Ab durch die Mitte - Mit dem Motorrad durch den Mittelpunkt Europas (Reisebericht): -Rückreise- Langeweile auf der Ostsee

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Rückreise - Langeweile auf der Ostsee[Bearbeiten]

Der achtundzwanzigste Tag (25.06.2009)[Bearbeiten]

84 Kilometer


Über den Finnischen Meerbusen nach Helsinki

Helsinki


Einfach aber ausreichend, Hotel Lilleküla in Tallinn

Eigentlich sollte der Wecker um sechs Uhr klingeln, um ganz langsam wach werden zu können. Wenn im Wecker aber die Zeitverschiebung nicht berücksichtig wurde, dann ist ein 6-Uhr-Klingeln in Tallinn um sieben. Das war nicht weiter schlimm, da das Aufstehen eh um sieben geplant war. Aber mit langsamen Wachwerden war es Essig. Das Adrenalin, welches beim Blick auf die Uhr kurzzeitig ausgeschüttet wurde, machte ein langsames Wachwerden eh überflüssig.

Pünktlich zum Frühstück um acht standen die Maschinen startklar vor dem Hotel. Die Rechnungen waren auch schon bezahlt und so wollten wir in aller Ruhe das Frühstück genießen, um dann zum Flughafen aufzubrechen.

Das Frühstück hatte eher Jugendherbergscharakter, machte aber satt und Kaffee gab es auch, ganz gut schmeckenden. Von Ülla waren wir aber eine ganze Woche lang andere Frühstücksversorgung gewöhnt. Die Fahrt vom Hotel zum Flughafen gestaltete sich etwas umständlich, aber wir kamen immer noch pünktlich an. Beim Einchecken gab es keine Schlange und auch freie Platzwahl, Fenster sollte es sein. Beim Abschied von der Kleinen flossen dann auch keine Tränen, denn wir würden uns auch bald wiedersehen.

Kalle und ich füllten vom letzten Geld noch einmal die Vorräte für die Seereise auf und träufelten für die letzten Kronen Benzin in den Tank. Wir hatten uns zwar keinen Plan gemacht, wann wir wie mit der Fähre übersetzen wollten, aber am Fährterminal hätten wir keine Minute später ankommen dürfen. Gerade war eine Fähre zum Ablegen bereit und so wurden hinter uns die Tore schon geschlossen, während wir noch eincheckten.

Abschied von Tallinn und dem Baltikum

Es ist schon komisch, dass man an einem internationalen Fährhafen nicht mit Euro in bar oder wenigstens mit EC-Karte bezahlen konnte. Zum Glück habe ich für solche Notfälle meine Kreditkarte dabei. Das wird zwar teuer im Ausland, aber es hilft weiter.

So kamen wir ohne Verzögerung nach Helsinki. Kalle nutze die Seereise, um seine Rauchvorräte günstig aufzufüllen und noch schnell Andenken bzw. Mitbringsel zu kaufen.

In Helsinki mussten wir uns erst einmal orientieren. Am Terminal gab es keinen Plan, wie man zum nächsten Terminal kommen konnte, um die Fähre nach Rostock zu erreichen. Auch hatten wir keine Vorstellung, wie groß Helsinki ist und wie weit die Terminals auseinander liegen könnten. So entschied ich auf eine Fahrt ins Zentrum. Vielleicht findet sich dort eine Art Stadtplan oder so etwas wie eine Touristeninformation. Die Adresse vom Terminal hatte ich ja. Mir würde also ein Stadtplan mit Straßennamen reichen.

Willkommen in Finnland ... Helsinki Seeseite

So entdeckten wir den Bahnhof. Dort ist im Normalfall die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, einen solchen Plan zu finden, dachte ich mir. Fehlanzeige! Aber eine Touristeninformation gab es. Ich also dort rein und gefragt, wie man zu diesem Terminal kommen könnte. Die freundliche junge Frau hatte auch keine Ahnung, weil es in Helsinki ja auch so viele Terminals gibt. Aber sie hatte Internet. So bekam sie dann ganz schnell heraus, wohin ich wollte und anhand eines Busfahrplanes konnte sie mir dann erklären, wo das ist.

Bahnhof Helsinki

Da auf einem Plan für öffentliche Verkehrsmittel aber nur die Bus- und Bahnlinien farblich gekennzeichnet sind und keine Straßennamen drin stehen, gestaltete sich die Fahrt so, wie wir es aus dem Baltikum gewohnt waren. Einmal sind wir zu spät abgebogen und einmal mussten wir die Auffahrt auf eine Hochstraße erst suchen. Ansonsten orientierte ich mich an der Metro, die bald begann oberirdisch zu fahren und deren Stationsnamen Stadtteile waren, die auf Wegweisern standen und in meinem Plan rot eingezeichnet waren.

Kurz vor den Terminals hörte die Metro auf. Ich fragte einfach einen Bauarbeiter, der gerade aus seiner Baubude kam. Der sagte mir, dass ich auf der anderen Seite einer Bucht suchen müsste, an der wir uns gerade befanden. Warm also?

Irgendwann kam auch mal ein Schild „Hansegute“ – das gefiel mir, folgte der Richtung und so erreichten wir eine Stelle, an der ganz groß „Check-In“ stand.

Dort frage ich mal nach unserer Fähre. Musste aber sofort feststellen, dass ich mich bei der Konkurrenz befand. Die Jungs am Schalter waren aber so freundlich uns zu sagen, dass zwei Schalter weiter gegen 16 Uhr mit dem Check-In für Rostock angefangen wird.

Auf eine Fahrt zurück in die Stadt hatten wir keine Lust mehr. Es war gegen 14 Uhr und da würde uns kaum Zeit bleiben, denn die Fahrt nahm schon über 30 Minuten für eine Tour in Anspruch. Wir machten eine kleine Brotzeit und ruhten uns in der Sonne aus.

Endloses Warten vor und während des Check-In

Lange konnten wir uns so ausruhen, denn der Check-In begann erst kurz vor 17 Uhr, obwohl 16 Uhr dran stand. Als es dann endlich los ging und wir eingecheckt hatten, erklärte mir die Check-In-Maus hinterher, dass, wenn wir zusammen reisen, wir auch zusammen einchecken sollten. Dann würden wir irgendeine Gebühr sparen. Was war denn das, fragte ich mich? Hatten wir denn nicht gerade gemeinsam eingecheckt und was für eine Gebühr? Beim Bus bezahle ich doch auch die Fahrkarte und kaufe mir nicht noch die Frau von der Fahrkartenausgabe für eine halbe Stunde dazu. Nun ja ...

Im Inneren der Fähre: die Maschinen müssen gut fest gemacht werden

Der Abend auf dem sonnigen Parkplatz am Check-In wurde noch lang. Erst gegen 20 Uhr wurden wir endlich auf die Fähre gelassen. Während des Wartens lernten wir noch Helmut kennen, 70 Jahre aus Rheinland-Pfalz. Der war ganz allein mit seiner 125er am Nordkap und das nur, weil er immer gesagt hatte, er würde diese Tour mal machen und ihn seine Kumpels schon damit aufgezogen haben, dass er es wohl nie mehr tun würde.

Nachdem wir unsere Maschinen in der Fähre festgemacht hatten, besorgte ich mir erst einmal einen Schlafplatz. Mein Topcase hatte ich schon mit Schlafsachen, Waschzeug und Schreibkram gepackt und es als Köfferchen mitgenommen. Die Stiefel habe ich am Moped gelassen, die würden da unten besser lüften. Und mit meinen Schlappen war ich an Bord ganz gut unterwegs. Würde eh nicht viel laufen, musste ja für 3 Tage nachschreiben.

Dazu hatte ich aber an diesem Abend keine Lust mehr, außerdem war es schon spät. Ich habe mir mit Helmut noch ein paar Bierchen als Absacker erlaubt, während wir uns über die Bildzeitung von gestern unterhielten, die er irgendwo gefunden hatte. Hauptthema war, dass drei Typen von der Mc-Donalds-Campingtruppe in ihrem Panzer ersoffen waren.

Ich erzählte Helmut, dass mir Herr Enn erklärte hatte, in Estland müssen Fahranfänger einen Aufkleber mit einem grünen Ahornblatt ans Auto machen. Ist da bei der Bundeswehr nicht auch so was dran? Oder war das ein Eichenblatt? Wir unterhielten uns noch eine Weile darüber und kamen überein, dass bei dieser Truppe auch noch keiner so richtig gefallen war, sondern eher Unfällen zum Opfer fiel. Schlecht geträumt habe ich davon jedenfalls nicht, sondern sehr gut und lange vor meinem Ruhesitz im Inneren des Schiffes geschlafen.

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Der neunundzwanzigste Tag (26.06.2009)[Bearbeiten]

75 Kilometer


Langeweile auf der Ostsee

Rostock - Wismar - Beckerwitz


In der Nacht bin ich zwar irgendwann mal draußen gewesen, weil Kalles Geräuschbelästigung zwischen den Sitzreihen hinter mir nicht auszuhalten war, habe aber sonst, sanft geschaukelt, in unserem warmen abgedunkelten Raum in der Schiffsmitte bis 11 Uhr geschlafen. Das war gut. So fand ich einen sauberen Waschraum vor, habe das Frühstück gespart und nur noch 12 Stunden bis Rostock durchzuhalten.

Langeweile auf See

Habe mich auch, bis auf wenige Spaziergänge, ans Schreiben gehalten. Zum Mittag ein Bier, gegen 17 Uhr eine Tüte der teuersten, nicht schmeckenden, Gummibärchen, die ich je gegessen hatte. Ansonsten bleibt einem an Bord eines solchen Dampfers nicht viel. Einige Frauen habe ich beobachtet, die sich alle 2 Stunden in andere Garderobe gezeigt haben, wenn ich zwischendurch nicht noch was verpasst habe.

Rostock kommt in Sicht

22.24 Uhr Bordzeit, also kurz vor zehn in Rostock, habe ich bei den Braunschweigern, die in Beckerwitz schon auf uns warten, per SMS ein kühles Bier geordert. Eins weiß ich jetzt, eine Kreuzfahrt werde ich mal nie machen. So eine Zeitverschwendung tue ich mir nicht an ... und Geldverschwendung. Vor lauter Langeweile geben es die Leute hier zu überteuerten Preisen in Massen aus.

In Rostock: Kurz vor der Ausfahrt aus der Fähre
Wieder zurück in Deutschland - Die Hafeneinfahrt von Warnemünde

Kurz vor Verlassen des Schiffes verabschiedeten wir uns von Helmut. Kalle und Helmut hatten sich während der ganzen Fahrt gut angefreundet und Helmut schenkte Kalle noch eine kleine Bikerbibel, wenn ich das richtig mitbekommen habe.

Vom Transferterminal in Warnemünde wählten wir die Strecke durch die Stadt Richtung Beckerwitz, wo die Braunschweiger Ate, Thorsten, Jonas und Jule schon sehnsüchtig auf uns warteten. Vor allem die Kids waren, wie Ate mir erzählte, alle zehn Minuten bis Mitternacht an der Einfahrt zum Zeltplatz, um uns in Empfang zu nehmen und wir waren erst halb Eins da.

Mit Bier, Met und Apfelschorle wurden wir begrüßt und mussten schon mal einen Kurzabriss der Reise zum Besten geben, bevor wir uns in dem riesengroßen Zelt, dass sich die Vier zugelegt hatten, in einer Schlafkabine zur Ruhe legten.

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Der letzte Tag (27.06.2009)[Bearbeiten]

321 Kilometer


Von der Ostsee zum Harz

Schwerin - Ludwigslust - Perleberg - Wittenberge - Arendsee - Fleetmark - Winterfeld - Gardelegen - Calvörde - Flechtingen - Erxleben - Barneberg - Schwanebeck - Halberstadt


Am Morgen haben wir bei Sonnenschein noch gemütlich gefrühstückt und sind dann kurz nach elf auf unsere letzte Etappe gegangen. Heute Abend würden wir, nach knapp vier Wochen, wieder in unseren eigenen Betten schlafen.

Da Kalle eher langsam touren wollte, statt schnell Strecke zu machen, überlegte ich mir eine Änderung der ursprünglich geplanten Strecke. Die schnellste Route wäre über Wittenberge gewesen, wo wir die Brücke über die Elbe nehmen mussten, weiter über Stendal und Magdeburg nach Halberstadt. Es ist aber eine recht langweilige Strecke, die man nun runterreißen kann und gut.

Die schönere Tourenstrecke, und dazu noch kürzer an Kilometern, geht aber an der ehemaligen Staatsgrenze der DDR entlang. So bogen wir bei Seehausen, kurz hinter Wittenberge, nach Arendsee ab und gelangten über Fleetmark nach Winterfeld.

Auch in dieser Gegend hatte die Eiszeit große Mengen an Findlingen aus dem Norden liegen gelassen, so dass wir uns bei der Fahrt durch die Dörfer noch einmal ins Baltikum zurückversetzt fühlten. Denn auch hier wurden diese Steine für den Bau von Mauern, Häusern und Kirchen verwendet.

Vier Wochen hat sich hier keiner gekümmert - der Garten war hin.

Bei Gardelegen begrüßte uns die Heimat mit Regen. Warum sollte die Reise auch nicht enden, dachte ich mir, wie sie die meiste Zeit gewesen ist – nass.

Aber es war nur eine kurze Episode und ab Erxleben fuhren wir wieder im Trockenen.

Nun waren wir schon wieder zurück auf meiner Heimatlieblingstourenstrecke und nach knapp einer Stunde stand ich vor meinem Hoftor. Von Kalle hatte ich mich schon kurz vor Halberstadt verabschiedet, auch er war jetzt schon zu Hause angekommen.


(schlußsatz)

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