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Deutschunterricht/ Lyrik/ Aufbau eines Gedichtes

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Strophen

Eine Strophe nennt man einen Absatz eines Gedichts. Eine Strophe eines Gedichts ist meist(besonders in klassischen Werken) aus einer gleichmäßigen Anzahl von Versen(=Zeile eines Gedichts) aufgebaut. Gewöhnlich hat eine Strophe 4-6 Verse(für ein formales Reimschema meistens aus einer geraden Anzahl) und eine ungewöhnlich kurze oder lange Strophe kann einen Höhe- oder Wendepunkt darstellen.

Reime

In einem formalen u.a. klassischen Gedicht spielt der Reim, vor allem der Endreim, eine wichtige Rolle. Der Reim verleiht einem Gedicht eine Einheit bzw. zeigt dessen Struktur akustisch deutlich. Neben dem Endreim gibt es auch andere versabhängige und -unabhängige Reimstellungen. Dazu gehören:

Reimstellungen
Bezeichnung Beschreibung Beispiel(e)
Endreim Der Reim am Ende der Verse
(a) Es stand vor eines Hauses Tor
(a) Ein Esel mit gespitztem Ohr.
Wilhelm Busch
Binnenreim Mehrere reimende Wörter innerhalb eines Verses
Er lief und schlief
und lachte sich schief.
Mittenreim Der Reim an den Versmitten
(a) Ein dicker Hund schiss auf den Hof.
(a) Ich fand es lustig und fand's doof.
Zäsurreim In einer Niebelungenstrophe kann ein formaler Vers neben dem Endreim noch einen Reim am Ende des ersten Versabschnittes(vor der Zäsur, d.h. ein gedanklicher Einschnitt mitten in einem Vers) haben.
(a) Uns ist in alten mæren | wunders vil geseit
(a) von helden lobebæren, | von grôzer arebeit
Waisen reimlos
(a) Als die Römer frech geworden,
(a) zogen sie nach Deutschlands Norden.
(b) Vorne mit Trompetenschall
(b) der General und Feldmarschall,
(x) Herr Quinctilius Varus.

Bei einer Analyse der Reime ist außerdem das Reimschema sehr wichtig und hilfreich für die Interpretation.

Reimschemata
Bezeichnung Konstruktion Beispiel(e)
Paarreim aabb
(a) Ich geh' im Urwald für mich hin...
(a) Wie schön, dass ich im Urwald bin:
(b) man kann hier noch so lange wandern,
(b) ein Urbaum steht neben dem andern.
Heinz Erhardt
Haufenreim aaaaaa
(a) auf den hohen Felsenklippen
(a) sitzen sieben Robbensippen
(a) die sich in die Rippen stippen
(a) bis sie von den Klippen kippen
Kreuzreim abab
(a) Wir schreiten auf und ab im reichen Flitter
(b) Des Buchenganges beinah bis zum Tore
(a) Und sehen außen in dem Feld vom Gitter
(b) Den Mandelbaum zum zweitenmal im Flore.
Umarmender Reim abba
(a) Ein reiner Reim ist sehr begehrt,
(b) doch den Gedanken rein zu haben,
(b) die edelste von allen Gaben,
(a) das ist mir alle Reime wert.
Goethe
Kettenreim aba bcb cdc ded...
(a) Auf halbem Weg des Menschenlebens fand
(b) ich mich in einen finstern Wald verschlagen, 
(a) Weil ich vom rechten Weg mich abgewandt.
(b) Wie schwer ist’s doch, von diesem Wald zu sagen,
(c) Wie wild, rauh, dicht er war, voll Angst und Not; 
(b) Schon der Gedank’ erneuert noch mein Zagen.
(c) Nur wenig bitterer ist selbst der Tod; 
(d) etc.
Dante: Göttliche Komödie

Verse