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Bogenbau/ Werkzeug/ Schärfen

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Scharfe Werkzeuge benötigen weniger Kraft bei der Arbeit und ergeben sauberere Schnittflächen als stumpfe. Diese Anleitung zeigt, wie man Klingen an Werkzeugen wie Messer, Schweifhobel etc. schärft (oder umgangssprachlich schleift), und wie sie mit wenig Aufwand nachgeschärft werden können.

Eine kleine Ausnahme bilden Ziehmesser, falls sie zum Entrinden verwendet werden. Sie sollten nicht zu scharf sein, damit die Gefahr, ins Holz zu schneiden, geringer ist.

Begriffe

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Die folgenden Begriffe[1] werden in diesem Artikel verwendet:

Richtiger Winkel

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Verbogene Spitze

Wie bekommt man ein Messer möglichst scharf? Grundsätzlich gilt: Je kleiner der Fasenwinkel, desto schärfer das Messer. Allerdings geht das nur bedingt. Bei Küchenmessern, die zum Gemüse oder Fleisch schneiden verwendet werden, sind Winkel um 10 Grad in Ordnung – mit einer klingenschonenden Unterlage aus Holz oder aus Plastik. Bei härteren Materialien wie Holz (speziell Holz mit Astlöchern) ist der Stahl jedoch nicht mehr stark genug, und die Schneide biegt sich um, so dass ein Grat entsteht. Von Auge ist das kaum sichtbar, aber wenn man mit dem Fingernagel der Klinge entlang zur Schneide nach aussen fährt, hakt er kurz ein – allerdings nur auf einer Seite der Klinge! Ein Grat hat den selben Effekt wie eine runde Schneide: Er schneidet nicht. Der Fasenwinkel muss daher für härtere Materialien grösser gewählt werden, um der Schneide mehr Stabilität zu verleihen.

Für Holzwerkzeuge sollte der Winkel zwischen 25 und 40 Grad betragen. Der beste Winkel kommt auf das Werkzeug, die Härte des Stahls und vor allem auf den Einsatz ein. Ein Ziehmesser zum Bearbeiten der Wurfarme wird mit einem kleineren Winkel geschliffen als eines zum Entfernen von Rinde.

Warum schneidet denn eine Klinge mit kleinem Winkel besser? Ein Grund ist, dass man bei einem kleinen Winkel weniger Holz zur Seite drücken muss:

Nun muss aber für hartes Material der Fasenwinkel gross genug sein, damit die Schneide nicht gerade zerknittert. Das ist kein toller Deal, denn ein steiler Fasenwinkel hat gleich zwei Nachteile: Erstens schneidet er weniger gut, zweitens hat man wegen dem härteren Material gleich noch mehr Widerstand. Hier bedient man sich eines einfachen Tricks: Eine zweite Fase. Den Winkel für die Primärfase wählt man klein, zum Beispiel 20 Grad. Ganz vorne setzt man eine Sekundärfase mit grösserem Winkel an, um die Schneide zu verstärken. So sind die Vorteile vereint und die Nachteile minimiert.

Die Schneide lässt sich zudem einfacher von Hand nachschärfen, da nur auf der Sekundärfase und nicht auf der ganzen Primärfase (mit grösserer Oberfläche) Metall abgetragen werden muss.

Bessere Kontrolle

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Insbesondere beim Ziehmesser kann man die Kontrolle verbessern, indem man die Klinge auch an der Unterseite unter einem kleinen Winkel (5°) anschleift. So kann man besser aus dem Holz heraus schneiden, wenn man es flach hält.

Schleifen

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Und wie schleift man jetzt?

Wichtig sind beim Schleifen zwei Dinge:

  • Der Schleifwinkel muss möglichst konstant bleiben.
  • Die Schneide sollte sich nicht erhitzen.

Der erste Punkt braucht, wenn man ohne Führung schleift, etwas Übung. Bei Messern kann man relativ gut abschätzen, und bei den Eisen für Schweifhobel ist die schräge Fläche so breit, dass eine Führung gar nicht benötigt wird. Das Ziehmesser hat eine lange Klinge, hier lohnt es sich, es einzuspannen, so dass man den Schleifstein waagrecht halten kann. Waagrecht kann man besser abschätzen als 35 Grad geneigt. Ein konstanter Schleifwinkel ist sehr wichtig für ein gutes Ergebnis.

Punkt zwei ist einfach. Der Schleifstein darf nie trocken werden. Wassersteine sollten immer tropfnass sein, das heisst auf dem Stein sollte eine glatte Wasserfläche sein und nicht nur feuchter Stein. Das verhindert, dass sich die Schneide überhitzt. Die Struktur des Stahls verändert sich bei Erhitzung, und plötzlich hält man eine weiche Schneide in der Hand.[2]

Der beim Schärfen entstehende Schlamm (eine Mischung aus Metall- und Steinpartikeln) macht den Stein etwas feiner. Wenn viel Material abgetragen werden muss oder falls man versehentlich etwas Material vom Stein weggekratzt hat, spült man ihn mit Wasser weg. Später ist der Schlamm erwünscht, da er den Stein feiner macht.

Zuerst muss die Klinge auf den richtigen Winkel geschliffen werden, falls sie das noch nicht ist. Je nach Dicke der Klinge eignet sich dazu ein rauher Schleifstein oder sogar ein Schruppstein (Körnung bis etwa 200).

Nach dem Schruppen wird die Klinge geschärft (Körnung 800–2000). Dies ist der wichtigste Prozess, da hier die Schneide ihre Schärfe bekommt. Grobe Schleifspuren sowie der Grat werden dabei entfernt. Am Schluss hat man eine scharfe Klinge.

Je nach Vorliebe und vorhandenen Schleifsteinen kann die Klinge noch abgezogen («poliert») werden. Dabei werden auch feine Kratzer entfernt. Mit diesem Schritt können Klingen schärfer als Rasierklingen geschliffen werden – ob es sich jedoch lohnt, kommt auf den Einsatzzweck an. Ein Beil so zu schärfen hätte kaum Sinn, da die Arbeit schon nach einem Schlag durch die enorme Kraft zunichte gemacht wäre. Anders hingegen bei einem Früchtemesser oder eine Messer für den Sehnenbau, wo die Klinge nicht so sehr belastet wird und somit weniger oft geschliffen werden muss. Bei einem Rasiermesser ist dieser Schritt gar notwendig.

Anmerkung: Es gibt viele verschiedene Arten, Klingen zu schärfen. Zum Beispiel können nur Vorwärtsbewegungen durchgeführt werden, aber auch Kreisbewegungen oder solche in der Form einer liegenden 8. Hier wird eine der vielen vorgestellt. Am besten ist die Methode, bei der am konstantesten gearbeitet werden kann – und das ist individuell.

Schruppen

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Winkel korrigieren

Bei diesem ersten Arbeitsschritt geht es primär darum, den Fasenwinkel bei der Klinge zu korrigieren. Der Materialabtrag ist entsprechend hoch. Je nach Werkzeug eignet sich dafür auch eine Metallfeile, etwa wenn ein Küchenbeil zum Holzbearbeitungsbeil umfunktioniert werden soll.

Natürlich ist auch bei diesem Schritt darauf zu achten, dass der Winkel konstant bleibt und die Klinge nicht überhitzt. Da Schleifspuren und Grate im nächsten Arbeitsschritt entfernt werden, kann man mit der Klinge auf dem Schleifstein einfach hin und her fahren.

Gegen Ende sollte der Druck auf die Klinge etwas verringert werden. So werden zu tiefe Kratzer vermieden.

Schärfen

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Korrekte Schleifrichtung

In diesem Schritt wird der Grat entfernt und der Klinge ihre Schärfe verliehen. Dieser und der folgende Schritt benötigen etwas mehr Sorgfalt als das Schruppen, denn eine scharfe Klinge kann mit einer einzigen falschen Bewegung stumpf gemacht werden.

Anders, als man intuitiv annimmt, wird die Klinge auf dem Stein nicht nur nach hinten gezogen, sondern primär nach vorne gestossen, als ob man vom Schleifstein eine Scheibe abschneiden will. Warum?

Grat auf einem Ziehmesser

Wenn man die Klinge nach hinten zieht, werden laufend kleine Metallstücke abgetragen. An der Spitze jedoch wird das Metall nach oben gebogen und ein Grat entsteht – was bei der Ziehklinge erwünscht ist, bei einer Schneide jedoch nicht. Dreht man die Klinge um, um den Grat zu entfernen, wandert er auf die andere Seite.

Schiebt man jedoch die Klinge nach vorne, bildet sich kein Grat oder ein existierender wird laufend abgetragen. Man kann die Klinge auch unter verringertem Druck nach hinten ziehen und bei stärkerem Druck wieder nach vorne schieben; ganz am Anfang des Schärfens kann man für beide Bewegungen dieselbe Kraft aufwenden, am Schluss sollte beim Ziehen nur noch ganz wenig gedrückt werden.

Bei weichen Steinen muss man hier sehr vorsichtig sein, dass man nicht zu steil kommt und eine Kerbe im Stein hinterlässt. Daher ist es hier besonders wichtig, auf einen korrekten Winkel zu achten – oder mit weniger Druck zu arbeiten.

Ziehmesser, Grat entfernt

Vorhandene Grate entfernt man, indem man regelmässig die Seite wechselt und weiterschleift. Auch wenn man die Klinge stösst, kann es zu leichter Gratbildung kommen. Auch etwa bei Hobeleisen, die nur einseitig schräg schliffen werden! Die Spiegelseite muss trotzdem geschliffen werden.

Gegen Ende des Schärfvorganges sollte der Druck auf die Klinge wieder verringert oder zu einem Stein leicht feinerer Körnung gewechselt werden. Wenn die Klinge geschärft ist, kann man zum Abziehen übergehen.

Das Geheimnis vom Schärfen ist wirklich nur, den Winkel beizubehalten und den Grat zu entfernen. Ein Fehler, den man am Anfang oft macht: Zuerst grob auf den gewünschten Winkel zuzuschleifen und dann unter einem leicht flacheren Winkel – damit die Klinge ja nicht weniger scharf wird – zu schärfen. Dadurch muss wieder mehr Material abgetragen werden, bis man an der Schneide angelangt ist, was daher auch entsprechend lange dauert. Dann ist man mit «kurz unter einem flacheren Winkel schärfen» erfolglos, da man gar nicht zur Schneide gelangt, sondern nur weiter hinten etwas Material abträgt, was auf die Schärfe selber keinen Effekt hat. Daher: Beim Schärfen den Winkel gleich oder sogar etwas grösser wählen!

Druck

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Richtiger Druck ist wichtig wie das Beibehalten des Schleifwinkels. Für die grobe Formgebung kann gut etwas mehr Kraft aufgewendet werden. Beim Schleifvorgang geht man mit dem Druck nach und nach zurück, bis man schlussendlich nur noch mit dem Eigengewicht der Klinge arbeitet. Speziell beim Abziehen ist das von großer Bedeutung.

Abziehen

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Beim Abziehen mit Abziehsteinen geht man grundsätzlich gleich vor wie beim Schärfen. Die Seite wird jedoch öfters gewechselt, zuerst etwa alle zehn bis dreissig Züge, am Schluss nach jedem Zug. Das Ziel ist, auch sehr feine Kratzer zu entfernen, die Klinge also zu polieren, und den kleinsten Grat zu entfernen. Mit Abziehsteinen werden vor allem feinere Klingen (Messer und Hobel) geschärft.

Wird mit Polierpaste abgezogen, darf die Klinge nur gezogen werden, damit man nicht in die Unterlage schneidet. Dafür können auch gröbere (Hack-)Werkzeuge oder Klingen von  Anspitzern einfach und erfolgreich geschärft werden.

Am besten wird die Polierpaste auf Papier auf einer harten und glatten Oberfläche aufgetragen. So kann zuerst auch mit stärkerem Druck abgezogen werden. Bei weichen Unterlagen wie Leder ist das nicht möglich, da es zusammengedrückt wird und die Schneide abrundet!

Schneiden, die wegen Gratbildung oder aufgrund anderer arbeitsbedingter Unebenheiten stumpf wurden, aber ansonsten noch intakt sind (keine groben Kratzer und ähnliches), müssen nur neu abgezogen werden.

Tricks

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Winkelführung

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Um das Beibehalten eines Winkels zu üben, kann man aus Holz Winkel zusägen und am einen Ende auf den Schleifstein legen. An diesem Stück kann der Schleifwinkel «kalibriert» werden.

Geschliffene Fläche anzeigen

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Die Fläche, die tatsächlich geschliffen wird, kann sichtbar gemacht werden, indem man den Anschliff mit wasserfestem Filzstift anmalt. Beim Schärfen wird die Farbe dort abgetragen, wo auch Kontakt zum Stein besteht. Einen zu geringen Schärfwinkel erkennt man daran, dass vorne an der Schneide eine farbige Linie bleibt.

Messer nachschärfen

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Von Zeit zu Zeit müssen Messer nachgeschärft werden. Es ist allerdings nicht immer notwendig, gleich die ganze Klinge mit Schleifsteinen neu zu schleifen; oft genügt es bereits, die Schneide mit Polierpaste wieder instande zu setzen.

Da der Schleifwinkel meist nicht bekannt ist, ist die Filzstift-Methode von vorher sehr empfehlenswert – sonst schleift man schnell mal eine flache Fase einfach kaputt (speziell bei scharfen Messern, die nicht für die Holzbearbeitung verwendet werden, etwa Rasiermesser oder Messer für die Mikroskopie). Die Fase wird also angemalt, und nach dem ersten leichten Zug auf der Polierpaste überprüft man, wo die Farbe abgetragen wurde. Ist die Schneide noch farbig, muss der Anstellwinkel etwas steiler gewählt werden, falls nur auf der Schneide Farbe fehlt, nicht aber auf der Fase, ist der Winkel zu steil (diesen Fall will man unbedingt vermeiden).

Schärfetests

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Reflexionen auf ungeschärfter (links) und geschärfter (rechts) Klinge

Bei hellem Licht kann eine stumpfe Klinge an den Reflexionen auf der Schneide erkannt werden, wenn man die Schneide von oben betrachtet (siehe Bild).

Messer können in der Schärfe getestet werden, indem man ein Stück Papier mit einer Hand in der Luft hält. Ein scharfes Messer sollte das Papier mühelos durchtrennen. Indem man am Schaft beginnt und das Messer während dem Test zu sich zieht kann die Schärfe der Klinge auf der ganzen Länge getestet werden.

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Fussnoten:

  1. Als Quelle diente speziell eine Grafik von messerforum.net, danke!
  2. Veränderung des Stahls durch Hitze: Siehe dazu zum Beispiel auch Wikipedia:Härten (Stahl).

Weitere Links zum Thema Schärfen: