Wikijunior Südamerika: Hochkulturen: Inka

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Die Ausdehnung des Inkareiches und des Chimúreiches

Die Inka beherrschten zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert ein riesiges, gut durchorganisiertes Reich. Zur Zeit der größten Ausdehnung erstreckte sich ihr Einfluss vom heutigen Ecuador bis nach Chile und Argentinien. Das rituelle, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum war die Hauptstadt Cuzco im heutigen Peru.

Die Staatsordnung des Inkareiches

Die Inka nannten ihr Reich Tahuantinsuyu ("Reich der vier Weltgegenden", für die vier Himmelsrichtungen). Beherrscht wurde das Reich vom halbgöttlichen Inkaherrscher, der sich "Sohn der Sonne" (Intip Churin) nannte. Der Name der Hauptstadt Cuzco bedeutet "Nabel der Welt".

Der Inka

Der Inka heiratete in der Regel seine eigene Schwester, allerdings hatte er daneben noch Nebenfrauen und zahlreiche Konkubinen (va. Prinzessinnen besiegter Völker). Die männlichen Nachkommen des Herrschers trugen den Titel "Inka", der ihnen beträchtliche Macht verlieh. Als Zeichen der Zugehörigkeit zum königlichen Geschlecht galten künstliche, mithilfe großer Scheiben vergrößerte Ohrläppchen.

Nachfolger des Herrscher war immer ein Sohn, wobei dieser nicht unbedingt der Erstgeborene sein musste, denn der Herrscher bestimmte den geeignetsten Nachfolger selbst. Er konnte sogar seine Wahl ändern, wenn er merkte, dass er mit den Fähigkeiten bzw. Einstellungen seines Sohnes nicht einverstanden war.

Das Reich

Das gesamte Reich war in vier Teile gegliedert, wobei diese wiederum in verschiede Provinzen mit je einer Hauptstadt unterteilt waren. An der Spitze dieser Reichsteile stand ein "Vizekönig" und die Provinzen wurden von einem Gouverneur verwaltet. Nur Adelige konnten in solche Positionen aufsteigen. Viele hohe Beamte waren außerdem mit dem Herrscher verwandt.

Die Bevölkerung

Die Großfamilie nannte man "ayllu". Sie war die kleinste soziale Einheit der Andenvölker. Jeder ayllu bestand aus mehreren Familien, wobei es nicht so wichtig war, ob man untereinander verwandt war. Das Oberhaupt war ein Mann, der Vater (purej oder auch puric genannt). Die Mitglieder des ayllu bewirtschafteten gemeinsam Grund und Boden und teilten den Ertrag unter einander auf. Tribut musste nicht bezahlt werden. Allerdings mussten die Bauern Frohndienste auf den Ländereien des Staates, ihrer Herren oder des Tempels leisten. Der Adel war natürlich von den Frondiensten (= "mita") befreit. Andere Formen der mita dienten der Schaffung und Instandhaltung des Straßennetzes. Dieser Dienst durfte eine Dauer von 90 Tagen nicht überschreiten und der Staat musste für die Ernährung, Bekleidung und Unterkunft der Arbeiter aufkommen.

Bestand Bedarf an Arbeitskräften (zB: für die Erschließung neuer Landstriche) siedelte man kurzerhand Menschen aus dichter besiedelten Teilen des Landes um. Diese Methode wurde auch angewandt, wenn von einer Bevölkerungsgruppe Aufstände zu befürchten waren.

Die Wirtschaft der Inka

Die Landwirtschaft

Neben Mais bauten die Inka va. in höheren Lagen Kartoffeln und andere Knollengewächse an. Andere wichtige Lebenmittel waren: Quinoa (fälschlicherweise "Bergreis" genannt), Bohnen, Kürbisgewächse, Paprika und Peperoni. Der Ursprung der Kartoffel liegt vermutlich auf dem Altiplano (= Region rund um den Titicacasee). Die Inka brauten sogar eine Art Bier aus Mais, die chicha.

In den tropischen feuchten Regionen Perus wurde die Kokapflanze, cuca, kultiviert. Die Blätter dieser Pflanze enthalten stimulierende Substanzen, die, wenn man sie kaut, Hunger, Durst und Müdigkeit vertrieben. Archäologische Funden beweisen, dass Kokagenusses eine sehr alte Tradition ist.

Die Inka betrieben auch Viehzucht. Lamas und Alpakas lieferten Wolle, Häute und Fleisch. Außerdem wurde das Lama auch als Lasttier genutzt. Als Fleischlieferanten dienten Meerschweinchen und Hunde.

Da die Küste sehr wasserarm ist, legten die Inka Bewässerungskanäle an. Auf dem Hochland war es nur durch Terrassen möglich, Flächen für den Ackerbau zu gewinnen. Diese Terrassen nennt man "andenes". Die andenes erlaubten es Felder an Steilhängen von mehr als 60 Grad Neigung zu bauen und verringerten die Gefahr der Erosion durch starke Regenfälle. Diese Baumaßnahmen war nur durch Fronarbeit zu realisieren.

Zum Schutz vor Hungersnöten aufgrund von Missernten gab es überall im Land Vorratsbunker.

Das Straßennetz

Die Inkas hatten ein ausgedehntes Straßennetz mit einer Länge von ca. 40 000 km. Das Reich wurde von zwei Hauptstraßen verbunden. Die erste verlief durch die Anden von Cuzco nach Quito auf einer Höhe von 3000 bis 4300 m und war etwa 5200 km lang. Die zweite verlief parallel an der Küste entlang auf einer Länge von 4000 km. Zahlreiche Querstraßen verbanden die beiden Hauptstraßen.

Soweit wie möglich wurden die Straßen geradlinig angelegt. Sie waren zwischen 1 m und 16 m breit, manchmal waren es nur Trampelpfade, aber der Großteil waren ausgebaute Straßen. Größere Steigungen wurden mit Stufen überwunden und sogar Tunnel wurden angelegt. Kleinere Bäche wurden mit Baumstämmen oder Felsbrocken überwunden, während über größere Flüsse Hängebrücken führten.

Längs der Straßen dienten tambos als Unterkünfte und Lagerräume. Das System der Kuriere ("chasqui" = Läufer) war militärisch organisiert. In kleinen Hütten oder Unterständen aus Zweigen, die jeweils in 3 km Entfernung voneinander standen, warteten sie auf Botschaften. Eine Meldung konnte so innerhalb von 5 Tagen von Quito nach Cuzco gelangen (ca. 2000 km).

Kultur der Inka

Die Inka sprachen Quechua und verwendeten die Knotenschrift Quipú. Da sie kein Geld kannten, entwickelten sie auch keine Steuern im europäischen Sinn. Stattdessen entwickelten sie einen Beamtenstaat, der durch umfangreiche, exakte, statistische Aufzeichnungen alle Leistungen und Bedürfnisse, alle Ressourcen, Tributverpflichtungen und ihre Verteilung aufeinander abstimmte. Adel und Beamte hatten viele Privilegien. Der jeweilige Herrscher wurde neben dem Sonnengott Inti, dem Schöpfergott Viracocha und der Erdgöttin Pachamama, als Gottheit verehrt.

Aufgrund der Größe des Inkareiches bildete es keine Einheit. Die eroberten Völker durften ihre Sprache und Kultur beibehalten.

Untergang

1532 landete Francisco Pizarro an der peruanischen Küste. Bereits einige Jahre davor wurden die Inka von für sie neuartigen Krankheiten (Pocken und Masern) heimgesucht, die sich über Mittelamerika nach Süden ausgebreitet hatten und tödlich verliefen. Pizarro fand kein starkes Reich vor, sondern einen Staat, der unter einem Bürgerkrieg litt. Außerdem unterschätzten die Herrscher die Gefahr durch die Ankunft der Spanier. Den Waffen aus Stahl hatten sie mit ihren Rüstungen aus Leder und Baumwolle nichts entgegen zu setzen. Meist versuchten sie ohne jegliche Verteidigung zu fliehen.