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Zweihundert Jahre Sächsischer Alterthumsverein (1824–2024)/ Karl Borromäus von Miltitz auf Scharfenberg

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Karl Borromäus von Miltitz wurde am 9. November 1780 in Dresden als Sohn des wegen seiner riesenhaften Erscheinung und Körperkraft sowie durch seine tollen Jugendstreiche stadtbekannten Hofmarschalls Friedrich Siegmund von Miltitz geboren.

Im „Neuen Nekrolog der Deutschen", 1845, I (Weimar 1847) nennt ein Anonymus 1781 als Geburtsjahr. Fürstenaus Biographie Miltitzens in der „Allgemeinen Deutschen Biographie" beruht fast ausschließlich auf diesem Nekrolog, weswegen dieser Fehler übernommen wurde. Ausweislich von Taufe und Firmung ist aber 1780 korrekt.

Sein Vater stammte aus Wetzlar in Hessen (dort geboren am 19. November 1735).

Seine Mutter Marie Therese Johanna de Deo Walpurgis Wilhelmine Eva von Daun (*19. Juli 1752 in München; gest. am 26. April 1818 in Dresden) war die Tochter des Grafen Karl Wilhelm Stanislaus von Daun (* 4. November 1724; gest. am 17. November 1792) und der Gräfin Maria Jakobine Walburga von Königsfeld (* 11. November 1720; gest. am 10. März 1788).

Sein Großvater Heinrich Gottlob von Miltitz (1687–1757) war in Wetzlar als Jurist Assessor am Reichskammergericht und erbaute von 1745 bis 1748 das "Neue Schloss" in Wetzlar, wo Miltitzens Vater aufwuchs.

Der Kammergerichtsassessor war Beisitzer des obersten Richters (Kammerrichters) am Reichskammergericht. Es war üblich, daß sich hochangestellte Persönlichkeiten am Reichskammergericht, das seit 1689 in Wetzlar ansässsig war, ein Stadtschloß errichten ließen, so der Richter Franz Adolf Dietrich von Ingelheim von 1715 bis 1718 das Von Ingelheim’sche Palais. Am Palais Papius waren sogar zwei Reichskammerangestellte beteiligt: es wurde um 1740 durch den Prokurator Johann Conrad Heeser von Lilienthal erbaut und ab 1756 durch den Assessor Johann Hermann Franz von Pape (genannt Papius) erheblich erweitert. In sehr kurzer Zeit hatte von Papius fünf sehr repräsentative Häuser erworben und aufwendig renovieren lassen, darunter auch das Grundstück in der Hofstatt 10, auf dem er ein Haus baute, das heute das Reichskammergerichtsmuseum beherbergt.

All dies konnte natürlich nicht vom Gehalt eines Assessors bezahlt werden, sondern wurde laut Anette Baumann mit ziemlicher Sicherheit nur durch illegale Praktiken bei der Rechtsprechung finanziert.[1] Geschenke an Amtspersonen waren damals üblicher als heute und galten sogar als soziale Pflicht. In der Reichskammergerichtsordnung war jedoch die Annahme von Geschenke durch Angehörige des Gerichtes verboten.[2]

Papius wurde schließlich wegen Korruption abgesetzt und 1773 durch Goethe als Assessor Sapupi im Götz von Berlichingen verewigt.

Brautvater. Ach, da macht alles hohle Pfötchen. Der Assessor allein, Gott verzeih’s ihm, hat mir achtzehn Goldgulden abgenommen. - Bräutigam. Wer? - Brautvater. Wer anders als der Sapupi? - Götz. Das ist schändlich. - Brautvater. Wohl, ich mußt’ ihm zwanzig erlegen. Und da ich sie ihm hingezahlt hatte, in seinem Gartenhaus, das prächtig ist, im großen Saal, wollt mir vor Wehmuth fast das Herz brechen. Denn seht, eines Haus und Hof steht gut, aber wo soll baar Geld herkommen? Ich stund da, Gott weiß wie mir’s war. Ich hatte keinen rothen Heller Reisegeld im Sack. Endlich nahm ich mir’s Herz und stellt’s ihm vor. Nun er sah, daß mir’s Wasser an die Seele ging, da warf er mir zwei davon zurück, und schickt mich fort. - Bräutigam. Es ist nicht möglich! Der Sapupi? - Brautvater. Wie stellst du dich! Freilich! Kein andrer! - Bräutigam. Den soll der Teufel holen, er hat mir auch funfzehn Goldgülden abgenommen. Johann Wolfgang von Goethe: Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. Weimar: Hermann Böhlau, 1889, Seite 78. bei Wikisource

Miltitzens Großvater Heinrich Gottlob hatte Glück, er starb siebzigjährig am 19. Mai 1757 ehrenvoll in Hamburg (geb. 27. Januar 1687 in Eschdorf bei Dresden, heute zu Schönfeld-Weißig und damit zu Dresden eingemeindet). Seine Eltern waren Alexander von Miltitz (18. Dezember 1653 bis 10. November 1721) und Eva Elisabeth von Schönfeld (*14. Mai 1657 in Wachau, gest. 7. April 1701). 1696 wurde das Rittergut Eschdorf als Grundherrschaft erwähnt.

Alexander von Miltitz war über Dietrich von Miltitz (* 10. Februar 1620; gest. 2. September 1670) und Alexander von Miltitz (* 20. Oktober 1578; gest. 30. September 1635 in Delitzsch) Urenkel von Alexander von Miltitz (* 20. Oktober 1535; gest. 20. November 1595), einem Sohn des Ernst von Miltitz, des Hofmarschalls, Oberhofmeister und Statthalters des sächsischen Herzogs Moritz. Ernst von Miltitz beaß die Rittergüter Batzdorf und Siebeneichen. 1547 wurde Moritz Kurfürst von Sachsen und Ernst von Miltitz Oberhauptmann des Meißnischen Kreises. Von 1553 bis 1555 ließ er das Renaissanceschloss Siebeneichen errichten, das später für den Scharfenberger Romantikerkreis eine besondere Bedeutung erlangte.

Der Bau des "Neuen Schlosses" in Wetzlar von 1745 bis 1748 durch den Kammergerichtsassessor Heinrich Gottlob von Miltitz spornte auch seinen Verwandten Heinrich Gottlob von Miltitz auf Siebeneichen an, ebenfalls von 1745 bis 1748 sein Renaissanceschloss im Barockstil zu erneuern. Außerdem erweiterte Heinrich Gottlob von Miltitz das Schloß auf der Westseite um einen Dreiflügelbau. Dies war dann der Bau, den der Romantikerkreis nutzen konnte, und der sich bis heute erhalten hat.



trat in schon jungen Jahren 1797 in die sächsische Armee ein. Erst im Jahr zuvor hatte Sachsen mit Frankreich in Nichtangriffsverhandlungen eine Neutralitätslinie ausgehandelt und alle sächsischen Soldaten wieder in ihre Heimatkasernen verlegt, die als Kontingent von 9.000 Mann innerhalb der Reichsarmee des Heiligen Römischen Reiches gegen das revolutionäre Frankreich gekämpft hatten. Im Jahr 1798 betrug die Gesamtstärke 31.644 Mann.

Angehörige der sächsischen Schweizergarde im Jahr 1806
Eine Partisane aus der sächsischen Schweizergarde (Stangenwaffe mit Doppeladler als Ohren, sternförmig durchbrochener Rosette und einer breiten, geflammten, zweischneidigen Stossklinge)

1802 kam Karl Borromäus von Miltitz zur nach dem Vorbild der Cent-suisses (Hundertschweizer) aus 128 Mann bestehenden Schweizer (Leib)Garde des sächsischen Kurfürsten Friedrich August I. (des Gerechten).

Diese Palastgarde war zuständig für die Sicherheit im Inneren der kurfürstlichen Paläste, in Dresden stationiert und in erster Linie eine Repräsentations-Truppe für besondere Anlässe. Dadurch wurde die modische, gepuffte und geschlitzte Galauniform und die nur wenig bescheidenere Arbeitsuniform wesentlicher als die Bewaffnung. Die Mannschaft trug gelb-blau, die Hellebardiere waren wie an vielen deutschen Fürstenhöfen mit der Partisane, einer Stangenwaffe, und einem langen Degen als Seitengewehr bewaffnet.

1803 wurde Karl Borromäus von Miltitz Premierlieutenant und somit dritthöchster Mann der Palastgarde, 1804 Kapitänlieutenant und damit Stellvertreter des Schweizer Hauptmanns im Range eines Generals der Infanterie Johann Joseph von Griset (von Forel) aus Freiburg. Höher konnte er in dieser Hierarchie nicht mehr steigen. 1769 wurde Jean Griset de Forel als Erzieher des 19-jährigen Kurfürsten Friedrich August III. an den sächsischen Hof gerufen. Später übernahm er auch die Ausbildung von dessen Brüdern und Neffen. 1781 wurde Jean Griset de Forel Generalmajor, 1790 Generalleutnant und 1799 General der Infanterie. Er war Mitglied des Kriegsrats, Kammerherr und persönlicher Berater von Friedrich August III., als erster sächsischer König seit 1806 Friedrich August I. Die Offiziere der Schweizer (Leib)Garde trugen blau-gelb, verziert mit breiten silbernen Borten, Bändern und Kordeln. Ende 1806 wurde aus der kursächsischen Schweizer Garde von Napoleons Gnaden eine königliche Schweizer Garde.

Karl Borromäus von Miltitz beschäftigte sich bereits während seines Garnisonlebens intensiv mit Musik und Literatur und lernte aus diesem Impuls heraus ab 1802, seiner Zeit bei der Palastgarde, in Dresden bei dem Kreuzkantor Christian Ehregott Weinlig und Hofkapellmeister Joseph Schuster Komposition. Joseph Schuster leitete ab 1788 auch den Unterricht der kurfürstlichen Familie und zog sich etwa 1800 zunehmend aus dem Komponistenleben zurück. Ab 1804 komponierte Karl Borromäus von Miltitz auch selbst. Im Laufe seines Lebens komponierte er Opern, Schauspielmusiken (vorrangig für das Berliner Hoftheater), Oratorien, Kirchenmusik, und Lieder. Außerdem verfasste er Opernlibretti, Schauspiele, Gedichte sowie Beiträge zu Periodika wie der Abend-Zeitung, der Allgemeinen musikalischen Zeitung und der Caecilia.

Am 7. Mai 1810 heiratete Karl Borromäus von Miltitz die 1787 geborene (Marie) Auguste (Friederike) von Watzdorf und quittierte seinen militärischen Dienst. Die Schweizer (Leib)Garde wurde bereits 1814 durch den russischen Generalgouverneur (Vizekönig) im Generalgouvernement Sachsen, Nikolai Grigorjewitsch Repnin-Wolkonski, aufgelöst. Der sächsische König Friedrich August I. der Gerechte war nach der Völkerschlacht bei Leipzig (16. bis 19. Oktober 1813) gefangen genommen wurden und befand sich im Berliner Stadtschloss, ab Juli 1814 im Schloss Friedrichsfelde bei Berlin.

Das frischgebackene Ehepaar bewohnte das Gut Neukirchen bei Wilsdruff. 1811 entstanden enge Kontakte zu

1812 bekam Karl Borromäus von Miltitz das halbverfallene Schloss Scharfenberg von seinem Couisin Dietrich von Miltitz überlassen hatte. Hier sammelte er bis 1818/19 den "Scharfenberger Kreis" romantisch-patriotischer Männer um sich.

Ebenfalls 1812 verkaufte er sein Gut Neukirchen mit dem dazugehörigen Ort Steinbach, welcher heute mit Gompitz zu Dresden eingemeindet ist. Der größere Teil von Steinbach gehörte zum Rittergut Scharfenberg und damit denen von Miltitz. Nur ein kleinerer Teil des Ortes gehörte denen von Schönberg.

1813 flüchtete er vor der französischen Armee nach Böhmen und schloss sich von Oktober 1813 bis Frühjahr 1814 der österreichischen Armee an. Am 12. September 1814 erfolgte seine förmliche Entlassung als Oberleutnant. Danach kehrte er nach Scharfenberg zurück.

1816 gesellte sich der damals 44-jährige Schriftsteller August Apel zu dem Scharfenberger Romantikerkreis, der aber schon am 9. August des gleichen Jahres verstarb.

Von 1819 bis 1820 unternahm Karl Borromäus von Miltitz eine lang geplante Studienreise nach Italien, welche durch die politischen Verhältnisse der Zeit immer wieder aufgeschoben wurden war. Hierdurch kam auch der "Scharfenberger Kreis" zum Erliegen.

Am 21. November 1822 heiratete der 21-jährige sächsische Prinz Johann von Sachsen die ebenfalls 21-jährige Prinzessin Amalie Auguste von Bayern. Auguste von Miltitz wurde Oberhofmeisterin von Amalie Auguste, weswegen das Paar seinen Lebensmittelpunkt nach Dresden verlegte.

1824 wurde Karl Borromäus von Miltitz Oberhofmeister des Prinzen Johann von Sachsen. Solche Ämter bekam die bedeutende sächsische Adelsfamilie von Miltitz des Öfteren übertragen, so übernahm schon vor 1530 Ernst von Miltitz als Hofmarschall die Verwaltung des Dresdner Hofs unter dem späteren sächsischen Herzog (1541) und Kurfürsten (1547) Moritz von Sachsen. Das Prinzenpaar wurde durch den frühen Tod von Johanns älterem Bruder Friedrich August II. (Sachsen) am 9. August 1854 König und Königin von Sachsen. Das erlebten die von Miltitz nicht mehr. Auguste starb 1842, Karl Borromäus am 19. Januar 1845 in Dresden als zuletzt königlich sächsischer wirklicher Geheimer Rath und Kammerherr.

  1. Anette Baumann: Korruption und Visitation am Reichskammergericht im 18. Jahrhundert: eine vorläufige Bilanz. Hrsg.: Gesellschaft für Reichskammergerichtsforschung (= Schriftenreihe der Gesellschaft für Reichskammergerichtsforschung. Nr. 41). Wetzlar 2012, S. 11.
  2. Anette Baumann: Korruption und Visitation am Reichskammergericht im 18. Jahrhundert: eine vorläufige Bilanz. Hrsg.: Gesellschaft für Reichskammergerichtsforschung (= Schriftenreihe der Gesellschaft für Reichskammergerichtsforschung. Nr. 41). Wetzlar 2012, S. 13.