und Polach, sowie dem Referenten für das KL-Handwerk [12], Dipl. Ing. Voß, statt, auf dem das weitere Vorgehen zur Beratung stand. Auch Ende Januar wurde ein Walter-Bucerius-Seminar in Titisee im Schwarzwald zu einer Aussprache über die Beitrittsproblematik genutzt. Dabei zeigte sich, daß eine Gastmitgliedschaft der KL-Landesinnung bis 1995 im ZVSHK ebenso unrealistisch war wie nur eine Mitgliedschaft in der „Arbeitsgemeinschaft der deutschen Kachelofenwirtschaft" (AdK).

Bei den weiteren Verhandlungen über den Beitritt zum Fachverband SHK Sachsen zeichnete sich eine Möglichkeit ab, die Finanzhürden zu nehmen: Der Beitrag wurde jährlich festgelegt und betrug 300,- DM einschließlich des Beitrages in Höhe von 73,- DM für den ZVSHK (1991). Dieser Beitrag konnte auch in Raten gezahlt werden. Außerdem hatte jeder Betrieb, der dem Fachverband beitrat, die Möglichkeit der AdK beizutreten. Der Beitrag betrug 165,- DM. Die Innungen blieben damit auch weiterhin selbständig. Die Landesinnung wurde in eine Landesfachgruppe umgewandelt. Damit wurde der gewählte Vorstand, soweit er dem Fachverband beigetreten war, noch durch einen Kreisinnungsobermeister erweitert. Der Landesobermeister wurde zum Landesfachgruppenleiter, dessen Kosten zum Teil vom Fachverband getragen wurden. Bei der Planung des Innungsbeitrages der Kreisinnungen mußten die Kosten für den Kreisinnungsobermeister und seine Teilnahme an den Landesfachgruppentagungen berücksichtigt werden. Die Höhe des Innungsbeitrages legte jede Innung selbst fest.[13]

Am 8. Februar 1991 beschloß der Vorstand der Landesinnung Sachsen des Kachelofen-, Luftheizungsbauer- und Fliesenlegerhandwerks dem Fachverband Sanitär-Heizung-Klima Sachsen beizutreten.[14] Durch die zum 1. April 1991 gebildete gemeinsame Geschäftsstelle der Innungen des Kachelofen-, Luftheizungsbauer-, Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerks im Handwerkskammerbezirk Dresden wurden alle organisatorischen Etappen bewältigt, so daß ein reibungsloser Beitritt zum Fachverband vollzogen werden konnte. Auf der letzten Vorstandssitzung der Landesinnung Sachsen des Kachelofen-, Luftheizungsbauer- und Fliesenlegerhandwerks im Handwerkerheim Colditz am 12. September 1991, an der auch der Landesinnungsmeister des Fachverbandes Sanitär-Hei-zung-Klima, Landesobermeister Schliefke, und dessen Geschäftsführer Dr. Aris teilnahm, konstatierte der Landesinnungsmeister des Kachelofen-, Luftheizungsbauer- und Fliesenlegerhandwerks in Sachsen den Beitritt zum Fachverband SHK Sachsen rückwirkend zum 1. Juli. Das Ziel, die beiden Gewerke Kachelofenbauer und Fliesenleger landesweit in einer Innung zu vereinigen, ließ sich in Sachsen nicht verwirklichen. In einer breiten Aussprache wurde schließlich die Empfehlung gegeben, daß die Betriebe des Platten-, Fliesen- und Mosaiklegerhandwerks und die Gemischtbetriebe ab 1. Januar 1992 dem Baugewerbeverband Sachsen beitreten sollen. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Innungen Chemnitz und Glauchau dem Worte nach den Beitritt zum Fachverband SHK Sachsen bereits beschlossen, die schriftliche Beitrittserklärung und Mitgliederliste war aber noch nicht eingereicht. Die Innung Dresden hatte im September noch keinen Beschluß über einen Beitritt gefaßt. Vorerst waren wirtschaftliche Gesichtspunkte für ihr abwartendes Verhalten ausschlaggebend. Nach eingehender Aussprache wurde der Beschluß gefaßt, daß alle bisherigen Mitglieder des Landesinnungsvorstandes und alle Obermeister Mitglieder der Fachgruppe K&L Sachsen werden. Am 12. September 1991 wurden auch die Mitglieder der Leitungsgremien der Landesfachgruppe gewählt. An der Spitze der Fachgruppe steht als Landesfachgruppenleiter Klaus Keller aus Dresden. Damit war ein weiterer wesentlicher Schritt beim Aufbau des Fachverbandes SHK Sachsen vollzogen.

Der sächsische Landesinnungsverband des SHK-Handwerks entwickelte sich in kurzer Zeit zum mitgliederstärksten Fachverband in Sachsen und zum größten SHK-Fachverband in den neuen Bundesländern. Im Vergleich der Mitgliederstärken aller 16 Landesinnungsverbände steht der Sächsische Fachverband nach Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg sogar an vierter Stelle. So gehörten ihm 1994 allein 40 Innungen mit ca. 2500 Handwerksbetrieben (über 20 000 Beschäftigte) und im darauffolgenden Jahr 39 Innungen mit ca. 2600 Handwerksbetrieben an.

Der sächsische Fachverband umfaßt alle fünf SHK-Handwerke: Kupferschmiede, Klempner, Gas-und Wasserinstallateure, Kachelofen- und Luftheizungsbauer sowie Zentralheizungs- und Lüftungsbauer. Die Gründungszeit des Berufsverbandes war auch durch drastische Veränderungen des Handwerksrechts und der Strukturen des Handwerkes insgesamt bestimmt (z. B. durch das „Gesetz über die Ordnung des Handwerks", verabschiedet 1990 von der Volkskammer der DDR). Der enorme Arbeitsaufwand, den die „Gründungsväter" täglich zu absolvieren hatten, erforderte ein hohes Maß an Flexibilität und Wandlungsfähigkeit sowie eine auf Rechtsbewußtsein basierende Weitsicht und Durchsetzungsvermögen. Dabei soll noch einmal betont werden, daß das Handwerk und das die Vorreiterrolle einnehmende SHK-Handwerk seine Einheit bereits vor der staatlichen Wiedervereinigung vollzogen hatte. Die rechtzeitige und konsequente Gründung des Fachverbandes erwies sich als eine Entscheidung von enormer Tragweite für die Entwicklung der SHK-Gewerke, deren Berufsorganisation und damit für jeden SHK-Handwerksbetrieb selbst. Nicht jedem Betriebsinhaber war dies sofort bewußt. Deshalb mußten durch eine immense organisatorische Kleinarbeit dringend erforderliche Informationen an die Handwerksmeister herangetragen und finanzielle Mittel beschafft werden, um eine funktionierende Geschäftsstelle - die provisorische befand sich in der Werkstatt des Landesinnungsmeisters - errichten zu können. Eine ordentliche Geschäftsstelle konnte im September 1990 eröffnet werden, wobei im Januar 1993 ein eigenes Verbandsgebäude in Markkleeberg gefunden wurde.

Zwei Jahre zuvor, am 30. Januar 1991, wurde durch die erste Delegiertenversammlung der reguläre Geschäftsbetrieb des SHK-Fachverbandes Sachsen bestätigt. Gleichzeitig beschlossen die Delegierten die Erweiterung des Vorstandes durch Fachgruppenleiter. Mit einem Schreiben vom 23. Juli 1991 war die Satzung durch das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit bestätigt und somit der letzte formale Akt der Gründung des Fachverbandes vollzogen. Um die Kommunikation der Handwerker untereinander bzw. zwischen den Handwerkerbetrieben, den Innungen und dem Fachverband zu verbessern und Informationsdefizite zu verhindern, beschloß die folgende Delegiertenversammlung im September 1991 die Herausgabe der „Mitglieder-Information". Sie erschien ab Februar 1992 regelmäßig alle zwei Monate, wobei von diesem Zeitpunkt an auch die ersten Weiterbildungsveranstaltungen des Fachverbandes angekündigt wurden. In den Mitglieder-Informationen wurden jedem Mitgliedsbetrieb die neuesten Berichte aus der Verbandsarbeit, zu technischen Problemen und Neuerungen, zu aktuellen Rechtsfragen sowie zu betriebswirtschaftlichen Aspekten geliefert. In ihnen findet aber auch ein Austausch zwischen Fachverband und Mitgliederschaft in fachlichen Fragen statt. Die neueste Fachliteratur wird ebenfalls in den Mitglieder-Informationen vorgestellt.

1992 erfolgte die Aufnahme des Fachverbandes in die Vereinigung der Arbeitgeberverbände in Sachsen. Gemeinsam mit anderen sächsischen Innungsverbänden beteiligte sich der SHK-Fachver-band an der Gründung des Gesamtverbandes des Sächsischen Handwerks (1. Juni 1992) und mit diesem sowie der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammer des Freistaates Sachsen am Sächsischen Handwerkstag. Damit wurde ein höheres Niveau bei der Organisation der Selbstverwaltung des Handwerkes erreicht, mit dem die Mitgliederinteressen wirksamer vertreten werden können. In dieser Verantwortung erwies sich der Fachverband zunehmend als Wirtschafts- und Arbeitgeberverband für das sächsische SHK-Handwerk. Gerade kleinere und mittelständische Betriebe sollten in die Lage versetzt werden, sich erfolgreich in der Marktwirtschaft zu behaupten.

Künftig wird der Verband in einer Zeit vielfältiger Umbrüche des Marktes vor der Aufgabe stehen, die Interessen seiner Mitglieder erfolgreich zu verteidigen und das SHK-Handwerk zu fördern.


Quellen und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. ELG = Einkaufs- und Liefergenossenschaft
  2. Interview mit dem Landesinnungsmeister Sachsens Bruno Schliefke am 15.6.1998 in der Geschäftsstelle des Fachverbandes SHK Sachsen, Mitschrift beim Autor (Bernd Pauli)
  3. Vgl. Gesetz zur Ordnung des Handwerks (Handwerksord nung), o.O., o.J., §§ 79ff.
  4. ZVSHK = Zentralverband Sanitär-Heizung-Klima
  5. Brief vom 30.1.1990, Privatbesitz des SHK-Landesinnungsmeisters Sachsen, Bruno Schliefke
  6. PGH = Produktionsgenossenschaft des Handwerks
  7. Vgl. Lieberwirth, 0.: Ofenbauerinnung Görlitz gegründet.In: K&L Magazin, 1990, Nr. 3, S. 61f.
  8. TGL = Technische Normen, Gütevorschriften und Lieferbedingungen
  9. Vgl. O.A.: Kachelofenbauer, Luftheizungsbauer und Fliesenleger gründen Landesinnung Sachsen. In: K&L Magazin, 1990, Nr. 13/14, S. 6
  10. Vgl. Brief des Landesinnungsmeisters Keller an den Bundesfachgruppenleiter vom 10.8.1990, Kopie im Besitz des Fachverbandes SHK Sachsen
  11. Ebd.
  12. KL = Kachelofen und Lüftungsbau
  13. Bericht des Landesinnungsobermeisters auf der Vorstandssitzung vom 8.2.1991, Manuskriptdruck, o.O., o.J., S. 1 ff. Im Besitz des Fachverbandes SHK Sachsen
  14. Vgl. Brief vom 14.2.1991 an den Fachverband SHK Sachsen. Im Besitz des Fachverbandes SHK Sachsen