Enzyklopädie der populären Irrtümer/ Technik

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Enzyklopädie der populären Irrtümer
Literaturverzeichnis – Historie und Danksagung
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Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Glühlampe (1): Heinrich Goebel erfand die Glühlampe

Dass das Marketing- und Erfindergenie Thomas Alva Edison die Glühlampe erfand, ist im deutschen Sprachraum längst als populärer Irrtum bekannt. Nicht zuletzt infolge der nationalistischen Propaganda des Dritten Reichs hält sich dagegen bis heute die ebenso unrichtige Version, wonach vielmehr der in die USA ausgewanderte deutsche Uhrmacher Heinrich (später Henry) Goebel bereits in den 1850er Jahren – gut 25 Jahre vor Edison – die ersten funktionierenden Glühlampen herstellte – angeblich aus Parfümflaschen mit verkohlten Bambusfasern als Glühfaden. Richtig ist: Die Prinzipien, nach denen Glühlampen bis heute funktionieren, waren schon lange vor Goebel bekannt und Forscher aus verschiedenen Ländern hatten auch mit funktionsfähigen Mustern experimentiert. Sogar Glühfäden aus Metall – wie heute üblich – kamen dabei zum Einsatz. So gelang es einem Franzosen um 1820 herum, einen Platindraht in einem teilevakuierten Glasrohr zum Leuchten zu bringen, ein Belgier versuchte es gegen 1838 mit Kohlestäbchen und 1845 wurde in Großbritannien eine funktionierende Lampe (Kohlefaser im evakuierten Glaskolben) patentiert. Sie konnte sich am Markt ebensowenig behaupten, wie Goebels „Erfindung“ von 1854 (wie meistens kolportiert wird), denn noch fehlten ein allgemein verfügbares Stromnetz und geeignete Pumpen, um die Glaskolben für eine annehmbare Lebensdauer ausreichend zu evakuieren. 1874 baute der russische Forscher Alexander Lodygin ebenfalls eine Glühlampe und wenig später, noch vor Edisons durchschlagendem Erfolg, benutzte er Wolfram als Glühfaden – so wie noch heute in den normalen Glühlampen. 1878 patentierte der Engländer Swan eine Glühlampe und 1879 folgte Edison. Beide entwickelten eine serienreife, für den Masseneinsatz geeignete Glühlampe – das ist ihr Verdienst. Edison (er entwickelte mit der Lampe das noch heute gängige Sockelgewinde) gewann den Patentstreit, in dessen Verlauf sich Goebel nach Edisons ersten kommerziellen Erfolgen als eigentlicher „Erfinder“ meldete, und kooperierte dann mit Swan. 1882 versuchte dann Goebel, von Edisons Erfolgen getrieben, seinerseits mit einem Patent seine Rechte geltend zu machen. Das Patent wurde erteilt, aber brachte Goebel keinen Vorteil. Edisons praxistaugliche Entwicklung setzte sich weltweit durch.

[Bearbeiten] Glühlampe (2): Häufiges Ein- und Ausschalten verringert die Lebensdauer von Glühlampen

Die Beobachtung, dass der Defekt einer Glühlampe häufig bei einem Einschaltvorgang erfolgt, führt zu der verbreiteten Annahme, dass ein häufiges Ein- und Ausschalten deren Lebensdauer verringert. Die Lebensdauer unterliegt jedoch vorwiegend einem reinen Alterungsprozess. Die Glühwendel einer Glühlampe hat eine Betriebstemperatur von ca. 3000 Grad Kelvin. Dabei verdampft die Glühwendel zwar sehr langsam aber sicher und wird dabei immer dünner. Irgendwann ist dann die Glühwendel so dünn, dass sie wie eine Schmelzsicherung durchbrennt. Da die Wendel beim Einschalten einer erheblich höheren Belastung unterliegt, passiert dies häufig genau bei diesem Vorgang.

Diese höhere Belastung entsteht dadurch, dass der Metallfaden der Glühlampe einen positiven Temperaturkoeffizienten hat. Der elektrische Widerstand verhält sich dabei annähernd proportional zur absoluten Temperatur und ist im kalten Zustand etwa eine Größenordnung kleiner als bei der Dauerbetriebs-Temperatur. Somit fließt beim Einschalten ein etwa zehnfach höherer Strom als während des Dauerbetriebs durch den dann heißen Glühfaden mit dem dann hohen elektrischen Widerstand.

Diese Belastung ist aber nicht so hoch, dass sie die Abnutzung im Normalbetrieb merklich beschleunigt. Handelsübliche Glühlampen können mehrere hunderttausend Schaltzyklen vertragen. Eine Glühlampe, die 300.000 Schaltzyklen vertragen könnte, würde bei einem Schaltzyklus von je 10 Minuten Ein- und 10 Minuten Ausschaltzeit theoretisch über 10 Jahre halten, dies wird aber eben durch den beschriebenen Alterungsprozeß abgekürzt.

[Bearbeiten] Quantensprung: Ein Quantensprung ist eine wesentliche Veränderung

Der Begriff Quantensprung wird in der Physik für den hypothetischen sprunghaften Übergang eines Systems aus einem Quantenzustand in einen anderen verwendet. Selbst wenn dabei eine „Entfernung“ überbrückt würde, wäre diese sogar im Verhältnis zu einem Atomkern mikroskopisch klein. In diesem Sinne ist, selbst bei richtiger inhaltlicher Verwendung in einem Vergleich, praktisch nur der kleinstmöglichen „Sprung“ bzw. die kleinstmögliche Zustandsänderung bezeichnet. Vermutlich durch die falsche Zuordnung des Quantensprungs in die Astronomie wird aber in Reden und Aussagen regelmäßig Quantensprung als Benennung eines enormen Fortschritts oder einer großen Änderung verwendet.

[Bearbeiten] Reifenwechsel: Bei einer Reifenpanne wird der „Reifen gewechselt“

Heutige PKW- und auch fast alle LKW-Reifen sind „schlauchlose“ Produkte, in denen jede Menge moderne Technologie – u.a. hochfeste Stahlseile im Wulstkern – steckt. Sie werden auf einem Rad montiert – und zwar mit speziellen Maschinen – und dann aufgepumpt. Das ganze Gebilde heißt dann korrekt „Komplettrad“. Selbst Mechanikern dürfte es bei einer Panne schwerfallen, allein mit dem üblichen Bordwerkzeug eines PKW, den beschädigten Reifen von der Felge und einen neuen ohne Beschädigung auf sie zu montieren. (Die Bezeichnung „Felge“ ist übrigens, wenn auch umgangssprachlich und durch die Werbung verbreitet, ebenfalls nicht ganz korrekt. Die Felge ist nur der äußere, zylinderähnliche Teil, der mit der geprägten Radschüssel, bzw. bei Drahtspeichenrädern mit der Radnabe, verbunden ist.) Da die heute üblichen Räder, auch Leichtmetallräder, meist einteilige Konstruktionen sind, hat sich die Bezeichnung Felge bzw. „Alu“felge durchgesetzt und „Rad“ wird für das Komplettrad verwendet. Der „Reifenwechsel“ ist also eigentlich in den meisten Fällen ein Komplettrad- oder mindestens ein Radwechsel.

[Bearbeiten] Sauerstoffflaschen: In Taucherflaschen und Atemschutzgeräten der Feuerwehr ist reiner Sauerstoff

Es mag stimmen, dass der Mensch Sauerstoff zum Leben braucht. In Taucherflaschen, genauer in Drucklufttauchgeräten der allermeisten Tauchsportler, ist aber nicht reiner Sauerstoff, sondern ganz normale komprimierte Luft aus der Umgebung mit ca. 78 % Stickstoff, 21 % Sauerstoff, Edelgasen (Argon) und Kohlendioxid. Es sind beim Gerätetauchen noch andere Mischverhältnisse möglich und üblich (bis zu 50 % Sauerstoffgehalt), mittels deren man sich eine längere Gesamttauchzeit durch die geringere Aufsättigung des Gewebes durch eine niedrigere Tauchtiefe erkauft. Das Drucklufttauchen mit reinem Sauerstoff würde ab ca. sieben Metern Tauchtiefe eine Sauerstoffvergiftung hervorrufen. Der einzige Einsatzzweck von reinem Sauerstoff unter Wasser ist die sogenannte „feuchte Dekompression“. Hier wird, in Ermangelung einer Druckkammer, ein verunfallter Taucher wieder auf einige Meter ins Wasser gelassen, wo er unter geringem Druck in etwa fünf Metern Tiefe den restlichen Stickstoff aus dem Gewebe atmet. Diese Vorgehensweise ist in Europa und den USA eher unüblich und wird nur in einigen Gegenden um Kanada noch eingesetzt, da hier die Rahmenbedingungen (fast kein Wellengang, ganzjährig durchwärmtes Wasser) für dieses gefährliche Prozedere ausreichend sind.

Auch bei Atemschutzgeräten der Feuerwehr kommt normale komprimierte Druckluft zum Einsatz.

[Bearbeiten] Silikon: Das englische Wort „silicon“ heißt auf Deutsch „Silikon“

„Deinen Job macht jetzt ein Stück Silikon“ sang Klaus Lage in den achtziger Jahren in seinem Lied „Monopoly“. Es ist jedoch recht unwahrscheinlich, dass er damit tatsächlich Silikon meinte, denn die Silizium-Sauerstoff-Verbindung Silikon wird hauptsächlich als Dichtstoff, für Brustimplantate und für Gussformen verwendet, und das nimmt keinem Menschen den Job weg. Vermutlich ist Lage (bzw. Wolf Maahn, der Autor des Lieds) darauf hereingefallen, dass das englische Wort „Silicon“ dem deutschen Wort „Silikon“ recht ähnlich sieht. „Silicon“ heißt jedoch korrekt übersetzt „Silizium“, und damit hat der Text wieder Sinn. Den Job der angesprochenen Person macht nun also ein Stück Silizium, aus dem Computerchips gefertigt werden. Silikon heißt auf Englisch „silicone“. Derselbe Übersetzungsfehler findet sich auch in der deutschen Fassung des James Bond-Films "Im Angesicht des Todes" in der Szene in Zorins Zeppelin.

[Bearbeiten] String-Taste: Auf Computer-Tastaturen gibt es eine String-Taste

Hat keine String-Taste, dafür aber eine Steuerung-Taste: deutschsprachige Computer-Tastatur

Die Bezeichnung „Strg“ gibt es nur auf deutschsprachigen Computer-Tastaturen und bedeutet „Steuerung“. Eine „String“-Taste gibt es dementsprechend nicht und würde auch keinen Sinn haben, denn String steht im Zusammenhang mit Computern für eine Zeichenkette, was an dieser Stelle nicht passt. Auf englischsprachigen Tastaturen (sowie z. B. auch auf schweizerdeutschen) steht übrigens „Ctrl“ auf der entsprechenden Taste, und das steht für „Control“. „Steuerung“ ist die korrekte Übersetzung von „Control“.

Die String-Taste wurde aber auch nicht fälschlicherweise durch den Begriff für Zeichenkette „erfunden“, sondern entstand durch sog. „Verballhornung“. Da Menschen für Abkürzungen gerne Wörter sagen (wie NASA als Wort gesprochen wird und nicht en, a, es, a), leider war das bei Strg nicht so gut zu bewerkstelligen, so dass sich das lautlich in String wandelte.

Weitere beliebte Bezeichnungen dieser Taste sind „strange“ (engl. „merkwürdig, komisch“) sowie „strong“ (engl. „stark“, „fett gedruckt“). Diese Bezeichnungen rühren möglicherweise von der (falschen) Überzeugung her, dass alles am Computer eine englische Bezeichnung haben müsse.

Die Taste AltGr steht für „alternative graphic“ und nicht für Altgriechisch oder auch „alt groß“.

Anmerkung: Früher, ca. 1978-1982 in der Zeit von PET und C64, bezeichte man eine Zeichenkette in BASIC durch das Hinzufügen des „$“ zum Variablennamen. Deshalb wurde die Dollar-Taste „$“ gerne als String-Taste bezeichnet.

[Bearbeiten] Telefon (1): Philipp Reis erfand das Telefon

Philipp Reis (1834–1874) baute 1861 eine Vorrichtung zur elektrischen Tonübertragung mit einem Stück Wursthaut mit einem feinen Platinstreifen als Trommelfell. Dieses wird von einem stromdurchflossenen Draht berührt. Schallwellen versetzen das „Trommelfell“ in Schwingungen, die den Stromkreis zwischen Metallstreifen und der Drahtfeder unterbrechen. Als Empfänger dient eine um eine Stricknadel gewickelte Kupferdrahtspule, durch die Stromimpulse vom „Trommelfell“ fließen. Die durch das pulsierende Magnetfeld bewegte Nadel übersetzt die Impulse wieder in Schallwellen; zur Verstärkung der Töne setzt Reis ein Holzkästchen als Resonanzboden ein.

Technisch betrachtet konnte die Vorrichtung nur bei sehr schwacher Berührung des Platinblechstreifens durch die Drahtfeder funktionieren. Diese Einstellung konnte von jeder geringen mechanischen Erschütterung und Temperaturänderung zu Fall gebracht werden. In dieser Form war die Vorrichtung nicht praxis- und alltagstauglich und da Reis auch keine Verbesserungen durchführte, führte dies nicht zu einer Entwicklung und Verbreitung des Telefons. Siehe auch: Erfindung des Telefons

[Bearbeiten] Telefon (2): Alexander Graham Bell erfand das Telefon

Um das Jahr 1875 waren vor allem Alexander Graham Bell, Antonio Meucci und Elisha Gray in den USA damit befasst, ein Telefon zu entwickeln. Der aus Italien stammende Theatermechaniker Meucci baute schon 1854 eine Fernsprechverbindung für seine Frau, die aufgrund eines rheumatischen Leidens ihr Zimmer nicht verlassen konnte. Meucci führte sein Gerät 1860 öffentlich vor und beschrieb es in einer italienischen Zeitung in New York.

Bell war Anfang des Jahres 1876 noch nicht in der Lage, ein Telefon zu bauen, dennoch reichte sein Anwalt am 14. Februar 1876 einen Patentantrag ein, nur zwei Stunden bevor der gleichfalls an einem Telefon-Apparat arbeitende Elisha Gray dies tun konnte. Zugute kommt Bell dabei, dass das Patentamt einige Jahre zuvor die Anforderung fallen ließ, mit dem Patentantrag ein funktionierendes Modell einzureichen. Mit dem erfolgreichen Patentantrag konnte Bell seinen Konkurrenten – darunter auch Thomas Alva Edison – wirksam eigene Telefon-Entwicklungen untersagen.

Bell gelangte schon vor seinem Patentantrag in den Besitz von Meuccis Materialien und Unterlagen, als dieser durch einen Unfall schwer verletzt wurde und seine Werkstatt verkaufen musste. Als Meucci 1874 seine Gerätschaften und Unterlagen zurückfordert, wird ihm mitgeteilt, man habe diese verloren. Für die Realisierung des praxistauglichen Telefons musste Bell zudem noch auf Ideen von Elisha Gray zurückgreifen. Siehe auch: Erfindung des Telefons

[Bearbeiten] UFO: UFOs sind außerirdisch

Die Abkürzung UFO steht für Unidentifiziertes Flugobjekt und bezeichnet damit nicht unbedingt ein außerirdisches Raumfahrzeug, wie häufig angenommen. Im Prinzip ist also jedes fliegende Objekt am Himmel ein UFO, allerdings nur solange, bis es identifiziert worden ist.

[Bearbeiten] Das Atomkraftwerk Tschernobyl wurde 1986 zerstört

Viele Menschen glauben, dass das AKW in Tschernobyl bei der Katastrophe von Tschernobyl ausbrannte und vollständig zerstört wurde. Außerdem ist die Vorstellung vieler Menschen die, dass man das Gelände um den Atommeiler nicht mehr betreten könne, ohne sofort lebensgefährlich verstrahlt zu werden. Tatsächlich wurde bei der Katastrophe 1986 aber nur der Block 4 zerstört. Die anderen Blöcke (insgesamt 5 weitere) blieben bestehen und lieferten teils noch jahrelang Strom. Der letzte Block wurde erst im Jahre 2000 abgeschaltet. Bis zu diesem Zeitpunkt arbeiteten 9.000 Menschen im Kraftwerk, heute sind es immer noch 3.000 die in unmittelbarer Nähe zum zerstörten Block 4 arbeiten.

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