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GIMP/ Grundlegende Bildbearbeitung

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Grundlegende Bildbearbeitung

Dieser Teil gehört zum Buch „GIMP“.

Kurzinhalt: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über die grundlegenden Techniken der Bildbearbeitung mit GIMP. Es werden sowohl die Grundfunktionen des Programms vorgestellt als auch Anleitungen für die Erledigung kleinerer Bildbearbeitungsaufgaben gegeben. Grundsätzlich gilt, dass nur für die in diesem Kapitel vorgestellten Arbeiten sehr wohl auch andere, deutlich weniger mächtige Programme geeignet sind. Wer jedoch GIMP einsetzt, wird in der Regel auch die einfacheren Arbeiten damit erledigen. Für Einsteiger ermöglicht das Kapitel ein schrittweises Einarbeiten in die Bildbearbeitung mit GIMP.

Bilder verwalten

Bilder öffnen und schliessen [Bearbeiten]

Vorbemerkungen

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Das Menü Datei ausgeklappt
Datei/Öffnen...: GIMP verbindet sich mit dem Dateimanager (hier Windows Explorer unter Windows 7)

Das Öffnen und Schliessen Bildern ist Grundlage jeder Bildbearbeitung. Technisch gesehen werden natürlich nicht eigentlich Bilder geöffnet oder geschlossen, sondern Dateien, die Bilder enthalten, aber da die Bildbearbeitung per Definition voraussetzt, das das zu bearbeitende Bild wortwörtlich sichtbar ist, hat sich diese abgekürzte Ausdrucksweise durchgesetzt.

Das blosse Öffnen und Schliessen von Bildern ist noch keine Bildbearbeitung, nicht einmal eine rudimentäre. Die Bilder werden ja nur dadurch nicht verändert, also nicht bearbeitet. Deshalb muss man dafür an sich auch kein Bildbearbeitungsprogramm benutzen, und erst recht nicht GIMP. Wer häufiger mit GIMP arbeitet, wird das Programm aber unter Umständen (auch nur) dafür benutzen. In diesem Punkt sind die Geschmäcker verschieden. Manche Benutzer verwenden, wenn sie Bilder nur anschauen und damit nur öffnen und schliessen wollen, bewusst einfachere Programme. Solche (auch kostenfreie oder Open Source) gibt es für alle Betriebssystem in grosser Zahl. Es ist nicht Aufgabe des Buches diese Programme hier aufzuzählen oder gar einzeln vorzustellen. Erwähnt sei, dass Programme, die im Grundsatz nur zum "Anschauen" von z. B. Bildern gemacht sind, auch Viewer heissen. Viewer gibt es keineswegs nur für Bilddateien, sondern z. B. auch für verschiedene Arten von Textdateien. Heutige Viewer für Bilddateien haben allerdings in den allermeisten Fällen, selbst wenn es sich um ein sehr einfaches Programme handelt, auch einige (unter Umständen natürlich aber auch viele) Funktionen zur grundlegenden Bildbearbeitung.

So oder so ist das Öffnen und Schliessen von Bildern Voraussetzung jeder Bildbearbeitung, und deshalb erklärt diese Seite, wie das in GIMP gemacht wird. Es wird nicht jeder Spezialfall erläutert, sondern nur, was für grundlegende Bildbearbeitung unabdingbar ist. Es sei erwähnt, dass auf der Seite, die den Grundaufbau der Menüleiste erklärt, die wesentlichen Optionen fürs Öffnen und Schliessen von Bildern noch einmal kurz zusammengefasst sind. Fürs blosse Öffnen und Schliessen von Bildern braucht man in der Regel nur zwei bis drei Menübefehle, so dass es nicht nötig ist vor diesem Schritt bereits einen Überblick über die Menüleiste zu haben.

Bild öffnen

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GIMP mit geöffnetem Bild

Bilder werden meist über die Menüliste geöffnet (daneben gibt es noch die Möglichkeit das über ein Tastaturkürzel zu tun, siehe unten). Alle Befehle zum Öffnen und Schliessen von Bildern befinden sich im Menü Datei, dem ersten von links in der Menüleiste. Es ist auch bei anderen Programmen (etwa Textverarbeitungsprogrammen) üblich die Optionen zum Umgang mit Dateien, wozu insbesondere das Öffnen und Schliessen gehört, im ersten Menü zu haben, und auch dort heisst dieses meistens Datei.

Das Menü enthält 19 Menüpunkte, die aufklappen, sobald das Menü Datei angeklickt wird. Der dritte von oben, Öffnen... , öffnet wie jetzt gewünscht ein Bild. Dazu verbindet sich GIMP mit dem Standard-Dateimanager des verwendeten Betriebssystems. In allen Versionen von Windows ist das fast immer der Windows Explorer; andere Betriebssysteme verwenden andere Dateimanager. Es ist auch möglich einen anderen Dateimanager als vom Betriebssystem vorgesehen als Standard-Dateimanger zu verwenden; die dafür nötigen Konfigurationseinstellungen sind nicht Gegenstand dieses Buches, weil das nichts mit GIMP zu tun hat. In den allermeisten Konstellationen muss sich der Benutzer aber über all das keine Gedanken machen. Das Suchen der gewünschten Bilddatei läuft grundsätzlich so ab, wie auch im Dateimanager Dateien gesucht werden. Es ist zu empfehlen von Anfang an für Bilddateien, die irgendwann mit GIMP bearbeitet werden sollen, einen eigenen Ordner zu erstellen und aussagekräftig zu benennen. Dieser Ratschlag hat an sich nichts mit GIMP zu tun, sondern gilt generell, wenn Dateien für eine bestimmte Verwendung angelegt werden. Das Arbeiten mit GIMP erzeugt relativ viele Dateien, so dass es wichtig ist, die Übersicht von Anfang an zu gewährleisten. Ein zweiter Ratschlag sei gleich angefügt: Da auf heutigen Systemen Speicherplatz zumindest mehrheitlich kaum mehr limitiert ist, ist es sinnvoll, mit GIMP zu bearbeitenden Bilddateien als Kopien in den "GIMP-Ordner" zu legen. Geschehe auch, was wolle: So ist ausgeschlossen, dass die Originaldatei verloren geht.

Hat man die gewünschte Bilddatei gefunden, kann sie einfach durch Doppelklick (bei einigen Betriebssystemen auch nur einfacher Klick) geöffnet werden. Sie wird dann im Bildfenster von GIMP angezeigt. Damit ist der erste Schritt getan!

Bild schliessen

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Das Schliessen eines geöffneten Bildes ist denkbar einfach: Im Menü Datei klickt man den drittuntersten Menüpunkt Ansicht schliessen an. Wenn das geöffnete Bild nicht bearbeitet wurde (wovon auf dieser Seite noch ausgegangen wird), schliesst GIMP die Datei sofort ohne Rückfrage. Wenn es noch nicht gespeicherte Änderungen aufgrund von Bearbeitungen gibt, fragt GIMP, wie das heute bei den meisten Programmen der Fall ist, sicherheitshalber noch mit einem aufploppenden Fenster nach, ob diese Änderungen wirklich nicht gespeichert werden sollen. Dass GIMP statt von "Datei schliessen" oder so ähnlich von Ansicht schliessen spricht, liegt daran, dass in GIMP das Speichern von Änderungen etwas komplexer ist als etwa in heutigen Textverarbeitungsprogrammen. Wenn das Bild geschlossen ist, ist das Bildfenster wieder leer, sofern kein (anderes) Bild mehr offen ist.

Mehrere Bilder öffnen und schliessen

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obere linke Ecke des Bildfensters bei drei gleichzeitig geöffneten Bildern

Selbstverständlich kann man in GIMP mehrere Bilder öffnen bzw mehrere gleichzeitig geöffnet haben. Dazu wiederholt man einfach Datei/Öffnen... und wählt jeweils das gewünschte Bild aus. Auch das mehrmalige Öffnen desselben Bildes ist natürlich unter GIMP möglich und für gewisse Arbeiten durchaus sinnhaft. GIMP zeigt per Default im Bildfenster immer das zuletzt geöffnete Bild, wenn mehrere geöffnet sind. Es ist sehr einfach ein anderes als das zuletzt geöffnete Bild anzuzeigen: Wenn mehr als ein Bild geöffnet ist, zeigt GIMP nämlich am oberen Ende des Bildfensters automatisch Reiter (einen pro geöffnetes Bild) an, so dass bequem zwischen den geöffneten Bildern gewechselt werden kann. Sogar eine kleine Vorschau wird im Reiter angezeigt, so dass sofort ersichtlich ist, welche Bilder gerade geöffnet sind.

Das Schliessen von Bildern, wenn mehrere geöffnet sind, ist (noch ohne die Variante mit Tastenkürzel) auf zwei verschiedene Weisen grafisch möglich: Einmal hat es direkt im Reiter neben dem Vorschaubild eine kleine, mit x beschriftete Schaltfläche, wodurch das Bild des betreffenden Reiters geschlossen werden kann. Das ist zweckdienlich, wenn man nicht alle von mehreren geöffneten Bildern schliessen will. Das letzte geöffnete Bild kann allerdings nicht so geschlossen werden, da dann kein Reiter mehr da ist. Es ist aber auch möglich alle geöffneten Bilder auf einmal zu schliessen. Das wählt man im Menü Datei den zweituntersten Menüpunkt Alle schliessen. Wenn keine ungespeicherten Änderungen vorliegen, erfolgt das Schliessen aller Bilder sofort ohne Rückfrage; andernfalls fragt GIMP (unter Umständen mehrmals, falls mehrere Bilder ungespeicherte Änderungen haben) sicherheitshalber nach.

Einsatz von Tastenkürzeln

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Wie fast alle Aufgaben, kann man auch das Öffnen und Schliessen in GIMP mit Tastenkürzeln machen. Da die (zumindest regelmässigen oder sogar ausschliesslichen) Benutzer dieser Bedienungsart eine Minderheit sind, wird darauf jeweils nur kurz in einem Abschnitt eines Unterkapitels eingegangen. Es ist aber allen Benutzern, gerade auch Einsteigern, zu empfehlen diese Bedienungsart zumindest einmal zu testen. Erwähnt sei, dass Benutzer, die regelmässig mit Tastenkürzel arbeiten und dadurch die wichtigsten Kürzel auswendig kennen, ganz erheblich und messbar schneller arbeiten, als wer das Programm grafisch oder mit Menüs bedient.

Das Öffnen von Bildern erfolgt mit dem Tastenkürzel Ctrl + O. Das Tastenkürzel führt natürlich (nur) bis zur Verbindung mit dem Dateimanager; das zu öffnende Bild muss dann noch gesucht und angewählt werden.

Das Schliessen eines einzelnen (des gerade sichtbaren) Bildes erfolgt mit dem Tastenkürzel Ctrl + W. Wenn es nicht gespeicherte Änderungen in der zu schliessenden Datei gibt, stellt GIMP noch Rückfragen, sonst wird das Bild sofort geschlossen.

Das Schliessen aller geöffneten Bilder erfolgt mit dem Tastenkürzel Shift + Ctrl + W.

GIMP gibt bei allen Menüpunkten (rechts) die Tastenkürzel an, die anstelle der Bedienung verwendet werden können. Dieses Buch hat zudem eine Zusammenstellung der wichtigsten Tastenkürzel, insbesondere aller, die im Buch vorkommen.

Kleine Aufgaben

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  • Öffnen Sie ein Bild Ihrer Wahl per Menü und schliessen Sie es per Menü.
  • Öffnen Sie ein Bild ihrer Wahl per Menü und dann ein anderes per Tastenkürzel. Das zweite Bild öffen Sie noch einmal, diesmal per Menü. Dann schliessen Sie eine der beiden Ansichten des zweiten Bildes grafisch direkt im Bildfenster. Schliesslich schliessen Sie die restlichen zwei Bilder gleichzeitig per Menü.


Bilder speichern und exportieren [Bearbeiten]

Vorbemerkungen

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Das Menü Datei ausgeklappt

Wenn Bilder bearbeitet wurden, muss das Resultat natürlich abgespeichert werden können. Dies geschieht in der Regel in der Menüleiste, und zwar im Menü Datei. Wie das geht und welche Optionen GIMP dafür bietet, ist der Inhalt dieser Seite. Wer das Programm oder vergleichbare Software noch überhaupt nicht kennt, ist möglicherweise etwas überrascht, dass so etwas scheinbar Simples überhaupt thematisiert werden muss. Das ist aber für Einsteiger tatsächlich nötig oder zumindest sinnvoll, weil sich dieses Abspeichern doch etwas vom Vorgehen in anderen Programmen (etwa bei einem Textverarbeitungsprogramm) unterscheidet. Der Grund für diese Zusatzkomplexität ist einfach der: Bilddateien sind insgesamt doch ein ganzes Stück komplexer als (zum Beispiel) Textdateien. Sie enthalten wesentlich mehr und wesentlich komplexere Informationen; auch für Laien ist das sofort ersichtlich, wenn man die Dateigrössen von Bilddateien mit der von Textdateien vergleicht. Allerdings ist die höhere Komplexität nicht in erster Linie eine quantitative Frage (dann wäre das Abspeichern nichts anders als bei Textdateien); vielmehr ist eine Bilddatei auch qualitativ anspruchsvoller. Sie enthält nicht einfach nur "mehr" Informationen, sondern auch jede Menge Anweisungen, wie denn die Informationen des Bildes dargestellt und bearbeitet werden können. Es ist nicht der Sinn einer Einführung in die digitale Bildbearbeitung mit GIMP, dieses weitläufige Thema hier zu vertiefen. Aus den gemachten Feststellungen folgt aber jedenfalls, dass das Dateiformat bei Bilddateien eine sehr grosse Rolle spielt. Dateiformate sind durchaus auch bei anderen Programmen ein wichtiges Thema, aber die angesprochene Komplexität von Bilddateien erhöht die Bedeutung dieses Aspekts.

Das grundsätzliche Problem der digitalen Bildbearbeitung ist nun, dass durch den Bearbeitungsvorgang, der unter Umständen sehr tief in die zu bearbeitende Bilddatei eingreifen kann, an sich möglichst keine Informationen (oder jedenfalls so wenige wie möglich) "versehentlich" verloren gehen sollen. Informationsverlust ist beim Bearbeiten von Dateien eigentlich überhaupt nie ein Ziel per se; manchmal wird er "kontrolliert" bis zu einem gewissen Grad in Kauf genommen, zum Beispiel wenn eine Datei aus irgendwelchen Gründen "verkleinert" werden soll. Unkontrollierter Informationsverlust hat aber überhaupt nur Nachteile, denn dadurch wird direkt die Qualität der Datei verschlechtert. Gerade bei relativ komplexen Dateien wie Bilddateien ist es deshalb ein wichtiges technisches Anliegen des Bearbeitungsprogramms, das zu vermeiden, da Qualitätsverluste wortwörtlich rasch sichtbar sind.

Unerwünschte Informationsverluste können zunächst durch bestimmte Bearbeitungsvorgänge verursacht werden; das betrifft nicht das Thema dieser Seite und wird hier nicht weiter vertieft. Daneben entstehen solche Verluste aber insbesondere beim Konvertieren von Dateien, das heisst beim Ändern des Dateiformats. Es hängt von den Spezifikationen der beiden Dateiformate (Format der Quelldatei und Format der Zieldatei) ab, wie viele Informationen verloren gehen. Aus dieser Tatsache folgt insbesondere, dass in der Regel vermieden werden muss, eine (Bild-)Datei mehrmals zu konvertieren. Die Lösung, die Bildbearbeitungsprogramme wie GIMP haben, um dieses Risiko zu vermindern, ist auf den ersten Blick für Einsteiger etwas überraschend: GIMP verwendet nämlich ein eigenes Dateiformat; bearbeitete Bilder werden in dem abgespeichert. Dieser Vorgang wird Bilder speichern genannt. Das Konvertieren in ein "geläufiges" Dateiformat nach Abschluss der Bildbearbeitung heisst dagegen Bilder exportieren.

Die Sinnhaftigkeit dieser Lösung besteht zunächst darin, dass Speichervorgänge während der Bearbeitung eines Bildes verlustfrei erfolgen, da ja dann gerade kein Konvertieren erfolgt. Weiter ist das von GIMP verwendete eigene Dateiformat natürlich technisch so spezifiziert, dass beim Konvertieren von Bildern aus nahezu jedem halbwegs geläufigen Format ins GIMP-eigene Format nur sehr geringe Informationsverluste auftreten. Wie gross der Informationsverlust beim Exportieren des fertig bearbeiteten Bildes ist, hängt dann im Wesentlichen vom Dateiformat der Zieldatei ab; sofern das derzeit Mass gebende Format für Rastergrafiken verwendet wird, was nahezu immer (sowieso für Einsteiger) zu empfehlen ist, dann ist der Informationsverlust wiederum gering.

Das GIMP-eigene Dateiformat wird allgemein (und auch in diesem Buch) xcf-Format genannt. xcf ist die Dateiendung, die das Betriebssystem Windows den GIMP-eigenen Dateien gibt. Es sei erwähnt, dass andere Betriebssysteme für die korrekte Erkennung von Dateien nicht (oder nicht derart ausschliesslich) auf die Dateiendung angewiesen sind wie Windows. Es ist aber üblich und zu empfehlen, GIMP-eigene Dateien auch z. B. unter Linux mit der Dateiendung .xcf zu benennen, auch wenn der direkte Zusammenhang zwischen der Dateiendung als Teil des Dateinamens und dem Dateiformat an sich nur eine Eigenheit von Windows ist. Die Verwendung von "Dateiendungen" als Teil des Dateinamens verstösst jedoch auch bei anderen Betriebssystemen nicht gegen deren Konventionen von Dateinamen, weshalb es sich eingebürgert hat, (auch) unter Windows nutzbare Dateien mit den "Windows-Dateiendungen" zu benennen (bzw. solche Benennungen nicht zu ändern), auch wenn das technisch gar nicht nötig wäre.

Bilder speichern

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Wie die meisten komplexeren Programme unterscheidet GIMP zwei Arten des Speicherns, nämlich das Speichern der Datei bei gleichzeitiger Wahl des Speicherorts und des Dateinamens (oder beides), und das Speichern ohne solche Wahl. Das Zweite ist eigentlich ein Überschreiben einer schon vorhandenen Version der Datei und setzt deshalb voraus, dass die Datei schon existiert. Soll der Speicherort oder der Dateiname erst festgelegt werden, muss GIMP sich dazu natürlich mit dem Standard-Dateimanager des Betriebssystems verbinden (bei Windows ist das der Windows Explorer). Genau das macht der Befehl Speichern unter... im Menü Datei (der achte von oben). Die drei Auslassungspunkte nach dem Menübefehl sagen bereits, dass bei der Wahl des Befehls nicht direkt eine Aktion ausgelöst wird, sondern zuerst ein Programmfenster - hier eben der Dateimanager - erscheint. Bei der Wahl des Dateinamens schlägt GIMP den Namen vor, denn die zu speichernde Datei schon hat, allerdings mit der Endung .xcf. Diese Dateiendung sollte auf keinen Fall geändert werden, unabhängig vom verwendeten Betriebssystem.

Der Dateinamen kann natürlich beliebig angepasst werden; Schranken setzen hier nur die Konventionen für Dateinamen, die sich unter den Betriebssystemen etwas unterscheiden. Abgesehen von diesen Konventionen gibt es im Sinne von Best Practice gewisse Empfehlungen zur Wahl sinnvoller Dateinamen. So ist zu empfehlen, "sprechende" Namen zu wählen, die minimal angeben, was auf dem Bild zu sehen ist (etwa neueshaus2013.xcf, grillparty.xcf, weniger gut: thdhdhslh.xcf). Sonderzeichen in Dateinamen werden besser auch dann vermieden, wenn das verwendete Betriebssystem sie an sich zulässt (besser menuealacarte.xcf als menüàlacarte.xcf). Leerzeichen in Dateinamen sollten auch unter Windows, wo das an sich zulässig ist, vermieden werden (meinhaus.xcf, nicht mein haus.xcf). Grossbuchstaben sind besser zu vermeiden (meinhaus.xcf, nicht meinHaus.xcf). Zahlen sollten wenn überhaupt nur am Ende des Dateinamens verwendet werden, nicht mittendrin und auf keinen Fall am Anfang. Der Tiefstrich ist nicht geeignet, statt dessen sollte ggf. der Trennstrich verwendet werden (mein-haus.xcf, nicht mein_haus.xcf). Überlange Dateinamen sind nicht zu empfehlen. Die Beachtung dieser Empfehlungen stellt sicher, dass die gewählten Dateinamen auf allen (Betriebs-)Systemen und in allen Sprachen lesbar und darstellbar sind.

Wenn nur Änderungen einer schon bestehenden xcf-Datei gespeichert werden sollen, ohne dass der Dateiname oder der Speicherort geändert werden sollen, ist der Befehl Speichern im Menü Datei (der siebte von oben) die richtige Wahl. Dieser Befehl führt die Speicheraktion direkt durch, ohne Aufruf des Dateimanagers.

Etwas ungewöhnlich ist, dass GIMP noch einen dritten Befehl zum Speichern von Bilden hat, nämlich Kopie speichern... (den neunten von oben im Menü Datei). Der Befehl wirkt sehr ähnlich wie Speichern unter...; insbesondere wird auch dadurch zuerst der Dateimanager aufgerufen, wo dann der Dateiname und der Speicherort festgelegt bzw. geändert werden können. Es gibt allerdings folgenden Unterschied zwischen den beiden Befehlen: Bei Kopie speichern... wird zusätzlich auch die so genannte Versionshistorie der abzuspeichernden Datei gespeichert, was bei allen anderen Speicherarten nicht der Fall ist. Die Versionshistorie enthält alle Bearbeitungsschritte seit dem letzten Öffnen der Datei. In alten Versionen von GIMP war das die einzige Möglichkeit Zugriff auf die Versionshistorie zu haben und die fragliche Datei trotzdem (vorübergehend) zu speichern. Heute hat GIMP allerdings weit mächtigere Instrumente zum Protokollieren von Bearbeitungsschritten, insbesondere das so genannte Journal. Es ist hier nicht der Ort das zu vertiefen; jedenfalls aber wird Kopie speichern... heute kaum noch verwendet. So gespeicherte Dateien bleiben übrigens nur bis zum Schliessen von GIMP gespeichert; dann fragt GIMP, ob solche Dateien endgültig (aber unter Verlust der Versionshistorie) gespeichert werden sollen, oder ob sie gar nicht gespeichert werden sollen.

Bilder exportieren

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Ist die Bearbeitung eines Bildes abgeschlossen, muss die Bilddatei in der Regel exportiert werden. Das ist eine qualifizierte Form des Speicherns, bei der nicht nur die Datei gespeichert wird, sondern vorher zusätzlich eine Konvertierung in ein "gängiges" Dateiformat erfolgt. Natürlich ist es theoretisch möglich, eine bearbeitete Datei einfach im GIMP-eigenen Dateiformat xcf zu belassen. Das Problem ist allerdings, dass dieses Dateiformat im Grunde nur von GIMP selber unterstützt wird. In dieser Absolutheit stimmt das heute zwar nicht mehr: Dank dem grossen Erfolg von GIMP kann eine recht grosse Anzahl von Viewern mittlerweile xcf-Dateien lesen. Es handelt sich aber jedenfalls nicht um ein Dateiformat, dass sich eignet, wenn die Bilddatei veröffentlicht oder weitergegeben werden soll; mit "Veröffentlichung" ist insbesondere auch jede Publikation im Internet gemeint. Browser können xcf-Dateien nicht oder jedenfalls nicht immer und oft nicht korrekt darstellen. Deshalb ist das Exportieren fertig bearbeiteter Bilddateien selbst für Einsteiger der einzige korrekte Abschluss einer Bildbearbeitung.

Ähnlich wie beim "normalen" Speichern gibt es fürs Exportieren zwei verschiedene Befehle, nämlich entweder nur Exportieren (der elfte im Menü Datei, von oben gezählt) oder Exportieren als... (der zwölfte). In der Praxis verwendet man meist Exportieren als..., denn blosses Exportieren funktioniert an sich nur, wenn das Bild schon am gewünschten Speicherort mit dem gewünschten Dateinamen und im gewünschten Dateiformat vorhanden ist. Das ist nur dann der Fall, man mit einem bearbeiteten Bild im Sinne einer "Neuauflage" eine frühere, bearbeitete Version überschreiben will. Dieses Szenario ist relativ untypisch; meist wird man eine Neufassung einer Bildbearbeitung in einer anderen Datei speichern wollen.

Wählt man Exportieren als..., verbindet sich GIMP wiederum mit dem Dateimanager. Der Dateiname und der Speicherort werden genau gleich angegeben wie bei Speichern unter... Zusätzlich muss man nun aber das gewünschte Dateiformat wählen. GIMP schlägt per Default das png-Format vor; wenn das fertig bearbeitete Bild zum Beispiel am Ende der Bearbeitung meinbearbeitetesbild.xcf heisst, schlägt GIMP vor, es als meinbearbeitetesbild.png zu exportieren (und zwar am selben Speicherort, wo die xcf-Datei liegt, was man natürlich im Dateimanager ändern kann). Um das gleich vornweg zu nehmen: Für Einsteiger und überhaupt für einen sehr grossen Teil der Benutzer ist das png-Format genau das Richtige. Es handelt sich um ein Format, das zwei sehr grosse Vorteile hat: Es gehen im Vergleich zu anderen Dateiformaten wenig Informationen beim Konvertieren verloren, und das Format wird inzwischen sehr gut unterstützt. Alle heutigen Browser können das png-Format korrekt darstellen, so dass das Format für die Publikation von Bildern im Internet sehr gut geeignet ist. Alle heutigen Viewer beherrschen png, erst recht (andere) Bildbearbeitungsprogramme. Auch sozusagen alle anderen Programme, die irgendwie mit Bildern arbeiten können (etwa Präsentationsprogramme), können dieses Format problemlos lesen.

unterer Rand des Dateimanangers nach Datei/Exportieren als...

Selbstverständlich gibt es ausser png sehr viele andere Dateiformate für Bilder, und GIMP kann Bilddateien in eine beträchtliche Zahl davon exportieren - nämlich aktuell (ohne Einsatz von Plugins) in satte 39 Formate. Selbst Profis kennen kaum alle. Viele Formate sind nur für ganz spezielle Verwendungsweisen geeignet, andere sind stark bis sehr stark veraltet. Wegen seiner immer noch sehr grossen Verbreitung sei ein Format ausser png noch erwähnt, nämlich das jpg-Format. Dieses ist punkto Kompatibilität ebenso gut wie png (bis vor ein paar Jahren sogar besser, das ist aber vorbei). Wer in die Bildbearbeitung einsteigt, wird mit Sicherheit auf Bilddateien im jpg-Format stossen, mitunter immer noch häufiger als auf png-Dateien. Während das (natürlich sowieso völlig unproblematische) Öffnen von jpg-Dateien in GIMP keiner Bemerkung bedarf, ist insgesamt inzwischen doch klar davon abzuraten Bilder in dieses Format zu exportieren. Der Informationsverlust ist nämlich erheblich grösser als bei png, und jpg ist auch in anderer Hinsicht png ganz erheblich unterlegen. Deshalb empfiehlt heute die gesamte Fachliteratur die Verwendung des png-Formats, solange keine besonderen Gründe ein anderes Format erfordern.

Einstellungsfenster zum Exportieren von Dateien nach png

Wenn Exportieren als... gewählt wurde, hat das erscheinende Fenster, das den Dateimanager enthält (bzw. technisch gesehen zu ihm verbindet) unten rechts die Schaltfläche Exportieren, die gedrückt werden muss, wenn man (auch) mit dem eingestellten Dateiformat einverstanden ist. Ist man damit nicht einverstanden, muss man links den kleinen Button (Symbol: + ) neben Dateityp: Nach Endung anklicken. Dann erscheinen alle Dateiformate, in die GIMP Bilder exportieren kann, und zwar alphabetisch sortiert. Hat man das gewünschte gewählt, kann man die Schaltfläche Exportieren anwählen.

GIMP bietet für jedes Dateiformat, in das Bilder exportiert werden können, zusätzliche Optionen an, und zwar in einem neuen Fenster, das erscheint, sobald die Schaltfläche Exportieren angeklickt wurde. Bei manchen Dateiformaten kann man sehr wenig wählen, bei manchen aber sehr viel. Es ist hier nicht der Ort, zu erklären, was all diese Optionen bei den 39 Dateiformaten bewirken. Als Grundsatz gilt: Ein Einsteiger liegt in der Regel nicht falsch, wenn er die Default-Einstellungen unverändert lässt. Das gilt gerade auch fürs empfohlene Dateiformat png. In diesem neuen Einstellungs-Fenster muss nochmals eine Schaltfläche Exportieren angeklickt werden, und danach erstellt GIMP die neue Datei im gewählten Dateiformat (und mit den allenfalls gewählten Einstellungen).

Einsatz von Tastenkürzeln

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Vier der fünf Befehle fürs Speichern und Exportieren von Bildern können auch per Tastenkürzel ausgeführt werden. Nur Datei/Kopie speichern... hat standardmässig kein Tastenkürzel zugeordnet; dieser Befehl wird aber wie gesagt kaum noch verwendet.

Einfaches Datei/Speichern erfolgt mit Ctrl + S. Datei/Speichern unter... dagegen erfordert Shift + Ctrl + S. Einfaches Datei/Exportieren erfolgt mit Ctrl + E. Datei/Exportieren als... dagegen erfordert Shift + Ctrl + E.

Kleine Aufgaben

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  • Öffnen Sie ein Bild Ihrer Wahl, das nicht im GIMP-Format xcf vorliegt, und speichern Sie es unter einem frei gewählten Namen am Speicherort Ihrer Wahl im GIMP-Format xcf.
  • Exportieren Sie eine xcf-Datei ins pgn-Format, wobei Sie ihr einen anderen Dateinamen geben.
  • Führen Sie die beiden obigen Aufgaben mit anderen Bildern statt per Menü mit Tastaturkürzeln aus.


Der Werkzeugkasten

Die Auswahlwerkzeuge [Bearbeiten]

Vorbemerkungen

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Bild mit rechteckiger Auswahl

Die ersten 7 der 34 Werkzeuge des Werkzeugkastens bilden die Gruppe der Auswahlwerkzeuge. Das Arbeiten mit Auswahlen gehört grundsätzlich in die fortgeschrittene Bildbearbeitung, weshalb diese Werkzeuge hier nur summarisch dargestellt werden. Der Grund, weshalb man in der (fortgeschrittenen) Bildbearbeitung häufig mit Auswahlen arbeitet, ist eigentlich simpel: Auswahlen sind nötig, wenn man nur Teile eines Bildes bearbeiten will, oder wenn man (was man als Spezialfall davon betrachten kann) überhaupt nur Teile eines Bildes behalten will. Es sei noch erwähnt, dass sich Auswahlwerkzeuge nicht zum (zur grundlegenden Bildbearbeitung gehörenden) Zuschneiden von Bildern eigenen; dafür steht in der Gruppe der Transformationswerkzeuge ein eigenes Werkzeug zur Verfügung.

Ein Auswahlwerkzeug hat nun einfach die Aufgabe, nach bestimmten Kriterien festzulegen, wie ein Teil des Bildes ausgewählt wird. Es gibt zwei Grundtypen von solchen Kriterien: nämlich geometrische oder farbliche. Weiter gilt allgemein, dass Auswahlwerkzeuge, die Auswahlen nach farblichen Kriterien vornehmen, erheblich komplexer sind als jene, die nach geometrischen auswählen. Das ist aber natürlich nur eine ganz grobe Orientierung. In Wirklichkeit gibt es sowohl bei den Auswahlwerkzeugen, die geometrisch auswählen, als auch bei jenen, die das farblich tun, nochmals beträchtliche Unterschiede der Komplexität der verschiedenen Werkzeuge.

GIMP stellt die getroffene Auswahl (unabhängig vom dafür verwendeten Auswahlwerkzeug) im Bildfenster durch eine animierte gestrichelte Linie dar; die Animation unterscheide die Linie von der Begrenzungslinie am Bildrand. Die Abbildung zur Auswahl hier verzichtet auf die Wiedergabe der Animation. Eine Auswahl muss immer entweder durch einen Klick in den ausgewählten Bereich oder durch Drücken der Taste Enter abgeschlossen werden (diese beiden Vorgehensweisen sind völlig gleichwertig), erst danach kann mit der getroffenen Auswahl gearbeitet werden. GIMP zeigt sogar durch eine leichte Änderung in der Animation der gestrichelten Linie, die die Auswahl begrenzt, an, ob die Auswahl schon abgeschlossen wurde (nach Abschluss folgen sich weisse und schwarze Teile der Linie, vorher sind die weissen schwarz umrandet). Ab dem Abschluss der Auswahl erfolgt in diesem Kapitel keine weitere Erklärung über die weiteren Schritte; dies ist den entsprechenden Kapiteln vorbehalten. Ebenfalls nicht erklärt sind hier die (zahlreichen) Werkzeugeinstellungen, die für alle Auswahlwerkzeuge zur Verfügung stehen und jeweils im unteren Teil-Dock aufgeführt sind.

Die Auswahlwerkzeuge im Einzelnen

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Auswahlwerkzeuge für geometrische Auswahlen

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v.l.n.r.: Rechteckige Auswahl, Elliptische Auswahl, Freie Auswahl

Es gibt drei Auswahlwerkzeuge, die einen Bereich des Bildes nach geometrischen Kriterien auswählen, nämlich die Rechteckige Auswahl, die Elliptische Auswahl und schliesslich die Freie Auswahl. Die Rechteckige Auswahl und die Elliptische Auswahl sind weitgehend selbsterklärend, da Rechteck und Ellipse exakt definierte geometrische Objekte sind. Erwähnt sei, dass die Rechteckige Auswahl als geometrischen Spezialfall eine quadratische Auswahl ermöglicht, und die Elliptische Auswahl als Spezialfall eine Kreisauswahl. Aus technischen Gründen, die nicht hier erklärt werden, sind Auswahlen mit "krummen Rändern" (diese "Ränder" heissen fachsprachlich Kanten) optisch heikler als Auswahlen mit ausschliesslich geraden Kanten, so dass bei der Verwendung der Elliptischen Auswahl oft zusätzliche Einstellungen bezüglich Kanten beachtet oder ausgewählt werden müssen. Das wird hier aber nicht weiter thematisiert.

Die Freie Auswahl ist erheblich anspruchsvoller als die Rechteckige Auswahl und die Elliptische Auswahl. Gemeint ist mit "frei" im Prinzip, dass die Kanten der Auswahl gesetzt werden können, wo man will. Das Symbol des Werkzeugs ist ein stilisiertes Lasso, mit dem sozusagen ein Bereich des Bildes "frei" eingefangen werden kann. Tatsächlich bietet das Werkzeug zwei verschiedene Verwendungsweisen an. Die einfachere ist die Erstellung von Polygon-Auswahlen. Ein Polygon ist eine geometrische Figur, die beliebig viele Ecken (natürlich mindestens drei) enthält, die ausschliesslich mit Geraden verbunden sind (das Rechteck ist somit tatsächlich ein Sonderfall eines Polygons!). Dazu klickt man das Werkzeug an und setzt dann direkt im Bild die gewünschten Ecken des Auswahl-Polygons per Mausklick. Die jeweils letzte erstellte Ecke wird zunächst (nur bis zur Erstellung der nächste Ecke oder dem Abschluss der Auswahl) als oranger Punkt hervorgehoben. Im Prinzip muss man das Polygon schliessen, d. h. der letzte Punkt muss identisch sein mit dem ersten, aber wenn man das vergisst, erstellt das Werkzeug von sich aus eine Gerade zum Anfangspunkt und schliesst dadurch das Polygon ab. Setzt man nur zwei (oder gar nur einen) Punkt, kann dagegen diese Auswahl nicht abgeschlossen werden. Das Werkzeug erlaubt auch konkave und sogar überschlagene Polygone. Ein Polygon heisst konkav, wenn es (umgangssprachlich ausgedrückt) "Einbuchtungen" hat (sonst ist es konvex). Überschlagene Polygone sind geometrische Objekte, bei denen sich verschiedene Seiten (Geraden zwischen zwei Ecken) kreuzen und nicht nur (in den Ecken) berühren; das Auswahlwerkzeug Freie Auswahl interpretiert überschlagene Polygone so, dass dadurch Auswahlflächen entstehen, die nur in einem einzigen Punkt zusammenhängen.

Es gibt noch eine andere Verwendungsweise des Auswahlwerkzeugs Freie Auswahl. Statt zum Erstellen von Polygon-Auswahlen kann das Werkzeug auch zum Erstellen von freihändigen Auswahlen benutzt werden. Dann wird die Auswahl entlang der freihändig gezeichneten Linie erstellt. Dazu wählt man im Bild einen Ausgangspunkt und zeichnet dann die Linie per Mousedrag ein (das bedeutet, dass dazu die Maus nicht losgelassen werden darf). Auch hier muss die geometrische Auswahlfigur abgeschlossen werden, indem man zum Ausgangspunkt zurückkommt. Wenn man das unterlässt, interpretiert GIMP die "Lücke" zwischen Ausgangspunkt und Endpunkt der freihändigen Linie als Gerade. Die beiden Verwendungsweisen der freien Auswahl können ansonsten nicht kombiniert werden, d. h. man kann nicht z. B. einen Teil der Auswahl als Polygon definieren und dann noch einen Teil als freihändig gezeichnete Linie.

Auswahlwerkzeuge für farbliche Auswahlen

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GIMP hat vier Werkzeuge, die Bildbereiche farblich auswählen können. Sie heissen Zauberstab, Nach Farbe auswählen, Magnetische Schere und Vordergrundauswahl. Der Begriff farblich wird hier, da für chronologisch lesende Benutzer ohne Vorkenntnisse noch keine Grundlagen zu Farben bestehen, unspezifisch für alle optischen Bildeigenschaften verwendet; er umfasst auch spezifischere Eigenschaften wie Helligkeit, Deckkraft, Kontrast und dergleichen. Jedenfalls wählen diese vier Werkzeuge Bildbereiche nicht nach geometrischen Angaben aus, sondern eben nach im erläuterten weiten Sinn farblichen. Die vier Werkzeuge sind erheblich komplexer als die Auswahlwerkzeuge für geometrische Auswahlen. Das liegt an der Sache: Die Farbgebung in einer mitunter komplexen Rastergrafik ist der eigentliche, anspruchsvolle Teil komplexer Bildbearbeitung. Es ist deshalb folgerichtig, dass diese Auswahlwerkzeuge recht fortgeschrittene Instrumente sind, die zahlreiche Konfigurationsmöglichkeiten haben und oft im Verbund mit (unter Umständen ebenfalls komplexen) anderen Bildbearbeitungstechniken gebraucht werden. Entsprechend muss die Beschreibung dieser vier Werkzeuge hier aufs Allerwichtigste beschränkt bleiben. Vorweggenommen sei schon folgende Komplexität: Die Auswahlwerkzeuge, die farblich auswählen, kombinieren ihre Funktionalität oft zusätzlich mit "eigentlich" geometrischen Kriterien.

Der Zauberstab

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Der Zauberstab

Das Werkzeug mit dem charismatischen Namen Zauberstab (und einem entsprechenden Symbol) funktioniert so, dass ein (zumindest "fast") zusammenhängender Bereich einen Bildes ausgewählt wird, der (zumindest "fast") dieselbe Farbe hat. Das ist im Prinzip schon alles, und da der Zauberstab im Vergleich zu anderen Auswahlwerkzeugen, die farblich auswählen, recht einfach funktioniert, wird er von Einsteigern in die fortgeschrittene Bildbearbeitung gerne benutzt. Geübtere Anwender verwenden ihn seltener, da er nicht im laufenden Gebrauch angepasst werden kann und im Grunde etwas rudimentär arbeitet. Er wird so eingesetzt: Nachdem man das Werkzeug angeklickt hat, klickt man per Mausklick auf eine Stelle im Bild, die erstens die Farbe hat, die man auswählen möchte, und zweitens im Bereich liegt, den man auswählen möchte. Der Rest geschieht dann von alleine (allerdings auch, ohne dass man noch etwas beeinflussen kann - ist die Auswahl falsch, muss man von vorne beginnen). Sehr wichtig ist für ein gutes Funktionieren die präzise Wahl der Bildstelle beim Mausklick, und zwar sowohl hinsichtlich Farbe als auch hinsichtlich Bereich. Bildbearbeitungsprogramme sind ("nur") Programme, auch wenn sie ein Werkzeug namens Zauberstab enthalten. Das Programm kann nur rechnen, nicht sehen. Verklickt man sich, können erstaunlich unerwünschte Resultate entstehen, indem entweder nicht die gewünschte Farbe oder nicht der gewünschte Bereich (oder beides) ausgewählt werden. Am besten funktioniert der Zauberstab, wenn der auszuwählende Bereich möglichst gleichfarbig ist, und möglichst scharf begrenzt ist bezüglich der Kanten der Auswahl. Diese Konstellation ist übrigens generell günstig für Auswahlen, aber das nur nebenbei. Ist der auszuwählende Bereich unscharf begrenzt, oder mischfarbig (zum Beispiel "fleckig"), entstehen rasch Probleme bei der Anwendung des Zauberstabs. Freilich lässt sich das Werkzeug (wie alles in GIMP) konfigurieren (aber wie gesagt nur vor der Wahl des Ausgangspunktes im Bild). Die wichtigste Konfigurationsmöglichkeit in den Werkzeugeinstellungen ist der Schwellwert: Hier kann man nämlich dem Werkzeug mitteilen, wie gross die Toleranzbreite sein soll, innerhalb der eine Farbe als "ähnlich genug" gelesen werden soll, damit sie in die Auswahl kommt. Ein höherer Schwellwert wählt in der Regel mehr Bildteile aus als ein niedriger, da dann mehr Bildteile als "ähnlich farbig" interpretiert werden. Zum Schluss sei noch erwähnt, dass der Begriff zusammenhängend für die geometrische Beschaffenheit der Auswahl per Default nicht ganz eng interpretiert wird; Flächen, die in der ausgewählten Farbe (bzw. präziser: im ausgewählten Farbbereich) sind und zwar nicht ganz mit der ausgewählten Fläche zusammenhängen, aber noch hinreichend "nahe" daran sind, werden trotzdem noch mitausgewählt. Natürlich lässt sich auch konfigurieren, wie hoch diese geometrische Toleranz von "Nähe" sein soll!

Nach Farbe auswählen

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Nach Farbe auswählen

Das Werkzeug Nach Farbe auswählen gehört zu den ältesten seiner Art in GIMP und funktioniert deshalb verhältnismässig rudimentär. Im Prinzip ist es dasselbe Auswahlwerkzeug wie der Zauberstab, nur mit dem Unterschied, dass nicht nur (zumindest "fast") zusammenhängende Bildbereiche ausgewählt werden, sondern völlig unabhängig von der geometrischen Lage einfach alle Bildbereiche einer bestimmten Farbe. Einsteiger halten Nach Farbe auswählen oft zunächst für ein bequemes Werkzeug, aber in Wirklichkeit hat das beschriebene Verhalten in vielen Anwendungsszenarien klare Nachteile. Ein illustratives Beispiel: Man möchte in einem Bild das "Wetter" ändern und deshalb den blauen Himmel z. B. durch graue Bewölkung ersetzen. Dazu muss in einem ersten Schritt das zu ersetzende Himmelblau ausgewählt werden. Verwendet man dazu nach Farbe auswählen, entsteht mit einiger Wahrscheinlichkeit das Problem, dass auch Bildbereiche in die Auswahl kommen, die "inhaltlich" überhaupt nicht zum Himmel gehören (etwa: eine Person auf dem Bild trägt ein blaues Kleid - ein blaues Auto ist auf dem Bild - das Bild zeigt blaue Gewässer, usw.). Da das Werkzeug diese unerwünschten Bildteile rein nach Farbe auswählt, ist es leicht möglich, dass eine Korrektur der Auswahl anstrengend wird, denn Nach Farbe auswählen trifft gerne auch nur ganz kleine Flächen. Deshalb ist für viele Szenarien der Zauberstab schlicht besser geeignet. Es gibt aber Ausnahmen: Soll wirklich nur eine bestimmte Farbe geändert werden, ohne dass es überhaupt darauf ankommt, wo im Bild diese Farbe vorkommt, dann ist nach Farbe auswählen sogar besser als der Zauberstab. Denn mit dem Zauberstab müsste man ja dann jede Teilfläche in der fraglichen Farbe einzeln auswählen, was sehr umständlich werden kann. Man kann zwar den Zauberstab so konfigurieren, dass er eine besonders hohe Toleranz bezüglich des geometrischen Kriteriums Nähe hat und so faktisch zum Werkzeug Nach Farbe auswählen wird, aber es ist für dieses Szenario natürlich einfacher, gleich das dafür vorgesehene Werkzeug Nach Farbe auswählen zu verwenden. In der Bildbearbeitung gilt wie allgemein in der Verwendung komplexer Programme immer der Grundsatz der Einfachheit, wozu auch die Verwendung des geeignetsten Werkzeugs gehört. Abschliessend sei erwähnt, dass Nach Farbe auswählen eigentlich, wie der Zauberstab, einen bestimmten Farbbereich auswählt, der sich in den Werkzeugeinstellungen mit der Einstellung Schwellwert konfigurieren lässt.

Die Magnetische Schere

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Die Magnetische Schere

Das Werkzeug Magnetische Schere ist ein höher entwickeltes Werkzeug, das erst später in GIMP eingeführt wurde. Es wählt Bereiche nicht stur nach einer Farbe (bzw. eigentlich eben einem Farbbereich) aus, sondern ermöglicht es, eine Auswahl entlang von Farbunterschieden zu ziehen. Das Werkzeug erkennt sozusagen Farbgrenzen, zumindest innerhalb bestimmter Bereiche bzw. mit einer bestimmten Genauigkeit. Benutzt wird es wie folgt: Man muss nach der Wahl des Werkzeugs im fraglichen Bild einzelne Punkte setzen, und das Werkzeug fährt dann "magnetisch" der Farbgrenze nach. Die Punkte müssen möglichst exakt auf der Farbgrenze liegen, der entlang die Auswahl erfolgen soll. Der Abstand zwischen den Punkten darf nicht zu gross sein, insbesondere dann nicht, wenn der auszuwählende Bereich geometrisch kompliziert ist. Wenn man die Punkte zu weit auseinander setzt, funktioniert der "Magnetismus" der Schere nicht mehr richtig, und das Werkzeug wählt zu direkte Wege statt genau entlang der Farbgrenze auszuwählen. Wenn das passiert, lässt sich das aber recht einfach korrigieren: Man kann nämlich zusätzliche Punkte auch noch nachträglich zwischen schon bestehende setzen, und dann folgt die Auswahl dem Farbunterschied besser. Eine wichtige Einschränkung bezüglich nachträglicher Korrekturen sei erwähnt: Es ist zwar wie gesagt möglich nachträglich solche Punkte hinzuzufügen, nicht aber, gesetzte Punkte zu löschen. Deshalb muss man Acht geben, sich beim Setzen der Auswahlpunkte nicht zu "verklicken" und etwa aus Versehen einer falschen Farbgrenze zu folgen. Wenn das dennoch passiert, muss man leider neu anfangen. Wie auch bei anderen Werkzeugen üblich, muss die Auswahl als Ganzes explizit (z. B. per Mausklick in den auszuwählenden Bildbereich) abgeschlossen werden. Der klassische Anwendungsfall der Magnetischen Schere ist natürlich die Auswahl bestimmter (oft, aber nicht zwingend: eines Ausschnitts) Ausschnitte aus dem Bild, die gezielt bearbeitet oder sogar (und recht häufig) völlig aus dem Bild entfernt und in ein neues eingefügt werden sollen. Die dahinter stehenden Aufgabenstellung heisst (ein) Objekt freistellen und gehört zu den wichtigsten Aufgaben der fortgeschrittenen Bildbearbeitung Das Werkzeug Magnetische Schere kann in schwierigen Fällen nicht in einem Schritt alle Probleme des Freistellens lösen, aber es ist doch ein fortgeschrittenes Werkzeug, das insgesamt eine erhebliche Vereinfachung solcher Auswahlen ermöglicht.

Schliesslich sei noch folgende Bemerkung zur Bezeichnung des Werkzeugs gemacht: Magnetische Schere ist der im Werkzeugkasten selber verwendete Begriff. Im Menü dagegen (und in der offiziellen Dokumentation zu GIMP) heisst das Werkzeug Intelligente Schere; von dieser älteren Bezeichnung (bzw. dem englischen Pendant Intelligent Scissors) kommt auch das sonst nicht gerade intuitive Tastenkürzel I für dieses Werkzeug. Da magnetisch die Funktionsweise des Werkzeugs besser veranschaulicht als intelligent, wird in diesem Buch der Begriff Magnetische Schere verwendet.

Vordergrundauswahl

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Die Vordergrund-auswahl

Die Vordergrundauswahl ist ein stark fortgeschrittenes Werkzeug, das in Konkurrenz zur Magnetischen Schere steht. Der Hauptanwendungsfall ist für beide Werkzeuge, ein (aus menschlicher Sicht) "inhaltlicher" Teil eines Bildes "herauszulösen", typischerweise, um ihn dann in einem anderen Bild weiterzuverwenden. Somit wird auch die Vordergrundauswahl insbesondere fürs Freistellen von Objekten verwendet. Das Werkzeug Vordergrundauswahl ist der Magentischen Schere insgesamt noch um Einiges überlegen; der Preis dafür ist allerdings, dass die Verwendung noch etwas anspruchsvoller ist. Für (mögliche) sehr präzise Ergebnisse ist recht viel Übung nötig. Hinter dem Werkzeug steht recht viel Technik, nämlich ein (nicht nur von GIMP verwendeter) Algorithmus namens SIOX. Da der Code dieses Algorithmus Open Source ist, kann GIMP ihn verwenden.

Angewendet wird das Werkzeug in zwei Schritten. Zunächst, nach der Wahl des Werkzeugs, wird um das auszuwählende Objekt herum ein Polygon mit Punkten gesetzt. Im Unterschied zur Magnetischen Schere verhält sich diese Auswahllinie nicht "magnetisch", deshalb ist es wichtig, einigermassen genau zu arbeiten; es muss zwingend vermieden werden, dass auszuwählende Bereiche ausserhalb des Polygons sind. Im Gegenzug sollte nicht zu viel "Hintergrund" (Bereiche, die nicht zur Auswahl gehören sollen) innerhalb des Polygons sein. Das Polygon muss geschlossen werden, wobei GIMP das durch Ziehen einer Gerade vom letzten Punkt zum Anfangspunkt auch selber machen kann, wenn man den letzten Punkt nicht wieder auf den Anfangspunkt setzt. Danach muss man die Auswahl abschliessen, zum Beispiel durch Mausklick ins Bild. Nun passiert (für Einsteiger) etwas Überraschendes: Das ganze Bild wird mit einem "blauen Schleier" eingefärbt, wobei das Blau ausserhalb des Polygons etwas dunkler ist als innerhalb. Zugleich wird automatisch ein neues Werkzeug aktiviert, nämlich ein (eigentlich ja zu den Malwerkzeugen gehöriger) Pinsel. Mit diesem müssen nun innerhalb des (hellblau erscheinenden) Polygons jene Bereiche markiert werden, die Teil der Auswahl sein sollen. Dabei muss man sozusagen farblich denken: Die Markierung wird nämlich so interpretiert, dass markierte Bereiche den Farbbereich angeben, der innerhalb des Polygons zur Auswahl gehören soll. Deshalb ist es z. B. wichtig, nicht versehentlich Farbbereiche zu markieren, die inhaltlich zum Hintergrund des auszuwählenden Objekts gehören. Der Pinsel hat hier eine reine Markierfunktion, weshalb es technisch egal ist, mit welcher Pinselfarbe markiert wird. Die Default-Einstellung ist Schwarz. Die Markierfarbe kann geändert werden; das ist dann nötig, wenn auszuwählende Bereiche dieselbe oder eine ähnliche Farbe haben wie die Markierfarbe des Pinsels (per Default als dunkel oder sogar schwarz), denn wenn das der Fall ist, kann die Markierfarbe nicht vom Bild unterschieden werden, was Fehler bewirken kann. Auch die Pinselbreite ist einstellbar; die Default-Einstellung ist relativ breit; insbesondere für filigrane Auswahlen muss eine schmalere Einstellung gewählt werden. Wenn man fertig ist, muss der zweite Schritt der Auswahl wiederum, zum Beispiel per Mausklick ins Bild, abgeschlossen werden. Wie von Zauberhand ist nun das auszuwählende Objekt tatsächlich ausgewählt.

Es ist stark situativ bedingt (und auch noch etwas Gewohnheitssache), ob für das Freistellen eher die Magnetische Schere oder eher die Vordergrundauswahl verwendet werden soll. Die Vordergrundauswahl ist an den "Rändern" des Objekts eindeutig genauer (bzw. es kann aufwändig sein mit der Magnetischen Schere annähernd dieselbe Genauigkeit zu erreichen). Eine Fehlerquelle der Vordergrundauswahl ist dagegen, dass öfter Teile innerhalb der Auswahl von derselben ausgeschlossen werden (nämlich Bereiche, die im zweiten Schritt farblich nicht markiert wurden). Auch das kann natürlich nachträglich korrigiert werden; betrifft es allerdings viele Farben, kann auch das aufwändig werden. Gewisse Aussagen über den voraussichtlichen Aufwand zum Freistellen von Objekten gelten allerdings durchaus für beide Werkzeuge: Solche Auswahlen sind je schwieriger, je weniger klar sich auszuwählende von nicht auszuwählenden Farbbereichen unterscheiden, und je geometrisch komplexer die Begrenzungen sind. Das Worst-Case-Szenario sind in der Praxis sehr oft Haare, die möglichst kompliziert auf einen schlimmstenfalls noch farbähnlichen und gar noch wechselfarbigen Hintergrund "ausfransen". Solche Haare auszuwählen ist mit jedem Werkzeug aufwändig.

Einsatz von Tastenkürzeln

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Mit Ausnahme der Vordergrundauswahl, der standardmässig kein Tastenkürzel zugeordnet ist, können alle anderen Auswahlwerkzeuge auch per Tastenkürzel statt grafisch (oder statt per Menü) aufgerufen werden. Die entsprechenden Tastenkürzel lauten:

Rechteckige Auswahl: R

Elliptische Auswahl: E

Freie Auswahl: F

Zauberstab: U

Nach Farbe auswählen: Shift + O

Magnetische Schere: I

Kleine Aufgabe

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  • Öffnen Sie in GIMP das Bild der Statue des Kurfürsten Joachim und verwenden Sie danach nacheinander alle sieben auf dieser Seite vorgestellten Auswahlwerkzeuge! Gehen Sie bis zum Abschluss der Auswahl, machen Sie dann die Auswahl rückgängig und gehen Sie zur nächsten. Bei den beiden Werkzeugen zum Freistellen (Magnetische Schere und Vordergrundauswahl) versuchen Sie die Statue so genau als möglich auszuwählen. Bei den vorherigen Werkzeugen spielen Sie frei herum.


Das Pfadwerkzeug [Bearbeiten]

Vorbemerkungen

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In mancher, besonders älterer, Literatur zu GIMP wird das Pfadwerkzeug zu den Auswahlwerkzeugen gezählt. Von der Einteilung der verschiedenen Werkzeuge in Kategorien hängt technisch nichts ab, es handelt sich dabei nur um eine didaktische Frage. Richtig ist, dass das Pfadwerkzeug insofern mit den Auswahlwerkzeugen verwandt ist, als tatsächlich "etwas" sozusagen ausgewählt wird. Es gibt jedoch folgenden erheblichen Unterschied zu den "echten" Auswahlwerkzeugen: Ausgewählt wird nicht ein (wie auch immer abgegrenzter) Bildbereich, sondern eben ein Pfad.

Ein Pfad ist technisch etwas grundsätzlich anderes als ein Bildbereich. Theoretisch geht Pfad auf den entsprechenden mathematischen Begriff zurück, was hier nicht weiter vertieft werden kann. Technisch "besteht" ein Pfad nicht aus Pixeln, wie es sonst nahezu alle "Elemente" einer Rastergrafik, zumal alle Elemente, die eine sonstige Auswahl ausmachen können, tun. Vielmehr ist ein Pfad technisch ein Objekt, das "eigentlich" nicht zu Rastergrafiken gehört, sondern zu Vektorgrafiken. Die etwas bessere Sprechweise ist: Man kann Pfade in Vektorgrafiken einbauen oder zu Vektorgrafiken machen, und mit Pixeln kann man das nicht. Der Umstand, dass es mit GIMP möglich ist, Pfade zu erzeugen (oder eben auszuwählen), hat weit reichende Konsequenzen für den fortgeschrittenen Einsatz von GIMP in der Bildbearbeitung.

Theoretisch ermöglicht dieser Umstand nämlich, Rastergrafiken in Vektorgrafiken umzuwandeln. Diese beiden Grundtypen von (digitalen) Grafiken bzw. Bildern werden später auf einer eigenen Seite erklärt. Hier genügt der Hinweis, dass sich Vektorgrafiken fundamental von Rastergrafiken unterscheiden, indem eine Vektorgrafik nicht aus (wenn auch "sehr kleinen") Punkten (die wie erwähnt bei digitalen Bildern Pixel heissen), sondern aus "auflösungslosen", geometrisch und damit mathematisch exakt definierten "Elementen" besteht. Daraus folgt unter anderem, dass Vektorgrafiken ohne Qualitätsverlust unendlich skalierbar sind, was für Rastergrafiken überhaupt nicht gilt. Schon nur diese Bemerkung zeigt, dass Vektorgrafiken den Rastergrafiken technisch "eigentlich" klar überlegen sind. Viele digitalen Bilder, insbesondere alle digitalen Fotos, liegen aber nur als Rastergrafik vor. Das ist unter anderem deshalb so, weil derart komplexe Grafiken, wie sie digitale Fotos (meistens) sind, als Vektorgrafik äusserst komplizierte Dateien wären oder würden, was z. B. dramatische Auswirkungen auf die Dateigrösse hätte. Das wiederum ist in vielen Verwendungsarten von digitalen Fotos unbrauchbar; es ist z. B. nicht opportun, auf Webseiten "unanständig" grosse Bilder zu veröffentlichen. Daneben gibt es viele weitere technischen Hürden, die verhindern, dass digitale Fotos als Vektorgrafiken erfasst werden können. Diese Hürden sind so hoch, dass selbst die nachträgliche vollständige Umwandlung "normaler" digitaler Fotos in Vektorgrafiken technisch nicht zu bewältigen ist. Deshalb geht es bei der Verwendung von Pfaden in einem Bildverarbeitungsprogramm für Rastergrafiken, wie es GIMP ist, nicht darum, tatsächlich komplexe Rastergrafiken auch nur annähernd vollständig in Vektorgrafiken umzuwandeln. Mit sinnvollem Aufwand möglich ist nur (aber immerhin), bestimmte (wenige und einfache) Elemente als Pfade auszuwählen und dann zu vektorisieren. Das Pfadwerkzeug ist ein Hilfsmittel dafür. Wie bei den anderen Werkzeug wird hier aber nur die Werkzeugverwendung im engen Sinne erklärt; die Arbeit mit Pfaden in GIMP gehört als Ganzes in die fortgeschrittene Bildbearbeitung.

Verwendung

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Das Pfadwerkzeug.

Die Verwendung des Pfadwerkzeugs erfolgt, indem das Werkzeug angewählt und dann der Pfad per Mausklicks im geöffneten Bild wie gewünscht erstellt wird. Das tönt sehr einfach, aber hinter Pfaden steckt verhältnismässig viel Bildbearbeitungstechnik. Zunächst können zwar Pfade auch durchaus (nur) aus Streckenzügen aus Geraden bestehen; dieser stark vereinfachte Modus muss allerdings in den Werkzeugeinstellungen speziell aktiviert werden (Option "Polygonal"). Selbstverständlich ist es aber auch möglich gekrümmte Pfade zu erstellen. Dabei ist, da Pfade ja vektorisierbar sein müssen, genau definiert, welche Krümmungen möglich sind: Jede als Bézierkurve definierte Linie ist als Pfad direkt mit dem Pfadwerkzeug erstellbar. Die mathematischen Hintergründe solcher Kurven können hier nicht erklärt werden. Anschaulich gesprochen sind Bézierkurven genau all jene Kurven, die entstehen können, wenn man sich eine Gerade als Seil vorstellt, an das eine Last gehängt wird. Da sowohl das "Gewicht" der Last als auch der Punkt am Seil, wo die Last angehängt wird, frei wählbar sind, umfassen Bézierkurven eine sehr grosse Zahl von Kurven. Da zudem mehrere Lasten an verschiedenen Punkten angehängt werden können, die sogar noch verschieden schwer sein können, kann mit Bézierkurven jede Krümmung zumindest angenähert werden. Bézierkurven spielen in Vektorgrafiken (und in vielen anderen in einem weiten Sinne technischen Anwendungen) eine grosse Rolle.

Die Möglichkeit der Erstellung gekrümmter Pfade im Sinne von Bézierkurven macht das Erstellen komplexerer Pfade nicht ganz trivial. Vereinfacht gesagt werden gerade Teile der Auswahl wie eine freie Auswahl als "polygonartige" Linie erstellt (Pfade müssen allerdings im Unterschied zu echten Auswahlen nicht zwingend geschlossen werden). Soll eine Krümmung im Pfad erstellt werden, wird ein Ausgangspunkt auf einer vorher erstellten Gerade gewählt und von dem aus die Krümmung durch Mousedrag "gezogen". Recht verwirrend bei erstmaliger Verwendung ist, dass zusätzlich Hilfslinien des so genannten Kontrollpolygons, das jede Bézierkurve per Definition hat, erscheinen; diese sind wichtig für exakte Manipulationen an gekrümmten Pfaden, was hier nicht weiter thematisiert wird. Es ist möglich mit dem Pfadwerkzeug komplexere gekrümmte Pfade zu erstellen als der beschriebene. Ist ein Pfad fertig erstellt, wird die Arbeit wie bei Auswahlwerkzeugen zum Beispiel mit der Taste Enter abgeschlossen.

Mit dieser rudimentären Einführung ist nicht das Thema Pfade erklärt, dass in die fortgeschrittene Bildbearbeitung gehört, sondern nur im Ansatz das Pfadwerkzeug. Pfade können noch auf ganz andere Weise als mit dem Pfadwerkzeug erstellt werden. Insbesondere ist es möglich jede Auswahl (korrekter eigentlich: die Begrenzungslinien jeder Auswahl) in Pfade umzuwandeln (so genannte Umrisspfade). Auch das Umgekehrte ist möglich. Dadurch ergeben sich viele anspruchsvolle Möglichkeit der Manipulation von Rastergrafiken unter Zuhilfenahme von Instrumenten der Vektorgrafik.

Tastaturkürzel

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Das Pfadwerkzeug kann statt grafisch mit der Taste B aufgerufen werden.

Kleine Aufgabe

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  • Öffnen Sie eine Bilddatei Ihrer Wahl und zeichnen Sie mit dem Pfadwerkzeug einen Pfad, der mindestens eine gerade Strecke und mindestens eine gekrümmte enthält.


Die Transformationswerkzeuge [Bearbeiten]

Vorbemerkungen

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Transformationswerkezeuge sind Werkzeuge, die Bilder "direkt" manipulieren, und zwar ausschliesslich geometrisch. Aus dieser einfachen Definition ergibt sich, dass sich Transformationswerkzeuge von Auswahlwerkzeugen und auch vom Pfadwerkzeug unterscheiden: Jene verändern ein Bild durch sich allein in keinem Fall, sondern stellen nur (natürlich unentbehrliche) Grundlagen für folgende, meist komplexe Manipulationen bereit. Daraus ergibt sich, dass Transformationswerkzeuge auch in dem Sinne einen anderen "Standort" beim Erlernen von GIMP haben, als sie, zumindest im Grundsatz, zur grundlegenden Bildbearbeitung gehören. Natürlich ist das nur ein Grundsatz, denn Transformationen sind selbstverständlich oft auch Teil der fortgeschrittenen Bildbearbeitung, und zudem können manche Transformationswerkzeuge sehr wohl, auch für sich allein, für sehr komplexe Bildbearbeitungsschritte benutzt werden. Trotzdem haben die beiden Eigenschaften, direkte Bildmanipulationen und relative Einfachheit, die Folge, dass hier etwas ausführlicher auf Anwendungsmöglichkeiten eingegangen wird als bei den bisherigen Gruppen von Werkzeugen.

Es gibt insgesamt neun Transformationswerkzeuge, nämlich Verschieben, Ausrichten, Zuschneiden, Drehen, Skalieren, Scheren, Perspektive, Spiegeln und die Käfig-Transformation. Nicht alle Transformationswerkzeuge sind dafür gedacht, wirklich das ganze Bild zu manipulieren; manche entfalten ihre Macht erst dann richtig, wenn im Bild (vorgängig angelegte) Elemente (z. B. Auswahlen) sind, auf die das Werkzeug angewendet werden kann. Da allerdings im Prinzip immer das ganze Bild als eine Ebene und damit als direkt manipulierbares Element verstanden werden kann, ist es zumindest prinzipiell trotzdem möglich, jedes Transformationswerkzeug ohne Kenntnis anderer Techniken zu verwenden (mithin freilich nicht zu unbedingt sehr weit führendem Zweck).

Verschieben

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Das Werkzeug Verschieben

Mit dem Werkzeug Verschieben können Objekte eines Bildes verschoben werden. Der Begriff Objekt nimmt Bezug auf Techniken der fortgeschrittenen Bildbearbeitung und wird hier nicht exakt definiert. Es genügt für das Verständnis der Funktionsweise des Werkzeugs, dass insbesondere Ebenen, Auswahlen und Pfade verschoben werden können. Was eine Auswahl ist, wurde bei bei den Auswahlwerkzeugen (zumindest rudimentär) erklärt, dasselbe gilt für Pfade im Kapitel zum Pfadwerkzeug. Die Einführung ins für jede fortgeschrittene Bildbearbeitung fundamentale Ebenenmodell erfolgt später; hier genügt der Hinweis, dass jede Bilddatei im GIMP-eigenen Dateiformat xcf zumindest zwei Ebenen hat, nämlich einen so genannten Alphakanal und eine Ebene, die alle übrigen Informationen der einzelnen Pixel enthält. Anschaulich gesprochen bedeutet das Verschieben der Ebene in diesem einfachen Fall, dass "alles" ausser dem Alphakanal verschoben wird.

Verschiebung der Bildebene einer xcf-Datei

Grafisch gibt es zwei Möglichkeiten das Werkzeug Verschieben zu steuern. Für absolute Einsteiger ist die intuitivste Verwendungsart nach der Anwahl des Werkzeugs mit der linken Maustaste ins Bild zu klicken und dann die Verschiebung per Mousedrag vorzunehmen. Wird nun die Maus bewegt, so folgt das zu verschiebende Objekt (Auswahl, Pfad oder Ebene) der Mausbewegung. Sobald die linke Maustaste losgelassen wird, wird die Verschiebung der Auswahl oder Ebene auf das Bild angewendet. Diese Art das Werkzeug Verschieben zu steuern ist zwar sehr intuitiv, aber auch unpräzis. Eine präzisere grafische Vorgehensweise besteht darin, mit der linken Maustaste ins Bild zu klicken und wieder los zu lassen, um dann die Auswahl, den Pfad oder die oder Ebene pixelweise mit den Pfeiltasten der Tastatur zu verschieben. Dann verschiebt sich das fragliche Objekt mit jedem Tastendruck um exakt 1 Pixel. Es gibt sogar noch eine grafische Zwischenform zwischen der pixelweisen Verschiebung und der per Mousedrag: Wird mit der linken Maustaste ins Bild geklickt und dann die Pfeiltaste zusammen mit Shift gedrückt, dann verschiebt sich das fragliche Objekt um genau 20 Pixel in die durch die Pfeiltaste definierte Richtung. Damit sind nur die grafischen Bedienungsmöglichkeiten des Werkzeugs Verschieben erklärt!

Das Werkzeug Verschieben kennt einige Optionen, die mit den Werkzeugeinstellungen ausgewählt werden können. Ausgewählt werden kann insbesondere, ob eine Ebene, eine Auswahl oder ein Pfad verschoben werden soll. Die Default-Einstellung ist Ebene. Im so genannten "Werkzeugmodus" kann zudem entweder "Ebene oder Hilfslinie auswählen" (Default-Einstellung) oder "Aktive Ebene verschieben" gewählt werden; diese Option ist nur bei Bildern relevant, die mehrere "echte" Ebenen haben (nicht nur eine Bildebene und einen Alphakanal), setzt damit Kenntnisse des Ebenenmodells voraus und wird hier nicht erklärt. Der Anschaulichkeit halber wird in der Abbildung das Ergebnis einer Verschiebung der Bildebene einer Bilddatei mit Alphakanal gezeigt. Für sich allein ist ein solches Ergebnis kaum sinnhaft, doch wird das Funktionieren des Werkzeugs Verschieben so sichtbar. Beim Verschieben von Auswahlen ist zu beachten, dass nur der Umriss der Auswahl verschoben wird, nicht etwa auch ihr Inhalt! Insofern manipuliert das Verschieben von Auswahlen das Bild nicht direkt. Für die Verschiebung von Pfaden gilt dasselbe.

Ausrichten

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Das Werkzeug Ausrichten

Mit dem Werkzeug Ausrichten können Ebenen an anderen Objektes einen Bildes ausgerichtet werden. Die Objekte, an denen die fragliche Ebene ausgerichtet werden, werden in diesem Zusammenhang auch Ziel genannt. Als Ziele kommen im Wesentlichen (andere) Ebenen, Auswahlen oder Pfade in Betracht.

Die Verwendung des (relativ neuen) Werkzeugs setzt voraus, dass ein Bild mehr als eine "echte" Ebene enthält, oder anders gesagt: Das Werkzeug kann sinnvoll erst eingesetzt werden, wenn das Ebenenmodell (zumindest in den Grundzügen) bekannt ist und verwendet wird. Damit gehört das Werkzeug Ausrichten in die fortgeschrittene Bildbearbeitung. Mit Ausrichten sind einige komplexe Bildmanipulationen mit recht wenig Aufwand möglich, zum Beispiel das Ausrichten von Text in einem Bild, oder das "Zusammensetzen" eines Bildes aus "Teilen", die aus verschiedenen Bildern kommen. Diese zwei Beispiele sind mitnichten abschliessend, sondern rein illustrativ. Die Werkzeugeinstellungen zum Werkzeug Ausrichten erlauben differenzierte Angaben zur geometrischen "Art" der Ausrichtung; wählbar sind alle vier Kanten des Objekts und beide (die horizontale und de vertikale) Mitten. Es sind nicht nur bündiges Ausrichten (die Ebene berührt exakt das Ziel), sondern auch Ausrichten mit Abständen (diese heissen fachsprachlich Versatze) möglich. Sogar negative Versatze sind zulässig; dann überschneiden sich die auszurichtende Ebene und das Ziel.

Zuschneiden

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Mit diesem Werkzeug kann ein Bild zugeschnitten werden, worunter (primär) zu verstehen ist, dass unerwünschte Teile des Bildes entfernt werden können. Das Werkzeug Zuschneiden ist ein klassisches Werkzeug der grundlegenden Bildbearbeitung, wobei es (wie fast alle Werkzeuge in GIMP) durchaus auch fortgeschrittene Optionen bietet. Deshalb, und weil das Entfernen unerwünschter Bildteile eine klassische Aufgabenstellung für Einsteiger in die Bildbearbeitung ist, wird das Werkzeug hier etwas ausführlicher erklärt als Werkzeuge, die ausschliesslich in der fortgeschrittenen Bildbearbeitung sinnvoll eingesetzt werden können.

Folgende grundlegende Einschränkung ist für das Verständnis des Werkzeugs wichtig: Das Werkzeug kann nur Rechtecke bewahren, was nichts anderes bedeutet, als dass nur unerwünschte Bildteile entfernt werden können, die sich in (allerdings beliebigen) Randbereichen des Bildes befinden. Das scheint auf den ersten Blick eine beträchtliche Einschränkung zu sein, aber in der Praxis können so doch in erheblichem Ausmass störende Bildteile entfernt werden. Zunächst gibt es keine quantitativen Grenzen des Begriffs "Randbereich", d. h. man kann zum Beispiel ohne Weiteres einen Grossteil des Bildes entfernen (oder anders gesagt, nur eine Einzelheit des Bildes erhalten). Zudem lässt sich das Werkzeug natürlich beliebig oft hintereinander anwenden, wodurch beliebige Entfernungen in allen vier Randbereichen möglich sind. Falls auch so nicht das gewünschte Ergebnis evoziert werden kann, muss mit Auswahlen gearbeitet werden.

Die Verwendung des Werkzeugs Zuschneiden ist im Grundsatz denkbar einfach: Nach der Wahl des Werkzeugs klickt man ins Bild und zieht per Mousedrag ein Rechteck auf. Dieses muss keineswegs einen Rand des Bildes berühren (kann aber). Der so umfasste Ausschnitt ist das, was erhalten werden soll; was ausserhalb ist, soll weggeschnitten werden. Bequemerweise ist es möglich, den markierten Bereich auch noch nach Abschluss des Mousedrags zu verändern, indem entweder an den Seiten oder aber an den Ecken des Rechtecks "gezogen" oder "geschoben" werden kann. Eine weitere interessante Option besteht darin, das ganze Rechteck zu verschieben (d. h. also seine Grösse zu erhalten); dazu muss zum Ziehen mit der Maus die Taste Ctrl gedrückt gehalten werden. Somit ist es möglich, den zu erhaltenden Bereich entweder anzupassen oder auch nur zu verschieben. Abgeschlossen wird der Vorgang wie bei vielen Werkzeugen entweder durch Klick ins markierte Rechteck oder aber durch Drücken der Taste Enter.

In den Werkzeugeinstellungen des Werkzeugs Zuschneiden kann sowohl die Grösse (Höhe und Breite) des Rechtecks als auch dessen Position (relativ zum ursprünglichen Bild) in Zahlen angegeben, wodurch natürlich massiv exakter gearbeitet werden kann als per Mousedrag. Wie die meisten GIMP-Werkzeuge verstehen sich die Zahlen per Default als Pixel, doch kann eine beeindruckende Anzahl an anderen Masseinheiten eingestellt werden. Nur am Rande sei erwähnt, dass GIMP noch weitere Hilfen zur Genauigkeit des Werkzeugs anbietet, die indes eher der fortgeschrittenen Bildbearbeitung zuzurechnen sind, etwa die Verwendung von Hilfslinien.

Die Werkzeugeinstellungen haben etliche weitere Optionen.Wird die Option Nur die aktive Ebene gewählt, dann beschränkt sich die Wirksamkeit des Werkzeugs auf diese; eine sinnvolle Verwendung dieser Option setzt allerdings (zumindest) Grundkenntnisse des Ebenenmodells voraus. Die Option Vergrössern zulassen erlaubt es Rechtecke zu bilden, die über die Ränder des ursprünglichen Bildes hinausgehen; auch diese interessante Möglichkeit setzt aber das Ebenenmodell voraus, denn ohne das Vorhandenseins (echter) Ebenen bleiben natürlich die Bereiche ausserhalb der Ränder des Originalbildes "leer". Aus der Mitte aufziehen verändert die Art, wie das Rechteck "aufgespannt" wird durchs Mousedrag: Per Default geschieht das nämlich, indem der Ansatzpunkt ("Klickpunkt") im Bild als Ecke des Rechtecks interpretiert wird (das entspricht in der Regel der intuitiven Art, wie ein Rechteck zeichnerisch "begonnen" wird); ist aber diese Option gewählt, dann wird der Ansatzpunkt als geometrische Mitte des Rechtecks interpretiert - das ist recht gewöhnungsbedürftig, kann aber für besondere Fälle schneller zum Resultat führen. Die Option Fest schliesslich schränkt die Freiheit ein, welche Grössen das Rechteck überhaupt annehmen kann, was unter Umständen durchaus gewollt sein kann. Es gibt vier Einschränkungsmöglichkeiten: Seitenverhältnis, Breite, Höhe, oder Grösse. Im ersten Fall entspricht das Rechteck bezüglich Verhältnis dem Originalbild. Im zweiten und dritten Fall werden entweder die Höhe oder die Breite fix vorgegeben; die Vorgabe ist natürlich beliebig (und in beliebigen Masseinheiten) einstellbar. Im vierten Fall ist sogar die exakte Grösse des Rechtecks vorgegeben (es liegt also die Kombination der Fälle zwei und drei vor); dann beschränkt sich die Wahlfreiheit beim Setzen des Rechtecks nur noch auf dessen Lage im Originalbild. Die Option Hervorheben (per Default gewählt) führt in der Ansicht dazu, dass der wegzuschneidende Bereich abgedunkelt dargestellt wird; dies kann abgeschaltet werden. Diese Option bezieht sich einzig auf die Darstellung während der Verwendung des Werkzeugs und hat keinen Einfluss aufs Ergebnis. Automatisch schrumpfen schliesslich versucht, das Rechteck an ein Objekt darin automatisch anzupassen; dieses Feature ist bestenfalls experimentell und funktioniert zur Zeit nur dann halbwegs, wenn sich im Rechteck tatsächlich ein sehr klar optisch begrenztes Objekt befindet. Da grundsätzlich gilt, dass das Werkzeug Zuschneiden wie alle Transformationswerkzeuge ein Bild nur geometrisch verändern kann, werden Aufgaben, die sich (auch) auf andere Bildeigenschaften (Farben, Kontraste usw.) beziehen besser mit anderen Wekzeugen getätigt.

Rotieren (Shift + R)

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Um eine Auswahl oder die momentan aktive Ebene zu drehen, benutzen Sie das Rotationswerkzeug. Wenn Sie die STRG-Taste gedrückt halten, können Sie die Drehrichtung um 15° Schritte festsetzen. Ist aber eine Drehung um 90° oder 180° gewünscht, gibt es alternativ die Menüpunkte Ebene - Transformation und 90° drehen (rechts).

Skalieren (Shift + T)

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Mit dem Skalierungswerkzeug können Sie eine Auswahl oder die momentan aktive Ebene vergrößern. Wenn Sie die Strg-Taste gedrückt halten, wird in den Eigenschaften des Werkzeuges Skalieren die Eigenschaft Verhältnis beibehalten umgeschaltet.

Scheren (Shift + S)

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Das Scherungswerkzeug erlaubt dem Benutzer, eine Auswahl oder die momentan aktive Ebene zu scheren. Dabei wird die obere und die untere Begrenzung parallel zueinander verschoben, sodass Sie aus einem Rechteck ein Parallelogramm erstellen können.

Perspektive verzerren (Shift + P)

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Das Werkzeug Perspektive dient dazu, eine Auswahl oder die momentan aktive Ebene durch Verändern der vier Eckpunkte zu verzerren.

Spiegeln (Shift + F)

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Mit diesem Werkzeug ist es möglich, eine Auswahl oder die momentan aktive Ebene horizontal oder vertikal zu spiegeln. Wenn Sie die Strg-Taste gedrückt halten, wechseln Sie zwischen dem horizontalen und dem vertikalen Spiegelungsmodus.



Die Malwerkzeuge [Bearbeiten]

Malwerkzeuge

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Mit Farbe oder Muster füllen / Farbeimer (Shift + B)

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Mit dem Werkzeug Farbeimer können Sie eine Auswahl oder einen zusammenhängenden Bereich mit der von Ihnen ausgewählten Vordergrundfarbe füllen. Um aber eine Auswahl oder einen Bereich mit einem Muster zu füllen, wählen Sie in den Werkzeugeinstellungen von Farbeimer als Füllart den Radio-Button Muster. Sobald Sie auf das Icon mit der Abbildung eines Musters klicken, öffnet sich eine Klappliste, aus der Sie schließlich das gewünschte Füllmuster auswählen können.

Farbverlauf (L-Taste)

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Im Gegensatz zum Farbeimer arbeitet das Werkzeug Farbverlauf zweifarbig - mit einem Farbverlauf von Vordergrund- zur Hintergrundfarbe. Einen Verlauf erstellen Sie dabei, in dem Sie die Maus bei gedrückter Maustaste vom gewünschten Anfangspunkt des Verlaufs zum gewünschten Endpunkt bewegen und anschließend wieder loslassen. Mit Hilfe eines Gummibandes, das am Mauscursor hängt, ist es möglich, die Richtung des Farbverlaufs zu bestimmen. Beim Klick wird die Vordergrundfarbe und beim Loslassen die Hintergrundfarbe gesetzt. Wenn sie also schwarz als Vordergrund und weiss als Hintergrund gesetzt haben, in der linken unteren Ecke klicken, festhalten, nach rechts oben ziehen und dort loslassen, erhalten Sie einen Farbverlauf, der links unten schwarz und rechts oben weiss ist.

Stift (N-Taste)

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Striche mit harter Kante zeichnen Sie mit dem Stift. Auf Wunsch ist es möglich, die Strichstärke und die Druckempfindlichkeit zu verändern bzw. anzupassen (z.B. einen Effekt, bei denen Striche mit der Zeit verblassen, ist schnell realisierbar). Dazu modifizieren Sie die Werkzeugeinstellungen des Stift-Werkzeugs.

Pinsel (P-Taste)

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Der Pinsel bietet die gleichen Einstellmöglichkeiten wie der Stift. Im Gegensatz zum Stift zeichnet dieser jedoch Striche mit weichen Kanten. Übrigens ist das aktuelle Bild aus der Ablage automatisch auch der erste Pinsel in Ihrer Pinselauswahl.

Radierer (Shift + E)

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Der Radierer ermöglicht das Entfernen von Bildinformationen mit verschiedenen Radiererspitzen und Radiererformen. Wenn das Bild oder die aktuelle Ebene einen Alpha-Kanal besitzt, wird der Bereich transparent, den Sie radieren. Ansonsten "malt" der Radierer mit der aktuellen Hintergrundfarbe.

Airbrush / Mit variablen Druck sprühen (A-Taste)

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Ähnlich wie mit einer Sprühdose ist es mit dem Werkzeug Airbrush möglich, Farben in kreisförmigen Bereichen und in unterschiedlicher Dichte aufzutragen.

Tinte

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"Tinte" simuliert das Zeichnen mit Tinte oder Tusche auf Papier. Reizvoll ist es mit einem Zeichentablett zu arbeiten, aber auch mit einer Maus kann man beeindruckende Striche zu Stande bringen. In den Werkzeugeinstellungen lassen sich Form und Verhalten der Tuschfeder steuern, z.b. die Form der Spitze, der Winkel sowie die Geschwindigkeit, mit der die Feder über das Papier gezogen wird. Eine hohe Geschwindigkeit dünnt die Linie entsprechend aus und verleiht ihr mehr Dynamik.

Klonen (C-Taste)

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Mit dem Klonwerkzeug ist es möglich Bildteile zu duplizieren. Dafür wird mit gedrückter STRG-Taste zuerst die Stelle im Bild festgelegt, von wo kopiert werden soll (Quelle). Danach kann man mit dem Stempel zeichnen. Ein kleines Kreuz markiert dabei die Stelle im Bild, an der sich die Quelle gerade befindet. Sehr nützlich ist, dass sich die Quelle nicht in dem Bild befinden muss, in dem mit dem Stempel gemalt wird. Man kann also mit diesem Werkzeug auch Bildteile von einem Bild in ein anderes kopieren.

Weich-/Scharfzeichnen (Shift + U)

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Wenn Sie von Hand kleinere Bereiche scharf- oder weichzeichnen wollen, können Sie diese klassischen Filter auch wie mit einem Pinsel anwenden. So können Sie z.B. bei Fotomontagen feine Übergänge schaffen oder Details hervorheben. Ihnen stehen die klassischen Pinseloptionen zur Verfügung, mit "Rate" verändern Sie die Stärke des Effekts.

Verwischen / GIMP 2.6: Verschmieren (S-Taste)

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Dieses Werkzeug imitiert das Verschmieren frischer Farbe. Sie können sich das so vorstellen, dass Sie mit dem Finger über noch feuchte Farben streichen. Die Farben bleiben am Finger kleben und verwischen dadurch das Bild. Die Rate gibt an, wie stark die Farben am Finger kleben und dadurch, wie stark sie verwischen.

Abwedeln/Nachbelichten (Shift + D)

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Mit diesem Werkzeug verändern Sie gezielt die Belichtung einzelner Bereiche im Bild. Sie können einzelne Schatten und Kontraste verstärken - oder auch z.B. Haut bräunen. Der Name bezieht sich auf eine Technik der manuellen Fotoentwicklung um weichere Übergange zu schaffen: Je länger man zwischen Licht und Fotopapier wedelte, desto heller wurde dort das Bild. Die länger belichteten Bereiche wurden dunkler. Daher hellt "Abwedeln" auf und dunkelt "Nachbelichten" ab. Bei der digitalen Fotobearbeitung geht es freilich bequemer - in den "Werkzeugeinstellungen" finden Sie viele wichtige Optionen: Sie können beliebige Pinsel verwenden, die Stärke der Belichtung verändern und mit dem "Modus" steuern, ob sich der Effekt auf Schatten, Mitten oder Glanzlichter auswirken soll.



Die Menüleiste

Das Menü Datei [Bearbeiten]

Übersicht

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Druckversion des Buches GIMP/ Grundlegende Bildbearbeitung
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