Aristoteles und die Physik/ Buch II Über die Natur

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Definition der Natur[Bearbeiten]

Die Natur (auf griechisch φύσις – Physis) ist ein gewordenes und gewachsenes. Sie trägt eine Selbstbewegung in sich und ist auch zusammen mit der Kunst (siehe unten) Grund für das Dasein der Dinge. Sie ist

  1. Ursache (ἀρχή – archae) für Bewegung ( κίνησις – Kinesis) und Ruhe (στάσις – Stasis)
  2. Form (εἴδος – eidos) und Gestalt (μορφή – morphe)
  3. Stoff (ὕλη – hyle)
  4. Ziel, Weswegen (τέλος – telos)

Begründung für Bewegung – Vier-Ursachen-Lehre[Bearbeiten]

  1. causa materialis: Der Stoff: Woraus etwas gemacht ist.
  2. causa formalis: Der Wesensbegriff oder die Form: Was es wirklich ist.
  3. causa efficiens: Anfangsrund der Bewegung, Bewirkendes: Woher es kommt.
  4. causa finalis: Ziel, Zweck, Weswegen: Bewegungsgründe für etwas. Jeder Plan hat diese Ursache


Anwendbarkeit: Alle vier Ursachen können übereinander angewendet werden. Wechselseitige Beziehungen zwischen ihnen sind möglich. Ursachen können verschiedene Folgen haben.

Der teleologische Naturbegriff[Bearbeiten]

Teleologisch heißt: auf ein Ziel ausgerichtet, auf einen Zweck hin. Diese Ausrichtung sieht Aristoteles in der Natur, es sieht für ihn so aus, als ob etwa der Mensch nicht nur zufällig scharfe Schneidezähne vorne hätte und seine Backenzähne stumpf und breit wären. Allerdings sieht er nicht die Natur in ihrer Gesamtheit auf ein Ziel gerichtet an, wohl aber einzelne Prozesse in der Natur. Seine These lautet: Naturbeschaffenheit gehört zu den Ursachen wegen etwas. Die Natur verhält sich aufgrund der vier Ursachen der Ursachenlehre notwendig oder in der Regel so, wie sie sich verhält. Zufall und Spontaneität verursachen Ereignisse, die nicht regulär sind und außerhalb des Notwendigen stehen.

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