Sei doch vernünftig: Kritik

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Kritik und andere Sichtweisen[Bearbeiten]

Im Folgenden kann auf fundamentale Kritik und Alternativen hingewiesen werden. Denn es gibt natürlich philosophische und ethische Auffassungen, die so verschieden von unserer Methode sind, dass es zu tiefgreifend wäre, sie in diesen Text zu flechten, weil dann etwas anderes dabei herauskäme als eine Korrektur und Verbesserung.



Das "Alte Denken" immer wieder neu...[Bearbeiten]

Man sollte die Philosophie, die man heranzieht, zunächst einmal verstanden haben, bevor man sie ins Verhältnis zu einem "anderen" Weg setzt. Die "Arbeit am Begriff" Beispielsweise steht in keinem konträren Verhältnis zu den beispielhaften Kindern, die Ihren Kuchen situativ problembewusst aufteilen, sondern in diesem Verhalten wird das Gerechtigkeitsprinzip - welcher Art es auch immer sei - bereits implizit vorausgesetzt. Die Suche nach einer nicht von egoistischen Interessen geleiteten Problemlösung im Sinne des Allgemeinwohls ist bereits ein gerechtigkeitsorientiertes Verhalten, dem ein Gerechtigkeitsprinzip zugrunde liegt, das das Verhalten selbst nicht erklärt, sondern dessen Folge es ist. "Der Philosoph" würde also versuchen ein Prinzip zu formulieren, das solchen - selbstverständlich unterschiedlich ausgeprägten - situativen Vorhaltensmustern zugrunde liegt, und aber auch vorausgeht. Hier beißt sich in diesem Text die Katze häufig in den eigenen Schwanz. Empfehlenswert zum Verständnis des Gerechtigkeitsprinzips wäre hier das Verstehen der Lektüre : Platon, Politeia...



Vernunft != Präzision[Bearbeiten]

Vorwort: Auch wenn einige der folgenden Anmerkungen und Kritikpunkte sicherlich auch in das Wikibooks eingebettet werden könnten,scheint es mir angebrachter sie aufgrund ihrer Detailtiefe nicht einzuarbeiten,um -gemäß dem Wunsch des Erstautors- die grundlegende Richtung nicht zu sehr zu verändern.

Zunächst werden die Begriffe "richtig" (bzw. "wahr") und "falsch" (bzw. "unwahr") gern und häufig verwendet, ohne dass zuvor definiert wurde, was eigentlich damit gemeint ist. Wenn man dem im Anfang des Buches vorgestellten Ansatz folgt, dass unsere Wahrnehmung unser eigenes Konstrukt ist ("Unsere Vorstellung ist eine selbstgemachte Konstruktion. Sie versucht, ein Original nachzumachen, das wir nie sehen werden.") so sind es auch die Begriffe "wahr" und "falsch" als Teil unserer Vorstellung und können daher nicht als allgemein verständlich und klar angenommen werden, wie es der Autor tut. Im Laufe des Buches wird indirekt klarer, was er sich unter diese beiden Begriffen vorstellt. Ich würde dies folgendermaßen umschreiben: "richtig" = eine versuchte Problemlösung hat den gewünschten Effekt erzielt (oder genauer: die Summe ihrer Effekte ist wünschenswerter als die einer anderen versuchten Problemlösung).

Das dies an der Subjektivität der Bewertung einer Lösung im Sinne von "besser" und "schlechter" nichts ändert, darüber geht der Autor hinweg und schreibt forsch von "objektiven [ethischen] Werten".

Nur weil ethische Werte auf ihre vermeintliche Funktion hin für den Einzelnen überprüft werden können, hat dies nichts mit einer wissenschaftlichen Objektivität zu tun. ("Damit wird Ethik zu einer Wissenschaft!") Denn ob eine Lösungsversuch als "besser" oder "wahr" bewertet wird bleibt, aufgrund der Komplexität der Folgen jedes ethischen Wertes immer noch im Rahmen der individuellen Wünsche und Vorstellung. Und somit stets nur für den Einzelnen relevant und nicht statistisch verlässlich prüfbar wie eine tatsächliche Naturwissenschaft. Man könnte vereinfacht sagen, dass die Maßeinheiten in der Ethik fehlen. Die Kapitelüberschrift sollte daher eher "Überprüfbarkeit von Werten" anstatt "objektive Werte" lauten.

Auch die etwas polemische Abhandlung des radikalen Konstruktivisums als Solipsismus im Kapitel >>Leben ein Traum<< ist sehr unpräzise. Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass der vom Autor selbst in den ersten Kapiteln dargestellte Ansatz der Wirklichkeits(er)findung, ebenso die Einleitung zu einem Artikel über den radikalen Konstruktivismus sein könnte.

Desweiteren hat ironischer Weise gerade ein namhafter Vertreter des radikalen Konstruktivismus nämlich Paul Watzlawick den letzten Aspekt, den ich an dieser Stelle kritisieren möchte in diversen Schriften ("Die erfundene Wirklichkeit", "Vom Schlechten des Guten" u.a.) in ausführlicher Breite dargestellt: Die häufige Unzulänglichkeit des "Satzes vom ausgeschlossenen Dritten" in Rahmen des menschlich alltäglichen Lebens. Der Autor schreibt und argumentiert durchweg mittels klassischer Logik (die auf eben diesem Satz beruht), d.h. er benutzt die Begriffe "wahr" und "falsch" und stellt insgesamt ein recht ausgeprägtes Null-oder-Eins-Denken dar. "Tertium non datur" - "ein Drittes ist nicht gegeben". Ein negativerer Begriff hierfür wäre "Schwarz-Weiß-Denken" und das beste Beispiel aus dem Wikibook ist das angeführte Zitat von Gorbatschow: "Entscheide dich: Willst du Teil des Problems sein oder Teil seiner Lösung? " So schön und einprägsam das Zitat auch ist (und ich hab es in bestimmten Situationen schon selbst angeführt), so ist es dennoch unzutreffend: Denn ich kann auch weder Teil des Problems noch (relevanter) Teil seiner Lösung sein. Beispielsweise bin ich mir nicht bewusst, in welcher Weise ich Teil des Problems "Arbeitslosigkeit in der BRD" sein könnte (ich bin z. Zt. Student) oder wie ich - in Ermangelung der Möglichkeit Arbeitsplätze zu schaffen - Teil seiner Lösung sein sollte?!? (realistische Vorschläge nehme ich gerne entgegen ;-) Streng gemäß der klassischen Logik existiere ich dann wohl nicht, da ich weder Teil der Lösung noch Teil des Problems bin, denn ein Drittens gibt es nicht...

...innerhalb der Konstruktion der klassischen Logik. Womit wohl nahe liegt, dass die in diesem Buch angesprochenen Probleme in den Gebieten der Metaphysik und Ethik nicht so leicht aufzulösen sind, wie der Autor es macht. Oder vielmehr: Sie KÖNNEN natürlich schon so aufgelösst werden, wenn ICH meine VORSTELLUNG der Wirklichkeit entsprechend konstruiere.

Obwohl ich dem Autor in etlichen Punkten des Buches zustimme: Mit klassischer Logik und reiner Vernunft können die metaphysischen Probleme und Fragen des Menschseins ("Nach welchen Werten soll ich handeln?" "Was ist die Wirklichkeit?" ...) nicht aufgelöst werden. Wohlgemerkt bestreite ich nicht, dass man mit ihrer Hilfe nicht durchaus in sich stimmige Antworten und Lösungsversuche finden kann, aber der Weisheit letzter Schluss -wie es meiner Empfinden nach der Autor sehen möchte- ist es dennoch nicht (eben so wenig wie diese Anmerkungen! :-) Und auch wenn ich seine Worte "Hilf mit, Probleme zu lösen! Vergrößere nicht die Probleme in der Welt. Wir haben schon genug Probleme! Sondern versuch' einige zu lösen."nur unterstreichen kann, sollte man sich dessen bewusst sein, dass die "Lösung" eines Problems auch unweigerlich wieder neue Probleme aufwirft. Daher spreche ich in diesem Zusammenhang lieber von einer "Möglichkeit" oder "Änderung" als von einer "Lösung" , aber das sollte niemand davon abhalten, die eine "Lösung" oder Möglichkeit, einer anderen vorzuziehen, sprich etwas zu tun, wenn er das will oder für "richtig" hält.

Oder mit einem Zitat von Mahatma Gandhi: "Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt."

Thomas Häberle


Als Hauptautor möchte ich nicht der Platzhirsch sein, der seinen Text verteidigt. Jeder darf den Text verbessern (nicht verändern!! sondern verbessern!!) Aber werden andere sich beteiligen oder Dir/Ihnen antworten? Leider ist das viel unwahrscheinlicher als ich dachte. Daher:
(1) Nur kurz was über das Definieren. Ich habe wie andere Autoren (in Artikeln) viele Gründe vorgebracht, warum es wichtig ist, sich verständlich auszudrücken und dass dazu nicht nötig ist, alles exakt zu definieren. Diese Gründe diskutiert keiner der vielen, die bei mir exakte Definitionen vermissen (von Prof. Hoerster 1993 bis zu Dir/Ihnen 2008). Die Philosophie an den deutschen Universitäten geht größtenteils darüber hinweg: Man lehrt die Studenten als erstes: Frag "wie definierst du das?", dann bist du ein großer Philosoph und kannst andere in Verwirrung stürzen, denn keiner kann definieren, ohne undefinierte Termini zu gebrauchen (aber das brauchst du ja nicht zu verraten). Lass sie definieren, was "Honig" ist (und "Biene" und "Wabe", und und und), als Vorübung und danach, was "Wahrheit" ist.
(2) Müssen denn Richter oder Wissenschaftler jedesmal definieren, was "Wahrheit" ist und was "richtig" und "falsch" ist? Und wenn das so wäre, hätte nicht längst einer diese Arbeit gemacht? Und dann könnte jeder darauf zurückgreifen. Eine sehr vernünftige Wahrheitsdefinition stammt von Tarski. Sie hat den Umfang eines dicken Buches. Nur wenige verstehen sie. Es ist die wichtigste semantische Wahrheitsdefinition. Aber alle Welt kommt ohne sie aus. Warum?
(3) Weil wir verstehen, ohne jedes Wort zu definieren. Diesen Text zum Beispiel. Wenn etwas unverständlich ist, kann man fragen. Dazu braucht man nicht nach Definitionen zu fragen. Heidegger fragte, was heißt denn das Wort "noch" und schreibt Seiten darüber, die keinem Menschen weiterhelfen. Diese "Philosophie" der Großväter (Deiner Urgroßväter) sollten wir endlich vergesssen und vergraben. Sie führt zu Wortzauber und Sprachmagie, man kann damit imponieren, aber keine wirklichen Probleme lösen. Jeder, der sich zum Beispiel über humanes Sterben und Patientenverfügung Gedanken macht, kommt ohne Wahrheitsdefinition aus und ohne Definition von "richtig" und "falsch". Warum?
(4) Weil wir sowieso nie DIE absolut beste Lösung finden, sondern immer nur unter mehreren Möglichkeiten auswählen. Und dafür taugt meine Methode, die so heftig bekämpft wird (nicht mit Worten, sondern mit Schweigen). Und die so einfach ist, dass Kinder sie verstehen können.
(5) Und die so einfach ist, dass Philosophieprofessoren sagen: ich versteh das Wort "Problem" nicht; ich das Wort "Wahrheit" nicht, ich versteh das Wort "richtig" nicht; ich versteh das Wort "nicht" nicht. Ja, man kann sich immer so stellen, ALS OB man etwas nicht versteht, Und dagegen kämpfen bekanntlich Götter selbst vergebens.
(6) Ein großer Philosoph werden, der die Leute mit Begriffsdenken (statt Problemdenken) in ehrfürchtige Verwirrung stürzt. Mach's nicht nach: es könnte Dir gelingen.
(7) Im übrigen kann ich Dir in vielem zustimmen. Aber dass ausgerechnet ich ein Vorreiter der zweiwertigen Logik sein soll, wo ich mich immer über "binäres Denken" lustig gemacht habe, ist bitter. Kleine Testfrage, ob Du weißt, worüber Du sprichst: Wann darf man denn die zweiwertige Logik anwenden? Und wo wenden wir alle im Alltagsleben (ohne Mühe und ganz gerechtfertigt) eine siebenwertige Logik an?
Gruss Hjn 11:13, 10. Jul. 2008 (CEST)
Keine Antwort ist auch eine Antwort - heißt es im Volksmund. Und keine Antwort nach drei Jahren, was sagt der Volksmund dazu? Schweigen ist Gold! wahrscheinlich. Der Volksmund irrt: Nachdenken ist Gold, Arbeiten ist Gold, Schreiben ist Gold, Mitmachen ist Gold! (Es gibt nur nichts dafür.) Schade, dass ich hier immer noch nicht wieder so mitmachen kann wie ich möchte. Dafür sind zwei neue Bücher inzwischen erschienen. Was sagt der Volksmund dazu? - Nichts, sagt er. -- Mit Gruss Hjn 16:06, 26. Aug. 2011 (CEST)


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