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Soziologische Klassiker/ Migrationssoziologie/ Migration von Frauen

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Bei dem Thema Migration wird eher selten speziell auf Frauen eingegangen, dies mag daher kommen, dass Frauen besonders in früheren Zeiten stark an die Familie und das Heim gebunden waren. Männer waren für den Erwerb von Geld zuständig, die Frau für die Erziehung der Kinder und die Hausarbeit.

Hasia R. Diner und Evelyn Nakano Glenn gehen nun speziell auf die Migration von Frauen ein:

Hasia R. Diner: Irische Frauen in Amerika[Bearbeiten]

Die Geschichte des katholischen Irlands ist durch die politische und wirtschaftliche Herrschaft des protestantischen Englands gekennzeichnet. Nicht nur auf Grund dieser Unterdrückung, in einer Kombination mit mehreren Hungersnöten, entstand eine Tradition der Emigration von Iren. Viele Männer und Frauen emigrierten in die umliegenden Länder und nach Nordamerika.
Bemerkenswert erscheint jedoch, dass nach der great famine von 1845 bis 1849, einer gewaltigen Hungersnot, entstanden durch Kartoffelmissernten, mehr Frauen als Männer in die USA emigrierten.

Gründe für die Migration[Bearbeiten]

  • Ehe
Arme Bauern und Angehörige der Arbeiterklasse heirateten bereits im jungen Alter, wodurch die Bevölkerung enorm wuchs. Hingegen sahen die Angehörigen der Mittelschicht, Geschäftsleute oder Stadtbewohner in der Ehe ein ökonomisches Risiko, zögerten sie möglichst lange hinaus oder heirateten gar nicht. Durch die Hungersnot hatten die verheirateten Frauen damit zu rechnen, früh Witwen zu werden, da wie bereits erwähnt eher spät geheiratet wurde, und die Männer sich dann eher für junge Frauen entschieden, welche sie in Folge meist überlebten. Nach der Hungerkatastrophe wurde das Nicht-Heiraten zu einer legitimen Ordnung.
Mitgift:
Die Eltern erwählten ein Kind, meist einen Sohn, welches z.B. den Hof übernehmen sollte. Die Töchter waren auf eine Mitgift angewiesen, welche jedoch meist nur für eine Tochter zur Verfügung stand. Die anderen Töchter mussten sich eine Erwerbsmöglichkeit suchen.
Durch die Hungersnot hatten die verheirateten Frauen damit zu rechnen, früh Witwen zu werden, da wie bereits erwähnt eher spät geheiratet wurde, und die Männer sich dann für jüngere Frauen entschieden, welche sie in Folge meist überlebten.
Frauen, welche keine Beschäftigungs- oder Heiratsmöglichkeiten hatten, fiel die Entscheidung zur Emigration leichter.
  • Erwerbstätigkeit:
Mädchen und Frauen in Irland, waren es gewohnt, vor dem Eintritt in die Ehe berufstätig zu sein und auch innerhalb der Ehe über die finanziellen Ressourcen zu wachen.
Während die Töchter nicht als dauerhafte Mitglieder der Familie angesehen wurden, [1] und auch nicht für die Pflege der Eltern verantwortlich waren, wurden die Söhne in der patriarchalischen Gesellschaft Irlands enorm geschätzt. Der Mann hatte eine Vormachtstellung in der Familie welche von niemandem angezweifelt wurde, die Frau arbeitete unterwürfig im Hintergrund und suchte ihre Selbstverwirklichung und ihren Erfolg im Erwerb.
  • soziale Norm - Unterwürfigkeit
Nach der Hungerkatastrophe emigrierten vor allem junge, ledige Frauen in die USA.
Frauen hatten einen weiteren Vorteil gegenüber den Männern im Ankunftsland: Während die Männer es gewohnt waren, an der Spitze der Hierarchie zu stehen, konnten sich die Frauen gut in die neue Gesellschaft einfügen, sie waren weniger anspruchsvoll, was sich auch in der Wahl ihrer Berufe äußerte. Der Großteil der irischen Frauen arbeitete im „domestic service“, eine Berufsspate die von anderen ethnischen Gruppen abgelehnt wurde, jedoch die beste Möglichkeit zur Akkulturation mit sich brachte. [2]
Eine zweite Berufsspate die von Irinnen gewählt wurde, war die Arbeit in Industriebetrieben, welche jedoch große Gesundheitliche Risiken mit sich brachte.
Auf Grund der späten Ehe oder Ehelosigkeit schafften die irischen Frauen sogar den Aufstieg in Büros, Krankenhäuser und Schulen.

Interessantes[Bearbeiten]

Die Frauen unterstützten die in Irland verbliebenen Angehörigen mit Geld, erzählten von den Möglichkeiten in den USA, und holten auch Familienmitglieder nach. (Kettenmigration)
Irische Familien in den USA hatten häufig Probleme im Bereich der häuslichen Gewalt, des Alkoholismus, sowie Anpassungsprobleme auf Seiten der Männer.
Irinnen waren es gewohnt, finanziell unabhängig in die Ehe zu gehen, jedoch auch mit ihr aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. Sie achteten auf das Wohlergehen ihrer Familien und hielten die Männer vom exzessiven Trinken ab. [3] In Amerika wurde vom irischen Matriarchat gesprochen.
Die irischen Frauen lehnten dennoch den Feminismus dahingehend ab, dass sie die Geschlechtertrennung weiterhin beibehalten und sich nicht in die Dinge, welche den Männern vorbehalten waren einmischen wollten.

Evelyn Nakano Glenn: Japanische Frauen in Amerika[Bearbeiten]

Es werden drei Gruppen von japanischen Migrantinnen unterschieden: Die "Issei", welche von 1909 bis 1924 in die USA migrierten. Sie folgten gewissermaßen ihren Männern, welche bereits in den USA arbeiteten, nach. Die Gruppe der Japanerinnen, welche bereits in den USA geboren wurden, also die zweite Generation der Immigranten darstellten. ("Nisei") Und die "war brides" welche amerikanische Soldaten im zweiten Weltkrieg geheiratet hatten und in deren Heimatland zogen. Der Großteil der Japanerinnen migrierte zwischen 1950 und 1960 in die USA, wobei diese auf Grund der Nachfrage nach billigen Arbeitskräften rekrutiert wurden. (Wie zuvor bereits Frauen aus dem Süden der USA, und anderen Ländern.) [4]


  • Issei:
Die japanischen Frauen folgten ihren Männern in die USA, obwohl die meisten Ehen durch Vermittler zustande gekommen waren und sich die beiden Parteien nur von Fotos kannten. Die Frauen stammten vorwiegend aus Hiroshima, Yamaguchi, Kumamoto und Fukuoka, den ärmsten Teilen Japans, und waren an harte Arbeit gewohnt. Sie arbeiteten in der Landwirtschaft, als Dienstleister ("domestic service") und in Geschäften.
  • Nisei:
Die Issei-Eltern erkannten dass eine gute Ausbildung für den sozialen Aufstieg in den USA nötig war. Dennoch fassten die Nisei im öffentlichen Sektor, trotz Staatsbürgerschaft, guten Englischkenntnissen und Collegeausbildung, auf Grund der ethnischen Diskriminierung nicht Fuß. Sie arbeiteten wie ihre Mütter in der Landwirtschaft, im "domestic service" und im Verkauf. Schließlich konnten sie als "Professionals" arbeiten, was aber nur durch eine Öffnung der Büroarbeit für nicht-weiße Rassen möglich wurde. (white-collar work)
  • war brides:
Die war brides heirateten die während des zweiten Weltkrieges in Japan stationierten amerikanischen Soldaten und folgten ihnen in die USA (es immigrierten etwa 45.000 war brides). Ihre Träume von finanzieller Sicherheit gingen jedoch nicht auf, da die Ehemänner oftmals nicht zu Hause stationiert waren und Unterhaltszahlungen ausblieben. Doch zu diesem Zeitpunkt waren sie bereits von ihren Familien und Freunden in Japan verstoßen und isoliert worden. Sie arbeiteten in ähnlichen Bereichen wie auch zuvor die Issei und Nisei, verfügten jedoch kaum über Sprachkenntnisse oder beruflicher Qualifikationen, somit war ein unabhängiges Leben von ihren Ehemännern schwierig, der einzige Ausweg nach einer gescheiterten Ehe blieb für jene Frauen eine erneute Heirat.

Quellenverzeichnis[Bearbeiten]

  • HAN, Petrus (2006):
    "Theorien zur internationalen Migration"
    Stuttgart: Lucius & Lucius.
  • HAN, Petrus (2003):
    "Frauen und Migration, Strukturelle Bedingungen, Fakten und soziale Folgen der Frauenmigration"
    Stuttgart: Lucius & Lucius.


weitere Werke

The Jews of the United States, 1645 to 2000 (Berkeley,CA:University of California Press, 2004) Hungering for America: Italian, Irish and Jewish Foodways in the Age of Migration (Cambridge:Harvard University Press, 2002)

Her Works Praise Her: A History of Jewish Women in America from Colonial Times to the Present (with Beryl Lieff Benderly) (New York: Basic Books, 2002)

The Lower East Side Memories: The Jewish Place in America. (Princeton:Princeton University Press, 2000.) American Jews (New York: Oxford University Press, 1998).(Part of a series for young readers) -Reissued, 2003, as A New Promised Land: A History of the Jews in America.

In the Almost Promised Land: American Jews and Blacks. 1915-1935 (Baltimore: Johns Hopkins University Press, 1995; reissue of 1977 edition)

A Time for Gathering. 1820-1880: The Second Migration, Vol. 2 in, The Jewish People in America, Henry B’eingold, ed. (Baltimore: Johns Hopkins University Press, 1992) Erin’s Daughters in America: Irish Immigrant Women in the Nineteenth Century (Baltimore: Johns Hopkins University Press,1984)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Han Petrus, 2006, S. 116
  2. Vgl. Han Petrus, 2006, S. 122
  3. Vgl. Han Petrus, 2006, S. 121
  4. vgl. Han Petrus, 2006, S. 128