Soziologische Klassiker/ Ritzer, Georg

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Grundstruktur des Kapitels:

Biographie in Daten[Bearbeiten]

Georg Ritzer

  • geboren 1940, in Upper Manhatten


Bildungswerdegang:

  • 1958 Abschluss der Bronx High School of Science
  • 1962 Psychologiestudium am City College of New York
  • 1964 Wirtschaftsstudium an der University of Michigan
  • 1968 Promotion an der Cornell University


Berufliche Tätigkeiten:

  • 1968 - 1970 Assistenz-Professor, Universität von Tulane, USA
  • 1970 - 1974 Außerordentlicher Professor, Universität von Kansas, USA
  • 1974 - 2001 Professor, Universität von Maryland, USA
  • 1984 Gastprofessor, Universität von Surrey, England.
  • 1988 Gastprofessor, Universität von Shanghai, Peking
  • 1990 Gastprofessor, Universität von Surrey, England
  • 1996 Gastprofessor, Universität von Tampere, Finnland
  • 2001 Gastprofessor, Universität Bremen, Deutschland
  • 2002 - 2006 Gastprofessuren, Universität Nuorese, Italien
  • Seit 2001 Universitätsprofessor, Universität von Maryland, USA

Historischer Kontext[Bearbeiten]

Georg Ritzer wurde in Upper Manhattan geboren. Seine Familie, bestehend aus seinen Eltern und seinem kleinen Bruder, lebte in bescheidenen Verhältnissen. Sein Vater war Taxifahrer und seine Mutter Sekretärin. Sein Vater wurde wahrscheinlich von einem seiner Mitreisenden mit einer schweren Krankheit angesteckt, an der er später verstarb. Die Familie hatte daraufhin so wenig Geld zur Verfügung, dass Ritzers Mutter sogar sein Sparschwein leeren musste. Georg Ritzers Umfeld war geprägt von der Arbeiterklasse und einer ethnischen Vielfalt.

Eine der prägnantesten Begebenheiten in seinem Leben, war der Besuch der Bronx High School of Science. Diese galt als die bedeutendste öffentliche High School in ganz New York. Für ihn war es eine Herausforderung mit so vielen intellektuellen Menschen zusammen zu sein. Ein IQ von 160 bis 200 war nicht selten. Ritzer zählte eher zu den durchschnittlichen Schülern. Die meisten der anderen Schüler hatten ihren Schwerpunkt in den Naturwissenschaften und in der Medizin. Ritzer interessierte sich dafür jedoch weniger. Er las sehr gerne Bücher. und zusammen mit seinem Freund, unternahm er stundenlange Spaziergänge, während sie die Bücherinhalte diskutierten.

Von seiner Familie bekam Ritzer nur wenig Rückhalt bezüglich seines Bildungswerdegangs. Dies lag einerseits daran, dass seinen Eltern die finanziellen Mittel fehlten, andererseits hatten weder sein Vater noch seine Mutter einen Bezug zu höherer Bildung.

Nach Abschluss der High School besuchte Ritzer das City College in New York. Er studierte Wirtschaft an der Baruch Business School in downtown Manhattan. Er erledigte immer seine Aufgaben, war jedoch wiederum nur ein mittelmäßiger Student. Seine Noten bewegten sich zu dieser Zeit im 2-3 Durchschnitt. Er verlor dann das Interesse an dem wirtschaftlichen Studiengang und wechselte ins Psychologiestudium. Aber auch hier war er nicht wirklich bei der Sache. Eigentlich machte er lieber Sport, als zu studieren. Sein Hobby zu Lesen verlor er jedoch nicht.

Kurz vor Ende des Studiums wollte sein Vater ihn zum Arbeiten drängen. Ritzer bekam daraufhin neuen Anstoß, seinen Schwerpunkt im Studium zu sehen. Er entschied nach seinem Abschluss des Psychologiestudiums wieder im wirtschaftswissenschaftlichen Bereich weiter zu lernen. Er belegte das MBA Programm an der University of Michigan und hatte mit 22 Jahren seinen zweiten Abschluss. Das war im Jahr 1962, diese Zeit war politisch gesehen sehr brisant. Es kam zur Bürgerrechtsbewegung, das Civil Rights Movement und zur Kubakrise, die Missile Crisis.Dadurch dass Ritzer einen Großteil seiner Jugend in Harlem verbrachte war er nicht rassistisch eingestellt, er fühlte sich dort immer wohl.

Ritzers Ausbildungslaufbahn ist hiermit noch nicht beendet. Es verschlägt ihn nach Ann Arbor, dort fühlt er sich sehr wohl. Für ihn ist das Leben dort mehr Gemeinschaftlich strukturiert und es kommt auch zur Hochzeit mit seiner Frau Sue Ritzer. Im Jahr 1964 bewirbt sich Ritzer bei Ford für eine Verwaltungsstelle. Er bekommt den Job zwar, muss ihn jedoch mit zwei weiteren Personen teilen. Das hat zur Folge, dass er nur wenig zu tun hat. Da er sich vor seinem Chef aber nicht in einem schlechten Licht präsentieren will, ist es sehr wichtig für ihn, immer im richtigen Outfit aufzutreten. Um nicht nichtstuend im Büro zu sitzen ging Ritzer viel in der Firma umher und beobachtete die anderen Angestellten. Das schlimmste für Ritzer war, dass er nicht kreativ sein durfte. Sobald er das nämlich versuchte, wurde er gemaßregelt, was dazu führte, dass er nach ein paar Monaten die Firma verließ.

Sein weiterer Weg führte ihn auf die Cornell University im Jahre 1965. Als er auf der Suche nach einem Mentor für seine Abschlussarbeit war, bekam er den Tipp aufgrund seines Backgroundwissens einen Soziologieprofessor aufzusuchen. Für Ritzer stand eigentlich im Vordergrund, dass er nur mit einem Mentor zusammenarbeiten wollte, der ihn die Arbeit praktisch alleine fertig stellen ließe. Er befolgte jedoch den Tipp und suchte den besagten Professor auf. Dieser wollte jedoch erst sein Wissen zur Soziologie abfragen, da jenes jedoch nicht vorhanden war, schickte ihn sein zukünftiger Mentor mit dem Buch „Introduction to Sociologie“ wieder heim. Für Ritzer war das eines seiner Schlüsselerlebnisse in seinem Leben. Völlig begeistert von seiner neuen Lektüre orientierte sich Ritzer immer mehr Richtung Soziologie. Er belegte zwei Kurse, die ihn stark beeinflussten, einerseits der Kurs von Robin William, ein Schüler von Parsons, und andererseits Margaret Cussler. Sie war eine der ersten Frauen in der Soziologie. In ihrem Kurs hatte Ritzer die Eingebung, dass er im Bereich der Soziologie tätig werden will.

Ritzers Dissertation beinahe abgelenht, da eine der drei Professor/inn/en, die die Arbeit Korrektur gelesen hatten, diese aufgrund der Theorielastigkeit ablehnen wollte. Die Dissertation wurde letztendlich dann doch zugelassen und ein Jahr später sogar von der New York State School of Industrial and Labor Relations als Buch veröffentlicht. Sieben Jahre später, nachdem Ritzer zwischenzeitlich in Tulane und Kansas seine Zeit verbracht hatte, wurde er Professor an der University of Maryland. Während dieser sieben Jahre hatte er unter anderem das Buch “A multiple Paradigma science“ geschrieben. Dieses gilt für ihn, als sein erstes richtiges Werk für die Soziologie. Darin bezieht er sich stark auf soziologische Theorien.


Theoriegeschichtlicher Kontext[Bearbeiten]

Georg Ritzer wurde sowohl im Laufe seiner Ausbildungslaufbahn, als auch in der Zeit in der er als Autor tätig war, von mehreren anderen Soziologen und Autoren beeinflusst. Schon als Student, waren einige Begegnungen mit Soziologen richtungweisend für seine spätere Karriere. So z.B. der Soziologe Gordon Streib, der Mentor für seine Doktorarbeit, der ihn vor Beginn der Zusammenarbeit das Buch „Introduction to Sociology“ lesen ließ. Ritzer war sehr beeindruckt davon. Auch die Begegnung mit Margaret Cussler, eine der ersten Frauen, die in der Soziologie tätig war, prägte Ritzer. In ihrem Kurs kam Georg Ritzer zu der Einsicht, als Soziologe arbeiten zu wollen.

Zu der Zeit als Ritzer seine ersten Werke verfasste, gab es mehrere Soziologen, die ihn zu gewissen Themen anregten. Dazu gehörte z.B. Max Weber, durch den er auf die Idee der McDonaldisierung der Gesellschaft kam. Ritzer sah die Quelle für seine Thesen in der klassische Theorie der Rationalisierung der modernen Gesellschaft und Kultur.

Georg Ritzer war außerdem begeistert von Jean Baudrillards Werk „Consumer Society“. Als Befürworter der Studien zu Konsum entwickelte er unter Anderem das Buch „Explorations in the Sociology of Consumption: Fast Food Restaurants, Credit Cards and Casinos (2001)“.

Er ließ sich außerdem von Thomas Kuhn Werk „The Structure of Scientific Revolutions" (1962), beeinflussen. Dadurch wurde er auch zu seinem Werk zur Metatheorie angeregt.


Werke[Bearbeiten]

Bücher:

  • The Globalization of Nothing ( 2004)
  • Explorations in Social Theory: From Metatheorizing to Rationalization (2001)
  • Explorations in the Sociology of Consumption: Fast Food Restaurants, Cards and Casinos (2001)
  • Enchanting a Disenchanted World: Revolutionizing the Means of Consumption (1999; 2005)
  • The McDonaldization Thesis: Extensions and Explorations (1998)
  • The McDonaldization of Society (1993; 1996; 2000; 2004)
  • Expressing America: A Critique of the Global Credit-Card Society (1995)
  • Metatheorizing in Sociology (1991)
  • Toward an Integrated Sociological Paradigm (1981)
  • Sociology: A Multiple Paradigm Science (1975)


Enzyklopädien:

  • Encyclopedia of Social Theory (2004)
  • Encyclopedia of Sociology (2006)


Das Werk in Themen und Thesen[Bearbeiten]

McDonaldisierung[Bearbeiten]

Die These der McDonaldisierung der Gesellschaft von Georg Ritzer, knüpft an die klassische Theorie der Rationalisierung von Max Weber (1864-1920) an. Ritzer geht davon aus, dass man ein bekanntes Fastfood Restaurant als Vorbild für die gegenwärtige Form von Konsum ansehen kann. Die Produktionsweisen verlieren an Bedeutung und der Verbrauch steht im Vordergrund. Außerdem kommt es zu einer Bürokratisierung der Fastfoodketten, sie laufen nach einem strikt geregelten Muster ab. Ein Restaurant gleicht dem Nächsten. Eigenes Handeln und Denken ist nicht mehr notwendig, dafür ist die Organisation zuständig. Durch die bürokratisierte Struktur der Organisation kann eine gewisse Voraussagbarkeit gewährleistet werden. Diese Berechenbarkeit führt jedoch zu einem Gefühl der Scheinbefriedigung. Es gibt keine Überraschungen mehr. Kreativität, Selbstständigkeit und Individualisierung gehen verloren und sind unerwünscht. Ritzer bezieht dieses Modell auf jegliche Bereiche der Gesellschaft.


Konsum[Bearbeiten]

Als Befürworter der Studie zu Konsum und der Thesen von Jean Baudrillard zur Konsumgesellschaft, geht Georg Ritzer davon aus, dass Konsum als eine negative Eigenschaft von postindustriellen Gesellschaften gesehen werden kann. Er ist vor allem Bestandteil des zeitgenössischen sozialen Lebens.


Globalisierung des Nichts[Bearbeiten]

Durch die Globalisierungprozesse kommt es zu einer weltweiten Verflechtung von Akteuren. Eine Vernetzung, die auf politischer, wirtschaftlicher, technischer und kultureller Ebene basiert. Auch das Konsumverhalten nähert sich an. Dies wird zum Beispiel durch Modetrends deutlich. Ritzer entwickelt in diesem Zusammenhang den Begriff des Nichts. Er verbindet ihn mit dem Begriff des Konsums. Durch die Globalisierung kommt es folglich zu einer Verbreitung dieses Nichts.


Rezeption und Wirkung[Bearbeiten]

  • Georg Ritzer hat eine lange Universitätslaufbahn hinter sich, die heute immer noch andauert. Zahlreiche Gastprofessuren in verschiedenen europäischen Ländern zeichnen ihn aus.
  • Einige seiner Bücher, wie zum Beispiel das Werk „McDonaldisierung der Gesellschaft“ sind zu Bestsellern geworden. Das über zehn Jahre alte Buch ist thematisch immer noch aktuell.
  • Unzählige Auszeichnungen wurden Georg Ritzer, für seine Arbeit als Autor und Soziologe, überreicht.


Internetquellen[Bearbeiten]

Interviews[Bearbeiten]

  • Being (Georg Ritzer) and Nothingness: An Interview
  • A Consuming Passion: An Interview with Georg Ritzer