Baltische Länder: Von der Aufklärung bis zur Entstehung der Nationalstaaten

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Zusammenfassung des Projekts - Länderprofile - Vorgeschichte und Christianisierung - Religiöse Spaltungen und wechselnde Herrschaften - Von der Aufklärung bis zur Entstehung der Nationalstaaten - Unabhängigkeit in der Zwischenkriegszeit - Die baltischen Staaten unter Fremdherrschaft - Von der singenden Revolution bis zur Gegenwart - Übergreifend

Die Entstehung der baltischen Nationalstaaten[Bearbeiten]

Die Philosophie der Aufklärung hatte, wenn auch eher indirekt, die Legitimität der alten Herrschaftsform des Feudalismus mit seiner Einteilung in Herrschende und abhängige Untertanen in Frage gestellt. Die Idee von der grundsätzlichen Gleichwertigkeit der Menschen, vom Recht des Einzelnen auf persönliche Freiheit kam den Interessen der aufsteigenden bürgerlichen Schichten entgegen. Die Vereinigten Staaten hatten sich für unabhängig erklärt, und die französische Revolution verwirklichte den Gleichheitsgedanken in besonders radikaler Form und exportierte diese Ideen während der französischen Feldzüge nach ganz Europa.

Auch nach der Niederlage Napoleons blieben diese Ideen lebendig. Praktisch überall in Westeuropa wurde die Bauernbefreiung eingeleitet, und selbst in den zu Russland gehörenden Ostseeprovinzen wurde sie zwischen 1816 und 1819 durchgeführt. Gleichzeitig forderten besonders in Deutschland viele Intellektuelle die Gewährung demokratischer Rechte. Aber das war nicht alles. Die großen Erfolge der französischen Truppen wurden nicht nur mit der Rückständigkeit der herkömmlichen Herrschaftsordnung in Verbindung gebracht, sondern auch mit der territorialen Zersplitterung. Hinzu kam, dass die französische Besetzung weiterer Teile Deutschlands von vielen als „gesamtdeutsche“ Schmach empfunden wurde. So trat zu der Forderung nach demokratischen Rechten die Idee der Bildung eines großen deutschen Nationalstaates.

Wenn auch zunächst nicht an eine völlige Abschaffung der Monarchie gedacht war, so stand dahinter doch an Stelle des bisherigen Untertanenverhältnisses der Gedanke der Bindung eines jeden einzelnen an sein Volk, an seine Nation. Diese Idee vom Volk als einer Herkunfts-, Kultur- und Sprachgemeinschaft, eben der Nation, die in der Regel ein bestimmtes Territorium für sich beansprucht, wurde in den folgenden Jahrzehnten zu einer der wichtigsten politischen Triebkräfte in ganz Europa. Dabei entwickelte sich diese Idee von den eigentlich emanzipatorisch freiheitlichen Wurzeln besonders in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts in vielen Staaten hin zu einem übersteigerten, intoleranten Nationalchauvinismus.

Diese Entwicklung des Nationalstaatsgedanken läßt sich am Beispiel Preussens und Deutschlands in der Behandlung der nationalen Minderheiten und Volksgruppen gut nachvollziehen. Unter nationalen Minderheiten sind dabei Gruppen zu verstehen, die anderswo einen eigenen Staat haben, wie etwa die Dänen im heutigen Deutschland. Autochthone, d. h. schon lange ansässige Volksgruppen wie die Sorben verfügen dagegen nicht über einen eigenen, außerhalb des jeweiligen Siedlungsgebietes gelegenen Staat.

Nach den drei polnisch-litauischen Teilungen 1772, 1793 und 1795 durch Österreich, Russland und Preussen gab es in Preussen neben einer großen polnischen auch eine kleine litauische Minderheit. Noch zu Beginn des 19. Jh. konnten die Polen sich ihrer Sprache nicht nur in den Schulen, sondern auch vor Gericht und im Umgang mit Behörden uneingeschränkt bedienen. Auch das Paulskirchenparlament von 1848 sah für den geplanten Nationalstaat die Gewährung von Minderheitenrechten vor und verabschiedete sogar eine entsprechende Resolution. Aber bereits kurz nach der Reichsgründung wurden im Schulsprachengesetz von 1873 und im Geschäftssprachengesetz von 1876 der Gebrauch der Muttersprache ganz auf den privaten Bereich zurückgedrängt, und viele Intellektuelle stimmten dem zu oder legten zumindest keinen Widerspruch ein. Die Litauer in Preussen versuchten in mehreren Petitionen an den Kaiser vergeblich, eine Zulassung des Litauischen wenigstens im Religionsunterricht zu erreichen. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass die verstärkte Entwicklung des Nationalbewusstseins bei den großen Völkern meist die Tendenz zu einer verstärkten Vereinheitlichung zur Folge hatte - bis hin zur Unterdrückung nationaler Minderheiten und Volksgruppen.

Meist verstärkte diese repressive Tendenz der großen Völker nur den Widerstand der Betroffenen und förderte gleichzeitig ein gesteigertes Bewußtsein für die eigene Sprache und Kultur. Während aber z. B. die Griechen im osmanischen Reich bereits über ein ausgeprägtes Nationalbewusstsein verfügten, entwickelte sich ein solches bei vielen kleinen europäischen Völkern erst im Laufe des 19. Jh.

Der tschechische Historiker Miroslav Hroch entwickelte ein idealtypisches, dreistufiges Schema für die Entwicklung solcher Nationalbewegungen:

1. Eine Gruppe von Individuen, meist Intellektuelle, entdeckt ihr Interesse für die nationale Sprache, Kultur, Religion und ggfs. Vergangenheit der meist unterdrückten kleinen Nation. Sie haben in der Regel noch keinen breiten sozialen Einfluß. In diesem Stadium können kleine Intellektuellenzirkel in Form von Vereinen entstehen, die ersten bescheidenen Publikationen erscheinen. Oft mit emanzipatorischem und aufklärerischem Impetus.

2. Das Interesse für die eigene Nationalidentität erfaßt breitere Gruppen. Es entwickelt sich ein „nationsinterner“ Diskurs. Die Nation als Identitätsangebot wird Gegenstand einer mehr oder minder bewußten Kampagne. Bereits in dieser Phase können Pläne für eine partielle Unabhängigkeit oder Autonomie bis zur Forderung nach einem eigenen Nationalstaat auftauchen.

3. Der Nationalismus wird ein Massenphänomen und erfaßt weitere Bevölkerungsschichten. Es kann eine Differenzierung in verschiedene Gruppen auftreten bis hin zur Radikalisierung. In dieser Phase kann die Forderung nach einem Nationalstaat bereits im Zentrum stehen.

Auch bei den drei baltischen Völkern lassen sich diese Phasen in der Entwicklung der Nationalbewegungen deutlich erkennen. Sie zogen sich über mehrere Jahrzehnte von der ersten Hälfte des 19. Jh. bis zum Anfang des 20 Jh. hin. Das Entstehen dieser Nationalbewegungen war die Voraussetzung für die späteren Staatsgründungen im Gefolge des 1. Weltkriegs. Die Litauer, Letten und Esten bildeten im 19. und 20. Jahrhundert ihre eigene Hochkultur heraus, die aus der früheren Volkskultur entstand.


Alte Definitionen von „Nation“

Nation [Enzyklopädie des europäischen Ostens (EEO)]

Gedanken über die Entstehung der Baltischen Laender [1790]

Finnen, Letten und Preußen [J. G. HERDER. Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit. Vierter Teil, Sechzehntes Buch, Kapitel 2] ––– „Das Schicksal der Völker an der Ostsee macht überhaupt ein trauriges Blatt in der Geschichte der Menschheit. (...) Die Litauer, Kuren und Letten an der Ostsee sind von Ungewissem Ursprunge, aller Wahrscheinlichkeit nach indessen auch dahin gedrängt, bis sie nicht weiter gedrängt werden konnten.“

Herder and Lithuanian Folksongs [Guntis Šmidchens: "The German philosopher Johann Gottfried von Herder (1744-1803) is remembered as an important international scholar who turned the world’s attention to Lithuanian folksongs. From the point of view of literary analysis, he imagined that these songs were beautiful because their singers remained close to nature, unspoiled by modern civilization. This article speculates that there was another, personal angle to Herder’s studies, noting themes that are shared in the songs and in love letters exchanged between Herder and his fiancée, Karoline Flachsland."]

W. v. Humboldt (1809). Unmassgebliche Gedanken über den Plan zur Einrichtung des Litauischen Schulwesens [Auszug aus: Der Königsberger und der Litauische Schulplan. In: Ders, Werke in fünf Bänden, hrsg. v. A. Flitner und K. Giel, Darmstadt 1964, Band IV, S. 187 – 191.]

Heinrich Johann von Jannau „Geschichte der Sklaverey und Charakter der Bauern in Lief- und Ehstland. Ein Beytrag zur Verbesserung der Leibeigenschaft.(1786)“

Die freien Letten und Esthen: eine Erinnerungs-Schrift zu dem am 6ten Januar ... [Riga, 1820]

Versuch einer Entwicklung der Sprache, Abstammung, Geschichte, Mythologie und bürgerlichen Verhältnisse der Liwen, Lätten, Eesten; mit Hinblick auf einige benachbarte Ostseevölker, von den ältesten Zeiten bis zur Einführung des Christenthums [Volume 1, 1839]

Die deutsch-russischen Ostseeprovinzen, Bd1: Natur- und Völkerleben in Kur-, Liv- und Estland [Autor: Kohl, Johann Georg (1808-1878) deutscher Schriftsteller, Ethnograf und Geograf, Erscheinungsjahr: 1841]

Sitzungsberichte der Gesellschaft für Geschichte und Altertumskunde der Ostseeprovinzen Russlands aus dem Jahre 1912 [This Elibron Classics book is a facsimile reprint of a 1914 edition by Gesellschaft für Geschichte und Altertumskunde der Ostseeprovinzen Russlands, Riga.]

Litauer in der Provinz Ostpreußen

Litauer (Preußen) [Enzyklopädie des europäischen Ostens (EEO)] ––– Preußen (Provinz) [Enzyklopädie des europäischen Ostens (EEO)] ––– Das Bild Preussisch Litauens im 18. Jahrhundert im Werk von K.Donelaitis [Autor: Alina Kuzborska (Universität Warschau). Erstveröffentlichung in: KWARTALNIK NEOFILOLOGICZNY, XLIII, 2/96] ––– Litauische Briefmarke zum 300. Geburtstag von Kristijonas Donelaitis [2014] ––– Quellen zur Alltagsgeschichte in Preußisch-Litauen (18.-20. Jahrhundert) ––– Ostdeutschlandsarbeiterbewegung: Ostpreußen ––– Kleinlitauen auf den preußischen Karten des 18. Jahrhunderts [Artikel von Rasa Seibutytė in: Annaberger Annalen, Ausgabe 15 / 2007] ––– Gedanken und Fakten zur Bevölkerungsentwicklung in Ostpreußen ––– Preussen 1801-1807 [G. Droysens Historischer Handatlas, 1886] ––– Karte des Preußischen Staates zu allgemeinen Uebersicht des Wachsthums der Besitzungen des Hauses Brandenburg seit dem zwölften Jahrhundert, / von A. W. Möller [Hamm und Münster : Schulz & Wundermann, 1822] ––– Ausschnitt der "Sprachenkarte von Deutschland" Andrées Weltatlas 1880 ––– Nationalitäten-Karte der Provinz Ostpreussen [Nationalitäten-Karte der Provinz Ostpreussen / auf Grund amtlicher Angaben entworfen von Paul Langhans. Gotha : Perthes, 1907. Diese 1907 erschienene Karte zeigt die Provinz Ostpreußen und deren Nationalitäten. Vorteil dieser Karte ist, dass sie interaktiv nutzbar ist und sehr präzise Angaben enthält. Eine Erläuterung dazu ist ebenfalls erhältlich.] ––– Otto Glagau. Littauen und die Littauer [Tilsit : Reyländer, 1869] ––– F. Tetzner. Das litauische Sprachgebiet [Quelle: Globus. Illustrierte Zeitschrift für Länder- und Völkerkunde. Vereinigt mit der Zeitschrift „Das Ausland“ / Herausgeber: Dr. Richard Andree, Braunschweig: Verlag Von Friedr. Vieweg & Sohn, 19. Juni 1897, Bd. LXXI, Nr. 24, S. 381–384.] ––– DIE LITAUISCHE LITERARISCHE GESELLSCHAFT – DIE FESTHALTERIN DES ERBES EINER “STERBENDEN NATION” 1879−1923 ––– Die nationale Identität der Kleinlitauer und ihre kulturellen Aktivitäten 1871–1914 [Zusammenfassung aus dem Buch von Silva Pocytė: „Mažlietuviai Vokietijos imperijoje 1871–1914“, Vilnius: Vaga, 2002, S. 295–303. –– „Die Germanisierungspolitik des deutschen Reiches, die auf Einschränkungen des Sprachgebrauches der nationalen Minderheiten gerichtet war, löste die kulturelle Bewegung der Kleinlitauer um die Bewahrung der Muttersprache aus.“] ––– Drei königstreue Litauer beim 25. Regierungsjubiläum Wilhelms II. ––– „Kleine, einfache, ungebildete litauische Bauern…“: Martynas Jankus und das Deutsche Reich ––– Die Kirche in Klein-Litauen ––– Trachten in Kleinlitauen [Copyright © litauen.info 2008-2012] ––– The Clothing of Lithuania Minor (Klaipėda region) [By Teresė Jurkuvienė. Translated by Monika Žebriūnaitė-Edgar and Laima Gaigalaitė. Illustrated by Laisvė Ašmonaitienė.] ––– Bildarchiv Ostpreußen ––– Das schöne Preussisch-Litauen [Plakat, 1919] ––– Ostpreußen - der Untergang einer deutschen Provinz ––– Interaktyvus Rytų Prūsijos žemėlapis [Interaktive Karte Ostpreußens, 2013] ––– Die Litauisch und Kurisch sprechen [Kapitel aus dem Buch von Hermann Pölking „OSTPREUSSEN: Biographie einer Provinz“ (2011)] ––– Litauische Familiennamen [Autor: © 2007 Dr. Erwin Krause. Quelle: "Memel-Echo" - Mitteilungsblatt des Freundeskreises Memelland/Litauen Raisdorf e.V." Nr. 44/2007] ––– „Pruzzenland“. Neue Wege in ein fast vergessenes Land ––– Ostpreußen-Gesamtübersichtskarte

Die Memel ist im Deutschlandlied erwähnt

Videos: A Stewardess in the TV Show "Pan Am" sings0:35... --- Das Lied der Deutschen. Die Geschichte einer Hymne23

Aufsätze: Das Lied der Deutschen - Die Geschichte einer Hymne --- Das Lied der Deutschen --- A.H. Hoffmann von Fallersleben: „Das Lied der Deutschen“ (1841) --- Stimmt's?: Lied der Deutschen [ZEIT Online, 6. Juli 2006. Quelle: DIE ZEIT, 06.07.2006] --- Das wahre Lied der Deutschen

Aufgabe: Die polnische und deutsche Nationalhymne im Vergleich [Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen beiden Hymnen können Sie vor dem historischen Hintergrund ihrer Entstehungsgeschichte feststellen?]

Die erste Strophe: Die zweite Strophe: Die dritte Strophe:
Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt,
Wenn es stets zu Schutz und Trutze
Brüderlich zusammenhält,
Von der Maas bis an die Memel,
Von der Etsch bis an den Belt –
Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt!
Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang
Sollen in der Welt behalten
Ihren alten schönen Klang,
Uns zu edler Tat begeistern
Unser ganzes Leben lang –
Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang!
Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
Brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
Sind des Glückes Unterpfand –
Blüh im Glanze dieses Glückes,
Blühe, deutsches Vaterland!

Kartenskizze mit Maas, Memel, Etsch, Belt

Litauen[Bearbeiten]

Anfang des 19. Jh. war man am Zarenhof noch der Auffassung, dass Litauen mit seinem polnisch orientierten Adel dem russischen Staat loyal gegenüberstand. Auch die Führungsschicht in den baltischen Ostseeprovinzen mit ihren weitreichenden Sonderrechten standen zu diesem Zeitpunkt fest zum Zaren. Viele deutsche Adelige machten in russischen Diensten Karriere.

Bald aber zeigte sich, dass die russischen Integrationsversuche überall, wo eine polnisch orientierte katholische Adelsschicht dominierte, auf große Widerstände stieß. Die begrenzte Autonomie stellte den polnischen Adel nicht zufrieden. In zwei großen Aufständen 1830/31 und 1863/64 versuchte der Adel, die russische Oberherrschaft abzuschütteln und die Unabhängigkeit des polnisch-litauischen Staates wiederzugewinnen. An den Aufständen beteiligten sich auch litauische Adelige und Bauern.

Auf die Niederschlagung der Aufstände folgten stets repressive Maßnahmen des russischen Staates. Nach dem ersten Aufstand wurde die Universität Vilnius geschlossen. Viele der Aufständischen flüchteten ins Ausland und wurden dort als Freiheitskämpfer gefeiert. Nach dem zweiten Aufstand verbannte die Regierung mehrere tausend Aufständische nach Sibirien. Die Regierung beschloss, die Bezeichnungen Polen und Litauen offiziell nicht mehr zu verwenden. Mit Versprechungen und gezielter Propaganda wurde versucht, die meist litauisch sprechenden Bauern zur Orthodoxie zu bekehren und damit für die russische Kultur zu öffnen. Zu diesem Zweck wurde 1864 sogar die Verwendung des lateinischen Alphabets verboten. Litauische Bücher sollten nur noch in kiryllischer Schrift gedruckt werden. Die Bevölkerung aber widersetzte sich diesen Zwangsmaßnahmen. Während besonders in Vilnius das Polnische an Einfluss gewann, wurden besonders im Bistum Žemaitija und im Gouvernement Suwalki verbotene litauische Bücher verbreitet, die im benachbarten Ostpreußen gedruckt und eingeschmuggelt wurden.

Später als sonst in Europa wurde im russischen Reich die Leibeigenschaft erst 1861 aufgehoben. Dies war die Voraussetzung für die wachsende wirtschaftliche Unabhängigkeit der Bauern und die rasch einsetzende soziale Differenzierung, die ihrerseits zur Heranbildung einer aus dem Bauernstand stammenden, litauisch orientierten Bildungsschicht führte. Besonders innerhalb der katholischen Kirche boten sich jungen litauischen Schulabgängern Aufstiegschancen. Der wohl bekannteste geistliche Würdenträger des 19. Jh. war Motiejus Valančius, gleichzeitig auch der erste Litauer bäuerlicher Herkunft, der es bis zum Bischof brachte. Der ebenfalls aus dem Bauernstand stammende Priester Antanas Baranauskas, der später Bischof von Seinai im Gouvernement Suwalki wurde, sagte von Valančius, dass er „die litauische Zunge“ gerettet habe. Zu einem großen Teil ist es den von Valančius aktiv geförderten litauisch eingestellten Priestern zu verdanken, dass in der Žemaitija und im Gouvernement Suwalki das litauische Bewusstsein nicht nur erhalten, sondern auch gefördert wurde. Bereits zu dieser Zeit wurden in diesem Gebiet die Grundlagen für die Formierung der litauischen Nation gelegt.

In den letzten Jahrzehnten des 19. Jh. entwickelte sich aus dem Bauernstande auch eine weltliche Intelligenz, die sich bald für die nationalen Interessen der Litauer stark zu machen begann. Besonders viele dieser Intellektuellen stammten aus litauischen Kreisen im Suwalki Gouvernement. In diesem Gebiet war bereits während der kurzen napoleonischen Herrschaft 1808 die Leibeigenschaft aufgehoben worden. Daher konnten die Bauern es hier viel früher zu einem bescheidenen Wohlstand bringen und wenigstens einem Kind eine Schul- und Universitätsausbildung ermöglichen. Ein erstes Ergebnis der Aktivitäten dieser Intellektuellenkreise war die Herausgabe der Zeitung „Aušra“ (Morgenröte), die in Ostpreussen gedruckt und illegal über die Grenze geschmuggelt wurde (1883-1886). Noch bedeutender aber war die Zeitung „Varpas“ (Die Glocke), die von 1889 bis 1906 herausgegeben wurde. Die Nationalbewegung teilte sich bald in eine katholische, eine demokratisch nationale und eine sozialistische Richtung. Diese Gruppierungen gaben auch bald ihre eigenen Zeitungen heraus. Obwohl die parteilichen und ideologischen Gegensätze zwischen den Strömungen bis zum ersten Weltkrieg eher noch wuchsen, fanden sich doch die Gruppen in entscheidenden Momenten immer wieder zu gemeinsamem Handeln bereit. Das zeigte auch die allrussische Revolution von 1905, als alle wichtigen Aktivisten sich in Vilnius zum sogenannten „Großen Landtag von Vilnius“ versammelten. Auf dieser Zusammenkunft erhoben sie die Forderung nach kultureller und politischer Autonomie laut. In den litauischen Dörfern wurde mit der Einrichtung von lokalen Selbstverwaltungen begonnen, russische Lehrer und Beamte wurden vertrieben. Nur mit Hilfe der Armee gelang es den russischen Behörden, die alte Ordnung wieder herzustellen. Auch weiterhin konnten politische Gruppierungen ihre Tätigkeit allenfalls unter erschwerten Bedingungen ausüben. Im kulturellen Bereich dagegen wurden viele Bestimmungen gelockert. Es durften Kultur- und Bildungsvereine sowie landwirtschaftliche Genossenschaften gegründet werden, litauische Zeitungen und Bücher konnten, wenn auch von Staatsorganen kontrolliert, legal erscheinen. In das vom Zaren unter dem Druck der revolutionären Ereignisse einberufene allrussische Parlament, die Duma, entsandten auch die Litauer einige Abgeordnete. Wenn auch dieses Parlament kaum über reale politische Macht verfügte so trug es doch zur Verstärkung des politischen Bewusstseins der Litauer bei.

Nach Beginn des ersten Weltkrieges besetzten die kaiserlichen Truppen bis Ende 1915 das gesamte litauisch besiedelte Territorium. Es wurde dem neu gebildeten Okkupationsgebiet „Das Land Ober Ost“ zugeschlagen. Hunderttausende von Litauern waren dem Aufruf der russischen Behörden gefolgt und hatten sich nach Russland begeben. Ein Ziel der deutschen Militärverwaltung des besetzten Gebietes war es, Nahrungsmittel und andere materielle Güter für die kämpfenden Truppen einzuziehen. Durch dieses Vorgehen empfanden viele Bewohner auf dem Lande die deutsche Okkupation als bedrückend. Auf der anderen Seite versuchte die deutsche Führung besonders ab 1917, als die Lage Deutschlands kritisch wurde, den Kampf mit Russland gegenüber den Westmächten ideologisch als „Befreiung der Völker aus dem russischen Völkergefängnis“ darzustellen. Litauische Vertreter erhielten die Erlaubnis, eine allgemeine Konferenz einzuberufen und einen 20-köpfigen Landesrat unter Vorsitz von Antanas Smetona zu bilden, der die Interessen der Litauer vertreten sollte.

Dieser Landesrat - er nannte sich bald eigenmächtig „Litauischer Rat“ (Lietuvos Taryba) - verstand sich aber nicht nur als Exekutivorgan der Deutschen, sondern verfolgte das Ziel, einen litauischen Staat zu errichten. Als aber der Litauische Rat am 16. Februar 1918 die Unabhängigkeit des litauischen Staates beschloss und die entsprechende Erklärung die Einberufung eines demokratisch gewählten Vorparlamentes und keine enge staatliche Bindung an Deutschland vorsah, verboten die deutschen Stellen Abdruck und Verbreitung der Resolution. Erst als die deutsche Niederlage offensichtlich war, konnten die litauischen Vertreter Zug um Zug die reale Verfügungsgewalt übernehmen.

Bis zur vollständigen Errichtung der Staatlichkeit waren aber noch viele Hindernisse zu überwinden.



V. Petronis: Constructing Lithuania [Vytautas Petronis. Constructing Lithuania: Ethnic Mapping in Tsarist Russia, ca. 1800-1914. Stockholm: Almqvist & Wiksell, 2007. 309 S. Reviewed by Jörn Happel. Published on H-Soz-u-Kult (August, 2009)] ––– Christian Vandermotten [Christian Vandermotten, « V. Petronis, Constructing Lithuania. Ethnic mapping in Tsarist Russia, ca. 1800 – 1914 », Belgeo [En ligne], 1 | 2009, mis en ligne le 19 mai 2013, consulté le 07 avril 2016.] ––– Besprechung von Karsten Brüggeman [Veröffenntlicht in Forschungen zur baltischen Geschichte 4/2009, S. 327-330. Vytautas Petronis: Constructing Lithuania. Ethnic Mapping in Tsarist Russia, ca. 1800–1914 (Acta Universitatis Stockholmiensis. Stockholm Studies in History, 91; Södertörn Doctoral Dissertations, 21).] ––– Reviewed by Steven Seegal [Ab Imperio, 1/2008] ––– Theodore R. Weeks. Putting Lithuania on the Map in Imperial Russia [Historisk Tidskrift, 2008:2, p. 233-237.]

Zum Zusammenhang zwischen nationaler Identitätsbildung und Katholischer Kirche in Litauen In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts [Christina Juditha Nikolajew. Dissertation, 2005] ––– „Mir stellte sich die Frage, wie es dazu kam, dass die Litauer und der Katholizismus eine so enge Bindung eingegangen sind, die man als symbiotisch bezeichnen könnte. Nach dem Durchforsten einiger Geschichtswerke gewann ich den Eindruck, dass die Bindung an die katholische Kirche, mit dem Prozess der Bewusstwerdung als Litauer, unter den Repressionen der russischen Okkupation, im 19. Jahrhundert entstanden ist.“

Vom Großfürstentum zum Nationalbewusstsein [DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11./12. 5. 2002] ––– „Litauen teilte die Geschicke Polens: bei den Teilungen kam es zu Russland. Der erwachende Nationalismus strebte - in wachsendem Gegensatz zu den Polen - einen Staat der Litauer an.“

Die Rolle der 'polnischen Frage' im europäischen Mächtesystem vom Ausbruch des Großen Nordischen Kriegs 1700 bis zum Ersten Weltkrieg [Veranstaltungsbeschreibung]

Massengrab napoleonischer Soldaten in Litauen gefunden [Bild der Wissenschaft, 2002.03.22]

Die Lituanistische Bewegung zu Anfang des 19. Jahrhunderts [Zusammenfassung aus dem Buch von Vincas Maciūnas „Lituanistinis sąjūdis XIX amžiaus pradžioje, Kaunas, 1939“] ––– „Das 19. Jahrhundert ist das Zeitalter der völkischen Wiedergeburt der Litauer. In dem Ideenkreis des wiedererstehenden Litauens bemerkt man ein immer stärker werdendes Interesse an der Muttersprache, an der Geschichte des Heimatlandes und überhaupt am eigenen Volke, an seinem Leben, seinen Sitten, seinem Schaffen...“

Der Hain von Anykščiai ––– Anyksciai Regional Park

Presseverbot [Artikel von Vanda Stonienė, 1997] ––– „Das Presseverbot war ein Verbot der Regierung des zaristischen Russlands in Litauen und im europäischen Russland, das litauische Bücher in lateinischen Buchstaben zu drucken und einzuführen umfasste. Das Verbot galt von 1864 bis 1904.“

Schmuggel als Lebensform an der Grenze [Artikel von Ruth Leiserowitz, 2002] ––– „Die Grenze, die im Mittelpunkt meiner Ausführungen steht, ist eine historische, die heute nur noch teilweise als Grenzlinie in den Atlanten aufgefunden werden kann. Sie trennte Preußen von Litauen und später das Deutsche Reich vom zaristischen.“

Vienažindžio Lietuva [Musikvideo über Antanas Vienažindys (1841 - 1892)]

Litauische Maler in München [Artikel von Aušrinė Slavinskienė in: zeitenblicke 5 (2006), Nr. 2] ––– „Der Beitrag analysiert das Schaffen einiger bekannter litauischer Maler der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und vom Anfang des 20. Jahrhunderts, welches in der Münchner Umgebung gereift war. Die meisten von ihnen bedienten sich eines realistischen Stiles und ergänzten ihn durch neoromantische Züge. Es ist wichtig zu unterstreichen, dass diese Maler an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert aktiv die Physiognomie der litauischen Kunst mitbestimmten.“

Michal Lusnia. Die Lage in Polen und Litauen [1905]

„Wilno – eine Perle in dem ruhmreichen Königreich Polen“ [1915]

Zerstörungen in Wilna. Das vollständig niedergebrannte, frühere vornehme Viertel in Wilna [Foto. Enlarge Image!]

"Aufruf" an die Litauer, Polen, Weißrussen und Juden wegen steigender Ernährungsschwierigkeiten, selbst Kartoffeln und Gemüse anzubauen

"Bekanntmachung" über die Gültigkeit von russischen Kupfermünzen wegen Mangels an Scheidemünzen[Herausgeber: Militärverwaltung Litauen Bezirk Süd, Bialystok]

Die Ostprovinzen des alten Polenreichs (Lithauen u. Weissruthenien...) [Buch von Leon Wasilewski, 1916]

Christian Westerhoff: Zwangsarbeit im Ersten Weltkrieg [Buchrezension von Stephan Lehnstaedt]

Litauen im Ersten Weltkrieg [Bearbeiter: Vytautas Petronis (Vilnius)]

Republik statt Königreich [DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. - 20. 5. 2002] ––– „Im Ersten Weltkrieg wurde mit deutscher Hilfe der litauische Nationalstaat aus der Taufe gehoben. Deutschlands Niederlage verhinderte eine Art Protektorat.“

Urach, Wilhelm II.; Herzog von [Photos]

Lettland[Bearbeiten]

„Es sieht so aus, das die Anfänge der nationalen Erwachen der Letten und auch Esten ist eng mit der Bewegung der herrnhutischen Brüdergemeinde verbunden – also viel früher, als die Jungletten haben ihre Tätigkeit entfalten – aus der Reihen der lettischen Herrnhuter entkammen die ersten nationalen Gelehrten, nationale Inteligentz, ohne die die nationale Erwachen unmöglich ist.“ [Aus dem Bericht von Gvido Straube „Kirchenpolitik, Russifizierung und baltische Nationalisierungsprozesse“ auf der Konferenz „Kirche und Nation in Ostmitteleuropa im 19. Jahrhundert (1848-1914)“, Lüneburg, 26.-28. Oktober 2006.]

Mit der Aufhebung der Leibeigenschaft erhielten die Bauern in Kur- und Livland zwar ihre persönliche Freiheit, der Grund und Boden aber blieb im Besitz der Gutsherren. Die ehemaligen Leibeigenen wurden zu Landarbeitern – oftmals beim gleichen Großgrundbesitzer – oder aber sie wanderten in die Städte ab. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jh. setzte vermehrt der Verkauf von Land an die Bauern ein; das hatte eine starke soziale Differenzierung der ländlichen Bevölkerung zur Folge.

Zunächst führte die Aufhebung der Leibeigenschaft zu einem deutlichen Anstieg der städtischen Bevölkerung und damit verbunden einem ständigen Wachstum der Industrie. Erstmals brachten es auch Letten auf dem Land wie in der Stadt zu einigem Wohlstand. Diese Kreise begannen sich für kulturelle Fragen zu interessieren und waren besonders darauf bedacht, ihren Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Es gab lettischsprachige Grundschulen, aber an Gymnasien und anderen weiterführende Schulen in Kurseme und Vidseme war Deutsch Unterrichtssprache. Eine Hochschulausbildung, ebenfalls in deutscher Sprache, war an der Universität Tartu (Dorpat) möglich, die im estnischen Teil des Gouvernements Livland lag. Die erste regelmäßig erscheinende lettischsprachige Zeitung „Latviešu Avīzes“ (Latweeschu Awises) erschien ab 1822 in Jelgava (Mitau). Auch das Angebot an lettischer Literatur nahm langsam, aber stetig zu.

Zu dieser Zeit waren die ortsansässigen Baltendeutschen der Meinung, dass nur Bauern und Arbeiter mit geringer Bildung Letten sein könnten, ein gebildeter Lette dagegen zum „Deutschen“ würde. Tatsächlich gab es solche Letten, die sich nach ihrer Ausbildung von ihrer ethnischen Herkunft lösten und selbst im Kreis der Familie Deutsch sprachen. Als Protest gegen die Germanisierung der lettischen Intelligenz entstand in der 50er Jahren des 19. Jh. die Bewegung der „neuen Letten“, die anfangs hauptsächlich an der Universität Tartu aktiv waren. Später wurde Petersburg zum wichtigsten Zentrum dieser Bewegung, wo ab 1862 auch die progressive Zeitung „Peterburgas Avîzes“ erschien. In anderen Zeitungen, die in Lettland herausgegeben wurden, konnten die „neuen Letten“ ihre Ansichten wegen der Zensurmaßnahmen der örtlichen Behörden, in denen die Baltendeutschen großen Einfluss hatten, nicht frei publizieren. Die „neuen Letten“ riefen alle Letten dazu auf, sich zu bilden, ihre wirtschaftliche Tätigkeit zu intensivieren und das ethnische Selbstbewusstsein zu stärken.

Die konservativen Baltendeutschen warfen den „neuen Letten“ vor, dass sie die Bauern zum Aufstand aufrufen würden. Die Beschwerden der Baltendeutschen wurden auch an die obersten russischen Behörden gerichtet, und 1865 wurde der „Peterburgas Avîzes“ geschlossen. Das nationale Selbstbewusstsein der Letten aber war schon erwacht. Zu den bekanntesten „neuen Letten“ zählen: K. Valdemârs, der sich besonders in wirtschaftlichen Fragen engagierte, K. Barons, der die Sammlung lettischer Volkslieder begründete, und der Poet J. Alunâns.

Riga wurde zum Zentrum des lettischen geistig-kulturellen Lebens. Wohlhabende und gebildete Letten gründeten hier 1868 die Rigaer Lettische Gesellschaft. Im Jahre 1873 fand das erste allgemeine lettische Liederfest statt. In dieser Zeit wurde die rot-weiß-rote Flagge zum Nationalsymbol der Letten, und auch eine Nationalhymne wurde geschrieben. So vollzog sich in nahezu allen Teilen Lettlands die nationale Konsolidierung des lettischen Volkes.

Nur in Lettgallen verlief die Entwicklung etwas anders. Während in allen anderen Gebieten hauptsächlich Deutsche die privilegierte Schicht bildeten, waren es in Lettgallen adlige Gutsherren, die der polnischen Sprache und Kultur verbunden waren. In wirtschaftlicher Hinsicht war das Gouvernement Vitebsk, dem Lettgallen damals angehörte, vergleichsweise rückständig. Diese Rückständigkeit schlug sich auch im Bildungswesen nieder.

Nach der Niederschlagung des polnischen Aufstandes von 1863/64 wurde in Lettgallen (wie analog auch in Litauen) der Druck der Muttersprache im lateinischen Alphabet verboten. Dieses Verbot blieb bis 1904 in Kraft. Dies hatte eine beschleunigte Russifizierung Lettgallens zur Folge, was wiederum den Graben zwischen den Lettgallern und den übrigen Letten noch vertiefte. Die nationale Erweckung vollzog sich in Lettgallen erst zu Beginn des 20. Jh. und damit rund 50 Jahre später, als im übrigen Lettland.

Die Russifizierung erfaßte allerdings auch in den restlichen Teile des Landes, aber später. Vom Jahre 1885 an mußten alle Fächern mit Ausnahme von Religion auf Russisch unterrichtet werden. Auch die Behörden gingen endgültig zum Russischen über. Die Russifikation betraf neben den Letten genauso die Baltendeutschen, die von früheren Zeiten her gewisse Privilegien bezüglich der deutschen Sprache gehabt hatten. Ungeachtet dieser Schwierigkeiten waren die Esten und Letten die gebildetsten Völkerschaften des Russischen Imperiums. Am Ende des 19. Jh. konnten mehr als 90% der Bewohner in Vidzeme und Kurzeme lesen und schreiben.

Am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts vollzog sich in Lettland eine breitangelegte Industrialisierung. Riga stieg zur drittgrößten Stadt des Russischen Reiches auf. Über die Häfen Riga, Liepâja (Libau) und Ventspils (Windau) wurde fast die Hälfte des russischen Außenhandels abgewickelt. Neue Eisenbahnlinien wurden angelegt. Der Urbanisierungsgrad in Lettland übertraf das durchschnittliche russische Maß bei weitem. So lebten in Lettland etwa 29% der Bewohner in Städten, während in Russland diese Zahl nur 13% ausmachte. Das rasche Wachstum der Arbeiterschaft in den Städten ließ auch die sozialen Probleme ansteigen.

In den 90er Jahren breiteten sich in Lettland die Ideen des Sozialismus aus und fielen in den Reihen der jungen Intellektuellen auf fruchtbaren Boden. Auch die Poeten Rainis und Aspazija symphatisierten mit diesen Ideen. Im Jahre 1897 wurden einige führende Propagandisten der sozialistischen Richtung verhaftet. Die Ideologie verbreitete sich in der Folgezeit illegal im Untergrund in einer radikaleren Ausprägung. 1904 wurde im Untergrund die Lettische sozialdemokratische Arbeiterpartei (LSDAP) gegründet; sie war die erste politische lettische Partei überhaupt.

Die Revolution von 1905 nahm in Lettland drastische Formen des Protestes an. Die Auseinandersetzung wurde gleichzeitig um die nationale Befreiung sowie die soziale und politische Gleichberechtigung geführt. In den Dörfern kam noch der Kampf gegen Reste der aus dem Mittelalter herrührenden gutsherrlichen Privilegien hinzu. Die Idee eines autonomen Lettlands wurde propagiert. Die wichtigste politische Kraft in den revolutionären Ereignissen war die LSDAP, die damals rund 18.000 Mitglieder hatte. Nachdem die russische Armee das Feuer auf eine friedlich demonstrierende Menschenmenge eröffnet hatte - es gab 73 Tote und mehr als 200 Verletzte -, bildeten die Revolutionäre bewaffnete Einheiten. Auch die Gutsherren stellten Verbände auf, den sogenannten Selbstschutz. Das führte zu bewaffneten Zusammenstößen mit revolutionär eingestellten Letten. Die russischen Machthaber entsandten Einsatztruppen gegen die Revolutionäre. Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung äscherten die Letten etliche Gutshöfe ein und brachten einige Gutsherren um, und die Einsatztruppen ihrerseits verhafteten und exekutierten Revolutionäre, brannten Bauernhöfe, Schulen und Gebäude in einigen Gemeinden nieder. An einigen Orten kam es zu erbitterten Gefechten zwischen den bewaffneten revolutionären Einheiten und der russischen Armee, in deren Verlauf die Armee sogar Artillerie einsetzte. Im Zuge der Unterdrückung der revolutionären Bewegung wurden 2.600 Revolutionäre getötet, etwa ebensoviele wurden nach Sibirien zur Zwangsarbeit verbannt, Tausende emigrierten in den Westen.

Unter dem Druck der Revolution ging die Russifizierung etwas zurück. Die ersten bürgerlichen Parteien wurden gegründet, die allerdings nicht groß waren und kaum Einfluss auf die staatliche Politik hatten.

Mit Einbruch des 1. Weltkriegs nahmen deutsche Kriegsschiffe schon am zweiten Kriegstag die Stadt Liepāja unter Beschuss. Direkte Kampfhandlungen auf lettischem Gebiet begannen im Frühjahr 1915 mit dem Vormarsch der deutschen Truppen. Im Herbst des gleichen Jahres festigte sich die Frontlinie entlang des Flusses Daugava (Düna). Dadurch war Lettland für die folgenden zwei Jahre aufgeteilt. Während Vidzeme und Lettgallen russisch beherrscht blieben, gehörten Kurzeme und Semgallen zum deutschen Besatzungsgebiet. Rund 800.000 Bewohner verließen das Land als Flüchtlinge. Auf Anordnung der russischen Regierung wurde fast die gesamte Industrie Rigas evakuiert. Im Laufe eines Monats wurden in rund 16.000 Waggons die Einrichtungen von Industriebetrieben abtransportiert. Nach dem Vorstoß einiger lettischer Politiker wurde von den obersten russischen Stellen die Erlaubnis erteilt, gesonderte lettische Schützeneinheiten zu bilden. So wurden neun lettische Schützenregimenter aufgestellt, die sich an der Front bei der Verteidigung Rigas besonders auszeichneten.

Nach der Februarrevolution in Russland konkurrierten im nicht besetzten Teil Lettlands Bolschewiki und die nach nationaler Autonomie bzw. später Unabhängigkeit strebenden bürgerlichen lettischen Parteien. Nach dem Regierungsumsturz im Oktober 1917 errangen in Russland die Bolschewiki die Macht. Sie standen der lettischen Unabhängigkeit ablehnend gegenüber. Die radikalen Ideen der Bolschewiki wirkten auf den größten Teil der lettischen Schützen, die dann für einige Zeit die zuverlässigsten Truppen der Sowjetmacht waren. Im Februar 1918 besetzten die deutschen Truppen das gesamte Territorium Lettlands. Ein Teil der Baltendeutschen strebte danach, einen monarchisch aufgebauten, halb von Deutschland abhängigen Staat mit den Gebieten Kurzeme, Vidzeme, Semgallen und Estland zu gründen. Erst die Zerschlagung des kaiserlichen Deutschlands machte diesen Plänen ein Ende.

Die Vertreter der lettischen politischen Parteien mit Ausnahme der Bolschewiki waren sich Ende 1917 über die Notwendigkeit der Gründung eines unabhängigen Staates einig. Dem standen aber nicht nur die deutschen Besatzungsbehörden, sondern auch die Räte der Bolschewiki entgegen. Erst nach der Novemberrevolution in Deutschland konnte in Riga die Errichtung der unabhängigen Republik Lettland proklamiert werden. Kurz danach fiel mit dem Abzug der deutschen Truppen die bolschewistische Rote Armee in Lettland ein. Die Übergangsregierung Lettlands sah sich zum Rückzug nach Liepāja gezwungen. Das ganze Jahr 1919 stand unter dem Zeichen des Befreiungskampfes nicht nur gegen die Rote Armee, sondern auch gegen verschiedene andere Gegner der Unabhängigkeit, zu denen auch viele Baltendeutsche und die zarentreuen russischen Weißgardisten gehörten. Der Freiheitskrieg wurde am 11. August 1920 mit der Unterzeichnung des Friedensvertrages zwischen Lettland und Sowjetrussland beendet.



Kulturschub zum Nationalbewusstsein [DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13./14. 7. 2002] ––– Das aufkommende nationale Empfinden im lettischen Volk wird beschrieben. Die Pflege der lettischen Sprache, Rückbesinnung auf die eigene Kultur und Beschäftigung mit der eigenen Vergangenheit traten in diesem Zusammenhang verstärkt in den Vordergrund.

Staatsrecht des Herzogtums Livland [der Jahre 1721 bis 1918]

Klavins (Kļaviņš), K. Die Interpretationen des Mittelalters und Lettland während des nationalen Erwachens der Letten [Baltica: Die Vierteljahresschrift für Baltische Kultur. 2000, Heft 3, Herbst. S. 10-21] ––– „In diesem Artikel soll das Geschichtsbewußtsein und besonders die Rezeption des Mittelalters in den Werken einiger Mitglieder des nationalen Erwachens der Letten behandelt werden. Das Mittelalter vor der „deutschen Eroberung“ wurde als die für das Lettentum wichtigste Zeit und Quelle des Freiheitsgedankens im Sinne der Emanzipation von der deutschen Oberschicht verstanden.“

Lantkahrte no latweeschu semmes [Die erste lettische Karte vom lettischen Autor Krišjānis Barons, veröffentlicht in 1859.]

Rigasche Stadtblätter für das Jahr 1869 [Riga, gedruckt bei Wilhelm Ferdinand Häcker. 1870]

K. Wohlfart: Der Rigaer Letten Verein und die lettische Nationalbewegung [Rezension]

Gegen die baltischen Barone [DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20./21. 7. 2002] ––– „In der russischen Revolution von 1905 versuchten die Letten den Aufstand gegen ihre unmittelbaren Herren, die baltendeutschen Gutsbesitzer.“

Die 700 - jährliche Jubelfeier der Stadt Riga im Jahre 1901 [Abbildungen, Druckschriften, Dokumente in den Beständen der Akademischen Bibliothek Lettlands] ––– „Bücher und Zeitschriften, Photographien, Ansichtskarten, Jubiläums - Andenken bewahren und bestätigen jetzt das weite Ausmaß und Prunk des 700 - jährlichen Jubelfestes der Stadt Riga.“

Terra Mariana ["Terra Mariana": das Album der Reproduktionen (1903)]

Estland[Bearbeiten]

Der nationale Aufbruch der kleinen Völker wurde insbesonder durch Johann Gottfried Herders „Ideen zur Philosophie und Geschichte der Menschheit“ gefördert. Dieses Werk enthält ein eigenes Kapitel über die finnischen und baltischen Völker. Deutsche Pfarrer und Intellektuelle waren auch führend in der 1838 gegründeten „Gelehrten Estnischen Gesellschaft“. Das Studium des Estnischen wurde gefördert, Volkslieder und folkloristische Überlieferungen gesammelt. Immer mehr Bücher erschienen in estnischer Sprache.

Eine wichtige Grundlage für das nationale Erwachen bildeten die Gesetze von 1849 und 1856, die den Bauern eine gewisse Zuteilung von Land brachten und die Ablösung der Fronarbeit durch eine Geldzahlung. 1866 verloren die Gutsherren die Kontrolle über die örtlichen Gemeindeverwaltungen.

Es entstand erstmals eine nationale Zeitung unter Johann Voldemar Jannsen. Eine grössere Zahl estnischer Gebildeter trat jetzt in Erscheinung. Grundthema der Literatur in diesen Jahren der nationalen Besinnung (1860-1880) ist die in romantischer Färbung bekundete Vaterlandsliebe, die besonders bei der Tochter von J.V. Jannsen, Lydia Koidula, zum Ausdruck kam. Diese Frau ziert heute in Estland den Hundert-Kronen-Schein. Bekannt geworden sind vor allem ihre Lieder „Meine Heimat ist meine Liebe“ und „Dich meine Heimat will ich lieben bis in den Tod“.

Das gehäufte Einreichen von Bittschriften an die Regierung kennzeichnete das Erwachen der nationalen Bewegung. Das nationale Selbstbewusstsein spiegelte sich auch in Massenveranstaltungen und Kollekten für die geplante Gründung einer Oberschule für Bauern mit Estnisch als Unterrichtssprache (Alexanderschule), die allerdings nicht verwirklicht werden konnte. Es wurden landwirtschaftliche und kulturelle Gesellschaften gegründet sowie Nationaltheater in Tartu und Tallinn (Estonia).

Nach deutschem Vorbild fand 1869 in Tartu, das zum Zentrum der estnischen Nationalbewegung wurde, das erste grosse estnische Sängerfest statt. Es wurde zum Spiegelbild des estnischen Aufbruchs. Die Sängerfeste stellten künftig eine Art Markenzeichen der Esten dar. Die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts standen überhaupt ganz im Zeichen der Nationalbewegung.



Dr. Heinrich von Jannau. Ueber die Grund- und Ursprache der Ehsten und die Mittel zu einer allgemeinen ehstnischen Schriftsprache zu gelangen. Eine historisch, philologisch-critische Untersuchung, nebst kurzer Zusammenstellung, Vergleichung und Würdigung der Finnischen, Livischen, Reval-Ehstnischen und Dorpat-Ehstnischen Sprache. – Pernau, 1828

Дополнительные правила к Положению о крестьянах Эстляндской губернии 1856 г. : Утв. 23 янв. 1859 г.

„Estenlande neu zu schaffen...“ [DER STANDARD-ALBUM, Print-Ausgabe, 14./15. 9. 2002] ––– „Im 19. Jahrhundert erwachte das estnische Nationalbewusstsein. Der Erste Weltkrieg brachte den Esten die Selbstständigkeit. Früher als in Russland selbst wurde in Estland 1816 die Leibeigenschaft aufgehoben.“

Kein Volksepos: Historisierende Kunstdichtung des 19. Jahrhunderts [some1 über die deutsche Ausgabe von „Kalevipoeg. Das Estnische Nationalepos“. Kundenrezension vom 28. Januar 2007 in Amazon.de]

Staatsrecht des Herzogtums Estland [der Jahre 1721 bis 1918]

Staatsrecht des Herzogtums Livland [der Jahre 1721 bis 1918]

Kulturbestrebungen des estnischen Volkes während eines Menschenalters (1869-1900) [Erinnerungen von Heinrich Rosenthal]

Stadtplan von Reval [Veröffentlicht auf Russisch, 1876]

Manifest Eestimaa rahvastele [Unabhängigkeitserklärung Estlands, 1918]

Quellen und Online-Lektüre[Bearbeiten]


Juden

Tagungsbericht Juden im Baltikum in der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Göttingen, 14.06.2003-15.06.2003 [in: H-Soz-u-Kult, 02.09.2003.]


1914-1918

Assasination of Franz Ferdinand [Farbige Karte. Omniatlas © 2012]

Erster Weltkrieg: Die vergessene Front [Artikel von Sven Felix Kellerhoff in: Welt Online, 2. Juni 2004]

DEUTSCHE BESATZUNG IN LITAUEN UND KURLAND IM ERSTEN WELTKRIEG: Der Fall "Ober Ost"

Das Land Ober Ost [DIE ZEIT 51/2002]

Die deutsche Besatzung im Land des „Oberbefehlshaber Ost“ während des Ersten Weltkrieges

Die Grenzmarken des europäischen Russlands, ihre geographische Eigenart und ihre Bedeutung für den Weltkrieg

В БОРЬБЕ С «РУССКОЙ УГРОЗОЙ»: ОСТЗЕЙСКАЯ ЭМИГРАЦИЯ В ПЕРИОД ПЕРВОЙ МИРОВОЙ ВОЙНЫ

Das Land Ober Ost : deutsche Arbeit in den Verwaltungsgebieten Kurland, Litauen und Bialystok-Grodno [1917]

Deutsche Ostpolitik im Ersten Weltkrieg: der Fall Ober Ost 1915-1917 [Monografie von Abba Strazhas, Otto Harrassowitz Verlag, 1993]

Zeitung der 10. Armee [Herausgegeben in Wilna]: 1. Jahrgang: Dezember 1915 - Dezember 1916 ––– 2. Jahrgang: Dezember 1916 - Oktober 1917 ––– 3. Jahrgang: Dezember 1917 - Dezember 1918 ––– Litauen 1916 – Alltag und Besatzung im Ersten Weltkrieg [Kabinettausstellung in der Bibliothek des IZM in Zusammenarbeit mit der Karlspreisstiftung]

Gedenkstätten des Ersten Weltkrieges in Lettland

Waffenstillstandsvertrag von Brest-Litowsk (15. Dezember 1917)

Der Frieden mit Russland [Kölner BildungsServer]

Friedensvertrag zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn, Bulgarien und der Türkei einerseits und Rußland andererseits [Der Friedensvertrag von Brest-Litovsk, 3. März 1918]

Friedensvertrag von Brest-Litowsk (3. März 1918)

Friede mit Russland - der Vertrag von Brest-Litowsk 1918 [Österreichisches Staatsarchiv]

Ein württembergischer Prinz auf dem Thron von Litauen, 1918 [Artikel von Sergej von Cube in: Annaberger Annalen, Ausgabe 8/2000] ––– „Die nachgeborenen Prinzen der deutschen Kleinstaaten hatten es schwer (...). Am Beispiel eines solchen Prinzen, dem Herzog Wilhelm II. von Urach, Graf von Württemberg, wird das Schicksal einer Wahl auf den Thron von Litauen in der Zeit zwischen dem 11. Juli und dem 2. November 1918 nachgezeichnet. “

Der Freiheitskampf - gegen zwei Seiten [DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27./28. 7. 2002] ––– „Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde das Baltikum auf Jahre hinaus Schauplatz von Krieg und Bürgerkrieg. Von den drei baltischen Ländern wurde Lettland am schwersten von den Schrecken des Krieges und der noch schlimmeren Nachkriegswirren heimgesucht.“

Karten[Bearbeiten]

Mapping Europe's Borderlands: Russian Cartography in the Age of Empire [By Steven Seegel. Limited preview in Google Books]

Europe in Year 1900

Erster Weltkrieg [Interaktive Karten mit Erläuterungen mit anklickbaren Schlachten]

Europe plunges into War [A sample animated map]

Alte Karten

Russian Empire (1820)

General-Karte vom Kurländischen Gouvernement [1820]

Carte de la Lithuanie Russe [Lith. de David et Chéon, 1830]

CARTE GÉNÉRALE DE LA POLOGNE en 1830

Europaeisches Russland [Schul-Atlas über alle Theile der Erde nach dem neuesten Zustande, und über das Weltgebäude. Nach Stieler’s Hand-Atlas verkleinert. Acht und Zwanzigste verbesserte und vermehrte Auflage. – Gotha: bei Justus Pertes, 1848]

Ethnographische Karte von Europa [bei Justus Pertes, Gotha, 1847]

Politische Karte Europas ca. 1890 [Meyers Kleines Konversationslexikon. Fünfte, umgearbeitete und vermehrte Auflage. Bd. 1. Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien 1892]

OST-EUROPA, No. 3: Süd-Schweden, die Russischen Ostsee-Provinzen, Polen & West-Russland [Adolf Stielers Handatlas. Gotha: Julius Perthes, 1891, Ost-Europa, No. 46]

Polen u. Westrußland [Meyers Konv.-Lexikon, 4. Aufl.]

Russische Ostsee-Provinzen Livland, Esthland u. Kurland [Meyers Konv.-Lexikon, 4. Aufl.]

Russische Ostsee-Provinzen Livland, Esthland u. Kurland [Diese Abbildung stammt aus der 5. Auflage von Meyers Konversationslexikon (1893-97)]

Ethnic map of the European part of the Russian Empire [Histoire Et Géographie - Atlas Général Vidal-Lablache, Librairie Armand Colin, Paris, 1898]

Europa 1899 [Quelle: D. H. Lange "Volksschul-Atlas", Dreihundertste Auflage, George Westermann in Braunschweig, 1899]

Karte von Littauer-Lettenland [1900]

Europa, politische Übersicht [Bibliothek allgemeinen und praktischen Wissens für Militäranwärter Band I, 1905, № 1 / Deutsches Verlaghaus Bong & Co Berlin * Leipzig * Wien * Stuttgart]

Карта Ковенской губернии [1907]

Mapa sześciu gubernij Litwy i Białej Rusi [Opracował Benedykt Hertz. - Wilno : wyd-wo "Kurjera Litewskiego" : nakład Edmunda Nowickiego] [1909]

Europe at the Present Time [1911]

Karte von Europa im Jahre 1914 [Satyrisch]

Les Provinces Baltiques De La Russie [Drawn by the cartographer G. Peltier, this map was first published as a supplement to a French newsmagazine in 1915 to map the eastern theatre during World War I. It shows East Prussia, western Russia, Poland, and much of the Austro-Hungarian Empire, including Galicia, Bukovina and Transylvania, in excellent detail, identifying small towns and villages, railroads, rivers and their tributaries. The text and legend are in French]

Das Land Ober Ost [Abbildung aus dem Buch: Das Land Ober Ost. Deutsche Arbeit in den Verwaltungsgebieten Kurland , Litauen und Bialystok-Grodno. Hrsg. im Auftrage des Oberbefehlshabers Ost , Stuttgart und Berlin 1917.]

Karte von Litauen [1918]

Map showing territory lost by Russia according to the terms of the Treaty of Brest-Litovsk


zum Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung des Projekts - Länderprofile - Vorgeschichte und Christianisierung - Religiöse Spaltungen und wechselnde Herrschaften - Von der Aufklärung bis zur Entstehung der Nationalstaaten - Unabhängigkeit in der Zwischenkriegszeit - Die baltischen Staaten unter Fremdherrschaft - Von der singenden Revolution bis zur Gegenwart - Übergreifend