Suizidprophylaxe

Aus Wikibooks
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Gnome-applications-office.svg

Dieses Buch steht im Regal Psychologie.

Zusammenfassung des Projekts[Bearbeiten]

  • Zielgruppe: Studierende und Angehörige sozialer und medizinischer Berufe.
  • Lernziele: Die Leser werden systematisch mit allen wichtigen Themen vertraut gemacht, die man im helfenden Umgang mit selbsttötungsgefährdeten Menschen braucht. Sie erhalten überdies Anregungen für einschlägige Übungen zur Vorbereitung auf Gespräche mit Suizidalen.
  • Sind Co-Autoren gegenwärtig erwünscht? Nachdem ich fast zwei Jahre aus Zeitgründen nur sehr selten an diesem Buchentwurf gearbeitet habe, habe ich mich entschlossen, die Arbeit in die Hände der Wikipedianer zu legen. Ich habe meine Basistexte einfach in die Gliederung hinein kopiert. Es fehlen die Fußnoten und viele Links. Die Gliederung ist zwar korrekt, aber im Detail sehr unübersichtlich, weil Formatierungen verloren gegangen sind. Es fehlen zwei Skizzen. Dennoch bitte ich jetzt alle, die helfen wollen, sich dieses Buches anzunehmen, es lesbarer zu machen und zu ergänzen. Ich bin gerne bereit auf detaillierte Anfrage hin an einzelnen Stellen zu helfen. Michael.striebel@gmx.at
  • Richtlinien für Co-Autoren: Die Frage der gendergerechten Schreibweise ist ungeklärt.
  • Projektumfang und Abgrenzung zu anderen Wikibooks: Mir ist kein anderes Wikibook bekannt, das sich diesem Thema widmet. Lediglich in Wikipedia gibt es unsystematisch Artikel zu einzelnen Teilbereichen. Diese enthalten keine Handlungsanweisungen, was man tun kann. Wo immer möglich, soll jedoch auf diese Artikel verwiesen werden um Doppelgleisigkeiten zu vermeiden. Die derzeitige Vorlage für dieses Buch liegt bei 47 DIN A4 Seiten.
  • Themenbeschreibung: Siehe Inhaltsverzeichnis
  • Aufbau des Buches: Siehe Inhaltsverzeichnis. Der ursprüngliche Entwurf dieses Buches wurde von 1975 bis 2007 als Unterrichtsskriptum an der Akademie für Sozialarbeit Vorarlberg benutzt.


Inhaltsverzeichnis


Mit Suizidalen umgehen lernen

Krisenintervention bei Suizidalen

Das Umfeld der Selbsttötung[Bearbeiten]

Wenn man sich dem Thema Suizid (Wortbedeutung und Kurzüberblick in Wikipedia) zum ersten Mal beruflich annähert, ist es wichtig, sich ein umfassendes Bild von dieser menschlichen Verhaltensweise zu machen. Um Suizid (= Selbsttötung) nicht als isoliertes Phänomen zu verstehen, sollte man einerseits die Kulturen, in denen die Selbsttötungen stattfinden kennen und andererseits die Verbindungen zu verwandten Bereichen der klinischen Psychologie, der Psychiatrie und der Sozialen Arbeit sehen.

Das kulturelle Umfeld[Bearbeiten]

Historisches[Bearbeiten]

  • Selbsttötung hat es in fast allen Kulturen zu fast allen Zeiten gegeben. Die Gründe, die dazu führten und die Art wie mit Selbsttötung umgegangen wurde, waren allerdings sehr unterschiedlich.
  • Umgang mit Suizidalen (ausgewählte Beispiele aus der Geschichte)
    • In Salzburg wurde zur Zeit Mozarts ein Mensch, der sich umgebracht hatte, mit den Füßen an einen Pferdewagen gebunden und mit dem Gesicht nach unten aus der Stadt geschleift.
    • Lord Byron macht sich in einem der Vorworte zu Don Juan darüber lustig, dass der Suizid eines Adeligen anders bewertet wird, als der eines gewöhnlichen Menschen. Er schreibt über den Marquis von Londonderry, der sich 1822 das Leben nahm: "Über seine Todesart braucht wenig gesagt zu werden. Nur so viel: hätte ein unglücklicher Radikaler, zum Beispiel Waddington oder Watson, sich den Hals abgeschnitten, man hätte ihn eingescharrt mit üblichem Zubehör, Pfahl und Hammer. Aber der Minister war ein eleganter Mondsüchtiger, ein empfindsamer Selbstvernichter - er schnitt sich bloß die 'Carotidialarterie' durch ..., und siehe da! - das Schaugepränge und die Abtei und 'Bangeheulte Schmerzenslaute' in den Tagesblättern und der Totenbeschauer mit seiner Eulogie über dem blutenden Leichnam des Verstorbenen ... und die widerwärtige ruchlose Salbaderei entarteter und verschworener Feinde alles dessen, was ehrlich und ehrenswert ist!" (Byron 1977, S. 223f)
    • Es gab in Mitteleuropa bis ins 20. Jahrhundert "Suizidvorschriften", meist ungeschriebene, aber jedem bekannte Erwartungshaltungen, unter welchen Bedingungen man sich umzubringen hatte. In der K. u. K. Armee war es z.B. üblich, dass sich ein Brückenbauer, dessen Bauwerk (mit Todesfolge für Andere) eingestürzt ist, das Leben nehmen musste. Gleiches galt bei uneinbringlichen Schulden und anderen "Vergehen", bei denen ein Offizier seine eigene Ehre oder die des Kaisers verwirkt hatte.
    • "Suizidvorschriften" gab und gibt es auch in anderen Kulturen (z.B. Seppuku von Samurais). Heute handelt es sich oft "nur noch" um verinnerlichte Verhaltensanweisungen, die früheren offenen kulturellen Regeln entsprechen. Die genannten Gründe für diese Verhaltensweisen sind fast immer der Verlust der Ehre bzw. der "Gesichtsverlust". Wegen der noch zu besprechenden Ähnlichkeiten zwischen suizidalem Verhalten und Fremdtötung sei in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass es auch Kulturen gibt, in denen an Stelle von Selbsttötungen Fremdtötungen, sog. "Ehrenmorde" praktiziert werden.
  • Zeitlich gehäuftes Auftreten von Suiziden (Auswahl)
    • Laut einiger (nicht aller) Quellen, soll es nach der Veröffentlichung des Romans Die Leiden des jungen Werther von J.W. von Goethe so viele Suizide gegeben haben, dass das Buch zeitweise verboten werden musste.
    • In den 1920er Jahren wurden die Lieder Trauriger Sonntag bzw. Einsamer Sonntag verboten, weil sich so viele Menschen deswegen umbrachten. Der gleichnamige Film gibt übrigens die Atmosphäre wieder, die Suizide wahrscheinlicher macht.
    • In kleinerem Umfang kommt gehäufte Selbsttötung immer wieder vor (z.B. September 1991: vier junge Erwachsene bringen sich innerhalb von 10 Tagen in Hörbranz, Vorarlberg um). Es darf vermutet werden, dass gerade für diese Häufungen die Qualität der Berichterstattung in den Medien mit entscheidend ist.
    • Massensuizide
      Es gibt immer wieder Massenselbsttötungen. Dabei kommen in der Regel individuelle Einstellungen und massenpsychologische Phänomene zusammen. Es gibt immer wieder Hinweise darauf, dass ein Teil der Massensuizide in Wirklichkeit Fremdtötungen waren.

Aktuelle globale Suizidtendenzen[Bearbeiten]

Globale Selbsttötung ist eine Analogie zur individuellen Selbsttötung. Sie geht insofern weiter als der einzelne- oder der Massensuizid, als sie den Tod der ganzen Menschheit oder großer Teile davon zum Inhalt hat.
Auch wenn möglicherweise kein direkter Zusammenhang zwischen den nachfolgend genannten Tendenzen und der individuellen Entwicklung zu einem Suizid besteht, ist es wichtig diese Tendenzen zu kennen und seine eigene Einstellung dazu reflektiert zu haben. Suizidale (und übrigens auch Hedonisten) benutzen sie bisweilen als Rechtfertigung für ihr Vorhaben: Das hat doch sowieso alles keinen Sinn mehr! Die Welt geht ohnehin unter. Die Chinesen überrennen sowieso alles. usw.
Es wurde während des Kalten Krieges aufgebaut und ist im wesentlichen noch immer vorhanden. Es ist weiterhin nicht auszuschließen, dass Fehlreaktionen zum Einsatz atomarer Waffen mit verheerender Wirkung führen können.
Der derzeitige Umgang der Weltbevölkerung mit den Ressourcen der Erde führt - wenn es zu keiner Änderung kommt - mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dazu, dass die Erde für Menschen unbewohnbar wird. Die bisherigen Versuche, dieses globale ökologische Ungleichgewicht wieder auszugleichen (z.B. das Kyoto-Protokoll), sind bis jetzt nicht erfolgreich.
  • Aufbau eines weltweiten Konfliktpotentials durch zunehmendes Nord-Süd-Gefälle
Die Unterschiede zwischen den armen und reichen Ländern der Erde wachsen bereits seit Jahrzehnten. Aus diesen massiven sozioökonomischen Ungleichheiten erwachsen (neben massiven Migrationsbewegungen) Konfliktpotentiale, die zu großregionalen militärischen Verteilungskonflikten führen können. In kleinerem Umfang sind solche Konflikte um Rohstoffe, Wasser, Siedlungsraum und fruchtbares Land bereits relativ häufig.

Suizid in Philosophie und Theologie[Bearbeiten]

  • Suizidhandlungen wurden im Laufe der europäischen Geistesgeschichte immer wieder unterschiedlich bewertet. Die meisten Bewertungen waren Vorschriften oder Gebote, die den Suizid ablehnten oder schlicht verboten haben. Dies macht die viel selteneren Befürwortungen von Suizid (gerade auch für Suizidgefährdete, sofern sie sich überhaupt mit so etwas beschäftigen) umso interessanter. Im Folgenden werden einige willkürlich gewählte unterschiedliche Standpunkte kurz zusammengefasst:
    • Einige römische Philosophen z.B. Seneca haben den Suizid als würdigen, weil selbst gewählten Abschied aus dem Leben befürwortet. Seneca selbst musste sich allerdings umbringen. Ausführliche Zitate
    • Bemerkenswert sind Schilderungen von Suiziden bereits in frühen Werken z.B. das Erhängen des Judas (Mt 27, 3ff)
    • Der Kirchenlehrer Augustinus von Hippo war der Meinung, dass Selbsttötung nicht erlaubt sei. Das 5. Gebot (Ex 20, 13) gelte auch gegenüber sich selbst.
    • Im Spätbarock gab es einem deutschen Fürstentum, in dem die Selbsttötung (wie damals allgemein üblich) verboten war, die Ausnahme, dass man den Regenten um Erlaubnis zum Suizid bitten konnte. Wurde die Bitte genehmigt, durfte man sich legal umbringen.
    • Bekannte Befürworter des Suizid im 20. Jahrhundert waren Jean Amery und Jean-Paul Sartre. Sie sahen den Freitod als letzten selbstbestimmten Akt des Menschen an, in dem er seine individuelle Freiheit verwirkliche. In der Fachsprache wären diese Suizide als Bilanzsuizide einzustufen.
    • Demgegenüber betonen Suizidforscher, dass die ganz überwiegende Mehrheit der Menschen, mit denen psychosoziale Helfer zu tun haben, sich weder frei fühlen noch frei sind. Viel mehr fühlen sie sich von der (scheinbaren oder tatsächlichen) Ausweglosigkeit ihrer Lebensumstände getrieben. "Selbstmord ist nicht die letzte Freiheit, sondern im doppelten und damit schlimmsten Sinne des Wortes die letzte Unfreiheit des Menschen " (Ringel 1987, zit. nach Wissen 1994)
    • Seit Beginn des 20. Jahrhunderts setzt sich im Zuge der Verbreitung von Sigmund Freuds Gedankengut allmählich eine Meinungsänderung durch. Suizidale werden nicht mehr als Sünder oder Rechtsbrecher betrachtet, sondern als Kranke eingestuft. Diese Meinung ist auch heute noch vorherrschend und hat die Gesetzgebung vieler Staaten beeinflusst. Übersicht über die Gesetzgebung bzgl. Suizid. Auf dieser geänderten Auffassung basiert im Wesentlichen auch die Forderung nach Hilfestellung durch Fachleute bzw. ein etwaiges Belangen von Fachleuten wegen unterlassener Hilfeleistung.
    • Diese Auffassungsänderung lässt sich am Verhalten der großen Kirchen bei Bestattungsriten nachvollziehen. In Süddeutschland und Westösterreich zumindest wurden noch in den späten 1950er Jahren Suizidale (bzw. deren Angehörige) diskriminiert: z.B. keine öffentliche Beerdigung oder keine Beerdigung durch den Ortspfarrer. Heute erhalten Suizidale die gleichen Sterberituale wie andere Verstorbene auch.
    • Weitere weltanschauliche Standpunkte

Die Verdrängung des realen Todes aus unserer Alltagskultur[Bearbeiten]

  • Umgang mit alten Menschen
    • direkte Abwertung des Alters
    • indirekte Abwertung des Alters durch Verherrlichung der Jugend
  • Umgang mit Sterbenden
    • Tod im Krankenhaus
    • Gegentendenz: Hospizbewegung

Der Kontrast: Der ständig zunehmende medial vermittelte Tod[Bearbeiten]

  • Tod in den Massenmedien
  • Berichterstattung in den Nachrichten, im TV; Film- und Videoproduktion (z.B. Horrorfilme)
  • Lieder über Suizid gibt es grundsätzlich in allen Stilrichtungen. Die Jugendkultur hat in den für sie typischen Ausdrucksformen auch solche depressiver Art. Manche behandeln das Thema Suizid direkt. Ein paar Beispiele:
    • Gruppe INXS: der Hit (1994) Suicide Blonde (Suizidales Mädchen mit blondem Haar)
    • Name einer US-Rockgruppe: Suicidal Tendencies
    • Morak: Suizid
    • The Smith: Asleep
    • The Doors: The End
  • darstellende Kunst: viele Karikaturen
  • Witze usw.

Der gegenwärtige Tod in früheren Kulturen[Bearbeiten]

  • z.B. Totentänze im ausgehenden Mittelalter
  • Barockzeit


Selbsterfahrung[Bearbeiten]

  • Meine eigene Einstellung zum Suizid
  • Habe ich im Beruf oder privat schon einmal erlebt, dass ein Mensch, den ich kannte, sich umgebracht hat? Was habe ich gedacht, gefühlt oder getan?
  • Wie geht es mir, wenn ich erfahre, dass ein Mensch, den ich kenne, sich umbringen will?
  • Wie möchte ich sterben, wenn ich es mir aussuchen könnte

Das psychosoziale Umfeld[Bearbeiten]

Die häufigsten Störungen[Bearbeiten]

  • Depression
    • auf der Gefühlsebene: Trauer statt Wut
    • auf der kognitiven Ebene: die "schwarze Brille"
    • auf der Handlungsebene: gelernte Hilflosigkeit
  • Übermäßige Abhängigkeiten (Sucht)
    • Rauchen

Pro Jahr sterben in den Industriestaaten 1,8 Mio Menschen an den Folgen des Rauchens . Weltweit 500 Mio Menschen, die 1999 rauchen, werden vorzeitig sterben. Wenn die gegenwärtigen Trends anhalten, könnten es im Jahr 2010 10 Mio Menschen jährlich sein. Jährlich sterben in Österreich 13.000 Menschen an den Folgen des Zigarettenkonsums.

  • 1993 entfielen 7% aller Invaliditätspensionen auf Folgen des Alkoholismus

1999 wurden 18,3% der ÖsterreicherInnen als alkoholkrank oder –gefährdet eingeschätzt.

  • Suizid

und deren Gemeinsamkeiten:

  • die Sinnkrise und ?

Die Notausstiege[Bearbeiten]

  • Mord
  • Suizid
  • Verrückt werden

Erklärung der Zusammenhänge durch das 4-Felder-Schema der Grundüberzeugungen über sich selbst und andere Menschen und den dazugehörigen typischen Problemlösungsmustern nach der Transaktionsanalyse .

Die anderen Menschen sind o.k. nicht o.k. Ich bin o.k. 1. Grundposition: sachliche Problemlösung 3. Grundposition: den anderen los-werden (im Extremfall Mord)

Ich bin nicht o.k. 2. Grundposition: Ich bin selbst schuld (im Extremfall Suizid) 4. Grundposition: Alles ist sinnlos (im Extremfall: psychogenes „Ver-rückt“-werden

Kritisch anzumerken ist, dass die „Lebensmittel“ des Menschen nicht ausschließlich in den Beziehungen zu sich selbst und anderen Menschen bestehen müssen. Siehe dazu 4.1.1 (die vier Bereiche, in denen sich Sinn verwirklicht). Da nicht wenige Menschen öfters zwischen der 2. und 3. Grundposition wechseln, wird verständlich, wieso Mord und Selbstmord so häu-fig gemeinsam vorkommen. Viele Suizidale überlegen bis zuletzt, ob sie sich, den/die ande-ren oder alle umbringen sollen. Vgl. dazu auch die Bedeutung der Aggressionsrichtungen (2.1.2).

Selbsterfahrung: Unter welchen (extremen) Bedingungen könnte ich mir vorstellen, dass ich einen dieser Not-ausstiege benützen würde? Welchen? Kenne ich das dazugehörige Problemlösungsmuster auch aus andern eigenen Handlungen?

Vereinsamung als Problem[Bearbeiten]

Unterscheide

  • selbst gewählte Einsamkeit als bewusster, meist zeitlich befristeter Rückzug
  • unfreiwillige Einsamkeit z.B. wegen der Unfähigkeit, Beziehungen zu gestalten und/oder wegen des zahlenmäßigen Rückgangs der Beziehungen im Alter.
  • Diese Art von Einsamkeit ist wahrscheinlich auch eine Spätfolge des starken individualistischen Menschenbildes in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts (zB alleine wohnen wollen, Kleinfamilie, unvollständige Familien).
  • Unfreiwillige Einsamkeit verschärft viele andere Problemlagen.

Problembeschreibung, Diagnostik und Ursachen[Bearbeiten]

Beschreibung[Bearbeiten]

Die jedem Menschen innewohnende Tendenz zu leben und zu sterben[Bearbeiten]

Hiermit ist nicht eine genetische Anlage zum Suizid gemeint, wie sie der Grazer Mediziner Bernhard Mitterauer für ca. 50% der Menschen postuliert . Eine solche Anlage gibt es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht. Vielmehr soll daran erinnert werden, dass jedes biologische System nicht nur eine Tendenz zu wachsen, sondern auch eine Begrenzung seiner Lebenszeit von Anfang an enkodiert hat. Man könnte über Suizidale nachdenken als Menschen, die ein biologisches Programm vorzeitig realisieren. Vgl. dagegen Kinder oder Jugendliche, die vorzeitig erwachsen werden wollen/müssen.

Selbsterfahrungsübung
  • Wo gab/gibt es suizidale Tendenzen in meinem eigenen Leben?
  • Was hat mich damals am Leben erhalten?
Austausch
  • Gibt es typische Zeiten in der menschlichen Entwicklung, in der solche Gedanken gehäuft auftreten?

Vier häufige Themen in Gesprächen mit Suizidalen[Bearbeiten]

Aggression und Autoaggression

Die Aufmerksamkeit der Helferin muss sich vor allem darauf konzentrieren, in welche Richtung (nach innen gegen die eigene Person bzw. nach außen gegenüber einem frustrierenden Ereignis oder einer Person) die Aggressionen gehen. Im all-gemeinen gilt, dass je eher die Aggression nach außen zu jener Ursache zurück ge-bracht werden kann, aus der sie entstanden ist, desto unwahrscheinlicher ist eine Suizidgefährdung. Je mehr die Aggressionsrichtung einer Klientin nach innen ge-gen sich selbst gerichtet ist, desto wahrscheinlicher ist eine Suizidhandlung. Ver-gleiche dazu die Ausführungen über die Notausstiege (S. 8) und die Bemerkungen zum präsuizidalen Syndrom (S. 22) . Einschränkend zur oben genannten Grundregel ist zu erwähnen, dass bei schizo-phrenen Patientinnen auch gehäufte Aggressionen vorkommen, wenn sie sich in ei-nem akut-psychotischen Zustand befinden . Außerdem ist nochmals auf das Wechselspiel zwischen 2. und 3. Grundhaltung (Notausstiege S. 8) hinzuweisen.

Appell an die Anderen
  • Bei 48 % der Suizidanten wurde die vorherige Ankündigung nicht beachte.
  • Bei Jugendlichen ist der Appellcharakter besonders stark.
Flucht bzw. Zäsur , Pause
  • Bei Kindern und Jugendlichen ist daher das Weglaufen beachten!
  • Je eines dieser Themen kann im Vordergrund stehen. Bei Zäsur oft nur der Wunsch nach Pau-se, Schlaf, Abheben , Aussteigen.


Problembeschreibung nach Orbach[Bearbeiten]

Lebensanziehung Todesanziehung
Lebensabwehr Todesabwehr

Normal ist das relative Gleichgewicht dieser Kräfte. Bei Suizidalen ist es gestört. Bei starker Todesanziehung werden Impulshandlungen (besonders bei Kindern) wahrscheinlicher. Man kann versuchen, dies durch projektive Testverfahren abzuschätzen.


Schuldzuschreibungen bei Suizidalen[Bearbeiten]

Fallbeispiel für eine Selbstattribution: Der sterbenskranke Bruder. Selbstverständlich sind auch Fremdzuschreibungen denkbar.

Kenntnisse über den Verlauf von Krisen[Bearbeiten]

In allen Stadien des Umgangs mit Suizidalen und deren Angehörigen ist die Kenntnis typi-scher Krisenphasen sehr wichtig. Je nachdem, in welcher Phase sich eine Klientin befindet, muss sehr unterschiedlich mit ihr umgegangen werden.

In der Fachliteratur wird den unterschiedlichen Krisenverläufen teilweise sehr breiter Raum eingeräumt. Andererseits hat man den Eindruck, dass es sich bei diesen Unterteilungen im-mer wieder um Varianten der vier Phasen handelt, die Spiegel bereits 1973 als Verlauf von Trauer beschrieben hat:

  1. Schock
  2. Rebellion
  3. Zusammenbruch
  4. Reorganisation


Statistik[Bearbeiten]

Es ist bemerkenswert, dass Drogentote nicht bei diesen Statistiken mitgezählt werden. Es handle sich dabei um keine klassischen Suizide.

Allgemein unterliegen die statistischen Angaben über Suizide relativ starken jährlichen Schwankungen. Es ist daher grundsätzlich Vorsicht bei der Interpretation kurzfristiger Trends geboten. Es spricht einiges dafür, dass die Suizidraten einem langjährigen wellenför-migen Trend um einen Mittelwert folgen.

international: Österreich rangierte 1997 mit 32,9 Suiziden pro 100.000 Einwoh-nern nach Finnland (41,8) an Platz 2 der EU-Staaten. Der EU-Durchschnitt lag bei 18,3. Positives Schlusslicht war Griechenland mit 5,5. Die Frauenquote lag in Ös-terreich mit 9,2 ebenfalls deutlich über dem EU-Durchschnitt.
national
In den letzten Jahren hat Vorarlberg seine Spitzenposition, die es einmal innerhalb von Österreich bei bestimmten Altersgruppen inne hatte, verloren.
eigenes Bundesland
Wie sieht die Datenerfassung in dem Bundesland aus, in dem Sie arbeiten? Bis heute gibt es nicht in allen Bundesländern ein Suizidregister wie in Vorarlberg. Daher sind Vergleiche nur sehr grob möglich.
z.B. Vorarlberg
Seit 1988 wird vom Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin in Bregenz ein Suizidregister geführt. Die Berichte werden jährlich veröffentlicht und enthalten internationale Vergleiche sowie ausführliche statistische Daten.

Bisheriger Höchststand 1985 (80 Tote) (im gleichen Jahr 46 Verkehrstote). Besonders gefährdet sind 26-45 Jährige.

Vermutete Gründe
  • hoher beruflicher Stress (schlechte Berufsaussichten?)
  • sozialer Leistungsdruck (Partnerproblematik?)
  • Selbstwertgefühl aus Leistung bezogen
  • endogen depressive (besonders Frauen betroffen)
  • überraschend wenig alte Menschen
  • verheiratete Menschen sind im gleichen Maß betroffen wie nicht verheiratete
  • häufig ist die letzte Kontaktperson der/die EhepartnerIn
Zahlen in Vorarlberg 
  • 1970: 41 Suizide (Beginn der Zählung)
  • niedrigster Wert 1971: 27 Suizide
  • höchster Wert 1985: 81 Suizide
  • Durchschnitt der Jahre 1997-2001: 50,8 Suizide.

Die Suizide haben also gegen-über den achtziger Jahren abgenommen. (Ein Trend der in allen deutschsprachi-gen Ländern, nicht aber international zu beobachten ist. )

regionale Unterschiede

z.B. 1985 besonders häufig im Montafon und in der Arlbergregion (überforcier-ter Tourismus?); seit 1988 wieder stark rückgängig. [Fragwürdigkeit von Trends bei kleinen Stichproben!] besonders wenig im großen Walsertal (1979 - 1986)unter den türkischen MigrantInnen, die ca. 10% der Bevölkerung ausmachen, sind bis 1990 keine Suizide bekannt geworden. Es darf vermutet werden, dass kulturelle Gründe dafür ausschlag-gebend sind, dass Suizide verheimlicht wurden. Inzwischen sind auch Suizide bei dieser Bevölkerungsgruppe bekannt.

z. B. Tirol

Verzeichnete in den Jahren vor 1987 die stärkste Zunahme in allen Bundeslän-dern.

Häufigkeit verteilt nach
  • Geschlecht (Schwankungen zwischen 2:1 und 4:1 männlich:weiblich)
  • Saisonale Gipfel im März und November (parallel zu den endogenen Depressi-onen)
  • Alter
  • Suizidformen

Siehe auch Probleme der Suizidforschung allgemein

Suizidankündigungen[Bearbeiten]

Viele Menschen kündigen den Suizid oder andere „Notausstiege“ (siehe S. 8) an. Dabei ist es beim ersten Zuhören nicht klar, ob es sich tatsächlich um eine solche Ankündigung oder nur um eine (oft lokale) Redensart handelt. In jedem Fall wird man sich Klarheit verschaffen müssen, indem man bei der betreffenden Person nachfragt. Nachfolgend einige Beispiele für solche Redenarten, die sich auch als Notausstiegsankündigungen eignen.

  • Mir wäre es egal, wenn hier eine Bombe einschlagen würde.
  • Ab nächste Woche wirst du mich hier nicht mehr wieder sehen.
  • Zur Zeit ist mir alles zu viel.
  • Ich pack’s nicht mehr.
  • Ich wünsche, ich wäre nicht geboren.
  • Es wäre mir egal, wenn ich in einen Baum fahren würde.
  • Das hier ist nicht mehr lebenswert.
  • Irgendwann werde ich Amoklaufen.
  • Ich könnte den umbringen.
  • Mich scheißt die ganze Welt an.
  • Das macht mich verrückt/wahnsinnig.
  • Ich glaub’, ich dreh’ durch.
  • Ich werd’ verrückt und zieh auf’s Land.

Exkurs: Das Aggressionskontinuum[Bearbeiten]

Zur Frage, welchen Umgang mit Aggression wir erlernt haben bzw. lernen sollen

1) NICHT WAHRNEHMEN Aggression als Gefühl (= Wut, Ärger etc.) oder Handlung wird bei sich (manchmal auch bei anderen) nicht wahrgenommen: Klient: „Ich bin nie wütend!" „Bei uns in der Familie wird nie gestritten!“. Solche massiven Verdrängungen sind eher selten, kommen aber z.B. bei Personen vor, die in der Kindheit schwer misshandelt wurden. 2) Das Gefühl wahrnehmen, ihm aber KEINE BEDEUTUNG BEIMESSEN Folgen: subjektiv kein Aggressionsstau, keine Aggressionsäußerung 3) Das Gefühl wahrnehmen und für wichtig erachten, ABER KEINE MÖGLICHKEIT SEHEN, ENTSPRECHEND SINNVOLL ZU HANDELN Folgen: Aggressionsstau und Leidensdruck 4) Das Gefühl wahrnehmen, für wichtig erachten und es UNKONTROLLIERT AUSDRÜCKEN KÖNNEN Folgen: (zumindest im Meso- und Makrobereich) Schwierigkeiten in Beziehungen 5) Eigene Aggression wahrnehmen, für wichtig erachten, ALS GEFÜHL (Mimik und Ges-tik) AUSDRÜCKEN KÖNNEN UND UNKONTROLLIERT HANDELN KÖNNEN Folgen: wie bei 4); Gewaltanwendung wahrscheinlich 6) Eigene Aggression wahrnehmen, für wichtig erachten, KONTROLLIERT ALS GEFÜHL AUSDRÜCKEN UND/ODER KONTROLLIERT HANDELN KÖNNEN z.B. ruhig und sachlich über die eigene Wut oder den eigenen Ärger sprechen z.B. überlegt indirekte Handlungen setzen können Folgen: effektive Gestaltung von Beziehungen (vor allem im Mesobereich) möglich; Gewaltfreies Handeln möglich. 7) Eigene Aggression wahrnehmen und SUBLIMIEREN (= Umsetzen auf einer höheren Ebene) z.B. Ärger als Folge einer übermäßigen Bindung an "Irdisches" einschätzen und belä-cheln können (Stoiker, Buddhismus). ANMERKUNGEN:  Jede neue Stufe verlangt noch mehr Selbstsicherheit. Der Aufbau einer umfassenden Selbstsicherheit ist notwendige Voraussetzung für ge-waltfreies Handeln.  Es ist eine Illusion, von Stufe 2 auf Stufe 7 springen zu können. In der psychischen Ent-wicklung gibt es (wie in der körperlichen) keine gesunden "Abkürzungen".  Es gibt immer wieder "Rückfälle" auf frühere Stufen.  In den Stufen 3 bis 6 wird Aggression besonders ernst genommen, in den anderen nicht.

[Exkurs Ende]

Ursachen[Bearbeiten]

Risikogruppen[Bearbeiten]

Zum Verständnis der Ursachen ist eine Kenntnis der Risikogruppen besonders wichtig Besonders gefährdet sind

  • Alte (und vereinsamte) Menschen
  • Kranke, besonders chronisch kranke Menschen (s. Fußnote zu "Alte Menschen")
  • Suchtkranke: Alkoholkranke (letztere besonders nach dem Rausch), Medika-mentenabhängige
  • Psychisch Kranke z.B. endogen depressive (besonders wenn die Krankheit zu Isolierung und sozialem Abstieg führt)
  • Menschen, die plötzlich aus ihrer bisherigen Ordnung gerissen wurden z.B.
    • nach einem schweren Unfall in alkoholisiertem Zustand
    • Untersuchungshäftlinge
    • nach Mitteilung einer schweren Diagnose (z.B. Krebs) (s. Fußnote zu "Alte Menschen")
  • Menschen ohne Sinn und Ziel
    • Menschen, die bereits einen Suizidversuch durchgeführt haben
    • Menschen, die einen Suizid ankündigen
    • Rassisch, religiös oder politisch Verfolgte
    • Flüchtlinge
    • Landflüchtige
    • Delinquente
      In Justizvollzugsanstalten (vermutlich nicht nur) in Österreich gibt es überdurchschnittlich viele Suizidversuche (siehe auch oben „Untersuchungshäftlinge“)
    • Menschen in Ehe- und Liebeskrisen
    • Menschen aus Familien im Umbruch: Scheidung, Pensionierung, Auszug der Kinder (bei 66 % nach HALLER und LINGG 1987)
    • Menschen in schwerem sozialem Notstand
    • Arbeitslose
  • Junge Menschen (besonders bei strengem Elternhaus)
  • Angehörige von Suizidalen
    • Menschen, die Verwandte ersten und zweiten Grades mit psychischen Erkrankungen haben (75 % nach HALLER und LINGG 1987)

relativ neue Gruppen: Geschiedene, Arbeitslose und Aidskranke.

Es gibt auch immer wieder Untersuchungen über die Selbsttötungshäufigkeiten einzelner Berufsgruppen z. B. Polizisten (Hartwig 1998), Wehrpflichtige (Preuschoff 1992), Ärzte (Bämayr 1984).

Besonderheiten bei Kindern und Jugendlichen[Bearbeiten]

Im wesentlichen gilt alles, was für die Erwachsenen auch gilt: z. B. (nach Jochmus und Förster, 1983) das präsuizidale Syndrom (siehe Das präsuizidale Syndrom nach RINGEL (1974))

Vorstellungen vom Tod[Bearbeiten]

Bei Kindern bis zum 4. Lebensjahr keine genaue Vorstellung vom Tod.

  • Ab 5 Jahren sind physische Aspekte z. B. Bewegungsunfähigkeit bewusst.
  • Ab 6 Jahren: Emotionen: Beunruhigung bei drohendem Tod von Angehörigen, Neugier hin-sichtlich Todesursachen und Unsterblichkeitsideen
  • Ab 8 Jahren Fragen: Was geschieht nach dem Tod? Akzeptieren von Tod als Ende von allem Lebendigen.
  • Ab 11 Jahren theoretische und philosophische Fragen. Gespräche über Verstorbene.
Impulshandlungen[Bearbeiten]

sind relativ häufiger als bei Erwachsenen. 61% der Fälle nach Jochmus und Förster (1983)

Häufigkeit[Bearbeiten]

• Bei den Suizidhandlungen ist das Verhältnis Kinder zu Jugendlichen ist ca. 1:10 • Versuche werden 5 - 10 mal so viel geschätzt. Besonders bei Jugendlichen nimmt man auch das 40fache an (Wissen 1994, S 229) • Bis 1985 hat die Zahl zugenommen, seither nimmt sie etwas ab. Vermutet werden politische Ursachen Ende der "No-Future-Generation" oder anhaltende Hochkon-junktur (Wissen 1994 S.229) bis ca 1992. Man muss allerdings auch sehen, dass sich in der gleichen Zeit die Zahl er Drogentoten drastisch erhöht hat. Es stellt sich daher die Frage, ob es sich nicht nur eine Verschiebung von Todesarten handelt. 2.3.2.4 Formen • Auch bei Jugendlichen neigen die männlichen zu eher harten Methoden: Waffen, Sprung aus großer Höhe, Erhängen, Verkehrsunfälle (Wissen 1994). Dies gilt be-sonders für sehr autoaggressive, stark eingeengte und psychotische Jugendliche. • Bei Frauen/ Mädchen herrschen eher die "weichen" Suizidformen: Schlaftabletten, Beruhigungsmittel, Psychopharmaka vor. 2.3.2.5 Ursachen bei Jugendlichen • Geringes Selbstwertgefühl verstärkt durch Stimmungsschwankungen und Probier- phase • Sehr hohe Anspruchshaltung an sich selbst zB bezüglich des anzustrebenden Be-rufs. Oft in deutlicher Diskrepanz zur tatsächlichen Leistungsfähigkeit • bei 69% schwere Konflikte zwischen den Eltern (nach Bernhard Bron, zit. nach Wissen 1994). Loyalitätskonflikte bei der Scheidung sind besonders häufig. Diese werden verstärkt durch Schuldgefühle wegen Versagens (nicht aufhalten können der Scheidung oder unangepasstes Verhalten). Ebenso genügt manchmal der dro-hende Verlust einer geliebten Person. • schwere Konflikte mit den Eltern (insbesondere strenge Väter und verwöhnende Mütter) mit daraus folgender Entfremdung von diesen und anschließendem Teu-felskreis • nach Ringel (1987 zit. nach Wissen 1994) • zu wenig Liebe, • zu possessive (besitzergreifende) Liebe und • Kampf der Eltern um das Kind • sexuelle Konflikte • Chronische Beziehungsstörungen häufig schon seit der (frühen) Kindheit (Verein-samung) Auflösung aller bedeutenden Beziehungen (nach Jacobs 1974) • mehrfach überstandene Suizidversuche (bei 45%) • depressive Krankheiten, die sich untypisch als Verhaltensstörungen äußern können • Leistungsdruck in der Schule oder im Beruf (Koppelung von Leistung und Selbst-wert) • Fortschreitendes Versagen der verfügbaren Problemlösungsfähigkeiten (nach Ja-cobs 1974) • Unfähigkeit, die Lebensumstände wirksam beeinflussen zu können. Eine existentielle Überforderung, Schwinden von Wahlmöglichkeiten, Einen-gung (vgl. "gelernte Hilflosigkeit" (Seligman) bzw • Das Konzept des "Unlösbaren Problems" (Orbach): Das Problem liegt außerhalb der Reichweite kindlicher Möglichkeiten. Die Folge: Suizidversuche als Appell zB, sich nicht scheiden zu lassen, evtl stellvertretend für einen Elternteil, mit dem das Kind symbiotisch verbun-den ist. • Beschneidung der Fähigkeiten des Kindes durch die Eltern mit Drohungen Züchtigungen usw. • Anwenden von Lösungen, die neue Probleme schaffen. • Langdauernde und dabei eskalierende Problemgeschichte (nach Jacobs 1974) • Der letzter Auslöser ist oft eher banal und unverständlich (weniger gute Note als erwartet, konkretes Verbot der Eltern, akute Meinungsverschiedenheit mit den El-tern usw). Notwendig ist hierfür noch eine innere Rechtfertigung; diese bildet zu-sammen mit einem Auslöser häufig den "Tropfen, der das Fass überlaufen lässt" (nach Jacobs 1974). • Jugendliche in Loyalitätskrisen (zB zwischen Herkunftsfamilie und Peer-Gruppe). • Insbesondere weibliche Jugendliche mit interkultureller Problematik (Ein-wandrerinnen der zweiten und dritten Generation und • Angehörige rigider Sekten (Wissen 1994) • Allgemeine Zielunsicherheit • Lebensangst • Drogenabhängige und jugendliche Alkoholiker (Wissen 1994) • Etwa 25 % haben den Suizid eines Elternteils erlebt (Wissen 1994). (Hieraus ergibt sich eine wichtige vorbeugende Aufgabe: siehe Abschnitt 4.4 Seite 34.) • Drohender Verlust von geliebten Personen aufgrund fortschreitender Krankheit mit tödlichem Ausgang. • Wunsch nach Wiedervereinigung mit geliebter Person (mit und ohne Einsicht in die realen Zusammenhänge) (Nissen 1986). Vorstellung vom Tod als altem Mann auf dessen Schoß man sitzt und Süßigkeiten bekommt. Leben unter besseren Be-dingungen (Wissen 1994). • Appell an die Mitwelt und/oder Manipulationsversuch der Mitwelt (zB elterliche Trennung oder Fremdunterbringung zu verhindern suchen) (Nissen 1986) • Rache (Nissen 1986) (siehe Grundentscheidungen nach Goulding Seite 22) • gegen sich selbst gerichtete Aggressivität • sonstige allgemeine Verhaltensauffälligkeiten (zB Trauer, gekränkt sein, häufig Tränen, Schlafstörungen, Veränderungen im Essverhalten, Müdigkeit, Konzentrati-onsstörungen) sind sehr häufig (Nissen 1986) • selten (4%): beginnende, meist noch unspezifische psychotische Störungen (nach Jochmus und Förster 1983) • Auffälliges Verhalten zB : Weglaufen, Schule schwänzen (vgl. Seite 10) Flucht-Thema) (Hömmen zitiert nach Wissen 1994) • Körperliche Auffälligkeiten: Veränderung der Eßgewohnheiten zB Bulimie, Mig-räne, Schlaflosigkeit, Lust- und Interesselosigkeit, Ausdruckslosigkeit in Mimik und Gestik (Hömmen zitiert nach Wissen 1994). Nach Löchel auch Kopfweh, Erbrechen und Bauchschmerzen • Körperliche Behinderung • Die Frage, ob es eine typisch suizidale Persönlichkeitsstruktur gibt wird verschie-den beantwortet. Siehe Wissen (1994) • Verbale Äußerungen: "Da geb' ich mir doch gleich die Kugel"; "Ich besuche die Oma" [die seit einem Jahr tot ist]; "Da kannst du dich ja gleich umbringen!" uva • Symbolische Äußerungen: schwarze Kreuze, Grabhügel, eigene Todesinschriften (Hömmen zitiert nach Wissen 1994) [Grufties??] • Seit Ende der neunziger Jahre sind parallel zur neuen Kommunikationsform Inter-net auch entsprechende Aktivitäten zu beobachten: Anleitungen zum Suizid, aus-führliche Tagebücher, Suizidankündigungen, Chatrooms, Verabredung von ge-meinsamem Suizid usw. Andererseits sind auch Online-Beratungsdienste entstan-den (vgl. dazu Seite 46). • Schriftliche Äußerungen, wie der testamentarische Nachlass zu verwalten sei, Ab-schiedsbriefe (Hömmen zitiert nach Wissen 1994) • Gedankliche Äußerungen wie das Recht auf Freitod, Diskussionen über den Wert und Sinn des Lebens. (Hömmen zit. nach Wissen 1994) • praktische Schritte zur Verwirklichung des Tods (Tabletten im Schreibtisch) • Familiendynamik: • nach Hömmen (zit. nach Wissen 1994)  Selbsttötungstradition  Trennungsfamilien  Gewaltfamilien  Geheimnisfamilien • nach Orbach (1990):  Die Viel-Problemfamilie: Folge Vernachlässigung. "Ich werde nicht beachtet und bin wertlos"  Familien mit der tödlichen Botschaft. "Ich werde abgelehnt und bin wert-los".  Familie mit zerstörender Symbiose. Fehlen von Empathie und Wärme. Starke Abschottung nach außen. Starke Trennungsängste. "Ich werde verwirrt und bin wertlos." • Suizidale sind praktisch immer mehrfach belastet • Am beeindruckendsten ist die starke Relativierung des Wertes "Leben", der von den meisten nicht suizidalen Menschen als der höchste angesehen wird. Verständli-cherweise ist daher in vielen Psychotherapien die „Überlebens-Neu-Entscheidung“ das wichtigste Therapieziel (vgl. dazu die zu Seite 28 gehörende Skizze). • Die Ausweglosigkeit (das Gefühl in einem Tunnel zu sein, in dem es nur noch ei-nen Ausgang, den Tod gibt) ist das auffallendste Symptom.

2.3.3 Spezielle Hypothesen einzelner Therapierichtungen

vgl. Angermann (1981)

2.3.4 Exkurs: Sinn

Im Zusammenhang mit Suizidverhütung wird sehr häufig das Wort „Sinn“ verwendet. „Sinn-los“ ist dabei fast zu einem Synonym für „nicht lebenswert“ geworden. Gerade im Zusam-menhang mit der im nächsten Kapitel erwähnten „schwarzen Brille“ ist es wichtig, sich vor Augen zu halten, dass die Konstruktion von „Sinn“ resp. „Sinnlosigkeit“ eine überwiegend individuelle kognitive Leistung eines Individuums ist.

Sie erfolgt vereinfacht gesagt im Wesentlichen dadurch, dass ein Mensch auf sein Leben zu-rückschauend angenehme oder unangenehme Situationen als (Un-)Sinn-Kette miteinander verbindet. Entscheidend ist dabei, dass in aller Regel die aus dem sehr plastischen Gedächtnis erfolgende Auswahl der Ereignisse höchst willkürlich ist. „Mein Leben ist sinnvoll – oder sinnlos“ ist daher das sehr hinterfragbare Ergebnis eines solchen urteilenden Vorgangs. Für die Gesprächsführung kann man dies vor allem bei länger dauernden Kontakten mit KlientIn-nen nützen indem man Sinnlosigkeitskonstruktionen hinterfragt.

[Exkurs Ende]

Spezielle Diagnostik[Bearbeiten]

Es gibt eine ganze Reihe von diagnostischen Schemata. Eines der bekanntesten soll hier näher besprochen werden.

Das präsuizidale Syndrom nach RINGEL (1974)[Bearbeiten]

Zunehmende Einengung[Bearbeiten]
  • Einengung der persönlichen Möglichkeiten (situative Einengung)
    • als Folge von schicksalhaftem Unglück (z.B. Krankheit, Todesfall)
    • als Folge eigener Verhaltensweisen (z.B. Unfall verursachen)
  • Einengung der Wahrnehmung, der Verarbeitung von (äußeren und inneren) Reizen und der Gefühle (dynamische Einengung)
    • "schwarze Brille", Pessimismus, depressives Verhalten
    • als persönliche Einbildung (Überbewertung einer bestimmten Situation)
  • Einengung der zwischenmenschlichen Beziehungen
    • als totale Isolierung (alte Menschen)
    • zahlenmäßiger Rückgang zwischenmenschlicher Beziehungen, bis man sich schließlich an eine einzige Person anklammert, von der man dann Leben und Tod abhängig macht.
    • als Entwertung vorhandener Beziehungen durch Verlust der echten Verbundenheit sowie ihre mangelhafte, oft sogar fehlende Gestaltungs- und Formungsfähigkeit.
  • Einengung der Wertwelt
    • mangelnde Beziehung zu Werten, Entwertung vieler Lebensgebiete. Durch mangelnden Sinn kommt es zu zunehmender Interesselosigkeit, Gleichgültigkeit, "Verdünnung" des Lebens, Langeweile.
    • mangelhafte praktische Wertverwirklichung
    • Überhandnehmen subjektiver Wertungen, die mit der Allgemeinheit nicht mehr in Übereinstimmung stehen (Außenseitersituation)
Aggressionsstau und Aggressionsumkehr[Bearbeiten]

Fehlende Aggressionsabfuhr nach "außen" (insbesondere kein offener Ärger und keine offene Wut gegenüber denen, die diese Gefühle auslösen) und daraus folgend die Wendung der Ag-gression gegen die eigene Person.

Selbsttötungsphantasien[Bearbeiten]
  1. die Vorstellung, tot zu sein
  2. die Vorstellung, Hand an sich zu legen
  3. konkrete Pläne zur Durchführung des aktiven oder passiven Suizides
  4. passiv sich aufdrängende Suizidgedanken

Die Punkte 1 bis 4 bedeuten eine zunehmende Gefährdung!

Die drei verschiedenen Bausteine Einengung, Aggressionsstau und Phantasien können sich gegenseitig verstärken, wodurch eine Art Teufelskreis (Spirale nach unten) entsteht:

  • So vermindert z.B. die Isolierung die Möglichkeiten der Aggressionsentladung und erhöht die Angst.
  • Die Einengung der Gedanken- und Gefühlswelt in die depressive Richtung fördert Suizid-phantasien.
  • Das Überhandnehmen von Suizidvorstellungen kann wieder Angst auslösen und eine beste-hende dynamische Einengung kann besonders leicht das Gefühl vermitteln, es sei auch eine situative Einengung.

Grundentscheidungen von Suizidalen nach GOULDING[Bearbeiten]

  • Wenn alles schief geht, bring ich mich um.
  • Wenn Du Dich nicht änderst, bring ich mich um.
  • Ich bring mich um, dann wird's Dir leid tun (oder: dann wirst Du mich endlich lieben).
  • Ich sterbe beinahe, dann wird's Dir leid tun (oder: dann wirst Du mich endlich lie-ben).
  • Ich bring Dich noch so weit, dass Du mich endlich umbringst.
  • Ich zeig's Dir, selbst wenn ich dabei draufgehe.
  • Ich krieg Dich (geb's Dir) schon noch, selbst wenn ich dabei draufgehe.

Übungen: Erkennen und Einschätzen von Gefährdungen[Bearbeiten]

anhand von

  • Tonbandaufzeichnungen
  • Verbatims
  • Droh- oder Abschiedsbriefen (z. B. Stefan Zweig [1881-1942] an seine erste Frau)

Verlauf[Bearbeiten]

Typische Phasen einer suizidalen Entwicklung[Bearbeiten]

[hier fehlt eine Skizze]

  • Einstiegsphase: Erwägung von Suizid als Option. Dem/der Suizidalen geht es zunehmend schlecht.
  • Entscheidungsphase: ambivalentes Abwägen, starke Schwankungen in der Befindlichkeit
  • Nach der getroffenen Entscheidung: paradoxe Beruhigung, oft äußerliche und/oder innerliche Ruhe

Besonders deutlich bei Jugendlichen (Wissen, 1994)

Beispiel 1: "Ich schicke Dir diese Zeilen in den letzten Stunden, Du kannst Dir nicht vorstellen, wie froh ich mich fühle, seit ich diesen Entschluss gefasst habe:"

Beispiel 2: Amokläufer (Vorarlberger Nachrichten)

Folgen nicht grundlegend behandelter Suizidalität[Bearbeiten]

Im wesentlichen muss man damit rechnen, dass eine nicht behandelte Suizidalität jederzeit wieder aufbrechen kann. Am ehesten erfolgt das nach der Grundentscheidung "Wenn es mir allzu schlecht geht, kann ich mich ja immer noch umbringen."

Suizidprophylaxe im engeren Sinne[Bearbeiten]

Primäre Prophylaxe: Gestaltung einer lebenswerten Welt[Bearbeiten]

Die Mikroebene: Bausteine einer Selbst- und Fremderziehung, die Suizidrisiko mindern[Bearbeiten]

  • konstruktiver Umgang mit Ärger und Trauer, aber auch mit den übrigen Grundge-fühlen (Angst, vor allem mit Freude, abgeschwächt mit Ekel und Überraschung)
  • angemessene Bedürfnisbefriedigung
  • Helfen, die Balance zu finden zwischen Selbständigkeit (vor allem in der Problem-lösung) auf der einen und Sich-Helfen-Lassen, wenn es nicht mehr geht, auf der anderen Seite.
  • Schaffung von Urvertrauen als wichtige Voraussetzung für die Sinnfindung
  • Erweiterung der Kompetenzen in den vier Bereichen, in denen sich Sinn verwirklicht :
    • Eine konstruktive Weltanschauung, Religion, Kunst und/oder andere geis-tige Güter, die das Verhältnis des Individuums zur Mitwelt abbilden. Das wesentliche Kriterium ist, ob sie mehr seelische Energie liefern als sie fordern.
      Einige typische Aussagen:
      • Ich bin l(i)ebenswert! Ich bin o.k., du bist o.k.! Ich werde geliebt.
      • Ich lasse mich lieben. Das füllt mich total aus. Das ist mein Ein und Alles.
    • Der liebevolle Umgang mit sich selbst
      Sich selbst zu lieben, heißt in erster Linie, sich so zu sehen und zu akzeptieren, wie man ist, nicht wie man sein möchte oder andere einen haben möchten
    • Beziehungen: Austausch mit anderen Menschen
      • Sich lieben lassen können.
      • Andere lieben dürfen/können.
    • Umgang mit materiellen Gütern:

mit der belebten (und vermeintlich unbelebten) Natur

Prävention bei Jugendlichen (nach Faust und Wolfersdorf 1984 S. 96f) aus einer Befragung von 18-21jährigen:

  • Jungen Menschen klar machen, dass viele anderen Jugendlichen die glei-chen Probleme haben. Sie sind mit diesem Problem nicht allein.
  • Das Selbstwertgefühl festigen.
  • Sie müssen wissen, dass sie gebraucht werden und dass es wichtig ist, dass sie da sind.
  • Halt geben in Jugendgruppen.
  • Die Eltern dürfen die Sorgen der Kinder nicht als banal einstufen, was sie oft tun, wenn sie sie mit den ihren vergleichen.
  • Frühzeitig einen Freundeskreis aufbauen. Kinder müssen Freunde mit nach Hause nehmen dürfen.
  • Eltern sollten auch ihre Probleme mit den Kindern besprechen.
  • Eltern müssen Zeit zum Zuhören haben.
  • Besonders depressive Jugendliche brauchen viel Zeit. Eine Ferienreise al-lein genügt nicht.
  • Sexualaufklärung ist notwendig, wobei neben Anatomie und Biologie das Gefühl nicht zu kurz kommen darf.
  • Allgemein: sich nicht erst dann für den andren interessieren, wenn er sich umgebracht hat.

Die Mesoebene[Bearbeiten]

  • Allgemeine Bildungsarbeit:
    • Vorsichtsmaßnahmen bei Veranstaltungen über Suizid (Wo befinden sich die nächstgelegenen Beratungsdienste?)
    • Selbstsicherheit aufbauen
    • Wie beeinflusse ich meine Mitwelt effektiv (z.B. durch Kommunikation, durch Arbeit in meinem Gemeinwesen)?
    • Was ist Sinn? Wie kann ich ihn schaffen? (siehe 4.1.1.)
  • Spezielle Lehrprogramme für bestimmte Gruppen (z. B. Schüler, Jugendliche, Leh-rer, freiwillige und professionelle Helfer) entwickeln und verbreiten.
  • Berichterstattung in den Medien sollte stattfinden. Wegen der möglichen Modell-wirkung sollte sie jedoch nicht reißerisch, sondern problemorientiert sein.
  • Schwellenängste gegenüber Beratungseinrichtungen abbauen z. B. durch vermehrte Öffentlichkeitsarbeit.
  • Vgl. zum gesamten Themenkreis auch das Merkblatt von Diekstra (im Anhang 7.2.2)

Die Makroebene[Bearbeiten]

  • Vermehrung direkter Mitbestimmung in möglichst vielen Lebensbereichen. Sinn wird eher durch aktive Mitgestaltung als durch passives Erdulden erlebt.
  • Vermehrung geistiger Freiheit in Kultur und Religion
  • Verwirklichung von Menschenrechten, die von möglichst vielen Kulturen akzep-tiert werden.
  • Wie schaffen wir ein allgemeines Überlebensklima?

Zusammenfassung:

  • Wie muss eine Welt aussehen, in der es Freude macht zu leben?
  • Denken Sie selbst weiter nach für die Bereiche, in denen Sie leben und handeln Sie entsprechend!

Sekundäre Prophylaxe: Der Umgang mit Gefährdeten und ihren Angehörigen[Bearbeiten]

Die Krisenintervention[Bearbeiten]

Das Zeitproblem[Bearbeiten]
  • Die Zeit spielt in der Krisenintervention die Hauptrolle. Häufig geht es ganz vor-rangig um die Überbrückung ("Zeitbrücken" Wissen 1994) der ersten Stunden oder Tage, bis der akute Anlass beseitigt und/oder ein Therapieplatz gefunden werden kann. In dieser Zeit muss jemand für den Klienten da sein können.
  • Das bedeutet:
    • Spätestens innerhalb von 24 Stunden (optimalerweise noch am Tag der Anmel-dung) muss von einer Beratungsstelle, die mit Suizidgefährdeten arbeiten will, ein Gesprächstermin angeboten werden können.
    • Innerhalb von 48 Stunden muss mit einem Jugendlichen nach einem Suizidver-such Kontakt aufgenommen werden. Ansonsten besteht die Tendenz des Leug-nens und des Bagatellisierens durch den Klienten bzw dessen Familie. Diese Forderung verlangt eine enge Zusammenarbeit zwischen ärztlicher und psycho-therapeutischer bzw. psychosozialer Versorgung.
Allgemeine Kennzeichen von Krisenintervention im Vergleich zu Beratung und Therapie[Bearbeiten]
  • kurz gehaltene Problembeschreibung
  • Abschätzung der Gefährdung
  • keine tiefer liegenden Ursachen, sondern die aktuellen Anlässe erheben
  • Wesentliche Grundentscheidungen der Helferin müssen vorher gefällt worden sein z.B.
    • Lasse ich - aus individueller ethischer Überzeugung und danach mit meiner Organisationsmacht - überhaupt zu, dass sich jemand, mit dem ich in Kontakt stehe, umbringt?
    • Wenn ja unter welchen Umständen?
    • Für welche Personengruppe(n) bzw Suizidarten lasse ich das zu?
    • Welche gestuften Mittel werde ich zur Lebenserhaltung eines Klienten ein-setzen?
    • Welches sind die Regeln meiner Arbeitsstelle, die im Falle der Beratung von (akut) Suizidgefährdeten einzuhalten sind? (kollektive ethische Einstel-lung)
Spezielle Gesprächsführung mit Suizidalen[Bearbeiten]

Der sogenannte "ÜBERLEBENSVERTRAG" nach GOULDING

Was ist ein Überlebensvertrag (= ÜV)?

  • Eine Gesprächstechnik, die versucht, die noch intakten seelischen Kräfte des Suizidalen - es handelt sich dabei meist um rationale Fähigkeiten - in den Dienst der Lebenserhaltung zu stellen.
  • Der ÜV stärkt durch Bewusst machen der Gefährdung die Selbstverantwor-tung des Klienten für sein Wohlergehen.

Was ist der ÜV nicht?

  • Ersatz für intensive Psychotherapie
  • ein Versprechen des Suizidalen gegenüber dem Berater
  • eine Garantie, dass sich jemand nicht umbringt

Zweck des ÜV

  • Zeit gewinnen, bis eine andere Hilfe (meist Psychotherapie) möglich ist.
  • Für wen ist ein ÜV geeignet und für wen nicht ?
    • Er ist FÜR alle Klienten, die suizidgefährdet sind und ihren Verstand be-nützen wollen.
    • Er ist NICHT FÜR Personen, die ihren Verstand ("Erwachsenen-Ich-Zustand") nicht benützen wollen oder können z.B. Abhängige im Rausch, Psychotiker, Geistig Behinderte, Menschen deren Lieblingszustand das "rebellische Kind" (im Sinne der Transaktionsanalyse) ist.

Durchführung des ÜV

  1. Abklären der Gefährdung
    Bei Hinweisen auf das Präsuizidale Syndrom und/oder auf eine Gefährdetengruppe:
    • "Haben Sie schon einmal daran gedacht, sich umzubringen?
    • "Wann zum letzten Mal?
    Weitere Fragen entsprechend dem präsuizidalen Syndrom, wobei die Phantasien besondere Beachtung verdienen.
  2. Der ÜV im engeren Sinne
    • Wichtigste Frage:
      • "Für wie lange sind Sie sicher, dass Sie sich nicht umbringen und nicht umbringen lassen - egal was passiert ?"
      • Beachten, ob und wie der Klient die Frage beantwortet. Sinnvolle Antworten sind z.B.:
        • "Ich werde für/bis [genaue Zeitangabe] dafür sorgen, dass ich am Leben bleibe."
        • "Ich werde mich bis (Zeitangabe) sicher nicht umbringen."
        • "Ich werde mich auch nicht umbringen lassen."
      • Achten auf vage Antworten, Ausflüchte, Einschränkungen usw. Sie sind zu konfrontieren.
      • Die Klientin nicht drängen, eine ganz bestimmte Zeitspanne zu wählen. Sie soll diese selbst bestimmen.
      • Skeptisch sein gegenüber langen Zeiträumen (mehr als 7-10 Tage). Entwe-der ist der Klient dann nicht akut gefährdet oder er kennt sich selbst schlecht.
      • Darauf achten, dass der ÜV nicht ein Versprechen gegenüber der Beraterin ist. Der ÜV ist eine einfache und klare Aussage des Klienten über sich und sein Handeln.
      • Zum Abschluss mit der Klientin darüber sprechen, wann und wie sie den ÜV erneuern kann (z.B. Telefonzeiten der Telefonseelsorge bekannt geben).
  3. Zusätzliche Hilfen für die Zeit der ÜV
    • Mit dem Klienten die Zeit bis zum nächsten Anruf/Gespräch durchspre-chen; für besonders kritische Zeiten Handlungsmöglichkeiten erörtern.
    • Einen Telefon-Notrufzettel mit der Betroffenen zusammen erstellen.
  4. Erneuern des ÜV
    • Es ist die Pflicht des Beraters, zum vereinbarten Zeitpunkt des Ablaufes des alten ÜV an-wesend zu sein oder für eine Vertretung zu sorgen! Der Klient muss sich darauf verlassen können!
    • Es ist die Pflicht des Klienten, zum vereinbarten Termin wieder vorzusprechen und den ÜV zu erneuern.

Die ÜV sind so lange fortzusetzen, bis der Klient eine grundlegende Neuentscheidung zum Weiterleben getroffen hat.

Übungen[Bearbeiten]
  • Ansprechen eines vermutlich Suizidgefährdeten
  • Eigene Reaktionsmöglichkeiten auf eine Suizidankündigung
    In Zweiergruppen zusammen mit dem vorigen Punkt üben: Ansprechen, positive Antwort, Reaktion (evtl. nach den Ich-Zuständen der Transaktionsanalyse)
  • Einen Klienten an seine eigene Verantwortung erinnern
    in Kleingruppen zu zweit
  • Ansprechen der während der gemeinsamen Arbeit entstandenen Beziehung
    mit jemandem, den man nicht so gut kennt; Zweiergruppe innerhalb der Großgruppe
  • Selbsterfahrung: Meine Gefühle und Gedanken im Umgang mit Suizidalen

Beratung von Angehörigen und Helfenden[Bearbeiten]

  • ernst nehmen der Ankündigungen
  • das Problem der Erpressung: Bearbeiten des Worst-Case-Szenarios

Zusammenfassung: Allgemeine Grundsätze der Krisenintervention[Bearbeiten]

  • Eigene Hilflosigkeit beseitigen (Information über Probleme und Ressourcensyste-me, Training, Klärung wichtiger Verhaltensgrundsätze usw)!
  • Sensibel sein für das Thema! Präsuizidales Syndrom (S. 21) und Risikogruppen (S. 15) kennen und beachten!
  • Im Zweifelsfalle (ob eine Gefährdung vorliegt) nachfragen! Gerade diese Verantwortung nicht Anderen überlassen.
  • Bei Sicherheit einer Gefährdung: direktes Ansprechen des Klienten!
  • Wenn möglich den Grad der Gefährdung (Phantasien S.21) abschätzen!
  • Sich stets zuerst auf die Lebenserhaltung konzentrieren! Dazu ist es nötig, die positiven Dinge der Klientin hören zu lernen.
  • Im Gespräch ist es wichtig, ruhig zu bleiben, moralische Urteile zu vermeiden und die Klienten nicht endlos über Unangenehmes reden zu lassen
  • Sich bewusst sein, dass der/die KlientIn seine/ihre und ich meine Verantwortung haben!

(Keine völlige Privatisierung; keine Ausgrenzung)

  • Nachdrücklich auf kurzfristige Hilfen (u.a. auch medikamentöse Hilfen durch eine Psychiaterin), intensive Beratung und länger dauernde Psychotherapie verweisen (Namen, Adressen usw.)!
  • Zusammenarbeit mit anderen Helfer(gruppen)

"Unsere größte Hoffnung ist, auf die Freundschaft zu setzen. Sie bleibt das machtvollste In-strument derer, die sich selbst, als auch jener, die andere retten wollen. Durch ein ermutigen-des Lächeln, eine mitfühlende Frage, geduldiges Zuhören, wenn jemand sein Herz ausschüt-ten will, kann jeder Beliebige, ebenso wie der Psychiater oder der Sozialarbeiter, Depressio-nen aufhellen, die Qualen freiwilligen oder unfreiwilligen Märtyrertums lindern und den Drang zur Selbstzerstörung so manch eines Leidenden vereiteln." Meininger (zi. nach Wissen 1994, S 236)

Indikationen zur stationären Einweisung[Bearbeiten]

  • Starke Gefährdung wegen Vorliegen eines konkreten Planes oder einer konkreten Zeitangabe für den Suizid
  • Ernsthafte Suizidversuche in der Vorgeschichte
  • Suizidgedanken oder -versuche in Zusammenhang mit Psychosen
  • Vorhandensein anderer psychiatrischer Erkrankungen mit hohen Suizidrisiko (en-dogene Depression, Drogenabhängigkeit)
  • Wenn die Klientin es wegen der bedrohlichen Lage selbst will
  • Wiederholte Äußerungen von Suizidgedanken ohne Akzeptieren von Alternativen (aussichtslose Krisensituation)

Der langfristige Umgang mit Suizidalen[Bearbeiten]

  • Notwendigkeit einer Langzeitbehandlung. Es braucht in der Regel eine Psychothe-rapie oder etwas Gleichwertiges.
  • Allgemeine Grundsätze im langfristigen Umgang mit Suizidalen nach SCHNEIDER (siehe Zusammenfassung im Anhang Seite 47)
  • Konzentration auf die Persönlichkeitsanteile, die weiterleben wollen. (Achtung: 48% der Suizidalen hatten Kinder, HALLER und LINGG, 1987)
  • Erkennen und Behandeln des grundlegenden Konflikts
  • Sehr viele der wichtigen Therapievorschläge sind in der Literatur unter Depression zu finden.
  • Entlastung (Abreagieren) von emotionalem Druck (Schild, Angst, Trauer, Depres-sion) hilft nur als kurzfristige Hilfe nicht als langwirkende Therapie
  • Wichtig: Sicherheit vor destruktiven Impulsen durch klare Abmachungen (zB An-rufen der Therapeuten bei unmittelbarer Suizidgefahr, Überlebensvertrag auch während der Anfangsphase der Therapie)
  • Erhöhung der Todesfurcht. Dies ist allgemein, besonders aber bei Kindern wichtig: offene Gespräche über den Tod, über seine tatsächlichen Folgen für die Klientin selbst wie für die Angehörigen. Dies ist besonders wichtig, wenn die Klientin eine (Todes-)sehnsucht nach einem verstorbenen nahen Verwandten hat.
  • Ernstnehmen der Gründe bzw Anlässe: dh realistisches Durchdenken der Folgen des Suizids für den Klienten wie auch für das soziale Gefüge. Dabei sollte auch die in den meisten Motiven (siehe Seite 16) steckende Illusion bzw Dreiecksbeziehung konfrontiert werden.
  • Kein einfaches oder moralisierendes Ausreden des Suizids, eine Strategie die viele Suizidale ohnehin aus ihrer natürlichen Umgebung bereits zur Genüge kennen.
  • Integration von lebensbejahenden und deprimierenden Erfahrungen. Besonders Kinder und Jugendliche erleben, bewerten und berichten gerne schwarzweiß.
    z.B.: "Ich bringe mich um, wenn meine Eltern nicht wieder zusammenziehen oder ich möchte meine eigene Wohnung haben und dann können sie mir den Buckel runterrutschen, ich sehe dann nur noch meine Freunde ." (14jährige)
    z. B.: "Mit denen aus meiner Klasse komme ich total nicht klar, die sind ganz anders. Im Urlaub habe ich Leute getroffen, mit denen konnte man über alles reden." (Beide Zitate nach Wissen 1994, S.234). In diesen Fällen ist es wichtig, ein Gespür für die "Mitte", das "sowohl als auch" zu wecken. Wie in den anderen Bereichen der Krisenintervention auch sollte dies durch direktes Ansprechen dieser Ambivalenz geschehen.
    Dabei geht es nicht um das Abschneiden extremer Gefühle, sondern um die Schaffung einer Basis der Mitte, von der aus Extremerfahrungen verkraftbar werden. Fast alle Psychotherapiearten haben Möglichkeiten, ein solches Ziel zu fördern. Für die hu-manistischen unter ihnen wird der Glaubenssatz, dass jeder Mensch alles in sich habe, was er brauche, auf eine harte Probe gestellt.
  • Haupttherapie ist das offene Ansprechen aller mit dem Suizid zusammenhängenden Fragen (Bilder und Perspektiven des Sinns des Lebens, des Todes allgemein und des Suizids im besonderen).
    Dies bedingt bei den Beraterinnen die Notwendigkeit, über den eigenen Sinn des Lebens Auskunft geben zu können, über den eigenen Tod und die eigene Suizidalität Bescheid zu wissen.
  • Das Aufbauen einer tragfähigen, das heißt Hoffnung gebenden Beziehung
    • zu anderen
    • zu sich selbst
    • zu einer Weltanschauung, Religion
    • zu Tieren, Natur, Dingen (vgl. Seite 25).
  • Weitere (familien-)therapeutische Aspekte (besonders für Kinder und Jugendliche)
    • Welches ist das wirklich als unlösbar erlebte Problem? Um das herauszu-finden kann man mit der Familie in verschiedenen Konstellationen arbeiten.
    • Der identifizierte Konflikt (z. B. elterlicher Streit, extreme Symbiose, versteckte Depression oder Suizidgefahr der Eltern, typische Konfliktlösemus-ter der Familie) sollte vorrangig (evtl. in Dyaden) bearbeitet werden.
    • Welche familienexternen Ressourcen (Freundinnen, Verwandtschaft usw) stehen zur Verfügung und können mobilisiert werden?
    • Gerade in Familien mit einem Suizidalen besteht oft einer Verharmlosungs-tendenz gegenüber der Suizidgefahr. entsprechend sind die Widerstände bei der (gemeinsamen) Therapie. Manchmal bricht auch eine versteckte Ag-gression während der Beratung offen durch. Oft sind auch andere Famili-enmitglieder stark überfordert mit ihren Problemen.
    • Aufgabe der Therapeutin ist es oft, das Kind vor dem Ansturm der eigenen und fremden Gefühle zu schützen
    • Der Versuch, die anfänglich ungewollte Beziehung zu den Eltern wieder aufzubauen ist bisweilen eine Sisyphusarbeit.

Tertiäre Prophylaxe: das Gespräch nach dem Suizidversuch[Bearbeiten]

  • Die Rückkehr in die Familie nach Suizidversuch sollte (insbesondere bei Jugendli-chen) psychotherapeutisch begleitet werden (vgl. dazu auch Seite 27).
  • Für diesen allgemein unbedingt notwendigen Schritt sind die im vorstehenden Ab-schnitt genannten Themen und Vorgangsweisen hilfreich.

Nacharbeit: Der Umgang mit den Hinterbliebenen[Bearbeiten]

Die Arbeit mit trauernden Angehörigen hat sich spätestens seit den neunziger Jahren zu eige-nen Zweigen in der Psychotherapie und bei Trauergruppen entwickelt (zB Bodner 2002). Die-se Arbeit erfüllt eine sehr wichtige prophylaktische Aufgabe (siehe die Ursachen Seite 18).

Beachtung von Trauerphasen nach SPIEGEL (1973)[Bearbeiten]

  • Schock
  • Rebellion
  • Zusammenbruch
  • Reorganisation

Viele der für den Umgang mit Trauer einschlägigen Veröffentlichungen finden sich im Be-reich in der immer stärker werdenden Bewegung der Sterbebegleitung (Hospizbewegung): zB mit einer kurzen Zusammenfassung der Trauerphasen (Nestele 1998) oder über die allgemei-ne Nacharbeit (Meyer-Krahmer 1998). Vgl. auch Abschnitt 2.1.5.

Umgang mit Selbst- und Fremdzuschreibungen von Schuld[Bearbeiten]

Schuldzuschreibungen bei Angehörigen

  • viele Eltern sind ahnungs- oder hilflos, daher besteht eine hohe Tendenz zur Selbstbeschuldigung.
  • Nach dem Tod eines Familienangehörigen "rückt man näher zusammen" (nach HALLER und LINGG (1987) bei 50 % der betroffenen Familien)
  • Bedürfnis nach Aussprache.

Schuldzuschreibungen durch Außenstehende

  • Beispiele aus Presse, die immer wieder vorschnell solche Schuldzuschreibungen fördert
  • das Problem kausaler Attributionen

Einschlägige kulturelle Ressourcensysteme:

  • z. B. in den christlichen Religionen:
    "Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!"
    "... wie auch wir vergeben unseren Schuldigern ..."


Umgang mit Schuldgefühlen (nach Bob Goulding 1997)

  1. Was fühle ich?
  2. Was sage ich mir, um dieses Gefühl hervorzurufen?
  3. Ist das, was ich mir sage, wahr oder ist es Fantasie?
    • Wenn es Fantasie ist, leg' das Gefühl ab.
    • Wenn es wahr ist, was kann ich tun?
  4. Will ich das tun, was ich tun könnte?
    • Wenn ja, tu' es und leg' das Gefühl ab.
    • Wenn nein, leg' das Gefühl ab.

Reflexion der Modellwirkung des Suizidalen[Bearbeiten]

Diese Arbeit ist stets nach einem vollendeten Suizid mit den Angehörigen und dem Umfeld, in dem der Betreffende lebte (z.B. Schule, Arbeitsplatz usw.) dringend zu empfehlen.

Ressourcensysteme[Bearbeiten]

Adressen von Beratungsstellen, TherapeutInnen, Notrufen usw.[Bearbeiten]

In einigen Bundesländern gibt es Verzeichnisse mit Stellen, an die man sich wenden kann, wenn man suizidgefährdet ist. Zum Beispiel in Vorarlberg/Österreich die letzte Seite der Broschüre des Arbeitskreises für Vorsorge und Sozialmedizin.

Ebenso gibt es Sozialdatenbanken, die speziell die Hilfen für Suizidale berücksichtigen z.B. Eingabe des Stichworts „Suizid“ in der interaktiven Datenbank „Gesundheits- und SozialInformation Vorarlberg“ http://www.sozialinfo.or.at/.

Generell sind zu beachten:

  • Kriseninterventionszentren (meist nur in großen Städten)
  • Telefonseelsorge
  • andere Krisentelefone (z. B. Kinder und Jugendtelefon)
  • Psychologische, manchmal auch andere spezialisierte Beratungsstellen
  • Psychotherapeuten
  • Fachärzte für Psychiatrie
  • Nervenkrankenhäuser
  • Selbsthilfegruppen für Trauernde

Bei allen Stellen sind entscheidend

  • die faktische Erreichbarkeit (Öffnungszeiten insbesondere während der Nacht und an Wochenenden)
  • die Organisationsform:
  • kann spätestens innerhalb von 24 Stunden ein Termin angeboten werden und
  • kann in Notfällen in den ersten Tagen einer akuten Krise ein Termin pro Tag vergeben werden?
  • die Qualität (Erfahrung, Ausbildung usw.) der MitarbeiterInnen

Das Problem nicht (genügend) ausgebildeter "Fach-"leute. Das Fehlen von SUIZIDPROPHYLAXE als selbstverständliches Fach in Ausbildungsgängen für soziale und medizinische Berufe.

Stellen Sie für Ihren Arbeitsbereich eine Liste der verfügbaren Ressourcensysteme zusammen (Telefon, Öffnungszeiten, Ansprechpersonen), damit Sie sie in Notfällen schnell zur Hand haben.

Sehr gute Hinweise, was Einrichtungen, die in der Krisenintervention tätig sein wollen, tun sollten gibt Freytag (1998).

Adressen von Fachleuten, die Suizidschulungen durchführen können[Bearbeiten]

Es ist sehr sinnvoll, im Umfeld des eigenen Arbeitsbereiche jene Personen ausfinig zu machen, die in der Lage sind, Schulungen zum Thema Suizid durch zu führen. Nur so kann die Modellwirkung eines Suizidalen verringert werden.

Flugblätter, Broschüren usw.[Bearbeiten]

siehe Literaturliste: u.a.

  • RINGEL (1974), JACOBS (1985)
  • Merkblatt zur Berichterstattung in Medien (siehe Anhang)
  • Handzettel-Entwürfe für Schüler von Studenten der Akademie für Sozialarbeit Vorarlberg (bei Michael Striebel)

Juristische Probleme[Bearbeiten]

Es ist wichtig, die jeweilige nationale Gesetzgebung und Rechtsprechung zu kennen. Ein Teil der hier angesprochenen Themen sind nicht nur juristischer, sondern auch ethischer Art.

5.1 Haftungsfragen


Welche Personengruppen haften für welche Handlungen bzw. Unterlassungen im Umgang mit Suizidalen?

• Unterschiede nach Berufsgruppen: • ÄrztInnen • Klinische PsychologInnen • PsychotherapeutInnen • SozialarbeiterInnen • "Laien" • Unterscheide "Selbstgefährdung" und "zusätzliche Fremdgefährdung bei gleichzei-tiger Fremdtötung und Suizid" (sog. erweiterter Suizid). • Typische Frage aus dem Bereich Schweigerecht und Schweigepflicht: Unter welchen Bedingungen darf ein Angehöriger der obigen Berufsgruppen die Suizidalität seiner Klientin gegenüber seiner Familie verschweigen? • Unterschiede bestehen eindeutig in der ethischen und rechtlichen Beurteilung von Suizidhandlungen Erwachsener und von denen von Kindern und Jugendlichen. Es wird immer davon ausgegangen, dass es sich bei Kindern und Jugendlichen um ei-ne besondere seelische Notlage und damit nicht um einen Bilanzsuizid oder ähnli-ches handelt (Wissen 1994, S.228) • Mitwirkung am Suizid aus strafrechtlicher Sicht (siehe Sonneck, 2000 S.280-289)

5.2 Zwangsanhaltung von Suizidalen in der Psychiatrie


In Österreich gilt das Unterbringungsgesetz seit 1991 • Die wichtigsten Kriterien sind Selbst- und Fremdgefährdung

Forschung[Bearbeiten]

6.1 Probleme der Suizidforschung allgemein

6.1.1 Ethische Bedenken

6.1.2 Relevanz von Statistiken

• öffentliche Vertuschungsversuche • Tabuisierungsversuche (zB durch Verwandte) • Definitionsprobleme z.B. Abgrenzung zu Drogentod (Ausklammern von Drogentoten) • unerkannte Suizide (zB Verkehrstote) • Grenzfälle: Sehr unvorsichtiges Verhalten zB S-Bahn Surfen, Crash-Fahrten mit Autos. Man hat bei diesen Verhaltensweisen den Eindruck, dass der Selbsterhal-tungstrieb bereits deutlich reduziert ist. Man vergleiche das völlig andere Verhalten von Menschen die extreme Leistungen vollbringen.

6.1.3 Dunkelziffern

Die Schätzungen für Suizidversuche liegen je nach Autor zwischen dem 5- und dem 50fachen der Suizidrate.

6.2 Forschungsprobleme in der eigenen Region

Die unterschiedlichen geographischen Regionen haben ihre Suizidzahlen sehr unterschiedlich gut aufbereitet. • In Vorarlberg z.B. führt der Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin ein systematisches Suizidregister vgl 2.1.5.d.

Anhang[Bearbeiten]

Quellennachweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Suizid gehört zu den am besten recherchierten und beschriebenen Phänomenen. Die Literatur ist außerordentlich zahlreich und wird städig erweitert. aus diesem Grund folgt hier eine Auswahl. Sie ist in einigen Fällen kommentiert.

Abram, Berkemeier, Kluge: Suicid im Jugendalter. Band 1 und 2 der Berichte zur Erziehungstherapie und Eingliederungshilfe. München, Minerva 1980.

Aguilera Donna C: Krisenintervention. Grundlagen - Methoden – Anwendung. Bern, H. Huber, 2000

Aguilera* Donna C. und Messick J.M.: Grundlagen der Krisenintervention. Einführung und Anleitung für helfende Berufe. Freiburg 21980 (Original: Crisis Intevention - Theory and Methodology, The C.V. Mosby Company 21974)

Amery Jean: Hand an sich legen. Diskurs über den Freitod. Stuttgart, 1979.

Angermann Christoph: Psychologische Behandlung von Suicidalität. in: Hockel M., Feldhege Franz-Josef (Hrsg.): Handbuch der angewandten Psychologie, Band 2, Moderne Industrie, Lands-berg, 1981, S 503 - 519.

Baechler Jean: Tod durch eigene Hand. Eine wissenschaftliche Untersuchung über den Selbstmord. Frankfurt, 1981.

Bämayr R. und Feuerlein, W.: Über den Selbstmord von 119 Ärzten und Ärtzinnen / Zahnärzten und Zahnärztinnen in Oberbayern von 1963 bis 1978. in Crisis, 1984, 5 (2), S. 91-107

Bellak Leopold, Small Leonard: Kurzpsychotherapie und Notfallpsychotherapie. Frankfurt, 1975.

Bitter Wilhelm (Hrsg.): Alter und Tod - annehmen oder verdrängen? Ein Tagungsbericht. Stuttgart, 1974, S 108 - 138.

Bittner Günther: Ans Sterben denken um des Lebens willen. Würzburg, 1984.

Blackburn Bill: Was Sie über Selbstmord wissen sollten. Kann Suicid verhindert werden? Prakti-sche Ratschläge eines erfahrenen Seelsorgers. Wuppertal, 1986.

Bodner Erika: Ich wollte doch dein Leben schützen! Erleben, Sinnsuche und Trost nach dem Verlust eines Kindes. Schwerpunkt Suizid. Weishaupt, Gnas/Österreich 2002

Boesten Hubert: Selbstmordversuche. in: Psychologie heute, Okt. 1982, S 64 - 71.

Boyd Laura W. and Boyd Harry S.: Closing Relationship Escape Hatches. in: Transactional Analysis Journal. Vol. 12, No.1, 1982, S 58-60

Boyd Laura: Closing Escape Hatches: Decisions for Healthy Living. in: Transactional Analysis Jour-nal. Vol.16, No. 4, 1986, S 247-249

Breed W.: Suicid and loss of social interaction. in: Shneidman E. (Hrsg.), Essays on self-destruction. New York, McGraw-Hill, 1967, S. 188 - 202.

Brem-Gräser Luitgard: Handbuch der Beratung für helfende Berufe. Band 1, München und Basel 1993, S 149-181.

Bussmann Jürgen: Weiterleben. Beiträge zur Suicidverhütung. Reihe: Jugendschutz aktuell, Hamm, Hoheneck Verlag., 1982.

Byron, George Gordon: Don Juan. Sämtliche Werke Bd. 2, München, Winkler 1977

Chesler Phyllis: Frauen - das verrückte Geschlecht? Reinbek bei Hamburg, Rowohlt Verlag, 1977, S 38 - 47.

Coser R.L.: Suicide and the relational system. A case study in a mental hospital. J. of Health and Social Behavior, Dec. 1976. Vol 17, No. 4, S 318 -327.

Cullberg J.: Krisen und Krisentherapie. in: Psychiatrische Praxis 5, Stuttgart, 1978, S 25 - 34.

Davison G., Neale John: Klinische Psychologie. Ein Lehrbuch. München - Wien, 1979.

Diekstra R. F. W.: Zur umfassenden Strategie in der Prävention des suizidalen Verhaltens. Merkblatt o.J., o. Ort (siehe Anhang)

Dietze Gabriele (Hrsg.) Todeszeichen. Luchterhand. Frankfurt/Main 1989

Dörner Klaus, Plog Ursula: Irren ist menschlich oder Lehrbuch der Psychiatrie/Psychotherapie. Wunstorf/ Hannover, Psychiatrieverlag, 1987, S 162 - 173.

Dorrmann Wolfram: Suizidprophylaxe und Psychotherapie im Internet. In: Suizidprophylaxe 1998, Jg. 25, S. 58-60

Drye R.C., Goulding R.L., Goulding. M.E.: No-suicide decision. Patient monitoring of suicidal risk. in: American Journal of Psychiatry, Febr. 1973, S 171-174.

Dubitscher Fred: Lebensschwierigkeiten und Selbsttötung. Stuttgart, 1971.

Durkheim Emile: Der Selbstmord. Neuwied und Berlin, 1973. auch Frankfurt 41993. [Original: Le suicide 1897]

Eisendle Martina Maria: Suizidpropylaxe in Vorarlberg als Aufgabe der Sozialarbeit? Diplomarbeit an der Akademie für Sozialarbeit Vorarlberg. Eigenverlag Bregenz 1995

El-Gaaly: Social Dysfunction in Deppressive and Attempted Suicide. Acta Psychiat. scand., 1974, 50, S 341 - 345

Etzersdorfer Elmar und Sonneck Gernot: Leitfaden über die Berichterstattung über Suizide in den Medien. Merkblatt. Österreichischer Verein für Suizidprävention, Krisenintervention und Konflikt-bewältigung. Wien 1987 [siehe Anhang]

Faberow N.L., De Vries. Ag.: An item differentiation analysis od MMPIs of suicidal neuropsychiat-ric hospital patients. Psychological Reports, 1967/20, S 607 - 617.

Finzen Asmus: Der Patientensuicid. Untersuchungen, Analysen, Berichte zur Selbsttötung pychisch Kranker während der Behandlung. Bonn, Psychiatrie Verlag 1988

Faust Volker, Wolfersdorf Manfred: Suizidgefahr. Stuttgart ,1984.

Freytag Regula: Viele Fragen – Eine Antwort: Die Leitlinien der DGS für Krisenintervention und Suizidprävention. In: Suizidprophylaxe Sonderheft 51998 S. 10 [siehe auch Heinrich et al 1998]

Golan Naomi.: When is a client in crisis? Social Casework, July 1969, S 389 - 394.

Golan Naomi.: Krisenintervention. Strategien psychosozialer Hilfen. Freiburg 1983. (Original: Treatment in Crisis Situations. The Free Press. Macmillan Publ. 1978)

Goulding Mary McClure & Goulding Robert L.: Changing Lives Through Redecision Therapy 1997

Haesler Walter T., Schuh Jörg (Hrsg.): Der Selbstmord / Le Suicide. Grüsch, Verlag Rüegger, 1986.

Hackl Erich: Auroras Anlass Erzählung, Zürich, Diogenes, 1989

Haller Reinhard, Lingg Albert: Selbstmord - Verzweifeln am Leben. Wien, Hannibal, 1987.

Haller Reinhard: Zum Problem der Arzthaftung bei Suiziden aus der Sicht des Mediziners. in: Öster-reichische Juristen Zeitschrift (ÖJZ), 44. Jg. Heft. 9, S 266-269

Haller Reinhard, Lingg Albert: Suizidbericht. Bregenz, Arbeitkreis für Vorsorge- und Sozialmedi-zin 1988 ff [erscheint jährlich]

Halten J.V.: The precipitating role of discordant interpersonal relationships in suicidal behavior. Dissertation Abstracts, 1964, 25 (2), 1335 - 1336.

Harris Thomas A.: Ich bin o.k., Du bis o.k. Eine Einführung in die Transaktionsanalyse. Reinbek 1975. [Original: I’m ok - You’re ok: A practical guide to transactional analysis. New York, Harper and Row ca. 1973]

Harsch Helmut: Theorie und Praxis des beratenden Gesprächs. Kaiser, München, 1979, S 163 - 166. [Ausbildungsunterlagen der Telefonseelsorge].

Hartwig D.: Suizide von Polizeibeamten. Kriminalstatistik 52 (3), S. 186-190

Hasenauer Peter und Hausner Renate: Totentanz der Seele. Weg durch Nacht zum Licht. Saalfelden 1999 (Hrsg. Pinzgauer Heimatmuseum)

Heinrich M., Wedler H., Wolfersdorf M. (Hrsg.): Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention – Hilfe in Lebenskrisen e.V. (DGS). Sonderheft 5. völlig überarbeitete Auflage 1998 In: Suizidpro-phylaxe Sonderheft 51998 [Dieses Heft ist sehr empfehlenswert. Es enthält eine Reihe von Merk-blättern, vorbildliche Einrichtungen in Deutschland und eine Literaturliste.]

Henseler Heinz: Narzistische Krisen. Zur Psychodynamik des Selbstmords. Reinbek bei Hamburg, Rowohlt, 1974.

Henseler Heinz: Die Interaktionsbeobachtung als diagnostische und therapeutische Chance bei Sui-zidgefährdeten. in: Sucht und Suicid, Freiburg, 1976, S 74 ff.

Henseler Heinz, Reimer Ch.: Selbstmordgefährdung. Zur Psychodynamik und Psychotherapie. Reihe: Problemata Bd. 93, Frommann-Holzboog, Stuttgart, 1981.

Heuer Gerhild: Selbstmord bei Kindern und Jugendlichen. Ein Beitrag zur Suicidprophylaxe aus pädagogischer Sicht. Stuttgart, 1979.

Hobrücker B., Rambow V., Schmitz G.: Problemanalyse bei weiblichen Jugendlichen nach Suicid-versuchen. in: Praxis der Kinderpsychologie und Psychiatrie, 29, 1980, S 218 - 225. (siehe die Lite-raturangaben dort).

Hömmen Christa (zitiert nach Wissen 1994)

Kast Verena: Der schöpferische Sprung, Vom therapeutischen Umgang mit Krisen. München, dtv 31991 [Psychotherapie bei diversen Krisen. Empfohlen von G. Sonneck.]

Jacobs Jerry: Selbstmord bei Jugendlichen. Erklärungen, Verhinderung, Hilfe. München, Kösel 1974. (Als Taschenbuch: ders.*: Ich weiß keinen Ausweg mehr. Düsseldorf 1985)

Jochmus I., Förster E. (Hrsg.): Suizid bei Kindern und Jugendlichen. Enke, Stuttgart, 1983.

Jörns Klaus-Peter: Nicht leben und nicht sterben können. Suizidgefährdung - Suche nach dem Leben. Göttingen, 1979.

Jörns Klaus-Peter: Suizid als Thema in den Massenmedien – Überlegungen zu einer alten und neuen Kontroverse. In Suizidprophylaxe 1997, Jg. 24, S. 61-78

Kaiser-Asmodi Katja: Suizidprävention bei Adoleszenten. Ein familienpsychologischer Ansatz auf der Grundlage der Familienstresstheorie. Frankfurt am Main, Lang Verlag 1997 [Manual für 8 Sitzungen]

Keleman Stanly: Lebe dein Sterben. Hamburg. Isko Press 1984

Kiev Ari: Psychotherapeutic strategies in the management of depressed and suicidal patients. Am. J. Psychother., 29, July 1975, S 345 - 354.

Klemann M.: Die Pathologie der Familie und der Suizid(-versuch). in: Medizin, Mensch Gesell-schaft Bd. 9, 1984, S 228-234

Kopp Maria S. und Skrabski Arpad: Psychologische und psychosoziale Hintergrundfaktoren bei 16- 20jährigen Ungarn mit einem oder mehreren Suizidversuchen. in: Suizidprophylaxe 1994, Jg. 21, Nr. 81, S 153 - 160

Köttgen Charlotte: Suicid bei Kindern. in: Forum für Medizin und Gesundheitspolitik. Berlin 61, Verlagsgesellschaft Gesundheit mBH, Juni 1982, S 50 - 55.

Kovacs M. u.a.: Hopelessness. An Indicator of Suicidal Risk. Suicide 5 (no. 2), 1975, S 98 - 103.

Kuda M. und Beek R. in der: Suizidalität bei Studierenden: Zur Genese und Psychopathologie. in: Medizin, Mensch Gesellschaft Bd. 9, 1984, S 234-244

Lenée Raphael: Zeitkrankheit Depression. München, 1976, S 175 - 185.

Löchel zitiert nach Wissen, 1994

Martin G.: Gespräche mit Suicidanten. Weitergehende Hilfsmöglichkeiten in der Betreuung von Suicidanten; Koordinierung solcher Hilfen. in: Suizidprophylaxe 4, Nr. 13, 1977, S 268 - 286.

McClure Goulding Mary, Goulding Robert: Neuentscheidung. Ein Modell der Psychotherapie. Stuttgart, 1981, S 75 - 82 und 266 - 296.

Meininger zitiert nach Wissen, 1994

Metzger Rudolf, Schneider Johannes: Suizidversuche im Raum Ravensburg. Eine sozialpsychiatri-sche Studie. Weinsberg, Weissenhof, 1984.

Meyer-Krahmer Sibylle: Hilfe und Beistand für Trauernde. In: Suizidprophylaxe 1998, Jg. 25 S. 71-76

Miller Sukie: Nach dem Tod. Stationen einer Reise. Wien, München, Deutike Verlag 1998 [Thema: Sterben lernen]

Nelson V.L., u.a.: Interpersonal attitudes of suicidal individuals. Psychological Reports, 40, 1977, S 983 - 989.

Nestele Maria: Trauer und Verlust. In: Suizidprophylaxe 1998, Jg. 25 S. 65-70

Nissen 1986 zitiert nach Wissen, 1994

Obrecht Werner: Sozialarbeitswissenschaft als integrative Handlungswissenschaft. in: Roland Mer-ten , Peter Sommerfeld, Thomas Koditek (Hrsg.): Sozialarbeitswissenschaft – Kontroversen und Perspektiven, Luchterhand Neuwied 1996, S. 121-160 [Bedürfnistheorie]

Oerter Rolf (Hrsg.): Entwicklung als lebenslanger Prozeß. Hamburg, 1978.

Orbach Israel: Kinder, die nicht leben wollen. 1990

Pohlmeier Hermann: Die Angst vor Sucht- und Suicidpatienten. in: Sucht und Suicid. Freiburg, 1976, S 56 ff.

ders H: Depression und Selbstmord. Eine kritische Information. München, 1971.

ders.: Depression und Selbstmord. in: Medizin, Mensch Gesellschaft Bd. 9, 1984, S 221-227

ders.: Selbstmordverhütung, Keil Verlag, Bonn ca. 1978.

ders.: Depression und Selbstmord. Neue Erkenntnisse, Untersuchungen und Informationen, Keil-Verlag, Bonn 1980

Pöhls Volker: Suizid in der Popmusik. In Suizidprophylaxe 1997, Jg. 24, S. 79-93

Pöldinger W.: Familie und Suicid. in: Schweizerische Ärztezeitung, Bd. 63, 1982, S 668 - 673.

Preuschoff K.-J.: Suizide und Suizidversuche bei Wehrpflichtigen. Suizidprophylaxe 1992, 19, S. 83-104

Ratz Eckart: Zur strafrechtlichen Haftung des Arztes beim Selbstmord. in: ÖJZ 1988, 43. Jg. Heft 20, S 619 - 628

Reiner Artur: "Ich will so nicht mehr weiterleben!" Vom Umgang mit Suizid-Gefährdeten. in: Baumgartner K. u. Langer M. (Hrsg.): Mit Außenseitern leben. Eine Herausforderung für Chris-ten. Regensburg 1988, S. 153 - 160.

Remschmidt Helmut: Suicidhandlungen im Kindes- und Jugendalter. Therapie und Prävention. in: Praxis der Kinderpsychologie und -psychiatrie, Jg. 31, 1982, S 35 - 40.

Reuter Christoph: Mein Leben ist eine Waffe. Selbstmordattentäter. Psychogramm eines Phäno-mens. Bertelsmann, München 2002

Ringel Erwin (Hrsg.): Selbstmordverhütung. Bern, Stuttgart, Wien, 1969. Reprint Eschborn 1987.

Ringel Erwin: Möglichkeiten der ärztlichen Selbstmordprophylaxe. Therapiewoche 22, 1972, 2199 - 2215.

Ringel Erwin: Selbstmord - Appell an die anderen. Eine Hilfestellung für Gefährdete und ihre Um-welt. Mainz,1974 und München,1984.

Ringel Erwin: Das Leben wegwerfen. Reflexionen über den Selbstmord. Wien, 1981.

Ringel Erwin: Selbstschädigung durch Neurose. Wien, 1984, S 151 - 184.

Ringel Erwin: Die österreichische Seele. Wien, Köln, Graz, 1984, S 76 -145.

Ringe* Erwin: Stellungnahme zum Film „Tod eines Schülers“. In: Suizidprophylaxe 1997, Jg. 24, S.57-61

Rogoll Rüdiger: Nimm dich, wie du bist. Wie man mit sich einig werden kann. Eine Einführung in die Transaktionsanalyse. Freiburg, Herder 1976

Roman Jo: Freiwillig aus dem Leben. Fischer Taschenbuch, Frankfurt, 1983.

Rushing W.A.: Individual behavior and suicide. in: J.P. Gipps (Hrsg.): Suicide. New York, Harper & Row, 1967, S 96 -121.

Schabacker P.: Alterssuizid - ein psychopathologisches Folgegeschehen? in: Medizin, Mensch Ge-sellschaft Bd. 9, 1984, S 244-251

Schiller Martin und Wolfersdorf Manfred: Suizidalität und Fremdaggression von schizophrenen Patienten. Eine Untersuchung zu eigen- und fremdaggressiver Gewalt bei stationären Patienten. In: Suizidprophylaxe 1998, Jg. 25 S. 61-64

Schneider Johannes: Therapie und Umgang mit Suizidpatienten. in: Suizidprophylaxe Jg. 5, 1978, Nr. 14, S 19-26 [siehe Anhang]

Seligman, Martin E.P., Erlernte Hilflosigkeit, Weinheim, Basel, Beltz 1999

Sills Charlotte, Clarkson Petruska and Evans Roland: Systemic integrative psychotherapy with a young bereaved girl. in: Transactional Analysis Journal, 1988, Vol. 18, S 102 - 109. [Beispiel für eine Therapie von Angehörigen]

Singer Udo: Massenselbstmord. Zur Phänomenologie und Psychodynamik. (Reihe: Compendium psychiatricum) Stuttgart, 1980.

Söhl Irmhild: Tadesse, warum? Das kurze Leben eines äthiopischen Kindes in einem deutschen Dorf. Freiburg, Herder 41992

Sonneck Gernot (Hrsg.): Krisenintervention und Suizidverhütung. Ein Leitfaden für den Umgang mit Menschen in Krisen. Wien, Facultas 1985, neu 2000 [Sehr empfehlenswert als Standardlitera-tur.]

Specht Friedrich und Schmidtke Armin: Selbstmordhandlungen bei Kindern und Jugendlichen. Reihe: Beiträge zur Erforschung selbstdestruktiven Verhaltens hrsg. von H. Pohlmeier Bd. 2. Regensburg, 1986

Speck A. und Stitz S.: Gesprächseröffnungen von Therapiegesprächen nach Suizidversuchen. in: Specht und Schmidtke (1986) S 247 - 256

Sperling E.: Das therapeutische Gespräch mit Suicidalen. Der Nervenarzt, Springer Verlag, 43, 1972.

Spiegel Yorick: Der Prozeß des Trauerns. Analyse und Beratung. Mainz 1973 und München 1986

Stengel E.: Selbstmord und Selbstmordversuch. Stuttgart, 1969 [vergriffen]

Stieler M.: Behandlung nach Suizidversuch. in: Praxis der Psychotherapie, Band 17, April 1972, S 72 - 81.

Stimpfl, Manuela: Sozialarbeiterische Handlungsstrategien in der Suizidprävention bei Jugendlichen, Diplomarbeit an der Akademie für Sozialarbeit Vorarlberg, Eigenverlag, Bregenz, 1996.

Striebel Michael (Hrsg.): Das soziale Netz. Soziale Einrichtungen in und für Vorarlberg. Akademie für Sozialarbeit Vorarlberg, Bregenz 121998. Diskettenversion 1998b.

Striebel Michael (Hrsg.): GSIV - Gesundheits- und Sozial-Information Vorarlberg. Eine interaktive Datenbank im Internet. Akademie für Sozialarbeit Vorarlberg, Bregenz 1999. http://www.gsiv.at (früher: Striebel 1998)

Swientek, Christine: Der erlernte Selbstmord, Ein Beitrag zum lerntheoretischen Erklärungsansatz der Genese von Suicidalität und die Bedeutung für den Sozialpädagogen in: Neue Praxis, Jg.20, Heft 5, 1990, S 394-404.

Teising Martin: Herausforderung für die Sozialarbeit: Suizidalität im Alter. in: Soziale Arbeit. 1990. 39.Jg., S 58 - 63

Universitätsinstitut für Suchtforschung am Krankenhaus Maria Ebene (Hrsg.): Der Drogentod in Vorarlberg 1978 - 1997. Frastanz/Vorarlberg 1998

Verwaiste Eltern e.V. (Hrsg.): Leben mit dem Tod eines Kindes. in: Verwaiste Eltern, Doppelheft mit Schwerpunkt Suizid 2/91-1/92, Hamburg [Verwaiste Eltern, Esplanade 15, D-20354]

Vinoda K.S.: Personality Characteristics of Attempted Suicide. Brit. J. Psychiat., 122, 1966, S 1143 - 1150.

Volz, Pia Daniela: Ganz reif zum Tod, Mord und Selbstmord in Leben und Werk Kleists, in: Suizid-prophylaxe, Jg.20, Heft 4, 1993, S 285-301.

Wedler Hans: Kontroverse Themen über Sinn, Inhalt und Grenzen der Suizidprävention. in: Suizid-prophylaxe Jg. 20, 1993, S 177 - 180

ders.: Zum Rückgang der Suizidhäufigkeit in Deutschland. in: Suizidprophylaxe Jg. 20, 1993, S 223 - 231

Wedler Hans, Wolfersdorf Manfred und Welz Rainer: Therapie bei Suizidgefährdung. Ein Hand-buch. Regensburg, Roderer 21997 [Standard-Handbuch, umfassend. Empfohlen von G. Sonneck.]

Weltgesundheitsorganisation, Regionalbüro für Europa (Hrsg.): Neue Formen des Suizidverhal-tens. Reihe: EURO Berichte und Studien Bd. 74. (Bericht über die WGO-Tagung 29.9.-2.10.81). Kopenhagen, 1984

Willemsen Roger (Hrsg.): Der Selbstmord in Berichten, Briefen, Manifesten, Dokumenten und literarischen Texten. München, dtv, 1989

Wissen Pierre van: Suizidalität bei Kindern und Jugendlichen. in: Soziale Arbeit, 43. Jg, 1994, S. 228 - 236

Wolter Dirk: Warum Menschen Hand an sich legen. Zur Soziologie des Selbstmordversuchs am Beispiel Bochum. Psychiatrieverlag, Rehburg Loccum, 1983.

Yusin A., Sinay R., Nihira K.: Adolescents in crisis: evaluation of questionnaire. American J. of Psychiat., 129, 1972, S. 574 - 577.

Ständige Beiträge in der Zeitschrift: Suizidprophylaxe. Theorie und Praxis. Mitteilungen der Deut-schen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS).

Filme[Bearbeiten]

Bückner Michael (Buch u. Regie): Der letzte Ausweg für Thomas? 16 mm Lichtton-Film, 37 min Laufzeit. Produktion: Institut f. Film und Bild, Grünwald bei München, 1979 (FWU-Nr. 32 31 12). (Inhalt: Reflexion der psychischen und sozialen Situation eines suizidgefährdeten Jugendlichen.)

Baudissin*Christian (Buch und Regie): Tadesse warum?, nach dem Roman von Irmhilde Söhl, Vi-deo, Deutschland 1995. Stromberger*, Robert: Tod eines Schülers. Sechsteilige Fernseh-Reihe, (ZDF) Video, 1981 [Vgl. dazu auch Ringel (1997)]

Internet[Bearbeiten]

Internetseiten unterliegen einer ständigen Veränderung. Daher sind angegebene Links manch-mal nicht mehr auffindbar oder sie haben ihren Inhalt geändert. Aus diesen Gründen distan-ziere ich mich hier vorsichtshalber aber mit allem Nachdruck vom Inhalt der nachfolgenden Websites. Die Aufzählung kann keine Vollständigkeit beanspruchen und soll nur exempla-risch auf Seiten verweisen, in denen das Thema Suizid behandelt oder angesprochen wird.

Das Surfen auf bzw. die aktive Beteiligung an diesen Web-Sites gibt einen sehr guten und schnellen Einblick in die Art, wie (überwiegend) Jugendliche mit diesem Thema umgehen. Die Chat-Räume sind für HelferInnen sehr gute Gelegenheiten, die eigene Interventionsfähig-keit zu testen. Vergleiche zu diesem Themenkreis auch Dorrmann (1998)! Im Internet befindet sich auch die in dieser Schrift mehrfach erwähnte Datenbank für Vorarl-berg: Striebel (1999): Gesundheits- und Sozialinformation Vorarlberg http://www.gsiv.at. Die Schnellsuche nach „Suizid“ zeigt alle einschlägigen Hilfeeinrichtungen in Vorarlberg auf dem jeweils neuesten Stand.

Merkblätter[Bearbeiten]

[Bei michael.striebel@gmx.at erhältlich]

Therapie und Umgang mit Suizidpatienten[Bearbeiten]

zu 4.2.5. Schneider (1978)

Zur umfassenden Strategie in der Prävention[Bearbeiten]

Leitfaden für die Berichterstattung über Suizide in den Medien[Bearbeiten]

Vgl. dazu auch Ringel (1997), Jörns (1997), Sonneck (2000, S. 242-253 mit dem ausführlichen Beitrag) und Pöhls (1997)

Referenzen[Bearbeiten]



Haftungsausschluss und allgemeiner Hinweis zu medizinischen Themen: Die hier dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen oder erwähnten diagnostischen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Der Text erhebt weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch kann die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der dargebotenen Information garantiert werden. Der Text ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker und er darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer den Arzt Ihres Vertrauens! Wikibooks und Autoren übernehmen keine Haftung für Unannehmlichkeiten oder Schäden, die sich aus der Anwendung der hier dargestellten Information ergeben. Beachten Sie auch den Haftungsausschluss und dort insbesondere den wichtigen Hinweis für Beiträge im Bereich Gesundheit.