Gotisch/ Band2/ Zwischenlektion3/ Etymologie

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Dies ist eine Zwischenlexikon, die der Verbesserung und dem Ausbau des bisher Gelernten dienen soll.
Sie enthält kein neues Lernmaterial und kann bei Bedarf übersprungen werden:
Vor zu Lektion 7

In der dritten Zwischenlektion lernen Sie wieder etwas über die Herkunft einiger Wörter, die Sie kennengelernt haben. Wir möchten Sie hier wieder darauf hinweisen, dass das Gotische nur ein indirekter Vorfahre des Deutschen ist.1

Was passierte eigentlich mit dem Wort...

... gahlaifs?
Das gotische Wort für Genosse oder Begleiter setzt sich aus der Vorsilbe ga- und hlaif-s "Brot" zusammen. Es könnte sich daher um eine Lehnübersetzung des lateinischen companio (vgl. panio "Brot") handeln2. Das urgermanische Wort *hlaiba-, nhd. "Laib", bezeichnete ursprünglich das ungesäuerte Brot, während man unter *brauda-, neudeutsch "Brot", das gesäuerte Brot verstand.
... meljan?
Das schwache Verb leitet sich vom Substantiv mel für "Fleck, Mal" ab und bedeutete ursprünglich "beflecken". Es ist verwandt mit dem altisländischen maela "färben" und dem ahd. malon "zeichnen, markieren, schmücken, schreiben", das sich zum heutigen malen entwickelte. Ein außergermanischer Verwandter ist beispielsweise das griechische mélas "schwarz" (wie z. B. in "melancholisch").
... frijon?
frijon "lieben" ist in vielen germanischen Sprachen gleichbedeutend überliefert: altsächsisch friehon, altenglisch friogan oder altisländisch frija. Aus dem substantivierten Partizip frijonds entwickelte sich das heutige "Freund". Möglicherweise hat sich das Verb auch direkt erhalten im veralteten Begriff freien ("heiraten, um eine Braut werben"). Die Herleitung ist aber umstritten.3
... ufhnaiwjan?
Das Wort ist eine Zusammensetzung aus uf "unter" und hnaiwjan "erniedrigen, niedrig machen". Letzteres ist vom Adjektiv hnaiws "niedrig" abgeleitet. Über das urgermanische (wohl gleichbedeutende) *hnaigweja- besteht eine Verwandtschaft zu altisl. hneigja, altengl. hnaegan und ahd. hneigan. Aus hneigan entwickelte sich das heutige neigen.4
... fruma und anþar?
Die beiden Wörter für "erster" und "zweiter" haben sich in der ursprünglichen Form im Neuhochdeutschen nicht erhalten. fruma ist verwandt mit dem altisländ. frum- "erst" und dem altenglischen fruma "Anfang". Aus letzterem entwickelte sich das englische former "früher". Im Deutschen wurde aus dem ahd. fruma "Nutzen, Vorteil" das mhd. Adjektiv vrum "nützlich; (bei Personen) tapfer, tüchtig" und schließlich das heutige "fromm". Die gotische Vokabel anþar ist mit dem deutschen Wort "andere/r" verwandt. Die ursprüngliche Bedeutung als "zweiter" ergibt sich noch in einigen (veralteten) Begriffen, wie z. B. selbander (selbdritt, selbviert, ...) oder anderthalb (dritthalb, vierthalb, ...).


1Quelle der Angaben ist das "Duden - Herkunftswörterbuch" von 1963
2Eintrag zu "gahlaifa" in der "Gothic etymological database"
3Eintrag im Wiktionary zu "freien"
4vgl. Elmar Seebold "Janua linguarum: Series practica", 1970, S. 266