Mehr wilde Natur durch Gartenrenaturierung/ Weitere Insekten

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Maikäfer[Bearbeiten]

Nicht in jedem Mai ist Maikäferflug, und die Käfer sind mal mehr oder minder zahlreich. Alle 6 Jahre sind auffällig viele Exemplare unterwegs. Am Ende der Hochzeitssaison sind die schwerfälligen Brummer erschöpft und werden von Spatzenhorden bei lebendigem Leibe aufgefressen. Spatzen stellen ihnen regelrecht nach und jagen sie sogar im Flug.

Am Ende des Maikäferflugs

Maikäfer auf der nektarreichen Blüte von Phacelia (volksmündlich „Bienenfreund“ oder „Bienenweide“).

Mit wenigen Spatenstichen in die Erde fördert man hier schnell einen fetten Engerling, die Käferlarve, zu Tage. In sandigen Rasenflächen fressen Engerlinge gern Graswurzeln, und wo sich Amseln gerne niederlassen, gibt es derer viele.

Marienkäfer[Bearbeiten]

Marienkäfer (heimische Sieben- oder Zweipunkt) gibt es nur noch selten. Entweder finden sie keinen passenden Unterschlupf für ihren kollektiven Winterschlaf [1] oder sie sind von Blattläusen – ihrer Leibspeise als Käfer und Larve – vergiftet worden, die weit mehr Gifte aus der Landwirtschaft aufnehmen können, als der heimische Marienkäfer (Siebenpunkt) selbst verträgt.

Nach der Hochzeit im Frühjahr werden Ende April bis Anfang Mai die Eier abgelegt. Nur eine Woche später schlüpft bereits die Larve. Die Larve häutet sich mehrmals und verwandelt sich nach ca. 1 bis 2 Monaten zur Puppe. Bereits nach einer Woche kann daraus der neue Käfer schlüpfen. Vom Larvenzustand bis zum Schlupf der neuen Marienkäfer-Generation kann abhängig von Temperatur und Luftfeuchte sogar ein ganzes Jahr verstreichen. In der Regel liegt die Lebenserwartung des Käfers bei einem Jahr einschließlich einer Überwinterung. Als Larven fressen sie neben Blattläusen sogar Mehltau oder Schimmelpilze. Der Marienkäfer gilt also als gern gesehener Nützling und ist in der Lage, in seinem ganzen Leben 40.000 Blattläuse zu vertilgen!

Die Verdrängung durch fremde Arten (rot oder gelb mit x Varianten von Punkten – oder gar keinen – auf den Flügeldeckeln) oder genereller Futtermangel tragen ein Weiteres zum Verschwinden bei. Noch vor 40 Jahren traten Marienkäfer in großen Schwärmen auf.

Der schlimmste Feind unseres Marienkäfers, der hier seit 1980 das Regiment übernommen hat und 2013 zu einer traurigen Berühmtheit emporstieg, ist wohl der Asiatische Marienkäfer, Neozoon (Harmonia axyridis). Der beherbergt in seinem Blut einen der giftigsten Cocktails an Erregern, sodaß Prädatoren[2]beim Verzehr der Larve oder des Käfers selbst daran elend versterben. Harmonia axyridis hat gegen all seine Krankheitserreger in ihm selbst ein Immunsystem entwickelt, das in der Wissenschaft[3] für großes Aufsehen gesorgt hat. Man arbeitet an einem Antibiotikum gegen Tuberkulose und Malaria, gewonnen aus dem Blut (Hämolymphe) des asiatischen Marienkäfers.

Kartoffelkäfer[Bearbeiten]

(Neozoa) Der 1877 auf Überseeschiffen eingeschleppte, auffällig schöne amerikanische Käfer aus Colorado, USA, hat hier in Europa außer dem Menschen so gut wie keinen Feind. Der in Deutschland geschichtsträchtige Propaganda-Käfer verbreitete sich mit der Handelsware Kartoffel, deren Ursprungsland Südamerika ist, aus holländischen Überseehäfen heraus und nahm 1936 zum ersten Male seine Tätigkeit in Deutschland auf. Er kann sich explosionsartig vermehren (über 1000 Eier pro Weibchen sind möglich!) und er befällt ursprünglich ausschließlich Nachtschattengewächse. Im August 2019 sind zwei Exemplare aufgetaucht.

Die frühe, Rote Adonislibelle

Libellen[Bearbeiten]

An einem Wasserbiotop siedeln sich verschiedene Arten Libellen an. Schlupfzeiten: Die erste, die zum Frühjahr, also Ende April bis Anfang Mai, aus dem Wasser steigt, ist die rote Frühe Adonislibelle – ein wunderschönes Geschöpf:

Später folgen zwei Verwandte, in Blau die Azurjungfer (männlich), die Binsenjungfer und Mitte Juli die 10 cm langen Blaugrünen & Herbst-Mosaikjungfern – letztere fliegt weit bis in den Herbst ständig in der Nähe, immer auf der Jagd nach Lebendfutter. Bis der erste Frost sie dann leider vom Himmel holt. Die Larven der Mosaikjungfern kriechen nach gut 3 Jahren im Sommer gerne an den breiten Blättern der Wasseriris hoch an die Luft, um sich zu verpuppen. Nach der Metamorphose bricht die Puppenhülse auf und die Libelle schlüpft. Sie benötigt einen Tag, um ihre Flügel aufzupumpen.

Aus dem Reich der Mythen:
  • Libellen () haben keinen Giftstachel, sondern einen speziellen Legestachel, um Eier an Wasserpflanzen oder anderen Stellen im Wasser abzulegen.

Flöhe[Bearbeiten]

Es kann passieren, dass man sich Vogelflöhe im Garten einfängt. Sie sind schlank, schwarz und ca. 2-3 mm lang. Jedenfalls hinterlassen sie lästige, anhaltend juckende Stiche. Sie lieben natürlich feuchte Körperwärme und bereiten einem schlimmstenfalls nervtötende Nächte im Bett. Wenn es also im bekleideten Zustand bereits krabbelt und beißt, hilft ein sofortiges, heißes Bad mit den Klamotten am Leib und einem Spritzer Spülmittel[4] im Badewasser um sie zu ertränken, denn die Flöhe gehen auf diese Weise unter! Sie können eigentlich sehr gut schwimmen, aber mit dieser Methode verstummen die klagenden Hilferufe auf dem rettenden Weg zum Wannenrand (Sprungkraft von 100 G Erdbeschleunigung!) – bevor sie flauschige, feuchte Badezimmer-Teppiche für eine ganz prima Brutstätte ihrer Nachkommen schätzen lernen. Das ist kein Witz.

Bremsen[Bearbeiten]

Lautlose, schnelle, lästige Stechfliege. Die blutsaugenden Bremsen-Weibchen, die bei sehr warmer und schwüler Witterung (Anfang Juni) zahlreich unterwegs sind, orientieren sich punktgenau am Schweißgeruch von Warmblütern und stechen durch Fell und sogar durch Kleidung hindurch. Da hilft manchmal nur Lederzeug oder mindestens eine zweite oder dritte Baumwollschicht.

Heupferd[Bearbeiten]

Selten sieht und hört man eine einzelne, größere, grüne Heuschrecke. Sie ist im Gegensatz zu anderen Schrecken ein Fleischfresser!

Eine sonderbare Fliege[Bearbeiten]

Die auffälligste Fliege ist der Große Wollschweber. Der hat einen hellbraunen, pelzigen Körper wie eine Hummel, manövriert in der Luft wie eine Schwebfliege und saugt wie ein Schmetterling Nektar mit einem langen Rüssel, der fast so lang ist wie sein Körper – zuletzt gesichtet am 24. September 2019 an den Blüten des Anis Ysop's.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Kollektiv, weil sie zu Hunderten nach dem Erwachen im Frühjahr leichter einen Partner finden! Sehr schlau eingefädelt.
  2. Fressfeinde, Räuber
  3. Prof. Dr. Andreas Vilcinskas, Justus-Liebig-Universität Gießen. 17. Mai 2013 http://dx.doi.org/10.1126/science.1234032
  4. Zerstörung der Oberflächenspannung des Wassers


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