Sei doch vernünftig: Erkennen als Prozess

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Erkennen als Prozess: die Tasse auf dem Tisch


Wie erfassen wir die Wirklichkeit? Zum Beispiel, wenn wir eine Tasse auf dem Tisch sehen?

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Auch wenn wir einen Gegenstand sehen, sagen wir eine Tasse, dann ist das ein sehr schnelles Frage-und-Antwort-Spiel.


Es ist so schnell, dass wir nichts davon bemerken. Den Prozess in Hunderttausenden einzelner Sehzellen zu bemerken, wäre ja auch nicht gerade wünschenswert. In unserem Bewusstsein, unseren Gedanken und Aussagen gegenüber anderen konzentrieren wir uns auf das wichtige.

Auch die "Tasse" ist eine konstruierte Vorstellung. Wir nennen die konstruierte Vorstellung "Wirklichkeit", wenn sie sich einigermaßen bewährt hat. Dass das nur eine Konstruktion ist, leuchtet nicht leicht ein. Man kann sich das so plausibel machen:


Wenn man im Halbdunkel eine Gestalt zu sehen glaubt, macht man Korrekturbewegungen mit dem Kopf. Dann erkennt man evtl. etwas ganz anderes (den Mülleimer). Die erste Vorstellung, eine verdächtige Gestalt gesehen zu haben, war eine reine Konstruktion! Wir dachten zuerst, wir hätten Arme und Beine "gesehen".

Denn wer weiß: Vielleicht ist die vermeintliche Tasse nichts anderes als ein Bild in einem 3D-Monitor und wir können gar nicht aus ihr trinken.

  • Nur wenn wir kritisch sind, können wir die anfängliche (falsche) Vorstellung korrigieren.

Es gibt nur eine Wirklichkeit. Das Auge hat sich aus einfachen Formen entwickelt (siehe Flachaugen und Grubenaugen). Die Optik dieser Frühformen muss ein ganz anderes Bild unserer Umgebung erzeugt haben; aber wir haben dieses einfache Bild genauso wie heute für die Wirklichkeit gehalten. Allerdings handelte es sich um genau dieselbe Wirklichkeit und auch mit dieser Optik wären wir zu den gleichen Erkenntnissen gekommen – auch wenn dies mit einem solchen Auge möglicherweise ein wenig länger gedauert hätte.

Zusammenfassung

Erkennen ist nichts Passives, sondern ein Prozess, an dem wir aktiv beteiligt sind: Ein Prozess aus Konstruktion und Kritik

Konstruktion und Kritik ist daher auch ein Buchtitel des Kritischen Rationalisten Hans Albert. Je mehr Fragen wir stellen, desto besser wird unsere Vorstellung von der Wirklichkeit. Wir werden später noch einmal auf diesen Vorgang zurückkommen.


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