Bewusstseinserweiterung: Einleitung

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung2. Der Begriff Bewusstsein3. Bewusstseinseinschränkung als Wahrnehmungseinschränkung4. Wahrnehmungserweiterung in der Mystik5. Die Methode des Selbsterinnerns6. Wachheit im Schlaf-Theorie7. Wachheit im Schlaf-Praxis8. Selbsterinnern, Klartraum und Klarheit im Wachzustand9. Literatur

 

Einführung[Bearbeiten]

In dieser Diplomarbeit wird eine Auseinandersetzung mit der Thematik der Bewusstseinserweiterung versucht. Es wird dabei die These zugrunde gelegt, dass Bewusstseinserweiterung im Sinne einer Entwicklung von Bewusstheit möglich ist. Ich habe mich im Laufe meines Studiums mit vielen Konzepten und möglichen Formen der sogenannten Bewusstseinserweiterung theoretisch und auch praktisch beschäftigt, da ich zu der Überzeugung gelangt war, dass wahres Wissen über das Sein nur über die Beschäftigung mit dem eigenen Bewusstsein zu erlangen ist. Als besonders interessant erschienen mir zu Anfang die Möglichkeiten der Bewusstseinserweiterung durch psychedelische Drogen, wenn sie im Rahmen eines bestimmten Settings verwendet werden, wie beispielsweise von Grof[1] oder auch von Widmer[2] konzipiert und beschrieben. Allerdings sah ich ein, dass die Nutzung dieser Substanzen nur in solchen beschriebenen Settings Sinn macht und unter anderen Rahmenbedingungen sogar zu psychischen Katastrophen führen kann.

Ich interessierte mich im weiteren dann für Methoden und Techniken, die ohne ein solches Setting und die Verwendung solcher Substanzen versprachen, zu Erfolgen zu führen, zumal die Verwendung dieser Substanzen im therapeutischen Rahmen zur Zeit in Deutschland noch illegal ist. In der Hinwendung zu anderen Erfolg versprechenden Methoden beschäftigte ich mich dann mit den aus Asien überlieferten Traditionen der Bewusstseinserweiterung und den dort entwickelten Konzepten zur Verwirklichung der Bewusstseinsentwicklung; insbesondere interessierten mich die Meditationstraditionen. Deshalb verfasste ich meine Vordiplomsarbeit zum Thema Meditation. Allerdings fand ich es unbefriedigend, dass bei den meisten beschriebenen Meditationsverfahren zum einen eine professionelle Anleitung (zumeist durch einen Lehrer oder Meister) und zum anderen wieder einmal besondere Settings vonnöten schienen; sei es beispielsweise das Zazen im Zen-Buddhismus oder die Meditations-Methode der rechten Achtsamkeit, (vergleiche dazu meine Semester-Arbeit, 1991), die der Tradition des Buddhismus entspringt und bei deren richtiger Anwendung eine meist mehrwöchige Einkehrperiode empfohlen wird.

Ich fragte mich also weiter, ob es nicht möglich sei, mein Bewusstsein auch ohne professionelle Hilfe und ohne die empfohlene zumindest zeitweilige Abkehr von der Welt zu entwickeln, denn ich trage ja – um es einmal salopp auszudrücken – mein Bewusstsein ständig mit mir herum und nicht nur an bestimmten Tagen, die mir unter bestimmten Bedingungen eine besondere Beschäftigung mit mir selbst als Bewusst-Seiendes ermöglichen sollten. Ich war offensichtlich nicht die erste, die so dachte, denn ich wurde fündig bei Pyotr Demianovich Ouspensky, der ein System entwickelte, das jedem Menschen die Entwicklung des Bewusstseins gerade in der Hinwendung zu Alltäglichkeiten erlaubt und zunächst in seiner Ausführung keines Lehrers und auch keiner ausgesprochen besonderen Tätigkeiten bedarf.

Außerdem stieß ich auf das Phänomen des luziden Träumens (Klarträumens), das als Form der Bewusstseinserweiterung lange Zeit von der anerkannten Wissenschaft ignoriert worden war, weil es sozusagen ein philosophisches Paradox darstellt, kann man doch – wie Pioniere der Klartraumforschung behaupten – während des Schlafens wach sein, d.h. in den Besitz all seiner kognitiven Fähigkeiten gelangen (wie z.B. sich erinnern, dass man eigentlich schläft, vorausschauend und überlegt denken und handeln und dadurch sogar den Verlauf des Traumgeschehens bewusst beeinflussen). Dieses Klartraum-Phänomen ist zwar seiner Möglichkeit nach heute nachgewiesen, das scheinbare philosophische Problem aber blieb zunächst ungeklärt, aufgrund der Ermangelung entsprechender Erklärungsmodelle bzw. Bewusstseinskonzepte.

Überblick[Bearbeiten]

Ich werde im Verlauf der Arbeit versuchen, Ouspenskys Modell der Bewusstseinsentwicklung auf das Phänomen des Klarträumens zu beziehen. Er selbst bezieht sich zwar nicht explizit auf die Möglichkeit des Klarträumens, aber er unterscheidet zwischen verschiedenen Wachheitsgraden, die in ihrer Erlangung einer Art Empfindung des Erwachens gleichkommen sollen.

Zunächst halte ich es aber für sinnvoll zu schauen, wie sich der Bewusstseinsbegriff, bzw. die Möglichkeit der Entwicklung des Bewusstseins in der Psychologiegeschichte ausmacht. Dabei werde ich auch ein paar sogenannte eigene Überlegungen zum Bewusstseinsbegriff anfügen, die mir zum Verständnis der Arbeitsintention notwendig erscheinen. Danach werde ich zu zeigen versuchen, – und zwar anhand von Ornsteins Buch Die Psychologie des Bewusstsein[3] – auf welche Weise das gewöhnliche Bewusstsein eingeschränkt ist, um zu verdeutlichen, dass es zunächst nötig ist, sich mit den Schranken der Wahrnehmung – seien sie nun physiologischer oder psychologischer Natur – auseinander zu setzen, um dann diese – nach ihrer Identifizierung – möglicherweise zu durchbrechen und zu überwinden. Dabei werde ich der Frage nachgehen, welche Mechanismen uns dazu veranlassen, uns Selbst zu vergessen (gemeint ist hier das Gewahrsein eines Ich-bin-da-Empfindens, das im Verlauf der Arbeit (siehe Kapitel 2.4) noch erklärt wird.)

Da die abendländische Philosophie das Thema der Bewusstseinsentwicklung vornehmlich den sogenannten MystikerInnen überließ, werde ich diesen (insbesondere einem ihrer bekanntesten Vertreter: Meister Eckehart) ein spezielles Kapitel widmen. Ebenso bedarf der Sufismus eines Kapitels, da man Ouspensky im weitesten Sinne dieser Tradition zuordnen kann. Daraufhin werde ich Ouspenskys System der Selbsterinnerung aufzeigen. Anschließend werde ich in einem weiteren Kapitel das Phänomen des Klarträumens vorstellen und die Möglichkeiten der Induktion von Klarträumen anhand der Induktionsmethoden von Stephen LaBerge, Carlos Castaneda und Paul Tholey besprechen.

Im nächsten Kapitel werde ich dann versuchen, die Erkenntnisse von Ouspensky auf das Klarträumen zu beziehen, sofern das überhaupt möglich ist. Am Ende meiner Arbeit werde ich einige Überlegungen dazu anbringen, was es bedeuten könnte, wenn die Luzidität aus dem Traumleben auf den Wachzustand übertragen werden könnte. Außerdem werde ich der Frage nachgehen, aus welchen Gründen es sich vielleicht lohnen könnte, eine luzide Haltung dem Wachleben gegenüber zu entwickeln.


Quellen[Bearbeiten]

  1. Grof, S.: Geburt, Tod und Transzendenz, Rowohlt-Verlag, Hamburg 1991
  2. Widmer, S.: Ins Herz der Dinge lauschen – Vom Erwachen der Liebe – Über MDMA und LSD: Die unerwünschte Psychotherapie. Nachtschatten-Verlag, Solothurn 1989
  3. [ORN76]

 

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