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Schachendspiele/ Läuferspringerendspiele/ Läufer und Bauer gegen Springer

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Der Charakter des Endspiels Läufer gegen Springer ergibt sich aus den unterschiedlichen Eigenschaften der beiden Figuren.

  • Der Läufer kann stets nur die Felder seiner eigenen Farbe betreten, schützen oder bedrohen, während der Springer mit jedem Zug die Feldfarbe wechselt.
  • Der Läufer ist eine langschrittige Figur, die schnell von einem Brettflügel zum anderen gelangt, während der Springer als kurzschrittige Figur dafür mehrere Züge benötigt.
  • Die Zahl der Felder, die ein Springer betreten kann, nimmt am Brettrand und noch stärker in der Ecke ab.

Daraus ergeben sich folgende Regeln für das Endspiel Läufer gegen Springer:

  • Für die Läuferpartei sind Bauern auf mehreren Flügeln verteilt besser.
  • Für die Läuferpartei ist es von Vorteil, wenn die Bauern der Springerpartei auf Feldern mit der Läuferfarbe stehen, weil sie dort angegriffen werden können.
  • Für die Läuferpartei ist es von Nachteil, wenn die eigenen Bauern auf Feldern der Läuferfarbe stehen und dort blockiert werden, weil die Blockadefiguren, die auf Feldern mit Nichtläuferfarbe stehen, nicht vertrieben werden können.
  • Je zentraler die Bauern stehen, desto stärker ist der Springer.


Stellung 1
a8 b8 c8 d8 e8 f8 g8 h8
a7 b7 c7 d7 e7 f7 g7 h7
a6 b6 c6 d6 e6 f6 g6 h6
a5 b5 c5 d5 e5 f5 g5 h5
a4 b4 c4 d4 e4 f4 g4 h4
a3 b3 c3 d3 e3 f3 g3 h3
a2 b2 c2 d2 e2 f2 g2 h2
a1 b1 c1 d1 e1 f1 g1 h1
Weiß gewinnt

Bereits mit seinem ersten Zug gelingt es Weiß, den schwarzen Springer am Brettrand festzuhalten. Danach entscheidet der Zugzwang sehr leicht die Partie:

1.Lf3-d5 Ke7-d7 2.Kf4-f5 Kd7-e7 3.e5-e6 Ke7-e8 4.Kf5-f6 Ke8-f8 5.e6-e7+ Kf8-e8 6.Ld5-f7+ mit Gewinn

In dieser Stellung stand der Springer so schlecht, dass er praktisch nicht vorhanden war. Die Zugfolge ohne den Springer im Endspiel Läufer und Bauer gegen König wäre gleich gewesen.

Stellung 2
a8 b8 c8 d8 e8 f8 g8 h8
a7 b7 c7 d7 e7 f7 g7 h7
a6 b6 c6 d6 e6 f6 g6 h6
a5 b5 c5 d5 e5 f5 g5 h5
a4 b4 c4 d4 e4 f4 g4 h4
a3 b3 c3 d3 e3 f3 g3 h3
a2 b2 c2 d2 e2 f2 g2 h2
a1 b1 c1 d1 e1 f1 g1 h1
Weiß gewinnt

Auch in dieser Stellung ist der Springer chancenlos:

1.Ld3-e4 Sd8-f7 2.Le4-c6 Sf7-d8 3.Lc6-d5 Sd8-f7?! 4.Kf6-e6! Wenn Weiß den Springer schlägt, ist Schwarz Patt

4...Sf8-d8+ 5.Ke6-d6 Schwarz ist im Zugzwang und verliert. Auf Kf8-g7 folgt Kd6-e7 mit Gewinn.

Stellung 3
a8 b8 c8 d8 e8 f8 g8 h8
a7 b7 c7 d7 e7 f7 g7 h7
a6 b6 c6 d6 e6 f6 g6 h6
a5 b5 c5 d5 e5 f5 g5 h5
a4 b4 c4 d4 e4 f4 g4 h4
a3 b3 c3 d3 e3 f3 g3 h3
a2 b2 c2 d2 e2 f2 g2 h2
a1 b1 c1 d1 e1 f1 g1 h1
Remis

Bereits wenn der Bauer ein Feld weiter vom Umwandlungsfeld entfernt steht, sind die Chancen der Springerpartei ausreichend.

1.Ld3-b5 Es gibt verschiedene Verteidigungsmöglichkeiten:

  • 1... Sd7-c5 2.Kf5-e5 Sc5-b7 3.d6-d7 Kf7-e7 4.Ke5-d5 Sb7-d6! Der Springerzug illustriert die ausreichenden schwarzen Verteidigungsmöglichkeiten. Mit einem zentral stehenden Springer kann Schwarz nicht in Zugzwang gebracht werden, während gleichzeitig der König sowohl das Umwandlungsfeld kontrolliert als auch droht, den Bauern zu schlagen. Die Stellung ist Remis.
  • 1...Kf7-e8!? Schwarz begibt sich freiwillig in eine Fesslung
    2.Kf5-e6 Ke8-d8 Weiß kann den Springer wegen Patt nicht schlagen
    3.Lb5-c6 Sd7-b6 Auch diese Stellung ist Remis, weil Weiß keine Zugzwangsituation für den Springer organisieren kann.
Stellung 4
a8 b8 c8 d8 e8 f8 g8 h8
a7 b7 c7 d7 e7 f7 g7 h7
a6 b6 c6 d6 e6 f6 g6 h6
a5 b5 c5 d5 e5 f5 g5 h5
a4 b4 c4 d4 e4 f4 g4 h4
a3 b3 c3 d3 e3 f3 g3 h3
a2 b2 c2 d2 e2 f2 g2 h2
a1 b1 c1 d1 e1 f1 g1 h1
Schwarz am Zug hält Remis

Weiß kann den Springer nicht schlagen, weil Schwarz dann den Bauern schlägt. Um diese Drohung aufrecht zu erhalten, muss der schwarze König zwischen den Feldern e5, f5 und f6 pendeln.

1...Ke5-f6! Zieht Schwarz Ke5-f5, kommt er nach Lf2-d4 in Zugzwang

2.Lf2-h4+ Kf6-f5 3.Lh4-d8 Kf5-e5 4.Ld8-c7+ Ke5-f6! Dasselbe Motiv nochmals. Auch hier würde Ke5-f5 verlieren.

5.Lc7-a5 Kf6-e5 Weiß kann nicht gewinnen, obwohl die ganze Zeit der Springer einsteht.

Stellung 5
a8 b8 c8 d8 e8 f8 g8 h8
a7 b7 c7 d7 e7 f7 g7 h7
a6 b6 c6 d6 e6 f6 g6 h6
a5 b5 c5 d5 e5 f5 g5 h5
a4 b4 c4 d4 e4 f4 g4 h4
a3 b3 c3 d3 e3 f3 g3 h3
a2 b2 c2 d2 e2 f2 g2 h2
a1 b1 c1 d1 e1 f1 g1 h1
Schwarz am Zug verliert

In dieser Stellung sind alle Figuren ein Feld in Richtung Brettrand verschoben. Das reicht für Weiß zum (wenn auch studienartigen) Gewinn.

1...Kf5-g6 2.Lg2-d5 Sonst spielt Schwarz Sd8-f7 und hält Remis.

2...Kg6-f5 Nach Kg6-g5 kommt Schwarz durch Ld5-e4 in Zugzwang

3.Ld5-f3 Kf5-g6 4.Lf3-h5+! Schwarz kann den Läufer natürlich nicht schlagen

5...Kg6-g5 5.Lh5-e8 Kg5-f5 6.Le8-a4 Kf5-g5 7.La4-b5! Das ist der entscheidende Abwartezug. Mit La4-c2 könnte man zwar den König abdrängen, würde aber den Springer befreien.

7...Kg5-f5 8.Lb5-d3+ Kf5-e5 9.Ld3-e4! Schwarz ist nicht nach g5 gegangen, weil er dann mit Ld3-e4 in Zugzwang gerät. Der Textzug geht aber trotzdem, weil Schwarz den Läufer nicht schlagen kann.

9...Sd8-e6 10.f6-f7 Schwarz musste die Blockade des Bauern aufgeben und hat jetzt eine Verluststellung. Recht schwierig, aber sehr instruktiv.