GIMP/ Grundlegende Bildbearbeitung/ Der Werkzeugkasten/ Das Pfadwerkzeug

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Vorbemerkungen[Bearbeiten]

In mancher, besonders älterer, Literatur zu GIMP wird das Pfadwerkzeug zu den Auswahlwerkzeugen gezählt. Von der Einteilung der verschiedenen Werkzeuge in Kategorien hängt technisch nichts ab, es handelt sich dabei nur um eine didaktische Frage. Richtig ist, dass das Pfadwerkzeug insofern mit den Auswahlwerkzeugen verwandt ist, als tatsächlich "etwas" sozusagen ausgewählt wird. Es gibt jedoch folgenden erheblichen Unterschied zu den "echten" Auswahlwerkzeugen: Ausgewählt wird nicht ein (wie auch immer abgegrenzter) Bildbereich, sondern eben ein Pfad.

Ein Pfad ist technisch etwas grundsätzlich anderes als ein Bildbereich. Theoretisch geht Pfad auf den entsprechenden mathematischen Begriff zurück, was hier nicht weiter vertieft werden kann. Technisch "besteht" ein Pfad nicht aus Pixeln, wie es sonst nahezu alle "Elemente" einer Rastergrafik, zumal alle Elemente, die eine sonstige Auswahl ausmachen können, tun. Vielmehr ist ein Pfad technisch ein Objekt, das "eigentlich" nicht zu Rastergrafiken gehört, sondern zu Vektorgrafiken. Die etwas bessere Sprechweise ist: Man kann Pfade in Vektorgrafiken einbauen oder zu Vektorgrafiken machen, und mit Pixeln kann man das nicht. Der Umstand, dass es mit GIMP möglich ist, Pfade zu erzeugen (oder eben auszuwählen), hat weit reichende Konsequenzen für den fortgeschrittenen Einsatz von GIMP in der Bildbearbeitung.

Theoretisch ermöglicht dieser Umstand nämlich, Rastergrafiken in Vektorgrafiken umzuwandeln. Diese beiden Grundtypen von (digitalen) Grafiken bzw. Bildern werden später auf einer eigenen Seite erklärt. Hier genügt der Hinweis, dass sich Vektorgrafiken fundamental von Rastergrafiken unterscheiden, indem eine Vektorgrafik nicht aus (wenn auch "sehr kleinen") Punkten (die wie erwähnt bei digitalen Bildern Pixel heissen), sondern aus "auflösungslosen", geometrisch und damit mathematisch exakt definierten "Elementen" besteht. Daraus folgt unter anderem, dass Vektorgrafiken ohne Qualitätsverlust unendlich skalierbar sind, was für Rastergrafiken überhaupt nicht gilt. Schon nur diese Bemerkung zeigt, dass Vektorgrafiken den Rastergrafiken technisch "eigentlich" klar überlegen sind. Viele digitalen Bilder, insbesondere alle digitalen Fotos, liegen aber nur als Rastergrafik vor. Das ist unter anderem deshalb so, weil derart komplexe Grafiken, wie sie digitale Fotos (meistens) sind, als Vektorgrafik äusserst komplizierte Dateien wären oder würden, was z. B. dramatische Auswirkungen auf die Dateigrösse hätte. Das wiederum ist in vielen Verwendungsarten von digitalen Fotos unbrauchbar; es ist z. B. nicht opportun, auf Webseiten "unanständig" grosse Bilder zu veröffentlichen. Daneben gibt es viele weitere technischen Hürden, die verhindern, dass digitale Fotos als Vektorgrafiken erfasst werden können. Diese Hürden sind so hoch, dass selbst die nachträgliche vollständige Umwandlung "normaler" digitaler Fotos in Vektorgrafiken technisch nicht zu bewältigen ist. Deshalb geht es bei der Verwendung von Pfaden in einem Bildverarbeitungsprogramm für Rastergrafiken, wie es GIMP ist, nicht darum, tatsächlich komplexe Rastergrafiken auch nur annähernd vollständig in Vektorgrafiken umzuwandeln. Mit sinnvollem Aufwand möglich ist nur (aber immerhin), bestimmte (wenige und einfache) Elemente als Pfade auszuwählen und dann zu vektorisieren. Das Pfadwerkzeug ist ein Hilfsmittel dafür. Wie bei den anderen Werkzeug wird hier aber nur die Werkzeugverwendung im engen Sinne erklärt; die Arbeit mit Pfaden in GIMP gehört als Ganzes in die fortgeschrittene Bildbearbeitung.

Verwendung[Bearbeiten]

Das Pfadwerkzeug.

Die Verwendung des Pfadwerkzeugs erfolgt, indem das Werkzeug angewählt und dann der Pfad per Mausklicks im geöffneten Bild wie gewünscht erstellt wird. Das tönt sehr einfach, aber hinter Pfaden steckt verhältnismässig viel Bildbearbeitungstechnik. Zunächst können zwar Pfade auch durchaus (nur) aus Streckenzügen aus Geraden bestehen; dieser stark vereinfachte Modus muss allerdings in den Werkzeugeinstellungen speziell aktiviert werden (Option "Polygonal"). Selbstverständlich ist es aber auch möglich gekrümmte Pfade zu erstellen. Dabei ist, da Pfade ja vektorisierbar sein müssen, genau definiert, welche Krümmungen möglich sind: Jede als Bézierkurve definierte Linie ist als Pfad direkt mit dem Pfadwerkzeug erstellbar. Die mathematischen Hintergründe solcher Kurven können hier nicht erklärt werden. Anschaulich gesprochen sind Bézierkurven genau all jene Kurven, die entstehen können, wenn man sich eine Gerade als Seil vorstellt, an das eine Last gehängt wird. Da sowohl das "Gewicht" der Last als auch der Punkt am Seil, wo die Last angehängt wird, frei wählbar sind, umfassen Bézierkurven eine sehr grosse Zahl von Kurven. Da zudem mehrere Lasten an verschiedenen Punkten angehängt werden können, die sogar noch verschieden schwer sein können, kann mit Bézierkurven jede Krümmung zumindest angenähert werden. Bézierkurven spielen in Vektorgrafiken (und in vielen anderen in einem weiten Sinne technischen Anwendungen) eine grosse Rolle.

Die Möglichkeit der Erstellung gekrümmter Pfade im Sinne von Bézierkurven macht das Erstellen komplexerer Pfade nicht ganz trivial. Vereinfacht gesagt werden gerade Teile der Auswahl wie eine freie Auswahl als "polygonartige" Linie erstellt (Pfade müssen allerdings im Unterschied zu echten Auswahlen nicht zwingend geschlossen werden). Soll eine Krümmung im Pfad erstellt werden, wird ein Ausgangspunkt auf einer vorher erstellten Gerade gewählt und von dem aus die Krümmung durch Mousedrag "gezogen". Recht verwirrend bei erstmaliger Verwendung ist, dass zusätzlich Hilfslinien des so genannten Kontrollpolygons, das jede Bézierkurve per Definition hat, erscheinen; diese sind wichtig für exakte Manipulationen an gekrümmten Pfaden, was hier nicht weiter thematisiert wird. Es ist möglich mit dem Pfadwerkzeug komplexere gekrümmte Pfade zu erstellen als der beschriebene. Ist ein Pfad fertig erstellt, wird die Arbeit wie bei Auswahlwerkzeugen zum Beispiel mit der Taste Enter abgeschlossen.

Mit dieser rudimentären Einführung ist nicht das Thema Pfade erklärt, dass in die fortgeschrittene Bildbearbeitung gehört, sondern nur im Ansatz das Pfadwerkzeug. Pfade können noch auf ganz andere Weise als mit dem Pfadwerkzeug erstellt werden. Insbesondere ist es möglich jede Auswahl (korrekter eigentlich: die Begrenzungslinien jeder Auswahl) in Pfade umzuwandeln (so genannte Umrisspfade). Auch das Umgekehrte ist möglich. Dadurch ergeben sich viele anspruchsvolle Möglichkeit der Manipulation von Rastergrafiken unter Zuhilfenahme von Instrumenten der Vektorgrafik.

Tastaturkürzel[Bearbeiten]

Das Pfadwerkzeug kann statt grafisch mit der Taste B aufgerufen werden.

Kleine Aufgabe[Bearbeiten]

  • Öffnen Sie eine Bilddatei Ihrer Wahl und zeichnen Sie mit dem Pfadwerkzeug einen Pfad, der mindestens eine gerade Strecke und mindestens eine gekrümmte enthält.