Soziologische Klassiker/ Tönnies, Ferdinand

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Grundstruktur des Kapitels:

Biographie in Daten[Bearbeiten]

Tönnies Ferdinand

  • geboren am 26. Juli 1855 auf dem Hof Die Riep in Schleswig Holstein
  • gestorben am 09. April 1936


  • Vater: August Tönnies, Landwirt und Hofbesitzer
  • Mutter: Ida Tönnies, geborene Mau, entstammte einer Pastorenfamilie, Landwirtin und Hausfrau
  • Ehefrau: Marianne Henriette Wilhelmine Sieck, Heirat 1894, Gutpächterstochter, Hausfrau
  • Kinder: Gerrit Tönnies, Dr. phil., Chemiker
Franziska Tönnies, Sozialarbeiterin, Ehefrau des Soziologen Rudolf Heberle
Jan Friedrich Tönnies, Dr.-Ing., Dr. med h.c.
Carola Tönnies
Kuno Tönnies


  • Lebenslauf:
26.07.1855 geboren auf dem Hof „Die Riep“; Ferdinand besuchte im schulfähigen Alter zuerst die Dorfschule in Oldenswort, dann Unterricht durch einen Hauslehrer
1864 Übersiedlung der Familie nach Husum in das sogenannte Tönnies-Haus, Besuch der Husumer Gelehrtenschule
1872 Abitur (mit 16 Jahren!)
1872 Aufnahme des Studiums an der gerade gegründeten Universität Straßburg, das er dort rasch abbricht
1872-1877 Studium der Klass. Philologie, Philosophie, Theologie u. Kirchengeschichte, Archäologie u. Kunstgeschichte an der Universität Jena, Leipzig, Bonn, Kiel und Tübingen
1877 Tönnies promoviert zum Dr. phil. in der Klassischen Philologie an der Universität Tübingen
1877-1881 Private Studien, vor allem in Philosophie und Staatswissenschaften
1879 Englandaufenthalt; Thomas Hobbes-Studien in London, Oxford und auf Schloss Hardwick, Devonshire; fleißiges Mitglied des „Statistischen Bureau“ in Berlin (bereist 1878)
1881 Habilitation für Philosophie an der Universität in Kiel
1883 – 1894 Tönnies lebt in Husum, Schleswig-Holstein; er unternimmt zahlreiche Reisen (darunter regelmäßig nach England)
1887 Veröffentlichung seines fundamentalen Werkes „Gemeinschaft und Gesellschaft“; erste Auflage ein "matter Achtungserfolg"
1904 Tönnies bereist anlässlich der Weltausstellung in St. Louis die USA und wird für den Beraterkreis des American Journal of Sociology gewonnen.
1909 – 1913 a. o. Professor der Universität Kiel
1909 Mitbegründer der „Deutschen Gesellschaft für Soziologie“
1912 Zweite Auflage von „Gemeinschaft und Gesellschaft“; bedeutender europäischer Erfolg, auch in den in den USA
1913 Ordinarius für Wirtschaftliche Staatswissenschaften (Nationalökonomie und Statistik)
1916 Tönnies wird auf eigenen Wunsch hin von den Verpflichtungen des Ordinarius entbunden; Ernennung zum Geheimrat
1920 – 1933 Lehrauftrag für Soziologie an der Universität Kiel
1921 Juristische Ehrendoktorwürde an der Universität Hamburg
1922 Erstauflage von Tönnies' umfangreichstem Werk "Kritik der öffentlichen Meinung"
1927 Bonn verleiht ihm den Dr. rer. pol. h.c.
1922 – 1933 Präsident der „Deutschen Gesellschaft für Soziologie“; 1933 erzwungener Rücktritt
1930 Mitglied der „Sozialdemokratischen Partei Deutschlands“
1933 Entlassung aus dem Beamtenstand mit Streichung aller Ruhestandsbezüge durch die Nationalsozialisten
1933 – 1936 Verkauf großer Teile seiner Bibliothek; zahlreiche Schüler emigrieren; zurückgezogenes Leben in Kiel
1935 Sein bedeutendes letztes Werk "Geist der Neuzeit" erscheint und bleibt im Dritten Reich ohne Echo.
09.04.1936 Gestorben in Kiel im Niemannsweg Nr. 61, Grab auf dem Friedhof „Eichhof"; je ein Denkmal in Oldenswort und Husum


Historischer Kontext[Bearbeiten]

  • 1897 fand der Hamburger Hafenstreik statt, der Ferdinand Tönnies stark beeinflusste und prägte.
  • Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde Ferdinand Tönnies die Lehrerlaubnis an Universitäten entzogen.


Die Anschauung und Einstellungen von Ferdinand Tönnies wurden vor allem durch Theodor Storm beinflusst. Weitere wichtige Persönlichkeiten im Leben von Tönnies waren: der Philosoph der frühen Neuzeit Thomas Hobbes, der Philosophen Baruch de Spinoza und Immanuel Kant. Außerdem wurde er von Arthur Schopenhauer, dem Kritiker der bürgerlichen Ökonomie Karl Marx, Auguste Comte und dem Soziologen und Philosophen Herbert Spencer beinflusst.

Bekanntschaften pflegte Tönnies mit:

  • Lewis Henry Morgan
  • Lorenz von Stein
  • Johann Jakob Bachofen
  • Henry Maine
  • Fustel de Coulanges


Ferdinand Tönnies unterstützte während des Hamburger Hafenstreiks (1896/97) die streikenden Arbeiter. Als einer der Initiatoren des "Professorenaufrufs", unterstützte er die Hafenarbeiter im Kampf gegen die Unternehmer. Tönnies forderte "Jeden im Volke, Männer und Frauen, die hochgestellten und den schlichten Bürger, Reiche und weniger Bemittelte auf, durch eine ihren Mitteln entsprechende Gabe and die Streikenden für einen baldigen Frieden im Volke zu wirken."

Ferdinand Tönnies unterstützte die Arbeiter zusätzlich, indem er mindestens 8 Aufsätze veröffentlichte und den Argumentationen der Presse immer wieder entgegentrat.

Nach den Streiks überlegte Tönnies Hamburg zu verlassen, denn es wurde von der bürgerlichen Gesellschaft eine "Exkludierung", in Form von Rufmord, der Verketzerung zum Sozialdemokraten und der Verweigerung einer Professur für ein weiteres Jahrzehnt über F. Tönnies verhängt.

Ferdinand Tönnies wurde, auch noch Jahrzehnte nach seinem Mitwirken beim Hamburger Hafenstreik, als Streikprofessor betitelt.


Theoriegeschichtlicher Kontext[Bearbeiten]

Der Soziologe Ferdinand Tönnies wurde nicht in das großstädtische Milieu hineingeboren, sondern er wuchs in einer großbäuerlichen Familie auf. Dies hat sicherlich seine Auffassungen, die sich in seinen Werken widerspiegeln, beeinflusst. Er machte dörfliche Erfahrungen, womit sich das angereicherte, unidealistische Verhältnis zu dem Begriff "Gemeinschaft" erklären lässt.

Ferdinand Tönnies lernte Theodor Storm schon mit 14 Jahren kennen. Ihm verdankte er, dass er schon so früh in Berührung mit Literatur kam. Er arbeitete damals als Korrekturgehilfe von Theodor Storm. Durch diese Bekanntschaft und spätere Freundschaft ist auch das distanzierte Verhältnis von Ferdinand Tönnies zur Religion beeinflusst worden. Tönnies betätigte sich auch als Poet und schrieb Gedichte.

Auch die Vermögensverhältnisse seiner Eltern waren für Ferdinand Tönnies von Bedeutung, denn nur dadurch konnte er ein Privatstudium der Philosophie und der Staatswissenschaften absolvieren.

Ferdinand Tönnies kann als der europäische Wiederbeleber von Thomas Hobbes angesehen werden. Er wandte sich auf Anregung Friedrich Paulsens Hobbes zu und machte wichtige Archiventdeckungen zu dessen Leben und Werk.

Tönnies war außerdem Mitglied des "Statistischen Bureau" und Schüler von Ernst Engel, Richard Böckh und Adolf Wagner.

Ein sehr wichtiger Moment für Ferdinand Tönnies war der "Hamburger Hafenarbeiterstreik", daraus entwickelte sich sein lebenslanges Misstrauen gegenüber der preußischen Hochschulaufsicht.

Ferdinand Tönnies war auch Mitbegründer der "Gesellschaft der Deutschen Soziologie", wodurch er mit vielen bekannten Soziologen in Berührung kam, z.B. mit Georg Simmel.

Ferdinand Tönnies erlebte noch die Zeit des deutschen Nationalsozialismus und kritisierte als überzeugter Verfechter der Republik hoch beunruhigt und öffentlich ab 1930, Hitler und seine Bewegung. Dadurch wurde der 78-jährige 1933 aus seinem Beamtenstand entlassen und verarmte zunehmend.


Werke[Bearbeiten]

  • De Jove Ammone quaestionum specimen (Philosophische Dissertation) (1877)
  • Gemeinschaft und Gesellschaft. Abhandlung des Communismus und des Socialismus als empirischer Culturformen. (1887)
  • "Ethische Cultur" und ihr Geleite. I. Nietzsche-Narren II. Wölfe in Fuchspelzen (1893)
  • Hobbes. Leben und Lehre (1896)
  • L'Évolution sociale en Allemagne (1896)
  • Der Nietzsche-Kultus. Eine Kritik (1897)
  • Über die Grundtatsachen des socialen Lebens (1897)
  • Politik und Moral. Eine Betrachtung (1901)
  • Vereins- und Versammlungsrecht wider die Koalitionsfreiheit (Referat für den Ausschuss der Gesellschaft für soziale Reform(1902)
  • Strafrechtsreform (1905)
  • Schiller als Zeitbürger und Politiker(1905)
  • Philosophische Terminologie in psychologisch soziologischer Ansicht (Auszeichnung mit Welby-Preis) (1906)
  • Die Entwicklung der sozialen Frage (1907)
  • Die Sitte (1909)
  • Englische Weltpolitik in englischer Beleuchtung (1915)
  • Die Niederländische Übersee-Trust-Gesellschaft (1916)
  • Der englische Staat und der deutsche Staat. Eine Studie. (1917)
  • Weltkrieg und Völkerrecht (1917)
  • Theodor Storm. Zum 14. September 1917 (Gedenkblätter) (1917)
  • Menschheit und Volk (1918)
  • Die Schuldfrage. Rußlands Urheberschaft nach Zeugnissen aus dem Jahre 1914 (1919)
  • Hochschulreform und Soziologie. Kritische Anmerkung über Becker's "Gedanken zur Hochschulreform" und Below's "Soziologie als Lehrfach (1920)
  • Marx. Leben und Lehre (1921)
  • Kritik der öffentlichen Meinung (1922)
  • Der Zarismus und seine Beundesgenossen 1914. neue Beiträge zur Kriegsschuldfrage (1922)
  • Philosophie der Gegenwart in Selbsdarstellungen. (Mitarbeiter: G. Heymans, Wilhelm Jerusalem, Götz Martius, Firtz Mauthner, August Messer, Julius Schultz und Ferdinand Tönnies) (1922)
  • Soziologische Studien und Kritiken in 3 Bänden (1925-1929)
Band 1 erschienen im Jahr 1925
Band 2 erschienen im Jahr 1926
Band 3 erschienen im Jahr 1929
  • Fortschritt und soziale Entwicklung. Geschichtsphilosophische Ansichten. (1926)
  • Das Eigentum (1926)
  • Wege zu dauerndem Frieden? (1926)
  • Der Selbstmord in Schleswig-Holstein. Eine statistisch-soziologische Studie. (1927)
  • Der Kampf um das Sozialistengesetz 1878 (1929)
  • Uneheliche und verwaiste Verbrecher. Studien über Verbrechertum in Schleswig-Holstein (1930)
  • Einführung in die Soziologie (1931)
  • Geist der Neuzeit (1935)
  • Briefwechsel 1876-1908 (Mit Friedrich Paulsen) (1961)
  • Studien zur Philosophie und Gesellschaftslehre im 17. Jahrhundert (1975)
  • Tatsache des Wollens (1982)
Aus dem Nachlaß herausgegeben und eingeleitet von Jürgen Zander
  • Briefwechsel (Mit Harald Höffding) (1989)
Herausgegeben und kommentiert von Cornelius Bickel und Rolf Fechner
  • Die Entwicklung der Technik. Soziologische Skizze. (1991)
Herausgegeben und eingeleitet von Arno Bammé
  • Gesamtausgabe in 24 Bänden. Erschienen sind (Dezember 2009):
Band 7 Jahre (1905-106) Strafrechtsreform,u. a., Schriften, Rezensionen, hg. von Arno Bammé und Rolf Fechner
Band 9 Jahre (1911-15) Leitfaden einer Vorlesung über theoretische Nationalökonomie u.a.m., hg. von Arno Mohr und Rolf Fechner
Band 10 Jahre (1916-1918) Die niederländische Uebersee-Trust-Gesellschaft u. a., Rezensionen, hg. von Arno Mohr und Rolf Fechner
Band 14 (1922) Kritik der öffentlichen Meinung, hg. von Alexander Deichsel, Rolf Fechner und Rainer Waßner
Band 15 (1923-1925) Innere Kolonisation in Preußen. Soziologische Studien und Kritiken; u. a. m., hg. von Dieter Haselbach
Band 22 (1932-1936) Geist der Neuzeit u.a.m., hg. von Lars Clausen
Band 23,2 Nachgelassene Schriften 1919-1936, hg. von Jürgen Zander und Brigitte Zander-Lüllwitz
  • Materialien der Ferdinand-Tönnies-Arbeitsstelle am Institut für Technik- und Wissenschaftsforschung der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Erschienen sind (November 2010):
  • Soziologische Schriften 1891–1905, hg. von Rolf Fechner
  • Schriften und Rezensionen zur Anthropologie, hg. von Rolf Fechner
  • Schriften zu Friedrich von Schiller, hg. von Rolf Fechner
  • Schriften und Rezensionen zur Religion, hg. von Rolf Fechner
  • Geist der Neuzeit, hg. von Rolf Fechner
  • Schriften zur Staatswissenschaft, hg. von Rolf Fechner


  • Herausgeberschaften
  • Thomas Hobbes of Malmsbury: The elements of law, natural and politic. (1889)
  • Thomas Hobbes: Behemoth, or, The long parliament. (1889)
  • Marquis von Halifax: Charakterbild eines Königs. (Übersetzer und Herausgeber) (1910)
Original von George Savile: A character of King Charles the Second, and political, moral and miscellaneous thoughts and reflections erschienen im Jahr 1750
  • Thomas Hobbes: Naturrecht und allgemeinses Staatsrecht in den Anfangsgründen (Elements of the law natural and politics)
Einführung von Ferdinand Tönnies (1926)

Das Werk in Themen und Thesen[Bearbeiten]

Die Sitte[Bearbeiten]

"Die Sitte" ist eine Niedergangsschilderung.

"Sitte" meint die Gesamtheit der geltenden Normen und Werte wie sie schon immer gegolten haben. Der Ordnung der Natur steht eine eindeutige Ordnung des menschlichen Lebens gegenüber. Die Sitte geht aus einer uralten Gesellschaft hervor. Von einer echten Sitte wird ein starres, treues Muster wiedergegeben. Glückliche Völker verfügen über eine Sitte. Es gelten "Gleichheit", "Einfachheit", "Naivität", "Wärme", "Herzlichkeit" und "heimatliche Grobheit". Legitimiert werden jene Werte durch die Achtung vor dem ungeschriebenen Gesetz. Diesen Werten kommt "Zähmung" zu Hilfe, d.h. die Sitte erfordert Gehorsam. Der Sitte soll jedoch auch ein sozialer Willen entsprechen ("Wesenwille"). Dies ist als freiwillige Motivation zu sehen, dass man sich dem fügt, was unausweichlich ist.

Tönnies betont, dass der Kapitalismus, die Großstadt, die Warenproduktion und die Macht des Geldes, die Herrschaft in der Gesellschaft angetreten haben. Auch den Frauen ist in diesem Schema eine Rolle zugeschrieben, nämlich die der Keuschheit, des Schamgefühls und der Treue.

Die Sitte als Problem geht aus dem historischen Umbruch hervor und ist mit Ratlosigkeit und Anfechtung in seiner Bewertung zu verbinden.


Wesen- und Kürwille[Bearbeiten]

Der Wesenwille ist ein vegetativer, animalischer und mentaler Wille. Seinen Ausdruck findet er in Gefallen, Gewohnheit und Gedächtnis. Es ist ein zweckhaftes Denken nur enthalten. Mittel und Zweck bilden eine unaufhebbare Einheit. Der Wesenswille ist Ausdruck organischer Einheit

Der Kürwille ist ein isoliert-autonomer Wille und findet seinen Ausdruck in Bedacht, Belieben und Begriff. Der Kürwille wird von zweckhaftem Denken dominiert. Die Wahl der Mittel ist rational und bezieht sich auf spezifische Zwecke. Der Kürwille ist Ausdruck mechanischer Einheit.

Beide Willensformen führen zu einer Bejahung Anderer. Ihr Wirkungsfeld - nicht mehr, nicht weniger - ist der Erkenntnisgegenstand der Soziologie. Die entsprechende Verneinung Anderer ist Gegenstand der Sozialbiologie.

Gesellschaft und Gemeinschaft[Bearbeiten]

Gemeinschaft[Bearbeiten]

  • Arten der Verbundenheit: Wesenswille, Gefühlsmotive
  • Beziehungsmuster: Verbundenheit trotz Trennung
  • Lebenskreise: Familie, Dorf, Stadt
  • Normen und Kontrolle: Eintracht, Sitte und Religion
  • Interaktionsrahmen: Lokale Verflechtung und Intensität
  • Art der Einheit: Organisch (von Natur aus)


Gesellschaft[Bearbeiten]

  • Arten der Verbundenheit: Kürwille, Zweckmotive
  • Beziehungsmuster: Trennung trotz Verbundenheit
  • Lebenskreise: Großstadt, Nation, Staat, Welt
  • Normen und Kontrolle: Konvention, Gesetzt und öffentliche Meinung
  • Interaktionsrahmen: Überlokale Verflechtung und Komplexität
  • Art der Einheit: Mechanisch (konstruiert)


Rezeption und Wirkung[Bearbeiten]

Ab etwa 1900 wirkte Ferdinand Tönnies stark auf das späte Kaiserreich und auf die Weimarer Republik, weil durch die Jugendbewegung der Begriff "Gemeinschaft" zur Sprache kam. Jugendliche fühlten sich durch wachsende Städte und streng geführte Gymnasien entfremdet und vermissten Gemeinschaften. Zu dieser Zeit war Tönnies' Gemeinschafts- und Gesellschaftstheorie die einzig verfügbare.


Ferdinand Tönnies hatte direkten Einfluss auf Soziologen wie z.B. Herman Schmalenbach, Max Graf zu Solms, Ewald Boss, Rudolf Herberle, Eduard Georg Jacoby und Werner J. Cahnman.


Talcott Parsons benutzte Tönnies' Gesellschaft-Gemeinschaft-Theorie für seine "Pattern Variables". Rudolf Herberle benutzte Tönnies' Ansatz für seine Studien über Massenbewegungen


Tönnies lebte grundsätzlich in der englischensprachigen (USA, Australien, Neuseeland) und in der japanischen Soziologie stärker weiter als in der deutschen. Gründe dafür sind, dass schon in der Weimarer Republik Max Weber die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte und somit Ferdinand Tönnies' Theorien untergingen. In der nationalsozialistischen Zeit wurde ihm auch keine Anerkennung seines "Geist der Neuzeit" entgegengebracht, da er schon früh öffentlich bekannt gab, dass er ein Gegner Hitlers sei. Er wurde aus der Öffentlichkeit fast gänzlich ausgeschlossen und richtete seine Publikationen eher nach Frankreich und in die Niederlande aus. Auch nach dem zweiten Weltkrieg erlangte er keine oder nur wenig Anerkennung, man schaute über seine Theorien hinweg (René König, Helmut Schelsky). Erst 1956 wurde dem Begründer der deutschen Soziologie durch die Gründung der Ferdinand-Tönnies-Gesellschaft e.V die längst fällige Anerkennung entgegengebracht. Trotzdem wurden seine Theorien erst 1980 wieder relevant und 1982 wurde die Ferdinand Tönnies-Arbeitsstelle an der Universität Hamburg gegründet (seit 2002 an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt). Seine Theorie hatte auf andere wisssenschaftliche Bereiche bedeutende Wirkung, z.B. auf die Ekklesiologie Dietrich Bonhoeffers.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bammé Arno [Hrsg.] (1991):
    " Ferdinand Tönnies: Soziologe aus Oldenswort"
    München, Wien
  • Carstens Uwe (2005):
    "Ferdinand Tönnies. Friese und Weltbürger. Biografie"
    Norderstedt
  • Clausen Lars (2008):
    "Ferdinand Tönnies"
    München

Internetquellen[Bearbeiten]