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Sensomotorik im Sportunterricht: Barfussturnen

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Der Nutzen des Barfußturnens


Förderung des Bewegungsgefühls

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Das städtische Umfeld und die sitzende Lebensweise bergen die Gefahr, dass Kinder in der Entwicklung des Bewegungsgefühls hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben. Dies ist vor allem bei Schulanfängern aus sozial benachteiligtem Milieu festzustellen, kann jedoch bereits durch einige wenige sensomotorische Übungseinheiten messbar verbessert werden[1]. Nach vorliegenden Untersuchungen kommt vor allem der Tastwahrnehmung, also dem bei Kindern sehr beliebten Fühlen verschiedenartiger Untergründe mit den bloßen Füßen, eine große Bedeutung zu.

Die Feinmotorik beim Stehen, Gehen, Rennen, Springen, Balancieren und Klettern ist vor allem den Nervenendigungen und Sinnesorganellen zu verdanken, die an den Füßen in besonders großer Dichte vorhanden sind. Hinzu kommt das komplexe System der Propiozeptionssinne, die dem Gehirn die exakte Lage aller Körperteile bis in das äußerste Zehenglied übermitteln. Hier setzt das sensomotorische Üben mit den Füßen an und stellt in jedem Lebensalter einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung von Bewegungsgefühl, Haltung und körperlicher Koordination dar. Die Grundlagen für dieses lebenslange Lernen erwirbt man möglichst schon im Vorschul- und Grundschulalter und entwickelt sie in altersgemäßen Schritten weiter. Vor allem im Rahmen der Ganztagsschule, die sich auch in Deutschland mehr und mehr etabliert, muss die körperliche Entwicklung der Kinder in breitem Rahmen gefördert werden.

Der Nutzen des bewussten Übens mit den Füßen ist im Schulsport durchaus anerkannt. So wird im Lehrplan der Bayerischen Grundschulen für die 1. Jahrgangsstufe Barfußturnen angeregt, für die 3. und 4. Jahrgangsstufe sind Greifübungen mit den Zehen vorgesehen[2]. In diesen Rahmen passen die in diesem Buch beschriebenen sensomotorischen Übungsabläufe.


Balanceübung am Barfußpfad für Fußmuskelprotze, die im wirklichen Leben zarte Mädchen sind

Medizinisch notwendiges Fußmuskeltraining

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Wiederum durch das städtische Umfeld, die sitzende Lebensweise und die Unterforderung der Fußmuskulatur beim Gehen in Schuhen bedingt, wird bei Kindern häufig eine Fußmuskelschwäche festgestellt, die meist als Knicksenkfuß sichtbar wird. Hier raten Ärzte vor allem zu Barfußlaufen auf abwechslungsreichem Untergrund und zu regelmäßigen Fußgymnastikübungen. Aktivitäten, die die Fußmuskulatur stimulieren, können der Fußwölbung die notwendige Spannung verschaffen[3]. Dies erfordert von den Eltern langfristiges Engagement, das nicht immer erbracht werden kann. Deshalb kann und soll die Schule durch sensomotorische Unterrichtseinheiten eine wesentliche Unterstützung leisten, die der Gesundheit der Bevölkerung zu Gute kommt.


Vorbeugung gegen Gelenk- und Rückenbeschwerden

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Ausgehend von der Tast- und Propiozeptionswahrnehmung der Füße baut sich die Körperhaltung auf. Logischerweise wird die Haltung umso besser, je aktiver die Füße im Gehirn abgebildet sind. Andernfalls bekommen die Wirbelgelenke unvollständige Steuerimpulse und verkrampfen sich in schmerzhaften Fehlstellungen. Deshalb lässt man beim Arbeiten an der Körperhaltung die Schuhe nach Möglichkeit weg. Durch das intensivere Fühlen beim Barfußgehen verlagert sich das Gewicht in Richtung Mittel- und Vorderfuß; dies verbindet sich mit einer Aufrichtung des Oberkörpers. Dabei gibt die gesunde Spannung einer geübten Fußmuskulatur dem aufrechten Gang seine stabile Grundlage.

Dies verringert den Verschleiß von Knien und Hüften durch einseitige Belastungen und schmerzhafte Blockaden einer falsch aufgestellten Wirbelsäule. Sensomotorisches Üben läßt jeden seine eigene, individuell richtige Haltung finden und fördert Bewegungsmuster, die zu den körperlichen Gegebenheiten passen und das Wohlbefinden steigern.

Selbst im Laufsport werden in letzter Zeit Zweifel am Nutzen stoßgedämpfter Schuhe laut. Es wurden Messungen veröffentlicht, nach denen die Knie von beschuhten Läufern stärker belastet waren als die von geübten Barfußläufern[4]. Diese konnten durch Gewichtsverlagerung auf den Mittel- und Vorderfuß die Stöße bei der Laufbewegung viel besser ausgleichen. Beim Barfußlaufen ist eine feine Abstimmung des Bewegungsablaufs möglich, die der im Schuh eingebettete Fuß kaum leisten kann. Außerdem setzt der stoßarme Bewegungsablauf eine kräftige Fußmuskulatur voraus, die sich jeder Sportler erarbeiten sollte. Hierzu dienen die in diesem Buch beschriebenen Übungsvorschläge.


Akrobatik ist sensomotorischer Sport in Vollendung

Sorgsames Bewegen verringert das Verletzungsrisiko

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Dass man durch Barfußaktivitäten die Verletzungsgefahr senken kann, will im ersten Augenblick vielleicht nicht einleuchten. Und doch kann genau das durch sensomotorisches Üben erreicht werden. Denn man lernt dabei, sich achtsamer und sicherer, mit mehr Gefühl und besserer Haltung zu bewegen. Außerdem stabilisiert eine gekräftigte Fußmuskulatur den Knöchel gegen Umknicken. Somit helfen Fußgymnastik und Barfußsport, das Risiko von Sportverletzungen zu verringern.


Erkennung und Korrektur von Detailfehlern im Bewegungsablauf

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Wenn beim sportlichen Üben etwas nicht gelingen will, liegt es oft an feinen Details. Häufig geht es bei der Auslösung und Steuerung von Bewegungsabläufen um Gewichtsverlagerung, Muskelspannung oder Zehenabdruck. Da das meist die Füße betrifft, bleiben viele Fehler verborgen, solange Sportschuhe getragen werden. Die Ursachen von Misserfolgen lassen sich am genauesten beim barfüßigen Üben abklären. Dann können z.B. Fußgymnastikübungen gezielt zur Behebung der erkannten Schwächen eingesetzt werden.


Hinführung zu sensomotorisch anspruchsvollen Sportarten

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Die im Folgenden beschriebenen Übungselemente und Übungsstunden können gute Dienste tun, um Kinder und Jugendliche an sensomotorisch anspruchsvolle Sportarten heranzuführen. Dies gilt z.B. im Kunstturnen, insbesondere für Bodenturnen und Schwebebalken. Auch Kampfsportarten wie Judo und Karate sind stark von der Feinmotorik der Füße geprägt.

Ganz besonders hoch sind die Anforderungen an Sinneswahrnehmung und Bewegungsgefühl bei Akrobatik und Artistiksport. Hierbei müssen mehrere Partner, die eine Figur aufbauen, gemeinsam das Gleichgewicht finden und halten und dabei ganz exakt die Lage und Bewegung der anderen spüren. Es entspringt der Notwendigkeit genauester und feinster Wahrnehmung, dass diese Sportgruppen fast immer barfuß auftreten. Systematisches sensomotorischen Üben mit den Nachwuchsgruppen kann gerade in diesen Disziplinen einen großen Beitrag zum Erfolg leisten. Besonders wichtig ist dies, wenn, etwa im Rahmen von Kinderzirkusprojekten, mit Anfängern gearbeitet wird.


Einzelnachweise

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  1. Barfuss gegen Koordinationsstörungen, B. Prätorius, T.L. Milani, M.-A. Ulfig, K. Schmitz, MOTORIK 29. Jahrgang, März 2006, S. 21–24
  2. Lehrplan für die Bayerischen Grundschulen, S. 116, 199 und 267, Dillingen, 2000
  3. Kinder machen Fußgymnastik, Barbara Köhler, Heidi Reber, Thieme-Verlag Stuttgart; 6. unveränd. Auflage, (12. Juli 2006), S.7-19
  4. Daniel Lieberman et al., Biomechanics of Foot Strikes & Applications to Running Barefoot or in Minimal Footwear