Soziologische Klassiker/ Migrationssoziologie/ Assimilation & Absorption

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Assimilationstheorie von Robert E. Park und Ernest W. Burgess[Bearbeiten]

Race-Relation-Cycle[Bearbeiten]

Robert Parks und Ernest Burgess gehen von einem Race-Relation-Cycle aus, der zustande kommt, wenn ethnische Gruppen durch Migration in einem Gebiet zusammentreffen. Dieser Ablauf enthält fünf unterschiedliche Phasen der sozialen Interaktion, auf die folgend genauer eingegangen wird: Kontaktphase, Wettbewerbsphase, Konfliktphase, Akkomodationsphase, Assimilationsphase.


  • Kontaktphase

Der Kontakt leitet die darauffolgenden Phasen sozusagen ein und bestimmt diese. Obwohl gesellschaftliche Mitglieder voneinander räumlich getrennt wohnen, sind sie durch Wahrnehmung und Kommunikation in sozialer Interaktion. Die Verhaltensweise zwischen Personen und Gruppen von Personen ergibt sich durch die Art des sozialen Kontakts, wodurch sogar kollektive Handlungen entstehen können.


  • Wettbewerbsphase (competition)

Die relevanteste Phase der sozialen Interaktion tritt nach Park und Burgess zwangsläufig ein: die des Wettbewerbs. Jede Lebensform steht durch ein Wettbewerbsverhältnis in Verbindung zueinander, folglich stellt der Wettbewerb eine fundamentale und universelle Gegebenheit des sozialen Kontakts dar. Während des Wettbewerbs ist es nicht notwendig, dass sich Personen oder Personengruppen in sozialen Kontakt oder in sozialer Kommunikation befinden, er ist vielmehr unbewusst, kontinuierlich und unpersönlich. Er bestimmt die ökonomische Stellung, welche die Position eines Individuums innerhalb einer Gesellschaft vorgibt. Sobald sich Personen diesem Konkurrenzkampf bewusst werden, kommt es zur nächsten Phase.


  • Konfliktphase

Eine grundlegende Bedingung für diese Phase, auch als bewusster Wettbewerb bezeichnet, ist der soziale Kontakt zwischen den Individuen. Der Wettbewerb ist den Konfliktparteien bewusst und führt zu Emotionen, Anstrengung und Konzentration. Er ist diskontinuierlich, persönlich und bewusst. Die Personen werden nun zu Rivalen und Feinden im Kampf um den Status in der Gesellschaft, welcher über Unter- und Überordnung bestimmt und Macht verleiht. Der Konflikt führt zur Gruppenbildung von Menschen.


  • Akkomodationsphase

Die Akkomodation ist das soziale Pendant zum biologischen Begriff der Adaption. Bezeichnet wird damit die soziale Anpassung, die im Laufe der sozialen Interaktion von jedem selbst persönlich gesammelt wird. Betroffen davon sind Kultur, Tradition, Fertigkeiten, usw. Diese Phase ist ein Resultat der Konfliktphase, wodurch ein wirtschaftliches und soziales Equilibrium entsteht, welches durch die Tradition weitergegeben wird. Doch dieses Gleichgewicht besteht nur oberflächlich. Ein Konfliktpotential ist fortwährend vorhanden und zum Ausbruch bereit, wenn das Gleichgewicht durch veränderte Situationen gestört wird. Das Gleichgewicht ermöglich eine Basis für eine stabile soziale Ordnung trotz unterschiedlicher Interessen der Mitglieder der Gesellschaft. Das Ziel stellt die Vermeidung von Konflikten dar.


  • Assimilationsphase

Personen in dieser Phase merken den langsamen Prozess der Assimilation nicht bewusst. Die Phase kann schnell oder weniger schnell erreicht werden, dies ist sehr abhängig von den ersten sozialen Kontakten, umso intensiver diese zwischen den Gruppen sind, desto schneller passiert die Assimilation im Vergleich zu sekundären Kontakten. Eine wichtige Voraussetzung ist dafür die Beherrschung einer gemeinsamen Sprache. Das optimale Resultat der sozialen Interaktion aus den vorherig genannten Phasen stellt die Assimilation dar. Die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ist Medium und Ziel dieser Phase, um in der Gegenwart zu leben und nicht der in Vergangenheit in Erinnerung an die Herkunftsgesellschaft.

Kritik[Bearbeiten]

Die Annahme, dass die Phasen linear nacheinander bewältigt werden berücksichtigt nicht, dass Stagnation oder Rückbildung durch Konflikte, Vertreibungen und ähnliches eintreten können. Das Phasenmodell hat sich empirisch nicht bewährt. Die Assimilation als Endzustand des Prozesses der Inkorporation ist zu einseitig betrachtet. Dass die ethnischen Unterschiede nach dem Assimilationsprozess aufgehoben werden, kritisieren vor allem die Vertreter des kulturellen Pluralismus. Diese betonen die Eingliederung einer ethnischen Gruppe in eine Gesellschaft ohne dem Verlust der ethnischen Identität.

Die sieben Teilprozesse der Assimilation nach Milton M. Gordon[Bearbeiten]

Subprozess bzw. Bedingungen Teilprozesse der Assimilation Spezielle Bedingungen
Wandel der kulturellen Verhaltensmuster in Richtung auf Angleichung mit der Aufnahmegesellschaft Kulturelle oder verhaltensmäßige Assimilation Akkulturation
Eintritt in Cliquen, Vereine und Institutionen der Aufnahmegesellschaft auf der Basis der Primärbeziehungen Strukturelle Assimilation -----
Entstehen interethnischer Heiratsmuster Marital Assimilation Amalgamierung
Entwicklung des Zugehörigkeitsgefühls zur Aufnahmegesellschaft Identifikative Assimilation -----
Fehlen von Vorurteilen Attitude receptional Assimilation -----
Fehlen von Diskriminierungen Behavioral receptional Assimilation -----
Fehlen von Wertkonflikten und Machtkämpfen Zivile Assimilation -----

[1]

Quellenverzeichnis[Bearbeiten]

  • PARK, Robert E. & BURGESS, Ernest W. (1969):
    "Introduction to the Science of Sociology. Including an Index to Basic Sociological Concepts. Student Edition. Abridged and with a New Preface by Morris Janowitz"
    Chicago and London: The University of Chicago Press.
  • HAN, Petrus (2006):
    "Theorien zur internationalen Migration"
    Stuttgart: Lucius & Lucius.
  1. Petrus Han: Soziologie der Migration, Stuttgart: Lucius & Lucius, 2005, S. 58