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Neuroanatomie: Grobaufbau des Gehirns

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Die Etagen des Gehirns

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Das Encephalon (Gehirn) besteht aus verschiedenen Ebenen, die phylogenetisch unterschiedlich alt sind und embryonal aus den zuerst drei primären, später den fünf sekundären Hirnbläschen hervorgehen. Man unterscheidet drei Teile und mehrere Unterstrukturen. Das Prosencephalon (Vorderhirn) besteht aus dem Telencephalon bzw. Cerebrum (Endhirn), dazu gehören der Cortex, die Basalganglien und das limbische System und dem Diencephalon (Zwischenhirn), welches den Thalamus und die benachbarten Regionen Epi-, Sub- und Hypothalamus umfasst. Das Mesencephalon (Mittelhirn), bestehend aus Tectum, Tegmentum und Crura cerebri, stellt den zweiten Teil dar. Das Rhombencephalon (Rautenhirn) besteht aus dem Metencephalon (Hinterhirn), bestehend aus Cerebellum und Pons und dem Myelencephalon (Medulla oblongata (Nachhirn)).

  • Prosenzephalon (Vorderhirn)
    • Telencephalon bzw. Cerebrum (Endhirn): Cortex (Hirnrinde), Basalganglien, Limbisches System
    • Diencephalon (Zwischenhirn): Thalamus, Epi-, Sub- und Hypothalamus
  • Mesencephalon (Mittelhirn)
  • Rhombencephalon (Rautenhirn)
    • Metencephalon (Hinterhirn): Cerebellum (Kleinhirn) und Pons (Brücke)
    • Myelencephalon (Markhirn): Medulla oblongata (Nachhirn, verlängertes Mark).

Das Mittelhirn, die Brücke und die Medulla oblongata fasst man auf Grund ihrer funktionellen Zusammengehörigkeit auch als Hirnstamm zusammen. Der Ausdruck Stammhirn, worunter man die Brücke, die Medulla oblongata und das Kleinhirn versteht, ist mittlerweile weniger geläufig.

Funktionale Gliederung

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Neben den phylogenetisch unterschiedlich alten Ebenen des Gehirns lässt sich das ZNS unter funktionalen Gesichtspunkten gliedern. Am deutlichsten ist die Strukturierung auf Rückenmarkshöhe verwirklicht, die sich unmittelbar aus der Embryologie ableiten lässt. Das durch Einfaltung entstehende Neuralrohr bildet um den Zentralkanal eine Grund- und eine Flügelplatte aus. Die ventrale Grundplatte enthält die efferenten Neurone:

  • 1. Säule die allgemein somatomotorischen Neurone (später: Vorderhorn),
  • 2. Säule die allgemein viszeromotorischen Neurone (später: vorderes Seitenhorn),

die Flügelplatte stellt die afferenten Neurone:

  • 3. Säule allgemein viszeroafferent (später: hinteres Seitenhorn),
  • 4. Säule allgemein somatoafferent (später: Hinterhorn).

Auf Höhe des Stammhirns wird es komplexer, da hier die Afferenzen der Sinnesorgane hinzutreten (spezielle Viszeroafferenzen wie Riechen und Schmecken und spezielle Somatoafferenzen wie Sehen und Hören) und zur motorischen Innervation der Myotome die Innervation der Muskulatur hinzukommt, die sich aus den Branchialbögen ableitet. Die einzelnen Kernsäulen zerfallen dabei zu den Hirnnervenkernen. Die genannten Verbindungen und Kerne verbinden das ZNS direkt mit der Peripherie.

Weiterhin treten im Hirnstamm bereits Kerngebiete hinzu, die der Informationsverarbeitung innerhalb des ZNS dienen. Auch die höheren Zentren lassen sich - stark vereinfacht - z.T. entsprechend bestimmten Grundfunktionen zuordnen, wenngleich das Großhirn embryologisch anders organisiert ist: Motorik, Wahrnehmung und Regulation von Körperfunktionen (afferentes und efferentes vegetatives Nervensystem).

Die folgende Übersicht soll das zusammenfassen:

Motorik Vegetativum Sensibilität/Sensorik
viszeroefferent viszeroafferent
Telencephalon (Hirnrinde) Frontallappen Scheitel-, Okzipital- und Schläfenlappen
Signalweg:
Telecephalon (Kerne) Striatum / Globus pallidus
Diencephalon (Zwischenhirn) Hypophyse / Hypothalamus Hypothalamus Thalamus
Signalweg: (·)Blut / ↓
Stammhirn Motorische Kerne (Substantia nigra, Nucleus ruber) und (·)Hirnnervenkerne Vegetative Kerne (Atmung-, Kreislaufregulation u.a.), (·)Parasympathische Hirnnervenkerne (z.B. Edinger-Westphal-Kern, Nucleus salivatorius) Vegetative Kerne (Atmung-, Kreislaufregulation u.a.), (X)Parasympathische Hirnnervenkerne (z.B. Nuclei tractus solitarii) (X)Sensible Hirnnervenkerne (z.B. des Nervus trigeminus), (X)Sinnesorgane
Signalweg:
Rückenmark Vorderhorn Seitenhorn Hinterhorn
Signalweg:
Endorgan Skelettmuskulatur Eingeweide, Drüsen, glatte Muskulatur Rezeptoren in Haut, Muskeln, Sehnen, Gelenken usw.

Signalwege: Bahnen (weiße Substanz)

(·): Pfeil raus, direkt zum Endorgan, (X): Pfeil rein, vom Endorgan direkt dahin


Versuchen Sie die Hirnanteile auf den Fotos, soweit sichtbar, zu identifizieren!

Beschriftung und Lösungen.

Gehirn im Coronarschnitt.


Beschriftung und Lösungen.

Gehirn im Mediosagittalschnitt.


Schnittlinie.
Beschriftung und Lösungen.

Gehirn in der Seitenansicht, ein Teil des Temporallappens wurde entfernt.


Beschriftung und Lösungen.

Gehirn von inferior.