Mathematik: Analysis: Grundlagen: Funktionen
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[Bearbeiten] Funktionen (Abbildungen)
Funktionen sind in der gesamten Mathematik ein wichtiges Hilfsmittel zur Untersuchung von Mengen. Anderseits sind aber die Funktionen selbst Gegenstand mathematischer Untersuchungen.
Den Begriff der Funktion kennt sicherlich jeder Leser und kann ihn auch mehr oder weniger präzise definieren. Ein wichtiges Kriterium ist, dass Funktionen für ein gegebenes Argument nur einen ganz bestimmten Wert liefern.
Wir werden die Definition der Funktion auf die im vorigen Kapitel behandelten Relationen abstützen.
- Definition Funktion
- Seien M und N Mengen und R eine Relation zwischen M und N.
- Das Tripel f:= (M,R,N) heißt eine Funktion (Abbildung) von M nach N ⇔ Zu jedem x∈M gibt es genau ein y∈N für das gilt: (x,y)∈R.
- Dieses y bezeichnet man mit f(x) (lies: f von x)
- x heißt das Argument und f(x) der Funktionswert von f an der Stelle x. M nennt man den Definitionsbereich, N den Bildbereich und R den Graph der Funktion f.
Die meisten der oben definierten Begriffe sind bekannt. Ein Tripel ist eine geordnete Zusammenstellung von 3 Elementen. Eine Funktion ist ein solches Tripel, das aus den 3 Elementen Definitionsbereich, Graph und Bildbereich besteht. Der Graph ordnet jedem Element des Definitionsbereichs genau ein Element des Bildbereichs zu.
Eine Relation zwischen M und N, die einem Element des Definitionsbereichs z. B. 2 Elemente des Bildbereichs zuordnet, kann kein Graph einer Funktion von M nach N sein.
Hinweis: Die Begriffe Abbildung und Funktion werden hier, wie üblich, bedeutungsgleich verwendet.
Die folgenden Beispiele sollen die Definition der Funktion noch einmal verdeutlichen:
Da eine Funktion einem Element des Definitionsbereiches genau ein Element des Bildbereichs zuordnet, schreibt man auch, wie gewohnt:
- f: M→N statt f = (M,R,N), wobei der Graph R die Menge { ( x, f(x) ) | x∈M } ist.
Vielleicht fragen Sie sich, warum man nicht gleich fordert, dass der Bildbereich nur die Funktionswerte f(x) enthält. Der Grund hierfür ist, dass es im allgemeinen schwierig ist diese Menge explizit anzugeben.
Das folgende Beispiel soll die verschiedenen Schreibweisen nochmals verdeutlichen:
- Beispiel
Sei M eine Menge. Durch R := { (x,x) | x∈ M } wird eine Relation definiert, die Gleichheitsrelation.
idM:= (M,R,M) = (M, {(x,x)|x∈ M}, M) oder idM:= M→M, idM(x) = x
definiert eine Funktion, denn zu jedem x∈M gibt es ein y∈M mit (x,y)∈R, nämlich y=x (zeigt die Existenz). Gibt es (noch) ein z∈M mit (x,z)∈R, so folgt aus der Gleichheitsrelation x=z, also auch x=y (zeigt die Eindeutigkeit).
Da jede Funktion aus Definitionsbereich, Bildbereich und dem Graphen besteht ist auch klar, wie die Gleichheit von Funktionen definiert wird:
- Definition - Gleicheit von Funktionen
- Seien f1 := (M1, R1, N1) und f2 := (M2, R2, N2) zwei Funktionen.
- "f1 und f2 sind gleich" : ⇔ "M1=M2 und R1=R2 und N1=N2" ⇔ "M1=M2 und f1(x)=f2(x) und N1=N2 für alle x∈ M1".
- (Beide Definitionen sind äquivalent, was einfach zu zeigen ist.)
[Bearbeiten] Bild, Urbild
In diesem Kapitel sollen nun einige wichtige Begriffe im Zusammenhang mit Funktionen definiert werden.
- Definition - Bild, Urbild, Wertebereich
- Seien f: M → N eine Abbildung und M1 ⊂ M und N1 ⊂ N.
- Für die Teilmenge M1 definiert man:
f(M1) := {f(x) | x∈ M1} und nennt f(M1) das Bild von M1 (unter f). - Die Menge f(M) nennt man Wertebereich von f oder Bild von f.
- Für die Teilmenge N1 definiert man:

- Für die Teilmenge M1 definiert man:
- und nennt
das "Urbild von N1 unter f". - (sprich: f oben minus 1 von N1).
Das folgende Beispiel zeigt, dass Bildbereich und Wertebereich einer Funktion unterschiedlich sein können.
(Das Symbol
steht für die Menge der ganzen Zahlen)
- Sei
, f(x):=x2.
- Dann gilt:

- (Der Bildbereich enthält die Elemente 3, 5 und 6. Die Elemente 3, 5 und 6 sind jedoch nicht im Bild oder Wertebereich von f.)
- Rechenregeln für Bild und Urbild
Es gibt eine Reihe von Rechenregeln für Bild und Urbild, von denen hier einige exemplarisch angegeben werden.
- Satz
- Seien f: M → N eine Abbildung, M1 und M2 Teilmengen von M, N1 und N2Teilmengen von N. Dann gilt:
M1 ⊂ M2 ⇒ f(M1) ⊂ f(M2)
f(M1 ∪ M2) = f(M1) ∪ f(M2)
f(M1 ∩ M2) ⊂ f(M1) ∩ f(M2)




Beweis zu "M1 ⊂ M2 ⇒ f(M1) ⊂ f(M2)"
Zu zeigen ist: Aus y ∈ f(M1) folgt y ∈ f(M2)
| Sei y ∈ f(M1) | ⇒ | ∃ x∈ M1 mit y=f(x) |
| ⇒ | ∃ x∈ M2 mit y=f(x) (wegen M1 ⊂ M2) | |
| ⇒ | y ∈ f(M2) |
Damit ist gezeigt: Für alle y ∈ f(M1) gilt auch y ∈ f(M2), also f(M1) ⊂ f(M2)
- Übung
- Beweis der übrigen Behauptungen des Satzes
[Bearbeiten] Injektive, surjektive und bijektive Abbildungen
Für die Abbildung f: M → N und das Element y ∈ N des Bildbereichs kann man die Menge

untersuchen, d. h. man sucht alle Elemente x ∈ M, die durch f auf y abgebildet werden (Faser von f in y). Dabei interessieren folgende Eigenschaften:
Gibt es zu y∈N
- höchstens ein x ∈ M mit f(x)=y
- mindestens ein x ∈ M mit f(x)=y oder
- genau ein x ∈ M mit f(x)=y?
Abbildungen, die diese besonderen Eigenschaften erfüllen erhalten besondere Namen, die nun definiert werden:
- Definition injektiv, surjektiv, bijektiv
- Sei f: M → N eine Abbildung. Die Abbildung f heißt
- injektiv, wenn für alle x,y ∈ M git: "f(x)=f(y) ⇒ x=y",
- surjektiv, wenn f(M)=N gilt und
- bijektiv, wenn f injektiv und surjektiv ist.
Diese Eigenschaften lassen sich mit Hilfe des Urbildes wie folgt formulieren:

Die folgenden Bilder sollen die Begriffe injektiv, surjektiv und bijektiv nochmals erklären:
- Beispiel und Übung (kanonische Projektionen)
Seien M und N Mengen. Dann werden durch
p1:M ×N → M p1(x,y)=x und
p2:M ×N → N p2(x,y)=y
zwei Abbildungen definiert (kanonische Projektionen), p1 heißt erste und p2 zweite Projektion. (Dem aufmerksamen Leser ist sicher aufgefallen, dass obige Schreibweise nicht ganz korrekt ist, genauer wäre z. B. p1((x,y)). Diese Schreibweise ist aber unüblich).
Zu zeigen ist: Die Projektionen sind surjektiv, aber im allgemeinen nicht injektiv.
Übung: Zeigen Sie, dass die Abbildung
, f(x):=x+2 bijektiv ist}.
[Bearbeiten] Konstruktion neuer Abbildungen
[Bearbeiten] Hintereinanderschaltung
Die folgenden Definitionen zeigen Möglichkeiten aus gegebenen Abbildungen neue zu erzeugen.
Bei der Hintereinanderschaltung wird aus 2 Abbildungen eine neue konstruiert. Für Restriktionen werden Definitions- oder Bildbereich verändert Die Umkehrabbildung ist eine neue Funktion, die Elemente aus dem Bildbereich der ursprünglichen Funktion in deren Definitionsbereich abbildet, also gewissermaßen die "Richtung" der Funktion umkehrt.
- Definition - Hintereinanderschaltung
- Seien f: A → B1 und g: B2 → C zwei Abbildungen und es gelte f(A) ⊂ B2.
- Dann heißt die Abbildung g ° f : A→C, (g°f)(x) := g(f(x))
- (lies: g Kringel f) die Komposition oder Hintereinanderschaltung von f und g
Die Konstruktion veranschaulicht das folgende Bild.
![]() |
| Wichtig ist die Voraussetzung f(A) ⊂ B2 |
- Beispiel - Hintereinanderschaltung
Sei
, f(x):=x2 und
, g(y):=2y.
Wegen
ist g ° f definiert und es gilt:
mit g(f(x)) = 2x2.
(Die Menge
umfasst die natürlichen Zahlen einschl. der Null)
[Bearbeiten] Vor- und Nachbeschränkung
Durch Veränderung von Definitions- oder Bildbereich kann man neue Abbildungen konstruieren, z. B. sie "künstlich" surjektiv oder injektiv zu machen.
Die Abbildung

ist nicht injektiv, denn es gilt f (3) = f (-3). Aus der Injektivität würde dann 3 = -3 folgen.
Durch Verkleinerung des Definitionsbereiches kann man sie aber injektiv machen:

Ebenso kann man durch Verkleinerung des Bildbereiches eine Abbildung surjektiv machen. Dies führt zu folgenden Definitionen:
- Definition - Vor- und Nachbeschränkung
- Sei f: M → N eine Abbildung, U ⊂ M , V ⊂ N mit f(M) ⊂ V.
- Für die Teilmenge U heißt die Abbildung
f/U : U → N, (f/U) (x) := f(x)
die Beschränkung (Restriktion) von f auf U
- Für die Teilmenge V heißt die Abbildung
f\V : M → V, (f\V) (x) := f(x)
die Nachbeschränkung von f auf U
[Bearbeiten] Umkehrabbildung
Ist eine Abbildung injektiv, so gibt es zu jedem Element y des Bildes genau ein Element x des Definitionsbereiches mit f(x) = y. Man kann daher eine Abbildung definieren, die jedem y des Bildes dieses eine Element des Definitionsbereiches zuordnet.
- Definition Umkehrabbildung
- Sei f : M → N eine injektive Abbildung. Sei
- f -1 : f(M) →M definiert durch: "f -1(y)=x ⇔ y=f(x)".
- f -1 heisst Umkehrabbildung von f auf f(M), (lies: f hoch minus 1).
- Ist f bijektiv, so heisst f -1 einfach Umkehrabbildung von f.
Zur Übung der Begriffe wird nun ein Satz bewiesen. Falls die genaue Bedeutung des Symbols idM unklar ist: Weiter oben wurde die identische Abbildung (Identität) idM definiert.
- Satz
- Seien f: M → N und g: f(M) → M Abbildungen mit g ° f = idM.
- Dann ist f injektiv und es gilt g = f -1
Beweis:
Zuerst wird die Injektivität gezeigt:
| Sei x,y ∈ M mit f(x) = fy) | ⇒ | x = idM(x) = g ° f (x) = g(f(x)) |
| ⇒ | wegen f(x) = f(y) folgt g(f(x)) = g(f(y)) | |
| ⇒ | = g ° f (y) = idM(y)= y |
Also ist f injektiv.
Definitionsbereich und Bildbereich von g und der Umkehrabbildung von f auf f(M) stimmen offensichtlich überein. Sei y ∈ f(M). Dann gibt es ein x ∈ M mit f(x)=y.
Weiter gilt: g(y) = g(f(x)) = g ° f (x) = idM(x) = x. Da die Injektivität bereits gezeigt wurde folgt: x = f -1 (y), also g(y)=f -1 (y).
Mit Hilfe dieses Satzes lassen sich nun eine Reihe weiterer interessanter Sätze beweisen, z. B. "die Hintereinanderschaltung zweier bijektiver Abbildungen f und g ist wieder bijektiv" und es gilt: (g ° f) -1 = f -1 ° g -1.
[Bearbeiten] Das Auswahlaxiom
Sie erinnern sich vielleicht noch an die verallgemeinerten Definitionen von Durchschnitt und Vereinigung von Mengen. Dort wurden eine nicht-leere Indexmenge I und für jedes i ∈ I Mengen Mi vorausgesetzt. Immer wieder, teilweise an entscheidenden Stellen, tritt in der Mathematik, auch in der Analysis, der Fall auf, dass diese Mengen unendlich viele Elemente haben und zusätzlich noch eine Funktion gesucht wird, die jedem i ∈ I ein Element xi ∈ Mi zuordnet. Hier eine echte Funktionsvorschrift anzugeben ist leider nicht immer möglich, insbesondere dann, wenn für die Indexmenge I keine lineare Ordnung gegeben ist. Das Auswahlaxiom fordert nun einfach, dass eine solche Abbildung existiert.
Der Mengenbegriff wurde in diesem Buch "anschaulich" eingeführt. Leider zeigt sich, dass diese Vorgehensweise zu Widersprüchen führt (Stichwort: Menge aller Mengen). Aus diesem Grund wurde eine axiomatische Mengenlehre geschaffen und es wurde bewiesen, dass das Auswahlaxiom aus den übrigen Axiomen der axiomatischen Mengenlehre nicht herleitbar ist.
- Auswahlaxiom
Sei I eine nicht-leere Menge und
ein System von nicht-leeren Mengen Mi. Dann existiert eine Funktion
für die gilt:
.
Bemerkung: Das Auswahlaxiom ist nicht konstruktiv, daher wird es von einigen Mathematikern strikt abgelehnt. Intiutiv kann man das Auswahlaxiom folgendermaßen verstehen: "Aus jedem beliebigen System von Mengen, kann ein Element (Repräsentant) aus jeder Menge des Mengensystems ausgewählt werden".
Aus dem Auswahlaxiom lassen sich einige interessante Konsequenzen ableiten, z.B. der folgende Satz:
- Satz
- Seien X,Y Mengen. Eine Funktion
ist genau dann surjektiv, wenn eine Funktion
existiert, für die
gilt. - (D.h. jede surjektive Funktion besitzt eine rechtsinverse Abbildung)
- Beweis
- Sei f surjektiv. Dann gilt für alle
, dass das Urbild
ist. Da f eine Funktion ist, muss auch
für alle
gelten. D.h. das Mengensystem
bildet eine disjunkte Partition der Menge X (d.h.
).
- Nach dem Auswahlaxiom existiert nun eine Funktion
für die
gilt. - Für beliebiges
gilt nun nach Konstrukion, klarerweise f(g(y)) = y, da
ist.
- Für die Umkehrung nehmen wir nun an, es existiert eine Rechtsinverse zu g zu f.
- Für beliebiges
gilt: - y = IdY(y) = f(g(y)). Das bedeutet zu
existiert mindestens ein
für das f(x) = y gilt, nämlich g(y). Daher ist, f surjektiv. - Damit ist der Beweis abgeschlossen.
Eine weitere interessante Konsequenz des Auswahlaxioms ist das
- Lemma von Zorn
- Sei
eine partial geordnete Menge, in der jede Kette eine obere Schranke besitzt, dann besitzt M ein maximales Element.
Bemerkung: Der Beweis benötigt Transfinite Induktion, und wird daher hier ausgelassen. Das Lemma von Zorn ist ein fundamentaler Satz, doch wegen seiner Äquivalenz zum Auswahlaxiom sehr umstritten. Viele Existenzaussagen können mithilfe des Lemmas von Zorn bewiesen werden.
[Bearbeiten] Mächtigkeit
In der Analysis wird u. a. die Mächtigkeit der Menge der reellen Zahlen untersucht und gezeigt, dass diese Menge "überabzählbar" ist. Diese Begriffe sind mit Hilfe der natürlichen Zahlen und Abbildungen definiert.
- Definition - Gleichmächtigkeit
- M und N seien Mengen.
- M und N sind gleichmächtig (symbolisch dargestellt durch: M
N), genau dann, wenn es eine bijektive Abbildung f: M→N gibt.
Zwei Mengen sind also dann gleichmächtig, wenn man eine bijektive Abbildung zwischen ihnen angeben kann.
Beispiel: M:= {1,3}, N:= {4,6}. Eine bijektive Abbildung ist f(x):= (x+3). Also sind M und N gleichmächtig.
Um die unterschiedliche Mächtigkeiten von Mengen vergleichen zu können definiert man weiter:
- Definition - "kleinere oder gleiche" bzw. "kleinere" Mächtigkeit
- M und N seien Mengen.
- M hat eine kleinere oder gleiche Mächtigkeit wie N (symbolisch dargestellt durch: M
N), genau dann, wenn es eine injektive Abbildung f: M→N gibt. - M hat eine kleinere Mächtigkeit als N (symbolisch dargestellt durch: M
N), genau dann, wenn M
N gilt und M
N nicht gilt.
Beispiel: Eine Menge M hat eine kleinere oder gleiche Mächtigkeit wie Ihre ihre Potenzmenge
.
- Eine injektive Abbildung von M nach
ist f(x):={x} .
Die Mächtigkeit von Mengen wird häufig mit der Mächtigkeit der natürlichen Zahlen verglichen. Dabei werden folgende Begriffe verwendet:
- Definitionen
- Sei M eine Menge und

- M heißt endlich, wenn
oder wenn es ein
gibt mit 
- M heißt unendlich, wenn M nicht endlich ist.
- M heisst abzaehlbar, wenn
gilt. - M heißt höchstens abzählbar, wenn M endlich oder abzählbar ist.
- M heißt überabzählbar, wenn M nicht endlich und nicht abzählbar.
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