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Einführung in das Quäkertum/ Gottesdienst

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Einleitung

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Der Gottesdienst in der ursprünglichen Form, ist bei Quäkern ein völlig anderer, als bei den meisten anderen Konfessionen. Er hat keine formale Liturgie. Viele werden sich bei der so genannten "Stillen Andacht" an eine buddhistische Meditation erinnert fühlen. Zwar bieten mittlerweile auch andere Konfessionen Formen der kontemplativen Übungen an, wie zum Beispiel die Römisch-Katholische Kirche. Und auch in einigen Klöstern sind diese seit langem Bestandteil des klösterlichen Lebens. Aber bei keiner anderen Konfession ist es die zentrale Gottesdienstform. Diese Aussage bezieht sich auf den Gottesdienst wie ihn die ersten Quäker gefeiert haben und wie ihn die konservativen Quäker und der überwiegende Teil der liberalen Quäker noch heute begehen. Die jüngeren Spielarten des Quäkertums, hier besonders der evangekale Flügel, der besonders in Afrika vertreten ist, haben andere Formen ausgeprägt. Zu den verschiedenen Arten des des Quäkertums ist mehr im Kapitel "Schismen" zu finden.

Materialsammlung

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Alle folgenden Zitate stammen von William Penn und seinem Buch "Ohne Kreuz keine Krone" (eng. "No Cross No Krown") in einer Übersetzung von 1825. Diese Buch verfasste er während seines Gefängnisaufenthalts im Tower von London.. Das Buch behandelt alle wichtigen Quäkerthemen und behandelt auch das Thema "Gottesdienst".

Liturgie

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Die Ablehnung der Quaker den üblichen Gottesdienstformen gegenüber begründet Penn so:

[...] als wenn Gott wirklich ein sehr alter Mann wäre, und Christus ein kleiner Knabe, dem man mit einer Art religiösen Spielwerks eine Freude machen könnte; denn so bilden sie ihn in ihren Tempeln und nur zu häufig auch in ihren Gemütern ab. Man muß freilich gestehen, daß eine solche Gottesvereherung solchen Begriffen von Gott völlig entspricht; denn, wenn Menschen sich ihn so, wie sie selbst sind, vorstellen können, so ist es auch nicht zu bewundern, daß sie sich auf eine Art an ihm wenden und ihn so zu unterhalten suchen, wie es ihnen selbst von Anderen am besten gefällt. [1]

Statt dessen empfiehlt Penn:

Nein! So wie Christus seine Jünger damals lehrete, wie sie beten sollten, müssen auch wir jetzt nicht unsere eigene oder selbst erdachte Gebete, sondern diejenigen, die ER uns lehret, hervorbringen; das heißt: wir müssen solche Gebete verrichten, als ER in uns wirket, und wozu ER uns, wie ehemals seine Jünger, die Fähigkeit verleihet.[2]


[...]

O! möchte doch Alle, die den Namen Gottes beknnen, auf diese Weise harren und es nicht wagen, sich zu seiner Verehrung zu erheben, ohne seinen Göttlichen Einfluss in ihren Herzen zu fühlen![3]

Warum es besser sei das Gott allein die Liturgie bestimmt, erklärt er so:

Gottes Kinder fanden Gott zu allen Zeiten auf seinem Wege, nicht auf dem ihrigen; und auf dem seinigen fanden sie auch allzeit Hilfe und Trost.[4]

Auf den Einwurf, das in der Bibel stehen würde, wie Gott verehrt werden möchte, antwortet Penn:

So wenig Jemand mit seinen Sünden Gott dienen kann, eben so wenig kann er ihn auch durch Beobachtung und Vollziehung äußerer Religionsgebräuche verehren; selbst dann nicht, wenn diese von Gott eigener Anordnung sind. [...] "Brandopfer gefallen dir nicht. Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängstigter, (zerbrochener) Geist; ein geängstigtes und zerschlagenes Herz wirst du, o Gott! nicht verachten."[5][6]

Innere Einstellung

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Durch die Ablehnung festgelegter äusserer Rituale und Liturgien, lenkt er nun die Aufmerksamkeit auf das Innere hin. Was sich aber nun in einem abspielen soll, wenn man nun ohne Programm da sitzt und wartet, erklärt er so:

Der Mensch muss daher nicht sein eigene Gedanken verfolgen, noch seine eigenen Worte reden; das heißt: er muss unter der Zucht des heiligen Kreuzes ein wahres Schweigen beobachten; er muss in seinem Innern von allen verworrenen Einbildungen und zerstreuende Vorstellungen sich abwenden, die sonst in dieser heiligen Zurückgezogenheit nur zu häufig auf das Gemüt einzudringen und dasselbe nieder zudrücken pflegen. Denkt ja nicht, der Allmächtige sei durch wohlgeordnete Vorträge zu gewinnen, oder das die gewähltesten Ausdrücke etwas bei ihm ausrichten werden. Nein, das Seufzen und Sehen einer verwundeten Seele, ein Herz, von wahrer Neue durchdrungen, eine aufrichtige und göttliche Traurigkeit, von Geiste des Herren gewirkt, dieses sind Dinge, die bei Gott gelten, und Alles über ihn vermögen.Darum versuche dein Gemüt in Schweigen zu erhalten, und harre und warte, bist du etwas Göttliches in dir fühlst, das dein Herz vorbereitet und geschickt machen kann, Gott in der Wahrheit und auf eine ihm wohlgefällige Art anzubehten. [...] Er ist es, der der Seele ihre Mängel entdeckt, und sie dieselbe fühlen lässt, und wenn sie dann Hülfe seufzt und schreit, so ist ER es allein, der sie ihr gewährt. [...] Ja, "ER segnet die, welche den Herren fürchten, sowohl die Kleinen als die Großen"[7][8]

Auch an anderer Stelle betont er noch mal, dass das Warten nicht immer leicht sein wird:

[...] Nein! ihr müßt seinem Geist Gehorsam leisten, der innerlich mit euch ringt, um euch von den bösen Dingen der Welt abzuziehen, damit ihr auf die Belerung dieses Geistes in eurem Herzen aufmerksam seid, und euch seinen Geboten unterweft, einsehen und verstehen lernt, was es heißt Gott asl einen Geist an zu beten. Dann werdet ihr begreifen, wie die wahre Gottesanbetung nicht darin besteht, das man auf diesen Berg oder nach Jerusalem geht, sondern darin: daß man den Willen Gottes tut, seine Gebote hält, mit seinem eigenen Herzen sich unterrede und nicht mehr sündige; daß man sein Kreuz auf sich aufnehme, daß heilige Gesetz Gottes in seinem Herzen betrachte, und dem Beispiele Desjenigen folge, den der Vater gesandt hat[9]

Penn schlisst nicht aus, dass das gesprochene Wort nicht auch Teil des Gottesdienstes sein kann und soll. Aber er sagt, dass es dafür einer inneren Vorbereitung bedarf:

Wäre eine solche Vorbereitung des Herzens nicht nötig, so würden die jüdischen Zeiten heiliger und geistlicher gewesen sein, als die Zeit des Evangeliums ist; sie war aber schon damals erforderlich, und wie viel mehr muß sie es nicht jetzt sein? So wie die Sünde Gott nicht eher, so kann es auch keine leere Formalität; das sagt David, Jesaias, u.a. [10]

An anderer Stelle betont er auch noch mal die Sinnlosigkeit äußerer Handlungen, wenn sie nicht wahrhaft aus innerer Bewegung entstanden sind:

"Das Rauchwerk ist mir ein Greuel; der Neumonden und Sabbathe, da ihr zusammenkommt, und Mühe und Angst habt, mag ich nicht. Und wenn ihr gleich eure Hände ausbreitet, verberge ich doch meine Augen vor euch; und ob ihr gleich viel betet, höre ich euch doch nicht."[11] Welch eine furchtbare Verwerfung ihres Gottesdienstes! Und warum verwarf ihn der Herr? - Weil ihre Herzen verunreinigt waren; weil sie den Herren nicht von ganzen Herzen liebten, sondern sein Gesetz übertraten, sich gegen seinen Geist empörten, und nicht taten, was in seinen Augen Recht war.[12]

Penn schreibt auch, dass Gott den Gläubigen vorbereitet. (Das wurde übrigens auch als "Heimsuchung" bei den Quäkern bezeichnet):

Wahre Gottesverehrung kann nur mit einem Herzen vollzogen werden, das vom Herrn dazu vorbereitet ist. [...] Auch kann eine solche Gottesvereherung, die ohne gehörige Vorbereitung des Herzens vollzogen wird, nicht die wahre evangelische Anbetung sein, welche nur im Geiste und in der Wahrheit, nämlich nur unter dem Einflusse und durch Hilfe des göttlichen Geistes geleistet werden kann.[13]


Orte/Gebäude

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Christus zog seine Jünger von jener prachtvollen und zeromonellen Gottesverehrung im ausseren Tempel gänzlich ab , und stiftete eine innere und geisliche Anbetung, worin er sie unterichtete. "Ihr sollt weder auf diesen Berg, noch zu Jerusalem," sagte er zu dem samaritischen Weibe, "den Vater anbeten; Gott ist Geist, und diejenigen die in anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten"[14] [15]

Das Verständnis von Kirche...

Paulus, der große Apostel der Heiden, [...] sagt er wieder zu denselben Leuten in seiner zweiten Epistel: 'Ihr seid der Tempel des lebendigen Gottes; wie Gott spricht: (hier führt er ducht den Prophetischen geredeten Wort Gottes an,) "Ich will in ihnen wohnen, und in ihnen wandeln, und will ihr Gott sein, und sie sollen wein Volk sein."[16] Dieses ist der evangelische Tempel, die christliche Kirche, deren Schmuk nicht in Stickereien und Verzierungen weltlicher Kunst und irdischen Reichtums, sondern in Gaben des Geistes; namentlich in Sanftmuth, Liebe, Glauben, Geduld, Selbstverleuggnung und Wohltätigkeit bestehet.[17]


Sakramentsverständniss

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Ohne Vorbereitung und heiligung des Herzens durch diese Kraft ist aber kein Mensch im geschickten Zustande, vor Gott zu erscheinen; sonst würde es ja auch unter den evangelischen Einrichtungen weniger heilig und erfüchtig zur Vereherung Gottes erfordern, als unter Anoernung des Gesetz nötig war; wo alle Opfer bespreng werden mussten ehe sie dargebracht wurden, und auch die jenigen, welche sie darbrachten, erst geheiligt wurden, ehe sie vor dem Herren erschienen.[18] [...] Oder wie könnten wir annehmen, das Diejenigen, welche entweder in Gedanken, oder in Worten und Handlungen sich täglich moralisch verunreinigen, im Stande sei sollen, den reinen Gott auf eine ihm wohlgefällige Weise zu verehren und anzubeten, ohne das zuvor ihre Herzen durch das Blut Jesu, welches das Gewissen von toten Werken reinigt, besprenget oder gehörig zubereitet worden sind?[19] [20]


Abgrenzung zur anderen Glaubensrichtungen und Praktiken

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Jetzt könnte man glauben, die Quäker müssten das kontemplative Klosterleben befürworten. Tun sie aber nicht...

Auch ist ein eingesperrtes Klosterleben, worin so viele eine prahlerische Gerechtigkeit suchen, eben so wenig zu empfehlen [...] Die[se] geistige Zelle tragen die wahren Nachfolger Christi beständig mit sich, [...] Klöster sind Wohnsitze einer trägen, schmutzigen, unnützen Selbstverleugnung, wodurch die Menschen Anderen löstig fallen, um ihren Müssiggang zu nähren; eine Art religöser Narrenhäuser, in welchen man die Verrückten einsperrt, damit sie draußen kein Unheil anrichten; [21]

Der Bezug zum Leben der "der Welt" ist ihnen wichtig und Auftrag, was sie auch wieder biblisch begründen...

Wahre Gottselgkeit treibt die Menschen nicht aus der Welt, sondern sezt sie in Stand, desto besser in ihr zu leben, erwecket in ihnen ein Bestrebeb, sie zu verbessern, und lehrt sie, ihr Licht nicht unter einem Scheffel, sondern mit dem Leuchter auf ein Tisch zu stelle.[22]

Die Quäker plädieren für ein Ort der Ruhe und Besinnung in mitten der Welt und so verstehen sie ihre Andachten...

Ja, ich habe es bei Anderen, die das Klosterleben nicht billigen, schon lange als einen Fehler angesehen, das sie keine Zufluchtsorte für Bekümmerte, Versuchte, Verlassene und Religösgesinnte haben, wo diese ungestört auf Gott harren und ihre religösen Gemüthsübungen durchgehen können, um hernach, gestärkt, und mit mehr Kraft, sich selbst zu beherrschen, versehen, wieder in die Geschäfte des Lebens treten zu können; wie wohl allerdings je weniger, je besser. Denn in freier Einsamkeit wird göttiches Vergnügen gefunden.[23]

Thesenvorschlag / Bewertungsversuch

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Gruppenaufgaben

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  1. Versucht mal eine Quäker-Andacht abzuhalten.
  2. Wie erlebt ihr die Stille?
  3. Gibt es einen Unterschied für euch, zwischen Buddhistischer Meditation, Autogenes Training und Quäker-Andacht?

Zusatzaufgaben für Bibelfeste

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  1. Versucht Bibelstellen zusammen zu tragen die die Position der Quäker stärken oder schwächen.
  2. Erstellt eine kleine Statistik darüber, wie sich die Pro- und Kontra-Bibelstellen auf das Neue und das Alte Testament verteilen. Diskutiert das Ergebnis der Untersuchung.

Fussnoten

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  1. William Penn, "Ohne Kreuz keine Krone" (eng. "No Cross No Krown"), Übersetzung 1825, Kap. 5, §2, Seite 67
  2. William Penn, "Ohne Kreuz keine Krone" (eng. "No Cross No Krown"), Übersetzung 1825, Kapitel 6, §4, Seite 87
  3. William Penn, "Ohne Kreuz keine Krone" (eng. "No Cross No Krown"), Übersetzung 1825, Kapitel 6, §11, Seite 104
  4. William Penn, "Ohne Kreuz keine Krone" (eng. "No Cross No Krown"), Übersetzung 1825, Kapitel 6, §11, Seite 82
  5. Ps. 51,16-18
  6. William Penn, "Ohne Kreuz keine Krone" (eng. "No Cross No Krown"), Übersetzung 1825, Kapitel 6, §9, Seite 93
  7. Ps. 115,13
  8. William Penn, "Ohne Kreuz keine Krone" (eng. "No Cross No Krown"), Übersetzung 1825, Kapitel 6, §6, Seite 89
  9. William Penn, "Ohne Kreuz keine Krone" (eng. "No Cross No Crown"), Übersetzung 1825, Kapitel 5, §4, Seite 69
  10. William Penn, "Ohne Kreuz keine Krone" (eng. "No Cross No Krown"), Übersetzung 1825, Kapitel 6, §8+§9, Seite 82
  11. Jes. 1,13-14
  12. William Penn, "Ohne Kreuz keine Krone" (eng. "No Cross No Krown"), Übersetzung 1825, Kapitel 6, §9, Seite 96
  13. William Penn, "Ohne Kreuz keine Krone" (eng. "No Cross No Krown"), Übersetzung 1825, Kapitel 6, §3, Seite 85-86
  14. Joh. 4,21.24
  15. William Penn, "Ohne Kreuz keine Krone" (eng. "No Cross No Krown"), Übersetzung 1825, Kapitel 5, §4, Seite 68
  16. 2. Kor 6,16
  17. William Penn, "Ohne Kreuz keine Krone" (eng. "No Cross No Crown"), Übersetzung 1825, Kapitel 5, §6, Seite 71
  18. Chron. 29,31.34.
  19. Petri 1,2
  20. William Penn, "Ohne Kreuz keine Krone" (eng. "No Cross No Krown"), Übersetzung 1825, Kapitel 6, §8, Seite 92
  21. William Penn, "Ohne Kreuz keine Krone" (eng. "No Cross No Krown"), Übersetzung 1825, Kapitel 5, §11, Seite 66-67
  22. William Penn, "Ohne Kreuz keine Krone" (eng. "No Cross No Krown"), Übersetzung 1825, Kapitel 5, §12, Seite 68
  23. William Penn, "Ohne Kreuz keine Krone" (eng. "No Cross No Krown"), Übersetzung 1825, Kapitel 5, §14, Seite 81