Zum Inhalt springen

Arabisch: Schrift und Aussprache

Aus Wikibooks



Die arabische Schrift wird von rechts nach links geschrieben und ist eine Kurrentschrift. Das bedeutet, dass alle Buchstaben miteinander verbunden werden; es gibt keine für sich stehenden "Druckbuchstaben". Daher muss man für jeden Buchstaben vier verschiedene Formen lernen: eine allein stehende und jeweils eine am Anfang, in der Mitte und am Ende eines Wortes. Das klingt jetzt umständlicher, als es tatsächlich ist, da sich viele Formen wiederholen und z.B. die Endformen häufig einfach mit einem Schnörkel an der normalen Form gebildet werden. Außerdem gibt es keine Groß- und Kleinschreibung.

Hier also die einzelnen Formen. Die Aussprache der mit * gekennzeichneten Buchstaben wird im folgenden erklärt, alle anderen werden wie im Deutschen ausgesprochen:

Grundformen

[Bearbeiten]
Name Isoliert Anfang Mitte Ende Umschrift Aussprache
ʼAlif ا ',ā a*
Bāʼ b b
Tāʼ t t
Ṯāʼ stimmloses englisches th*
Ǧīm ǧ dsch*
Ḥāʼ stark gehauchtes h ohne Kratzen wie beim ch in Bach*
Ḫāʼ ch wie in Bach
Dāl d d
Ḏāl stimmhaftes englisches th*
Rāʼ r Zungenspitzen-r*
Zāi z stimmhaftes s wie in Rose
Sīn s stimmloses s wie in essen
Šīn š sch
Ṣād emphatisches stimmloses s*
Ḍād ﺿ emphatisches d*
Ṭāʼ emphatisches t*
Ẓāʼ emphatisches th*
ʻain ʻ Kehlraum-ä*
Ġain ġ Zäpfchen-r*
Fāʼ f f
Qāf q Kehlraum-q*
Kāf k k
Lām l l
Mīm m m
Nūn n n
Hāʼ h h
Wāu w,ū konsonantisch als w oder vokalisch als u*
Jāʼ j,ī konsonantisch als j oder vokalisch als i*

Wie man erkennen kann, haben gar nicht alle Buchstaben vier Formen. Die sechs Buchstaben, bei denen die Mittel- und Anfangsform fehlen (ﺯ, ﺭ, ﺫ, ﺩ, ا und ) werden nach hinten nicht verbunden. Das bedeutet, dass im Wort der folgende Buchstabe die Anfangsform haben muss, bzw. wenn es der letzte Buchstabe ist, die isolierte Form. Bei und ist das unproblematisch, da diese aufgrund ihres kleinen Endschnörkels gar nicht ordentlich weiterverbunden werden können. Ebenso ist es beiﺯ, ﺭ und  ; diese gehen unter die Zeile und man muss automatisch neu auf der Zeile ansetzen. Nur beim ا muss man immer daran denken, es nicht nach hinten zu verbinden, denn dann wäre es ein .

Weitere Teile der arabischen Schrift

[Bearbeiten]

Das Hamza bezeichnet den so genannten Glottisschlag und ist im Arabischen ein eigenständiger Buchstabe. Es ist der Laut, der am Anfang eines mit Vokal beginnenden Wortes entsteht oder jener bei Wörtern wie "naiv", "bearbeiten" "Schuhanzieher". Die beiden Vokale werden jeweils nicht wie bei den Diphthongen in "Mai", "blau", "Heu" verbunden, sondern einzeln gesprochen. Der Absatz zwischen beiden ist der Glottisschlag, der im Arabischen als Hamza in der Schrift Ausdruck findet.


Die Vokalzeichen

[Bearbeiten]
Kurzer Vokal Name Aussprache
دَ Fatḥa [a]
دِ Kasra [i]
دُ Ḍamma [u]
دْ Sukūn []

Zusätzlich zu den Konsonanten und langen Vokalen des arabischen Alphabets gibt es noch die Vokalzeichen für die kurzen Vokale. Diese werden über bzw. das Kasra unter den davor gesprochenen Buchstaben gesetzt. Das Sukūn zeigt an, dass nach dem Buchstaben kein Vokal folgt.

Da es keinen unbestimmten Artikel im Arabischen gibt, werden unbestimmte Substantive, Adjektive und Adverbien durch sog. Nunation, mit Hilfe von tanwin, gebildet. Dazu werden zu fatha, kasra und damma jeweils am Ende ein -n angefügt (-an, -in und -un). Hier wollen wir nur auf Aussprache und Schreibweise des tanwin ein. Wie und wann sie genutzt wird, wird im Abschnitt Kasus erläutert. (folgt demnächst)

Allgemein gilt für die Vokalzeichen, dass sie gesetzt werden können, aber nicht müssen. In den meisten Texten werden sie bis auf einige Stellen zum Ausschließen von Mehrdeutigkeiten nicht gesetzt (Zeitungen, Briefe, Geschäftskorrespondenz). Am Anfang ist das ziemlich entmutigend, da man die möglichen Wortbildungsmuster noch nicht kennt und daher jedes Wort einzeln lernen muss, um es aussprechen zu können. Man fragt sich, warum die Vokale nicht mitgeschrieben werden, da es doch möglich ist. Aber irgendwann wird es klappen. Nur Geduld!

Es gibt einige wenige Texte, in denen die Vokalzeichen regelmäßig mitgeschrieben werden, das sind Lehr- und Kinderbücher, Gedichte und insbesondere der Koran.

دّ

[Bearbeiten]

Die Verstärkung ّ [Schadda] bezeichnet die Verdoppelung eines Buchstabens. Bei der Aussprache muss darauf geachtet werden, dass der Buchstabe tatsächlich länger gehalten wird, da im Unterschied zum Deutschen, wo eine Konsonantenverdoppelung eine Verkürzung der umliegenden Vokale anzeigt, die Verdoppelung im Arabischen tatsächlich den verdoppelten Buchstaben betrifft.


Genauere Erklärungen zur arabischen Schrift gibt es hier: Schreibübungen

Aussprache

[Bearbeiten]

Bei der Aussprache des Arabischen ist darauf zu achten, die Konsonanten sehr genau auszusprechen, da sie die Bedeutungsträger eines Wortes sind und schon ein abweichend ausgesprochener Konsonant die Bedeutung komplett ändern kann. Im Gegensatz zum Deutschen gibt es im Arabischen keine Auslautverhärtung. D. h. alle stimmhaften Konsonanten werden auch im Silbenauslaut und direkt vor oder nach stimmlosen Konsonanten stimmhaft artikuliert, niemals stimmlos.

Die Vokale hingegen werden durch die umgebenden Konsonanten verfärbt und so kann der gleiche Vokal sehr unterschiedlich klingen. Im Gegensatz dazu verfärben im Deutschen die Vokale die Konsonanten. Vergleiche die unterschiedliche Aussprache des "ch" je nach vokalischer Umgebung.


Aussprache der vom Deutschen abweichenden arabischen Laute

[Bearbeiten]

ﻭ, ا und

[Bearbeiten]

Bei diesen drei Buchstaben weicht die Aussprache insofern vom Deutschen ab, als sie sowohl Konsonanten als auch Vokale darstellen können. Die Aussprache hängt von der Position im Wort und den umliegenden Buchstaben, besonders Vokalen, ab. Die Aussprache an sich ist genauso wie im Deutschen, wobei allerdings darauf zu achten ist, dass die Laute bei vokalischer Verwendung immer lang zu sprechen sind.

und

[Bearbeiten]

Beide Buchstaben stehen für das aus dem Englischen bekannte th, einen Lispellaut, der ähnlich wie das s gebildet wird, nur dass die Zunge weiter vor zwischen die Zähne geschoben werden muss. Dabei wird das stimmlos und das stimmhaft gesprochen.

Der Buchstabe wird stets stimmhaft gesprochen, also wie das j im englischen job. Das Deutsche kennt nur den entsprechenden stimmlosen Laut, den es jedoch im Arabischen nicht gibt.

Das klingt wie ein stark gehauchtes h, wenn man versucht laut zu flüstern. Es bedarf einiger Übung, bis man es auch im Wort flüssig aussprechen kann.


und

[Bearbeiten]

Beide R-Laute gibt es auch im Deutschen, nur sind es keine einzelnen Buchstaben, sondern je nach Region wird die eine oder die andere Form gesprochen. Das bedeutet, dass die meisten Deutschsprecher einen der beiden Laute lernen müssen.

Das Zungenspitzen-r wird an den Zähnen gebildet, wobei die Zungenspitze ganz schnell flattern gelassen wird. Es ist nicht unbedingt einfach und bedarf bei vielen Erwachsenen langer Übung. Zur Entwicklung des Lautes wird immer wieder empfohlen, schnell hintereinander d, t und l zu sprechen, wobei sicher bei jedem etwas anderes funktioniert. Nicht entmutigen lassen, wenn die ersten richtigen Schnalzer kommen, ist es ein tolles Gefühl.

Das Zäpfchen-r wird im Rachen bebildet. Es unterscheidet sich von dem hochdeutschen Zäpfchen- "r". Es wird tiefer gesprochen und ohne Reibegeräusch. Es entspricht weitgehend dem französischen "r".

ﻁ, ﺽ, ﺹ und

[Bearbeiten]

Die als emphatisch bezeichneten Konsonanten unterscheiden sich von ihren nicht-emphatischen Entsprechungen dadurch, dass sie etwas weiter hinten und emphatisch, d.h. betont, und gepresst ausgesprochen werden. Hierzu presst man die Hinter(!)- und Vorderzunge einfach verstärkt an die Munddecke. Dadurch verfärben sich (automatisch) die Vokale. Das ا , normalerweise wie [ä] ausgesprochen, klingt wie das [aw] in eng. "dawn", ein ي [i] geht in Richtung [e] und ein و [u] klingt eher wie [o]. Die Emphase beschränkt sich nicht nur auf die direkt umgebenden Vokale, sondern kann sich auf das ganze Wort ausdehnen.


Das ص ist die emphatische Variante des س und ist wie dieses in allen Positionen stimmlos.
Das ض ist die emphatische Variante des د.
Das ط ist die emphatische Variante des ت.
Das ظ ist die emphatische Variante des ذ und ist wie dieses in allen Positionen stimmhaft.

Es gibt noch einen Buchstaben, der auch emphatisch gesprochen werden kann, und zwar ist es das , allerdings nur in einem einzigen Wort: الله - Gott.

Das ist für deutsche Ohren ein sehr ungewohnter Laut. Es wird an derselben Stelle und in derselben Weise wie das Hamza gebildet, aber wesentlich stärker hervorgepresst.

Das ق ist die stimmlose Variante des deutschen "g" und klingt wie ein tiefes "k". Zur Artikulation einfach ein "g" sprechen und den Kehlkopf nicht mehr vibrieren lassen, statt dessen den Buchstaben etwas gekratzt sprechen. (Das ق kann auch etwas weiter oben gesprochen werden, aber immer hinter ك). Es verfärbt die Vokale auf dieselbe Weise wie die emphatischen Konsonanten. Das ق ist eindeutig vom ك zu unterscheiden. Vergleiche: قلب [qalb] = "Herz"; كلب [kalb] = "Hund"


Die Aussprache kann man unter Babel:arabic auch anhören [1] dort: Level 2; Writing 1-4


Orthografische Sonderfälle

[Bearbeiten]

Die Arabische Schrift ist (mit Zusatzzeichen versehen) eine bis auf wenige Ausnahmen absolute Lautschrift. Sie gibt genau die Aussprache wider. Es gibt folgende Ausnahmen:


1. Das verschwundene Alif (ا)

Ursprünglich wurde das Alif als eigener Buchstabe nur in bestimmten Fällen geschrieben. Es wurde als Vokalzeichen, wenn nötig, hinzugefügt, wie es heute noch im Qur'ân (قرآن) der Fall ist. Später schrieb man das Alif generell. Nur in bestimmten Worten hat sich die Schreibung des Alifs als Vokalzeichen erhalten. Bis auf eines dieser Wörter schreibt man jedoch Fatha (َ ) anstelle des Alifs.

a) Wörter mit ungeschriebenem Alif:

إله ilah => ilâh "Gottheit", "Gott (allgemein)"

لكن lakin => lâkin "aber"

هذه,هذ usw. hadha,hadhihi usw. => hâdha, hâdhihi usw. "dieser, diese, dieses, diesem usw."

رحمن ra7man => ra7mân "barmherzig" => الرحمن ar-ra7mân "der Barmherzige" (Beiname Gottes)

b) Wörter mit Alif als Vokalzeichen:

الله Allâh "(der eine) Gott"


2. Moderne Fremdwörter

In neuen Fremdwörtern ist es allgemein üblich, jeden Vokal, sei er kurz oder lang, mit einem arabischen Langvokal ( â,û,î) zu transkribieren.

Beispiel:

ألمانيا "Deutschland" wird almânya geschrieben, aber almanya gesprochen. (الـمنيا al-menya ist eine mittelägyptische Stadt)