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Soziologische Klassiker/ Weber, Max

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Grundstruktur des Kapitels:

Biographie in Daten

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Abbildung 1: Max Weber, 1894

Weber Max

  • geboren am 21. April 1864 in Erfurt
  • gestorben am 14. Juni 1920 in München


  • Eltern
    • Vater: Max Weber sen.(1836-1897); Dr. jur., Nationalliberaler Politiker,später Abgeordneter und Redakteur
    • Mutter: Helene Weber, geborene Fallenstein (1844-1919), Hausfrau
  • Geschwister: Bruder Alfred Weber (1868-1958); Nationalökonom und Soziologe, Universitätsprofessor, weitere 5 Geschwister
  • Ehe: 1893, Marianne Schnitger (1870-1954), Frauenrechtlerin, Soziologin und Politikerin
  • Kinder: keine
  • Religion: evangelisch (Augsburger Bekenntnis)

Biographie

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  • 1868: Geburt von Bruder Alfred Weber
  • 1869: Umzug der Familie nach Berlin, 1872 nach Charlottenburg (zu Berlin), Besuch des Gymnasiums in Charlottenburg
  • bis 1880: Geburt weiterer fünf Geschwister
  • 1877: Weber schreibt Aufsätze zur römischen Kaiserzeit, Völkercharakter, Völkerentwicklung und Völkergeschichte
  • 1882: Abitur; Jura-Studium an den Universitäten von Heidelberg, Straßburg, Berlin und Göttingen, zusätzliche Beschäftigung mit Klassische Nationalökonomie, Philosophie, Geschichte und Theologie
  • 1883-1884: Militärdienst in Staßburg
  • 1884: Danach Fortsetzung des Studiums an der Universität Berlin
  • 1886: Beendigung des Studiums an der Universität Berlin, Ablegung des Referendarexamens, Erlernen der italienischen und spanischen Sprache
  • 1888: Mitglied des Vereins für Sozialpolitik
  • 1889: Dissertation (Dr. jur. magna cum laude) an der Universität Berlin über "Entwicklung des Solidarhaftprinzips und des Sondervermögens der offenen Handelsgesellschaft aus den Haushalts- und Gewerbegemeinschaften in den italienischen Städten"; Arbeiten am agrarhistorischen Seminar der Universität Berlin
  • 1891: Einreichung der Habilitationsschrift:"Die römische Agrargeschichte in ihrer Bedeutung für das Staats- und Privatrecht"
  • 1892: Veröffentlichung der "Landarbeiter Enquete"
  • 1893: Professor für Handelsrecht in Berlin; Max Weber heiratet Marianne Schnitger, kurzfristige Tätigkeit als Rechtsanwalt
    Abbildung 2: Max und Marianne Weber 1894
  • 1894: Professor für Nationalökonomie in Freiburg im Breisgau, Baden-Württemberg
  • 1896: Mitglied im nationalsozialen Verein Friedrich Naumanns
  • 1897: Professor für Nationalökonomie in Heidelberg, Baden-Württemberg
  • 1898: Weber erleidet seinen ersten schweren Zusammenbruch; Befreiung von jeglicher Lehrtätigkeit
  • 1900: Weber muss auf Grund einer schweren Neurose die Nervenheilanstalt in Urach aufsuchen, danach in Italien (1900-1902)
  • 1903: Zeitweilige Herausgabe der Zeitschrift "Archiv dür Sozialwissenschaft und Sozialpolitik" gemeinsam mit Werner Sombart
  • 1904: Reise in die Vereinigten Staaten
  • 1909: Neben Ferdinand Tönnies und Georg Simmel Mitbegründer der "Deutschen Gesellschaft für Soziologie"
  • 1914-1915: Disziplinaroffizier der Lazarettkommission in Heidelberg; 1915 ausgeschieden
  • 1916: Erster großer Vortrag nach seiner Erkrankung
  • 1918: Im Sommersemester Vorlesung an der Universität Wien
  • 1919: Mitbegründer, Mitglied und Wahlkampfredner der "Deutschen Demokratischen Partei (DDP)"; die Kandidatur auf der Liste des hessischen-nassauischen Wahlkreises scheiterte, 1920 Parteiaustritt; Hauptamtliche Anstellung als ordentlicher Professor der Nationalökonomie an der Universität in München. Nach dem Ersten Weltkrieg wird Max Weber zum Sachverständigen der deutschen Delegation bei der Friedenskonferenz zum Versailler Vertrag, durch den Ruf von Reichsaußenminister Graf Brockdorff-Rantzau.
  • 1920: am 14. Juni 1920 in München, Bayern, an einer durch die Spanische Grippe ausgelösten Lungenentzündung gestorben. Max Weber liegt auf dem Heidelberger Bergfriedhof begraben.


Historischer Kontext

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  • Familiäres Umfeld

Max Weber wurde in das Umfeld des gehobenen deutschen Bürgertums hineingeboren. Der Vater, Max Weber sen. ging aus einer Industriellen- und Kaufmannsfamilie hervor und war Jurist. Später schlug dieser eine parlamentarische Laufbahn als Abgeordneter der Nationalliberalen Partei ein.

Die Mutter Helene Weber (geb. Fallenstein) galt als sehr gebildete Frau, interessierte sich auch für religiöse und soziale Probleme. Sieben weitere Kinder brachte sie nach Max Weber zur Welt, die Schwester Anna starb bald nach der Geburt (1866) und der Bruder Alfred Weber wurde später ebenfalls zum bedeutenden Soziologen, blieb jedoch Zeit Lebens im Schatten von Max Weber. Die Beziehung der Eltern verlief in späteren Jahren nicht gerade harmonisch, wobei Max Weber tiefe Sympathie für seine Mutter empfand. Das Verhältnis zu seinem Vater war von Spannungen geprägt, welche vor dessen Tod nicht aufgelöst werden konnten.

Auf Grund von Differenzen mit seiner Ehefrau Marianne Schnitger kam es zu einer schweren Lebenskrise, welche im Juni 1900 das Aufsuchen einer Nervenheilanstalt erzwang. Die Ehe glich dabei eher einer asexuellen Arbeitsgemeinschaft und bot Max Weber nicht den erhofften Ausgleich zu seinem umfangreichen Engagement in fast allen Bereichen des öffentlichen Lebens. Auch blieb diese Ehe ohne Kinder.

Aufgrund dieser gesundheitlichen Umstände zog sich Max Weber aus jeglicher Lehrtätigkeit zurück und sah sich gezwungen, wesentlich kürzer zu treten. Ausgedehnte Reisen machten aber eine baldige Genesung möglich. Während dieser Zeit unterhielt Max Weber außereheliche, intime Beziehungen zu der schweizer Pianistin Mina Tobler und später zu auch Else Jaffé.

Von August bis Dezember im Herbst 1904 bereist Max Weber mit seiner Frau Marianne und dem Theologen und Kulturtheoretiker Ernst Troeltsch Amerika. Jenes Land, wo der moderne, rationale Betriebskapitalismus zu jener Zeit seine bis dahin stärkste Erscheinung zeigte. Dort besuchte er den "International Congress of Arts and Science" anlässlich der Weltausstellung in St. Louis. Diese Reise hinterließ bei Max Weber starke Eindrücke für seine späteren Arbeiten. Er war konfrontiert mit der unmittelbaren Begegnung mit protestantischen Sekten, mit der Wahrnehmung der Organisation der politischen "Maschinerie", mit der Position des amerikanischen Präsidenten, sogar mit der amerikanischen Frauenbewegung, mit der Rassenfrage, Bürokratie und der Wirtschaft.

Während seiner Münchner Jahre starb Max Webers Mutter Helene und seine Schwester Lilli Schäfer folgte dieser binnen eines halben Jahres durch Selbstmord nach (7. April 1920). Max Weber erkrankte wenige Wochen später selbst an einer zu spät diagnostizierten Lungenentzündung und starb am 14. Juni 1920.


  • Politisches Umfeld

Politisch kam Max Weber in einer turbulenten Zeit zur Welt. Schleswig und Holstein wurden eben an Preußen und Österreich abgetreten, was zu innenpolitischen Konflikten und später zum Deutsch-französischem Krieg führte. Otto von Bismarck war maßgeblich an diesem Geschehen sowie an der Proklamation des preußisch dominierten Deutschen Reiches beteiligt. Der Staatsmann Otto von Bismarck faszinierte Max Weber und die Ereignisse jener Zeit stellten einen wichtigen Bezugsrahmen für sein politisches Denken dar.

Max Webers Mitgliedschaft im Alldeutschen Verband (1893), sowie im National Sozialen Verein Friedrich Naumanns (1896), lässt eine nationalistische Einstellung erkennen. Vorwürfe, welche Max Weber eine nationalsozialistische Gesinnung unterstellen, entbehren jegliche vernünftige Grundlage und lassen sich nicht belegen. Im Laufe der Zeit geriet Max Weber immer mehr in Konflikt mit diesen Organisationen und er verließ sie schließlich (1899).

Die deutsch- französische Feindschaft der damaligen Zeit scheint Ursache dafür zu sein, dass Max Weber und Emile Durkheim (ein bedeutender Soziologe, der zeitgleich in Frankreich lebte) keinerlei Notiz voneinander nahmen und mit keinem Wort aufeinander Stellung bezogen.

1919 betätigte sich Max Weber als Mitglied des Sachverständigenrates der deutschen Delegation bei den Versailler Friedensverhandlungen. Seit dieser Zeit war er auch Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei (DDP).


Theoriegeschichtlicher Kontext

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  • Schul- und Studienjahre

Bereits in seiner Schulzeit interessierte sich Max Weber sehr für Geschichte und so las er bereits damals historische Werke von Theodor Mommsen und Ernst Curtius. Auch die antiken Klassiker und Philosophen Homer, Herodot, Cicero, Sallust sowie Spinoza, Kant und Schopenhauer standen auf dem Leseplan. Diese Faszination für die Geschichte begleitete Max Weber den Rest seines Lebens und spiegelt sich, in seiner Habilitationsschrift genau so, wie in vielen seiner theoretischen Bezugnahmen auf die Praxis, wieder.

Das Vaterhaus, in dem bedeutende Politiker und Wissenschaftler ( Rudolf von Bennigsen, Johannes von Miquel, Theodor Mommsen, Heinrich von Treitschkes, Wilhelm Diltheys) sich die Türklinke in die Hand gaben, stellte für den jungen Max Weber ein anregendes Umfeld dar. Auch hatte sich der Marxismus bereits als Bewegung formiert, so dass ihm eine Auseinandersetzung mit Marx und Engels Gedankengut nicht erspart blieb.

Während der Heidelberger Studienjahre hörte Max Weber Jurisprudenz bei Ernst Immanuel Bekker, Otto Karlowa, M. Heinze und H. Schulze. Darüber hinaus Philosophie bei Kuno Fischer, Nationalökonomie bei Karl Knies und Geschichte bei Erdmannsdörfer. Auch pflegte er in Heidelberg eine prägende Freundschaft zu seinem Vetter Otto Baumann, welcher vor Ort Theologie studierte.

Sein Wehrdienst führte Max Weber nach Straßburg, wodurch sich der Kontakt zu seinem Onkel Hermann Baumgarten erschloss, welcher ihn politisch und intellektuell beeinflusste.

Anschließend setzte Weber seine Studien in Berlin fort, wo er Privatrecht bei Georg Besler, Völkerrecht bei Ludwig Aegidi, deutsches Staats- und preußisches Verwaltungsrecht bei Rudolf von Gneist sowie Lesungen über deutsche Rechtsgeschichte und Geschichte hörte.


  • Zeit des Wirkens und Schaffens

Nach Abschluss all seiner Prüfungen pflegte Max Weber Kontakt zum ersten Evangelisch-sozialen Kongress, wo er unter anderem Friedrich Naumann kennen lernte, mit dem ihm schließlich eine enge Freundschaft verband. Jahre später eröffnete er die Reihe seiner soziologischen Schriften mit: "Die Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus".

1904 wurde Max Weber zu einem wissenschaftlichen Weltkongress anlässlich der Weltausstellung in die USA eingeladen, wo er durch intensive Eindrücke (politische Organisation der USA, Bürokratisierung, protestantische Sekten,..), Inspirationen für spätere Arbeiten erhielt.

In den folgenden Jahren übernahm Max Weber gemeinsam mit Edgar Jaffé und Werner Sombart die Redaktion der Zeitschrift "Archiv für Sozialwissenschaften und Sozialpolitik". Auch pflegte er zu jener Zeit Kontakte zu Georg Simmel und Rober Michels. Später gründete er die "Deutsche Gesellschaft für Soziologie" deren erster Vorstand neben Weber durch Ferdinand Tönnies, Georg Simmel und Heinrich Herkner (später Werner Sombart) gebildet wurde.

Während seiner Italienreise (1913) lernte Max Weber im Umfeld einer Kommune ein unabhängiges, vom Gedanken des Anarchismus sowie des Naturrechtes geprägtes Leben kennen, was ihm zu liberalen Ansichten verhalf. Auch seine Haltung zum Krieg in den nachfolgenden Jahren änderte sich zusehends, vom nationalistischen zum Liberalen Denken. Das Kriegsgeschehen beschäftigte Max Weber enorm und Don Quijote gleich versuchte er vergeblich, politische Dummheiten zu verhindern, um eine Niederlage Deutschlands abzuwenden.

Max Weber ist mit Sicherheit als einer der herausragenden Denker seiner Zeit zu bezeichnen. Seine gescheiterte Existenz im privaten Lebensbereich, sowie hinsichtlich seiner wissenschaftlichen und politischen Anliegen, spiegelt wohl unmittelbar die zerkluftete gesellschaftspolitische Situation dieser Zeit wieder, welche Max Weber auf allen Ebenen zu vereinen suchte.

Werke

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Neben selbstständigen Publikationen veröffentlichte Max Weber eine Vielzahl von Aufsätzen in verschiedenen Zeitungen, Zeitschriften und Jahrbüchern. Die tabellarische Werkauswahl soll die Bandbreite der behandelten Themen darstellen:

  • Die römische Agrargeschichte in ihrer Bedeutung für das Staats- und Privatrecht. (1891)
  • Die Verhältnisse der Landarbeiter im ostelbischen Deutschland. Dargestellt auf Grund der vom Verein für Sozialpolitik veranstalteten Erhebungen. (Studie) (1892)
  • Die Börse. I. Zweck und äußere Organisation der Börsen. (1894)
  • Der Nationalstaat und die Volkswirtschaftspolitik. Akademische Antrittsrede. (1895)
  • Die sozialen Gründe des Untergangs der antiken Kultur. In: Die Wahrheit. Halbmonatszeitschrift zur Vertiefung in die Fragen und Aufgaben des Menschenlebens. (1896)
  • Die Börse. II. Der Börsenverkehr. (1896)
  • Die ´Objektivität´ sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis. In: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik. (1904)
  • Die protestantische Ethik und der ´Geist´ des Kapitalismus. In: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik. (1905)
  • Zur Lage der bürgerlichen Demokratie in Russland. In: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik. (1906)
  • Über einige Kategorien der verstehenden Soziologie. In: Logos. Internationale Zeitschrift für Philosophie und Kultur. (1913)
  • Die Nationalität in ihrer soziologischen Bedeutung. In: Verhandlungen des Zweiten Deutschen Soziologentages. (Diskussionsbeitrag) (1913)
  • Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen. In: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik. (11 Einzelaufsätze)(1916-1918)
  • Innere Lage und Außenpolitik. I-III. In: Frankfurter Zeitung. (1918)
  • Die Untersuchung der Schuldfrage. In: Frankfurter Zeitung. (1919)
  • Deutschlands künftige Staatsform. In: Zur deutschen Revolution. Flugschriften der Frankfurter Zeitung. (1919)
  • Wissenschaft als Beruf. In: Geistige Arbeit als Beruf. (Vortragsmanuskript) (1919)
  • Politik als Beruf. In: Geistige Arbeit als Beruf. (Vortragsmanuskript) (1919)
  • Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie.
    • Band I: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, Die protestantischen Sekten und der Geist des Kapitalismus, Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen (Teil 1: Konfuzianismus und Taoismus) (1920)


posthume Veröffentlichungen:

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  • Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie.
    • Band II: Hinduismus und Buddhismus (1921)
    • Band III: Das antike Judentum. (1921)
  • Die rationalen und soziologischen Grundlagen der Musik. (1921)
  • Die drei reinen Typen der legitimen Herrschaft. Eine soziologische Studie. In: Preußische Jahrbücher. (1922)
  • Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie. Hrsg. v. J.Winckelmann (1956) (-> Grundriss der Sozalökonomik. III. Abteilung. (1921))


Das Werk in Themen und Thesen

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I: „Die Protestantische Ethik und der Geist des Kapitals“

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In der Phase nach den Ursprüngen des Kapitalismus beschäftigt sich Weber im speziellen mit dem westeuropäisch-amerikanischen Kapitalismus. Eine Fragestellung war hier zentral:

Wie kommt es, dass nur das Abendland – der Okzident – eine ganz spezifische rationale Kultur mit einem rationalen Betriebskapitalismus und einer rational – bürokratischen Organisation des Staates entwickelte, nicht aber beispielsweise Asien, wo hier doch weitaus ältere und differenziertere Kulturen existierten? Welche Vorteile bietet die Rationalisierung und wie hoch ist der Preis für die Gesellschaft?

Im Kontrast zu Karl Marx, der die Ursachen des Kapitalismus in den ökonomischen Bedingungen - den Produktionsverhältnissen – sah (das Sein bestimmt das Bewusstsein), stellen bei Weber auch religiöse Motive eine ideelle Grundlage für die kapitalistische Organisation dar. Er widerspricht ihm hier aber nur im Sinne eines Totalitätsanspruchs, denn er stellt die materialistische wie auch die spiritualistische Kausalität auf eine Ebene und dies ist als ergänzende Korrektur zu sehen und nicht etwa als Gegenentwurf.

So sah Weber in den Wurzeln des Protestantismus und zwar in dessen Bedeutung für die Wirtschaftsethik oder in der Berufspflicht auch eine zentrale Ursache für den modernen westlichen Kapitalismus, hier erkennt Weber den „Geist des Kapitals“. Ein Schüler Max Webers stellte mit Hilfe empirischen Materials über wirtschaftlich erfolgreich florierende Regionen fest, dass reiche Kapitalbesitzer wie auch erfolgreiche Geschäftsleute signifikant häufiger Protestanten waren. Durch Vergleichsstudien erkannte Weber, dass protestantische Landstriche, im Vergleich etwa zu katholischen Gegenden, eine erfolgreiche ökonomische Entwicklung durch Rationalismus hatten. Aufgrund der Reformation und der daraus resultierenden Form der Religionsausübung bekam das Diesseitige eine zentrale Bedeutung im Leben. Der protestantische Glaube, speziell der Calvinismus, Pietismus oder auch der Methodismus, musste sich im hier und jetzt bewähren und zwar durch die hier schon erwähnte Pflichterfüllung im Beruf.

Weber konzentrierte sich nun auf den Calvinismus und seine Prädestinationslehre, denn dort war der Gedanke an den Erfolg im Beruf als die von Gott gestellte Aufgabe - durch eine innerweltliche Askese, der systematischen Selbstkontrolle – beherrschend, im Gegensatz zum traditionellen Luthertum. Dies zeigte seine Wirkung im wirtschaftlichen Erfolg. Durch die Askese jeglichen Vergnügens wurde der Gewinn reinvestiert. Diese beiden Aspekte führten bald zu einer wirtschaftlichen Prosperität. Weber überlegt nun weiter und ist inspiriert von John Wesley, der meint, dass die Grundlage der religiösen Lebensführung verloren geht, da dort, wo Reichtum an Einfluss gewinnt, die Religiosität verloren geht. Diese wird durch einen Berufsethos mit Zwangscharakter ersetzt. Aus diesem Rationalisierungsprozess der Berufswelt sieht nun Weber die Entwicklung des modernen westlichen Kapitalismus dem sich der einzelne nicht mehr entziehen kann. Weber sieht darin ein Verhängnis, da aus der ehemaligen religiös motivierten innerweltlichen Askese die äußeren Güter diese Welt und ihre Macht, uns zu beherrschen begannen, was einen zwangsläufigen Verlauf annahm. Hier unterscheidet er sich von Karl Marx, der den Kapitalismus in einer Prognose mit einem guten Ende münden lässt.

II: Zur Musiksoziologie

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In der deutschsprachigen Soziologie gelten zwei Texte als Klassiker der Musiksoziologie: Max Webers "Die rationalen und soziologischen Grundlagen der Musik" und Theodor W. Adornos Vorlesung "Einleitung in die Musiksoziologie". Die Absicht von Max Webers Projekt war es, den okzidentalen rationalen Einfluss in der Musik, in der "scheinbar aus dem intimsten Fühlen quellenden Kunst", ausmachen zu wollen. Auch bezweifelte er, dass das in Europa sich durchgesetzt habende Tonsystem, das logische und natürliche in seiner vollendeten Form darstelle. Er hielt das akkordharmonische System nicht für einen Ausfluss der Natur, sondern für das Resultat einer Kette historisch gefallener, ästhetischer Entscheidungen und somit sei in diesen Mustern die musikalische Spur des okzidentalen und rationalen abzulesen. Leider hat Max Weber seine musiksoziologischen Gedanken nur fragmentarisch hinterlassen, aber sie stellten damals (vielleicht auch heute) eine heftige Provokation dar, die den europäischen Glauben an die Entwicklung eines Tonsystemes in natürlicher konsequenter Gestalt, welches vollkommener als das System vermeintlich primitiverer Kulturen sei, beleidigte.

III: Methodologien

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  • Kausaladäquanz und Sinnadäquanz

Beim methodischen Instrumentarium des Idealtypus arbeitet Weber bei der Ermittlung von Unterschieden zwischen einer ideal gedachten Situation und realen sozialen Handlungen, mit der Sinnadäquanz und Kausaladäquanz. Sinnadäquanz ist dann optimal gegeben, wenn ein möglicherweise hundertprozentiges Verständnis des Sinnzusammenhanges erreicht wird. Kausaladäquanz ist so zu verstehen, dass ein Mindestmaß an empirischer Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Handlung besteht. Er benutzte ideale Gedankenbilder, um die empirische Realität damit zu vergleichen. Weber versuchte mit den Prinzipien der Sinnadäquanz und der Kausaladäquanz seinen idealistischen Hintergrund mit der positivistischen Konzeption kausaler Erklärungen zu vereinbaren. Für Weber stand im Vordergrund, den Sinn einer Handlung zu verstehen und diesen in seinem Verlauf und in seinen Folgen kausal zu erklären. Er verbindet somit hermeneutisches Verstehen und kausales Erklären. So teilt nun Weber in die Methoden der Sinnadäquanz und Kausaladäquanz. Wenn ein ursächliches Phänomen untersucht werden soll, so muss auch die kausale Adäquanz geprüft werden, was heißen soll, dass es eine statistische signifikante Beziehung geben muss. Weiters müssen die systematische Abfolge und der Einfluss anderer möglicher Ursachen beachtet werden. Eine Sinnadäquanz besteht dann, wenn ein bestimmtes Phänomen unter bestimmten Umständen als eine sinnvolle Ableitung von einem anderen Phänomen interpretiert werden kann und es als Teil eines übergeordneten Phänomens erkannt werden kann.

Bei der Untersuchung über die Beziehung zwischen asketischem Protestantismus und dem Geist des Kapitals kommt dies klar zum Ausdruck. Diese beiden Aspekte setzt Weber in eine Beziehung.

Er erkennt, dass sich in Regionen mit einem hohen Anteil des asketischen Protestantismus, der industrielle Kapitalismus umfassender und früher entwickelte. Er erkannte auch, dass sich im alten China und in Indien keine Variante des westlichen Kapitalismus entwickelte. Dies sind Beweise der kausalen Adäquanz.

Bei der Prüfung der Sinnadäquanz zeigt Weber, dass die kapitalistische Arbeitsethik sinnhaft als eine Form der innerweltlichen Askese gesehen werden kann, im Gegensatz zu anderen Weltreligionen. Bei der Prüfung der Sinnadäquanz beschäftigt er sich somit mit dem Geist der protestantischen Ethik und dem Geist des Kapitals. Weber weist nun nach, dass die Kultur enormen Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung hat. Somit kommt kulturellen Untersuchungen und deren Bezug auf die Sinnadäquanz und ihrer Erklärung große Wichtigkeit zu.


  • Der Idealtypus

Weber bediente sich einer verstehenden Methode, er erklärt soziale Handlungen ursächlich. Dazu verwendete er die Methode des Idealtypus, diese ist Voraussetzung, um aus der Beobachtung einzelner sozialer Handlungen auf allgemeine Regeln und Theorien zu schließen. Er strukturiert damit die Komplexität der verstandenen Einzelhandlungen. Er konstruiert somit ein Phänomen, um es von anderen unterscheiden zu können. Er filtert bestimmte analytische Aspekte eines Phänomens, um die besonderen Eigenschaften wahrzunehmen und somit spezifische Ursachen zu erkennen.

Beim Geist des Kapitals und dem Geist des asketischen Protestantismus erkennt er eben eine spezifische Form des Kapitatismus und nicht die historische vielschichtige Wirklichkeit. Es sind Idealtypen mit der Behauptung einer sinnhaften und kausalen Beziehung. Dies ist wichtig für das Verstehen und Erklären von spezifischen Aspekten um ein generalisierbares Wissen über die komplexe Realität zu erlangen, da sonst in der Komplexität der vielschichtigen Wirklichkeit in der Ganzheit dieses Wissen nicht realisierbar ist. So müssen Beschreibungen und Erklärungen sozialer Phänomene in Idealtypen konstruiert werden, um aus der konkreten Realität diejenigen Aspekte auszuwählen, auf die sich eine Untersuchung konzentriert. Weber arbeitete hier aber nicht willkürlich, sondern er wählte jene Aspekte, die einen nachhaltigen Einfluss hatten und in gesamthistorischer Wirklichkeit relevant waren.


  • Das Postulat der Werturteilsfreiheit

Weber kritisierte, dass objektive Tatsachen und subjektive Wertungen vermischt wurden, er war für eine strikte Trennung von Tatsachen und Wertungen. Er verlangte von den Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, dass man empirische Tatsachen anerkennt und seine eigene Person zurücknimmt. Er sieht die Wissenschaft als einen Beruf mit strengen Regeln die einzuhalten sind. Sie sollte sich damit beschäftigen was ist, warum es so ist, und was möglich und nicht möglich ist, aber nicht was sein sollte. Was sein sollte, ist laut Weber eine Frage der individuellen moralischen Verantwortung. Weber meinte damit aber nicht, dass sich Wissenschaft nicht um die Politik zu kümmern hätte, denn Weber sah die Werturteilsfreiheit nicht eindimensional sondern differenzierte. Alleine die Auswahl eines Forschungsthemas konnte nicht rein objektiv sein, dieses implizierte ja die Erkenntnis und die Wertideen des Wissenschaftlers. Dies muss aber selbst Teil der wissenschaftlichen Selbstreflexion sein und somit müssen auch Wertideen anderer Menschen auf ihre individuellen, sozialen und historischen Bedingtheiten hin untersucht werden. Weber verlang eine reflektierende Methode die vier Aufgaben zu erfüllen hat: Erst müssen die unterschiedlichen Wertaxiome der verschiedenen Positionen herausgefunden werden. Anschließend folgt eine idealtypische Untersuchung. Im dritten Schritt werden praktische Folgen diskutiert um eine begründete Stellungnahme zu einem empirischen vorhandenen Problem zu erörtern. Daraus können sich im vierten Schritt Forderungen an einer Veränderung der Wertaxiome ergeben. Somit bedient er sich auch hier der idealtypischen - konstruierenden Methode.

IV: Der Prozess der Rationalität

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Weber widmete sich skeptisch der Frage, welche spezifische Form des Rationalismus in der westlichen Welt entstand. Dabei verglich er den westlichen mit dem östlichen Rationalismus.

Weber sah die Hauptkräfte hierzu nicht wie Marx in einer ökonomischen oder materiellen Struktur, sondern in der spezifischen Kultur und der dazugehörigen Variante der Rationalität.

Weber legt somit mehr Wert auf die kulturellen Wurzeln und darin erkennt er einen Widerspruch zwischen formaler und materieller Rationalität. Der westliche Rationalismus zielt darauf ab, eine irrational schlechte und ungerechte vorgefundene Welt zu beherrschen und zu einem Besseren zu meistern, er greift aktiv in diese Welt ein. Der Nebeneffekt hat allerdings das Übel zur Folge, dass sich der Mensch in einer künstlichen Welt wieder findet ( Recht, Regierung, Technologie etc.). Das ist insofern verhängnisvoll, auch wenn das Eingreifen einer guten Absicht entspringt, weil es Konsequenzen zur Folge hat, die wiederum als Übel anzusehen sind ( Bürokratie, Etablierung bürokratischer Ordnung bis hin zur Alleinherrschaft bürokratischer Lebensideale). Und je mehr er eingreift, desto mehr kommt ein Prozess in Gang der ein weiteres Eingreifen zur Folge hat.

Nun ein Beispiel: Die moderne Politik versucht , die Chancengleichheit zu erhöhen, das mag für benachteiligte Bevölkerungsgruppen zum Vorteil gereichen, jedoch wird diese Maßnahme auch das Niveau der Bedürfnisse und die Konkurrenz zueinander steigern, das wiederum erneut Probleme zur Folge hat und ein weiteres eingreifen zur Folge hat. Die menschliche Welt wird künstlich und unberechenbar, ja es entsteht eine neue Irrationalität.

Der Prozess der Rationalität wird als eine aktive Lösung verstanden. Dies ist formal rational richtig und zwar insoweit, dass es zu einem Anstieg der Chancengleichheit kommt. Es ist das Wissen über die Wechselwirkung zwischen einer politischen Maßnahme und dem Effekt der Chancengleichheit. Jedoch inwieweit werden negative Folgen rational berücksichtigt? Es wird zwar ein Grundwert verbessert ( Chancengleichheit), jedoch aus der Perspektive eines anderen Grundwertes hat dies negative Konsequenzen.

Weber erkennt, dass der Mensch die Welt schaffen will, für die Verwirklichung von Grundwerten. Die negativen Konsequenzen werden als material irrational gesehen. Das positive einer Maßnahme ist formal rational, wie es nach dem besten Wissen über die effektivsten Mittel zur Erreichung eines Ziels angewendet wird, es ist eine instrumentelle Art und Weise die Welt zu einem Besseren zu verändern. Materiel sieht Weber diesen Prozess jedoch als irrational, da es neues Übel schafft und dies in einem Widerspruch zur positiven rationellen Vorstellung einer besseren Welt steht.

Die formale Rationalität ist nach kausalem Wissen auf ein bestimmtes Ziel, auf einen Grundwert beschränkt. Die materiale Rationalität ist an mehreren Grundwerten orientiert. Formale Rationalität ist immer von materialer Irrationalität begleitet. Dieser Grundwiderspruch ist ein wesentliches Kennzeichen des westlichen Rationalitätsverständnisses, das versucht durch instrumentelles Eingreifen eine bessere Welt zu schaffen.

Weber verglich diese Auffassung der Rationalität mit östlichen Kulturen. Hier herrscht das Prinzip des Gleichgewichts. Es ist vom Wesen her konservativer und eine solche Kultur ist einem Traditionalismus ergeben, jedoch besteht hier weniger die Gefahr des Widerspruchs zwischen formaler Rationalität und materialer Irrationalität. Hier wird menschliches Handeln als Teil eines Ganzen gesehen nach dem Wert des Einklangs. Falls dieses Gleichgewicht gestört wird, so muss Abstand genommen werden von weltlichen Tätigkeiten. Jedoch ist eine Bewegung hin zu einer besseren Welt schwierig, wenn jede Bewegung zurückführt zu einem ursprünglichen Gleichgewichtszustand, da die Spannung zwischen guten utopischen Ideen und einer schlechten Welt fehlt. Die Ideen reichen nicht über sich hinaus.

Weber merkt weiter kritisch an, dass es mehr ist als die Verkettung von Rationalität mit aktiver Weltbeherrschung, die unsere westliche Kultur verfolgt. Die Würde des Kollektivs wurde durch die Würde des Individuums und des Universalismus des Bürgers in der westlichen Welt ersetzt.


Rezeption und Wirkung

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Die Wirkung Max Webers zu Lebzeiten

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  • 1908 legte Weber, aus einem Gefühl des Unbehagens heraus an der wissenschaftlichen Ausrichtung des „Vereins für Socialpolitik“, den Grundstein zur Gründung einer wissenschaftlichen – empirischen arbeitenden Forschungsorganisation, diese war der Vorläufer des heutigen Max-Planck Institutes.


  • 1909 wurde die Schriftführung des „Grundrisses der Sozialökonomie“ die Arena des Privatgelehrten Webers. Unter dem Gesamttitel „Wirtschaft und Gesellschaft“ plante Weber „Die Wirtschaft und die gesellschaftlichen Ordnungen und Mächte“, ein weiterer Teil dieses Werkes war „Entwicklungsgang der wirtschafts- und sozialpolitischen Systeme und Ideale“ von Eugen von Philippovich. Nach dem Tot Webers übernahm dessen Frau Marianne Weber 1922 den Titel für die posthume Veröffentlichung des Manuskripts für den geplanten Teilband und ordnete Webers Entwürfe nach ihren eigenen Vorstellungen.


  • Am 3. Januar 1909 war Max Weber einer der Mitbegründer der „Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS)“ in Berlin, zusammen mit Ferdinand Tönnies der als Vorstand fungierte, Georg Simmel und Heinrich Herkner, dieser wurde allerdings durch Werner Sombart ersetzt. Max Weber hatte die Aufgabe als Rechner. Ab dieser Zeit begann Weber sich erstmals als Soziologe zu bezeichnen und war verbandspolitisch hoch aktiv. Dieser schied 1912 schließlich wegen Meinungsdifferenzen zum Postulat der Werturteilsfreiheit aus dem Vorstand der DGS aus. Denn Weber beteiligte sich aktiv von 1909 bis 1914 an den Diskussionen im „Verein für Socialpolitik“, wo eines der zentralen Themen der genannte Werturteilsstreit war. Weber hielt an dem Standpunkt fest, es sei abzulehnen die politische Haltung mit wissenschaftlichen Argumentationen zu rechtfertigen.


  • 1912 war Max Weber längst schon eine öffentlich bekannte Person und seine Meinung zu innen- und außenpolitischen Ereignissen war gefragt und äußerte sich regelmäßig dazu, treu der Werturteilsfreiheit ohne subjektiv zu werten und er tat es als Mitglied einer selbstbewussten und staatstragenden bürgerlichen Öffentlichkeit im wilhelminischen Kaiserreich. Die Schwierigkeiten mit denen etwa Georg Simmel oder Ferdinand Tönnies zu kämpfen hatten waren Max Weber fremd. Sein familiärer Hintergrund, seine Studienwahl und die Stellung im wilhelminischen Kaiserreich verhalfen ihm zu wesentlich besseren Startchancen.


  • 1917 wurde Weber aus materiellen Gründen zu einer Rückkehr an eine Universität gedrängt. Politisch war Weber in dieser Zeit kaum noch aktiv. Er erhielt den Ruf von der Universität Göttingen, München und Heidelberg als auch von der Universität Wien. Dort übernahm er schließlich im Oktober 1918 den Lehrstuhl für „Politische Ökonomie“ und hielt Vorlesungen über „Wirtschaft und Gesellschaft“. In dieser Zeit beschäftigte sich Weber viel mit Religion, unter anderem mit dem Hinduismus, Buddhismus aber auch mit dem antiken Judentum. Nach einer Einladung des „Freistudentischen Bundes“ in München hielt er dort seine famosen Reden über „Wissenschaft als Beruf“ und „Politik und Beruf“.


  • 1919 verschlug es Weber schließlich nach München, auf den Lehrstuhl für Nationalökonomie von Lujo Brenato an der dortigen Universität München. Nur ein Jahr später starb Weber in München.


Wirkung nach dem Tod Max Webers

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Nach dem Tod Max Webers, am 14. Juni 1920, wurde damalig die Tragweite seines Vermächtnisses noch gar nicht erkannt. Er hinterließ einen riesigen soziologischen „Steinbruch“, dem später die größte internationale Bedeutung beigemessen wurde, sie steht im Gegensatz zur nationalen und internationalen Bedeutung Webers zu Lebzeiten. Daran konnte auch seine Frau Marianne Weber mit ihren Sammelbänden nichts ändern. Die Rezeption damals konzentrierte sich vorwiegend auf die „Protestantische Ethik“ und auf seine gedruckten Reden zu „Wissenschaft als Beruf“ und „Politik als Beruf“. Mit Werner Sombart, Georg Simmel und Alfred Schütz hat er namhafte Mitbestreiter der Soziologie und konnte sich nicht wesentlich in seinem Einfluss hervorheben. Auch hatte Weber keine spezifischen Nachfolger und so kam es zu keiner „Weber – Schule“. Diese Auffassung der Rezeption dauerte bis nach dem Zweiten Weltkrieg an.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es erst zu einem Aufschwung der amerikanischen Soziologie, besonders durch Talcott Parsons und Robert K. Merton. Zu dieser Zeit wurde das Verständnis des Verhältnisses von Wissenschaft und Politik missverstanden. Die eigentliche Rezeption seines großen wissenschaftlichen Werkes begann erst in den 50er Jahren. Der Heidelberger Soziologentag 1964 verdeutlichte aber dann doch klar den von nun ab florierenden Ruf der internationalen Weber – Forschung. Weber etablierte sich nun zum unbestrittenen Klassiker der internationalen Soziologie und er wurde so neben den „Giganten“ Karl Marx und Emile Durkheim zu einer Säule der internationalen Soziologie. Wesentlich beteiligt daran war Talcott Parsons, der sich in seinem Strukturfunktionalismus durch die Verarbeitung der Hauptwerke Max Webers inspirieren ließ. Dies zog die Aufmerksamkeit auf Max Weber, aber noch mehr auf die internationale Beschäftigung mit dem Denken der deutschen Soziologie. So herrscht ein Kontrast zwischen Wirkung Max Webers zu Lebzeiten und der Wirkkraft von seinem Vermächtnis.


Resümee

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Max Weber hat die Probe auf Zeit mehr als bestanden. Nun fast hundert Jahre nach seinem Tod hat Weber noch immer eine Hochkonjunktur in der internationalen Soziologie. Auffallend ist, dass Webers Rezeption sehr selektiv wahrgenommen wird, ausschlaggebend war sicher Webers umfassendes Verständnis (als Soziologe, Philosoph, Politiker, Kulturhistoriker etc.), aber auch die Zersplitterung seines Gesamtwerkers auf seine „Lehrstücke“. So besteht seine Arbeit aus einer Vielzahl von Prämissen, Thesen, Hypothesen und Theorien, jedoch fehlt es an der Systematik und so wird Weber in unterschiedlichster Weise gedeutet.

Er war wesentlich an der Erforschung, den Folgen und Ursachen von modernem Kapitalismus, an dem sozialen Handeln der Individuen in gesellschaftlichen Ordnungen und an dem ideellen und normativen Voraussetzungen für materielle Gegebenheiten und Prozesse beteiligt. Auch etablierte Weber die Methode des „Verstehens“ und des idealtypischen Vorgehens. Das Spezielle Max Webers liegt in seiner Sichtweise, in seiner reflexiven Vermittlung von „Individuum“ und „Gesellschaft“, wo er von einer gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit ausgeht. Er erkennt die subjektive Sinnsetzung, aber auch die gesellschaftliche Wirklichkeit und macht sie zur Aufgabe der Soziologie.

So gehört Max Weber sicher zu den Gründerfiguren, die Mikro- und Makrosoziologie reflektieren und so der Weiterentwicklung der soziologischen Theorien und Empirien verhalf und dessen Kraft sich in den Theorieentwürfen von Norbert Elias, Pierre Bourdieu, Jürgen Habermas und Anthony Giddens widerspiegelt. Gerade die verschiedensten Interpretationen des Gesamtwerkes Max Webers und seiner Methode dienen als „Triebfeder“ für neue Reformen oder Synthesen und hatte er der Soziologie zu Ansehen und Anerkennung verholfen. Auch ohne seine entscheidenden Beiträge zur Grundlegung der Soziologie und ihrer Etablierung wäre er wohl in den Geschichtsbüchern zu finden. Allerdings ohne seine zeitgeschichtliche Bedeutung wäre seine Wirkung als Soziologe nicht ganz so durchschlagend gewesen, dies ist aber vielmehr ein soziologisches Indiz für den Wirkungszusammenhanges von Gesellschaft-, Person- und Werkgeschichte. So wird Max Weber zum „Prüfstein“ für das Unternehmen der Soziologie und hat dort seinen festen Platz, bekannt als der „Mythos von Heidelberg“.

Literatur

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  • Kaesler, Dirk [Hrsg.] (2006):
    "Klassiker der Soziologie (1999): Von Auguste Comte bis Alfred Schütz, 5. Auflage, Originalausgabe"
    München
  • Kaesler, Dirk (2003):
    "Max Weber. Eine Einführung in Leben, Werk und Wirkung, 3., aktualisierte Auflage"
    Frankfurt
  • Korte, Hermann/ Schäfers, Bernhard [Hrsg.] (2002):
    Einführung in Hauptbegriffe der Soziologie, 6., erweiterte und aktualisierte Auflage"
    Opladen
  • Korte, Hermann (2004):
    "Einführung in die Geschichte der Soziologie, 7., erweiterte Auflage"
    Wiesbaden


Internetquellen

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Podcast-Tipp

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Soziopod #027: Herrschaften, wer hat hier die Macht?