Optimierung von Kleinheizungsanlagen/ Maßnahmen gegen Wärmeverluste bei neuen Heizungsanlagen

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Maßnahmen gegen Wärmeverluste bei neuen Heizungsanlagen[Bearbeiten]

Bei Heizkesseln soll das häufige „Takten“ reduziert werden, das schafft man:

  • durch Verwendung eines Pufferspeichers (oder mehrere hintereinandergeschaltet), damit muss die Erzeugung der Wärme nicht gleichzeitig stattfinden als als der temporäre Bedarf an Wärme besteht; gleichzeitig bietet die Kapazität des Pufferspeichers entsprechendes Speichervolumen für temporäre und saisonale Erträge der Leistung elektrischer wie auch thermischer Kollektoren und andere Wärmeenergiewandler welche es ermöglichen gespeicherte Energie zeitversetzt zur Energieproduktion zum Kochen, Baden, Duschen und Heizen zu entnehmen.
  • durch kaskadierte Verschaltung sekundärseitig vorhandener Verbraucherkreise mit fallenden Temperaturniveaus.

Ist beispielsweise neben üblichem Heizkreis noch eine Niedertemperaturheizung vorhanden so ist die Rücklauftemperatur Wasservolumen aus den Heizkörpern stets ausreichend hoch um benötigte Vorlauftemperatur und Energiemenge für den nachfolgenden und zeitgleichen Betrieb von Fußboden- und/oder Wandheizkreise zu gewährleisten. Mittels eines Mehrwegeventils und der Vorlauftemperaturregelung der Fußbodenheizung kann die Leistung des abgekühlten Heizmediums ein weiteres mal genutzt und in Folge wird eine kältere Rücklauftemperatur zugunsten maximaler Vollbrennwertnutzung erreicht, also die maximalen Energiemenge der in Heizöl oder gas gespeicherten Energiemenge in Wärme umwandelt.

  • durch Reduzierung der Wärmeerzeugungsleistung des Heizkessels, indem ein „modulierender“ Brenner verwendet wird:

Ein modulierender Brenner — der Stand der Technik[Bearbeiten]

Wer die Heizung modernisieren will, sollte (vor allem bei Erdgas als Brennstoff) einen modulierenden Brenner einbauen. „Modulierend" heißt dabei, dass die Wärmeleistung des Brenners je nach Anforderung innerhalb seines Leistungsspektrums stufenlos angepasst werden kann.

Dies geschieht

  • bei Gaskesseln durch Verkleinerung der Brennerflamme oder Ansteuerung von weniger Brenndüsen
  • bei Ölkesseln durch Verwendung eines mehrstufigen Gebläsebrenners
  • bei Pelletskesseln und Hackschnitzelkesseln durch Reduzierung der Brennstoffzufuhr (indem sich die Zufuhrschnecke langsamer dreht)

Ausgehend vom „Nennwert" (beispielsweise 30 kW) wird dadurch die Leistung nahezu stufenlos regulierbar. Mittlerweile ist ein Verhältnis von 1:10 möglich, also der genannte 30 kW-Kessel kann seine Leistung auf ein Zehntel reduzieren und produziert damit eine variable Wärmeeistung zwischen 3–30 kW. Dadurch kann die Kesselwasseraustrittstemperatur an der von der Heizungsregelung berechneten Vorlauftemperatur angepasst werden.

Das ist von Vorteil, insbesonders in Zeiten in denen weniger Heizwärme benötigt wird

  • am Beginn und am Ende der Heizperiode, wenn die Außentemperaturen und die Komfortansprüche es bedingen, dass weniger Heizwärme dem Räumen zugeführt wird.
  • wenn viele der angeschlossenen „Heizkörper, rsp. Heizflächen abgedreht" sind, sprich die Stellventile von den Benutzern händisch geschlossen wurden oder Thermostatventile das in vielen der Räume schon automatisch erledigt haben. Dann nämlich wird weniger Wärme „angefordert" und es muss auch nicht mehr so viel Wärme erzeugt, wie auch in den Rohrleitungen transportiert werden.

Nachteilig bei einer Leistungsreduzierung an vorhandenen Kesseln ist, dass deren Brennräume und Wärmetauscher auf große Flammleistung optimiert sind, d.h. eine verkleinerte Flamme unter Vollastanforderung unterkühlter Heizkreise oftmals nicht mehr die hinteren Wandungen ausreichend erhitzt, schwarzer Ruß an den Rippen des hinteren Wärmetauschers entstet und anhaftet und somit in diesem Bereich die Wärme nur noch ungenügend ausgetauscht werden kann. Die Abgasärmeverluste steigen, wodurch der Wirkungsgrad sinkt. Zudem sinkt die Flammentemperatur in den oftmals zu groß dimensionierten Kesselräumen, die Anzahl der unverbrannten Kohlenwasserstoffe steigt und eine Taupunkkondensation im Kesselinneren würde die Korrosion im Kesselinneren begünstigen

Niedrige Rauchgastemperaturen und Kondensationsgewinne sind zwar erwünscht, doch sollte gewünschte Kondensation niemals im Kesselinneren stattfinden, besser doch außerhalb in einem dem Rauchgaszug nachgeschaltetem Brennwertwärmetauscher, welcher an jedem vorhandenem Öl- und Gaskessel auch nachgerüstet werden kann und extern zwischen Kessel und feuchtebeständigem Kamin eingesetzt wird.

Insbesonders der Schadstoffausstoß (CO2, NOX, Dioxine und Säuren) bei in der Leistung nicht regelbaren Brennern wird im stationären Betrieb mit relativ lange Brennerlaufzeiten in ganz erheblichem Umfang reduziert wenn ein angeschlossener Pufferspeicher fehlende Heizwärmeanforderung kompensiert. Lange Laufzeiten verbessern den Wirkungsgrad, vermeiden Rußanhaftungen am Wärmetauscher und verhindern eine Versottung des Kamins.

Wird nun ein modulierender Heizkessel mit einem Pufferspeicher zusammen betrieben, so startet der Heizkessel meist unter Vollast…

  • bei Gas- und Ölbrennern um eine stabile Flamme und vollständige Verbrennung zu erreichen
  • um den Kamin aufzuwärmen und Versottung zu vermindern
  • um den Wärmetauscher möglichst schnell aufzuheizen, denn liegt dessen Temperatur unterhalb des Taupunkts, so kondensiert Wasserdampf (im Brennraum). Das haftende Kondensat wirkt länger auf die Kesselwand ein als vorbeiziehender Dampf im Abgas, und Korrosion läuft schneller ab. Derart kondensierter Wasserdampf „trocknet“ wieder ab, sobald die Temperatur des Wärmetauscherrohrs oberhalb des Taupunkts ist. Aaus diesem Grund wird vom Heizkesselhersteller meist eine Rücklaufanhebung für den wärmsten Teil des Wärmetauschers eingebaut, damit wird die Temperatur des „kalten“ Rücklaufs mit bereits erwärmtem Wasser angehoben. Im Prinzip zirkuliert im wärmsten Teil des Wärmetauschers ein ständig warmer Wasserstrom, der durch zulaufenden Rücklauf etwas abgekühlt wird und „überschüssiges“ Warmwasser verlässt als Vorlauf den Heizkessel.

Der Heizkessel unter Vollast heizt dann den Pufferkessel in kürzester Zeit auf…

  • weil dabei der Wirkungsgrad bei den meisten Anlagen am besten ist
  • und oft um fehlendes Warmwsser (zum Baden, Duschen, Händewaschen) schnellstmöglich nachzuheizen

…und „moduliert“ erst kurz vor Ende der Speicherladung herunter (was bei Pelletsbrennern dem Ausbrand entspricht). Ist die „Temperaturspreizung“ (der Temperaturunterschied zwischen der Temperatur, wenn der Heizkessel nachheizt und der Temperatur wenn er damit aufhört) eher klein, dann ist das „Ende der Speicherladung“ schneller erreicht.

Viele Heizkessel können zwar theoretisch modulieren (und damit wird kräftig geworben), die zugehörige Heizungssteuerung des Heizkesselherstellers ist aber anders eingestellt. Zu kleine Flammen führen nämlich zu unvollständiger Verwirbelung bei den Wärmetauschern. Daraus resultiert in erster Linie ein schlechterer Wärmeübergang  = schlechterer Wirkungsgrad, die Wärmeverluste ins Abgas (in Form von unverbrannten Kohlenwasserstoffen, Kohlenmonoxid oder Ruß) werden kaum verändert. Darum werden derartige Brenner zeitlich in geringerem Maße modulierend betrieben, werden also während der meisten Zeit mit der Nennleistung betrieben. Dabei wird aber nicht berücksichtigt, dass die Auskühlverluste während der Brennerruhezeiten nicht aus dem Kesselwirkungsgrad ablesbar sind (der Kesselwirkungsgrad bezeichnet ja nur den Wärmeübergang bei Betrieb des Heizkessels). In so einem Fall besteht eigentlich kein wesentlicher Unterschied zu einem Heizkessel mit fest eingestellter Heizleistung, die im Ankauf preisgünstiger sind. Wird so ein Ankauf erwogen, dann sollte die Preisersparnis in einen weiteren oder größeren Pufferspeicher investiert werden, um zumindest das Puffervolumen zu erhöhen und das Takten zu vermindern. Oder aber die Steuerung beim modulierenden Brenner kann vom Kunden so eingestellt werden, dass der Brenner möglichst bald heruntermoduliert.

Die technische Entwicklung der Pelletsbrenner ging dahin, das für Gasbrenner optimierte System der Leistungsmodulation auf Pelletsbrenner anzuwenden, obwohl der Brennstoff oder die Brennkammern oder Wärmetauscher dafür nicht taugen. Durch eine Modulation kann theoretisch Pufferspeichervolumen eingespart werden (damit wird leider heftig geworben), das beim Pufferspeicher „eingesparte“ Geld wird dann in teurere „modulierende“ Pelletsbrenner gesteckt. Damit wird lediglich der zu erzielende Gewinn von den Pufferspeicherherstellern zu den Pelletsöfenherstellern hin verschoben.

Weil jede Wärmespeicherung mit Wärmeverlusten verbunden ist, ist es sinnvoller, keine Wärme aufzuheben, sondern nur die Wärme zu produzieren, die gerade benötigt wird (die oftmaligen Auskühlverluste eines abgeschalteten Brenners sind aber in Summe höher als die Abstrahlverluste des Wärmespeichers). Und eben diesen Vorteil schaffen modulierende Brenner, indem ihre Leistung (mithilfe einer außentemperaturgestützten Heizungsregelung) dem jeweiligen Bedarf angepasst wird. Dazu gibt es aber kontroversielle Meinungen:

  1. Bei der Wärmespeicherung und in der Brennerruhephase treten Wärmeverluste auf, deshalb soll die Heizanlage mittels modulierender Brenner im Dauerbetrieb laufen
  2. Weil auch während der Wärmeerzeugung vom Heizkessel Wärmeverluste auftreten soll ein Heizkessel möglichst kurz in Betrieb sein und ein Pufferspeicher möglichst schnell aufgeheizt werden.

Je größer die Heizkesselleistung ist und je kleiner der Pufferspeicher dimensioniert ist, desto öfter schaltet der Heizkessel ein und taktet. Die damit verbundenen Auskühlverluste über das abkühlende Rauchgas (also Abstrahlverluste und Rauchgas-Wärmeverluste zusammen) sind aber höher als die Abstrahlverluste alleine während des Betriebs des Heizkessels. Deshalb spart der Dauerbetrieb (mit einem modulierenden Kessel und einem möglichst großen Pufferspeicher) mehr Wärmeenergie.

Doch was ist der tatsächliche Bedarf?

Heizkessel nicht überdimensionieren![Bearbeiten]

Bei vielen Kleinfeuerungsanlagen würde die Hälfte der Nennleistung des Heizkessels genügen, um 90% des Heizenergiebedarfs abzudecken. Um die restlichen 10% abzudecken, werden viele Heizkessel überdimensioniert[Fachliteratur 1] und führen zu zu hohen Bereitschaftsverlusten.

Dass so viele Heizkessel zuviel Power haben, liegt daran, dass für die Größenwahl ausschlaggebend war

  • dass der Heizkessel wie ein Durchlauferhitzer möglichst schnell Warmwasser erzeugen soll
  • dass der Heizkessel möglichst schnell wieder für die Heizwärmebereitstellung zur Verfügung steht[aus der Praxis 1].

Bei einer „Warmwasservorrangschaltung" („Brauchwasservorrangschaltung") wird für die Dauer der Warmwassererwärmung der Heizkreislauf nicht mehr beheizt. Damit diese Heizungsunterbrechung oder die Warmwasser-Aufheizzeit so kurz wie möglich gehalten wird, werden viele Heizkessel größer (über)dimensioniert, denn ein starker Kessel heizt schneller auf als ein schwacher.

  • weil dabei der Heizungsbauer sicher sein wollte, dass das Gebäude auch an den kältesten Tagen sicher beheizt werden kann (der Heizungsinstallateur nahm seinen „Erfahrungswert" nach der Methode „Pi mal Daumen" und erhöhte ihn vielleicht noch um einen „Sicherheitszuschlag")

Ursachen dafür, dass die Kesselleistung mittlerweile zu groß ist, könnten außerdem noch sein:

  • dass das Haus zwischenzeitlich eine Wärmedämmung erhalten hat und nun nicht mehr so schnell auskühlt, also jetzt weniger Heizwärme benötigt wird als zum Zeitpunkt des Einbaus des Heizkessels,
  • weil einzelne Räume nicht mehr bewohnt werden (weil die Kinder ausgezogen sind) und dort weniger geheizt wird
  • weil eher mehr geduscht als gebadet wird und zum Duschen nicht so viel Warmwasserdurchfluß pro Minute nötig ist wie bei einem Wanneneinlauf.
  • weil das Abwaschen das Geschirrspülgerät erledigt und in der Küche deshalb nicht mehr so viel Warmwasser benötigt wird
  • oder ganz einfach, weil sie bisher zuviel Wärme beim Kamin rausgeheizt haben und eigentlich für die Wohnraumheizung und für die Warmwasserbereitung gar nicht so viel Wärmeleistung benötigen…

Genormte Auslastungsstufen eines Heizkessels nach DIN 4702-T8[aus der Praxis 2]
20 40 60 80 100 120 140 160 180 200 220 240 260 Heiz-
tage
bei 11 bis 15 ° C
Außentemperatur

13 %
durchschnittliche
relative Heizkesselauslastung

an 119,7
Heiztagen

6 bis 10 ° C



30 %


 +50,5


3,5 bis 6 ° C



39 %


 
+39,5



+1 bis +3,5 ° C


48 %

 
+32,2



- 4
bis
+1 ° C

63 %


 
+24,5


 
herkömmliche Auslegung eines Heizkessels auf die maximal nötige Heizlast
Auslegung der Nennleistung eines modulierenden Brennwertkessels
auf rund 50% der maximal nötigen relativen Heizlast
(Heizlast bei einem Brennvorgang)

Die „Auslastungsstufen nach DIN 4702" zeigen, dass Heizkessel an 240 von 270 Heiztagen im Jahr weniger als 50% der Nennleistung benötigen, an knapp 24 Tagen eine Heizleistung größer 55 %. Experten empfehlen daher, den Heizkessel einer Zentralheizungsanlage modulierend an die Heizwärmeerfordernisse der Übergangszeit anzupassen und an den kältesten Tagen des Jahres als Ergänzung beispielsweise einen Kaminofen im Wohnzimmer in Betrieb zu nehmen[Fachliteratur 2]oder in dieser Zeit die intensive Beheizung auf wenige Räume zu konzentrieren.

Die ganze Sache hat aber einige Haken:

Erstens hält sich Ihr Kleinklima zuhause nicht an Temperaturtabelle der DIN (oder umgekehrt, die DIN berücksichtigt nicht, wie grimmig kalt oder wie warm es gerade bei Ihnen im Winter ist, wieviel Monate Schnee liegt oder ob es bis Ende April dauerkalt ist und dann beginnt, als ob jemand einen Wetterschalter umgestellt hat, ohne Zwischenfrühling gleich der Sommer? Vielleicht haben Sie weniger als 260 Heiztage? Oder haben Sie mehr grimmig kalte Tage?

Zweitens kennt die DIN nicht die Wärmedämmung Ihres Hauses. Am Ende haben Sie Ihr Haus so gut eingepackt, dass sie selbst im tiefsten Winter nur so wenig Wärme benötigen wie Ihr Nachbar im ungedämmten Althaus im Mai. Natürlich irgendwann heizt jeder irgendwann an 10% der Tage „mit der höchsten Leistung" und die Skala ist für jeden anwendbar. Aber vielleicht hat Ihr Kleinklima keine einzelnen Tiefstpunkte?

Mittlere Temperaturminima der Luft, Alpentäler, Österreich[1]
Jan Feb März Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
-6°C -6°C 0°C -4°C
Wintertemperaturen

w:Zeitreihe der Lufttemperatur in Deutschland#Winter


Dazu sollten Sie die Monate, bei denen bei Ihnen zuhause Schnee liegt und das Thermometer deutlich unter 0°C anzeigt, als die Monate ansehen, in denen Sie Ihre Heizung brauchen, ohne einen weiteren Wärmeerzeuger in Betrieb zu setzen. Ist die Zeit nur kurz, könnten Sie mit einem Kaminofen dazuheizen.

Und es ist eine Frage des Komforts, auch an den kältesten Tagen mit der Heizung versorgt zu werden, die die alltägliche Wohnraumerwärmung übernehmen soll. Also wozu mit einem extra Ofen dazuheizen, wenn es auch genügen würde, einen modulierenden Heizkessel, der an den kältesten Tagen in 100% der Zeit durchläuft in den allerschwächsten Schwachlastzeiten einfach nur mehr zeitgesteuert ein- bis zweimal am Tag in Betrieb zu setzen? Dazu darf aber der Heizkessel nicht zu stark sein (denn sonst muss er auch am kältesten Wintertag pausieren und takten).

Durchlauferhitzer („Therme“) oder extra Warmwasserspeicher?[Bearbeiten]

Wenn nun die Leistung des Heizkessels nicht mehr danach gewählt wird, das Trinkwasser möglichst schnell zu erhitzen, dann dauert es mit einem Heizkessel mit geringerer Leistung länger, bis das Warmwasser heiß ist.

Deshalb sollte zuerst der exakte Bedarf an Warmwasser aufgrund des Verhaltens aller Nutzer ermittelt werden:

  • Wieviel Warmwasser wird am Tag benötigt?
  • Genügt einmaliges Aufheizen einen großen Kessels oder soll ein kleiner Kessel öfter aufgeheizt werden?
  • Wird das Wasser auf 80°C erhitzt und beim Duschen im Thermostat kaltes Wasser zugemischt (dann kann der Heißwasserspeicher kleiner sein, die hohe Aufheizung ist aber nicht sinnvoll bei Wasser mit hohen Kalkgehalt) ?
  • Oder wird der Speicher nur auf 45°C aufgeheizt (dann braucht eine Person zum Duschen die gesamte Wassermenge als Warmwasser) ?
  • Duschen alle am Morgen? Duscht jemand eher am Abend?
  • Welche Nachheizzeit kann toleriert werden? (in welchem Zeitabstand duschen alle)
  • Wieviel Vollbäder braucht man im Monat?
  • Wieviel Warmwasser wird zum Händewaschen benötigt? Ist für diese Mengen ein Elektro-Durchlauferhitzer zur Erzeugung von handwarmem Wasser rentabel?
  • Wird das Geschirr per Hand abgewaschen?
  • Hat die Textilien-Waschmaschine einen Anschluß für Warmwasser?
  • Wofür und wie oft wird in der Küche brennheißes Wasser benötigt? Genügt für diese Mengen ein Elektro-Durchlauferhitzer oder ein Wasserkocher?
  • Soll rund um die Uhr jederzeit heißes Wasser in unendlicher Menge zur Verfügung stehen?

Wird der Wasserverbrauch einer Familie als Größenkriterium für einen Trinkwasser-Heißwasserspeicher genommen, so kann dieses Heißwasser am frühen Morgen erhitzt werden, solange die Heizung noch zur Nachtabsenkung ausgeschaltet ist, und ein gut wärmegedämmter Warmwasserspeicher wird notwendig (eigentlich sonst auch ein Muss-Kriterium).

Bei kleineren Speichern wird nach einer größeren Entnahme wieder nachgeheizt (wenn der Heißwasserablauf zu kalt wird), dafür ist die Nachheizzeit kurz.

Zum Waschen genügt eine Wassertemperatur von 36°C bis 38°C. Kalk fällt beim Erhitzen von Wasser erst oberhalb von 50°C aus. Solche geringen Wassertemperaturen lassen sich mit modulierenden Brennern erreichen oder mit einer Wärmeabgabe über einen Wärmetauscher (dazu muss aber das gespeicherte Warmwasser mit einer extra Umwälzpumpe durch den Wärmetauscher gepumpt werden).

Zur Vermeidung der Legionellengefahr (Vermehrung von Bakterien im warmen Wasser) sollte ein Warmwasserspeicher einmal pro Woche auf 80°C aufgeheizt werden und auch alle Leitungen mit dem heißen Wasser gespült werden. Gewisse Programme bei Heizungssteuerungen heizen den Wasserkessel zwar einmal in der Woche auf, die Leitungen werden aber nicht gespült (außer wenn regelmäßig viel Wasser gezapft wird). Weil weder mit noch ohne Sonderprogramm in der Praxis kaum die Leitungen gespült werden ist als Alternative die Erwärmung des Frischwassers in einem extra Plattenwärmetauscher besser. Der Wärmetauscher (auch „Frischwassermodul“ genannt) wird durch das umlaufende gespeicherte Warmwasser „beheizt“. In diesem Fall kann (bei Verwendung eines modulierenden Brenners) das gespeicherte Wasser Teil des Heizungskreislaufes sein. So ein externer Plattenwärmetauscher ist auch in Gegenden sinnvoll, die besonders kalkreiches Trinkwasser haben. Verkalkt der Wärmetauscher, so kann er relativ einfach getauscht werden. Verkalken in einem Pufferspeicher eingebaute Rohrwendeln (verstopfen sie und „wachsen zu“), dann muss der ganze Kessel ausgetauscht werden.

Ein „Nachheizen“ mit einem Brennwertkessel ist nur sinnvoll, wenn das Frischwasser möglichst kalt ist und dadurch der Brennwerteffekt genützt werden kann. Soll ein Warmwasser-Speicherkessel ständig 80°C haben und er kühlt auf 75°C ab und der Heizkessel springt dann an, so würde beim Nachheizen der Brennwerteffekt nicht genutzt (abgesehen davon, dass dadurch der Heizkessel „taktet“).

Wärmebedarfsrechnung

Vor der Anschaffung einer Heizung beziehungsweise eines Pufferspeichers sollte eine Wärmebedarfsrechnung durchgeführt werden, bei der als Parameter die zu beheizende Fläche, das Raumvolumen, die gewünschte Raumtemperatur, Art und Ausführung von Dämmungen und die klimatisch zu erwartenden Außentemperaturen und Heizgradtage einbezogen werden[aus der Praxis 3].

Aufheizzeit eines Kessels

Um 1 kg Wasser um ein Grad zu erwärmen, benötigt man 1,16 Wh/kgK (Wattstunden pro Kilogramm und Kelvin, spezifische Wärmekapazität). Für überschlagsmäßiges Rechnen genügt der Zahlenwert 1 Wh/kgK. Für einen Wasserspeicher mit 100 Liter Inhalt (ungefähr 100 kg Wasser) wird dann etwa 1 kWh benötigt, um diese 100 Liter um 10 K aufzuheizen. Geht man von einer Trinkwasser-Temperatur von 8°C aus und einer Duschwasser-Temperatur von 38°C, so ist das kalte Frischwasser um 30 Grad zu erwärmen.

Ein 1 kW-Heizkessel schafft in einer Stunde Arbeit von 1 kWh und erwärmt dabei 100 Liter um 10 K.
ein 3 kW-Heizkessel verbraucht pro Stunde 3 kWh und erwärmt dabei 100 Liter um 30 K.
ein (3*10=)30 kW-Heizkessel verbraucht pro Stunde 30 kWh und erwärmt dabei in (60/10=) 6 Minuten 100 Liter um 30 K.
ein (30/3=)10 kW-Heizkessel verbraucht pro Stunde 10 kWh und erwärmt dabei in (6*3=) 18 Minuten 100 Liter um 30 K.

Füllen Sie nun mit einem Ein-Liter-Maß einen Eimer oder eine Gießkanne mit 10 Liter Wasser und markieren Sie den 10-Liter-Wasserstand. Dann stoppen Sie sekundengenau, wie viele Sekunden es beim Duschkopf dauert, bis diese 10 Liter aufgefüllt sind. Oder sie messen mit dem Eimer aus, wie viele Liter Ihre Badewanne fasst. Daraus lässt sich dann der exakte Wasserverbrauch beim Duschen pro Minute oder Baden pro Badewanne errechnen. Ausgehend vom Waschverhalten Ihrer Familienmitglieder wissen Sie dann, wieviel Warmwasser Sie im Grunde wann benötigen oder wie lange es dauert, bis der Heizkessel diese Wassermenge im Speicher nachgewärmt hat.

ein 1 kW-Heizkessel (mit einem angenommenen Wirkungsgrad von 100%) verbraucht pro Stunde 1 kWh und erwärmt dabei 100 Liter um 10 K.
ein 2 kW-Heizkessel verbraucht pro Stunde 2 kWh und erwärmt dabei 100 Liter um 20 K.
ein (2*5=)10 kW-Heizkessel verbraucht pro (60/5=) 12 Minuten 2 kWh und erwärmt dabei 100 Liter um 20 K.
ein (10*3=)30 kW-Heizkessel verbraucht pro (12/3=) 4 Minuten 2 kWh und erwärmt dabei 100 Liter um 20 K.

Wird ein Heizwasser-Pufferspeicher mit einer Temperaturspreizung von 20° C zwischen Vorlauf (80° C) und Rücklauf (60° C) betrieben, benötigt ein 10 kW-Brenner für die Erwärmung von 100 Liter Heizkreislaufwasser 12 Minuten, Ein 30 kW-Brenner benötigt dafür theoretisch 4  Minuten.

Da die Abkühlung konstant verläuft, schaltet sich der stärkere Brenner öfter ein und aus, er „taktet" häufiger, während der schwache Brenner noch aufheizt, hätte ein starker Brenner bereits abgeschaltet, und das Wasser kühlt schon wieder aus.

ein 3 kW-Heizkessel verbraucht pro Stunde 3 kWh und erwärmt dabei 100 Liter um 30 K.
ein (3/10=)0,3 kW-Heizkessel verbraucht pro Stunde 0,3 kWh und erwärmt dabei (100/10)=10 Liter um 30 K.
ein 3 kW-Heizkessel verbraucht pro (60/10=) 6 Minuten (3/10)=0,3 kWh und erwärmt dabei (100/10)=10 Liter um 30 K.
ein (3*6=)18 kW-Heizkessel verbraucht pro (6/6=) 1 Minute 0,3 kWh und erwärmt dabei 10 Liter um 30 K.

Wird mit einem Wasserdurchfluß von 10 Liter pro Minute geduscht, so muß eine Gas-Kombitherme im Durchflußbetrieb die Temperaturdifferenz von 8° C auf 38° C (also 30 K) in dieser einen Minute schaffen, dazu braucht sie eine Heizleistung von mindestens 18 kW. Wird eine schwächere Heizleistung gewählt (damit die Kombitherme im Heizbetrieb weniger oft taktet), ist ein Trinkwasser-Wärmespeicher nötig (oder ein schwächerer Warmwasserstrahl beim Duschen wird akzeptiert, Ausprobieren lohnt sich).

ein 1 kW-Heizkessel verbraucht pro Stunde 1 kWh und erwärmt dabei 100 Liter um 10 K.
ein 5 kW-Heizkessel verbraucht pro Stunde 5 kWh und erwärmt dabei 500 Liter um 10 K oder 250 Liter um 20 K
ein 5 kW-Heizkessel verbraucht in 8 Stunden 40 kWh und erwärmt dabei (250*8=) 2.000 Liter um 20K, die 2,5 kW Heizleistung für 16 Stunden entsprechen.

D. h. an den kältesten Tagen könnte man, anstatt den Heizkessel in der Nacht stillzulegen, einen großvolumigen Pufferspeicher in der Nacht „mit Wärme füllen". Wären für die Hausbeheizung an diesen kältesten Tagen 7,5 kW ausreichend, dann wären (7,5* 2/3=) 5 kW durch den laufenden Betrieb des Brenners tagsüber und (40kWh/16 Stunden=) 2,5 kW durch die Wärmereserve gedeckt, der Heizkessel kann um 1/3 schwächer sein als die an sich nötige Heizleistung (weil er dieses Drittel in den (24/3=) 8 Nachtstunden erheizt. Da speziell bei Solarthermie-Kollektoren gerne größere Pufferspeicher verwendet werden, könnte der Heizkessel des Heizsystems für die kalten Wintertage wegen der Möglichkeit der Nachtspeicherung an den kältesten Tagen (siehe oben) kleiner gewählt werden.

Für die Erwärmung von 1 kg um 1 K sind aber 1,16 Wh oder 0,00116 kWh nötig oder um 2.000 Liter zu erwärmen sind daher exakter 2.000 * 0,00116 kWh = 2,32 kWh pro Kelvin nötig, also (2,32*20=) 46,40 kWh für eine Erwärmung um 20 Kelvin. Ein Wirkungsgrad beispielsweise von 85% erhöht das Ganze noch auf (4640/0,85=) 54,59 kWh. Bei einer Erwärmung binnen 8 Stunden entspricht das dann einer nötigen Kesselleistung von 6,824 kW (statt 5 kW wie überschlagsmäßig berechnet).

Bei modulierenden Brennern wird die Heizleistung so heruntergeregelt (die Flamme so verkleinert), dass häufige Brennerstarts und Brennerstopps (mit den dann anfallenden Verlusten) vermieden werden. Alternativ könnte das Heizungswasser in einem Pufferspeicher zwischengelagert werden; durch Erhöhung des Wasservolumens taktet der stärkere Brenner auch seltener.

Verliert ein Pufferspeicher beispielsweise 3 % seines Wärmeinhalts durch Abstrahlung, so sind diese Wärmeverluste absolut bei einem kleineren Wasservolumen geringer als bei einem großen Wasservolumen. Allerdings führt eine Halbierung (Verdoppelung) eines Raumvolumens nicht linear zu einer Halbierung (Verdoppelung) der Abstrahlung von der Oberfläche. Die Oberfläche eines zylindrischen Kessels nimmt nicht in gleichem Maße ab/zu wie das Volumen. „Eine Erhöhung der Wärmeverluste durch einen größeren Kesselwasserinhalt liegt im Promillebereich". Zudem weisen Kessel mit großem Wasserinhalt wegen der relativ niedrigen Wassergeschwindigkeiten einen niedrigen heizwasserseitigen Druckverlust auf, dies kann die elektrische Leistungsaufnahme der Umwälzpumpe reduzieren helfen[Medienberichte 1].

Ein neuzeitlicher Niedertemperatur-Heizkessel ist aber auf alle Fälle einem Uraltbrenner überlegen. Die neuen Geräte…

  • passen die Wärmeerzeugung modular den Erfordernissen an,
  • sind (besser) wärmegedämmt, die Abstrahlverluste sind geringer.
  • die Abgasverluste sind meist geringer

Ein modulierender Brennwertkessel — noch ein bißchen besser[Bearbeiten]

Bei einer Verbrennung reagiert Kohlenstoff mit dem Luftsauerstoff. Dabei entstehen gasförmige Reaktionsprodukte und Wärme wird freigesetzt, die wir nutzen. In den meisten Brennstoffen ist auch Wasserstoff enthalten, chemisch an den Kohlenstoff gebunden. Dieser Wasserstoff reagiert auch mit dem Luftsauerstoff und daraus entsteht Wasser, das im heißen Abgas als Dampf zu finden ist.

Der Dampf enthält Energie (die sogenannte „Verdampfungswärme" des Wassers), die ein Brennwertkessel nutzen kann. Hierzu werden die Abgase so weit heruntergekühlt, dass der Wasserdampf zu flüssigem Wasser kondensiert. Dabei wird die Verdampfungswärme freigesetzt. Sie wird zur Wassererwärmung oder der Erwärmung der Zuluft genutzt.

Je mehr chemisch gebundener Wasserstoff im Brennstoff zu finden sind, desto mehr Wasserdampf entsteht, desto feuchter ist das Abgas und desto mehr latente Wärme enthält es. Je nach Feuchtegehalt des Abgases kondensiert der Wasserdampf bei einer anderen Temperatur (dem sogenannten „Taupunkt").

  • Erdgas und Biogas enthalten viel gebundenen Wasserstoff, der Wärmeverlust bei der Verbrennung bzw. der Wärmegewinn bei der Kondensation betragen (je nach Herkunft und Zusammensetzung des Gases) maximal rund 11 Prozent der gesamt erzielbaren Wärmeenergie. Der Wasserdampf kondensiert dabei bei rund 57°C aus dem Abgas.

Heizöl enthält weniger gebundenen Wasserstoff, Wärmeverlust bzw. Wärmegewinn betragen (je nach Herkunft und Zusammensetzung des Heizöls) maximal rund 6 Prozent der gesamt erzielbaren Wärmeenergie. Der Wasserdampf kondensiert dabei bei rund 48°C aus dem Abgas.

Brennwertkennzahlen[aus der Praxis 4]
Benennung Einheit
Öl
Öl Einheit Gas Gase
Heizöl
EL
Erdgas
L
Erdgas
H
Stadtgas Propan Butan
Brennwert (Ho) kWh/l 10,68 kWh/m³ 9,78 11,46 5,48 28,02 37,19
Heizwert (Hu) kWh/l 10,08 kWh/m³ 8,83 10,35 4,87 25,80 34,35
Verhältnis
(Ho / Hu)
1,06 1,11 1,11 1,13 1,09 1,08
Energiegewinn
(Ho - Hu)
kWh/l 0,60 kWh/m³ 0,95 1,11 0,61 2,22 2,84
Abgastaupunkt °C 47 °C 55,1 55,6 59,5 51,4 50,7
spezif. Kondensatmenge kg/l 0,88 kg/m³ 1,53 1,63 0,89 3,37 4,29
Hauptbestandteile
des Brennstoffs
99% CxHy 83% CH4 85% CH4 51% H2 100% C3H8 100% C4H10


feuchter Brennstoff

Der Wasserdampf im Abgas kann aber auch aus der Produktfeuchte der Brennstoffe stammen. Für die Verdampfung dieses Wassergehalts wird auch Wärme benötigt, die bei der Kondensation wieder freigesetzt wird. Der Wassergehalt senkt beispielsweise bei Brennholz den Heizwert, die Differenz zum Wert bei 0 Prozent Wassergehalt erhöht dabei den Brennwert (des Wasserstoffanteils im Brennstoff) um den Wasseranteil.

Graf-heizwert-je-kg.gif

Speziell bei der Verbrennung von feuchtem oder frischgeschlagenem Holz wird durch diesen Wärmeverbrauch während der Verbrennung die Brenntemperatur herabgesetzt. Die Verbrennung verläuft dann unvollständig (das Holzfeuer qualmt) und es enstehen viele unverbrannte Nebenprodukte im Abgas. Bei Holzöfen mit „oberem Abbrand" (bei denen die Abgashitze das aufgeschichtete Holz trocknet) gasen aus dem Holz auch noch leichtflüchtige organische Verbindungen aus, die nicht alle vollständig verbrennen.

Diese Verbindungen, meist teerartige Stoffe, kondensieren ebenfalls bei Abkühlung und können den Wärmetauscher oder Kamin verkleben oder zusammen mit bei der Verbrennung entstandenem Flugstaub zu Anbackungen im Wärmetauscher führen. Das ist der Grund, warum die Brennwertnutzung bei Kleinfeuerungsanlagen auf die Brennstoffe Gas, Heizöl und trockene Holzpellets beschränkt ist, die eher wenig Feuchtigkeit aufweisen. Der nötige Energieaufwand zum Verdampfen der leichtflüchtigen Stoffe (der die Brenngase abkühlt) ist auch ein Grund, warum man mit Holzkohle höhere Brenntemperaturen erreicht als mit Holz.

Die Feuchtigkeit in der Zuluft für die Feuerung liegt meist schon als Dampf vor, also wird keine Wärme bei der Verbrennung gebunden, kondensiert aber dieser Dampf aus dem Abgas, dann entsteht ein Wärmegewinn. Trifft von den Heizungsrohren abgestrahlte Wärme oder warme Heizraumluft auf eine feuchte Außenwand, trocknet feuchte Wäsche im (Heiz)Keller oder müssen bei Neubauten die Bauteile erst austrocknen, dann wird dort Wasser verdunstet und die Luftfeuchte im Raum steigt; diese dafür verbrauchte Wärme ist ein Wärmeverlust. Wird diese feuchte Heizraumluft als Zuluft für einen Brennwertkessel verwendet, kann diese latente Wärme wieder genutzt werden. Bei der Mauerwerkstrocknung wird laufend Wärme gebunden. Um die gleiche Raumtemperatur zu haben, muss mehr geheizt werden, der Heizenergiebedarf ist daher bei Neubauten ohne Brennwertkessel im ersten Jahr höher (beim Kauf eines älteren Hauses sparen Sie eigentlich diesen Heizmehraufwand).

Bei einer Verbrennung oxidieren aber auch noch andere Stoffe: Der Stickstoff der Luft reagiert mit dem Sauerstoff der Luft zu gasförmigen Stickstoffoxiden und in Heizöl und Kohle enthaltener Schwefel reagiert mit dem Luftsauerstoff zu gasförmigen Schwefeloxiden. Diese Reaktionsprodukte verbinden sich mit Wasser(dampf) zu Säuren, die im Abgas ebenfalls als Dampf oder Nebel auftreten. Da diese Säuren bei der Abkühlung des Abgases ebenso auskondensieren, ist das entstehende Kondensat sauer. Weil sich die Abkühlung im Kamin fortsetzt, muß dieser wasser- und säurefest sein.

Herkömmliche gemauerte Kamine sind für die Ableitung der Abgase aus einem Brennwertkessel nicht geeignet, um das zu erreichen, werden säurefeste Rohre eingezogen

  • aus Edelstahl (bis 1.000°C in Gebrauch)
  • aus den Kunststoffen:
    • hitzebeständiges Polypropylen S (bis 120°C beständig)
    • Polyvinylidenfluorid PVDF (bis 140°C beständig)
    • Polytetrafluorethylen PTFE (bis 160°C beständig)

Wird ein solchen Rohr in einen zweizügigen Kamin (mit 2 Schächten) eingebaut und wird der zweite Zug für eine andere Kleinfeuerungsanlage verwendet, dann muß das Rohr (je nach den jeweiligen gesetzlichen Vorschriften) meist hitzebeständig sein, also ein Edelstahlrohr. Neue Kamine erhalten meist ein Rohr aus Keramik oder Edelstahl.

Die Kondensate rinnen im Kamin nach unten und werden entweder direkt abgeleitet oder über den Wärmetauscher des Brennwertkessels geleitet und von dort in die Kanalisation eingeleitet. Kondensate aus der Verbrennung von Heizöl müssen (entsprechend der jeweiligen gesetzlichen Vorschriften) vor der Einleitung neutralisiert werden. Weil durch die Kondensatbildung die Säuren (und auch anhaftende Stäube) aus dem Abgas entfernt werden, wird das Abgas sauberer, die sauren Bestandteile gelangen nicht mehr in die Atmosphäre, wo sie als saurer Regen Pflanzen und Bauten schädigen würden.

Pro Liter Heizöl fällt maximal ein Liter Kondensat an, (also 0,1 l/kWh), ) ca. 1,5 Liter Kondensat pro m³ Erdgas. Die Kondensatmenge ist ein direkter Hinweis auf die Effizienz der Brennwertnutzung, sinkt die Kondensatmenge (etwa auf 0,5 bis 0,8 Liter Kondensat je Liter Heizöl), so wird der Brennwerteffekt beispielsweise durch zu hohe Rücklauftemperaturen nicht genutzt.

Da die Abgase wegen der Abkühlung zuwenig Auftrieb im Kamin haben, benötigt jeder Brennwertkessel ein „Saugzuggebläse", mit dem Frischluft angesaugt wird und die Abgase beim Schornstein hinausgeblasen werden. So ein Gebläse benötigt zwar auch Strom, aber selbst wenn der Strom in einem kalorischen Kraftwerk gewonnen wurde, der Energiegewinn beim Heizkessel (Brennwertnutzung vorausgesetzt) ist höher als der Energieverlust bei der Stromerzeugung im Kraftwerk.

Herkömmliche Heizkessel werden mit Abgastemperaturen von mehr als 70°C betrieben. Um eine „Versottung" des Kamins zu verhindern, müsste die Abgastemperatur mindestens 120°C betragen. Temperaturen von 200°C und mehr sind aber auch keine Seltenheit.

Die Nutzung der Kondensationswärme des Wasserdampfs im Abgas verbessert den sogenannten „feuerungstechnischen Wirkungsgrad"

In Verwendung sind

  • Brennwertkessel, die den Brennwerteffekt nicht zu jeder Jahreszeit nutzen können
  • sogenannte Voll-Brennwertkessel, bei denen das Abgas die Zuluft erwärmt, dies erfolgt durch einen extra Wärmetauscher im Ofen,
  • nachgeschaltete Zusatzwärmetauscher, die die Luftvorwärmung bzw. Abgasabkühlung bei jedem beliebigen Heizkessel extra erledigen,
  • Kaminsysteme, bei denen die Luftvorwärmung im Kamin abläuft ; Luft-Abgas-Systeme zur Frischlufterwärmung Bei Heizsystemem mit höherer Rücklauftemperatur (Heizkörperanlagen) wird der Brennwerteffekt eines installierten Brennwertkessels nicht ausgenutzt, da die Rauchgase nicht tief genug abgekühlt werden können. Abhilfe schafft ein Luft-Abgas-System (auch LAS-Rohr oder LAS-Kaminsystem genannt) (siehe dazu das Kapitel „Einsparungen bei Altanlagen“)

Warum Brennwertkessel nicht immer den vollen Wirkungsgrad leisten

Bei einem Brennwertkessel kann das Abgas maximal auf die Temperatur des kältesten Mediums im gesamten Wärmetauschprozess heruntergekühlt werden.

  • Außerhalb der Heizperiode im Sommer wird das kälteste Medium der Trinkwasserzulauf sein (beim Abzapfen von erwärmtem Trinkwasser die Temperatur des nachströmenden kalten Leitungswassers (das das zirkulierende Kesselwasser abkühlt) bzw. das zirkulierende Kesselwasser selbst,
  • bei geringen Vorlauftemperaturen (bei Niedertemperatur-Heizsystemen oder in der Übergangszeit (Frühling und Herbst), wenn die Heizung mit wenig Leistung bzw. geringen Vorlauftemperaturen in Teillast[2] betrieben wird), wird das kälteste Medium entweder der Heizungsrücklauf (u.U. mit der sich einstellenden Temperatur eines nachgeschaltet beheizten, ansonsten kühlen Raumes) oder die Frischluft oder der gelegentliche Trinkwasserzulauf sein
  • bei hohen Rücklauftemperaturen (bei Hochtemperatur-Heizsystemen oder im kalten Winter, wenn die hohen Vorlauftemperaturen (damit viel Wärme in den schnell auskühlenden Räumen ankommt) oder abgedrehte Heizkörper mitunter hohe Rücklauftemperaturen nach sich ziehen) wird das kälteste Medium am ehesten die kalte Frischluft bei einer Luft-Abgas-Vorwärmung sein oder (bei der im Vergleich zum Heizaufwand eher geringen Heißwasserentnahme) der Trinkwasserzulauf. Eine verbesserte Wärmedämmung des Hauses kann jedoch dazu führen, dass das Haus auch mit Radiatoren mit geringen Vorlauftemperaturen beheizbar ist.
  • aufgrund der nachgeschalteten Heizungsanlage
    • bei zu häufig auftretendem Nachheizen eines abgekühlten Pufferspeichers (bei geringer :w:Temperaturspreizung ) kann das zirkulierende Kesselwasser erhöhte Temperatur haben.
    • bei fehlendem hydraulischen Abgleich der Heizkörper kann der Heizungsrücklauf erhöhte Temperatur haben
  • oder dem Heizungsrücklauf nachgeschaltete Niedertemperaturheizungssysteme oder Rohrschlangen mit großem Innendurchmesser, durch die der gesamte Rücklauf fließt und dort genau die Wärme abgibt, die sonst ungenutzt über die zu wenig gekühlten Rauchgase in den Kamin gelangt. So ein Restheizsystem wird zweckmäßigerweise in ansonsten ungeheizt bleibenden kalten Räumen verlegt. Damit könnenm dann auch ein Keller, ein Stiegenhaus, ein Wintergarten geheizt oder die Frischluftzufuhr erwärmt werden.

Wintergartenheizungen (wie beispielsweise Niedertemperatur-Heizleisten oder eine großflächige Fußbodenheizung) können durchaus auch ohne Energieverschwendung betrieben werden. Aber nur, sofern diese Heizelemente als letztes Glied einer Serienschaltung des Heizungsrücklaufs eines Brennwertkessels dazu dienen, die Temperatur des Rücklaufwassers und in der Folge die Temperatur des Rauchgases noch weiter zu senken, als dies ohne diese „Wärmetauscher" möglich ist. Damit wird Wärme, die sonst durch den Rauchfang verloren geht, zur Heizung von Nebenräumen genutzt.

Die bei Altbauten meist vorgegebenen Radiatoren als „Heizkörper" in den Wohnräumen werden oft mit so hohen Vorlauftemperaturen betrieben, dass der Brennwerteffekt gar nicht genutzt werden kann. Durch zusätzliche „nachgeschaltete“ Niedertemperatur-Heizsysteme wird die latente Kondensationswärme-Energie bzw. Restenergie des Rauchgases genutzt, die ansonsten nutzlos durch den Kamin geblasen wird (sofern kein Voll-Brennwertkessel oder Luft-Abgas-System verwendet wird). Allerdings darf dann nicht die Vorlauftemperatur so erhöht werden, damit der Wintergarten auch noch auf dieselbe „Raumtemperatur" wie der Rest der Wohnung beheizt wird, sondern diese Art der Wintergartenheizung darf nur den ungenutzten Brennwert ausnutzen und dient lediglich als Frostschutz. Die eigentliche Wintergartenbeheizung soll auf alle Fälle durch die Sonne erfolgen und die Pflanzen des Wintergartens müssen danach ausgewählt werden (wer wirklich wärmeliebende tropische Pflanzen haben will, benötigt eigentlich ein abgetrenntes Gewächshaus, als Teil des Wintergartens, das auch feuchtere Luft verträgt und bessere Wärmedämmung benötigt). Dazu auch das Kapitel Beheizung von Nebenräumen lesen.

Wie oben erklärt, kann der Brennwerteffekt nicht zu jeder Jahreszeit maximal genutzt werden, angepriesene „phänomenale Einsparungseffekte" sollten daher relativiert werden.

Die Systeme, bei denen die Frischluft erwärmt wird, sparen die ungenutzt bleibende Wärmeenergie; Systeme, die damit kalte Räume heizen, verwenden diese latente Wärmeenergie.

Niedertemperatur-Heizsysteme (Fußbodenheizung, Wandheizung, Heizleisten, etc.) werden von vornherein schon mit niedriger Rücklauftemperatur unterhalb des Taupunkts betrieben. Der Energiegewinn bei Aufrüstung von einem normalen Brennwertgerät auf ein Voll-Brennwertgerät oder LAS-System ist daher bei Niedertemperatur-Heizsystemen eher minimal, da damit nur die geringen Energiegehalte des schon weit abgekühlten Abgases genutzt werden können (weil Gase eine schlechte Wärmekapazität haben). Die Wirtschaftlichkeit dieses Upgradens sollte vom Hersteller geprüft bzw. nachgewiesen sein. Denn der finanzielle Aufwand, um die letzte Wärme des Abgases auszunutzen, amortisiert sich möglicherweise erst nach langer Zeit, sodass das dafür nötige Kapital besser in effizienteren Energiesparformen aufgehoben ist, wo es sich schneller amortisiert.

Strahlungsheizung[Bearbeiten]

Heizleisten oder Wandheizungen führen dazu, dass die Wände Wärme abstrahlen. Der Mensch reagiert auf diese Wärmeabstrahlung positiv, d.h. er nimmt Wärme durch Wärmestrahlung auf und somit kann die Lufttemperatur geringer gewählt werden. Dadurch sind auch Energieeinsparungen wegen niedrigerer Raumtemperaturen möglich. Heizleisten bilden dazu einen Warmluftfächer an der Wand oberhalb der Heizleiste, wodurch die Wand erwärmt wird, bei Wandheizungen wird die Masse der Wand mithilfe von wasserdurchflossenen Rohren (nach Art einer Fußbodenheizung) direkt erwärmt.

Beachtet soll aber dabei werden, dass eine erhöhte Wandtemperatur einer Außenwand für mehr Energieverluste sorgt, da der Wärmeabfluss direkt vom Temperaturunterschied zwischen außen und innen abhängt. Und wenn eine Wandflächenheizung an einer Innenwand eingebaut wird bleibt als Platz für einen Kasten oder ein Bücherregal eher nur eine Außenwand. Ein Wandverbau kann dann aber wie eine Innen-Wärmedämmung der Außenwand wirken, wodurch der Taupunkt diffundierender Feuchte im Wandquerschnitt mehr nach innen verlegt wird, als Folge wird die Wand feuchter, die Wärmeleitfähigkeit der Wand erhöht sich und Schimmel wird hinter dem Wandverbau gedeihen.


Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Klima bei austria.info
  2. Qualitätssicherungsmaßnahmen für Wärmeerzeuger (pdf-Datei)

Fachliteratur[Bearbeiten]

  1. Gerhard Hausladen: Vorlesungsscript Heiztechnik, Universität Gesamthochschule Kassel, 1992, (pdf-Datei), zuletzt abgerufen Oktober 2012
  2. Gerhard Hausladen: Vorlesungsscript Heiztechnik, Universität Gesamthochschule Kassel, 1992, (pdf-Datei), zuletzt abgerufen Oktober 2012

neutrale Quellen[Bearbeiten]


Medienberichte[Bearbeiten]

  1. Maßnahmen zur Reduzierung der Schalthäufigkeit bei modernen Heizkesseln, IKZ-Haustechnik, Ausgabe 4/1996, Seite 25

Nichtwissenschaftliche Quellen und Erfahrungsberichte aus der Praxis[Bearbeiten]

  1. siehe dazu auch diese Patentschrift
  2. Was bedeuten die technischen Begriffe bei heizbetrieb.de zitiert nach Viessmann
  3. Patentschrift
  4. brennwert.info
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