Benutzer:Methodios/Nisan

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Benutzer:Methodios/Die Frühzeit der westslawischen Orthodoxie

Elbtalweitung
Nisan im 9. Jahrhundert

Pagus nisan[Bearbeiten]

Mittelalterliche Gaue - Nisan (Niseni) in der MARK MISNI zwischen Dalaminza und Milsieni

pagus (latein: Gau (Bezirk, Kanton) - auch 2. Dorf) in germanischer Zeit keine Verwaltungsgliederung

  • nach Wolfgang Hessler[1] ist ein Gau eine durch Flussläufe bestimmte siedlungsgünstige Niederungslandschaft (zur Gaustruktur: Joachim Herrmann (1932-2010) Slawische Siedlung[2]
  • nisan = ursprünglich "niedrig liegendes Land" [3]
  • Pleonasmus pagus nisan = "niedrig liegende von einem Fluss bestimmte siedlungsgünstige Niederungslandschaft" (s.o.) - eine durch das umliegende bewaldete Wildland abgrenzbare, weniger eine herrschaftlich bestimmte Siedlungseinheit - die Elbtalweitung zwischen Pirna und Gauernitz [4]
    • Elbtalweitung nach dewiki (dort: Elbtalkessel): Aufweitung des Elbe-Tals zwischen den Städten Pirna und Meißen - Gauernitz liegt nach dewiki inmitten der Elbtalweitung zwischen Dresden und Meißen
    • der Gau Nisan erstreckte sich nach dewiki im Elbtalkessel von der Mündung der Wilden Sau bei Gauernitz-Constappel im Norden bis zum Urwald im Süden nach Pirna

comitatus „[Gau]Grafschaft“ (Verwaltungsbezirk) - innerhalb eines Gaus häufig mehrere gab und die über Gaugrenzen hinweg bestehen konnten


  • Leo Bönhoff (1872-1943): Der Gau Nisan in politischer und kirchlicher Beziehung. In: Neues Archiv für Sächsische Geschichte. Bd. 36, 1915, ISSN 0944-8195, S. 177–211.
    • bes. S. 12 (Sonderdruck?): 10. bis 12. Jh. - regio, pagus, provincia 13.Jh. territorium
    • vgl. auch Werner Coblenz (1917-1995) Beiträge... S. 344 (mit einer Zusammenstellung der Belege durch Manfred Kobuch)

Bayerischer Geograph[Bearbeiten]

Der Gau Nisan findet im Gegensatz zu den benachbarten sorbischen Siedlungslandschaften Talaminzi[5], Milzane[6] und Besunzane[7] beim Bayerischen Geographen keine Erwähnung.

  • Vermutung, Nisan war Teil von Daleminzien - auch weil ein Hauptort nicht bekannt ist[8]
  • nach der Bernburger Glagolita war Nisan Teil Böhmens (und mit Böhmen Teil Altmährens)

Heidenschanze Dresden-Coschütz[Bearbeiten]

Befestigte Siedlung der Bronzezeit, Spornlage mit Abschnittswall und -graben, Besiedlungsluecke v. 500 v.Chr. - 900 n.Chr., von ca. 900 - 1100 elbslawische Nutzung, Eroberung im Jahr 1100 durch Markgraf Heinrich I. v. Meissen Sachsen - Stadt Dresden: Heidenschanze Dresden-Coschuetz

  • strategisch günstige Lage 75 Meter über dem Weißeritztal
  • um 800 v. Chr. wurde der einzige ungeschützte Zugang durch einen ca. 70 Meter langen Wall geschlossen[9]

Verbindungswege[Bearbeiten]

Wasserstraße Elbe[Bearbeiten]

Schiff um 1042

Kulmer Steig nach Süden[Bearbeiten]

Kulmer Steig
Alte (lila) und Neue (blau) Dresden-Teplitzer Poststraße
  • zuerst führte die Salzstraße als Handelsweg über das Erzgebirge von Prag nach Halle (Saale)
  • sie ging durch Teplitz und auf der alten Poststraße, die sich am Kulmer Steig orientierte, über den Geiersberg, vorbei am „Goldammerkreuz“ nach Ebersdorf und von dort zum „Schwarzen Kreuz“ (beide vor 1785 errichtet), nach Müglitz und weiter nach Sachsen
  • vgl. Dresden-Teplitzer Poststraße
    • Pirnaisches Tor (heutigen Pirnaischer Platz)
    • Pirnaische Straße am Großen Garten vorbei
    • Altstrehlen
    • Dohnaer Straße
    • Lockwitz
    • Alte Landstraße
    • Maltengraben
    • Lockwitzer Straße
    • Lugberg
    • Dohna
    • Köttewitz
    • Niederseidewitz
    • Nentmannsdorf
    • Göppersdorf
    • Börnersdorf
    • Breitenau
    • Fürstenwalde
    • böhmische Grenze
    • über die Kammhochfläche bei Ebersdorf (Habartice) zum Geiersberger Pass
    • dann talwärts an der Geiersburg (Kyšperk) vorbei über das Kloster Mariaschein (Bohosudov) und Soborten (Sobědruhy) nach Teplitz (Teplice)

Heidenabwehr 862[Bearbeiten]

  • Für sich gewonnen hatte König Lothar II. seinen Onkel Ludwig den Deutschen wohl durch eine später nicht gehaltene Zusage, diesen im Kampf gegen die Wenden zu unterstützen, vgl. Böhmer-Mühlbacher2 n. 1296b. - RI I,4,2 n. 578, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/da03ab6c-e27a-4428-ad45-7f3010da99b5 (Abgerufen am 22.09.2018).

Burg Misni[Bearbeiten]

Ungarneinfälle[Bearbeiten]

Ungarnzüge bis um 900
  • 862: Erster Einfall der Ungarn vom Zwischenstromland Etelköz[10] aus in das Ostfrankenreich[11]
  • 881 kam es bei Wenia [12] zu einem weiteren Kampf mit den Ungaris[13]
Detail des Feszty-Panoramas (1894) mit Fürst Árpád
  • 894-897: von Bulgaren und Petschenegen angegriffen flohen die Magyaren aus Etelköz und erreichten das Karpatenbecken - nach der Überquerung der Ostkarpaten ließen sie sich zunächst an der oberen Theiß nieder[14]
Ungarneinfälle ab 899

Ungarnwälle?[Bearbeiten]

Ausbau der Merseburg als östlicher Vorposten[Bearbeiten]

Hersfelder Zehntverzeichnis mit dem Eintrag „Mersiburc civitas“
  • die Burgsiedlung Altenburg auf dem Merseburger Domhügel gehörte seit etwa 780 zu einem erschließbaren fränkischen Burgensystem und fand um 880 im Hersfelder Zehntverzeichnis als „Mersiburc civitas“ Erwähnung[15] - die Burgsiedlung beherrschte den Saaleübergang wichtiger Fernstraßen vom Rhein-Main-Gebiet in die Gebiete östlich der damaligen Grenzlinie an Elbe und Saale
  • Herzog Heinrich von Sachsen hatte 913 ein Heer der Ungarn bei Merseburg gestellt - 915 verwüsteten die Magyaren Schwaben, Thüringen und Sachsen, plünderten und zerstörten Bremen
  • 919 - Königskrönung von Heinrich I., Erstarkung der Ostfrankenreiches - größerer Einfall der Magyaren
  • das herrschaftliche Interesse verlagerte sich nach Osten - nach 919 wurde Merseburg von König Heinrich I. zu einer Königspfalz, einem wichtigen Stützpunkt einer Macht, ausgebaut - er verstärkte die Befestigungsanlagen auf dem Burgberg und ließ nach seinem Sieg gegen die Ungarn bei Riade den Speisesaal mit Fresken ausschmücken - zugleich siedelte er als Verstärkung in der Vorburg die „Merseburger Schar“ (legio Mesaburiorum) an[16]
  • aus der Burgsiedlung Altenburg entstand ein umfangreiches, mit einer Mauer umwehrtes Königsgut - auf dem Domhügel wurde eine Königspfalz, an der Saale eine Königsmühle errichtet (bei dieser Pfalz baute man mit der Johanniskirche die zweite Kirche Merseburgs neben der sicherlich schon fränkischen Peterskirche)

Neue Burgenordnung 926?[Bearbeiten]

Benutzer:Methodios/Neue Burgenordnung 926?

Gründung der Burg Misni als östlicher Vorposten[Bearbeiten]

929 Gründung der Burg Meißen als östliche Vorburg der sächsischen Herrschaft (vermutlich bereits 936 von Böhmen erobert)

929 - Zug Heinrichs I. von Meißen nach Böhmen - Route spekulativ

932 erscheint ein "comitatus" (Hof) Merseburg, als die Burgsiedlung ihre Funktion als Ostgrenze des Reiches eingebüßt hatte - 933 belegt die Bezeichnung "palatium" die Königspfalz in Merseburg

933 - ein sächsisch-wendisches Zusammengehen bei der Abwehr der Ungarn[17]

Böhmische Protektion bis 1142[Bearbeiten]

Unter dem böhmischen Schutzschild bis zur Preisgabe gegen militärische Unterstützung konnte sich in Nisan ein fast ungestörtes Sorbentum bis 1142 halten. Im Gegensatz zur sorbischen Lausitz (um Bautzen), wo der alte Teufel (Martin Luther: Wider den neuen Abgott und alten Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden, 1524) Benno von Meißen die Konkurrenz des sorbischen Kirchentum ausrottete, hielt sich dieses in Nisan bis 1142 und in den Peripherien bis in die Hussitenzeit.

Dierkow[Bearbeiten]

Primelberg: Dort – in einer Niederung am Fluss – liegen die Ursprünge Rostocks. Erst im vergangenen Jahr entdeckten Archäologen des Niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung aus Wilhelmshaven Siedlungsreste und Schiffsteile, die deutlich älter als 800 Jahre sind: Schon vor 1250 Jahren könnte es eine Art Ur-Rostock an der Stelle gegeben haben. Und: Das frühe Rostock war nach Ansicht der Fachleute möglicherweise einst so bedeutend wie das legendäre Haithabu. (Dierkow statt Stadthafen? CDU fordert neuen Standort für Landesmuseum. Ostseezeitung vom 19. März 2019

Literatur[Bearbeiten]


  • Manfred Kobuch, André Thieme: Die Landschaft Nisan vom 10. bis 12. Jahrhundert - Siedlung, Herrschaft, Kirche. In: Geschichte der Stadt Dresden. Bd. 1: Von den Anfängen bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges. Hrsg. v. Karlheinz Blaschke. Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1906-0, S. 63–87.


  • André Thieme: Nisan oder Neußen: Bemerkungen zu Thietmar VI, 10 über den Feldzug König Heinrich II. nach Böhmen im Jahre 1004. In: Neues Archiv für sächsische Geschichte. - Neustadt a.d. Aisch : Schmidt. - Bd. 76 (2005), S. 211-219.
  • Reinhard Spehr, Herbert Boswank: Dresden. Stadtgründung im Dunkel der Geschichte. Verlag D. J. M., o. O. [Dresden] 2000, ISBN 3-9803091-1-8.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Hessler: Mitteldeutsche Gaue des frühen und hohen Mittelalters Berlin (1957) In Reihe: Abhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Philologisch-Historische Klasse Band 49, 2, S. 10f.
  2. Slawische Siedlung = Siedlung, Wirtschaft und gesellschaftliche Verhältnisse der slawischen Stämme zwischen Oder/Neiße und Elbe.? - Berlin, 1965
  3. vgl. Ernst Eichler (1930-2012) Völker- und Landschaftsnamen S. 14
  4. Manfred Kobuch, André Thieme: Die Landschaft Nisan vom 10. bis 12. Jahrhundert - Siedlung, Herrschaft, Kirche. In: Geschichte der Stadt Dresden. Bd. 1: Von den Anfängen bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges. Hrsg. v. Karlheinz Blaschke. Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1906-0, S. 63–87, hier: S. 63.
  5. Daleminzi - Daleminzer an der mittleren Elbe um Lommatzsch, zwischen Mügeln und Meißen
  6. Milska - Milzener an der oberen Spree um Bautzen, Vorfahren der heutigen (Ober)Sorben
  7. Besunzane um Görlitz
  8. Werner Coblenz (1917-1995) Beiträge... S. 343
  9. Heidenschanze
  10. Nach Bálint Hóman (1908), Antal Bartha (1968) und András Róna-Tas (1996) wohl zwischen Dnepr und Donau gelegen, nach István Dienes (1972) zwischen Don und Donau.
  11. Johannes Fried: Die Formierung Europas 840-1046. 3. Aufl. Oldenbourg Verlag, München 2008 S. 329.
  12. ad Uueniam - Siedlung Wien oder Fluss Wien
  13. Salzburger Annalen zu 881: primum bellum cum Ungaris ad Uueniam („erster Kampf mit den Ungarn bei Wien“); vgl. Ferdinand Opll: Nachrichten aus dem mittelalterlichen Wien. Zeitgenossen berichten. Böhlau, Wien u. a. 1995, ISBN 3-205-98372-6, S. 17.
  14. Harald Roth (Hrsg.): Studienhandbuch Östliches Europa. Band 1: Geschichte Ostmittel- und Südosteuropas, Böhlau, Köln 1999, ISBN 978-3-412-13998-8.
  15. Christian Zschieschang: Das Hersfelder Zehntverzeichnis und die frühmittelalterliche Grenzsituation an der mittleren Saale. Eine namenkundliche Studie. (= Forschungen zur Geschichte und Kultur des östlichen Mitteleuropa, Bd. 52) Böhlau, Wien 2017, ISBN 978-3-412-50721-3 (PDF)
  16. Paul Hirsch, Hans-Eberhard Lohmann (Hrsg.): Widukindi monachi Corbeiensis rerum gestarum Saxonicarum libri tres. = Die Sachsengeschichte des Widukind von Korvei (= Monumenta Germaniae Historica. Scriptores. 7: Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum separatim editi. Bd. 60). 5. Auflage. Hahn, Hannover 1935, S. 68 (Digitalisat).
  17. G. Waitz, Jahrbücher des deutschen Reichs unter König Heinrich I., Darmstadt 4. Aufl. 1963, S. 151.