Soziologische Klassiker/ Migrationssoziologie/ Grundbegriffe

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Einführung in die Thematik[Bearbeiten]

Allgemeines zum Fremdheitsbegriff[Bearbeiten]

Der Begriff fremd bzw. der oder das Fremde besitzt eine Reihe von Verwendungen und bezeichnet im Alltag jene Gegebenheiten, die uns anders, unvertraut bzw. unerforscht erscheinen. Auch etwas Vertrautes, welches sich von einer unbekannten Seite zeigt, oder auch komplexe Phänomene wie Kulturen oder Subkulturen können als fremd bezeichnet werden. Spricht man vom Fremden als Person, so lässt sich dies darauf zurückführen, dass wir diesen entweder noch nicht kennen oder aber keinen Zugang zu ihm finden. Als weitere Verwendungsdimension des Fremdheitsbegriffes ist die Abgrenzung gegen „das Andere“ zu sehen, um so Unterschiede von Personen im Verhältnis zu einer etablierten Gruppe festzulegen. Dieser Vorgang entspricht dem in-group bzw. out-group Prinzip, das im Verlauf der Arbeit noch mehrmals behandelt werden wird. Etymologisch gesehen ist der Begriff 'fremd' keineswegs wertneutral. Dieser leitet sich vom Neuhochdeutschen Adverb 'fram' ab, was soviel wie vorwärts, weiter bzw. ursprünglich entfernt, unbekannt bzw. unvertraut entspricht. Grundsätzlich wird der Begriff des Fremden im Alltag als relationaler Begriff verwendet d.h. Individuen betrachten ihr Gegenüber, Objekte bzw. Kollektive in Relation zu sich selbst und definieren den Fremden so, als würden sie in einer realen Beziehung zu ihm stehen. Damit kann Fremdheit nur durch die sprachliche Bezugnahme auf Fremdheit, als indexikalischer Ausdruck angewandt werden und beschreibt aufgrund dessen kein objektives Verhältnis sondern die Definition einer Beziehung. Eine absolute Perspektive kann nur insofern erreicht werden, wenn der Fremde als unveränderliche Größe gesehen wird, wie es etwa in Science-Fiction Filmen der Fall ist. In diesem Genre steht der Fremde für das Unzulängliche und Feindliche. Des Weiteren ist eine Unterscheidung zwischen Einzelnen, die als Fremde bezeichnet werden und der Gruppe, die Fremde genannt werden, zu treffen. Der Fremde als Einzelperson kann jegliche uns unbekannte Person bezeichnen, spricht man jedoch von Fremden, findet eine Klassifikation im Bezug auf Nationalität, Rasse und Region statt. (vgl. Geenen 2002: 21-24)

Erläuterung und Definition des Fremdheitsbegriffes[Bearbeiten]

Die Bezeichnung „fremd“ kann immer positiv oder negativ aufgefasst werden. Der Begriff ist etymologisch tatsächlich nicht wertneutral. Das Adjektiv „fremd“ leitet sich von dem in Neuhochdeutschen untergegangenen Adverb „fram“ ab, das so viel bedeutet wie „vorwärts weiter, von, weg“ und ursprünglich „entfernt“, danach „unbekannt“ und „unvertraut“. (vgl. Duden Etymologie, 1963, S.184) Es steht damit im Gegensatz zum Vertrauten, Nahen, Bekannten und kann Ängste bzw. ein Gefühl des bedroht sein hervorrufen. Allein die Begriffe fremd, Fremder, Fremdheit usw. erscheinen unveränderliche und feststehende, wenn auch vage Bedeutungen mit sich zu bringen. Schon die etymologische Bedeutungsveränderung zeigt, dass die Sinnwelten, in denen diese Wörter verwendet werden, einem Wandel unterliegen, der auch die Bedeutungen betrifft. Was unter „fremd“ und dem „Fremden“ verstanden wird, unterscheidet sich nach dem Typus der Gemeinschafts- und Gesellschaftsformation, unterliegt historischem Wandel und konnte in dieser Arbeit erklärt werden.

Der Begriff fremd bzw. der oder das Fremde besitzt eine Reihe von Verwendungen und bezeichnet im Alltag jene Gegebenheiten, die uns anders, unvertraut bzw. unerforscht erscheinen Auch etwas Vertrautes, welches sich von einer unbekannten Seite zeigt, oder auch komplexe Phänomene wie Kulturen oder Subkulturen können als fremd bezeichnet werden. Spricht man vom Fremden als Person, so lässt sich dies darauf zurückführen, dass wir diesen entweder noch nicht kennen oder aber keinen Zugang zu ihm finden. Als weitere Verwendungsdimension des Fremdheitsbegriffes ist die Abgrenzung gegen „das andere“ zu sehen um so Unterschiede von Personen im Verhältnis zu einer etablierten Gruppe festzulegen. Dieser Vorgang entspricht dem in-group bzw. out-group Prinzip, dass im Verlauf der Arbeit noch öfters behandelt werden wird. Etymologisch gesehen, ist der Begriff fremd keineswegs wertneutral. Dieser leitet sich vom Neuhochdeutschen Adverb fram ab, was soviel wie vorwärts, weiter bzw. ursprünglich entfernt, unbekannt bzw. unvertraut entspricht. Grundsätzlich wird der Begriff des Fremden im Alltag als relationaler Begriff verwendet d.h. Individuen betrachten ihr Gegenüber, Objekte bzw. Kollektive in Relation zu sich selbst und definieren den Fremden so, als würden sie in einer realen Beziehung zu ihm stehen. Damit kann Fremdheit nur durch die sprachliche Bezugnahme auf Fremdheit, als indexikalischer Ausdruck angewandt werden und beschreibt aufgrund dessen kein objektives Verhältnis sondern die Definition einer Beziehung. Eine absolute Perspektive kann nur insofern erreicht werden, wenn der Fremde als unveränderliche Größe gesehen wird, wie es etwa in Science-Fiction Filmen der Fall ist. In diesem Genre steht der Fremde für das Unzulängliche und Feindliche. Des Weiteren ist eine Unterscheidung zwischen Einzelnen, die als Fremde bezeichnet werden und der Gruppe, die Fremde genannt werden, zu treffen. Der Fremde als Einzelperson kann jegliche uns unbekannte Person bezeichnen, spricht man jedoch von Fremden, findet eine Klassifikation im Bezug auf Nationalität, Rasse und Region statt. (vgl. Geenen 2002: 21-24)

Definition Migration[Bearbeiten]

Der Begriff Migration stammt vom lateinischen „migrare bzw. migratio“ ab und bedeutet soviel wie wandern oder wegziehen. In der Sozialwissenschaft wird unter dem Begriff der Migration die Bewegung im Raum solcher Personen verstanden, welche die Intention eines dauerhaften Wohnortswechsels besitzen. Nach den Empfehlungen der UN ist ein dauerhafter Wohnortswechsel dann gegeben, wenn dieser länger als ein Jahr vollzogen wird.Es erfolgt ein Wechsel des Wohnortes von einer politischen Gemeinde A in eine andere politische Gemeinde B von mindestens einem Jahr. Ob die Migration in diesem Zusammenhang gewollt oder ungewollt vollzogen wird, ist dahingehend unrelevant. Wichtig bei der Begriffsbestimmung ist, dass nicht jede räumliche Bewegung mit Migration gleichzusetzten ist, d.h. Reisende, beruflich bedingte Pendler oder Touristen die eben keine dauerhaften Wohnortswechsel über die politische Gemeinde hinaus vollziehen, sind nicht zur Gruppe der Migranten zu rechnen. Charakteristisch für die Migration ist auch dessen Multikausalität. Migration beruht zumeist auf einer Reihe von kulturellen, wirtschaftlichen, politischen, religiösen, demographischen und ethnischen Gründen bzw. Ursachen die miteinander verknüpft sind. Des Weiteren ist Migration ein Prozess, der zumeist beginnend mit der Vorbereitung bishin zur Durchführung in einem langen zeitlichen Kontinuum stattfindet.

Migration ist ein sehr vielschichtiger und komplexer Prozess und damit ist auch die Erläuterung einiger grundlegender Begriffe zum Verständnis notwendig.


Grundlegende Begriffe[Bearbeiten]

Binnenmigration[Bearbeiten]

Sofern die Verlegung des ständigen Wohnsitzes einer politischen Gemeinde A in die politische Gemeinde B innerhalb nationalstaatlicher Grenzen vollzogen wird, spricht man in von Binnenmigration. Wird vom Zuzug in eine Gemeinde gesprochen, existiert in der Fachliteratur der Begriff „in-migration“. Im Gegensatz dazu meint die Migration aus einer Gemeinde der Begriff der „out-migration“. Die Migration von Menschen aus ländlichen Gebieten in die Städte wird als „rural out-migration“ bezeichnet.

Internationale Migration[Bearbeiten]

Findet die dauerhafte Verlegung des Wohnsitzes grenzüberschreitend, über Nationalstaaten hinaus statt, liegt das Phänomen der internationalen Migration vor. Dabei wir zwischen der Einwanderung/Immigration und der Auswanderung/Emigration unterschieden. Die begriffliche Trennung zwischen der Binnenmigration und der Internationalen Migration dient vielmehr statistischen und formalrechtlichen Zielsetzung Migrationsgeschehen und weniger der tatsächlichen Differenzierung.


Migrationsstrom[Bearbeiten]

Als Migrationsstrom wird die Richtung einer Migrationsbewegung vom Auswanderungsort zum Zielort bezeichnet. Diese Richtungsangabe kann sich sowohl auf den konkreten Ort wie auf das typologische Gebiet, die nationale oder internationale Migration beziehen. Als Beispiel wäre die Zeit der Frühindustrialisierung zu nennen, wo viele Menschen aus den ländlichen Gebieten in die städtischen Regionen mit industrieller Wirtschaftsstruktur zogen. Dieser als Landflucht bezeichnete Vorgang ist aufgrund von besseren Chancen und Bedingungen im Bezug auf Ausbildung, Beschäftigung und Freizeit im städtischen Gebiet, auch heute noch häufig vorzufinden.

Mobilitätsziffer[Bearbeiten]

Auch der Begriff der Mobilitätsziffer ist im Zusammenhang mit der Migration nennenswert. Dieser bezeichnet das Verhältnis des Migrationsvolumens in einem Gebiet zu einer Bevölkerung in Tausend. Um die Mobilitätsziffer richtig zu interpretieren ist es notwendig, die berufsspezifische Zusammensetzung der Zu- und Abwanderung zu berücksichtigen.

Migrationsvolumen/Migrationssalden/Migrationsbilanzen[Bearbeiten]

Die Summe der Zu- und Abwanderungen in einem bestimmten Gebiet wird als Migrationsvolumen bezeichnet. Den Verlust oder Gewinn den die Bevölkerung durch den Zu- oder Wegzug erfährt als Migrationssaldo bzw. Migrationsbilanz. Unter Netto-Migration ist die Differenz zwischen den Zahlen der Zu- und Abwanderung zu verstehen. Je nachdem ob diese Differenz positiv oder negativ ausfällt, ist von einer „positiven bzw. negativen Nettomigration“ die Rede.


Kettenmigration[Bearbeiten]

Unter Kettenmigration wird jene Form der Migration verstanden in der Pioniermigranten, Familienangehörige, Bekannte oder Personen aus dem Primärgruppenkreis zur Migration, durch persönliche Informationen (wie Erzählungen oder Informationen zu Verdienstmöglichkeiten) oder materieller Hilfe (wie die Hilfe bei der Suche nach einer Wohnung, Überweisungen usw.) unterstützen und motivieren. Da eine Reihe an Personen den im Residenzland bereits lebenden Landleuten folgt, wird im übertragenen Sinne von einer Kettenmigration gesprochen.


„Push-Faktor“ und „Pull-Faktor“[Bearbeiten]

Wie bereits eingangs erwäht ist die Migration eine multikausaler Prozess der es schwierig macht, zwischen freiwilliger und unfreiwilliger Migration exakte Trennlinien zu ziehen. Trotzdem wurde um einen klassischen Erklärungsansatz für die Migration zu schaffen, zwischen „Push-„ und „Pull-faktoren“ unterschieden. „Push-faktoren“ oder auch Druckfaktoren genannt, sind jene Gründe, die das Individuum zur Abwanderung, wie etwa politische oder religiöse Folgen, wirtschaftliche Krisen, Bürgerkriege oder Umwelt- und Naturkatastrophen, zwingen. Im Gegensatz dazu bezeichnen „Pull-faktoren“ jene Gründe und Anreize des Aufnahmelandes, die eine Sogwirkung auf das Individuum ausüben und dadurch die Migration motivieren. Sogfaktoren können beispielsweise politische Stabilität, demokratische Sozialstruktur, religiöse Glaubensfreiheit usw. sein. Das Modell der „Push- und Pull-Faktoren“ ist jedoch am Einzelfall zu überprüfen da Migranten nicht immer nach dem logisch rational erwartbaren Vorteil, sondern oftmals aufgrund emotionaler Sicherheit und soziale Einbindung entscheiden und den ökonomischen Vorteil weniger Bedeutung in der Migrationsentscheidung zuschreiben.

Migrationssystem und Migrationsnetzwerke[Bearbeiten]

Die Migrationsforschung der 80-er Jahre hatte die Intention, den Zusammenhang zwischen der Sende- und Empfängergesellschaft bzw. dem Migrationsstrom zu analysieren. Man ging davon aus, dass Migration keine rein individuelle Entscheidung sondern eher das Ergebnis einer Interaktion von Faktoren ist, und Migrationssysteme durch historische, kulturelle, politische und wirtschaftliche Verbindungen entstehen. Migrationsnetzwerke verbinden Sende- und Empfängerländer der Migranten zu einem Migrationssystem und meinen in diesem Sinne interpersonelle Bindungen, die unabhängig von Raum und Zeit, Migranten auf Basis der Verwandtschafts- und Freundschaftsbeziehungen mit Menschen aus ihrem Herkunfsland verbinden.

Quellenverzeichnis[Bearbeiten]

  • GEENEN, M. Elke (2002):
    "Soziologie des Fremden; Ein gesellschaftstheoretischer Entwurf"
    Hemsbach.
  • HAN , Petrus (2004):
    "Soziologie der Migration,2. Auflage"
    Stuttgart