Soziologische Klassiker/ Das soziologische Dorf/ Strukturfunktionalismus

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Strukturfunktionalismus[Bearbeiten]

Funktionalistisches Denken war in der Sozialwissenschaft bereits sehr früh in seinen Ansätzen vorhanden und hat eine weitreichende Entwicklung erfahren.

Die französische Gesellschaft befand sich am Ende des 19ten Jahrhunderts infolge umfassender Veränderungen auf dem Wege von der traditionalen zur modernen, industriellen Gesellschaft. Diese Entwicklung brachte eine tiefgreifende Krise der moralischen Ordnung und der sozialen Integration mit sich. Die seit mehr als drei Jahrzehnten sich wiederholenden Krisen der kapitalistisch organisierten Wirtschaft und das Erstarken der Arbeiterbewegungen hatten den liberalen Fortschrittsoptimismus der Bürger des 19ten Jahrhunderts umschlagen lassen in eine depressive Grundstimmung. Von diesem Krisenbewusstsein war Émile Durkheim (1858-1917) erfasst, dessen Werk tief im französischen rationalistisch-positivistischen Denken verwurzelt ist. Er war beeinflusst von René Descartes, Montesquieu, Condorcet, Saint Simon und Comte, aber er war auch vertraut mit dem angelsächsischen ökonomischen Denken (Herbert Spencer) und dem deutschen Idealismus (Immanuel Kant) Über die rein wissenschaftliche Arbeit hinaus unternahm Durkheim erhebliche Anstrengungen zur Etablierung der Soziologie als wissenschaftliche Disziplin. Durkheims Ziel war die Herausbildung einer moralischen Ordnung, in der sich soziale Integration und individuelle Freiheit gegenseitig stabilisieren.

Emile Durkheim[Bearbeiten]

Der Grundstein für den Strukturfunktionalismus als Paradigma wurde von Emile Durkheim (1858-1917) gelegt. Durkheim etablierte den sozialen Tatbestand als spezifischen Gegenstand der Soziologie. Durkheim zufolge liegt der soziale Tatbestand außerhalb des Individuums, übt einen Zwang zu bestimmten Handlungsweisen aus, ist allgemein bindend für jedes Mitglied einer Gesellschaft, und muss wie ein Ding studiert werden, das heißt als ein Objekt „sui generis“ (eigener Art), das von den individuellen Dispositionen der Akteure losgelöst werden kann. Soziale Tatbestände sind institutionalisierte Verhaltensmuster im oben beschriebenen Sinn. Laut Durkheim sind sie da, noch ehe ein Mensch seine Handlungen in einer bestimmten Situation ausführt, und sie werden auch noch da sein, wenn diese Handlungen beendet sind. Durkheim sprach in seinem Werk ‚Die Regeln der soziologischen Methode’ ausdrücklich die Frage der funktionalen Erklärung institutioneller Praktiken an, aber er befürwortete den Funktionalismus nicht als selbständiges Paradigma, weil es für ihn nicht genug war, die Funktion eines sozialen Phänomens herauszustellen. Um seine Existenz zu erklären müsse auch die Ursache für sein Entstehen aufgedeckt werden. Die Anthropologen Radcliffe-Brown und Malinowski interessierten sich für die typischen Phänomene in frühen Stammesgesellschaften wie z.B. den Austausch von Gütern und Geschenken, Initiationsriten, Totengedenken, Zauberei, Bestrafungen und Versammlungen. Es sind die institutionalisierten Muster der Interaktion, die den spezifischen Charakter und die typischen Phänome der von ihnen untersuchten Gesellschaften ausmachte. Was den Strukturfunktionalismus als Paradigma der Analyse entstehen ließ war die Art und Weise, in der sie an eine Erklärung des Fortbestands dieser Phänomene herangingen. Sie wollten die Funktionen aufdecken, die das Ausführen bestimmter Praktiken für das Funktionieren und für den Fortbestand der Gesellschaft erfüllte. Besonders die Bewahrung der Integration und Solidarität der Gesellschaft wurde zum wichtigsten Referenzpunkt für solche funktionalen Analysen. [1]

Ursprung des Funktionalismus[Bearbeiten]

Der Ursprung des Funktionalismus lag darin, dass Sozialtheoretiker im 19.Jhdt. eine organizistische Theorieanlage wählten, indem sie Gesellschaften mit biologischen Organismen gleichsetzten. Dazu zählten u. a. Auguste Comte, Albert Schäffle, Herbert Spencer und Renè Worms. Sie wurden vom Erfolg der Biologie als Modell des wissenschaftlichen Denkens beflügelt und verfolgten den Wunsch, den Weg zu einer geordneten Gesellschaft aufzuzeigen. Den Anfang machte dabei Auguste Comte, Namens-Spender der Soziologie, und zwar mit seiner Stufenfolge der Wissenschaften. Ausgehend von der Mathematik als Basis aller Wissenschaften bildet die Soziologie über der Biologie die Spitze dieser Stufenfolge. Für die Biologie gilt, dass die Funktion eines Organs ohne den gesamten Körper nicht zu erklären ist. Dies gilt ebenso für einzelne soziale Phänomene in ihrem Verhältnis zum Ganzen der Gesellschaft. Sowohl auf der räumlichen Ebene, als auch hinsichtlich der historischen Entwicklung. Mit dieser Auffassung stellt Comte einen bedeutenden Vertreter organizistischer und geschichtsphilosophischer Gesellschaftswissenschaften dar. [2]

Herbert Spencer[Bearbeiten]

Herbert Spencer (1820-1903) prägte den Begriff „survival of the fittest“ bereits vor Charles Darwin. Er war der Meinung, dass soziale Prozesse von einem universell gültigem Gesetz, dem des Existenzkampfes, bestimmt werden. Er betrachtete soziale Evolution als Entwicklung hin auf die ideale Gesellschaftsordnung und als Differenzierung sozialer Aggregate in funktionale Subsysteme. Spencer verwendet zur Beschreibung der Gesellschaft die Analogie zu einem biologischen Organismus, was später unter anderem die ersten Funktionalisten stark prägte. Im Rahmen seiner Analyse hat Spencer nicht nur alle wesentlichen Probleme der modernen Institutionenlehre aufgezeigt, sondern auch Kernbegriffe der modernen Soziologie herausgearbeitet (soziale Struktur und soziale Funktion), die im Kontext einer Theorie sozialen Wandels stehen. Wie heute die moderne Systemtheorie wollte Herbert Spencer einen wissenschaftstheoretischen Rahmen entwickeln, der in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen anwendbar sein sollte. Er beschäftigt sich mit der gegenseitigen Beeinflussung der Gesellschaft und ihrer einzelnen Teile. Zum Vergleich mit einem lebenden Organismus sagt er: „Die einzelnen Teile eines Tieres stellen ein konkretes Ganzes dar, die Teile einer Gesellschaft hingegen bilden ein Ganzes, welches ein diskretes ist.“ Gemeinsamkeiten bestehen nur bezüglich der Gesetze der Organisation. Spencer hat die Gesellschaft also nicht mit Organismen gleichgesetzt, aber auf einen Parallelismus bestimmter Prinzipien hingedeutet. So wie die Teile in einem Organismus besteht auch die Gesellschaft aus verschiedenen Komponenten, die eine bestimmte Funktion für das Ganze übernehmen. [3]

Robert K. Merton[Bearbeiten]

Der Name Robert K. Merton (1910-2003) ist sehr eng mit der Entwicklung des Funktionalismus nach den kulturanthropologischen Ansätzen verbunden. Als Merton in Harvard studierte, wandte er sich Talcott Parsons (1902-1979) zu, der damals sein Lehrer war und der bereits an seinem Buch „The Socal Structure Of Social Action“ arbeitete. Parsons entwickelte dabei einen Theoretischen Ansatz, der später auch als Funktionalismus, bzw. als Strukturfunktionalismus bezeichnet wurde. Rein chronologisch wäre vielleicht Parsons vor Merton zu nennen, aber diese beiden unterscheiden sich in ihrer Denkweise sehr eindeutig voneinander. Merton konzentrierte sich eher auf die Entwicklung von Theorien mittlerer Reichweite, während Parsons versuchte, ein Denksystem zu entwerfen, welches allen menschlichen Handlungen zu Grunde liege. Parsons ist mit seiner Theorie daher isoliert zu betrachten. Merton formulierte ein Paradigma der funktionalen Analyse, in dem er grundlegende Kritik am Funktionalismus der Anthropologen nimmt. Vor allem an drei Postulaten, die in Malinowskis Version des Funktionalismus wurzeln. Diese drei sind funktionale Einheit, universeller Funktionalismus und funktionale Notwendigkeit.

Merton versuchte, das soziale Handeln von Individuen nicht deterministisch zu erklären, sondern verwies auf die Möglichkeit, dass sie auch von der Norm abweichend handeln können. Dies versuchte er mit einer Vielzahl seiner detaillierten „Theorien mittlerer Reichweite“ zu begründen.

Parsons: Vom Analytischen Funktionalismus zum Neofunktionalismus[Bearbeiten]

Der von Talcott Parsons begründete Analytische Funktionalismus ist eine besondere Form des Strukturfunktionalismus und hat bis in die 60er Jahre die Entwicklung der Soziologie weltweit sehr stark geprägt. Es galt als dominantes Paradigma der Nachkriegssoziologie. Die bedeutendsten Werke von Talcott Parsons waren: The Structure of Social Action, Action Theory and the Human Condition. Parsons widmete sich der Erstellung eines Bezugsrahmens für die Soziologie, durch diesen wollte er eine Verknüpfung des gesamten vorhandenen theoretischen Wissens gewährleisten. Zwischen den einzelnen Werkphasen sind nicht immer klare Grenzen oder fließende Übergänge zu erkennen, interessanter zu beobachten ist die Widersprüchlichkeit dieser „handlungstheoretischen Systemtheorie“ bzw. „Systemtheoretische Handlungstheorie“. „Die Pointe des Strukturfunktionalismus liegt in der Modellierung des Sozialen als normativer Ordnung: als eine Struktur von Sollensregeln. Anders als im interpretativen Paradigma sind Akteure hier Strukturreproduzenten. Das Normensystem ist eher Voraussetzung als Ergebnis des Handelns“. [4]

In seinem Buch „The Structure of Social Action“ versucht Parsons die Kluft zwischen den Gegensätzen des Positivismus und des Idealismus zu überwinden und zeigt dabei die Synthese dieses Gegensatzes sehr deutlich strukturiert auf. Seine besondere Aufmerksamkeit kommt dabei der Fragestellung zu: Wie kommt soziale Ordnung in einer Gesellschaft überhaupt erst zustande?

Soziale Ordnung als zentrales Problem[Bearbeiten]

Seitdem sich die Soziologie als spezifische Fachrichtung etabliert hat, also zwischen den späten neunziger Jahren des 19ten Jahrhunderts und den frühen Jahren des 20sten Jahrhunderts, stellt die Frage nach der sozialen Ordnung ein zentrales Problem der soziologischen Theorie dar. Georg Simmel (1858-1918), der viel zur Entwicklung der Soziologie beigetragen hat, traf genau den Punkt mit einer Frage, die er in Anlehnung an Immanuel Kant (1724-1804) formulierte. Kant beschäftigte sich mit der Frage des Wissens über die Welt. Er fragte: „Wie ist objektives Wissen möglich?“ Simmels Frage lautete: „Wie ist Gesellschaft möglich?“. Mit dieser Frage versuchte Simmel zu klären, wie es möglich ist, dass Menschen in eine Interaktion eintreten und aus ihren Interaktionen die Gesellschaft formen. Simmel führte den Begriff der „Wechselwirkung“ in die Soziologie ein. Wie kommt die Interaktion zwischen den Menschen zustande und wie formt sich daraus die Gesellschaft? Wie ist soziale Ordnung möglich? Folgendes ist gemeint: „Wie ist es möglich, dass Menschen die Handlungen anderer Menschen so voraussagen können, dass sie sich in ihren Handlungen auf die Bestätigungen ihrer Erwartungen durch die Handlungen und Erwartungen anderer Akteure verlassen können?“ [5]

Dazu gibt es zwei unterschiedliche Erklärungsansätze, die Talcott Parsons 1937 beschrieben hat. Positivistische und idealistische Erklärungen von Handlung und Ordnung wurden bereits von Thomas Hobbes, David Hume, Adam Smith, Immanuel Kant sowie Georg Friedrich Hegel bedacht. Schon Kant hat einen Weg hin zu einem Standpunkt gewiesen, der über den Idealismus hinausführt. Aus seinem Werk lässt sich schlussfolgern, dass eine konkrete Ordnung auf einer Kombination aus kategorischen und hypothetischen Normen beruhen muss, also auf einer Kombination aus idealistischen und positivistischen Faktoren.

Dies führt zum Konzept der Interpenetration und zum Versuch der Synthese von Positivismus und Idealismus im Werk Talcott Parsons:

Die voluntaristische Synthese von Positivismus und Idealismus in der Erklärung von Handlung und Ordnung[Bearbeiten]

Voluntarismus heißt, dass Handlungen weder ausschließlich als das Ergebnis von Wahl oder Zwang unter Beachtung von Bedingungen noch ausschließlich als das Ergebnis einer konsequenten Ableitung aus Regeln zu verstehen sind, sondern dass Handlungen das Ergebnis eines Zusammenspiels positivistischer und idealistischer Faktoren sind, die der Einzelne abzuwägen und zueinander in Beziehung zu setzen hat. Das Interesse der Soziologie an der Ordnung der Gesellschaft ist dasselbe wie das Interesse der Naturwissenschaften an der Ordnung der Natur: Das Auffinden von Gesetzmäßigkeiten. [6]

Orientierungsalternativen des Handelns (Pattern variables)[Bearbeiten]

Hierbei geht es um die fünf gleichrangig nebeneinander bestehenden Handlungsmuster. Diese gelten laut Parsons als Handlungsalternativen, zwischen denen der Akteur sich frei entscheiden kann. Sie unterliegen der so genannten Entscheidungsfreiheit bzw. Wahlfreiheit. Diese Wahlfreiheit zwingt aber den Menschen erneut wiederum zu einer Entscheidung. Zusätzlich zu dem Einfluss der oben genannten drei Systeme, deren Einfluss auf jede Handlung mitberücksichtigt werden muss, bestimmen jetzt auch noch zusätzlich die Handlungen durch diese Systeme.

    • Dimensionen der Pattern Variables:
      • Kollektivitätsorientierung vs. Selbstorientierung
      • Diffusität vs. Spezifität
      • Affektivität vs. Affektive Neutralität
      • Partikularismus vs. Universalismus
      • Zuschreibung vs. Leistung

Kollektivitätsorientierung: Anstelle der persönlichen Bedürfnisse sind hier die Allgemeinen Normen und Entscheidungen vorrangig. Entscheidungen werden zum Wohle der Gemeinschaft gemacht.

Selbstorientierung: Der Akteur legt seine Bedürfnisse und Erwartungen als Entscheidungskriterium der Handlung dar.

Diffusität: Der Akteur kann alles in seine Entscheidung einfließen lassen und es gibt keine Kriterien nach denen die Handlungsauswahl erfolgt.

Spezifität: Bedeutet eine sehr klare Richtung, in der vorgegeben wird, nach welchen Kriterien die Handlungsauswahl getroffen muss.

Affektivität: Der Akteur bringt seine Gefühle und Emotionen in die Handlungen mit ein.

Affektive Neutralität: Die Gefühlsebene wird bei diesen Handlungen ausgeschlossen.

Partikularismus: Der Akteur zeigt die Neigungen zu einer Einzelperson oder Gruppe, deren Normen er folgt und die für ihn Gültigkeit haben.

Universalismus: Hier geht es um den Standpunkt von Recht und Unrecht im Allgemeinen, welcher generell für alle Gültigkeit hat und nicht nur für bestimmte Gruppen.

Zuschreibung: Bedeutet, dass der Akteur anderen Personen auf Grund ihrer Merkmale wie z.B.: Alter, Rasse, Herkunft, soziale Schicht bestimmte Handlungen zuschreibt.

Leistung: Der Akteur wird an der Leistung eines anderen Akteurs gemessen, die dieser erbracht hatte, um damit seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

Das Vier - Funktionen – Paradigma (auch AGIL – Schema genannt)[Bearbeiten]

Parsons leitet dadurch allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten ab und entwarf somit eine Unterscheidung von den vier Problemstellungen in Systemen.

    • A: Adaption (Anpassung)
    • G: Goal–attainment (Zielerreichung)
    • I: Integration (Integration)
    • L: Latent pattern maintenance (Erhaltung latenter Strukturen)

Der nächste Schritt für Parsons war nun das Vier – Funktionen – Paradigma mit den Handlungsmustern in Beziehung zu setzen.

    • A: Das Adaptionssubsystem beinhaltet alle an Anpassung orientierten Interaktionen.
    • G: Das Goal-attainment Subsystem beinhaltet alle an Zielerreichung orientierten Interaktionen.
    • I: Das Integrationssubsystem beinhaltet alle an Integration orientierten Interaktionen.
    • L: Das Latent pattern maintenance Subsystem beinhaltet alle an Strukturerhaltung orientierten Interaktionen.

Diese Subsysteme werden zunächst als eine Hierarchie von Bedingungen betrachtet, mit der Rangfolge A-G-I-L, wobei Energie und Dynamik in A am höchsten und in L am niedrigsten ausgeprägt sind. Zweitens werden sie in eine Kontrollhierarchie gebracht, mit der Rangfolge L-I-G-A, wobei Informationen und Kontrolle in L am höchsten und in A am niedrigsten sind. [7]

Sozialsystem und generalisierte Kommunikationsmedien[Bearbeiten]

Nun versuchte Parsons auch seine Analyse des sozialen Systems auf die makrosoziologische Ebene zu übertragen – nämlich auf die Gesellschaft. Die 4 oben genannten Systeme des AGIL – Schemas erhielten einen Namen, um sie in Bezug zur Gesellschaft setzen zu können.

    • A: Das ökonomische System erfüllt nun die Funktion der Anpassung
    • G: Das politische System wurde mit der Funktion der Zielerreichung beauftragt
    • I: Das gesellschaftliche Gemeinschaftssystem erfüllt die Funktion der Integration
    • L: Das soziokulturelle System erfüllt die Funktion der Strukturerhaltung

In einem weiteren Schritt führt Parsons die so genannten generalisierten Kommunikationsmedien ein, sie sollen der Analyse der Systeme und ihrer bereits entstandenen Beziehungen zueinander dienen.

    • A: Hierbei bekommt das ökonomische System Geld
    • G: Das politische System bekommt Macht
    • I: Das Gemeinschaftssystem bekommt Einfluss
    • L: Das soziokulturelle System bekommt Wertebindungen

Conditio Humana[Bearbeiten]

Ein weiterer Schritt von Parsons war nun, nachdem er die Gesellschaft genauestens untersucht hatte, sich mittels der Condition Humana ein Bild über die einzelnen Individuen zu schaffen und natürlich ihre damit verbundenen Handlungsstrukturen. Er überträgt nun sein Vier – Funktionen – Paradigma auf das Schema der Conditio Humana und gründet somit ein neues System.

    • Das telische System
    • Das Handlungssystem
    • Das organische System
    • Das physiko–chemische System

Diese 4 Systeme erfüllen die Funktionen wie im vorher genannten AGIL – Schema, nur eben auf der Ebene der Conditio Humana.

    • L: Das telische System erfüllt die Funktion der Erhaltung der Strukturen des menschlichen Lebens.
    • I: Das Handlungssystem ist für die Integration zuständig und gewährleistet diese durch das Ordnen von Ereignissen in sinnvolle Systeme. Die Bedeutung der Sinnhaftigkeit wird für uns erst durch die Sprache herbeigeführt, welche uns hilft bestimmt Sinnesausdrücke auch besser zu verstehen.
    • G: Das organische System – der menschliche Organismus ist Teil davon – ist sehr zielgerichtet und erfüllt deshalb die Aufgabe der Zielerreichung. Dieses System ist ebenfalls zuständig für die organische Weiterentwicklung, Fortpflanzung und die natürliche Selektion.
    • A: Das physiko–chemische System erfüllt die Funktion der Anpassung innerhalb des gesamten Systems. Es stellt die Ressourcen für die anderen Systeme bereit.

Soziokulturelle Evolution[Bearbeiten]

Parsons war sehr interessiert an der Frage, wie es überhaupt zu einer Evolution der Systeme moderner Gesellschaften kommt und welche Auswirkungen damit verbunden waren. Seine besondere Aufmerksamkeit legte er darauf, welche Entwicklungen bestimmte Gesellschaftstypen mit höheren Kapazitäten zum Vorschein brachten. Er untersuchte dabei, um spezifische Fortschritte herausarbeiten zu können, die unterschiedlichsten Gesellschaftstypen und stellte fest, dass die Ausdifferenzierung und Weiterentwicklung der Gesellschaften stark von einer Reihe bestimmter Faktoren abhängig ist. Diese Faktoren lauten:

  • Anpassungsfähigkeit
  • Kumulatives Lernen
  • Entwicklung intelligenter Technologien
  • Entwicklung einfacher Strukturen hin zu komplexen Gesellschaften
  • Ablösung der Statuszuteilung auf Grund der verwandtschaftlichen Herkunft
  • Ersetzung von Traditionen gegen Ordnungen
  • Bürokratische Organisationen
  • Märkte
  • Geld
  • Universalistische Normen
  • Demokratische Vereinigung
  • Sprache
  • Arbeitsteilung

Dies sind nach Parsons die Faktoren, welche die Evolution der Gesellschaft hervorbrachten. [8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Balog, Andreas / Gabriel, Manfred (Hrsg.)(1998):
    "Soziologische Handlungstheorie. Einheit oder Vielfalt in: Österreichische Zeitschrift für Soziologie. Sonderband 4. Westdeutscher Verlag "
    Wiesbaden
  • Kaesler, Dirk (Hrsg.)(2006):
    "Klassiker der Soziologie. Von Auguste Comte bis Alfred Schütz.5. Auflage. C. H. Beck oHG Verlag"
    München
  • Kaesler, Dirk (Hrsg.)(2007):
    "Klassiker der Soziologie. Von Talcott Parsons bis Anthony Giddens. 5. Auflage. C.H. Beck oHG Verlag"
    München 2007.
  • Münch, Richard (Hrsg.)(2004):
    "Soziologische Theorien. Bd. 3: Gesellschaftstheorie. Campus Verlag GmbH"
    Frankfurt a. Main

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. Münch. Band 3. S. 18ff
  2. vgl. Gabriel
  3. vgl. Kunczik, in: Kaesler. 2006, S. 77ff
  4. Zitat: Balog/Gabriel. S.11
  5. Zitat: Münch. S. 43
  6. vgl. Münch. S. 52 f
  7. vgl. Münch, Band 3, S.71
  8. vgl. Münch, Band 3, S. 41-114