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Ratgeber für Hobbyfilmer: Erste Gehversuche

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Der erste Versuch und ein wenig Zen

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Nicht die Technik beschränkt dich, sondern dein eigener Geist

Bevor du dir einen teuren Camcorder kaufst oder großartig Ratgeber über „richtiges“ Filmen liest, schnapp dir einfach dein Mobiltelephon oder Deinen Digitalphotoapparat. Mit hoher Wahrscheinlichkeit haben diese eine Videofunktion eingebaut mit der du loslegen kannst, ohne auf etwas anderes achten zu müssen. Damit lässt sich bereits erstaunlich viel zaubern. Denn wenn du wirklich verstanden hast, dass es nicht unbedingt die Technik ist, die dich beschränkt, sondern dein eigener Geist, dann bist du bereits weiter, als die meisten Hobbyfilmer nach zehn Jahren sind. Mit zunehmender Zeit wirst du verstehen, mit welchen technischen Gegebenheiten du bessere Ergebnisse erzielen kannst. Für die Bildgestaltung, das „Auge“, ist das aber erstmal nachrangig.

Gehe einfach vor die Haustüre und fange an zu Filmen! Mache dir keine Gedanken darüber, ob das, was du aufnimmst spannend sein könnte, ob es gut gefilmt ist. Filme einfach, was dir gerade in den Sinn oder vor die Linse gerät. Mache das ruhig eine Stunde oder zwei. Du musst es ja hinterher nicht alles anschauen. Aber du solltest es tun, vielleicht auch mit etwas zeitlichem Abstand, so bekommst du ein Gespür dafür, wie deine Aufnahmen auf den Zuschauer wirken. Diese Übung kann dir helfen, Gefühl für deine Motive zu entwickeln. Du wirst schnell feststellen, was dir mehr Spaß macht zu drehen und was weniger.

Wenn ein Passant vorbeikommt, dann lächle ihn oder sie nett an und filme sie oder ihn einfach.

Anm.: Beachte die Persönlichkeitsrechte, bleib höflich und lösche die Aufnahme, wenn du dazu aufgefordert wirst. Sei dir bewusst, dass du für die Vorführung dieser Aufnahmen das Einverständnis der Gefilmten benötigst. Dies ist jedoch für diese Übung erstmal nicht wichtig.

Manchmal ergibt sich eine nette Unterhaltung und immer wirst du feststellen können, wie die Menschen auf dich und deine Kamera/dein Mobiltelephon reagieren. Auch das ist spannend und wichtig, denn auch wenn du filmst, interagierst du ständig mit deiner Umwelt. Sei dir dessen bewusst.

Wenn du meinst, du hättest genug gefilmt, schaue dir das Material an. Nicht unbedingt alles, aber auf alle Fälle Stichprobenweise. Versuche zu überlegen, was dir gelungen ist und was nicht. Und weshalb du das so empfindest. Vergleiche ob es einen Unterschied zwischen dem Material, das du am Anfang und dem das du am Ende aufgenommen hast, gibt. Vielleicht kannst du es auch mit ähnlichem Material vergleichen, dass du aus Film und Fernsehen kennst. Versuche Unterschiede zu finden und dir zu erklären, welche Aufnahme besser wirkt.

Sind dir ein paar Aufnahmen gelungen oder möchtest du dich noch weiter mit ihnen beschäftigen? Nehme dir ein Schnittprogramm (für unsere Zwecke hier reicht z. B.  Windows Video Editor oder  OpenShot völlig aus) und schneide die Aufnahmen zusammen. Wie? Das sollst du gerade herausfinden.

Vielleicht wird dir einfallen, das eine bestimmte Musik, deren CD du im Regal stehen hast, ganz besonders gut dazu passt. Also benutze auch die.

Während solcher Versuche sind jegliche Gedanken über Copyright müßig, solange du dein Werk hinterher nicht veröffentlichst.

Übertreibe es nicht mit der Länge. Es ist ja nur ein Test. Zwei, drei Minuten sollten völlig ausreichen. Schaue dir dein fertiges Video an. Herzlichen Glückwunsch: Jetzt bist du bereits ein Hobbyfilmer. Und das ohne einen Camcorder gekauft zu haben und möglicherweise sogar ohne jemals etwas zuvor über das Thema gelesen zu haben. Schaue dir dein Video ruhig noch ein zweites Mal an und überlege, was du hättest besser machen können, zum einen mit den Mitteln, die dir zu Verfügung standen und zum anderen mit Mitteln, die dir zu Verfügung stehen könnten, wenn du bereit bist, Geld auszugeben. Letzter Gedanke braucht allerdings etwas Beschäftigung mit den Hintergründen, da man als Anfänger meist keine Idee hat, was man womit verbessern könnte (teils sogar was überhaupt verbesserbar ist). Dieses Buch soll dabei helfen.

Bei allen diesen Überlegungen gibt es kein Richtig oder Falsch, denn in vorgefertigten Mustern zu denken ist der Tod jedes guten Films. In deinem Film bist du es, der die Regeln aufstellt. Und du wirst ihn gut finden, wenn du dich an sie hältst. Und das ist erstmal die Hauptsache!

Der zweite Versuch

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Hat dir das Spaß gemacht? Wenn du wirklich alle Vorschläge beherzigt hast, wirst du vielleicht darüber verwundert gewesen sein, wie viel Arbeit das bisschen Film gemacht hat. Du solltest dir darüber im Klaren sein, dass es umso mehr Arbeit wird, je professioneller du das Filmen betreiben möchtest. Nehme dir gerade zu Beginn kleinere Projekte vor, um dich selbst regelmäßig mit Ergebnissen belohnen zu können und dich nicht zu überfordern.

Den zweiten Versuch solltest du vielleicht etwas planvoller angehen als den ersten. Nutze die Erfahrungen, die du bei deinem ersten Versuch gesammelt hast. Wenn du vor deinem ersten Versuch dieses Buch noch nicht weitergelesen hast, ist es vielleicht jetzt an der Zeit, die ersten Kapitel zu lesen.

Du solltest, bevor du den zweiten Versuch startest, eine grobe Vorstellung davon haben, was du überhaupt filmen möchtest und was dabei am Ende herauskommen soll. Mache dir Gedanken, wie du es umsetzen kannst und wie viel Aufwand du dazu bereit bist zu treiben. Du musst in diesem Stadium noch immer keine ordentliche Kamera besitzen. Vielleicht gestaltest du deinen zweiten Versuch etwas kürzer und gezielter, als den ersten. Nehme nur Motive auf, von denen du dir sicher bist, dass du sie verwenden wirst. Vergleiche deine Erfahrungen von zu viel Material bei deinem ersten Versuch und sehr wenig Material bei deinem zweiten Versuch.

Zum Thema Überblendungen

Wenn du Überblendungen verwendest, überlege wie diese Szenenwechsel im Kino oder Fernsehen gestaltet sind, oder mal waren. Denke zum Beispiel an Star Wars oder die Nachrichten. Wenn Du nicht selbst probieren möchtest, kann als Empfehlung gelten: So wenig, wie möglich und wenn, dann nur gezielt.

Da du weniger aufgenommen und das Material inhaltlich gezielter gesammelt hast, solltest du es auf jeden Fall zu einem kleinen Filmchen zusammenschneiden. Die Arbeit lohnt sich. Es muss noch nicht alles perfekt sein, aber du solltest beim Schnitt mit dem Anspruch herangehen, etwas Zusammenhängendes zu schaffen – nicht unbedingt mit einer Handlung. Aber einen Film, der etwas erzählt und nicht nur aus zusammenhangslosen Videoaufnahmen besteht. Überlege dir auch, ob und wie du die Titel gestalten möchtest. Selbst einfache Schnittprogramme haben meistens Überblendungen. Probiere auch hier herum, welche wie auf dich wirkt. Suche eine passende Musik zu deinem Material.

Der dritte Versuch und alle weiteren

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Spätestens jetzt ist es an der Zeit für dich, deine Filme nicht mehr Versuche zu nennen. Filme, um einen Film zu machen. Filme, um etwas zu zeigen, das du zeigen willst. Wenn du nur herumprobierst, wirst du nicht dazu kommen, einen Film zu machen. Trotzdem brauchst du immer noch keine spezielle Ausrüstung oder Programme. Kaufe sie dir, wenn du dir sicher bist, dass du sie brauchst. Alles, was du jetzt nicht an Bild- und Tonqualität liefern kannst, kannst du durch gute, witzige Ideen und Kreativität wettmachen. Nun solltest du allerdings auch einige Gedanken in Rechte investieren, da du deinen Film ja auch zeigen möchtest.

Wenn du schon etwas vertrauter mit der Handhabung deiner/s Kamera/Mobiltelephons bist, lohnt es sich für dich, vielleicht einmal loszuziehen und eine dieser Übungen mit einem Photoapparat zu wiederholen. Du wirst erstaunt sein, wie anders es ist, Standbilder zu machen, anstatt zu filmen. Gleichzeitig hast du so vielleicht die Möglichkeit, Ideen und Techniken der Bildgestaltung von der Fotografie auf das Filmen zu übertragen. Gerade dadurch, dass du nur ein Bild und keine Sequenz aufnimmst, kannst du dich viel mehr auf die Gestaltung dieses Augenblicks konzentrieren. Vielleicht inspiriert dich das für dein filmerisches Tun. Denke jedoch daran, dass ein Foto nicht unmittelbar auf Filmgestaltung anwendbar ist und umgekehrt. Das Auge eines Fotografen kann dem Filmer helfen. Das Auge eines Kameramanns kann einem Fotografen helfen. Solltest du jedoch eine Szene aus mehreren Blickwinkeln filmen wollen, richte nicht jeden Winkel so ein, dass es vom Bild prefekt aussieht, denn es besteht damit die Gefahr, dass Du die sogenannte Continuity unterbrichst.