Tarot/ Die einzelnen Karten/ Die Große Arcana

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Die große Arcana[Bearbeiten]

In der kabbalistischen und astrologischen Zuordnung folgt dieses Buch nicht der neueren, durch Aleister Crowley bekanntgewordenen Zuordnung, die mit der Zählung der Buchstaben bei der Karte "der Narr 0" beginnt, sondern der älteren, durch Court de Gebelin, Papus, Eliphas Levi, Oskar Rudolf Schlag und Ernst Tristan Kurtzahn verwendete Zuordnung, welche mit der Zählung beim Magier beginnt. Diese Lösung ist insofern eleganter, als dadurch der Zahlenwert der hebräischen Buchstaben mit der Nummerierung der Karten übereinstimmt und auch in der Symbolik treffender erscheint.

I. Der Magier[Bearbeiten]

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Grundbegriffe: Wille, Entscheidungskraft, Optimismus, Durchsetzungsvermögen, aber auch Selbstüberhebung, Intoleranz, Geltungssucht, Machbarkeitswahn

Beim Spiel von Pamela Colman Smith ist ein junger Mann dargestellt, der seinen rechten Arm nach oben ausstreckt und mit seinem linken Arm auf den Boden weist, in der rechten Hand hält er einen weißen Stab. Er trägt eine weiße Robe mit einer Schlange, die sich in den Schwanz beißt, als Gürtel, eine rote Robe und ein weißes Stirnband. Über seinem Kopf schwebt eine Lemniskate. Vor dem Magier steht ein Tisch, auf dem sich die Symbole der kleinen Arcana, also ein Stab, ein Kelch, ein Schwert und eine Scheibe befinden. Das Bild ist von Blumen umrankt, hauptsächlich roten Rosen und dazu ein paar weißen Lilien. Der Hintergrund der Karte ist in Gelb gehalten.

Die Haltung des Magiers stellt ihn als einen Mittler dar, als einem "Blitzableiter" zwischen dem Himmel und der Erde. Die in den Himmel gestreckte rechte Hand zeigt, dass der Magier nach oben, nach Erkenntnis und Macht strebt, dass er aktiv etwas will. Die nach unten gestreckte linke Hand weist darauf hin, dass er seine Erkenntnis weitergeben will, dass er nicht nur für sich nach Erkenntnis strebt, sondern aufgrund von Verantwortungsgefühl. Das Weiß der Kutte ist ein Symbol für die reinen Absichten, die der Magier hegt, der rote Umhang zeugt von seiner Willenskraft, seiner Standhaftigkeit. Das Stirnband zeigt an, dass er seine Gedanken und seine Konzentration zu sammeln weiß und nicht ein "zerstreuter Professor" ist. Sowohl die Lemmniskate wie die Schlange sind Symbole der Unendlichkeit und Ewigkeit, ebenso die gelbe Farbe. Der Magier ist von Ewigem umgeben und ist sich dessen bewusst.

Die Paraphernalien genannten Gegenstände auf dem Tisch, die sowohl die Symbole der Kleinen Arcana sind wie auch die Waffen der rituellen Magie, zeugen davon, dass der Magier einen ausgeglichenen Charakter hat, und dass keine dieser Elemente in ihm überwiegen. Dass sie unbenutzt vor ihm liegen, zeigt an, dass er sich nicht von seinen Leidenschaften treiben lässt, sondern von seinem Verstand und seiner Einsicht.

Die Rosen deuten auf die Liebe, die den Magier umgeben soll, die Lilien auf seine reinen Absichten.

Deutung

Der Magier stellt einen (in der Regel jungen dynamischen) Mann dar, der in der Lage ist (dank seiner Ausbildung oder natürlichen Begabungen), die Elemente zu nutzen. Er hat seine (Grund-)Ausbildung beendet, und nun stehen ihm nahezu unendlich viele Möglichkeiten offen, die erworbenen Fähigkeiten auch einzusetzen. Er wird in die Verantwortung gerufen, diese Fähigkeiten zum Wohle der Gemeinschaft/Partnerschaft zu verwenden. Dennoch besteht auch die Gefahr des überstürzten, unüberlegten oder egoistischen Handelns. Der Magier steht oft für den Beginn eines Projektes oder eines neuen Lebensabschnittes. (Beruf, Partnerschaft, Elternschaft u.a.m.) Er wird aufgefordert, sich auf seine Fähigkeiten und Stärken zu besinnen, und die ihm gegebenen Talente gezielt auszuspielen bzw. sinnvoll einzusetzen. Damit korreliert der Magier mit den Rittern, die eine ähnliche Bedeutung haben, bei denen jedoch die "Färbung" der Elemente stärker ausgeprägt ist.

II. Die Hohepriesterin[Bearbeiten]

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Grundbegriffe: Glaube, Hingabe, religiöse Erfahrung, Spiritualität, aber auch falscher Mystizismus, Passivität, unkritisches Übernehmen von Dogmen

Auf der Karte sieht man eine Frau mit der Mondkrone der Isis. Sie ist in ein hellblaues, ins Weiße gehendes Kleid gehüllt. Auf ihrer Brust sieht man ein Kreuz. In der Hand hält sie eine Schriftrolle, beschriftet mit "TORA", die teilweise von ihrem Gewand verdeckt ist. Ihr zu Füßen sieht man eine große Mondsichel. Links von ihr (vom Betrachter aus gesehen) ist eine schwarze Säule, die mit einem weißen "B" beschriftet ist, rechts von ihr eine weiße Säule, die mit einem schwarzen "J" beschriftet ist. Hinter ihr ist ein Vorhang, auf dem Granatäpfel und Palmen abgebildet sind.

Die Mondkrone deutet auf das Mysteriöse hin, das Kreuz auf den Glauben, die Torarolle auf die Einhaltung der religiösen Gesetze, womit die Hohepriesterin die drei Standbeine der Religion darstellt. Die Mondsichel zu Füßen der Hohepriesterin zeigt an, dass diese drei Grundbeine der Religion über das Irdische hinausweisen und in der Lage sind, zu erheben. Das Hellblau und Weiss des Kleides deutet auf Reinheit und Gnade hin. Die beiden Säulen im Hintergrund sind die beiden Säulen Boas und Jakin des Salomonischen Tempels. Sie zeigen an, dass wahre Religion im Mittelmaß sein muss zwischen Irdischem und Himmlischem, also zwischen Wissenschaft und Glaube, zwischen Vernunft und Irrationalität. Der Vorhang deutet an, dass das Hochheiligste nicht darstellbar ist und hinter einem Schleier verborgen bleibt, und dass nur durch Symbole auf das Unaussprechliche verwiesen werden kann. Die Granatäpfel zeigen an, dass das Unaussprechliche sich durch die Fruchtbarkeit offenbart, die Palmen zeigen an, dass die Gnade auf das Unaussprechliche verweist.

Deutung

Das häufig wiederkehrende Symbol des Mondes ist ein Kennzeichen der Emotionalität. Der Mond steht für die Gefühlsnatur des Menschen, sowohl für den Wunsch nach Beziehung als auch für die Launenhaftigkeit. Die wechselnden Mondphasen sind seit jeher ein Symbol für Weiblichkeit, Schwangerschaft und für alles Zyklische. Die Hohepriesterin symbolisiert die Frau (insbesondere die Mutter) in ihrer Rolle als Lehrerin und Erzieherin. Sie hat nicht nur die Aufgabe, Wissen (Glaube, Kultur, Märchen, Mythen, Klatsch und Weisheit) zu vermitteln, sondern sie gibt diesem Wissen auch eine Bedeutung und eine Wertung. Der Vorhang deutet an, dass sie nur einen begrenzten Einblick hat, dieses Wissen aber für ihre momentane Aufgabe ausreicht bzw. ausreichen muss. Dabei steht sie stets in dem Konflikt, die verschiedenen sich oftmals widersprechende Aspekte des Lebens richtig zu werten und in dem Spannungsfeld der Extreme das rechte Mittelmaß zu finden. Ihr intuitives Gespür für die Bedürfnisse des Gegenübers (insbesondere des Kindes und in der Partnerschaft) stellt eine Weisheit dar, die man nicht aus Büchern lernen kann. Die Hohepriesterin fordert einen auf, nicht nur die Fakten zu betrachten, sondern auch die Bedeutung der Fakten für einen selbst und für die Gruppe (die Partnerschaft, die Familie, die nächste Generation) zu sehen.

III. Die Herrscherin[Bearbeiten]

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Grundbegriffe: Lebensfreude, Erdverbundenheit, Optimismus, aber auch Geistlosigkeit, Materialismus, Blut und Boden, Ideologie

Die Herrscherin trägt ein weißes Kleid, dass mit Rosen geschmückt ist, trägt einen Lorbeerkranz und ein Diadem mit 12 Sternen. Sie sitzt auf roten Kissen und hält ein Zepter in der Hand. Unter ihr ist ein Herz mit einem Venussymbol. Im Hintergrund ist ein Wald mit einem Fluss, im Vordergrund ein Weizenfeld.

Die üppigen Formen und auch das Weizenfeld deuten auf Fruchtbarkeit hin, das Diadem mit den 12 Sternen zeigt den Jahreskreislauf, dem sie unterworfen ist, der Lorbeerkranz zeigt die Ewigkeit der Herrscherin. Die Herrscherin stellt also die Mutter Erde dar, das Irdische an sich. Das Herz mit dem Venussymbol deutet auf die Verbundenheit des Weiblichen mit der Erde, die Rosen auf dem weißen Kleid deuten auf die Liebe hin, die roten Kissen zeigen die Leidenschaft, mit der sie regiert, der Wald zeigt ihre Urspünglichkeit an, der Fluss darin die reinigende und erneuernde Kraft in ihr.

Deutung

Der Herrscherin werden alle positiven Eigenschaften der Frau (insbesondere der Mutter) zugeschrieben. Sie ist die Fürsorgerin und Erzieherin schlechthin. Als Herrscherin hat sie die Aufgabe, diese Eigenschaften zum Wohle der Gemeinschaft einzusetzen. Dementsprechend lässt diese Karte sich je nach Situation sehr unterschiedlich und individuell deuten. Zum einen kann die Herrscherin eine Hilfe von Außen darstellen, die man in Anspruch nehmen kann, der man aber auch verpflichtet ist (zumindest zu Dank und Respekt). Sie kann einen ermahnen oder ermutigen, die Rolle der Mutter, Erzieherin oder jeden typische Frauenberuf zu übernehmen, da die Talente dazu vorhanden oder aber gebraucht und gefordert sind. Die Karte kann einen auch an all das erinnern, was man mit der Muttermilch aufgesaugt hat. Also eine Rückbesinnung auf die Fähigkeiten und Talente, die man von Zuhause mitbekommen hat (Erziehung, Gene, Unterstützung). Damit korreliert die Herrscherin auch mit allen Königen, welche eine ähnliche Aussage haben, jedoch speziell durch die "Farben" in eine bestimmte Richtung (Emotion, Verstand, Konstitution oder Engagement) gelenkt werden. Ihr Bereich ist im allgemeinen das Haus und der Hof sowie das Private. In der Öffentlichkeit tritt sie als "First Lady" auf (Repräsentieren, soziales Engagement, aber auch Klatsch und Tratsch, da dieses ebenfalls zum privaten Bereich gehört.)

IV. Der Herrscher[Bearbeiten]

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Grundbegriffe: Selbstbeherrschung, Durchsetzungsvermögen, hohe Ideale, aber auch Herrschsucht, Intoleranz, Selbstüberhebung

Der alternde Herrscher sitzt auf einem Steinthron, der mit vier Widderköpfen verziert ist. Unter seinem roten Mantel trägt er eine Rüstung. Auf dem Kopf trägt er eine goldene Krone. In der rechten Hand hält er einen Reichsapfel, in der Linken ein Zepter, dass als Ankh-Kreuz geformt ist. Im Hintergrund sieht man ein Bergmassiv.

Der Steinthron zeigt das Alter der Herrschaft, die der Herrscher inne hat, die vier Widderköpfe zeigen an, dass er sein Herrschaftsgebiet in alle vier Himmelsrichtungen ausgedehnt hat, aber nicht nicht immer mit sehr humanen Methoden, das Zepter in Ankh-Form zeigt an, dass er die Macht legitim und vom Leben gewollt ausübt, der Reichsapfel deutet an, dass ihm die Welt gehört. Der rote Mantel ist ein Zeichen seines Durchsetzungsvermögens, die Rüstung, die er darunter trägt, zeigt, dass er kein dekadenter Herrscher ist, sondern immer bereit ist, sich für sein Reich einzusetzen, und dass er kriegserprobt ist. Das Bergmassiv im Hintergrund deutet an, dass er über den Köpfen des Volkes steht.

Deutung

Dem Herrscher werden alle positiven Eigenschaften des Mannes (insbesondere des Vaters) zugeschrieben. Er ist der Fürsorger, Entscheidungsträger und Richter schlechthin. Als Herrscher hat er die Aufgabe, diese Eigenschaften zum Wohle der Gemeinschaft einzusetzen. Dementsprechend lässt auch diese Karte sich je nach Situation sehr unterschiedlich und individuell deuten. Wie bei der Herrscherin kann er eine Hilfe von Außen darstellen, die man in Anspruch nehmen kann, der man aber auch verpflichtet ist und der man zu gehorchen hat. Er Weisungen geben und Entscheidungen treffen. Ihm wird die Rolle des Vaters, oder jeder typische Männerberuf mit Leitungsposition Zugeschrieben (Manager, Vorarbeiter, Meister). Die Karte kann einen auch an all das erinnern, wofür man Verantwortung hat, oder wofür man Verantwortung übernehmen soll. Die Besondere Herausforderung ist den Mut für Entscheidungen (auch unangenehme) aufzubringen, aber auch die Folgen für die Gruppe oder das Projekt abzuwägen. Damit korreliert der Herrscher auch mit allen Königen, welche eine ähnliche Aussage haben. Doch sein Verantwortungsbereich ist eher allgemeiner Natur, und nicht auf einen bestimmten Bereich, den die "Farben" vorgeben, beschränkt. Sein Bereich ist im allgemeinen die Repräsentation nach außen (sowohl im Berufsleben aber auch in Gemeinschaften).

V. Der Hierophant[Bearbeiten]

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Grundbegriffe: Belehrung, Studium, Gemeinschaft, Religiosität, aber auch Dogmatismus, Formalismus, Sophisterei

Auf der Karte ist ein Hohepriester dargestellt, der eine Tiara trägt. Er trägt ein rotes Gewand und darüber ein Pallium. In der linken Hand hält er ein Papstkreuz, die Rechte ist mit dem Segensgestus erhoben. Unter seinen Füßen sieht man die symbolischen Schlüssel des Simon Petrus. Vor dem Hohepriester sieht man zwei Mönche in Tonsur, das Gewand des einen ist mit Rosen geschmückt, das des zweiten mit Lilien.

Die Tiara und das Papstkreuz zeigen die weltliche, geistliche und spirituelle Herrschaft des Hohepriesters und sind Zeichen seiner Vollmacht. Die Petrischen Schlüssel zeigen an, dass er diese Vollmacht legitim ausübt, und dass ihm vom Göttlichen die Kraft, im Himmel und auf Erden zu lösen und zu binden, verliehen worden ist. Das Segenszeichen deutet an, dass er sein Amt zum Wohle all jener ausüben will, die unter seiner Herrschaft stehen, die rote Farbe seines Gewandes steht für die Liebe und Hingabe, mit der er sein Amt ausübt. Das Pallium, das Insignium der Metropoliten und Erinnerung an die Wundmale Christi, zeigt an, dass er sein Amt aufgrund einer Offenbarung Gottes inne hat. Die Mönche vor ihm symbolisieren die Schüler und Anhänger des Hohepriesters. Die Tonsur zeigt ihre Verbundenheit mit dem Göttlichen. Das Kleid mit den Rosen zeigt die Liebe in dieser Verbindung, das Kleid mit den Lilien die Reinheit der Hingabe.

Deutung

Der Hoheprister symbolisiert einen männlichen spirituellen Lehrer oder Führer und weist auf alle höheren Werte hin. Er wacht über die Einhaltung von Regeln, Normen und Konventionen. Dazu gehört Religion, Bildung, Wissenschaft, Kultur, Gericht, Justitz, Sitten und Normen u.v.a.m. Er selbst unterliegt unmittelbar diesen höheren Werten. Die Schüler bzw. Anhänger unterliegen diesen Regeln mittelbar. Der Hoheprister ist der Vermittler und Bewahrer der Kulturleistungen der Menschen. Jeder Mensch unterliegt gewissen Regeln und Normen. Sie vermitteln Sicherheit und Stabilität, sie können in bestimmten Fällen aber auch einengen und hemmen. Man kann sich dies zunutze machen, indem man sich an dem orientiert was "man" so denkt, es kann aber auch sein, dass man sich vor dem verantworten muss, was "man" so denkt. Beruflich passt der Hohepriester zu Lehrern, Ausbildern, Richter, Notar, Anwalt, religiöse Berufe, gemeinnützige Aufgaben (sozialer Natur, Umweltschutz, Kultur usw.), aber auch Berufe wo es um Qualitätskontrolle geht. Die Karte weist einen darauf hin, dass es noch höhere Werte und Ordnungen gibt, an denen man sich orientieren kann oder die man berücksichtigen muss. Der Hohepriester kann aber auch die Gesellschaft symbolisieren, dessen Normen und Werte man berücksichtigen muss.

VI. Die Liebenden[Bearbeiten]

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Grundbegriffe: Liebe, Ehe, Freundschaft aber auch bloße Begierde, Eifersucht

Auf der Karte sieht man rechts eine Frau, deren Blick in den Himmel gerichtet ist, links steht ein Mann, dessen Blick auf die Frau gerichtet ist. Beide halten sich eine Hand entgegen, hinter der Frau sieht man einen Obstbaum, um den sich eine Schlange windet, hinter dem Mann ist ein Baum, dessen Blätter wie kleine Flammen aussehen. In der Mitte der Karte ist ein Berg abgebildet. Über dem Paar schwebt ein großer Engel, der segnend die Hände über das Paar ausbreitet, sein Haar scheint aus Feuer zu bestehen. Über dem Engel strahlt eine große Sonne.

Die Blickrichtung der Frau, des Mannes und die Bewegung der Hände zueinander zeigen die drei Formen der Liebe, wie sie in der griechischen Sprache unterschieden werden. Der Blick der Frau in den Himmel symbolisiert die Liebe zum Göttlichen, Agape, der Blick des Mannes auf die Frau zeigt die sexuelle Liebe, Eros, und die Bewegung der Hände aufeinander zu zeigt die freundschaftliche Liebe, Philia. Die segnenden Hände des Engels und der Berg in der Mitte deuten an, dass jede dieser Formen der Liebe gesegnet ist und hin zum Göttlichen führt. Der Engel ist durch das Feuerhaar als Erzengel Michael dargestellt, dem Beschützer der Menschen. Die Liebe steht also unter seinem Schutz. Die strahlende Sonne symbolisiert das Licht Gottes, von dem die Liebe unter den Menschen ein Abbild ist. Die beiden Bäume erinnern an den Baum der Erkenntnis zwischen Gut und Böse und an den Baum des Lebens in der biblischen Darstellung des Paradieses, was darauf hindeutet, dass in der Liebe ein kleines Paradies liegt. Die Schlange der Versuchung, die es in der biblischen Geschichte zustande gebracht hat, dass Adam und Eva das Paradies verlassen mussten, symbolisiert hier die Eifersucht, die das Ende der Liebe bedeutet und damit die Menschen aus dem kleinen Paradies vertreibt.

VII. Der Wagen[Bearbeiten]

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Grundbegriffe: Selbstsicherheit, Stabilität, Erfolg, Sieg, aber auch Unbeweglichkeit, Überheblichkeit, sich gegen außen abschotten

Man sieht einen jungen Krieger in blauer Ritterrüstung in einem Wagen, der aus einem Felsquader besteht. Der Wagen hat einen Baldachin aus blauem Stoff mit einem Sternenmuster. Der Krieger trägt eine Sternenkrone auf dem Kopf, seine Schulterplatten sind Mondgesichter. Der Rock ist mit alchemistischen Zeichen geschmückt, sein Gurt mit den Sternzeichen. Auf dem Wagen ist ein Schild angebracht, das ein Rad mit einer Achse zeigt. Über dem Schild ist ein geflügelte Sonnenscheibe angebracht. Die Zugtiere des Wagens sind eine schwarze und eine weiße Sphinx.

Der Baldachin wie auch die Krone, der Gurt und die Schulterplatten zeigen an, dass der junge Krieger seiner selbst bewusst ist und seinen Platz im Univerusm kennt. Er ist mit seinem Schicksal einverstanden. Die alchemistischen Symbole zeigen an, dass er gebildet ist. Der Felsquader, der den Wagen bildet, ist der behauene, rechwinkliche Steinblock der Freimaurerei, der anzeigt, dass der Krieger auch charakterlich geschult ist. Das Symbol auf dem Schild zeigt die Durchdringung des Irdischen mit dem Göttlichen. Die geflügelte Sonnenscheibe zeigt an, dass der Wagenlenker von Erfolg gekrönt ist. Die beiden Sphingen, welche an die beiden Säulen der Hohepriesterin erinnern, zeigen an, dass der Wagenlenker sich sowohl von der Vernunft wie auch vom Glauben leiten lässt. Dass sie aber voneinander wegschauen, zeigt an, dass diese beiden Antriebe noch nicht geeint sind, und der Wagenlenker hin und her gerissen ist zwischen Vernunftgründen und irrationalen Gründen, weswegen auf der Karte auch keine Bewegung zu erkennen ist. Der Wagen steht still.

Deutung

Der Wagen besagt, das ein Projekt am Laufen ist, mit allen daraus sich ergebenden Folgen. Die Deutung ist auch hier mannigfaltig. Man kann zum einen froh sein, dass die Dinge überhaupt ins Rollen kommen. Man muss den Wagen aber auch in der Spur halten, damit einem nicht die Pferde durchgehen. Obwohl das Ziel klar scheint, muss der Lenker auf unterschiedliche Beweggründe achten, die das Lenken erschweren könnten (beispielsweise die Spannung zwischen Konstitution und Motivation). Wenn ein Projekt erst einmal läuft, muss man es am Laufen halten. Der Wagenlenker muss nicht selber laufen, sondern er muss die Übersicht behalten, und er hat durch seinen nur scheinbaren Stillstand die rechte Balance gehalten.

VIII. Kraft[Bearbeiten]

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Man sieht auf der Karte eine Frau, die einen Löwen krault. Über dem Haupt der Frau befindet sich eine Lemniskate. Sie hat Blumen in den Haaren, und ihre Schürze besteht ebenfalls aus Blumen. Sie trägt ein weißes Kleid. Der Löwe leckt die rechte Hand der Frau und räkelt sich genüsslich.

Deutung

Man sollte die Kraft nicht als reine physische Stärke missdeuten, denn die junge Frau ist auf den ersten Blick nicht wirklich kräftiger als der Löwe. Wenn man jedoch bedenkt, wie ein Dompteur im Zirkus in der Lage ist, eine so gefährliche Kreatur wie den Löwen zu bändigen, dann muss man sich fragen, woher er seine vermeintliche Stärke bekommt. Wenn man ihn fragt, wird er neben vielen anderen Dingen "Zuneigung zum Tier", "Geduld", "Disziplin", "Konsequenz", "Ausdauer", "Willensstärke", "Freundlichkeit und Liebe", "Langmut" und mitunter auch eine große Portion "Frustrationstoleranz" anführen. Der Löwe deutet zwar darauf hin, dass eine Situation jederzeit eskalieren kann, aber das Unendlichkeitszeichen über dem Kopf der Frau weist darauf hin, dass die oben genannten Tugenden im Gegensatz zur rein physischen Stärke praktisch unendlich vorhanden bzw. jederzeit abrufbar sind. Die Karte ist selbst ein "Kippbild". Je nachdem, wie man die Karte interpretiert, kann man entweder zum Schluss kommen, dass eine potentielle Gefahr gebändigt wird (vgl. die Geschichte von "Daniel in der Löwengrube") oder aber dass man blauäugig in eine Situation hinein läuft, und die Gefahr gar nicht richtig abschätzen kann, und sich und seine eigenen Fähigkeiten überschätzt. Aber selbst wenn man davon ausgeht, dass die eigenen Kräfte doch ausreichen, könnte man die Karte dahingehend negativ deuten, das der Kampf ewig andauern wird. Die Kraft erwächst aus der Ausdauer. Wenn man die Frau nicht auf sich selbst bzw. den Fragesteller deuten will, kann man in ihr auch eine Hilfe von Außen sehen, die der Krise Einhalt gebietet.

IX. Der Eremit[Bearbeiten]

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In einen grauen Kapuzenmantel gehüllt steht der Eremit aufrecht, mit insichgekehrtem Blick auf einem Berg. Mit der linken Hand stützt er sich auf einen Stab, mit der rechten hält er eine Laterne hoch, in der ein Hexagramm erstrahlt.

X. Rad des Schicksals[Bearbeiten]

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In der Mitte der Karte befindet sich eine orangefarbene Scheibe. In der Mitte der Scheibe befinden sich zwei übereinander liegende Kreuze, zwei astrologische Symbole (das Symbol für den Planeten Merkur und das Symbol für das Sternzeichen Wassermann) und zwei alchemistische Symbole (Salz und Schwefel). Am Rand der Scheiben stehen je vier hebräische und vier lateinische Buchstaben. Die hebräischen Buchstaben bilden den unaussprechlichen Gottesnahmen IHVH (von Luther als Jehova, heute meist als Jahwe transkribiert), die lateinischen das Wort Taro. Auf der Scheibe sitzt eine Sphinx mit einem Schwert in der Hand, unten rechts an der Scheibe befindet sich Typhon (ein ägyptischer Totengott) und links unter der Scheibe befindet sich eine Schlange. In den vier Ecken der Karten befinden sich die Symbole der vier Evangelisten, von oben rechts im Uhrzeigersinn: ein Adler für Johannes, ein Löwe für Markus, ein Stier für Lukas und ein Engel für Matthäus.

Deutung

Das Rad des Schicksals weist uns auf die Sicherheit des Wandels hin. Es wird schon irgendwie weitergehen, und es nimmt auch alles seinen (vorherbestimmten!?) Lauf. Man sollte sich darauf einstellen, dass man verschiedene Phasen des Lebens durchläuft. Viele Situationen sind einfach geordnet und laufen nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten ab, denen man sich nicht entziehen kann, beispielsweise die Entwicklung des Menschen (Kindheit, Kindergarten, Schule, Ausbildung, Beruf, Hochzeit, Kinder, Seniorenalter, Verfall). Selbst wenn man meint, bei einem selbst stagniere alles, bleibt die Welt um einen herum doch nicht stehen. Die Situationen werden sich ändern, und sie sollen auch an ein gutes Ziel kommen. Hier wird man auch an das „Memento mori“ der Lateiner erinnert sowie an den Psalm 90,12: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“