Mehr wilde Natur durch Gartenrenaturierung/ Vorwort

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Vorwort

Unter dem Begriff Garten haben die meisten Menschen eine recht klare Vorstellung in Sachen Gestaltungsform. Wenn man sie fragt, was sie daran fasziniert, ist die häufigste Antwort: „Ein Stück Natur vor das Haus bringen, etwas Grünes“. Auf eine weitere Frage „Warum lassen Sie nicht ein wenig Laub auf dem Rasen?“ heißt es lapidar: „Das sieht nicht aus!“ Dann wird ein Laubrechen gezückt oder schlimmstenfalls der Laubbläser angeworfen.

Fällt uns auf, daß sich die meisten Gärten stark ähneln? Ein Standard aus Zuchtrasen, Ziersträuchern und etwas exotischem Gehölz, das aus Vliesmatten bedeckt mit Rindenmulch herausschauen darf? Hier und da ein paar Blühpflanzen und Stauden? Und stets der wiederkehrende Reigen von immergrünem Sichtschutz? Manche Blüten werden von keinem einzigen Insekt angeflogen, ob Tag oder Nacht! Was irritierend wirkt und neugierig macht.

Sie werden sich zwingen müssen, diese Vorstellungen einer uns perfekten, aufgeräumten Welt loszuwerden. Das kollektive Gedächtnis zeigt uns das Ideal vom weiten, bejagbaren Grasland, hier und da ein Baum oder ein See: Die typische, übersichtliche Parklandschaft, die sich in den Gärten der meisten Menschen widerspiegelt. Aus Sicht der Natur sind es Wüsten.

Wie auch immer man zu einem kleinen Fleckchen Erde, einen eigenen Garten kommt, auf dem man tun und lassen kann was man will, ist bei Übernahme – oder Neuanlage – eine Art Bestandsaufnahme wichtig. Denn dieser Flecken trägt ein Erbe.


An dieser Stelle ein Disclaimer: Dieses Buch ist das (vorläufige) Ergebnis diverser Betrachtungen, persönlicher Beobachtungen, Erfahrungen und Tipps, die beim Autor seit dem Jahr 2009 eingeflossen und von ihm aufgeschrieben worden sind. Als absoluter Laie nehme ich die Natur ganz unvoreingenommen so wahr, wie sie sich mir und Ihnen zeigt. Was ist dies, was ist das? Fragen über Fragen. Ein guter Freund von mir, der meinen löchernden Fragen langsam überdrüssig wurde, schenkte mir irgendwann ein Bestimmungsbuch, zusammengetragenes Wissen, basierend auf jahrhundertealten Studien. Ein gutes Buch. Allein dadurch, den Namen, also die Art einer Pflanze zu bestimmen, erschließt sich Ihnen ein weiterführender Kosmos.

Botaniker, Wissenschaftler etc. mögen mir verzeihen, wenn ich Begriffe aus der Naturwissenschft (Taxonomie) falsch angewendet oder komplett ignoriert habe. Essentielle Zusammenhänge und Erkenntnisse zum Thema Renaturierung im kleinen Stil werden in diesem Buch aber allgemeinverständlich ausgeführt und gewisse Verflechtungen in der Natur in markanten Beispielen angerissen. Kurz: es soll ein gewisses Grundverständnis entstehen. Denn zu wissen, zu verstehen, daß sich das Dasein, die Fragilität in der Natur bis zu einer einzelnen Abhängigkeit (Symbiose) zwischen Pflanze und Bestäuber herunterbrechen kann, bedeutet Erkenntnis. Stirbt großflächig die Art der Pflanze, stirbt auch die Art des Bestäubers oder umgekehrt. Sind beide weg, entstehen für andere Wesen wiederum ganze Ketten von Ungleichgewichten wie Ausfälle oder Mangel im Reigen des Fressen und Gefressenwerden. Das nennt man Artensterben.

Wildwuchs

Wie geht das, was spielt sich da ab? Das wachsende Interesse an den Zusammenhängen in der Natur, das Ganzheitliche zu verstehen, bedeutet einen 180°-Schwenk der Gedanken. Denn dort gilt alles andere, als das eins und eins zwei ergibt. Sie werden staunen. Sie brauchen keine Bodenproben teuer analysieren lassen. Was wächst wo und wie gut? Lassen Sie die Natur entscheiden. Geben Sie nur einen Anstoß.

„Ein Stück wilde Natur vor das Haus bringen“, ein guter Gedanke.

Je nach Möglichkeit und Fläche kann man klein anfangen: Wildkräuter auf dem Balkon, ein kleiner Kräutergarten mit Ihren Lieblingsgewürzen, gar Gemüse, ein Beet mit Kartoffeln vielleicht? Eine Wildblumenwiese? Ein Obstgarten, ein Naturgarten – was Sie wollen.

Um den Garten möglichst naturnah zu gestalten, überlässt man gewisse Flecken einfach sich selbst, in denen nicht mehr eingegriffen wird. Bis sich dort die Dinge von selbst regulieren, werden noch viele Jahre vergehen. Wenn Sie ein Stück Rasen in Frieden lassen und sich möglicherweise schon ein paar Wildkräuter darin angesiedelt haben, werden Sie überrascht sein, was Sie dort über Jahre mit dem Rasenmäher kurzgehalten haben. Denn nun wachsen die Kräuter im Frühjahr erstmals richtig aus und zeigen Ihnen ihre wahre Gestalt und wunderschöne Blüten.

Fangen sie an. Nur Mut.

Danksagung:[Bearbeiten]

Mit Dank an Stilfehler für das Mentoring inclusive hartnäckiger Unterstützung, Geduld und stets guten Rat!

am 23. Juni 2019
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